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Full text of "Die Beteiligung der Christen am öffentlichen Leben in vorconstantinischer Zeit: Ein Beitrag zur ..."

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Ibacbacli ffollcgc librani 



JAMES WALKER. D.D., LL.D., 

(CUM Ol Itl4) 



" l'r('ftm:nce Iwini; uivun tu w.rki in lh(. InU'llvcliial 



^ 



Veröffentlichungen 

ans dem 

Kirchenhistorischen Seminar München 



Horausgej^obon 



Ton 



ALOIS KNOEPFLEll, 

Doktor (lor ThooloKi«* und dvr PhiloHoiHii«, o. ö. Prof<*HH«»r «lor KirclwiiKi-scliirlit«- 

an ilor Univorsitfit MUnrlu-n. 



»Tp. H. 

lYiv 

Beteiligung der Christen am öffentlichen Leben 

in vorconstantinischer Zeit. 

Kill Beitrag zur ältesten Kirelien^^eschiehte. 
Dr. theol. Andreas Kigelmair. 



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VV»-r. 



MUXCHEX 1002. 
VEin.AG DKI! .]. ,]. I.KNTNERSCIIKN UCCHHAXDLrXG. 

(K. STAHL Jl'N.; 



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Die 



Beteiligung der Christen 



am 



(itfeiitlichf^n Leben 



in vorcoiistautiniscber Zeit. 



Kin licitrag zur {iltcslen Ivirchengoscliichte 



voll 



Dr. tlicol. Andreas Bigelmair. 



„Aul' Ertlfii \v««iUjii sie, 
liii Ilininicl waiHlcln sie." 



MINCIIMN VM)i>, 
VKKLA(i DKlt .J.l. LKNTNKKSi IIKN Hl ( IIIIANhLI .\(i. 

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Vorwort. 

Vorliegende Schrift ist die ]^ear])eituiig einer von der 
theologischen Fakultät der Ludwig - ^hixiniiliansuniversitüt 
München für das Jahr 189(5/97 gestellten Pi-eisaufgalnj. 
Kei der VeröfTentlichinig fl(?rsen)en gtnlenkc ich in dank- 
harer Wehmut eines ^hlnnes, ühor dessen irdischer Hülle 
sich bereits die (J ruft geschlossen, des Ilochwürdigsten Herrn 
Bischof es Dr. P e t r u s von 1 1 o e t z 1 in A ugsl nirg, der mir 
dereinst huldvollst den 7AU* X'ollendung der Arbeit nötigen 
»Studienurlaub gewährt. Meinen iiuiigst^'u Dank möchte 
ich weiter ausspreciluni meintni hochverehrten Lehrern, Herrn 
TniversitcHtsprofcssor Dr. Alois Knöpf 1er, dem nimmer 
rastenden Förderer der kirchenhistorischen Studien an der 
l'niversitilt München, dem auch ich die Anregung und 
r/iebe zu densellKMi verdanke, und Herrn rniversitätsj)rofessor 
Dr. Karl Wi^vman, der dem Verfasser stets liebevolle 
Teilnahme entgegengel »rächt hat. Der Mühe der Korrektur 
unterzog sich mein lieber Freund Herr St^idtjifarrkooperator 
Holzapfel in München iSt. Henno), wofür ihm auch an 
dieser Stelle ein herzliches Dankeswort gesproelien sei. 

München, August 1I»02. 

Ih*r V«»rlasser. 



Inhaltsverzeichnis. 



Roitc 

Vorbemerkung 5 

I. Teil. Die Stellung der Christen zum römischen Staats- 
leben. 

Kinleitung 7 

/. 7\a pitet. Die rechtliche Steiluiig der ('hristen in 

vorconstantinischer Zeit 16 

i?. Kapitel Die Stellnnß: der ('hristen ziuii .Staat . 70 
:i. Kainti'l. Die Stellung der (-hristen zu den Staats- 
ämtern 125 

4. Kapitel. Die Stellung der Christen zum Militilr- 

dienst 1(>4 

//• Teil. Die Stellung der Christen zum römischen Gesell- 
schaftsleben. 

i. Kapitel. Die Stelluui,^ der Christen in der hfid 

nii!<'lien (jesellschaft :?()2 

:i. Kapitel. Die Stellung der Christon zur (losell 

Schaft. Ihugang und Verkehr. (Teniischte Ehen 22;') 

.^. Kapitel. Die Christen und die heidnis?chen Ver- 
gnügungen ^IviW 

I, Kapitel, Die Christen und die irdische Arheit. 

Gewerbe. Handel. Kunst . . 2SKJ 

Srhluss :J31 

Index i\U 



Vorbemerkung. 



Die Schriften der apostoliHchen Väter wurden in der 
Ausgabe von Funk (Tübingen 1878 — 1881) benutzt. Eine 
Angabe der Seitenzahl schien bei der leichten Auffindbar- 
keit des CitatoB hiebei nicht notwendig. Die Werke von 
LjuBtin, Tatian, Athenagnras und Theophilus wurden nach 
Kdem Corpus apologet. christ. saec. 11. ed. J. C. Th. de Otto 
l((Tol. 1—5. ed. 3. Jenae 1876—1881; vol. 6—9. Jenae 1851 
—1872) citiert. Von den übrigen, häufig verwerteten 
' Kirchenschriftatellem wurden folgende AuBgaben zu gründe 
gelegt: 

Clementie Alex, opera bei Migne, Patrologla« curs. compl. 

Ser. Graec. Vm— IX. 
Comraodiani carmina, ed. Dombart, Wien 1887. 
Cypriani opera, ed. Hartel, Wien 1868—1871. 
Eusebiihist. ecclesiastica, ed.Laemmer, ScbafThausenl859. 
Hippolyü PhiloBophumena, ed. Duncker - Schneidewin, 
Göttingen 1859. 
' — conament. in Uhr. Daniel, ed. Bonwetsch, Leipzig 1897. 
Irenaei opera, ed. Harvey, Cambridge 1857. 
I^ctantii opera, edd. Brandt- Laubmann, Wien 1 890 — 1 89 7, 
Minuc. Felieis Octavius, ed. Halm, Wien 1867, 
Origenes' Werke, ed. Koetschau, Leipzig 1899. 
TertuUiani opera, ed. Oehler, Leipzig 1851 — 1854. 
p. I., ed. Reifferscheid, Wien 1890 (durch bei- 
gefügtes E kenntlich gemacht). 
Auf die Band-, Seiten- (Kolumnen-) und Zeilenzahl 
[ 'dieeei Ausgaben beziehen sich die der Citatätelle in Klammern 
li'Iieigefügten römischen und arabischen Ziffern. In andern 
l-JUlen wurde die Ausgabe eigens angegeben. 




Die Stellung der Christen zum römiacheu 
Staatsleben. 



Einleitung. 

Der 13, Juni des Jahres 313 war für die Welt- 
tgeschicbt*) ein denkwürdiger Tag. Staunend lasen die 
"Römer an den AnschlagBäulen das neueste Edikt der beiden 
Augusti Constantin und Licinius : Die gemeinsamen Be- 
ratungen auf der Konferenz in Mailand für das Staatswohl 
und die Staatssicherheit hätten vor allem zu dem Ergebnis 
geführt, daas allen Unterthaiien und also auch den Christen 
vöUige ungestörte Religionsfreiheit zu gewähren sei, Hiemit 
träten alle früher gegen die Christen erlassenen gesetz- 
lichen Bestimmungen ausser Kraft. Die Güter, die den- 
selben ehemals zu Versamnalungaorten gedient oder über- 
haupt in ihrem Gemeindebesitz gewesen, später aber in 
den Besita des Fiskus oder Privater gekommen, seien 
denselben unverzüglich und unentgelÜich zurückzugeben. 
Der Staat werde denen, welche solche gekauft oder als 
Geschenk erbalten, entsprechende Entschädigung bieten. 
Das Christentum solle den vollen Schutz der Behörden 
gemessen. So verlange es das Staatswohl und die Milde 
der Herrscher, die in allen Ereignissen den göttiichen 
Schutz in so reichem Masse an sich erfahren.' 

Die Herrscher hatten recht. Die Christenfrage war 
die brennendste Frage der Zeit geworden, die seit langem 
einer endgültigen Losung harrte. GaUienus hatte die 
Xjöaung hmauBzuschieben versucht, Diocletiana Löeungs- 

Da mort. pera. 48 (II' 238) cfr. Eoe. bist, eocl X, 5 (811). 



^H^ IXMUng tunaUBzui 
^^^H ' Da mort. pe 



— 8 — 

versuch hatte sich als verfehlt erwiesen, Constantin griff 
zum Richtigen. 

Das Charakterbild des ersten Christen auf dem 
römischen Cäsarenthron ist in alter und neuer Greschicht- 
schreibimg ein schwankendes geblieben. Für die Geschichte 
des Christentums ist seine Beurteilung nicht so sehr von 
Belang. Die Um- und" Neugestaltung der Verhältnisse war 
eine unabweisbare Konsequenz einer dreihundertjährigen 
Entwicklung. Ob Constantin lediglich klug politischen 
Erwägungen folgte, als er das Christentum zur StaatsreUgion 
schuf, oder ob er dabei unbewusst von einer Zeitströmung 
erfasst und gedrängt wurde, oder ob er die Überzeugung 
von der Wahrheit der neuen Religion selbst tief im Herzen 
trug — jene weltbewegende Umgestaltung musste eintreten. 
Sein Werk wäre wohl alsbald wieder zu Grabe getragen 
worden, wenn es nicht eine Verkörperung des Geistes 
gewesen wäre, der bewusst und unbewusst seine Zeit 
durchweht. Der Beiname des Grossen, den die Greschichte 
ihm gegeben, bleibt immer mit vollem Recht bestehen. 
Ein solch gewaltiger Bruch mit bestehenden Weltanschau- 
ungen, selbst wenn er längst sich ahnen Hess, verzögert 
sich ja meist bis zum Erscheinen oder beschleunigt sich 
durch das Auftreten eines Mannes, der mit starker Hand 
den gordischen Knoten durchhaut. 

Drei Jahrhimderte waren vergangen. Es war ein 
weiter Weg von dem Kreuze, zu dessen Füssen dereinst 
römische Soldaten das Los über das Grewand des jüdischen 
,, Volksverführers" geworfen, bis zu dem Kreuze, das als 
Feldzeichen den römischen Legionen voranschwebte. 

Rasch war an aUen Punkten das Christentum erblüht. 
Schon die Apostel sahen in allen wichtigen Weltstädten 
den Samen ihres Wortes aufgehen.^ Damaskus hatte 
staunend der stürmischen Begeisterung des neubekehrten 
Paulus gelauscht,^ Antiochia, die Hauptstadt Syriens, war 

* De mort. pers 2, 4 : discipuli . . . per annos XXV usque ad 
princlpium Neroniani imperii per omnes provincias et civitates 
ecclesiae fundamenta miserunt (II ', 174, 9). 

* Apg. 9, 20. 



^ 9 — 

die Heimstätte des Chriateimamena and zai Herberge der 
Apostel geworden' und von da aus durchzog das Chrißten- 
tum die Welt: Tarsus* und Salamis,' Iconium* und 
Milet,^ Epheeus" und Laodicea,' Colossä^ und Troas,* 
Philippi/" Thessalonike/' Beröa,'* Athen/' Korinth" 
und Roni'^ beherbergten grosse Christengemeinden. Petrus 
schreibt an Christen im Pontus, in Kappadoeien, Bithynien,'^ 
Johannes au die Geineinden von Smyrna, Pergamua, 
Thyatira," Titus kommt nach Kreta, und Dalmatien," 
und selbst nach Afrika, nach Ägypten und Libyen hat 
dae Pfingstwunder die Kunde von dem Gekreuzigten und 
Auferstandenen gebracht/' 

Und weit*x zieht die neue Lehre ihre Bahnen, Schon 
am Aniang des zweiten Jahrhunderts sieht Plinius in 
Kleinasien die Tempel verödet, die Opfer vergessen/" 
Und wieder etwas später klagt fast wehmütig der Heide 
Cäcilius mit so vielen seiner Mitbürger über die stete 
wachsende Zahl der Chrietusgläubigen/^ Die Christen 
freilich jubeln: Von gestern shid wir, und schon haben 
wir alles erfüllt, was dereinst euer gewesen ; nur eines 
haben wir euch gelassen — die Tempel/* Fünfzig Jahre 



■ Apg. II, 26, 2(S' 13, 1. ' Apg, 9, 29. 30; cfr. Gal. 1, 21 
' ApK- 13. ä. * Apg. 14, 1. 21. " Apg. 20, 15. 17; 2. Tim. 4, 20 
•Apg 18, 19; 19, l ff.; Eph. 1, 1 H.; Offb. 2, 1 ff- ' Col. 4, 15. 16 
Offb.l, U; 3, Uff, "Col.l, 2 ff. "Apg. 16,8: 20,5- "' Apg. 16, 
12; Phil. 1,1 ff. " Apg. 17,4; 1. Thesa. 1, Iff.; 2. Thess. 1. 1 ff. 
" Apg 17, 12; 20, 4. " Apg, 17, 34. " Apg. 18, 1. 8 ; 1. Cur. ' 
2 ff.; 2. Cor. 1,1 ff.; 2. Tim. 4, 20. " Apg. 28, 14; Eöm. 1, 7 f 
cfr. Tac. annal. XV, 44; ingena mnltitndo. " I. Petr, l, 1, 
" Off. 2, 18. '* Tit. 1,0; 2. Tim. 4, 10. '» Apg. 3, 10. "■ Fun. 
ep. X, 96. 

" Min. Fei. Octav. !) : ac iam, ut fecundina nequiura proveninnt, 
Berpentibiis in dies perditia moribns per nniveranm orbem sacreria 
isla toeterrima impiae coitionis adolescunt (12, 22); cfr. Tert. ad 
nat 1, 1: adeo quotidie idoleacentem numerum Chriaüanonun 
ingemitis, ubaesHam vuclferamioi civitatem, in agris, in caatelliB, in 
inralia Christjanos; umnem aexum, omnem aetatem, ounein denique 
dignitatem trnnsgredi a, robis qnasi detrimento dületis (B. I, 59, 5); 

cfr. Luc. Paendora. 25: Xiyaiy naiiaii iiinB7iXf.a!fiti Xoiati'iyiäi' r<ii- 

UiyT.^ {Jacubite n, 127, 234). 
" Tert. apoL 37 (I, 250.). 





^ 10 ,— 

nachher kann Origenes schreiben: Zahllos ist die Menge 
der Griechen und Barbaren, die an Christus glauben.^ 
Und er hatte recht. Die Kirche in der Mitte des dritten 
Jahrhunderts bietet ein glänzendes Bild. Hatte sie auch 
in einigen Ländern wohl nur vereinzelt Fuss gefasst, so 
tritt sie in andern als eine starke, fest organisierte Macht 
hervor, die mit grossen, gewaltigen Mitteln arbeitet. Die 
nachdecianische Friedenszeit hat diese Macht noch mehr 
gehoben. 

Freilich bildeten die Christen auch zur Zeit des Mai- 
länder Ediktes numerisch noch immer nur eine schwache 
Minorität im römischen Weltreiche. Ihre Zahl mag wohl 
wenig mehr als ein Zehntel der Gresamtbevölkerungsziffer 
betragen haben.* Aber diese Minorität trat doch in 
kraftvolle Erscheinung schon deshalb, weil die Anhänger 
des Christentums hauptsächlich in Grossiädten sich fanden, 
und Grosstadtbewegungen haben damals eben so bestim- 
mende Wirkung auf das ganze Land geübt wie heutzutage. 
JNoch bedeutsamer war die festgegliederie Organisation, die 
nicht bestimmtes Alter oder Geschlecht oder Lebensstellung 
verknüpfte, sondern mit innigem Bande alle umschloss, 
die nicht mit zeitlich-materiellem Nutzen ihren Zweck 
erfüllt sehen konnte, sondern in einer geistigen Idee, der von 
nun an alle Zeiten dienen sollten, ihren Mittelpunkt fand. 
Geistige Bewegungen sind aber überhaupt schwer zu unter- 
drücken, und dass die christliche unzerstörbar sei, hat ihr 
Todfeind Galerius sterbend zugestanden.' 



* Orig. c. Gels, m, 24 (I, 220, 24). 

' Keim, Born und das Christentam, Berlin 1881, S. 419, schätzt 
die Anzahl der Christen über 16 Millionen, also etwa auf ein Sechstel 
der Gesamtbevölkerung; Schnitze, Geschichte des Unterganges des 
griechisch - römischen Heidentums, Jena 1887, I, S. 22, A. 3, hält 
die Schätzung Keims für nicht zu hoch, jedenfalls schätzt er sie 
auf 10 Millionen; vgl. Funk, „Oonstantin der Grosse und das Christen- 
tum" in Kirchengeschichtliche Abhandlungen und Untersuchungen, 
n, Paderborn, 1899, S. 8. 

» Edikt vom 30. April 311: de mort. pers. 34 (II*, 212, 10 fE.); 
Eus. bist. eccl. Vm, 17, 3 (656, 10). 



Die leitenden Staatsmänner mussten sich auch sagen, 
daßB die Furcht vor den Gefahren, die man mit der neuen 
Religion verbunden geglaubt, uubegründet gewesen, dass 
Staat und Gesellschaft auch mit ihr und durch sie fort- 
bestehen könne, ja dass das öffentliche Leben durch die An- 
teilnahme christUcher Ideen und Kräfte nur erstarken werde. 

Und das öffentliche Leben zu gewinnen und um- 
zugestalten, muBste ja auch ein Grundgedanke des Christen- 
tums sein, wenn anders daa Wort des göttlichen Meisters 
sich erfüllen sollte : „Das Reich Gottes ist gleich einem 
Sauerteige, den ein Weib nahm und unter drei Mass Mehl 
mengte, bis alles durchsäuert war.'" 

Dreihundert Jahre lang hatten die Chriaten darum 
gerungen, imd harte Kämpfe hatte es gekostet, äussere und 
innere. Es waren nicht allein die Gesetze und Vorurteile 
der heidnischen Staats- und GeseUschafteordnung, die sich 
ihnen entgegenstellten, im Innern der Kirche selbst entstand 
der Streit über die Anteilnahme am äusseren Leben der Welt. 
Von dem Judentum angefangen, daa schon die nationalen 
Schranken nicht zu durchbrechen wagte, bis zum Montanis- 
mus herab in seinen verschiedenen Formen und Abstufungen 
— all die schroffen Strömungen innerhalb der Kirche er- 
kannten nicht den Vollberul des Christentums, daa nicht 
nur fähig und bestimmt ist, sittliche Ideen zu schaffen, 
sondern auch das bestehende Staats- und Gesellschaftaleben 
zu durchdringen und ihm sein Gepräge zu geben. 

Der Grund lag nahe. Auf der ürkirche hegt der Hauch 
einee Ideahsmus, der im Streben nach dem Reiche des 
Himraelfi das Reich der Erde vergisst. Schien doch dieses 
Erdenreich in seiner feindÜchen Macht so erdrückend, dass 
an seine Gewinnung nicht zu denken war. Jede neue 
Idee ersehnt raschen Sieg, und weil dem jungen Christen- 
tum dieser Sieg auf Erden so ganz lerne, so ganz unmögUch 
schien, so glaubte man an ein baldiges Zusammenbrechen 
dieser Welt und den Aufbau eines andern Gottesreicbes. 
. die Apostel glaubten das Weltgericht, über dessen 

; Luc. 13, 21. 



I 
I 





— 12 — 

Zeit der Meister nichts geofEenbart,^ nahe.^ Der Druck 
der Verfolgung und die alsbald im Schosse der Kirche 
auftauchenden Irrlehren gaben diesem Gredanken neue 
Nahrung. Darum spricht Johannes: Kindlein, es ist die 
letzte Stunde, und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist 
komme, so sind auch jetzt viele Antichristen aufgestanden. 
Daraus erkennen wir, dass die letzte Stunde ist: sie sind 
von uns ausgegangen, aber sie waren nicht aus uns.' 
Derartige Gedanken durchziehen fast die ganze Litteratur 
des ersten imd zweiten Jahrhunderts. Die zehn Reiche 
Daniels* sind vorüber, der kleine König ist gekommen.^ 
Die Früchte des Baumes werden in kurzer ^eit zur Reife 
kommen;* denn die letzten Zeiten sind da.' Sobald der 
Turm — das Bild der Kirche — vollständig gebaut ist, 
kommt das Ende; der Bau aber wird rasch von statten 
gehen.® 

Derartige Anschauungen starben in der alten Kirche 
nie ganz aus. Hippolytus von Rom erzählt aus seinen 
eigenen Erinnerungen, dass m Syrien ein Vorsteher der 
Kirche in Miss Verständnis der Worte des Herrn Matth. XXIV, 
23 — 26 mit Weib und Kind und mit vielen Brüdern, die 
er für seine Auffassung gewonnen, hinausgezogen sei in 
die Wüste, um dem wiederkommenden Heiland zu begegnen. 
Aber die Auswanderer seien alsbald als Räuber gefangen 
genommen worden imd hätten es nur der gläubigen Frau 
des Statthalters zu danken gehabt, dass sie nicht hin- 
gerichtet worden.^ Und ein anderer Vorsteher der Kirche 
Im Pontus hatte ein Gesicht geschaut, demzufolge das 
Gericht schon im nächsten Jahre bevorstehe; und in Er- 



' Matth. 24, 36; 25, 13; Marc. 13, 22. 23; Luc. 12, 35. 40; 
Apg. 1, 7. 

* Rom. 13, 11. 12; 1. Thess. 5, 2; 2. Thess. 2, 1 ff.; Hebr. 10, 37; 
2. Petr. 3 9. 

»l.'joh. 2, 18. 19. * Dan. 7, 7. 8. 24. 

* Barn. ep. 4, 3. 4. 5. 6. 9; 15, 4; 21, 3: iyyvs fi msQn, tV 
fj avyanoXettai ndvia rw noyrjQüi' iyyvg 6 xvqiog xod 6 ^itj&og autov. 

« Clem. ad Cor. 20, 4. ^ Ign. ad Eph. 11. 

® Herrn, past. vis. III, 8, 9; cfr. 2. Clem. ad Cor. 16, 3. 

* Hipp, elg Javtril IV, 18 (230). 



— i'i — 

Wartung deesen verkaufte er und manch anderer sein Be- 
sitzttun. Aber der Tag dea Heim kam nicht und die 
Brüder waren verarmt.^ Ungefähr um dieselbe Zeit schrieb 
Judae sein Buch über die siebzig danielischen Jahreswochen. 
Er setzt« die Ankunft in das zehnte Jahr des Seyerus.* 

Solche Anachauungcn waren einem Einleben der 
Kirche in die Welt nicht günstig. Und doch hatte der 
Kigorismus, den sie erzeugten, eine gewisse Berechtigung, 
Bot er doch die heilsamste Reaktion gegen das andere 
Bchlimmere Extrem, den Gnosticismus, 

Der GnoBticismus war auf alexandriniBchem Boden 
erwachsen. Alexander der Grosse hatte das Nilland dem 
Weltverkehr erschlossen und mit der Gründung seiner Stadt 
an der günstigsten Stelle des Landes demselben einen 
Mittelpunkt gegeben, Ptolemaeus Soter, der Erbe des grossen 
Eroberere, verpflanzte durch die Schöpfung des berühmten 
alexandrinjschen Museums die hellenische Bildung auf den 
Boden der neuen Stadt. Ptolemaeus Philadelphos legte den 
Grund zu ihrem Welthandel, und unter römischer Herr- 
schaft ward sie alsbald die grösste Handelsstadt der Weit. 
Das Bild der Stadt trug jenes eigentümhche Gepräge, wie 
ee das Zusammentreffen imd die Vermischung aller Nationen 
mit sich bringt- In ihren Strassen trafen sich die Fremden 
aus aller Welt, unt«r ihren Bürgern fandeu sich Ägypter, 
Juden, Griechen, Römer, in ihren Schulen begegnete sich 
die griechiBche Weltanschauung mit der orientaHschen und 
jüdischen. Alexandria war geworden die Stadt des Morgen- 
landes und des Abendlandes, die Stadt der sinnenden 
Philosophie und des bereclmenden Handels, die Stadt der 
rastlosen Arbeit und des überschäumenden Ijehensgenusses ; 
und bei der Begegnung des Heidentums und des Christen- 
tums in dieser Stadt lag auch jene merkwürdige Ver- 
mischung nahe, wie sie uns in den gnostischen Systemen 
entgegentritt, jene Vermischung von phantastischer Speku- 
lation und nüchterner Praxis, von harter Ascese und aus- 
geJaEsenem Libertinismtis. Praktisch aber waren diese 



Hipp, ils JayiiiX IV, 19 (232 S.). 




I. hist eod. VI, 7 (43B). 



J] 



— 14 — 

Systeme gar manchmal nur zu leicht geneigt, die Schranken 
niederzureissen, welche das Christentum von dem Heiden- 
tume trennten. Verächter des Martyriums^ schritten ihre 
Anhänger ohne Bedenken nicht nur zu den heidnischen 
Opfermahlen, sondern auch zum Grötterdienst.^ So war 
der Gnosticismus „die VerweltHchung der Kirche überhaupt 
auf allen Gebieten menschlichen Trachtens ili akuter Form**,' 
ja geradezu ein christliches Heidentum. Und doch barg 
auch er ein Stück Berechtigung, insofern er mitgeschafEen 
zu dem grossen Ausgleich zwischeti der neuen Religion und 
dem alten Staat und der alten Gesellschaft. 

Der Rigorismus trat im Laufe der Zeit von selbst 
zurück. Die apokalyptischen Ideen verschwinden. Schon 
Justin sägt, dass viele Christen nicht niehr an eine baldige 
Verwirkhchung des irdischen Messiasreiches glauben.* Auch 
Irenaeus erwartet die Endzeit nicht mehr unmittelbar ; ^ er 
sieht m den sechs Tagen der Genesis, in denen Himmel 
und Erde mit all ihrer Zier vollendet worden, sechstausend 
Jahre Weltbestand angedeutet,* ahnhch wie schon früher 



' Tert. Scorp. 1 : cum igitur fides aestuat et ecclesia exuritur 
de figora rabi, tone Gnostici erumpant, tone Valentlniani proserpunt, 
tunc omnes martyriorum refragatores eballiunt callentes et ipsi 
offendere, figere, occidere etc. (R. 1, 145, 7); cfr. 2 (R. 1, 147, 7); 15: 
quodsi iam tunc Prodicus ant Valentinus adsisteret suggerens non 
in terris esse confitendum apud homines, minus vereor, ne deus 
humanum sanguinem sitiat nee Christus yicem passionis etc. (E. I, 
178,29). 

* Iren. adv. haer. 1, 19, 3 über Basilides : contemnere autem 
et idolothyta et nihil arbitrari, sed sine äliqua trepi^atione uti eis : 
habere autem et reliquarum operationum usum indifferentem et 
nniversae libidinis. Utuntur autem et hi magia et imaginibus et 
incantationibus et invocationibus et reliqua universa periergia, . . . 
quapropter et parati sunt ad negationem qui sunt tales, immo magis 
ne pati quidem propter nomen possunt (I, 201, 5). 

* Overbeck, Studien zur Geschichte der alten Kirche, Chemnitz 
1875, 1, 184. 

* Just. dial. c. Tryph. 80 (I*, 288). 

* Iren. adv. haer. V, 30, 2. 3 (11, 408, 7). 
« Iren. adv. haer. V, 28, 3 (H, 402, 11). 



15 



der Bamabaebrief ' mit Bezugnahme auf das Petruswort : 
Ein Tag ist dem Herrn gleich tausend Jahren.' Hippolyt 
tritt den eschatologischen ÄnschauungeD, die für die Christen 
so manche schlimme Folge gezeitigt, lebhaft entgegen. 
Auch er rechnet den Weltbestand auf seehstauBend Jahre ; 
da aber von Adam bis ChristUB fünftauaendfünfhundert 
Jahre verflossen sind, so ist das Weltenende erst in einigen 
Jahrhunderten zu erwarten,' Nach Lactantius werden 
noch zweihncdert Jahre vergehen.* Wohl brachten die 
Sturme der Verfolgung immer wieder Stunden, in denen 
Tertnilhan betete : Herr, dein Reich komme bald zu uns ; 
denn auf den Altären rufen die Martyrerseelen : „Wie lange, 
Herr, richtest du nicht und rächest nicht unser Blut an 
denen, die auf Erden wohnen?" * Stunden, in denen Cyprian 
die Welt wanken und schwanken sah* — aber in ruhigeren 
Zeiten bricht doch der Versöhnungsgedanke allüberall durch. 

Versöhnung war ja von Anfang an im Wesen des 
Christentums gelegen. Christus war durch die Welt ge- 
gangen, ohne dasa er die poh tischen und sozialen In- 
stitutionen aufgehoben hätte, sondern indem er dieselben 
schonte und berücksichtigte. Und nach ihm war es nament- 
lich Paulus, der Weltapostel auch in diesem Sinn, der bei 
Heiner viellachen Berührung mit heidnischem Denken und 
Leben Veranlassung nehmen musste, die neue Lichre in 
die alte Welt einzufügen. Die Christen , .konnten eben 
nicht aus der Welt gehen".'' Und darum kamen neben 
den scharfen Gegensätzen, die bei sonst unvereinbaren 
Weltanschauungea entstehen mussten, doch immer wieder 
auch die einigenden Momente zur Geltung. 

Und während so die junge Pflanze des Christentums 
ihre Wurzeln immer tiefer in die Erde senkte, deren Säfte 
an sich ziehend, ragte ihre Blut« auf gen Himmel, von 



k Jayi^X IV, 2S(2i2). 



' Bare. ep. 16. ' 2. Petr. 3, 8. ' Hipp. * 
' Lact. div. inat. VII, 25, 2 (I, 6(54, 7). 
' Offb. 6, 10; Tert. de orat. 5 (R. I, 184, I2j, 
* Qypr. de mort. 25 : mntidus ecce reatat et labitnr et r 
Vbod iajn senectute rerum sed Üdc testatnr (1, 313, 6) 
' 1. Cor. 6, 10- 





— le- 
dern sie Sonne, Licht und Leben empfing. „Nicht Land, 
nicht Sprache, nicht Lebensgewohnheit scheidet die Christen 
von den übrigen Menschen. Sie bewohnen nicht eigene 
Städte, sie sprechen nicht eigene Sprache, sie führen nicht 
eigenes Leben .... Sie haben Teil an allem wie Bürger 
und dulden alles wie Fremde .... Auf Erden weilen sie, 
im Himmel wandeln sie ... . Was im Leibe die Seele, 
das sind in der Welt die Christen."^ 



1. Kapitel. 

Die rechtliche Stellnng der Christen 
In Yorconstantlnlscher Zelt. 

Die rechtliche Stellung^ bildet den Untergrund, auf 
dem sich das öfEentliche Leben der Christen abspielt. 
Gerade hier tritt das wechselseitige Verhältnis zwischen 
Staat und Kirche besonders scharf hervor. Verfolgungen 
und Bedrückungen von seite des Staates mussten auf 
christHcher Seite stets schroffere Ansichten zeitigen, ruhige 
Zeiten schufen Friede imd Versöhnung. 

Das Christentum befand sich von Anfang an in nie 
auszugleichendem Gregensatz zur römischen Grötterreligion. 
Diese Religion aber war mit aU ihren Fasern mit dem 
römischen Staatskörper verknüpft, und so musste die neue 



* Ep. ad Diogn. 5, 6. 

' Die Litteratur darüber ist sehr umfangreich. Aus der 
neuesten Zeit sei namentlich hervorgehoben: Mommsen, „Der 
Religionsfrevel nach römischem Recht" in Sybels Hist. Zeitschr. 1890 
O^eue Folge XXVIII), S. 389— 429 ; Neumann, „Der römische Staat 
und die allgemeine Kirche bis auf Diocletian I." Leipzig 1890 ; 
Hardy, „Christianity and the Roman govemment." A Study in 
imperial administration. London 1894 ; Ramsay, „The church in the 
Roman empir before a. d. 170.'* London 1897; Conrat (Cohn), „Die 
Christen Verfolgungen im römischen Reiche vom Standpunkte des 
Juristen." Leipzig 1897; Nikolai, „Beiträge zur Geschichte der 
Christen Verfolgungen", Progr. von Eisenach 1897 ; und namentlich 
Weis, „Christenverfolgungen. Geschichte ihrer Ursachen im Römer- 
reiche." München 1899. 



Ijchre auch mit ihm in Konflikt kommen. Bei der ganzen 
antiken Welt lag der Schwerpmikt aUes Lebens im Dies- 
seits und aiich die religiöse Idee verlor sich mehr oder 
weniger in dieser Auffassung. Deshalb sind die Religionen 
der vorchristlichen Zeit fast alle Staatsreiigionen, 9o war 
auch die rönaische ReUgion eine Staatereligion, ihr Kultus 
eine Staatainatitution. Das reUgiöse Leben verschmolz sich 
mit dem poUtisch ■ nationalen. Varro konnte mit Recht 
sagen, dass zuerst die Staaten bestanden hätten und dann 
von ihnen der Kultus geschaffen worden sei,^ Es lag 
diese Thatsache ja auch in der Sage ausgedrückt, die erst 
dem zweiten König Numa die Schöpfung des römischen 
Gottesdienstes zuschrieb.* Deshalb waren von Anfang an 
Imperium und eacerdotium vereinigt im Königtume.' Ein 
politisches Vorrecht der Patricier in der ersten römischen 
Zeit war auch das ius sacrorum. Als dann in der Republik 
zur Besorgung des Gottesdienstes eigene Organe geschaffen 
worden , rangen die Plebejer hundertfünfzig Jahre lang 
um die pohtisch so bedeutsamen Priestertümer, bis endUch 
durch die lex Licinia vom Jahre 366 sich ihnen das 
Fontifikat * und durch die lex Ogulnia vom Jahre 300 das 
Augurat^ erschloss. 

Der Zusammenhang der Religion mit dem Staatswesen 
prägt« sich in der mannigfachsten Weise aus. Ausser den 
eacra privata und gentilicia, die Sache des einzehien, der 
FamJhe, der Gens waren, hatte auch der Staat als solcher 
einen Kultus, an dem sich entweder die ganze Bürger- 
schaft beteiligte, wie es sich namentlich in den alten 
Volksfesten, in den früheren Septimoniahen und der 
Ai^eerprozession, später noch in den Festen der Curien, 
der Pagi und Vici ausgesprochen, deren Bedeutung in den 
Bitten um Wohlstand der Familien, um Fruchtbarkeit des 
Bodens lag — oder den der Staat auch ohne Betei]igmig 
der Bürger durch die Priester oder die Magistrate feiern 



' Aug. de civ- del VI., 4 (Hoffmsnn I, 275, 2Sl 

• Liv. r, 19 ff. » Serv. Aen. HI, R ' Liv. VI, 42, 2. 

' Liv. X, 9, 1. 

Byiselmilc, Deleiljgun« D. Cbriit. mm afronU. Labaa. S 




— 18 — 

liess.^ Denn der Gedanke, dass die Götter es seien, die 
das römische Reich geschaffen und es zu seiner Grösse 
gehoben, ist nie ausgestorben von den Tagen an, da Rom 
mit den lateinischen Städten den ersten Waffengang 
gewagt bis zu den Tagen, da längst christliche Kaiser auf 
dem römischen Throne sassen.* Und darum sind es immer 
die Feinde der Grötter, welche die Schuld tragen an dem 
Zerfalle des herrhchen Baues.® Darum war auch der 
Altar des Staates der Herd der Vesta,* dessen Feuer 
immerdar lodern musste als Symbol des Staatsbestandes. 
Und keine Staatshandlung, war es eine innere oder äussere 
Angelegenheit, wurde unternommen, ohne dass vorher der 
Grötter Rat und Einwilligung durch Schau der Eingeweide 
des Opfertieres oder » durch Betrachtung des Vogelfluges 
erholt, ihr Schutz und Segen durch Gebet und Opfer 
erfleht worden wäre. Deshalb waren auch die Orte, die 
der Grötter Gegenwart zu ehrwürdigen, heiligen, unverletz- 
lichen^ geschaffen, Staatsdomäne.^ Die Kosten der sacra 
popularia übernahm der Staat, wie auch die Erhaltung 
der Tempelgebäude zum Amtskreis des Censors gehörte.'' 
Zwar besassen die Tempel eigene Kassen, deren Ertrag 



* Vgl. Marquardt, Römische Staatsverwaltung, 2. Aufl., Berlin 
1884, m, 121. 

* Cic. de har. resp. 9, 19: etenim quis est tarn vecors, qui 
deos esse non sentiat aut cum deos esse intellexerit non intellegat 
eorum numine hoc tantum Imperium esse natum et auctum et 
retentum ; cfr. Cic. de deor. nat. III, 2, 5 ff. ; Tert ad nat. n, 17 : 
praesumptio . . . propterea scilicet Romanos totius orbis dominos 
atque arbitros factos fuisse, quod officiis religionum meruerint 
dominare . . . nimirum Sterculus et Mutanus et Larentia provexit 
hoc Imperium (R. 1, 130, 4); cfr. Tert. apol. 25 (I, 220, 12); Symm. 
ep. 10, 54, wo Roma die Herrscher Valentinian und Maximus 
anredet : hie cultus in leges meas orbem redegit, haec sacra Hanni- 
balem a moenibus, a Capitolio Senones repulerunt. 

* Cypr. ad Dem. 4: Christianis imputas, quod minuantur 
singula mundo senescente (I, 353, 20 ff.). 

* Cic. de leg. 2, 8. 20. 

* Über den Unterschied von locus religiosus, 1. sacer, 1. sanctus : 
Macrob. III, 3, 1. 2 bei Marquardt, 1. c. m, 145. 

® Front, de contr. agr. 56, bei Marquardt, 1. c II, 83. 
^ Marquardt, 1. c. n, 80. 



für den gewöhnlichen Opferdienet wohl hinreichte und 
auch dazu verwendet wurde; aher Eigentum und Ver- 
waltung standen dem Staate zu, der auch für alle auBser- 
ordentlichen Festlichkeiten und Opfer aufzukonamen hatte. 
So waren es namentlich die verschiedenen Spiele, welche 
die Staatskasse sehr in Anspruch nahmen. Betrug ja im 
Jahre 54 n. Chr. der ZuBchuss des Ärars zu den ludi 
Romani 760000 Sestertien ;' dies Verhältnis dauerte auch 
später noch fort, wenn auch der grössere Teil der Spie!- 
kosten dem Spielgeher zufiel. Das Dienstpersonal des 
Tempels, soweit es aus Sklaven bestand, war nicht etwa, 
wie in Griechenland, Eigentum des Gottes, sondern des 
Staates (servi publici),* der es den Priesterschaften zuwies 
imd nach Verlauf einiger Zeit wieder abberief. Die Priester- 
schaften selbst wai-en staatlich mit Grundbesitz dotiert. 
Die Uüterbeamten der Priester, apparitores, sowie die 
haruspices, waren staatlich besoldet.' von den Priestern 
exhielten die einen, deren Dienst ein fortdauernder oder 
lebenslänglicher war, wie es bei den Curionen oder den 
Vestalinnen der Fall war, beim Diensteintritt ein bestimmtes 
Kapital;* so bot Tiberius einer freiwillig eintretenden 
Vestaltn die glänzende Ausstattung von zwei Millionen 
Sestertien.^ Andere Priestertümer waren politische Ehren- 
ämter, wie die Pontifices, die XV viri sacris faciimdis, die 
Augum und die VII viri epulones. Die meisten Priester 
genossen auch die Auszeichnung der toga praetexta, des 
Ehrenplatiies bei Festen und Spielen, der Freiheit vom 
Militärdienst, wohl auch des Sitzes im Senat,* die 
Vestalinnen noch ausserordentliche Rechte. Es war der 
Stolz des Römers, dass die meisten Priester auch zugleich 
Staatsamter bekleideten.^ 

L Äntium, Corp. Inscr. Lat. I, 328; bei 
■ Uuqnudt, 1. c. U, 81; m, 410. 



t, 1. C. II, ! 



' Marqnardt, I. c. ni, 224. 

• Msrqnanit, 1. c. II, 80. 

• T«c- Bnnal. IV, 16; cti. Marq nardt, 1. c, HI, 337. 

• So der flamen Dialis. Liv. XXVn, 8, 8. 

' Cic. de domo 1, 1 ; eiim mulla divinitos, pontificea, a maioribii» 
I inventa atqne instituta Bimt, tarn nihil praeclarins, quam 



— 20 — 

So war die römische Religion allerdings ,, nichts anderes 
als die ideale Wiederspiegelung des Volksgefühls, die 
Religiosität der in sakraler Form zu Tage tretende Patriotis- 
mus. Und demnach fordert die Ordnung der römischen 
Gemeinde von dem römischen Bürger römischen Glauben 
und das diesem Glauben entsprechende Verhalten".^ 

Freilich waren Religion und Religiosität seit den 
letzten Zeiten der Republik gar sehr geschwunden. Moderne 
Poesie hatte die Götter von den himmlischen Thronen des 
Olympos in den Erdenstaub gezogen, moderne Philosophie 
hatte Stück für Stück von dem Zauber, der sie einst um- 
hüllt, vernichtet. Seit der Übersetzung des euhemerischen 
Buches durch Ennius waren die G<)ttermythen verblasst 
und hatten ihte Glaubenskraft vielfach bei Gebildeten und 
Ungebildeten verloren ; Skepticismus und Glaubenslosigkeit 
drohten an ihre Stelle zu treten. Aber dazu war das 
Gemüt des Römers doch zu sehr rehgiös veranlagt. Als 
die Autorität der Götter sank, kam seine Individualiiät 
zum Recht, und sie suchte sich Befriedigung in einer 
tieferen Auffassung der Gottheit, in sittlichen Gedanken 
von Entsühnung und Busse. Die philosophische Diatribe 
jener Zeit vermittelte solche Anschauungen, die namentlich 
dem Stoicismus zu gründe lagen, auch weiteren Kreisen.* 
So verwarf Seneca den Götter- und Bilderkult in dem 
gewöhrüichen Sinne. ^ Das erste ist der Glaube an die 
Götter und die Besserung des Menschen durch ihre Ver- 
ehrung.^ Diese Gedanken gewannen greifbarere Gestalt 
in dem Aufsuchen der orientalischen Kulte, die nament- 
lich seit den Zeiten Tiberius' Eingang gefunden hatten in 



quod eosdem et religionibus deorum immortalium et summae 
reipublicae praeesse voluerunt, ut amplissimi et clarissimi cives 
rempublicam conservarent. 

* Mommsen, Der Religionsfrevel nach römischem Recht in 
Sybels bist. Zeitschr., 64. Bd., 1890, S. 390. 

' Vgl. darüber : Wendland und Kern, Beiträge zur Geschichte 
der griech. Philosophie und Religion, Berlin 1895, 1. Abhandl. 

* Sen. de superst. bei Aug. de civ. dei 17, 10 (I, 294, 14); 
cfr. Tert. apol. 12 (1, 163). 

* Sen. ep. 95, 50. 



der Welthauptetadt. ' Die ägyptischen Götter waren in 
Rom heimisch geworden.' Auf dem Marsfelde hatten die 
Triumvim des Jahres 43 den ersten Tempel der Isis gehaut,* 
und seitdem zogen ihre IMester in. leierlichen Umzügen 
dmxih die Strassen Roms. Und neben den Priest«m der 
Isis und des Osiris sah man alsbald auch die Priester des 
Mithrofi und der grossen phi'ygischen Göttermutter. AUe 
diese Kulte durchwehte ein Zug, in dem ihre Anziehungs- 
kraft für den Fremden lag: ein Zug des Monotheismus 
und des Versenkens in eine geheimnisvolle Gottheit, ein 
Zug der sittlichen Entsühnung und Besserung. Die 
römische Regierung setzte ihnen nicht viel Schwier^keiten 
entgegen.* Warum auch? Der ursprüngliche römische 
Gott-esbegriff war ein einfacher, abstrakter gewesen ; später 
war jede Offenbarung der Gottesmacht zu einem neuen 
Gotte geworden. Mit der Aufnahme neuer Städte und 
neuer Völker in das römische Reich liess man aber in 
klug-poUtischer Weise auch deren Sacra in den römischen 
Götterfcreis treten. So war es immer gehalten worden seit 
den Tagen, da l^tiura, Sabinum und Etrurien sich Rom 
angeschlossen; der römische Gotterkreis war kein abge- 
schlossener, sondern sozusagen einer beständigen Ergänzui^ 
fähig. Zuweilen waren allerdings fremde Kulte verboten 
worden, wenn sie das Staatsinteresse oder die Sittlichkeit 
zu gefährden schienen; ein solches Verbot hatte einmal 
den Kult der Isis und des Serapis usw. getroffen,* und 



' Seji,ep.l08,22t inTiberiiCaeaarisprincipatuininvi'iitaeMnipns 
iaciderat. alicnigeaii tum aacra tnovebantur; cfr. Tue. annal. XI, 15. 

* Min. Fei. Octav. 32, S: liacc tarnen Aegyptia quondun, niiut: 
ft gacra Rumana siuit (.31, li^), 

' Dio Casa. XLVU, 16. 

' Athen, anppl. 1 (22); cfr. Min, Fei, Octav, 6 (9, 8); Tert. 
mpul,24: iinicuique etiam provincia« et civitati suns dens est, at 
Myri«« Astartes, nt Arabiae Dusares, nt Noricia Belenos, nt Afrtcae 
Ciw^lestis, at Mauretaiiiae reguli sni. Bomanas, ut opinor, provinciaa 
edidj, nee tainen BomanOB deus earnm, quia Romas non ma^ colantnT, 
qnam qni peripaainquoqueltAliammTiiiicipaliconsccratioDecenaeiitart 
Casiniensium Delaentinus (1, 218); cfr. Tert. ad uat. 1, 10 (R. I, 74, IG). 

' Twt, apol. 6 (1, 135); cfr. Tert- ad nat. I, 10 (R. I, 76, 28). 



— 22 — 

Tiberius hatte das Verbot erneuert.^ Aber im allgemeinen 
war Rom ein Staat religiöser Toleranz. 

Die Staatsgottheiten bUeben desungeachtet bestehen. 
Der Pontifex maximus Quintus Mucius Scaevola hatte den 
Satz ausgesprochen, dass es drei Arten von Grötterlehre 
gäbe: die der Dichter, die der Philosophen imd die des 
Staates. Die der Dichter sei nur eine Posse, da ihre 
Fiktionen der Grötter unwürdig seien: die philosophische 
eigne sich nicht für einen Staat, da sie viel Überflüssiges 
und für das Volk geradezu SchädUches in sich berge. 
Denn schädUch sei es, Hercules, Cästor, Pollux, Aesculap 
zu Menschen zu stempeln ; schädüch sei es zu sagen, dass 
das Volk kein wahres Gottesbild besitze, indem der wahre 
Gott nicht Geschlecht, nicht Alter, nicht Körper habe. 
Nicht als ob der Pontifex diesen GottesbegrifE für einen 
falschen gehalten hätte: aber er wollte ihn dem Volke 
vorenthalten wissen; in reUgiöser Beziehung dürfe das 
Volk in der Täuschung erhalten werden.* ÄhnUch hatte 
Varro unterschieden und den Wunsch nach Erhaltung der 
Staatsreligion ausgesprochen.^ Der Kaiser Augustus ver- 
lieh diesen Gedanken Ausdruck : bei der Wiederherstellimg 
des römischen Staates bildete eine seiner Aufgaben auch 
die Wiederbelebung der alten, nationalen Rehgion: Alte, 
zerfallene Tempel wurden restauriert, neue erbaut : Templorum 
omnium conditor ac restitutor nennt ihn Livius.^ Alte, 
fast schon der Vergessenheit geweihte Genossenschaften, 
wie die sodales Titi, die fratres Arvales lebten unter seiner 
Regierung wieder auf, imd der Kaiser selbst trat ihnen 



" Tac. annal. n, 85. 

2 Aug. de civ. dei IV, 27 (I, 197, 21); cfr. VI, 5 (I, 279, 24). 

^ Tert. ad nat. II, 1: hunc (Varronem), si interrogem, qui 
insinuatores deorum, aut philosophos designat, aut populos, aut 
poetas. triplici enim genere deorum censum distiaxit: unum esse 
physicum, quod philosophi retractant, aliud mythicum, quod inter 
poetas volutetur, tertium gentile, quod populi sibi quisque adopta- 
verunt (E. I, 94, 17); cfr. Aug. de civ. dei IV, 31 (I, 204, 5); VI, 5 
(I, 279, 29). 

* Liv. IV, 20, 7. Er soll 82 wiederhergestellt haben, cfr. Mar- 
quardt, 1. c. HI, 72. 



23 



bei.' Das Amt des flamen Diaüe, das füiifundeiebzig Jahre un- 
besetüt geblieben, wurde von um wieder besetzt.^ Auch die 
alten Volksfeste erblühtea wieder, so die Luperealien,* die 
noch fortbestanden, als Rom längst christlich geworden, 
ein Deükmal an vergangene Zeit. Augustus' Nachfolger 
traten in seine Fußstaplen, und gerade die edelsten iind 
tüchtigsten Kaiser wurden die Sehützer der alten KeUgion. 
Und wenn andere Kaiiser auch fremden Göttern ihre Opfer 
brachten, so war das begreiflich von der Auffassung aus, 
dasB eben auch die fremden Götter, Isis, Anubis etc., wirk- 
lich existierten und mit Roms Weltherrschaft auch in 
gewissem Sinn römisch geworden waren, begreiflich von 
dem Standpunkt des Imperators aus, der in kluger PoUtik 
oder berechnender Popularitate sucht die religiösen Gefühle 
aller Unterthanen auch zu seinen eigenen machte. 

Stärker noch als der Kult der Staal«gottheiten war 
ein anderer Kult geworden, der Kaiserkult,* In der Welt- 
herrschaft Roms lag die Idee der Gemeinschaftlichkeit des 
Menschengeschlechtes geborgen; und in der Kaiserzeit war 
diese Idee fast zur Wahrheit geworden. Die Welt lag 
einem zu Füssen ; er stellte die Summe aller Autonomie, 
der p>olitiflchen wie reHgiösen, dar; in ihm war alles ver- 
einigt, wa.'i gross und mächtig war, und so wurde das 
Bekenntnis seiner Gottheit zum Bekenntnis der römischen 
M onarchie, sein Kult ward verbindlich für alle. 

So blieben Staatereligion und Kaiserkult bis Constantin 
oell verknüpft mit dem Staatswesen. 

Das Pantheon der Römer war gross und weit, und 
Hallen boten allen Göttern Aufnahme; auch der 



• Marqiiardt, 1. c. Ul, Ul. «9. 
' Tac. annivl. Ul, 08; efi. Marqnwdt, 1, e. III, 6E> 

* Snet. August, 31: cfr, Mai^uardt, 1. c. III, 446. 

' (.'fr. Tert. apol, 28; fonottti estis ah isdem iitique «pirititras, 
nti nos pro »lute imperatori« «acrificare cogatis et imposita est 
tOLiD Tobis neccssita« cogendi quam nobLi obligatio periclitandi .... 
giqnidem maiare furmidinc et callidic>re timiditate CaeMren ubser- 
vntis cjuam ipsum de Olympa Jüvem. et merito, sl sciatia .... citins 
deniqup apud tos per umnes dcos quam per nnnni geninni Caeaaris 
peieratnr (1, 226). 



— 24 — 

gekreuzigte Grott der Christen hätte wohl darin Aufnahme 
gefunden, wenn er tolerant gewesen wäre wie die andern 
Götter und neben seiner eigenen Grottheit auch die des 
neben ihm stehenden Juppiter oder des Augustus an- 
erkannt hätte. Keinem der Götter war es je eingefallen, 
andere als Nebenbuhler von ihrem Piedestal zu stürzen 
und zur Welt zu sprechen: „Ich bin der Herr, dein Gott . . . 
du sollst keine fremden Götter neben mir haben ... du 
sollst sie nicht anbeten, noch ihnen dienen : denn ich bin 
der Herr, dein Gott, ein starker und eifernder Gott!"^ Das 
that nur der Gott der Juden und der Christen. 

So ist das Wort, das man den Christen so oft ent- 
gegenschleuderte : „Ihr habt keine Existenzberechtigung**,* 
vom Standpunkte des Römers aus allerdings begreiflich. 
Die Christen sind keine Römer, weü sie nicht die römische 
Gottheit verehren.^ Sie sind Aufrührer; wenn sie es unter 
ihrer Würde halten, sich an religiösen Feierlichkeiten zu 
beteiligen und deren Vorstehern Ehre zu erweisen, so sollen 
sie nicht zu Männern heranwachsen, noch Weiber haben, 
noch Kinder, sondern vielmehr den Staub von ihren 
Füssen schütteln und sich fortmachen, ohne Nachkommen 
zu hinterlassen.* 

Allerdings stand, wie schon gesagt, auch das Juden- 
tum dem Götter- und Kaiserkultus gleich ablehnend gegen- 
über. Und doch genossen die Juden die Rechte einer 
religio licita mit einer weitgehenden religiösen Sonder- 
stellung.^ Caesar hatte von seinem Hetaeriengesetz, in dem 
er alle coUegia, ausser den von alters her bestehenden. 



' 2. Mos. 20, 1 ff. 

* Tert. apol. 4: iam primum cum dure definitis: non licet esse 
vos ! et hoc sine ullo retraetatu humaniore praescribitis, vim profitemini 
(I, 127). 

* Tert. apol. 24: laedimus Romanos nee Romani habemur, 
qui non Romanorum deum colimus (I, 219); cfr. 36 (I, 248). 

* Celsus bei Orig. c. Geis. Vm, 55 (J, 271, 18). 

* Tert. apol. 21 : quasi sub umbraculo insignissimae religionis, 
certe licitae (1, 195). 



— 25 — 

aulhob,' die jüdiechen Gemeinden eigens aUBgenommen; 
Urnen blieb das Korporationerecht, welches das Recht zur 
Organieatdon durch gemeinsame Betträge, sowie das Ver- 
sammlungsrecht in sich schloss.^ Augustus hatte daß 
Privilegium erneuert, und dieser glückliche Rechtazualand 
ist wahrend der ganzen Kaiserzeit gebheben. Seihst als 
Jerusalem gefallen war, sind diese Verbältnisse keine 
weaentiich andern geworden. So waren die Juden von 
der Verehrung der heidnischen Götter und Belbst des 
Kaisers und von allem, was damit zusammenhing, ent- 
bunden. Ihr Kultus stand sogar unter dem Schutze der 
Staatspolizei. Calllstus, der spätere Papst, hatte einst — 
als Sklave — au einem Sabbath den Gottesdienst der 
Juden gestört. Die Juden ergriffen ihn, führten ihn zum 
Stadtpräfekten Fuscianus und verlangten lonter Berufung 
auf die ihnen von Rom gewährleistete ReUgionsausübung 
seine Bestrafung. Fuscianus liess ihn geisseln und ver- 
bannte ihn in die Bergwerke Sardiniens.^ Mit dem Recht 
der freien Rel^onsauBÜbung hing zusammen das Recht 
der freien Vermögensverwaltung, für die Juden wertvoll 
wegen ihrer gesetzlichen Verijflichtungen an den Tempel 
von Jerusalem,^ und das Recht der eigenen GerichtslMir- 
keit;^ denn ihr rehgiöses Gesetz war zugleich ihr Staats- 
gesetz. Die voi^eschriebene Haltung des Sabbaths erschwerte 
ihnen das Waffentragen und so erhielten sie Freiheit vom 
Militärdienst;" ferner brauchten sie am Sabbath nicht vor 
(iericht zu erscheinen.' 



' Suct. Jul. 42; cfr. Ulpianus, 1. 2 D, de noilegiia et corpori- 
btu 47, 22; cfr. 1. I § 1 D ad leg. Jiil. maiest. 48, 4; cfr. Seiiffert, 
Constajittna Gesetze nod das Chris tentutn, WDrzburg 1891, 8. 6f. 

* Jos. nntt. XIV, 10, S; Sber die ataaterechtliehe Sonderstelltuig 
der jndischen Oetneinden usd ihre bHrgerlii^he Gleichberechtigwig 
siehe SchUrer, Gew.liichte des jadlacheD VulkeB, Leipzig 1898, 
ai.Bd., S. 5BfF. 

' Hipp, Philas, K, 12, 26 (4&4, 15 ff). 

* Job. antt. XIV, 10, 8; cfr, 10, 21. 

• Apg. 9, 2; besonderfl 18. 12 ff,: 22, 19; 26, 11, 

• Joe. MtL XIV, 10, 6. 11 ff. ' Jos. antt, XVI, 6, 2. 4. 



— 26 — 

Übrigens hatte auch das Judentum zuweilen harte 
Stunden durchzukosten. Die städtischen Gremeinden fühlten 
das EigentümUche der Sonderstellung der Juden wohl 
heraus, welche die Staats- oder Stadtgottheiten nicht an- 
erkennen wollten und doch Anteil am bürgerlichen Leben 
verlangten. Immer wieder taucht die Forderung an sie 
auf, als Bürger der Stadt auch deren Gottheiten zu ver- 
ehren.^ Einmal drohte auch ihr Vorrecht unterzugehen; 
es war zu der Zeit, da Caligula den Kaiserkultus von ihnen 
verlangte.^ Aber Caligulas Nachfolger Claudius drang nicht 
weiter darauf und so bUeb ihre Reügionsfreiheit unange- 
tastet.^ 

Die Gründe dieser Bevorzugung lagen tief. 

Vor allem waren die Juden ein Volk, und einem 
Volke konnte eher eine nationale Eigentünüichkeit gestattet 
werden als einer reügiösen Strömung in römischen Bürger- 
kreisen. Es schien auch wohl kaimi geraten, einem Volke, 
das den Römern sozusagen seine Unterwerfimg angeboten 
hatte, sein Höchstes zu rauben. Das galt auch für die 
Juden in der Diaspora, welche gerade das religiöse Band 
mit dem Mutterlande verknüpfte. Der Fanatismus der 
Juden in religiöser Beziehung war bekannt. Darum hatten 
auch die Ptolemaeer und Seleuciden den Juden in ihrem 
Reiche freie Religionsübung zugestanden, und als Antiochus 
Epiphanes es einmal versuchte, dem sonst so schmieg- 
samen Volke sein Heidentum aufzudrängen, da loderte 
dessen Nationalgefühl in heUen Flammen auf ; im heiligen 
Kampfe für die Reügion der Väter brachen die Makkabäer 
die Ketten der Fremdherrschaft und am Schluss des 
Kampfes war Palästina frei. So gebot poHtische Klugheit 
die Achtung der religiösen Anschauungen der jüdischen 
Nation, deren Bedeutung, namentlich in den Partherkriegen, 
immerhin nicht zu unterschätzen war. Und als nach dem 
Falle von Jerusalem die Juden als poütisches Volk zu 
existieren aufgehört hatten, büeben doch ihre alten Privi- 



* Jos.antt.XII,3,2. Weitere Belege bei Scliürer,l.c.m, 83, A. 18. 

* Jos. antt. XVm, 8. » Jos. antt. XIX, 5, 2 f. 



27 



legten im grossen und ganzen in Geltung, wie auch der 
Charakter dieaeB Volkes bestehen blieb. ' 

Zudem bot das Judentum auch insofern keine Gefahr, 
als ihm eine eigentliche Propaganda fehlte. Der Jude war 
bei dem Römer verachtet. ,,Eln kleiner Schaden wär's 
gewesen," meint einmal Tacitus, „wenn alle jüdischen 
Soldaten unter des Wettere Unbilden zu gründe gegangen 
wären." ^ Es hat zwar Zeiten gegeben, in denen die 
jüdische Religion in römischen Kreisen reges Interesse 
fand. Aber die verschiedenen Verpflichtungen des Juden- 
tums, namentlich die Beschneidung, waren für den Kömer 
zu drückend, als dass die Propaganda über eine gewisse 
Hinneigung zu der fremden Religion hmausgegangen wäre. 
Drohte jedoch die Propaganda wirklich einmal weitere 
Kreise zu ziehen, so zog der Staat Grenzen. Domitian 
Bcbritt gegen die zum Judentum übertretenden Römer mit 
strenger Strafe ein ; * Hadrian verbot ihnen sogar die 
Beschneidung;* Antonius Pius nahm zwar das Verbot 
zurück, aber nur Jn Beschränkung auf die Juden selbst;'' 



' Momm^en, 1. c. 8. 435 verniiitct, d&as nach dem Falle 
JerasHlem»^ die Privilegipu der jüdischen Nation anfhörten und 
die Privilegien der jüdischen Konfession begnnnen, diese somit 
einfach ein collegiiini culhirum wurde ; Schilrer, l, c. S. 65, A. 26 weist 
dagegen mit Beeht darauf hin, dass noch im dritten Jahrhundert das 
Jndentum als Tollt g'alt und auch die Privilegien dem jüdischen 
Volke erhalten blieben. ,rAbcr das Itiehtige an der Anfstellimg 
von Hommsen dürfte sein, dass die jödiachen Qenieinden in der 
älteren Zeit vorwiegend Korporationen von Ausländern mit politi- 
Mhen Befugnissen waren, während sie »iitlter, je langer, nra so 
mehr, in die Stellung von Privatvereinen einrückten, deren Sonder- 
rechte immer mehr BiisammenschrumpfteD," 

' Tac. annal.n, 85: si ob gravitatem coeli interissent, vile 
dkmnnm. 

• Diu Cass. LXVn, U. 

* Spart. Hadr. 14: moverunt ea tempestate et Judaei bellum, 
ijDod vetabantiir mutilare genitalia. 

° Digest. XLVIU, 8,11: circuraciderc Jndaeis fliioa tantum 
fPHcripto divi Pii permitlitur; in non eiiisdem religionis qui hoc 
f«*rit, ca-itrantis poena irrogatur; cfr. Orig. c. Ceb. V, 41 tU, 
*i, 19). 



— 28 — 

Septimius Severuß verbot geradezu den Übertaitt zum 
JudeDtum.^ 

Ganz anders das Christentum. Es gab für dasselbe 
keine Schranken der Nationalität oder der Rasse. Es 
wandte sich an alle gleichmässig, ohne das charakterisierende 
Merkmal der Beschneidung zu fordern; Propaganda zu 
machen bildete seine Lebensader. 

Zur Bekämpfung des Christentums standen dem 
römischen Staate zwei Wege offen : der kriminalrechtliche 
und der polizeihche. 

Das Kriminalverfahren, das der Staat durch seine 
bestimmten Grerichtsbeamten gegen einen Verbrecher eröffnen 
lässt, war schon seit alter Zeit in Sachen der Religion 
nicht mehr üblich, mit Ausnahme des Tempeldiebstahls, 
der natürlich dem Diebstahl von Staatsgut gleichstand, 
weil die Tempelgelder Staatsgelder waren. Ungestraft zer- 
störte Oenomaus in seiner „Entlarvung der Gaukler** den 
frommen Glauben an die Orakelspjrüche, indem er das 
ganze Orakelwesen als eitel Lug und Trug erklärte, auf 
die Lächerlichkeit, Unbestimmtheit, Zweideutigkeit und 
Unwahrheit der Sprüche hinweisend;^ ungestraft über- 
schüttete Lucian in seinen „Opfern" die ganze Götterlehre 
mit Hohn und Spott ; ungestraft schrieben auch die christ- 
lichen Apologeten ihre Bücher gegen die heidnischen Götter. 
Immerhin bot das Recht eine Handhabe in der lex 
maiestatis populi Romani. Dieselbe war von Caesar aus- 
gegangen; ursprünglich war ihre Tendenz nicht religiöser 
Natur gewesen. Sie bezeichnete als Verbrechen alles, was 
gegen das römische Volk und seine Sicherheit unter- 
nommen wurde.^ Aber die wachsende Opposition der 



* Spart. Sev. 17 : Judaeos fieri sub gravi poena vetuit. Die 
Ansicht Neumanns, Der römische Staat und die allgemeine Kirche 
bis auf Diocletian, Leipzig 1890, J, S. 157, dass mit diesen Worten 
nur die Beschneidung, nicht der Übertritt zum Judentum überhaupt 
verboten sei, dürfte nach dem Wortlaut als ausgeschlossen gelten. 

' Eus. praep. evang. V, 6. 

' Ulpianus 1 § ID. ad leg. mai. 48, 4: crimen illud est quod ad- 
versus populum Romanum vel ad versus securitatem eins committitur. 



Christen gegen die immerhin fundamentale Btaatliche Ein- 
richtung des römJBchen Sakralwesens, verknüpft mit dem 
ebenfalle sich ateigemden Caesarismus, konnte doch schliess- 
lich dem dehnbaren Gesetze eine Weite geben, mit der es 
eine ofienkundige Ablehnung des Götter- und Kaiserkultus 
in aich schloea. Beide Anschuldigungen fielen unter den 
gesetzlichen BegriS des crimen maiestatis laesae.^ Wenn 
die Verweigerung des Götteropfers speziell mit dem sonst 
lediglich dem Tempeldiebstahl eigentümhchen Terminus 
sacrilegium ausgehoben wurde,* so war das eine Terminus- 
verwechslUBg, die nicht nuir Volkskreisen, sondern selbst 
Juristen nahe lag, da ja doch die beiden Begriffe in ihrem 
Objekt eine gewisse Verwandtschaft zeigen und Ulpian 
selbst dae Majetätsverbrechen als dem Sakrileg zunächst 
stehend bezeichnet. 

Der Vorwurf der maiestas popnü Ilomani laesa konnte 
aber noch in anderer Beziehung gemacht werden. Julius 
Caesar hatte aus pohtischen Gründen die freie Vereins- 
bildong aufgehoben, und seitdem war bei Gründung von 
Vereinen staathche Genehmigung erforderhch. Die Ver- 
BaDimlungen der Christen miissten den Gedanken aii un- 
erlaubt« staatsgefährhche Klubs hervorrufen und haben ihn 
auch thatsächlich hervorgerufen.^ Die Strafen waren die- 

' iit^it'iTfjf nnd iiaejiii'i. 

' Tert. all Scap. 2: tarnen nus, quoa sacrilegos exiHtimatiü, nen 
in fitrto (einfacher Diebst&hl) onquuu deprehenditis, nednra in 
•Borilfgio (Temptldiebstiihl) (I, 540); cfr. Cypr, act. proe, 3: Galering 
llAiiinaB priMwnsnl diiitt tn pB.pani te Dacrilegae meatis homi- 
nibuH praebnisti (Eartel IC, CXII, 15 ; die Lesart paitam acheint 
mir verdorben eu sein und mSchte ich : palam konicieren). "■ 
Der Entkr&ftnng diesea Vorwurfs widmen die Apologeten des 
anageheuden zweiten und des folj^enden JalirhundortB tiehr viel 
Arbeit; Tort .apol 10-. Deos, inqnitia, uon Colitis et pro imperatori- 
bns sacrißcia nnn penditi«. Sequitiir ut eadetn ratione pru aliia 
Don sacriQcemus, qiiia nee pro nobis ipsis «emcl deos non oolendu. 
Itaque »aerilusü ^t maiestatis rei cunvenimur. Snmma baec causa 
est, immu et tota est, et utique digna cognosci (1, 153); cfr. Tert. 
ad Soip, 2 a, 040); cfr. Just, apol, I, 13 (I', 40). 

* Orig, c. t'^Is 1, 1 : nomroy iiÜ KEka(^ xe^älLaiöy iazi ßovXa/iii'if 
impaXii» •[giartnrnjfioi', os avy^^xat xifißfiiy ngiis itXiTJievs 
yif ggimitvän nnpii tit r evoitmfiiyn, oti räy av>^^)my 



— 30 — 

selben wie beim Majeetätsverbrechen, als dessen Abart die 
unerlaubte Vereinsbildung gefasst werden musste. Die 
Christen suchten später diesen Vorwurf zu umgehen, indem 
sie ihre Genossenschaften in die erlaubte Form der collegia 
tenuiorum kleideten. 

Ausserdem konnte noch kriminelles Einschreiten gegen 
die Christen stattfinden, wenn eine falsche Anklage, vom 
Volkshasse hervorgerufen, oder ein Missverständnis ihrer 
Lehre, zum Verbrechen gestempelt, sie vor den Richter- 
stuhl führte. Dahin gehört vielleicht schon die erste 
Anklage, die gegen die Christen erhoben worden, die 
Brandstiftung. Dahin gehören die Bezichtigungen thyeste- 
ischer Mahlzeiten und ödipodeischer Verbindungen, hervor- 
gerufen durch die dem Heiden so geheimnisvolle Sprache 
von dem nächtlichen, heiligen Opfer, der reinen Bruder- 
und Schwesterliebe, oftmals auch veranlasst oder wenigstens 
gestützt durch die Aussagen heidnischer Sklaven der 
Christen,^ wie sie seit Mitte des zweiten Jahrhunderts 
auftauchen und bis zu TertuUians Zeiten immer wieder- 
kehren.* Soweit in diesem Fall nicht durch Foltern der 
Sklaven falsche Greständnisse erpresst wurden,^ musste 
wohl schon die Teilnahme an einem nächtlichen Grottes- 
dienste überhaupt dem Richter die Überzeugung von der 
Schuld des Angeklagten aufdrängen, da ja durch die Sach- 



at fj,ey etat (payeQctlj oaat xccta yofxovg ylyt^ot/tat, ai de atpat^etg , 
oacct naQct ta yeyoutafxeya avi/teXovytai etc. (I, 56, Iff); cfr. VIII, 17 
(11, 234, 17) .' cfr. Tert. apol. 38: proinde nee paulo lenius inter 1 ici t a s 
fractiones sectam istam deputari oportebat, a qua nihil tale com- 
mittitur quäle de inlicitis fractionibus timeri solet (I, 252, 7); 
cfr. Min. Fei. OcIäv. 8: qui . . . plebem profanae coniurationis in- 
stituunt ( 12, 10) ,- 9 : impia coitio ; eruenda prorsus haec et execranda 
consensio (13, 1 f.). 

* Eus. bist. eccl. V, 2, 14 (334). 

* Athenag. suppl. 3 (14) ; Just. apol. (I, 26 (I», 82) ; Theophil, 
ad Aut. m, 4 (196), 15 (222) ; Min. Fei. Octav. 9 (13, 2) ; Tert. apol. 7 
(1, 136) ; Tert. ad nat. 1, 15 (R. I, 85, 3). ^ 

' Just. apol. n, 12 : (poyevoiaeg yctQ avioi rtvag Im avxotpavticf 
T^ Big ^fxcig xai elg ßaadi/ovg eiXxvaay olxitag ttai/ ^fj,€tE^(oy 17 naldag 
)J yvi/ata xal dt' alxtfftKoi/ g)o߀^ü)y eiayayxdCovffi xatecneiy tavta ta 
fA.v&oXoyovfJieva, a avtol (pavBQcig n^dttovtny (I^, 232"^. 



31 



läge Nichtch rieten als Thateeiigen aiiegeschlossen waren. 
Übrigens mag diese Anklage für eich allein wohl selten 
zum gerichtlichen AiiBgleich gekommen sein. 

Der andere Weg, den die Unterdrückungsmassregeln 
gegen das Christentum von seit« des römischen Staates 
gehen konnten, war der polizeiliche. Neben dem ordent- 
lichen Strafverfahren exietierte in Rom ein ausserordent- 
lichee, die magistratiecbe Coercition, nach dem „der ziu- 
Sache kompetente Magistrat jedem ihm zum GJehorsam 
Verpflichteten nach freiem Ermessen und ohne Prozesaform 
jedes nicht durch die Sitte ausgeschlossene Übel zufügen 
kann, mi^ diea zugleich in Form der Strafe vorkommen, 
oder dem Strafrecht fremd sein."^ Die Coercition liegt 
also zum Unterschied von dem Kriminalverfahren nicht in 
den Händen bestimmter Gerich tabeamten, sondern der 
jeweiligen Magistrate, und in ihren Bereich fiel hauptsäch- 
lich auch eine Art Religion spolizei, d. h. ein Einschreiten 
g^^en römische Bürger, die vom Glauben abfielen. Dieser 
Coercition mangelte eine feste Benennimg für die Contra- 
ventäon, mangelten feste Nonnen für den Thatbestand, 
mangelte eine fest geordnete Prozessfonn und ebenso fest 
normierte Strafsatze. Wie gesagt, wandte sich dieses 
Strafverfahren zunächst gegen römische Bürger. ,,Aber 
auch dem Nichtbürger stand keineswegs der Übertritt zu 
einer andern Religion frei; nur bezog sich hier die 
Leugnurig auf einen andern Götterkreis."' „So gehören die 
Repressivmass regeln des Staates auf dem Gebiete der 
Religion vorwiegend dem administrativen Kreise an und 
sind notwendigerweise beherrscht diuxih die davon untrenn- 
bare administrative Willkür.'" 

Die Monamsensche These von der magistratischen 
Coercition erklärt manches, was bisher für die eigentüm- 
liche Stellimg des Christentums im römischen Staat dunkel 
geblieben, auch wenn das Kriminalverfahren vielleicht nie 
ganz zurückgetreten ist. Es scheint, dass das polizeiÜche 

' Mommaen, 1. c. S. 399. • MomraaeD, 1. e, 409. 



— 32 — 

Verfahren das freilich nicht auf Religionspolizei beschränkt 
werden darf, sondern in seinem weitesten Sinne der Aufrecht- 
erhaltung der Ruhe und Ordnung im Staate gefasst werden 
muss, in der Frage der Christenbehandlung eine grosse Rolle 
gespielt hat. Manches gewinnt von diesem Standpunkte aus 
neues Licht. Die Statthalter waren sich wohl ihrer Pflicht be- 
wusst, gegen den AbfaU einzuschreiten, aber bei dem Mangel 
von Normienmg der Prozessformen, Strafsätzen etc. lag die 
Entscheidung in ihrer Hand, oder sie suchten Aufklärung 
bei den Kaisem. Der Gredanke an das Majestätsverbrechen 
tritt bei diesen ersten Entscheidungen noch nicht hervor; 
und diese ersten Entscheidungen wirkten nachhaltig selbst 
noch auf spätere Zeit. Die magistratische Coercition mit 
ihrer Willkür erklärt auch die Eigentümhchkeit, dass in 
derselben Stadt viele Christen, die sich als solche bekannten, 
unbeanstandet blieben, während andere ihrer Verurteilung 
entgegensahen, erklärt femer die verschiedene Behandlung 
von Alter, Stand und Geschlecht, sowie Strafen, die an 
und für sich dem römischen Strafrecht fremd sind.^ Darum 
war auch das Verfahren gegen die Christen ein schwanken- 
des, abhängig von dem Gutbefinden des betreffenden 
Beamten, von der Stimmung, die am Hofe gegen das 
Christentum wehte. Darum zeichnet TertuUian dem Pro- 
konsul Scapula nach \ den Gottesgerichten, die über die 
Verfolger der Christen ergangen, auch Erinnerungen, wie 
andere Statthalter so gut und milde gewesen.^ Dass die 
Kaiserreskripte keine kiiminaJrechtliche Bedeutung hatten, 
ergibt sich schon daraus, dass ihre Sammlung im Buche 
de officio proconsulis, welches das ausserordenthche Straf- 
verfahren und das Polizeirecht behandelt, auftritt.^ 



'Z.B. Gefährdung der Keuschheit : Tert. de pudic. 1 : . . . prin- 
cipalem Christiani nomini? disciplinam, quam ipsum quoque saecnlam 
usque adeo testatur, ut si quando eam in feminis nostris inquina- 
mentis potius camis quam tormentis punire contendat, id volens 
eripere, quod vitae anteponunt (R. I, 221, 8); cfr. Cypr. de mort 15 : 
excedunt ecce in pace tutae cum gloria sua virgines venientes 
(besser wohl : venientis) antichristi minas et corruptelas et lupanaria 
non timentes (I, 306, 17). 

• Tert. ad Scap. 4 (I, 546). » Mommsen, L c. S. 412. 



33 



Ein Reichegesetz, welches das Christentum als solches 
verbot, hat es bis Deciiis nicht gegeben, 

Freilich kehrt schon seit den Tagen des Petrusbriefes 
von chriatlicher Seite inuner wieder die Forderung, dass 
nidit schon der ,,NaTne Christ" bestraft werden möchte;' 
und die erste Frage an den Angeklagten ist auch immer 
die : „Bist du ein Christ?" * TertuUian führt aus, dass es 
der Christenname allein sei, der verurteilt werde ; dass das 
Bekenntnis schon genüge, dass eine Untersuchung nicht 
angestellt werde, rlass Verteidigung nicht gestattet sei.' 
Allein all dem hegt doch wohl nur die Erkenntnis von 
heidnischer Seite zu gründe, daaa der Begriff des Christen- 
tums sich decke mit einem Staats vergehen, sei es die 
Leugnung römischer Gottheiten, oder die Verweigerung 
des Kaiserkultus, oder die Zugehörigkeit zu einer verbotenen 
Verbindung oder irgend ein anderes Vea^ehen, wie es 
vielleicht daich erfolterte Sklavengeständnisse oder durch 
wahnwitzige \'olk saus sagen erwiesen zu sein schien.* 
Darum entkleidet diese Auffassung die MartjTer jener 
Tage nicht des wunderbaren Zaubers, mit dem ihr Haupt 
für jedes Christenherz umwoben ist. Sie alle starben im 
Kampfe gegen l^eatehende Ideen, die vom Standpunkte 
der Wahrheit aus falsch, vom damaligen Standpunkte des 
Staates und der Gesellschaft als allein berechtigt galten.* 

~' 1 Petr. 4, 15. Iß: Herrn, sim, IX, 28: i/ieli di ol Tiäaroyiti 
evtittf lov Övöfimoi: .JxiBt. apol I, H(I',34}; Athen, Böppl, 1 (6); 2: 
fV ilfäi' (K ftfl^ei/ ia/iem t'o üyofia töii' tni l^ dix^ lÜy^ioii (10); 
Bus. bist. ecol. V, 2, 44: Xfd Tttpia^S-eis xvxXio rov n/i^i^eäifiov, 
niraxoi aviuy -ngoiiynvtoc, ti- dl t'yiyt>i<!iTol'iofta!ini- oiTÜi iaim 

'Axiai.f>! « -Ypimirr™« (345). 

* Cfr. ftsäio Perpetuae 6 (Robinaon 70, 15> 

* Tert. Bpol. 2: eunfesaio nominia, non exanjinntio crioiinis 
(1,116): 44; Christian! gab titnlo offemintnr (1,227), 

*) Tert. a]K)l. 2 ; cum praosiiraatisdesceleribasnoBtriB 
ex no minie contession« a. H9) 

^ Dt^ahalb hielten Hnch die Beamten den Christen die Ätitorität 
der StaatHgesctze entgegen: Tert. apol. 4: cum ad omnia occurrit 
verilAs nostra, postremo legum obstmitur suctoritaa adversns eam 
(1, 127) : cfr. Tert, ad nat. I, 6 : Christianttm puniunt legea (R, I, 66, 
21), Die Christen fühlen, dass sie im Widerspruch mit Staats- 
Htsen stehen ; cfr, Uerm. sim, I, 3 : {qcI yiiii u xi'^iot ifit nilsiut 

m&lr, B«t«IliguEig d. Cbrlat. am fUTentl. Lcb«n, 3 




— 34 — 

Die rechtliche Stellung der Christen ist allezeit 
schwankend geblieben. Die schon angedeuteten Staate- 
gesetze bestanden, wurden aber nicht immer angewendet, 
weil eben die Frage meist durch polizeiliche Direktiven 
und Massnahmen den Zeitverhältnissen entsprechend 
geregelt wurde. Decius brach zwar mit dem System des 
Schwankens; aber schon einer seiner nächsten Nachfolger 
erlässt ein Toleranzedikt. Die Gründe dieses Schwankens 
waren jedenfalls verschiedener Art. Am Anfang war das 
Christentum zu unbedeutend, um ernstliche, direkte Mass- 
regeln notwendig erscheinen zu lassen, und später wieder 
zu bedeutend, als dass die ünterdrückimg von Erfolg hätte 
begleitet sein können. Die Lage des Staates war oftmals 
so zerrissen, die Zeiten so trübe, die Länder so sehr von 
poHtischen Unruhen durchtobt, dass an eine ernstliche 
Bekämpfimg der neuen Lehre kaum gedacht wurde. 
Andrerseits gingen die LoyaHtätsversicherungen der christ- 
üchen Apologeten sicherUch nicht ganz imgehört am Ohr 
der leitenden Staatsmänner vorüber, und machten diese so 
ruhigen und doch wieder kraftvollen Charaktere des christ- 
Hchen Altertums wohl auch gewaltigen Eindruck auf die 
Kinder einer Zeit, der Ruhe und Kraft meist abhanden 
gekommen. Vielfach aber ist das Vorgehen gegen die 
Christen beeinflusst von Volksmeinungen. Im einzelnen 
lässt sich etwa folgende Entwicklung verfolgen: 

Es lag nahe, dass das am Anfang selbst noch unter 
dem Banne des Judentimas stehende Christentum als 
jüdische Sekte betrachtet wurde. ^ So wies der Prokonsul 
von Achaia, Gallio, die gegen Paulus klagenden Juden ab : 
Wenn es Klagen sind über euer Gesetz, so möget ihr 

Tccvtrig ' ov d-tAu) ae xazoixeti/ elg triv noXit^ fj,ov, dXX' l'^eX&e ix tfjg 
noXecüg tavtrjSj ott tolg yo/Lioig /liov ov ;f(>«a«« ... 4: Xeyei yccQ aoc 
dixaieog 6 xvQiog rfjg /«(>«? Tavtrjg' rj totg v6(xotg ^ov xQ(o i^ ix^cj^et 
ix trjg /a)^«s" |Uoi;, und dringen auf Abschaffung dieser Staatsgesetze : 
Tert. apol. 4 : si lex tua erravit, puto ab homine concepta est ; neque 
enim de caelo ruit (1, 128); cfr. Tert. ad nat. I, (R. I, 6H, 27). 

^ Tert. apol. 21 : quasi sub umbraculo insignissimae religionis, 
certe licitae, aliquid propriae praesumptionis abscondat (I, 19n); 
cfr. Tert. ad nat. 1, 11 : Judaicae religionis propinquos (B. I, 81, 6). 



35 



selbst zusehen.' Und ClaudiuB Lysias schreibt dem Pro- 
kurator von Judäa, Panius sei wegen Streitpunkten ihres 
(.jüdi seilen) Gesetzes nngeklagt.^ Festus erklärt dem Agrippa, 
die Juden hätten nui einige Streitfragen ihrer eigenen 
ReUgion wider Paulus über einen gewissen Jesus.' Sueton 
berichtet, dass unter Claudius die Juden Rom verlassen 
mussten und bringt die Vertreibung in ZusammeDhaog 
mit Unruhen, die auf Anstiften eines gewissen Chrestue 
unter ihnen entstanden seien.* Die gbsonderte Bezeichnung 
„Christen" taucht zwar in Antiochien bereits um das Jahr 
50 auf und geht von da an nicht mehr verloren,* aber 
im Auge des Römers verband sich doch damit vorläufig 
der Begriff einer Abart des Judentums. Die Scheidung 
\o]b.og sich auch nur alimähhch. Es ist wohl zu beachten, 
dass noch Dia (.'assius Domitian seine Ankl^en gegen 
verschiedene Persönlichkeiten mit Gottlosigkeit und judai- 
sierenden Sitten l>egründen laest, die nur Christen gewesen 
sein können;* auch nicht zu vergessen, dass Sueton noch 
von seinem Standpunkt und seiner Zeit aus 
in der oben citierten Stelle Christus als jüdischen Auf- 
ruhrer bezeichnet und damit Christentum und Judentum, 
wenn auch nicht identisch, so doch als gleichartig zu fassen 
scheint. Und das Gleiche ergibt sich aus einer andern 
Stelle, wo er von der Eintreibung des Kopfzinses spricht, 
der seit Vespasian nach dem Falle Jerusalems als Zwei- 
drachmen steuer für den Tempel des Juppiter Capitolinua 
von den Juden gefordert wurde. Judaicus fiscus, l>emerkt 
der Scliriftsteller von der Zeit Domitians, acerbissime actus 
eel; ad quem deferelmntur, qui vel iuprofessi Judaicam 



' Apg. lö, 15 

' ApB- 23, 29. ' Apg. 25, 19. 

* Siiet. Ckail.25: judaeiis impnlBure Chreat^i lusidue tumul- 
tntintM Ruiii& eipalit..; cfr. Apg. 18, 2. 

' Apg. 11, 2G, Ober Urepnmg und Verbreitong des Christen- 
umenN, ifr. Keim, Aus dem Urehristentam, Zürich 187«, S. 179 ff. 

'DioCass.LXVII, H,2: inrii/EX^il ifi afi/poii/ lyxXrjfia tis-corqroi, 
iqf it! noi äXioi (f iii Ttüc 'loviuimif liVij iSoxiiiomet TtaXiai xitr- 
tiixaa»tjaai'. Cfr. Dio Cass. LXYIH, 1, 2 : kuViK if q äXiMit düc' daeßtlat 
'■■»'lovittaiaö ßiov xaiaiuäa^m tifai {Ne^oBUs) auyex<äe>icti: 



— 36 — 

viverent vitam, vel dissiraulata origine imposita genti 
tributa non pependissent.^ Die Stelle bezieht sich höchst- 
wahrscheinlich auf die Christen, und zwar sind die in pro- 
fessi Judaicam vitam viventes Heidenchristen, die andern 
aber, die ihren Ursprung verleugnen woUen, Judenchristen. 
Allein die Ansicht, dass das Christentum doch auch weit 
verschieden von dem Judentimi sei, musste früh genug 
durchbrechen. Die Juden, die seit den Tagen der 
Kreuzigung den bittersten. Hass gegen das Christentum im 
Herzen trugen, drängten selbst dazu; sie sind immer die 
schärfsten Gegner der Christusgläubigen geblieben.* Als 
Paulus, in Rom angekommen, zu den Juden Beziehungen 
suchte, glaubten einige, andere aber nicht ;^ diese letzteren 
werden wohl bald ihren Stammes- und Glaubensgenossen 
von dem wahren Wesen des Christentums Aufklärung 
verschafft und bei ihren guten Beziehungen zu dem Hofe 
Neros, die in dem Proselytentum der Kaiserin Poppaea 
ihren Mittelpunkt hatten, jene ungünstige Stimmung der 
vornehmeren Welt über das Christentum geschaffen haben, 
in der Tacitus dasselbe als superstitio exitiabilis bezeichnet. 
Das Urteil des Volkes konnte nicht viel besser sich 
gestalten. Die Juden waren verhasst; aber die Christen 
mussten es noch mehr werden ; ihre Anschauungen waren 
denen ihrer Mitbürger noch fremder und unverständhcher 
als die der Juden ; der Vorwurf des odium generis humani 
lastete auf ihnen noch stärker als auf diesen. Dass dieses 
Urteil des Tacitus auch das Ui1;eil des römischen Volkes 
zur Zeit Neros gewesen, bestätigt der erste Petrusbrief. 
Die Christen müssen nach ihm Verleumdungen von selten 



' Suet. Dom. 12. 

« Cfr. Tit. 1, 10; Oifb. 2, 9; 3, 9; 7, 14; die Juden klagen 
Paulus vor dem Richter an, Apg. 18, 12; 22, 22; bei der Hin- 
richtung Polykärps leisten die Juden, „wie gewöhnlich", Dienste, 
Mart. S. Polyc. 13, 1; sie verhindern, dass sein Körper aus dem 
Feuer geholt wird, ib. 17, 1; sie sind es, welche die falschen 
Anklagen gegen die Christen unter den Heiden ausstreuen, Just, 
dial. c. Tryph. 17 (I^ 60); die Lüge der Eselanbetung der Christen 
stammt von einem Juden, Tert. ad nat. 1, 14 (R. I, 84) etc. 

» Apg. 28, 21. 



— 37 — 

der Heiden ertragen ; sie werden als Übelthäter bezeichnet ; 
zur Zeit der Abfassung des Briefes scheint die Verfolgung 
allerdings noch nicht zur That geworden zu sein ; aber 
die Zeit, daas das Gericht Gottes anfange, schien nahe zu 
sein. Die eindringUche, wiederholte Mahnung des Ajjostele, 
doch ja keine Verbrechen zu begehen, welche den Argwohn 
des Volkes reizen könnten, lässt vermuten, dass manche 
Christen durch ihr Betragen den Verleumdungen Nahrung 
gegeben. ^ 

So scheint einige Zeit vor dem Ausbruch des Brandes 
in Rom die Unterscheidung zwischen Judentum und 
Cliristentum eine offizielle und das Christentum zu einer 
aufi dem Judentum hervorgegangenen Sekte gestemjjelt 
worden zu sein, deren Menschenhaas alles zuzutrauen war, 
und von der das Volk gar manches flüsterte. 

Am 19. Juli des Jahres 64 loderten lichte Flammen 
auf In der Stadt Rom, die bald ihre Umgebung ergriffen. 
Als nach sechs Tagen das Feuer erlosch, lagen von den 
vierzehn Quartieren Roms zehn in Asche und Ruinen. 
Der Verdacht richtete sich auf Nero ; aber Nero wusste 
ihn geschickt auf die Christen abzulenken, die dem Volke 
„wegen ihrer Frevelthaten" ohnehin verhasst waren; 
etliche wurden ergriffen und machten Geständnisse, und 
auf ihre Angabe hin wurde eine ungeheure Menge nicht 
Bo fast der Brandstiftung als des Menschenhasses überführt. 
Und so brach die Verfolgung über die Christen herein, 
d«ren Schreckhehkeit der heidnische Schriftsteller mit so 
lebendigen Farben zeichnet,* So erscheinen die Christen 
hier als eine staatsgefahrhche Sekte, denen jede Frevelthat 
zuzutrauen ist. Nicht umsonst hatte ja Petrus seine 
Bruder gewarnt, ja sich keine der Frevelthäten zu schulden 
kommen zu lassen , deren man die Christen bereits 
bezichtigte. Und die Zugehörigkeit zur Christensekte 
genügte bereits zur V^erurteiluiig. Der Sturm scheint sich 
nicht auf Rom beschränkt, sondern der Stimmung des 

' I. Pelr. 4, 4. 

' T«c. annal. XV, 44; cfr. Tert, apol. 6 (I, 131|; de morte 
1. 2 (II* 174, 181: Ena. htot. eecl II, 28. 2 (144) 



— 38 — 

Volkes entsprechend an verschiedenen Punkten des Reiches 
getobt zu haben. 

Das urteil über die Christen ist auch vorläufig kein 
anderes geworden, wenn auch Vespasian und Titus die 
religiöse Freiheit der Christen nicht antasteten.* Des 
letzteren Bruder Domitian war am Anfang ebenfalls duld- 
sam ; 2 aber die Verschwörung des Jahres 84 weckte seinen 
Argwohn; seine Massregeln richteten sich von nun an 
gegen alle , die ihm verdächtig schienen , so gegen die 
Philosophen, gegen die Juden und auch gegen die Christen. 
So läge es an und für sich schon nahe, dass es die An- 
klage auf maiestas im Sinne der Staatsgefährlichkeit war, 
die gegen die Christen gerichtet wurde, wenn auch der 
Berichterstatter Dio Cassius nicht „Hochverrat imd jüdisches 
Leben*' verbinden würde. Die Verfolgung traf wohl 
zunächst einzelne höhergestellte politisch beargwöhnte Per- 
sönUchkeiten in Rom;^ aber weiten Boden gewann sie in 
den Provinzen durch die dort streng gestellte Forderung 
des Kaiserkultes. ^ 

Unter Nerva verstummten die Anklagen auf „Gottlosig- 
keit und jüdische Lebensweise".^ 

Abgesehen von den beiden gi-ossen Verfolgungen ist 
eine gewisse günstige Lage des Christentums in dieser 
Periode nicht zu verkennen ; ihr ist die rasche Ausbreitung 
der neuen Lehre zu danken, der Erfolg der vielfach freien, 
ungestörten Missionsarbeit der Christusapostel. Hat ja 
Paulus selbst in Rom lange Zeit vollständig frei das 
Evangelimn gepredigt. FreiHch verlautet noch wenig von 
einem öfEentüchen Leben dieser ersten Christen, und der 
Grund hegt wohl zum Teil in jener schon einmal berührten 
Abneigung derselben gegen alles Irdische überhaupt, wie 



' Eus. bist. eccl. in, 17, 2 (189). 

^ De mort. pars. 3: tutns regnavit, donec impias manus 
adversus dominum tenderet (U^ 177, 2); cfr. Eus. III, 17 (188). 

' Eus. bist. eccl. m, 17 (188); Tert apol. 5 (1, 131); de mort. 
pers. 3 (II % 176, 4). 

* Offb. 2, 13. 

* Dio Cass. LXVm, 1, 2 ; cfr. Eus. bist eccl. III, 21, 1 (193). 



sie unter dem mächtigen Eindruck der Lehre vom Himm- 
lischen und unter den gesteigerten HoSnungen einer baldigen 
Wiederlmnft ChriBtl zum Gericht sich bildete. Andrerseits 
sind die Christen des ersten Jahrhunderts zum groBaen 
Teile unter den Sklaven und Kleinhandwerkem zu suchen, 
über deren Leben uns wenig sichere Nachrichten vorü^en. 
Der Heiland war aus einer verachteten Nation hervor- 
gegangen, einer Nation, die sich ohnehin gegen römischen 
Einfluss zu stemmen suchte; waren ja seine ersten An- 
liänger Zöllner und Fischer gewesen, die noch dazu im 
eigenen Lande das Spottwort: „Gahiäer" traf.' Seine 
Worte muBsten deshalb auch zunächst bei denen ein 
warmes, empfängliches Herz finden, die sich sehnten nach 
Leibeströfitung und nach Seelenheilung. Mochten solche 
Bedürfnisse wohl auch bei den höheren Öländen sich stark 
ausgeprägt finden, so war doch der Gegensatz zwischen 
der ^ten Lehre des Geniessens und der neuen des Ent- 
sagens zu scharf, als dase ein Ausgleich sofort mögUch 
gewesen wäre. Und in die vornehmen SalonB der damaligen 
Zeit, die sich sonst jedem geistvollen stoischen und epi- 
kuräischen Gedanken erschlossen, sind wohl wenig Worte 
\*on der neuen fremden Lehre, die selbst von dem Kiämer- 
Volke der Juden verachtet war, gekommen, und wenn, so 
waren sie oftmals entstellt und blieben unverstanden. Das 
zeigen uns die Berichte der heidnischen Schriftsteller jener 
Zeit. Immertiin aber brachen sich doch die christlichen 
Gedanken in allen Kreiden Bahn ; denn aUezeit mnitste 
da» ChriBtentum sein , .nicht nur ein Werk ruhigen 
Schweigens, sondern auch ein Werk der grossartigea 
That".' 

Der Verfasser des Buche« de mortibui« penK«utorum 
sagt einmal, daes nach Domitians Tode die Kirche kr^t' 
voller denn je erblüht nnd dasi> sie untc-r den folgenden 
milden und gerechten Fürsten keinerlei leindlicben Angrifl 
SU dulden hatte, bis ihr in Dectu« ein neuer Verfolger 



' llBtth-26,71 73; J«h,l,46; 7,&Z. *tftiaiBam.». 




— 40 — 

entstanden.^ Es erklärt sich diese Äusserung ja wohl 
schon aus der schon im Titel des Buches gelegenen 
Tendenz, die alle Christenverfolger schon hienieden mit 
Gottesstrafe belegt wissen will. Aber es ist doch nicht zu 
vergessen, dass auch Melito von Sardes in seiner Apologie 
an Antoninus Pius nur Nero und Domitian als Christen- 
verfolger bezeichnet,^ dass auch Tertullian die nach- 
domitianischen Kaiser geradezu als christenfreimdlich zu 
zeichnen sich bemüht.^ Auch ihren Äusserungen hegt ja 
wohl der Gedanke zu gründe, das trajanische Kaiser- 
geschlecht mit dem Lichte des Friedens zu verklären : aber 
ein Kern der Wahrheit ist doch darin verborgen. 

Mit Beginn des neuen Jahrhunderts tagte eben der 
Geschichte Roms eine neue Zeit. Nach den wechselvollen 
Stürmen, wie sie die der grossen Ahnen unwürdige Regierung 
des letzten Juliers und des letzten Flaviers begleitet, trat 
mit dem neuen Regime wieder Ruhe und Friede ein, die 
für das römische Reich auf lange Zeit Glück und Segen 
brachten. Statt der Privatinteressen, die vielfach im ersten 
Jahrhimdert geherrscht, tritt das Interesse des Staates 
wieder in den Vordergrund. Neue geistige Ideen brechen 
sich neben den alten Bahn imd verschmelzen sich in 
manchem Akt der Gesetzgebimg. Auch die Christenfrage 
drängte zur Lösung. 

Es war Trajan, „der Hüter des alten Rechts, der 
Schöpfer des neuen Rechts",* der zum erstenmal eine 
Lösung versuchen sollte, und sie findet sich in dem Brief- 
wechsel des Kaisers mit Plinius, dem Statthalter von 



» De mort. pers. 3 : rescissis igitur actis tyranni (= Domitiani) 
non modo in statnm pristinum ecclesia restituta est, sed etiam multo 
clarius ac floridius enituit, secutisque temporibus, quibus multi ac 
boni principes Bomani Imperium darum regimenque tenuerunl, 
nuUos inimicorum impetus passa manus suas in orientem occiden- 
temque porrexit (U*, 177, 11). 

« Bei Eus. bist. eccl. IV, 33, 11 (314). 

« Tert. apol. 5 (1, 131). 

* Pseudo-Aurel. Vict. ep. 16: iuris humani divinique tarn 
repertor novi, quam inveterati custos; cfr. Keim, Rom und das 
Christentum, S. 511. 



Bithyuien.' Plinius hatte an Trajan eine Anfrage Ijezüg- 
lich der Christen gerichtet. Solche waren vor seinen 
Richterstuhl geführt worden. Das Christentum galt also 
als eine strafwürdige, verbrecherische Sekte. Plinius be- 
trachtete sie auch alu solche. Denn diejenigen, welche 
nach zwei- und dreimaligem Befragen bei ihrem Bekennt- 
nisse verharrten, Hess er zur Todesstrafe abführen ; waren 
sie römische Bürger, so liess er sie nach Rom schicken. 
Aber unklar war er sich über die Behandlung derjenigen, 
welche Christen gewesen waren, dann al>er vorgaben, es 
nicht mehr zu sein. Er erprobte ihre Kaisertreue, indem 
er sie opfern und Christus lästern hiess. Sie thateri es; 
sie versicherten ihm aber, ihre Hauptschuld und ihr 
Hauptirrtum habe darin bestanden, dass sie an einem 
bestimmten Tage nachts zusammengekommen seien und 
dort Christus tds ihrem (jotte ein Lied gesungen hätten, 
dass sie sich femer durch heiligen Eid verpflichtet hatten, 
nicht Diebstahl oder Raub oder Ehebruch zu begehen, 
ge^benes Wort nicht zw brechen, anvertraules (!ut nicht 
abzuleugnen. Dann seien sie auseinander gegangen, um 
bei einem gemeinschaftlichen , unscliadüchen Mahle sich 
wieder einzufinden; seitdem aber Trajan sein Gesetz über 
die Hefärien bekannt gegeben, hatten sie dies unterlassen. 



' Plin. ep. X, 96, 97- Über Trajwi cfr. ■- Melito in Eiw, hUt 
eccl. rf, 33, 11 (314); Bnn chron U, 31 : werire »etnit Tert. apol, 2 
(1,118). — Die Echtheit des Briefire«h»elH kann heale ninht melir 
bestritten werden. Der en<te, der diK Echtheit tinfocht, war .Semler, 
novae ubaervatione* historiae et relit^onin (Irintiau« Hec. U, Kttlle 
17B4, S. 37; die EiQwQrfe fioden sich zDHam menge* teilt bei Anb^. 
hiatuire den {leraeinitioDs de l'E^liiie ja>u(n n U fin ilei Antoniiu, Paria 
1871), I, Släff.: derVerTa^wr ent«cheiclet «kb aber e)«nrsIU fOr die 
Echtheit, fOr die oamentlich HommwrQ im Henn<rx III, IW», H. hSfl., 
eiotrat. „Nach HommHeiu Untersuch diu^ Ober die Chrnnologi« 
des Lehme Ton Pliniof könnt« die Echtheit nof mehr von eiaem 
Skeplicismoa in Fra^e i^Ielit werden, ijer an Wahnoinn ifTenst, 
nnd Htnd die Eintrnrfe einer Widerlef^ni; nicht wert," Llglitfoat, 
tbe apMt«ljc faÜMTR 11' (8 Ignatiiuud H. Polyean), I>in4on |fM&, 
S. 64ff.; cfr. Brnntek, Daa Edikt dn Aatnioiu Pin« in Tnt a. 
Cnten. XHI', 1895, Sf. 42; KimIm, Beitilce rar UcKfaicht« iW 
CfenateBTerfolgangen, Eiaenach 1W7, S. 5. 



— 42 — 

Plinius müssen diese Angaben etwas unglaublich erschienen 
sein ; er schritt bei zwei Sklavinnen — Diakonissinnen — 
zur Folter, um die Wahrheit zu erfahren; aber er konnte 
nichts finden als verwerflichen und masslosen Aberglauben. 
So verschob er den Urteilsspruch, um sich beim Kaiser 
Rats zu erholen. Er fand die Frage einer Beachtung für 
würdig, wegen der grossen Anzahl derer, die in Frage 
kamen. Es schien ihm doch noch eine Wendung zum 
Bessern möglich, wenn man diejenigen, die sich reuig 
zeigen und vom Christentum abfallen, milde behandle (ex 
quo facile est opinäri, quae turba hominum emendari 
possit, si Sit poenitentiae locus). 

Die Antwort des Kaisers ging über die Frage hinaus. 
Plinius hatte zunächst nur bezüglich der Apostaten an- 
gefragt ; Trajan antwortet, sie sollen straflos ausgehen ohne 
Rücksicht darauf, dass sie dereinst dem Christentum zu- 
gethan gewesen. Die Christen aber, die als solche erkannt 
sind und bei ihrem Bekenntnisse bleiben, müssen, wie es 
bisher geschehen war imd wie es auch Pünius gethan 
hatte, mit dem Tode* bestraft werden. Aufzusuchen sind 
sie nicht. Das war übrigens bisher auch nicht geschehen, 
und auch Plinius befand nur über diejenigen, welche zu 
ihm geführt wurden. Diejenigen aber, welche die Christen 
anklagen, müssen ihren Namen angeben. 

Das Reskript Trajans bewegte sich auf dem Boden 
der magistratischen Coercition ; wenn Trajan forderte, dass 
der Angeber seinen Namen nennen müsse, so war diese 
Forderung aus dem Kriminalrecht herübergenommen. Das 
Edikt war in gewissem Sinne freiHch eine Halbheit, die 
schon TertuUian herausgefühlt und mit seinem ätzenden 
Spotte überschüttet hat.^ Aber es war ,,vom Standpunkt 
des römischen Staatsmannes damals vortrefflich und zeit- 



^ Tert apol. 2: o sententiam necessitate confusam! negat 
inquirendos ut innocentes et mandat puniendos ut nocentes. parcit 
et saevit, dissimulat et animadvertit, quid temetipsum censura cir- 
cumvenis ? si damnas, cur non et inquiris ? si non inquiris, cur non 
et absolvis? etc. (1, 118). 



— 43 — 



gemäss, es verband Milde und Strenge, Schute des Alten 
und Zeitrücksichten".' Trajan wollte offenbar die Zahl 
der Christenprozesse und der Verurteilungen einschränken; 
deshalb das Verbot des Aufsucbens und die Gewätirung 
vou Straffreiheit bei Verleugnung. Der ,, verkehrt« und 
masslose" Aberglaube schien doch nicht so sehr gefälirlicb 
zu sein, überhaupt war ein Eingreifen in religiÖBe Privat- 
ansichten nicht mehr zeitgemäss. Ander» lag die Hache, 
nenn andere an diesem rehgiösen Verhalten und der 
GÖttemegation Anstoss nahmen und diesbezügliche Anzeige 
erstatteten, und die Angeklagten dann vor Gericht ofipn 
mit der Staat^n'ligion brachen, da galt es, dlesvll« zu 
hüten! 

Der schwächste Punkt des Edikte« war jedenfall» di;r 
Punkt der Klage ; es war nicht festgelegt, wer das liecUt 
hatte za klagen, und wie er seine Klage zu be^iründen 
hatte; an diesem Punkte musste denn auch liald Iladrian 
einsetzen.* 

Das Volk scheint das Klagerecht gegen die Christen, 
namentlich gegen deren geistige Führer, die Siachöie, aehr 
häufig benutzt zu haben.' namentlich die KnsM, die 
interessiert waren, Opferpritvter, Joden etc. tfanun hrach 
eine grosse Vefibigiing über die Chrifften berein.* 

Der Prokonsal von Asien IJciniiui Stlraoiu Granianu«' 
rielitrte im Jafaie 324 an Ttejana SnehMgft Hadrian «na 
AnJbage bcxü^kfa der BfibmiSaag der Cliriafan, Oflflnbar 
hatte, wie acfaoo oben ai^edeiitet, durch dM tn^mlsdw 
Edikt das DdaftoRntiim, &x Flndi jedm Majwaiiäwrtw 
aller Zeiten und beaoDden der löaiimAmt V*m miil. I 







— 44 — 

die Asiaten, waren in der Begeisterung für Kaiserkult und 
Grötterverehrung den Bewohnern Roms und Italiens längst 
vorausgeeilt. Tumulte waren vorgekommen; Hadrian ver- 
langt in seinem Edikt an den Nachfolger des Silvanus, 
Minucius Fundanus, eine regelrechte Anklage ; der Ankläger 
müsse persönhch imd offen seine Anklage zu vertreten 
wissen; ergebe sich die Wahrheit der Beschuldigung, so 
sei der Angeklagte zu verurteilen; entpuppe sich aber die 
Anklage als frivole Denunziation, so sei der Delator selbst 
zu bestrafen.^ Nur auf diese Weise konnte einem Miss- 
brauch des Anklagerechts vorgebeugt werden. Als Toleranz- 
edikt ist demnach das Schreiben Hadrians nicht zu fassen. 
Sicher feststehende Martyrien, wie das des Papstes Teles- 
phorus,^ würden solcher Annahme ohnehin widersprechen. 



* Wortlaut des Schreibens bei Just. apol. I, 68 (I*, 190); cfr. Eus. 
bist eccl. III, 12, 13 (260 f.); angedeutet bei Melito von Sardes in 
Eus. bist. eccl. IV, 33, 12 (314). — Die Ecbtheitsfrage ist viel um- 
stritten. Gegen die Ecbtbeit : Keim, Bedenken gegen die Echtheit 
des hadrianischen Christenreskriptes in Tbeol. Jhrbb. XV, 1856, 
S. 387 ff. ; wiederum : Rom und das Christentum, S. 553 ff. ; Overbeck, 
1. c. 1, 135 ; Aube, 1. c. S. 240 ; für die Echtheit : Allard, histoire 
des persecutions pendant les deux premiers siecles I, 235; Funk, 
Tüb. Quart. -Sehr. XLVI, 1879, S. 108 ff.; Kirchengesch. Abhandl. 
u. Untersuchungen, Paderborn 1897, I; S. 330 ff.; R6nan, l'^glise 
chretienne, Paris 1879, S. 32, n. 2; Doulcet, essai sur les rapports 
de r^glise chretienne avec l'Ötat romain, Paris 1883, S. 68ff. ; 
Lightfoot, 1. c. I, 460 ff.; Ramsay, the church in the Roman empire 
before a. d. 170, London 1897, S. 320 ff.; Hamack, Das Edikt des 
Antoninus Pius, 1. c. S. 44; Nicolai, 1. c. S. 7 etc. Auch die Er- 
klärungen des Ediktes sind durchaus verschieden ; so sagt Mommsen, 
Der Religionsfrevel, S. 420 : „Ausgesprochen hat die Rechtsgleichheit 
der Christen einzig derjenige Kaiser, der wie kein anderer modern 
und kühl gedacht und von der Verehrung wie von dem Banne der 
Vergangenheit sich gelöst hat, der Kaiser Hadrian; in seinem 
Erlasse gab er das Christentum geradezu frei. Anders kann das 
Reskript an Minucius Fundanus nicht gefasst werden," und dagegen 
Hamack, Das Edikt des Antoninus Pius, S. 45 : „Weder ist von einer 
Freigabe des Christentums die Rede, noch von der Rechtsgleichheit 
der Christen im allgemeinen, noch endlich ist der Satz, dass der 
Christ wegen des ihm zur Last gelegten nichtreligiösen Verbrechens 
zu bestrafen ist, ganz genau," etc. 

* Iren. adv. haer. III, 3 : fjLeza Je tovzot^ {Soaiov) TEXiatpo^og^ 
og xai it^do^ayg ifnaQTVQrjaei/ (11, 11); cfr. Eus. bist eccl. V, 8, 6 (363). 



— 45 — 

Freilich verrät das Schreiben Milde und Gerechtigkeitaeinn. 
Hadrian stand beim Schreiben desselben wohl noch unter 
dem Eindruck des gnostischen Synkretismus, den er in 
Ägypten als Christentum kennen gelernt,' unter dem Ein- 
druck der Apologien, die ihm Quadratua und Arietidea 
überreicht.' Hadrians Charakter war übrigens ein sehr 
schwankender und unbestimmbarer;' und es ist ebenso 
möglich, daes er sich mit dem Plane getragen, einen 
Tempel für Christus zu bauen,* wie er über dem Grabe 
dieses Christus ein Heiligtum der Venus errichtet.* So 
hat sein Edikt selbst im Falle der günstigsten Auslegung 
immer nur temporare Bedeutung erlangt. In Christen- 
kreisen freilich mochte dasselbe wohl als Toleranzedikt 
aulgefasst werden. Darum fragt der Christ Lucius 
gelegentlich der Verurteilung eines Christen den Stadt- 
präfekten Urbicus: „\^'arum strafst du einen Mann, der 
nicht Ehebruch, nicht Unzucht, nicht Mord, nicht Dieb- 
stahl, nicht Raub, nicht Giftmischerei getrieben l"'* Auch 
durch das aus christlichen Kreisen stammende, dem Anto- 
ninns Plus zugeschriebene Reskript an die Gemeinden Asiens 
klingt eine deranige Auffassung von dem hadrianiachen 
Schreiben hindurch.' 

Hadrians Nachfolger Antoninus Pius war ein milder 
Mann." Auch dem Christentum stand er persönlich wohl 
nicht feindlich gegenüber.* Ihm und »einen Söhnen 

' Vop. Sat M. ' EnB bist. etcl. TU, 4, 3 (248 . 

' Sput. Hadr. 14: idem iktotu, laetiu, comi*, ^nvia, Umitiu, 
fUDCtAhir, lenai, tiberali« simolator, fenu/ eaemii. elemMU et ftein|>eT 
in üiunibns T&riiu. Aat grand dieter ScbUdemtig nenot ibn Lighttoot, 
1. r r ', 441 : ..ein Paradoson der MeDwhheit". 

' Lamprid. AI«. Ser. 43^ MomiDwn, Der Beii^rnwfretfelH. 41S 
A. 3 vermotet einen wabrien Kern in der Stufe. 

' Ens- vita C«n»t III, 26 ■ JnsL apoL 11, 2 Knto I', 300). 

' Append. ad Jost. Bpol. TI- tnif rar to'aitmr i Xfi«tiarär} 
xai ÜXXoi tmii tmr :tipi laf inuf^iiif T^yifiirtmi iif Snotiittj fov. 
mttfi fy^aibar' oi{ xiu itrriypaitit fi ij iff r */i*ff toTi; toioitoi: 
W ftq ifittiftmü II t!ti j'r^r i^yiuoriar 'l'UfiiiLioi- iyjtifavfiii (I ', "Uti) 

* Oip. Pitu 2 : elaras moribna, cleineii* . . itn nainre vlemen- 
w et nihil temporibna nu aaiienini fedt. 

• Tert. «pol. 5 (1. 132). 



— 46 — 

widmet Justin seine (etwa im Jahre 146 verfasste^) erste 
und seine zweite Apologie. Für den christenfreundliehen 
oder wenigstens nicht geradezu christenfeindliehen Sinn 
des Kaisers seheinen auch die Worte des Märtyrers Lucius 
zu sprechen: „Nicht, wie es sich ziemt dem Kaiser Pius 
und dem Philosophen, dem Sohne des Caesars, sprichst du, 
ürbicus, dein Urteil.**^ Das dem Kaiser zugeschriebene 
Reskript stellt, wenn auch sicher unecht, ebenfalls die 
Ansichten dar, die man unter den Christen von ihm hegte. 
Dieses Reskript, an das xoivov Tfjg ^Aaiag, den Land- 
tag der Provinz Asien, gerichtet,^ kann nämlich auf Echt- 
heit keinen Anspruch machen. Worte, wie: ,,lch hatte 
geglaubt, dass die Götter selbst dafür sorgen würden, dass 
solche Menschen (die Christen) nicht verborgen bleiben. 
Denn sie würden wohl mehr als ihr jene Leute strafen 
wenn sie könnten . . . Ihr selbst scheint die Grötter 
nicht zu kennen, und kennt den Kult Gottes nicht . . ." 
sind auf den ersten Blick als christliche Gedanken zu 
erkennen, wie sie selbst der christenfreundlichste Kaiser 

* Just. apol. I, 46 : TiQo izüii/ excerotf nei/Ttjxoyta ytyeytfr^a&ai 
toy Xqiaroy (I», 128). 

* Just. apol. II, 2 <r, 202'. 

® Wortlaut bei Just. apol. II, appendix (Otto P, 244); cfr. 
JEus. bist. eccl. IV, 19 (267). Der Text bei Eusebius und Rufinus 
weicht nicht unwesentlich von dem den justinischen Handschriften 
beigefügten ab. Über das xoipoi/ trig ^Amag cfr. Marquardt, 1. c. I, 
503 ff. ; diese Landtage sind der erste Versuch einer repräsentativen 
Versammlung; sie bildeten eine Festgemeinschaft mit dem Kaiser- 
kultus als Mittelpunkt. Für die Echtheit des Rescriptes traten 
in neuerer Zeit noch ein : Wieseler, Die Christen Verfolgungen 
der Caesaren zum dritten Jahrhundert S. 18 ff. ; Schnitze, Neue 
Jahrbb. für deutsche Theologie II, 131 ff. verteidigt die zweite 
Hälfte des Reskripts; Harnack, Das Edikt des Antoninus Pius 1. c. 
nimmt einen echten Kern an. Gegen die Echtheit namentlich 
Haffner, de edicto Antonini Pii pro Christianis ad commune Asiae, 
Argentorati 1781 ; Keim, Rom und das Christentum S. 566 ff. ; Aus dem 
Urchristentum S. 185 ff. ; Aube, 1. c. S. 302 ff. ; Allard, 1. c. S. 293 ff. ; 
Schanz, Geschichte der röm. Litteratur bis zum Gesetzgebungswerk des 
Kaisers Justinian, »München 1896, III S. 213; Allard, le christianisme et 
l'empire Romain, Paris 1897, S. 47, n. 1 ; Conrat (Cohn), Die Christen Verfol- 
gungen im röm. Reiche vom Standpunkt des Juristen aus, Leipzig 
1897, S. 6 Nr. 11, 4; Nicolai, 1. c. S. 8 (besonders gegen Harnack). 



jener Tage in einem offiziellen Schreiben an einen 
Landtag einer götter- und kaiBerkultbegeisterten Provinz 
nicht auBSprechen durfte, viel weniger ausgesprochen 
hftt. Das Bild, das Justin von der Lage der Christen 
gibt, entspricht auch nicht im geringsten der Idee des 
Reskriptes, Die Anklagen gegen die Christen Imufen sich.' 
Justin selbst erwartet das Martyrium.^ Namentlich scheint 
in den Provinzen die entfesselte Wut des Volkes gegen 
die Christen losgebrochen zu sein,' indem stärker als je 
die populären Anschauungen über ixlipodeische Ver- 
bindungen etc. zirkiiheren. Die t^hristenprozesse spielen 
auf dem Boden des trajanischen Ediktes, der Polizeipraxia,* 
Nur tritt immer stärker das Drängen des Richters auf 
Apoetaaie, immer gewaltsamer die Anwendung von Gewalt- 
mitteln zur Erzwingung derselben , immer schärfer der 
Opferzwang hervor. 

War so die Lage des Christentums unter den letzten 
Kaisern nicht sehr günstig gewesen, so gestaltete sie sich 
noch schlimmer imter Marc Aurel. Maic Aiu«l war in 
die Schule Frontos gegangen, eines bekannten Christen- 
feindes. Er hat zwar wohl kaum die Beschuldigungen 
der Volksmenge geglaubt; ihn, den Philosophen auf dem 
Kaiserthrone , erfüllte mehr eine tiefe Veracbtimg gegen 
diese Helikon der Entsagung und des Leidens; diese 
Verachtung spricht sieh aus in den Worten, mit denen 
er einmal die C'hristen streift: er erkennt zwar den 
Sterbemut der Christen an, al>er nicht ohne ein Wort des 
Hohnes anzufügen,^ Dieser \'erachtuiig entspricht auch 

" Jart. «pol- n, 4 U'. 206t; ctr. dial. c, Tryph. 110 (I", 39U). 
' Jntt npol. II, 8 (I ', 202). 

* Dafür ist bexeichnend, dass der FtUscher des antoninin. 
Reskripte» dasselbe an den Landtag von Aden richten Ilsat: cfr. 
Kelito Ton Sardee: rvv iiiixizni in rnii' fhevaeßmi' veVue, xnirolg 
tiovrö/jefoe döy^iaai xaiä ti]y'Ailiiti' bei Eus. hist. OCCl. IV, 33, 5(312). 

* Jost. apol. II, 2 (!■, 19fi!; cfr. MeUto von Sardes bei Em. IV, 
33, 5 (-312). 

* In aeineu Selbstgesprächen 11, 3 : ro iToifion loitn. tya liuö 



— 48 — 

sein Reskript gegen neue Religionen.^ Die Christen sind 
in denselben zwar nicht ausdrückHch genannt, aber eine 
Spitze gegen dieselben ist ersichtlich; jedenfalls war das 
Reskript für viele Polizeiorgane ein Bild der Stimmung 
des Herrschers und damit eine Richtschnur für die Lösung 
der Christenfrage. Wenigstens taucht von da an die An- 
klage auf Einführung fremder ReHgionen auf, und die 
Stärke der hereinbrechenden Verfolgung wird erklärlich.^ 
Um so unwahrscheinlicher aber ist die Nachricht von 
einem Schreiben dieses Kaisers an den Senat zu Gunsten 
der Christen. Sie wird in einem späteren Kapitel ihre 
Würdigung finden. 

Der Wechsel in der Regierung gestaltete sich für die 
Christen günstig. Zwar bheb die bisherige Polizeipraxis 
bestehen; aber sie wurde doch sehr günstig beeinflusst 
durch den neuen Kaiser Commodus. Dessen Indifferentis- 
mus gegen alle ernsteren Fragen, seine phantastische Vor- 
Uebe für fremde Kulte, der Einfluss seiner Greliebten Marcia, 
die vermutlich selbst Christin war oder wenigstens dem 
Christentum sehr, nahe stand* — all das schuf eine 
giückHche Stimmung in christHchen Kreisen, die sich in 
Wort imd Leben wiederspiegelt. „Die Welt hat durch die 
Römer Frieden und wir Christen wandeln ohne Furcht 
auf den Strassen und fahren zur See, wohin wir wollen I" 
kann L*enaeus befriedigt ausrufen.* Li der That halten 



Xqiaz ca 1^ oL^ aXXa XeXoyiafisyayg xccl ae^puig xalj aiave xal aXXoy 
neiaaij aT^ccycodcog. 

* Modest. 1. 30 D de poenis 48, 19 : si quis aliquid fecerit, quo 
leyes hominum animi superstitione numinis terreutur, divus Marcus 
huiusmodi homines in insulam relegari rescripsit ; Paul. Sent. rec. 
V, 21, 2 : qui novas sectas vel ratione incognitas religiones inducunt, 
ex quibus animi hominum moveantur, honestiores deportantur, 
humiliores capite puniuntur. 

2 Über Marc Aurel : Just. apol. II, 2 (I \ 202) ; Tert. apol. 5 
(I, 132); Eus. bist. eccl. IV, 22, 23 (273 f.). 

* Hipp, pbilos. IX, 12: MaQxLa SQyov xl ayad-ov B^ydaaa&ai 
ovaa g) iXod- eog naXXaxij Kofzo^ov (454, 46). 

* Iren. adv. haer. IV, 46, 3 (II, 250, 6) ; cfr. Eus. bist. eccl. V, 
24, 1 (399). 



— 49 — 

die Christen ungestört grosse Synoden zur Kegehmg der 
Osterf eierfrage. ' 

So wurde der Aiiablick am Ende des zweiten Jahr- 
hunderts für die Christen ein erfretdicher. Und wie dieses 
glückliche Verhältnis einerseits eschatologische Anschauungen 
auf emetUchen Widerstand stossen liess,^ so steigerte es 
andrerseits die irdische Schaffenskraft der jungen Religion. 
Weiter zieht dieselbe ihre Kreise. Hatte das Christentum 
im vorigen Jahrhundert seine Anhänger grösstenteils unter 
den Besitzlosen und Ungebddeten gesehen, so schliessen 
sich ihm jetzt Männer und Frauen von Besitz an. 
Gelehrte und Gebildete weihen ihr Wissen seinem Dienst, 
der Ritter- und Senatorenstand sieht mit Verwundenmg 
Standesgenossen unter den Christusbekennem, Freilich 
taucht auch manches Ideal im Strudel des Erdenlebens 
unter, und inmitten der vielen hebten Bilder, welche die 
Schriftsteller jener Tage vom Christentum entwerfen, findet 
eich auch manches unfreundliche, düstere." Aber das 
Christentum bietet sich den Heiden von einer andern 
Seite, ein Schritt weif«r, zum Ziel, zum endlichen Si^. 
Leise klingt das Bewusstsein der werdenden Macht durch 
die Worte eines Celsus, der die Christen von christhchen 
Kaisern träumen lässt.* Diese aufkeimende Macht fürchtet 
Septimius Severue. 

Mit öeptinaius Severus beginnt für die Geschichte 
Roms eine neue Zeit. Im Reich macht sich der wachsende 
Einfluss germanischen Elements bemerkbar. Die Rechts- 
pflege erwacht von neuem, und sind auch keine Neu- 
schöpfungen auf diesem Gebiete bemerkbar, so tritt um 
so stärker die Sammlimg und Zusammenfassung hervor. 



' Synaden überhaapt: Tert. de ieian. 13^ agTUitnr praeterea 
per Graeciam illa certU in Iocib conciliB ex uniTersis ccclegiis, per 
qou et altjonv quoeqae in commune trsctantur et ipsa reprae- 
sentatio totins nominig ühriatiani inag:na Tenemtione cele- 
bratnr (K. I, 293, 13). Svnoden zw Osterfeierfiage; Eng. bist. eccl. 
V, 26 (402), 

' Anoiiymns air. CaUpbrjgaxam baer. bei Bus. bist. ecul. 
V, 19, 18 f. (386). 
• Past. Herrn, vis II, 2. * Orig. c, Cela. VIU, 71 (H, 287, 14), 



— 50 — 

Auch die römische StaatsreHgion gewann wieder neues 
Leben. Der Kaiser war ein energischer, kraftvoller Mann. 
Absolut angelegt, verlangte er die Verehrung seiner Majestät 
und verhängte in causa maiestatis selbst bei römischen 
Bürgern die Tortur. Auch das Verbot gegen die geheimen 
Verbindungen frischte er von neuem auf. Dem Christen- 
tum stand er an und für sich nicht feindlich gegenüber. 
Fast zehn Jahre hindurch genossen die Christen Ruhe, 
die nur durch einige Zwischenfalle in den Provinzen 
unterbrochen wurde. Noch bestanden die christlichen 
Einflüsse am Kaiserhofe fort, die unter Commodus sich 
Bahn gebrochen. Ihn selbst verknüpfte persönhche Dank- 
barkeit mit einem Christen Proculus, der ihn von einer 
Krankheit geheilt. Vornehmen Christen und Christinnen 
stellte er einen Schutzbrief aus und schützte sie vor der 
Leidenschaft des Pöbels.^ Aber schliesslich überwog doch 
in ihm der Staatsmann. Das ungestüme Drängen de» 
Volkes, das den Herrscher manchmal nicht begreifen 
konnte, der immer mehr sich verschärfende Gegensatz im 
Familien- und Staatsleben, die überhandnehmende Pro- 
paganda der neuen Lehre, die Verweigerung der von ihm 
so entschieden geforderten Majestätsverehrung von christ- 
licher Seite, montanistische Schroffheiten, wie sie da und 
dort aufgetaucht sein mögen — all das Hess es ihm 
geraten erscheinen, der Bewegung ein Ziel zu setzen durch 
sein Edikt vom Jahre 202. ^ Das Edikt ^ entspricht dem 
Charakter des Kaisers: es verbietet nur die Propaganda. 
Diejenigen Christen, die es bis zur Zeit des Erlasses 
geworden sind oder es durch Geburt werden, sind frei- 
gegeben. Dadurch schont er alle, mit denen er persönüche 
Beziehungen unterhält, und einem weiteren Umsichgreifen 
der von vielen so gehassten Lehre schien vorgebeugt. Die 
Bestimmung, dass es auch für die Juden gelten sollte, 
musste es in noch milderem Lichte erscheinen lassen. 



^ Tert. ad Scap. 4 (I, 547). 

* Neumann, 1. c. S. 161, setzt dasselbe in das Jahr 201. 
^ Spart. Sev. 17: Judaeos fieri sub gravi poena vetuit; idem 
etiam de Christianis sanxit. 



Aber die Form des EdikteH war doch kaum präzise 
genag. Mochte nicht doch manclier Bfiamte das einfache 
Verbot, „f'hrist za werden", in seinem weitesten Sinne 
«uffassen : „Christ zu sein" ist verboten ? In der ge^heneu 
Form war es nicht einmal ausgesprochen, ob das Edikt 
nicht auch vor das Erlasßdatum rückwirkende Kraft beaasH. 
.Sollte nicht auch ein Sti in raungs Wechsel von seite des 
Kaisers m(%lich sein? Man muss es vielfach so auf- 
gefasst haben, denn von neuem brach die Verfolgung über 
die Kirche herein,' mit einer Macht, die uns in den 
düsteren Schilderungen des karthagischen Apologeten lebendig 
entgegentritt, die von neuem in manchem Christen escha- 
tologische Gedanken weckte,* und sich wiederspiegelt in 
dem Schreckens vollen Bilde Hippolj-te von dem Welten- 
en'le.^ Faktisch mag es hei dem durch Trajan sanktio- 
nierten poUzeiüchen Verfahren gebliel)en sein — aber es 
erlangte eine stärkere Ausdehnung als bisher und einen 
solideren Untergrund durch die Anklage des Majestäts- 
Tcrbrechens, das jetzt mehr und mehr in den Vordergrund 
tritt und dessen Entkräftung Tertullian fast sein ganze» 
ApologeticQin widmet. 

übrigens wurde der Kampf g^en Ende der Regiemog 
wieder schwächer,' bis er endlich mit dem Regierungs- 
antritt seine» Sohnes CaracaUa voUständig erlosch. Antoniniu 
war von einer christlichen Amme genäJirt worden'" nnd 
hatte in seiner Jugendzeit einen Christen zum Spiel' 
geehrten gehabt.* Diese Jugendeindrücke beberrschten 
de n Kaiser auch noch später. In das erst« Jahr seiner 

L hist eccl. VI. 1 a. (423)1 ' Em. hirt. txcL VI. 7 (438) 
■ Hipp. tU JH,.,;i 17. 51 (318. 8). 

* Tert.depAlliol : gandeo tu« Um pnntpeni« teinponim, cum ita 
£ invat, lübttu denoUn. paei* Umf. et uinuBae otis. »b im- 
rt a emelo be>e »l I. V13 . 

' T«rt. ad Srap. 4 '|ii«ni (Prornlam) et ADtmina* opthne 
[ ImU ClDÜtiaaa fAw%W il, 54«;, 

* 5pan. Ant Tarac. 1 leptcnBij ihmt, c 
1 ob jDdajcain religinaeai graviu reibcratnn a 
I (nom nojae patrcM poeri tc' 



ncm 



52 



Regierung dürfte die Vollendung des GesetzeskoUektaneums 
des Ulpian fallen, das nach der Angabe des Lactantius 
auch die Christengesetze enthielt.^ Die Rekonstruktion 
dieses Gesetzbuches ist nicht mehr möglich. Aber „wie 
die uns überlieferten Fragmente ergeben, ist daselbst neben 
andern strafrechtlichen Materien (Sakrileg, Pekulat, Ver- 
brechen der mathematici und vicinatores) gerade von einem. 
Verbrechen, welches den Christen zur Last gelegt wird, 
vom crimen maiestatis die Rede gewesen, und nebst dem 
im Volksgebrauch niedergelegten Recht wird weiterhin auf 
kaiserUche Satzungen Bezug genommen. Im Hinblick 
darauf ist gar nicht für ausgeschlossen zu erachten, dass 
jene „verruchten Konstitutionen** der „schändlichsten 
Menschentöter" gar keine besonderen Beziehungen zu den 
Christen erhielten, sondern nur auf die maiestas im allge- 
meinen bezügUche Satzungen enthielten, wie auch ihre 
Aufführung von Ulpian nicht mit Bezug auf den Christen- 
prozess geschehen ist".^ Immerhin ist es mögUch, dass 
das Buch verschiedene Kaiserreskripte in der Christenfrage 
enthielt. 

Für die Earche beginnt mit Caracalla eine fast achtund- 
dreissigjährige Friedenszeit, die nur unterbrochen wird durch 
die Angriffe des Maximinus Thrax. Macrin, der Mörder 
Caracallas, ein rauher, ungebildeter Kriegsmann, fand 
während seiner kurzen Regierung kaum Zeit, sich mit der 
Christenfrage zu beschäftigen. Semem Nachfolger Elagabal, 
dem Syrer, der sich sogar des Genusses des Schweine- 
fleisches enthielt und sich beschneiden liess,^ war die 
Religion Palästinas nicht unsympathisch. Er lebte auch 
nicht lange genug, um einzusehen, dass in die von ihm 



* Lact. div. inst. V, 11, 18. 19 : quin etiam sceleratissimi homi- 
cidae contra pios iura inpia condidenint ; nam et constitutiones 
sacrilegae et disputationes iuris perditorum leguntur iniustae. 
Domitius de officio proconsulis libro septimo rescripta prineipum 
nefaria coUegit, ut doceret quibus poenis adfici oporteret eos qui 
SB cultores dei confiterentur (I, 490, 8). 

* Conrat Cohn, 1. c. S. 4 n. 10. 
« Dio Cass. LXXIX, 11, 1. 



getraumte synkratistische Religion der Zukunft' eich das 
tÜmBtentum nicht einfügen lasse. 

Edler waren die Motive, die seinen Vetter Alexander 
SeveruB (222—235) zur Duldung des Christentums be- 
stimmten. Sein religiöser EkielrtdciBmus, der ihn überall 
dae Gute Buchen hiess, seine syrische Vorliebe für Juden- 
tum und Christentum/ seine unverhohlene Bewunderung 
filr christliche Moral^ und Disziplin,* seine innige An- 
hänglichkeit an seine feingebildete, dabei energische und 
kraftvolle Mutter Mainmaea, die den Origenee zu sich bat,* 
gestaltete seine Regierung zu einer für dae Christentum 
ungemein glückhchen Friedenszeit. " Viel mag dazu noch 
der Umstand beigetragen haben, dasa der edle Kaiser die 
Anklagen auf Majestät» verbrechen vollständig unterdrückte.' 
So konnte die Sage entstehen, er sei selbst Christ gewesen.* 

' Lamijrid. Hetio^. 3: sed nbi primuin ingressna est urbem, 
omiasia i|aae in provincia gerebaatnr Heliogabalum tu Palatino 
monte iiuta aoded impeiatorJHs conaecravit tique templum fecit, 
stndena et Matris t.vpum et Veatat; ignem et Palladium et ant-ilia 
et omnia Romanis veaeranda in illiid transferre templnm et id 
ftgenti, De qnis Ruman dena uiai Heliogabaln» culeretar. iJic«hat 
praeterea Jadaeomm et Samaritanonim retigioneB et Chriatianam 
deTotionem illuc transferendum, nt omniam caituramm secretum 
Helioirabali sacerdotinm teneret, 

' Lnmprid. Alex. Sev. 43: Chriato templtttn tacere voloit 
enmqne inter deos recijiere. 

' Lamprid. Alex. Sev, 51; clamabatqne mepinn, qnod a <jni- 
bnidam sive Judaei« üive ChriRtiania andierat et tenebat idqne per 
praecunem, cnm alüinem emendaret, did inbe'iat : Quud tibi lieri non 
vi«, slteri ne feceria, 

* Ijamprid. Alei. Sev. 45 ; dicebat grave esae, cnin id ChriBtiaiii 
et Jodaei facereot in praedimndia aac«rdotibna, qni ordmaodi annt, 
nun lieri in proTinciamm rectoribas. 

» Eus hiat, eccL VI, äl, 3 467). 

• Lamprid. Alei, Sev. 22r Jadaeia privüegia reservavit, Cbri- 
stiancia ease psasus est, 

' Ciid. Ja4t. 1 I ad leg. Jnl. maiest. a 234 : maieetatifi crimina 
c«ssant meo aaecnlo. 

* Eos. bist. ecci. Vn, 10, 3: Dion^rains v<m Aletandrien über 
Valerian ; ovitf yüp n^U»; i's ociui nur n^A avtav ^uaiumy ev/itriöt 
xni ÄJfWf ntfüs Biirot« iniilti^. oi'J' o( ltx^i>" ti ayuipui'ihi' 
.Cpiat'ai'ui yiyunrai (533|. Aoch Neuminn, 1. c. S 207, Ä, 6 

t die Stelle ant Alexander Severu« und Philipp Atab«. 



— 54 — 

Viel zu früh fand der Fürst, der ob Beiner unbeugsamen 
Strenge bei den Legionen nicht sonderlich beliebt war, 
seinen Tod durch Mörderhand. Freilich blieb der Rechts- 
zustand der Christen in seiner Zeit der gleiche, aber die 
polizeilichen Massnahmen gegen die Christen blieben eben, 
soweit irgendwie möglich, der Stimmung des Herrschers 
entsprechend, unterdrückt. 

Es liegt auf der Hand, dass sein Mörder Maximinus 
Thrax von den Christen wohl kaum freudig begrüsst 
wurde; andrerseits fürchtete auch der neue Kaiser die 
Anhänger seines gehassten Vorgängers.^ So entsprang die 
Verfolgung dieses Kaisers hauptsächlich politischen Motiven, 
und in diesem Gedankengange richtete er sie zunächst 
gegen die Führer dieser vermeinten oder zum Teil auch 
wirklichen politischen Bewegung, gegen den Klerus. Die 
Motivierung enthielt natürlich keine politischen Gründe; 
es war viel einfacher und klüger, die alten Anklagen, die 
mit dem Begriffe des Christentums von selbst sich deckten, 
zu erneuern; darum blieb auch die Verfolgung nicht bei 
dem Klerus stehen, sondern richtete sich an manchen 
Punkten gegen alle Gläubigen.^ Übrigens erlangte dieselbe 
keine allgemeine Verbreitung. Unter dem indifferenten 
Gordianus hatte die Kirche wieder äusserliche Ruhe. 
Schönere Tage aber brachen ihr an, als Philippus Arabs 
die Regierung angetreten. Von syrischer Abstammung, 
brachte er, wie Elagabal und Alexander Severus, der 
ReHgion seiner Heimaterde grosse Vorliebe entgegen. Er 
sowohl wie seine Gemahlin Severa standen nnt Origenes 
im Briefwechsel.^ Eine Sage erzählt sogar von ihm, dass 
er an der Ostervigilie sich mit dem übrigen Volk in die 
Kü'che begeben wollte; der Bischof aber habe ihm den 
Zutritt verweigert, bis er sich den übrigen Brüdern ange- 



^ Eus. bist. eccl. VI, 28 (477). 

* Firmilian, ep. ad. Cypr. ; ep. Cypr. 75, 10: temporibus post 
Alexandrum imperatorem multae istic conflictationes et pressorae 
acciderunt vel in commune oranibus bominibus, vel privatim cbristianis, 
etc. (II, 816, 17). 

» Eus. bist. eccl. VI, 36, 3 (485). 



schlössen und feine Sünden bekannt hätte: und Pliüippus 
Arabs habe gehorcht.* Der Vorfall ist lediglich eine Sage. 
Als solche bezeichnet ihn, wie überhaupt das Christentum 
des Kaisers, das daraus gefolgert wurde, sdion EuRehiun. 
Der Kirchenschriftsteller gibt aurfi den Inhalt des erwähnten 
Briefwechsels, der zwischen Origeiies und dem Kaiser und 
dessen Gemalilin Ijestand, nicht an ; er scheint keine 
|>ositiven Beweisgründe für das christliche Bckenntius 
Phihpps geboten zu haben. Auch der mit dem Kaiser 
beinahe gleichzeitige Dionysius von Aloxandrien l>egnügt 
pich Ixä der Berührung dieser Frage mit einem ,,Öoll"." 
l>er erste Vertrete' des christlichen Bekenntnisses des 
Kaisers ist HieronjTnus.' Da er aljer in seinem Berichte 
Totlständig auf Eueebius fusst, so ist auch seine bestimirite 
diesbezüghcbe Aussage nur als eine kühne, weitguhende 
Deutung der eusebianiechen Nachricht zu fassen. Im 
geheimea war ja Philipp wob) der christlichen KeHgion 
xugetban. Einzelne Andeutungen des Origenes lassen 
einen solchen Schluss zu. So meint derselbe einmal, dass 
es auch Leute gebe, deren Überzeugung christlich ist, die 
aber ihre Gesinnung verbeißen und verhüllen,* und dnsfl 
es Pflidit des Klerus sei, auch für die .Sorge zu tragen, 
die scheinbar ausserhalb des Christentums stehen.^ Dos 
Gesetz der Schliessung der Bordelle deutet auf christiicbe 
EinSüaee. War der Kaiser heimUeher Chrirt, durfte 
Origenes das jedenfalls nicht verraten, ohne eich einer 
bedenklichen Indiskretion schuldig zu machen. Denn zu 
^nem feierlichen (Ijertritt durch Taufe war wod« die 
Zeit Qoclt der Charakter des Kai«eni angetlian.' 0((Ui«l] 

' Em- hl*! ecci VI, 34. 2 (HÜ). 

* Diunj» TOD Alex, bei Kiii. hi>t ecci. VTI, 10, 3 (M.1). 

* Hier, d« rir inlostr .'>! f^gfeiiH: il'hilippuii), qnl primtu 
de rwibw Bonanii chrittiuiiu fnit. f8ycbow«ki IUI. 

^ Otig. e. Vt\». I, H (1. «0, 201; 1, 26 ((, 7H, II). 

* Ori?. e. Cels. TIU, 75 fll, 292, IS). 

* Ib DCiMKr Zät wmiA du ehriaüMw BekMulMk 4m Kalma 
■och verteidigt toh AUsr< hlitoifB 4t» ftmemtton U. Stt ■. 
la etiri««i«niwM «i I Hipite Htmia 9. i 
4em ixtikd ChiiaUmJtrUlgtagtm b 4t* 



LMlMi 



— 56 — 

hat sich der Kaiser als Heide gegeben, wie Münzen, 
welche ihn opfernd zeigen, genügend bekunden.^ 

Für die Stürme, die in den letzten Jahren seiner 
Regierung über die Christen hereinbrachen,^ ist er auf 
keinen Fall verantwortlich zu machen, da er um diese 
Zeit mit der Niederwerfung des decischen Aufstandes 
beschäftigt war. 

Gegen Ende des zweiten Jahrhunderts waren die 
Christen allenthalben zu einer stattlichen Anzahl heran- 
gewachsen, doch lag ihre Kraft weniger in ihrer Zahl als 
in ihrer Organisation. Ihre gemeinschaftlichen Versamm- 
lungen zu gottesdienstUchen und andern Zwecken konnten 
nicht verborgen bleiben und der Vorwurf gesetzeswidriger 
Verbindungen musste sie treffen. Celsus, der wie kein 
andrer in das Wesen des Christentums eingeweiht scheint, 
beginnt sein Buch nüt dieser Anklage.^ In diesen Zeiten 
suchten die Christengemeinden sich gesetzlichen Schutz zu 
verschaffen durch die Form der coUegia tenuiorum. Die 
römische Vereinsgesetzgebung* führte, wie schon einmal 
angedeutet, auf Julius Caesar zurück, der die freie Vereins- 
bildung aufgehoben und alle Kollegien mit Ausnahme der 
von alters her bestehenden aufgelöst hatte. Gewisse 
Vereine aber erhielten auch später staatliche Genehmigung, 
die ursprünglich in den Händen des Senates, später aber 
in den Händen des Kaisers lag. Namentlich erhielten 



I, 221 ; Neumann, 1. c. S. 246 fe. ; Schanz, 1. c. S. 218. Aube, 1. c. 
S. 481 hält Philipp für „einen Imperator für alle und Christ für 
sich". Weis, Christenverfolgungen, München 1899, S. 140 : „Philipp, 
angeblich selbst Christ, handelte in der (Öffentlichkeit wie ein Heide." 

^ Cohen, Medailles imperiales 2. ed. V, 107, n. 128 ; 136, n. 7 ; 
139, n. 14 etc., vgl. über die Frage namentlich Neumann, 1. c. 246. 

^ Dionysius von Alexandrien bei Eus. bist. eccl. VI, 41 (492). 

» Orig. c. Cels. I, 1 (I, 56, 1 ff.); cfr. Vm, 17 (H, 234, 16). 

* Vgl. zum Folgenden: Mommsen, de coUegiis et sodaliciis Boma- 
norum, Kiel 1843, S. 87 ff. ; Kraus, Roma sotterranea, 2. Aufl., Frei- 
burg 1879, S. 53 ff.; Waltzing, les corporations de l'ancienne Rome et la 
charite in Compte rendu du 3 i^^e congres scientifique international 
des catholiques 1895: Scienc. bist. Weiss, Arch. f. kath. Kirchen- 
recht 1897 S. 670 ff. ; Liebenam, Aus dem Vereinsleben im römischen 
Reiche, in Ztschr. f. Kulturgeschichte von Steinhausen I, 1897, 1. 2. 3* 



Berufsgenossenechaftec, Sklsiveu und Gewerbetreilienrlc (!ie 
Erlaubnis zum ZuBammeriKchluss zur ICrlanguiiR uintiH 
anF^ndigen Begräbnisses. Dieselben durfton Hieb numut- 
lieb einmal versammeln zur Einzalilung der Bdti'üRC;' 
öftere Versammlungen waren nur gestattet, wenn Hie 
religiösen Zwecken dienten und das Gesetz der verbotent-n 
Vereine nicht verletzt wurde. Noch erhaltene Inseliriften 
künden uns von der Eiiistenz vun nahezu achtzig der- 
artigen Kollegien, von Maurern und Zimmerleut«n, 
Soldaten und Matrosen, Bäckern wid Köchen, Jägern und 
Fischern u. s. w. Ztim Stande wurde meist der Dienst 
einer Gottheit hinzugefügt: cultores Jovis, Herculis u, ühnl, 
Augustus* und noch mehr Trajan* waren mit aller 
Strenge gegen die Koll^ien voi^egangen; allein die Annen- 
gilden blieben bestehen. Septimius Severus dehnte dlesei 
Korporationsrecht , das bisher nur für die Hauptstadt 
bestanden, auch auf die Provinzen aua,* inid üaracalla, 
der auch allen Provinzialen das römiBche Burgerrecht ver- 
lieh, erweiterte es noch mehr.* 

In Rom mag der Versuch von christlicher Seite, ihrCT 
fTcnossenschaft alf coUegium funeratieorum wrKunagcn 
polizeilichen Schutz zu verschaffen, »c^hoo »ehr früh, wohl 
unter Marc Aurel gemacht worden Hein. WenigatcDK 
berichtet Hippolvt, das» der Papst Zephyrin nach fiein 
Tode des Papstes Victor den eheinaligeii , von Meinem 
Vor^nger verwiesenen Sklaven t'allixtus ffiiabilitiert, üiii 
von Antium zurückberufen und ihm i-in <^)nri(Hi^ritmt 



' Sen MDsnlt ■■ qoi ■Upen mcottmui »»aümt rolunt 1d 
fanen, in id coUe^nm co«aat neifiie nb ■pcde kulu emikicti niti 
wmd in meoK coeant conftnndl «um iuu« Maattl »epdiatilar. 
Orelli-Hentzen 6066- Dig. TTL 4, 1 fi I (|ttib<u |wnüiMan e>t mtihu 
b«b«re mII«^ MdMati« m\e cuiiM^iK «Jl«Hu «onui Boniiw ffo 
priam est habere n« eonimanM. arcun tiiumuMtw et uUinm •!*■ 
ejviifam, per qnen qnnd PMUDBnlta' aj;i iWiqu nportoit. «jpilitr, 
fial Vm XISVU, 32, I ; MnalUiior («tuilorilnu Mv» mvaUmm 
conStnv dam uam m«c1 hi mtmat- ««ruit eun&nüdl owat 

' Suet. div, Awg aa. ' TW- M PUa «ip- X, Wi. 

• Dig XLVU. Ä 1 ' l'if I, ': 1 J. 



— 58 — 

unterstellt habe. ^ Diese Begräbnisstätte war vermutlich 
von einer vornehmen christlichen Famihe, vielleidit den 
Caeciliern, der Christengemeinde überlassen worden, die 
sich als Grenossenschaft für Totenbestattung bei der Polizei 
angemeldet hatte und damit das Recht besass, Eigentum 
zu erwerben etc. Dass diese Versuche gemacht wurden, 
und zwai* auch in den Provinzen, beweist Tertullian, der 
von dem christlichen Gemeinwesen den Behörden eine 
Zeichnung gibt, die sich mit der eines erlaubten Kollegiums 
sogar dem Wortlaute nach vollständig deckt. ^ 

Ein interessantes Pendant dazu bietet eine Inschrift 
aus Caesarea in Mauretanien: ,,Euelpius, ein Verehrer des 
Wortes, hat diese Area zu Gräbern gestiftet und auf seine 
Kosten eine Cella gebaut, und hat der heiUgen Kirche dies 
Andenken hinterlassen: Seid gegrüsst, Brüder: Euelpius 
grüsst euch aus reinem und schlichtem Herzen, euch, die 
ihr aus dem heiligen Geist geboren seid. Die Gemein- 
schaft der Brüder hat diese Inschrift erneuert.**^ In Rom 
finden sich seit Anfang des dritten Jahrhunderts ver- 
schiedene geistliche Coemeterien, benannt nach dem Eigen- 



' Hipp. Philos. IX, 12 (456, 64). 

^ Die sehr interessante Stelle lautet: Tert. apol. 38 : proind« 
nee paulo lenius inter licitas fractiones sectam istam deputari, 
oportebat, a qua nihil tale committitur, quäle de inlicitis factionibus 
timeri solet (1, 252) ; apol. 39 : c o r p u s suinus de conscientia religionis 
et disciplinae unitate et spei foedere. coimus in coetum et con- 
gregationem, ut ad deum, quasi manu facta precationibus ambiamus 
orantes . . . praesident probati quique seniores honorem istum 
non pretio, sed testimonio adepti. etiam si quod arcae genus est, 
non de honoraria, summa quasi redemptae religionis congregatiir. 
modicam unusquisque stipem menstrua die, vel, cum velit, 
etsi modo possit, apponit; nam nemo compellitur, sed sponte confert . . . 
dispensatur . . . egenis alendis humandisque et pueris ac püellis 
re ac parentibus destitutis . . etc. (I, 254). 

® Corp. inscr. lat. VIII, n. 9585: aream ad sepulchra cultor 
Verbi (!) contulit. et cellam struxit cunctis suis sumptibus: 
ecclesiae sanctae hanc reliquit memoriam. salve te fratres, puro 
corde et siraplici. Euelpius vos satos sancto spiritu. - ecclesia 
fratrum hunc restituit titulum. M. A. J. Severiani clarissimi viri. 
Ex ingenio Asterii. Cfr. : Kraus, 1. c. S. 59, Künstle, Die christlichen 
Inschriften in Afrika, in Tüb. Theol. Quart.-Schr. 1895, S. 437 ff. 



59 



tümer des Bodens , auf dem die Griiber lagen : das 
Coemeterium des Priscilla und des Maximin an dei- v:a 
Salaria, das Coemeterium des Ostranus an der via Nomen- 
tana, der Lucina an der via Ostierieis u. s. w. Immer 
mochten diese christlichen Versuche ja wohl nicht gelingen. 
In Karthago erklang der Ruf des Volkes : Die Begräbnis- 
stättfin der Christen haben keine Berechtigung. ' Aber 
wenn die Bischöfe um Geld von der Polizei die Duldung 
der Sonotagsfeier und der Versammlungen erkaufen 
konnten' imd Alesander Severus die Gaatwirte abwies, die 
mit der christüchen Gemeinde in Streitigkeiten um eines 
Grundstückes wiUen geraten waren,' so wird sich wohl 
meist Rat und Hilfe gefunden haben. Faktisch blieben 
auch in Vcrfolgungsieiten die Grabstätten meist unange- 
tastet. 

Überhaupt war die Lage der Christen durch die Gunst 
der Kaiser dieser Periode eine verhältnismässig glückhche 
geworden, und das hatte auch auf seit« der Christen eine 
versöhnliche Stimmung zu Staat und Gesellechaft geschaffen. 
Wohl waren jene Stm-mjahre mit ihren immer wechselnden 
Kämpfen im Innern und nach aussen, die von der 
IJecadence der Macht und Sitte zeugten, nicht geschaffen, 
ein Eingreifen in das politische Leben anzuraten; aber 
andrerEeits kräftigte gerade dieser Umstand die Kirche, 
die Wühl vielen besseren Elementen ein ragender Leucht- 
turm zu sein schien auf dem wogenden Meere einer 
drangvollen Zeit. In ruhigeren Zeiten aber ziehen die 
Christen alle Bahnen des Lebens : selbst ein Tertullian 
weiss in ruhigeren Stunden weltliche Arbeit und welt- 

' Tert. Kä Scap. 3 (I, 542). 

' T«Tt. de fugA U: «e<] iiuomodo culligcmus, iminii', i|ao- 
mudu diiminjca sollemnia celebrabimna ? Utigne, (gnomoilo et niiostuli, 
fiiie, nonpecunia luti,' <|nae fidea ai moutem transEerre putea^ 
moltd iDAgia miltl«in. eatii aapientia, non praemio latus .... 
poatremo si colligere interdiu nun pot«ii, habe« nocteni (I. 491). 

* Laraprid. Alex. Ser. 49: cum (Jbristiani quendam liicum qui 
pnblicns fucrat, oceupasapot, rontra [lupinarii dicereot «ibi euin 
deberi, rescriptit meliua esBe, iit quetnamtnodumcunque illic deus 
col»tiir iinam popinariis dedatnr. 




— 60 — 

liebes Ringen mit christlichem Denken und christlichem 
Hoffen zu vereinen, wenn nur Glaube und Sitte unge- 
fährdet bleiben : freilich taucht auch nur zu bald die Klage 
auf über das Schwinden beider in christlichen Kreisen, 
eine Klage, wie sie schon durchgeklungen durch die 
Schriften des doch so weitherzigen Alexandriners, und wie 
sie namentlich hervorbricht bei dem Kämpfer für die 
Urzeit des Christentums, dem Montanisten Tertullian und 
dem trauernden Hirten seiner Gemeinde Cyprian. Es 
mussten wieder Stürme kommen, die das Christentum 
aufrütteln sollten aus dem Schlafe, der es zu umfangen 
drohte, damit nicht das Christentum zur Verweltlichung, 
sondern die Welt zur Verchristlichung komme. — Und 
diese Stürme kamen. 

Schon die Vorgänge der letzten Jahre in Alexandrien 
Hessen ahnen, dass mit Decius die glückliche Friedenszeit 
zu Ende sein werde. Es waren wohl zunächst persönliche 
Gründe, der Hass gegen seinen Vorgänger Philipp, die 
den neuen Kaiser zu seinem Vorgehen gegen die Christen 
reizten.^ Allein Decius sah doch noch weiter: Sein 
Lebensziel war die Wiedererweckung der alten römischen 
Staatsidee: in diesem Rahmen aber fand das Christentum 
keinen Platz. Der Gedanke der Staatsgefährlichkeit des- 
selben, der bisher fast vollständig geschlummert, erwacht 
und tritt in den Vordergrund. Damit wird jeder Christ 
durch das blosse Bekenntnis strafbar; zudem erlässt der 
Kaiser jetzt spezielle Christengesetze und die Nichtbeachtung 
derselben macht den Christen zum Verbrecher. Allein die 
Zahl der Christen war doch bereits zu gross, als dass eine 
Vernichtung sämtlicher möglich oder ratsam erschienen 
wäre. Darum geht die Tendenz zunächst gegen die Führer 
dieser Organisation^ und gipfelt in dem Bestreben, die 

^ Eus. bist. eccl. VI, 39 : Jtxiog^ og dij tov nqog ^PiXinnov e^O-ovg 
tt/£xcc dicoytuot/ xccTu tmi/ txxXriotmt^ byeL^ei (487). 

^ Cypr. ep. 55: tyrannus infestns sacerdotibus dei (11,630, 16). 
Über Decius : de mort. pers. 4 : exstitit enim post annos plurimos 
execrabile animal, Decius, qui vexaret ecclesiam (II*, 178, 1) cfr. 
Eus. bist. eccl. VI, 39 ff. (4d7 ff.); Cypr. ep. 55, 9 (II, 630, 16); ad 



Christen mit allen Mitteln, mit Foltern u. s, w. ihrer l.olinr 
abwendig zu machen. Das war die Öyatematilt des 
defianischen Clirieten kämpf ee. In diesem Kampfe steht 
der Staat allein; das heidnische Vollt tritt — wenn auch 
nicht ganz, denn die Umstimmung des StraeHonjxibels 
bedarf oft nur sehr kurzer Zeit — allmählich, aufgeklärt 
über das wahre Weaen des Christentums und mit ihm 
aich in vielen Beziehungen eins fühlend, zurück, ja es 
übernimmt zuweilen die Verteidigung desaelbon. Dor 
Gedankengang des Decius spiegelt sich namentlich in den 
Schriften Cyprians wieder, die uns mit dem Verfahren 
ziemlich genau bekannt machen. An einem von don 
Behörden festgesetzten T^e ' mussten sämtliche Einwohner, 
oder wenigstens die verdächtigen und deshalb aufgeforderten, 
auf dem Kapitel* erscheinen, um dort auf dem aufgestellten 
Altäre' zu opfern mit Jncens und Libation.* und ('hrintuK 
zu schmähen;''' im Weigerungsfall .'■chritt nmii zu den 
Foltern, um sie vom Christentum abwendig /.u miu^ben. 
Das Programm des Decius nahm na<;h anfänglicher Mildo 
sein Nachfolger Gallus wieder auf." Na«h einer kurzen 
Regierung von zwei Jahren fand er seinen T'xl durch 
Mörderband. Eine andere Bahn schien anfangK Valerinn 
einzuBchlagen ; auf ihn wendet der Bischof Dionysiun von 
Alexuidrien das Wort der Apokalypse an: Ks ward ihm 
«n Hnnd gt^hen, Groeaee und B^JHee zu kpri^rlkeu.^ An 
seinem Hofe mngen zwei EinflüHse urn di'* Herrschaft: 
der christliche and der heidnische, I»ie CbriitU-n wltviiM-n 
das heidnische reli^öse Gefühl etwui txhpAi verlrizt zu 



NotbL 6 (Hartel, appesdü 57, 29). Cfccr die BtMt» ia VttMgmg: 
C.rpr. ep. 11 : torments Tfstnst et tooMatt rime Am («rtsri«, atM 
exitd danuifttioiii«, frtite «cUäo nortü, toroMBla, qvm uA cwumh 
non fncUf demjtüot, led laaiJia UmfUKaot, qnmiia cMmI atc. 
(II. 4<t6, 11). 

' fjpr. de k|* 2 fl, 23*1, 150), 3 (238. 2it. 

* I>e Up«. >) 342. U. llti. • tH: I«|m, H UM. 24t 

• De U|ia. 1^: 9 U2. I <»(, * I>e k|w, H <St42, m. 

* Diuajviu Ton .(kuwlnai tb*f 'iatlnii b*i Km». Urt. Md 

TU, 1 (S2IX 4r Burl. ftn. h Ji*. 17», \t>: 

' OA. 13, h. t>ü«j* bd Km l>M «mI. VJI, 1» II (Uny 



— 62 — 

haben, ^ und die heidnische Opposition unter Führung des 
ägyptischen Magiers Macrian wandte sich an den Kaiser 
Valerian. Valerian gab nach und verlangte — und das 
ist dem valerianischen Vorgehen vollständig eigentümlich 
und in der Verfolgungsgeschichte neu — zwar nicht 
heidnischen Glauben, aber doch Anerkennung und Aus- 
übung der Ceremonien des Staatskultus. ^ Es galt nun, 
Staatsreligion und Staatskultus vollständig aufzugeben oder 
die christliche Opposition zu unterdrücken. Das erste Edikt 
verrät noch die Mässigung der früheren Jahre: es verlangte 
zunächst nur bei Androhung der Todesstrafe, dass keine 
Versammlungen mehr stattfinden sollten, und eben deshalb 
auch die Coemeterien nicht mehr betreten werden dürften.* 
Das Missglücken dieses ersten Versuches und die mit 
neuer Kraft erwachende Bewegung für den alten Götter- 
glauben drängten ihn bald zum zweiten Edikt, das sich 
nunmehr gegen die geistlichen und weltlichen Führer des 
zur politischen Verschwörung gestempelten Christen- 
tums wandte. Bischöfe, Priester und Diakonen sollten 
enthauptet werden, Senatoren und Ritter sollten Stand 
und Vermögen verlieren und im Beharrungsfalle ebenfalls 
zur Todesstrafe verurteilt werden; Frauen sollten mit 
Güterkonfiskation bestraft und in die Verbannung gesdbickt 
werden und ebenso sollte die Angehörigen des kaiser- 
lichen Hauses die Strafe des Vermögensverlustes und der 



^ Eus. hist. eccl. VII, 10, 4: nnoaxevdffaaß-ai nagen eiaey 
avioi^ {KaLaaQo) 6 dcdäaxceXog xal Tcot^ an Alyvnzov jLidyojy aQj^tcvy- 
dycoyog rovg ^ei^ xa&aqovg xal oaiovg äyd(jag xTtt^t^vad^ai xal ditoxea&ai 
xe'/.6Vü)t^ (og dtftindXovg xal xcoXvrdg tioy nafXfXidQwt^ xal ßdeXXvxtfotr 
tnaoiduit/ vndQ^oi^xag (xal ya(j elal xal r^aau Ixayol, noLQouT€g scai 
oQtofjievot xal yLovov iyinviovxBg xal (piheyyo^ei^oi dcaaxeddccci tag-, 
T(oy dXitriQitoi^ daifj.6i/(ot^ inißovXdg) (533). 

* Cypr. act. procons. 1 : Patemus proconsul Cypriano episcopo dixit 
sacratissimi imperatores Valerianus et Gallienus litteras ad me dare 
dignati sunt, quibus praeceperunt eos, qui Romanam religionem non 
colant debere Romanas caerimonias recognoscere (Hartel III, CX, 9). 

® Cypr. act. procons 1 : praeceperunt etiam ne in aliquibus loci» 
conciliabula fiant nee coemeteria ingrediantur. si quis itaqne hoc tarn. 
salubre praeceptum non observaverit, capite plectetur (Hartel IH, 
CXI, 7). 



Deportation auf die kaiserlichen Domänen trefl'en.' Über 
die Motivierung ist die Sentenz des Prokonsuls Galeritis 
über Cyprian bezeichnend : „Du hast lange in gotÜoHem 
Geiste gelebt, hast viele Menschen verbrecherischer 
Verschwörung an dich gezogen, hast dich als Feind 
der Götter und der heiligen Gesetze entpuppt und die 
frommen und heiligeo Kaiser Valerian und Gallienus und 
der edle Caesar Valerian vermochten dich nicht zur Rück- 
kehr zur alten Religion ku bewegen : So soll an dir, als 
dem Urheber und Vertreter so schändlicher Verbrechen, 
ein Esempel statuiert werdeo für deine Anhänger : durch 
dein Blut soU die verletzte Staatsordnung gesühnt werden," * 

Die Christen betrachteten es als gerechte Gottesstrafe, 
als auf Fersiens Schlachtfeldern der feindliche König Sapor 
seinen Fuss auf den besiegten Kaiser des römischen Reiches 
setzte und dieser in unrühmlicher {Jefangenschaft vergeb- 
lich den Sohn ersehnte als den Rächer seines verlorenen 
Reiches, seiner Freiheit und seiner Ehre.'' 

Sein Sohn und Nachfolger GaUienus, der schon in 
den christenfreundlichen Zeiten seines Vaters an dessen 
Seite gestanden war, durchschaute wohl bald die Absicht 
des Vaters Macrian, der für seine beiden Söhne den Thron 
erstrebte.* Und so entschloss er sich, dem Reiche die 
Ruhe wieder zu gel>en, deren es gar sehr bedurfte.'' Li 
seinem ersten Edikte befahl er die Zurückgabe der in der 



' Cjpr. ep. m {U, 839, 15); ctr. ep. 81 (Jl, 841, 3). 

' Cjpr. Hct. pnicons. 4: diu sacrilega mente viiisti et plnriinos 
nebriae tibi aunspirationis humineg ade^re^asti et inimii^um te diis 
Kuniania et reli^onibue sacris constituieti, nee te pii et twcratiBsimi 
principeK VsJeriuiiis et Gallienus Ansusti et ValeritinaB nobiliastinns 
(.'aenor mI sectom euere numiamm snaram revoore polnemnt. et 
ide« cum aia iie<inis.simi)niin criminnm auctur et signifer itcprehensus, 
eris ipse domnnento bis quua scelere nio teonm ndgregasti; saiignine 
tDu Mncietur digdplinu (Hartel Hl, CSU, 23 f.)' 

' De uiort. pera. b (11* 178, 12); ctr, Baa. bist, occi- Vn, i:!, 1 
.(546), 

* Cfr. Bus. bist. Vir, 10, H (535); cfr. VH, 23 (562). 

* Gegen Gnllienm atanden neunzehn Gegenkaiser uuf, weli^be 
den Namen: „dreissig Tyrannen" fQbrten. 



— 64 — 

valerianischen Verfolgung gesperrten Coemeterien. Das 
zweite Edikt bildete eine Art Schutzbrief für die Christen 
zur Ausübung ihrer Korporationsrechte. ^ Weitere Be- 
stimmungen enthält dieses gallienische Ibleranzedikt nicht : 
es bot den Anhängern des Christusglaubens nicht die 
Rechte einer religio Hcita: aber faktisch fanden keine 
Massnahmen mehr gegen die Christen statt. Gallienus, 
sonst als Kaiser und Mensch nicht gerade unantastbar, 
wurde deshalb doch von den Christen mit stürmischem 
Jubel begrüsst.^ 

Domitius Aurelianus^ hielt es zunächst für das 
Geratenste, an der Christenfrage, die durch GalUenus eine 
befriedigende Lösung gefunden und jetzt seit zehn Jahren 
ruhte, nicht zu rühren. In dem antiochenischen Kirchen- 



^ Eus. hist. eccl. Vn, 13, 2. 3: «W)jat re ccvtlxa dca nQoyQa^^ciio}»^ 
tot/ xa&^ rucoy &i(oyjbiot/^ in iXevß-eQicc toTg rov Xoyov ngoEanaai xa 
i^ l'O-ovg enizeXeli/ di di/ityQag)!]? iiQoatd^ctgy fjrig tovvoy ex^t tou 
TQonoy' „AvToxQctTMQ KaloaQ IlovnXiog Aixiyiog FaXXi^yog, Evtreßrjgj 
Evtvxrjg^ ^'Eaßaatog^ ^lot^vaco) xal IILvva xcti ^ rjjbiriTQicü xal zotg 
Xoinotg iniaxonoig. rrjy eve^ysaUti/ irjg ifJ^^g dcoQsdg dtcc nceytog rov 
xoafiov ixßißaad-rjt^ai nQoasTa^a^ onayg dno tcot/ totkoi/ taiy &Qri<TX€v- 
alfj,(jt)t/ a7ioYü)Qt]0(jt)ai. xccl t^td tovto xal vfxeig t^g (eyTiygceq}^g t^g 
i/urjg t(o tono) ygr.a&cct dv^aad-e. taate urMi/a vuti^ ivoyXetv. xal 
TOVTO 071BQ xaTa To k^op ovt^aTai vg) vfj,(ot/ ayanXrjQovad-ai, rfOi] nqo 
noXXov vn ifiov avyxexMQrjtai. xal did tovto ÄvQi^Xiog KvQLyiog^ 6 
Tov fieylatov ngäy^iatog nQoaTazevMV Toi^ rvnop Toif in ifxov doS-eyz« 
dcacpvXd^BL^'' . . . xal dXXrj de tov avrov didra^ig q)£Q€Tai fj^t^ nQog 
tiBQovg iniaxonovg nenoiriTai, r« rwr xaXovfuet^coy xotfxriTrigLcoi^ anoXccfi- 
ßdyeit/ inngencüi/ /w^ji« (546). Die Bedeutung der GaUienusedikte ist 
viel umstritten. Görres, Toleranzedikt des Kaisers Gallienus im Jahrb. 
f. prot. Theologie 1877, S. 616 ff., und in „Christenverfolgungen" 
(Kraus, Realencykl. S. 241) vertritt die Ansicht, dass Gallienus das 
Christentum zur religio licita geschaffen; aber das Edikt bezieht 
sich nur auf die Coemeterien ; der Satz : xal dtd tovto xal v/neTg tfjg 
dyTcyQaq)rjg Trjg i/birjg tm Tvno) /griaO-ai dvyaad-e^ wWc urjdeya vfxiv 
iyoxXeiy bezieht sich nur auf das vorausgehende onayg dno twi/ tonaiy 
TMy d-Qrjffxeval/j.coy anox(oQtja(ooiy. 

* Dionys. Alex, bei Eus. hist. eccl. VIT, 23, 1 (562). 

* Die Charakteristik Aurelians in de mort. pers. 6 (Aurelianti9, 
qui esset natura vesanus et praeceps [11^, 179, 14]) ist wie noch 
manch andere wohl vollständig verzeichnet ; cfr. Eus. hist. eccl. VU, 
28, 30 (580, 589). 



ß5 



streite des PauliiB von .SuinOHata mit den dortigen BiRchöfeu 
trat er für die letzteren ein, da sie mit dem Bischof von 
Rom in Gemeinschaft stünden.^ Dieser richtige Entscheid 
dürfte wohl auf einen sachkundigen, christlichen Berater 
jvus der Umgebung des Kaisers zurückzuführen sein. 
Aurelianua wird nicht umsonat restitutor imperii genannt; 
er wandte sich vor allem gegen den äusseren Feind: er 
überliess den Goten die stet« schwer gefährdete und schwer 
zu haltende Provinz Dacien, um das Reich nach dieser 
Seitu zu siehem, verdiängte die in Umhrien eingefallenen 
Alemannen und führte Zenobia, die Witwe des ehemahgen 
Augustus Odenathus, gefangen nach Rom. Nachdem so 
im Osten die Ruhe hergestellt war, unterdrüclite er den 
Aufstand des Galliers Tetricus. Und jetzt galt sein 
Lebensziel der inneren Einheit des Kelches ; die ersten 
Christenedikte lassen seine tiefsten Absichten ahnen. ^ Das 
Christentum hätte wohl schon mit Aurelian seinen Ent- 
scheidungskampf auszukämpfen gehabt, wenn der Kaiser 
nicht zu Caenofrurium bei Byzantion aul einem Zug gegen 
die Erbfeinde des Reiches, die Perser, die vor kurzem noch 
Zenobia unterstützt hatten, durch Meuchlerhand gefallen 
wäre. Seine Edikte kamen nicht zur Ausführung. 

Aurelius Probus, der nach dem Tode des ehemaligen 
Senators Tacitua gegen dessen Bruder Florianus von den 
Legionen auf den Kaiserthron gehoben wurde, hatte in 
»einen ICämpfen mit den Vandalen und den Franken 
ebensowenig Zeit sich mit der Christenfrage zu beschäftigen, 
wie AureUan. 

Der Führer seiner Leihwache, Canis , den die meuterischen 
Soldaten nach seinem Tode zum Kaiser ausriefen, fand 
schon ein Jahr darauf den bereits Gewohnheit gewordenen 
Oaeearentod durch Mord.' Das gleiche Schicksal ereilte 
seine beiden Söhne Carinus* und Nunierianus ,* und so 
beetieg im Jahre 284 der Illyrier Diocletian den Kaiserthron. 

' Eus. hi«t. KCl. VU, 30, 19 (588). 

»Demort, per8.6(n", 179, 15); Ena. hisl.ecci. VU, 30, 20(589). 

• VopiK. Ortos 8. * Vopiac. Nnmer. 12. * Vopisc (.'win. 18.' 

gelmiir. BeUlliguag d. Cbrliit. am aifgnll. Lfbeo. 5 



66 



Schon im Jiihrc 285 nahm Diokletian euinen alten. 
Waffen gefährten Maximian zum Mitregenten (Augustus) an, 
und im Jahre 292 ernannte jeder der beiden einen Caesar: 
ihre Wahl fiel auf Constantius Chlorus und den Schnieger- 
Bohn des Diocletian, GaJerius. Das Reich wuide geteilt: 
Diocletian behielt Asien, Thracien und Ägyptei 
SchwiegerBohn Galerius erhielt die Ostdonauländer mit d< 
Hauptstadt Sirmium; Diocletian selbst schlug seine Besiden^ 
in Nikomedien auf. Der Mitaugustus Maximian iibemahia 
Italien und Afrika , sein Caesar Constantius Spanien, 
Frankreich und Britannien ; Maximian residierte zu Mai- 
land, Es waren vor allem mUitärische Gründe, die dem 
Kaiser eine Trennung nahelegteni ein von allen Seil 
bedrohtes Reicli, wie es das römische in jenen Tag( 
gewesen, bedurfte an den gefährdeten Punkten jederzeit 
eines gewissen selbständigen Schützers, Die guten Folgen 
zeigten sich imld. Constantius wehite die Ein&lle der 
Alamannen in Gallien glücklich ab und unterdrückt« den 
carausischen Aufstand in Britannien ; Galerius glückte 
in dem mit dem Perserkönig Narses wegen armeniscl 
Thronstreitigkeiten entstandenen Kriege dem alten Ei 
feinde fünf Provinzen zu entreisseti. 

Diocletian» Lebensziel war die Reorganisation des ganzt 
römischen Staatewesens, Seit Septimiua Severus lag daseell 
darnieder, und ein Grund war wohl der fortwährende Wi 
in der Regierung, die unglückhcben Thron streitigkeil 
jeglicher Mangel einer geregelten Erbfolge. Schon 
hatte eine erbliche Thronfolge erstrebt und noch zu Lebei 
zeit Beine beiden Söhne Carinuß und Numerianua 
Caeaaren ernannt ; diesen Plan nahm Diocletian, wenn a 
in anderer Weise, wieder auf in der Bestimmung, dasa 
Augusti nach zwanzigjähriger Regierung dieselbe nit 
legen und den Caesaren als ihren Nachfolgern anvertrau 
sollten ; diese sollten ihrerseits wiederum Caesaren emenni 
Dadurch schien für die Zukunft den immer wiederkebrendi 
Wirren im Reiche vorgebeugt zu sein, Diocletian bradi!| 
in mancher Beziehung vollständig mit der Vergangenhrati 
einen aolchen Bruch bedeutete die Teilung des Reiches 



im 
in, 

a,i- 

.tea^H 



P»ier Präfektureii, zwölf Diözesen mit huuderteins Provinzen. 
Der Granilgedanke dieser Teilung war die Centraliaation 
der Verwaltung; manche alte städtische und Provinzial- 
freiJieit verschwand damit, und das Reich kam in die Äd- 
minifitration der von der Regierung ernannten Beamten. 

Eine andere durchgreifende Änderung Diodetians war 
die Ausdehnung der Grundsteuer auf ganz Italien.' Früher 
war nur der Provinzhoden mit Tribut belegt, Italien aber 
von jeder Grundsteuer frei ; nachdem aber Caracalla in 
seiner constitutio Antoniuiana de civitate das Bürgerrecht 
allen Provinzialen verliehen, war der letzte Vorzug Italiens 
vor den I'rovimsen verschwunden und Diocletian führte die 
Grundsteuer auch in ItaUen ein. Dass eine solche Neuerung 
den Bewohnern des alten, hietoru^ch-römischen Bodens hart 
schien und für ihren Schöpfer, der zudem noch den Re- 
gierungesitz von der Hauptstadt der Welt nach Bithynien 
verlegte, wenig S^-mpathieen schuf, wie der Verfasser der 
mortes genügend bezeugt, ist hegreiflich.* Auch die Ver- 
measung des ganzen Reiches nach Steuerhufen und die 
damit verbundene Wertschätzung des Bodens' mag wohl, 
namenthch ant Anfang, böses Blut gemacht haben. Der 
durch die beständigen Kämpfe genährte und kut Not- 
wendigkeit gewordene MUitarismüa foi"derte eben grosse 
Opfer an Geld. Unter Diocletians Regierung wuchs Eudem 
noch die Anzahl der Ijegionen.* 

Diocletian war ein durch und durch absoluter Geist. 
Es prägt sich das nicht nur aus in der energischen, kraft- 
vollen Durchführung seiner staatlichen Reformpläne, sondern 

' Ctr. über Orundsteneri Maniuardt, 1. c. n, 224 fl- 

■ De mort. per», 7; 23: qnae »eteres ndversus victoB iure 

i Cecerant, et Ule ftdversns Romanos Romaniaqne Bubiecl^s fucere 

a» est, qaia pnrentes eius ccnaai sabiiigfiti fneraut (U', 199, T). 

' Cft. über die SchSteang: Manjnardt, I.e. H, 227: cfr. de 

mort. pera. 23: agri glebatira metiebantnr, Titea et arbores nuraar»- 

b&ntar. animalin omnis generia acribebantnr, hominum capila aol»- 

bwitur (H', 198, 18). 

* Ctr. durOber Msrqoardt, 1. <-. II. 452: cfr. de mort. per». T: 
roultiplicatis exercitibue, cum aingnH eoram longe mainrem Diimenmi 
militnin habere contendereat, quam priores prmcipea habuerant, coni 
oli rem publienin gererent (]'*. l^Ö, 3). 



— 68 — 

auch darin, dass er eich selbst den Titel Joviua beüegte' 
urtd eine vollatändig orientalische Hofhaltung einführte. 
Freilich schuf Aas in den Kreisen der Hauptstadt der ehe- 
maligen Republik bittere Veretiinraung.' Nicht ohne Grund 
vei-legte Diocletian seine Residenz von Rom nach Niko- 
medien. Der Boden von Rom trug ihm doch noch zu viel 
republikanisch-demoliratiaches Gepräge ; zwar wai- von der 
alten römischen Freiheit gar wenig gebheben ; aber um so 
ängstlicher klammerte man sich noch an die alte, wem 
auch hohle Form, und sie war immer treu gehütet wordt 
Diocletian aber zertrümmerte rücksichtslos auch diese. 

Die Schilderung dieses Miheus ist notwendig, um den 
Charakter des Kaisera und seine Stellung zum Christentum 
zu würdigen. Er stand demselben anfangs nicht un- 
freundlich gegenüber; die Erinnerung an die letzte Ver- 
folgung der christlichen Lehre lag mehr als fünfundzwanzig 
Jahie zurück, und der Erfolg derselben war nicht merklich 
gewesen; das gallienische Edikt hatte sogar eine gewiese 
rechtliche Basis fixiert für das Cbriatentum, und dieses hatte 
neuen Zuwa^^ha bekommen ; für den Staat hatte eich keine 
Gefahr ergeben. Ein Blick auf die äussere Lage musste 
jede Zerrüttung im Innern verbannen, und einem Mann^, 
der mit solch kühnen Plänen den ewig schwanken! 
Imperatorenthron bestieg, konnten die Sympathien 
vielen Bewohnern seines Reiches unmöghch gleichgültig 
sein. So brachen denn für das Christentum jene glück- 
lichen Zeiten an, die Eusebiua so glänzend in dem ersten 
Kapitel seines achten Buches schildert.' 

' De mort, pers. 53: ubi sunt modo mognifica illa et dara per 
gentes Juviorum et Herculianitn cagnominit, qiiae primuin a Dioclete 
et Maximiano insolenter adsauipta ac pusCmudum a,d succesaores 
eomin translata viguenint? (11', ;t37, 8). 

' De mort. pera. 21 : naiii poat derietos Persaa, quomra hiu ritas, 
liic mos est, nt regibus auia in aerTitiam se abdicant et reges populo 
sno tanqaam familia utantur, hnuc moretn nefariiis bomo (Oalerius) 
in Bomanam terram volnit inducere; quem ex illo tempore sine 
padore landabat Gl', 19Ö, l&l 

' Diese Scliildenmg widerlegt aucb die Annabme Belsers 
(Reiti^e zur diocietianiacben Christen verfolgiing, Tübingen 1891, 







d 



Aber all das war doch ein Zwitterzustand. Gerade 
das Wohlwollen, dne Diocletiaii den Christen entgegen- 
brachte, bestärkte deren Macht und Selbethewiißsteein und 
rief die heidnische Opposition in erhöhtem Grade wach. 
Die Gegensätze verschärften sich und kamen hei ver- 
schiedenen Gelegenheiten zum Ausbruch.' Diocleti an stand 
lange am Scheideweg. Die langen Beratungen, von denen 
der Verfasser der mortes berichtet, sind nur zu natürlich. 
Ein trabender Faktor war Galerius,' und sein Wort war 
bei dem gealterten Diocletian machtvoll genug; denn ihm 
gehörte die Zukunft, er musste für die Zukunft rechnen 
und entscheiden. Zunächst aber Hess der Kaiser nur 
mildere Massregeln zu ; er verlangte von den Christen im 
Heere und im Paläste das Opfer.' Eine starke Gegen- 
bewegung erhob sich ; sie musste den Kaiser erbittern und 
drängte ihn von selbst auf dem Wege weiter, den er nun 
einmal betreten. Die Versagung des Gehorsams nahm 
den Charakter von Rebellion an ; allein auch jetzt noch 

t.nschte der Kaiser alles Blutvergiessen zu vermeiden. 
Am 24. Februar des Jahres 303 erschien das erste 
:t, das hauptsächlich vier Bestimmungen in sich schloss: 
ie Kirchen sollten zerstört, die heihgen Bücher verbrannt 
werden ; sämÜiche Christen sollten Rang und Stand ver- 
lieren und bürgerlich mundtot gemacht werden, d. h. des 
Wahl- und Klagerechts verlustig gehen; den Bediensteten 
des Hofes aber, die aus Sklaven bestanden, jede Hoffnung 
genommen sein, je die Freiheit zu erhalten.* 

S. 9. 36), der schon im Jahre 28S eine xitimlich bintige Chriaten- 
verfolgnng anninunt, ilie in Diocletinna Hnas Hegen Carinua ibren 
Grnnil gehabt haben soll; Rn». bist. ecci. VItl, t (607); de mort. 
per«. 9 (n*, 183,26). 

' De mort jjers. 10; II (H*, 184, 6 ff, 1. 

' De mort. per». 10; 11; 12 II', 1«4, 22 ff,): cfr. den Appendix 
einiger Eugebiua Handschriften za Ena. hiat, eccl. Vni, 17 t tovtop J^ 
Jt^yni f/t' neiörav ic'iT'iiv liji foü diiayfioP xuituit^ynl. avfi^oQÜi (bei 
Laemmer 6.'>9), 

' De mort, yers. 10 (IT, 184, 16); clr. den Appendix einiger 
Euaebins-Handschriften nach Ena. eccl. Vin, 17 (659). 

* Der Wurtlant deit Edikte» ergibt sich ans iler Zusammen' 
■tellong der NachrichCen bei Ensebins und de mort pera. Eus. hiat, 



Die Wirkungen des Ediktes waren gewaltige. Viele 
MüilärH musBten ihre Chargen niederlegen, bei jeder Klage- 
Btellung muHHten die betreffenden Parteien zuerst opfern. 

Bald darauf sank ein Teil des kaiserlichen Palastes in 
Asche.' Die Annahmt', dasa die Christen die Brandstifter 
gewesen, lag nahe nnd konnte wohl Nahrung finden durch 
das Auftreten mancher, wie z. B. jenes vornehmen Christen, 
der mitten in der Hauptstadt, in deren Mauern beide 
Fürsten weilten, das angeschlagene Edikt in Fetzen riss, 
mit der hohnvollen Bemerkung, es stünden wieder kaiser- 
liche Siege über Goten und Sarmaten darauf gesehrieljen.* 
Der Gedanke einer Verschwörung, genährt durch den 
cbristenfeindlichen Einfluss namentlich des Galerius, gewann 
immer mehr Macht über den schon an und für sich finster 
und niisstrauiscb gewordenen Sinn des gealterten Kaisers,' 
und so verlangte ein zweites Edikt die Verhaftung der 
Führer der Verschwörung, der Kleriker, die zum Opfer ge- 
zwungen werden sollten.* Für diejenigen , welche sich 



eccL Vm, 2, 4: ^nhojo narramae ßaaiUxü yfiiififtara, tns fiir 
ixxXrjuiui tii f^agios xauiipei/sii; las tTs yer'g:iii üfpicyeli tta^i yifiaOai 
n^ioatäitovta xai loVi fiiv tiu^i trttMlJfiii'OVi niifiovi;, Toit J' i^ 
iiixeiinii, li intfiivoter r^ tov Xpiaiiariafiov 7ii>iiS-dae4, iXti'^e^iiti 
amiira»ia npoayoiftvorra (Rafin Dbeisetzt die letztere Bestimmuiis 
mit: si quis BerToruin permansisset Christiuius, liberiatem conse^ni 

nun posset). xai ij liin n^iätr, xaS-' ^aäii' y^aif'r) loiavrij r/f i,'»- (613) 

de tnort, perB. : postridie prupoaitnm est edictnm, quu caTebntw, ot 
reli^onis illias homini» carerent omni honure ac ilignitate, tännenti» 
snbiecti es«entj ex <iaocntU(|ue ordine (tut gmdn veiiirent, adversn» 
eOB omnis Actio raleret, ipai non de ininria, non de adalt^riu, non 
de reboB abUtis agere possent, libertateio deiiiiioe ac tocciu nun 
haberent (H ', 187. i). 

' De inort, per». 14 (11', 187, 15): der Verfasser spricht vun 
eiüer BraadstiftDDg durch Galerius; Ens. bist, ecci. Vm, 6, " 
grestebt die Ursacbe nicht zn kennen ; Uansraatin ventintet 1 
Ad E. eoetum 25, 2 einen Blitzstrahl. 

' De mort. pera. 13 (U', 187, 9»; Eu» hist, eccI. Vm, B 

■ De inurL pers. 14 {IV, 187, 17i. 

' EoB. hiat. eccl. VllI, 2, 5: jitr oü noXi S" hi^y ^ 

xv>¥ yifafjuiirior npaai,räritTO, iov{ itÖy txxlrfOfiüf n^oiitoovs nattiii 
roi>; xara aiivra lanoc n^iwriE ftiy O^iDfimg na^niK^oa^ai, t!y 
ratti/oi' niioji ftranf^ »ftif ituyayxüita^ai [61!<): efr. VIII,fl^8 



t vun 
; t62 0) 

<4 



ä 



zum Opfer herbeilieseen, ordnete ein drittes Edikt die Frei- 
lassung an.^ Am 20, November 303 feierte Diocletian dae 
Feet der Vicsnnalien, und ein bei dieeer Gelegenheit er- 
liisfienes Amnestiedekret öffnete allen GeEangenen und auch 
den Christen lÜe Gefängnisse.* Aljer schon anfangs des 
Jahres 304 verfügte ein viertes Edikt allgemeinen Opfer- 
zwang.' 

J'urchtbar bi'ach die Verfolgung über die Kirche herein 
und dauerte im Orient fast ununterbrochen bis zum Edikte 
des iTaleriiis, während sie im Occidente im wesentlichen 
mit der Abdankung des Mitauguatus des Diocletian, des 
Maximian Hercuüus, erlosch; Constantius hatte sich in den 
Ländern seiner Präfektur ohnehin mit der Zerstörung der 
Kirchen begnügt.^ 

Der selbst geschaffenen Verfassung getreu, legten 
Diocletian und Maximian Herculins am 1. Mai 305 die Re- 
gierung nieder und Galerius Maximian und Constantius 
wurden hiemit Augusti ; als Caesaren wurden Maximian 
Daja und Sevems ernannt; Galerius trat an die Stelle 
0iocletians, Syrien und Afrika erhielt DaJa, der ganz in 
Beine Schule gegangen war und seine Stellung ihm 
zu danken hatte.* Seine Gesinnung trat bald hervor; 
schon im folgenden Jahre gingen seine Edikte durch die 
Provinzen, weiche die Rektoren derselben anwiesen, von 

(ßil). Zugleich scheint Uie Bestrafung der Palftstbeamten erfolgt 
2a sein, welche der BraDdatiftung beschuldigt waren: de mort 
pera, 15 ai', 188, 11 ff). 

' Eos. bist. eccl. VIII, 6, 10: nu*if (f he^aiy rü ntKurn ygä/i- 
fittjii taixazeik.ijiföziai', in olg tout xaiuKlcixnotie Siaanai; fiiv 
lav ßaitiitir in' iXtv»c^üts, irtiarauti'oug &B /jv^lrti; xuiaSiUffiy 
;rtf<t«ie'rnxia Saadvois (621) 

« De mort. pars. 16; 17 (ü*, 190, U ff.). 

' Eu8. de mart. Pal. I, 3 ; dsuT-epou «f troiif iiaXitßinot, xai di) 
a^po^poreifay iitnttS-imoi loü xaS-' nutüv TtoXi^uv, tijs ina^j^iai 
rffovfiiroB iijirixäSe Ov^fiavoS ypufifinratii Tovtia n^mtoy fiaaiiixäir 
nt^oituxiWur, iy oif xRffoXixfii Tfpoarüy^tiTi naymt naritificl roiff 

* De mort pers. 16 (U", 189, 6); Ens. hiat. eccl. Vm, 13, 13 
(644) lehnt selbst dies ab. 

• De mort. pera. 18; 19 (H*. 192, 3 ff.> 



allen Bewohnern der Stiidte öffentlich das Opfer zu ■ 
langen. Herolde rieten die ganze Familie in den Gott 
tempel, die Chiliarchen wurden namentlich zum Opfer i 
gerufen.^ Ähnlich war ua in den >Staaten des Galeriu». ' 
Dagegen anders im Westen. Constantius Chlonie blieb 
den Christen als Augustus ebenso gewogen, wie er es als 
Caesar gewesen, und sein Sohn Constantin, der glücklich 
der Haft des misstrauischen Galerius entronnen und noch 
am Sterbebette seines Vaters von den Legionen mit 
stürmischem Jubel als Augustus begrüsst worden war, 
wandelte in seines Vatere Fusstaplen.^ Durch ihn war 
Severus in Schranken gehalten, und zudem erhob sich als- 
bald als Gegencaesar gegen ihn Maxentiug, der Sohn des 
Maximian Herculius, und für beide waren jetzt die Christen 
eine Macht, mit der zu rechnen war ; * Maxentius bat sein 
Vater Maximian Herculiue, der abgedankt hatte, als Augustug 
wiederum gemeinschaftlich mit ihm als Caesar die Regierung 
zu übernehmen. Maximian vertauschte nicht ungern das 
thaten- und genueslose Otium mit dem reichbewegten 
früheren Soldatenleben, und seine ehemaligen Truppen 
empfingen ihn freudig. Auf kurze Zeit hatte das römische 
Reich sechs Kaiser (Galerius, Constantin, Maximin Daja, 
Severus, Maximian Herculius, Maxentius). Aber bald erlag 
Severus und ergab sich dem Maximian Hercuhus, der den 
Gefangenen ermorden liess.* Der Versuch des Galerius, 
Severus zu rächen, missglückte.* Maximian suchte die 
wiedergewonnene Herrschaft fester zu kitten durch die Ver- 
mählung seiner Tochter Fausta mit Constantin ; ^ auch mit 



' Ena. de mart. Pal. I, 4, 8 (67G). ■ 

■ En8.hiHt.eccl.Vni,13,13(64B);deinort.perä.24(II',S00,l). ■ 
' Ena. hist. ecci. Vm, 14, 1: rourou naig MnUi^iot, ö r^v tnl 

eb' agEeiisiif xai xoXaxeii! tov Siniou PmiMtiiov xa-9^imtiigivato, inürjj 
t£ tois vjtrixoois Tor mträ XpcariayioM' ävtii'ai npixiriiTiei ^ttoyiiäv. 
(645). ■■'^ 

* De raort. pers. 26 (H', 201, 25). 

' De mort. pera. 27 (II', 204, 2). 

" De mort, pera. 27 (H', 204, 1), 




— 73 — 

_ BleriüH suchte er nochmals Verbindung; ' allein seine 
VerBÖbnongB versuche waren nicht aufrichtig gemeint, noch 
konnten sie aufrichtigem Herzen begegnen, NochmalH trat 
Diocletian auf den Plan, um durch die Aufstellung den 
LiciniuB an Stelle des gemordeten Severus die seit seinem 
Scheiden so schwer gefährdete Ruhe wieder herzustellen. 
Die Konferenz musste sich gegen Maximian entscheiden; 
er verliees dieselbe^ und suchte mit Hilfe seiner Tochter 
Fausta sich des unbequem gewordenen SchwiegersohneB 
C'onstantin zu entledigen ; ' aber sein zweiraaUger Mord- 
versuch miaslang, und er fand sein Ende durch den 
Strang,* 

Die Chrisfen richteten in diesen Tageu ihre BUcke 
sehnsuchtsvoll auf Conatantin, und Maxentius erkannte gar 
Vwild, dasB für Um, den Sohn des aiteu Christen feindes, 
gar wenig Heraen schlugen; um so inniger und fester 
BchloBB er sich nunmehr der alten heidnischen Partei an ; 
aber noch bevor der Streit zum Ausgleiche kam, feierte 
die ReUgiou des Kreuzes einen ihrer scböusten Triumphe. 
Wie einst An tiochus Epiphanes auf BchmerzvoUem Kranken- 
lager zum verfolgten Gott der Juden flehte, um Rettung 
zu finden, und in letzter Stunde zu sühnen suchte, was 
sein Leben verbrochen,* so hatten auch Galerius die l^eiden 
peiner letzten Krankheit milder gestimmt; am .30. April 
dee Jahres 311 erliesa er mit Conatantin und Licinius in 
Nitomedien sein Toleranzedikt für die Christen folgenden 
Inhalts:" 

„Ausser manch anderm, was wir allezeit für des 
Staates Wohl und Nutzen verordnet, hatten wir auch der- 
einst erstrebt, alles nach den alten Gesetzen und der 



' De mort. j.erg. 29 ^', 205, 22)- 
' De mort. per». 29 (n*, 206, 3). 

• De mort. per». 29; 30 (U', 206,7; 207,7); Eus. hist. eucl. VItl, 

18, 15 (645), 

* Deniort pers. 30(n', 208, 1);Ens, hist eccl. Vin, 13, 15(645). 
» 2. Macc. 9. 

• Ena. bist. eccl. VTn, 17, 2 (656); de mort. per», 84 (11-212, 10). 




— 74 — 

römischen Staatsverfassung wiederum neu zu gestalten und 
auch dafür Sorge zu tragen, dass auch die Christen, welche 
die Lehre ihrer Altvordern aufgegeben, wieder besserer Ein- 
sicht würden, wenn überhaupt ein Grund vorlag, infolge 
dessen solch eigenmächtiger Wille sie bestimmte und solche 
Thorheit sie erfasste, dass sie mit den Einrichtungen der 
Alten brachen, die vielleicht ihre persönlichen Ahnen der- 
einst eingeführt hatten, dass sie nach eigenem Willen und 
Gutdünken sich Gesetze schufen und (durch diese Gesetze) 
allenthalben verschiedene Völker einten. Als dann endlich 
unser Befehl hinausgegangen war, sie hätten sich wieder 
der alten Religion zuzuwenden, da standen viele in Lebens- 
gefahr und viele sind auch als Opfer gefallen. Da aber 
die Mehrzahl ihrem Vorhaben treu blieb und wir sehen 
mussten, dass dieselbe weder den Göttern die reUgiöse 
Verehrung leisteten noch dem Christengotte dieselbe zu 
bezeugen wagten, so glaubten wir gemäss unserer Güte und 
Milde und gemäss vmserer alten Sitte, allen Verzeihung zu 
gewähren, auch ihnen unsere Nachsicht angedeihen lassen 
zu müssen, so dass sie wieder Christen sein und ihre Zu- 
sammenkünfte halten mögen, unter der Bedingung, dass 
sie nicht gegen die Ordnung Verstössen. Ein anderes Edikt 
wird den Richtern die nötigen Weisungen bringen. In 
Dankbarkeit für diesen Gnadenerweis mögen aber auch sie 
Grott bitten für unser Wohlergehen, für die Wohlfahrt des 
Staates und ihre eigene, auf dass der Staat allenthalben 
geschützt sei und auch sie selbst sicher leben mögen an 
ihrem Wohnsitz.** 

Durch das ganze Edikt zieht ob eines missglückten 
Lebenswerkes mit halb zweifelndem, halb hoffendem Aus- 
blick auf die Zukunft, eine Art stiller Wehmut, die beim Ab- 
schluss dieses Lebens versöhnend wirkt ; und die Dramatik 
des Momentes, da der Greis Galerius mit seinem eigenen 
alten Körper seine eigene alte Welt zerfallen sieht, ist nicht 
niinder gross als die des andern, da der junge Constantin 
von diesem sterbenden Körper hinweg sich flüchtet in eine 
neue Welt, die im Zauber der Jugendkraft auf den Ruinen 
der alten erblühend, seinem suchenden Blick sich bietet. 



Die Ereignisse drängen sich. Im nächsten Jahre stand 
Constantin am pons Milviiis seinem Schwager Maxentius 
gegenüber;' als am 27. Oirtober die Abendsonne über den 
Tiberfluten zittert«, fluteten ihre letzten Strahlen über ein 
daiin versunkenes Leben, ein versunkenes Glück und eine 
versunkene Zeit. — 

Dem Sieger Constantin stand noch ein letzter Kampf 
mit Maximinus Daja bevor; am 29. April des foigenden 
Jahres wurde Ma."dmin von Licinius geschlagen * und starb 
auf der Flucht in Tarsus in Cilicien.^ 

Am 13. Juni 313 erlieesen Constantin und Licinius 
das Mailänder Edikt, das in seinen Grundgedanken die 
ttleichstellung des Christentums mit dem Heidentum, in 
seiner Wirkung aber dessen Sieg bedeutete. Das Ideal, 
das man dereinst kaum zu erhoffen gewagt, ging seiner 
Verwirklichung entgegen. Der Kaiser wurde christlich, die 
Welt wurde christlich. — 

Die letate Zeit hatte den Ausgang ahnen lassen. Die 
DeciUBverfolgung war dem Bewusstsein des römischen 
•Staates von den gewaltigen Gegensätzen, die zwischen ihm 
und dem Christentum bestanden, entsprungen ; das Gallientis- 
edikt legte Zeugnis ab, daas die Verfolgung missglückt. 
Neue Bahnen erschlossen sich durch dasselbe dem öffent- 
lichen Leben der Christen; noch mehr war dies der Fall, 
als in der ersten diocletianischen Zeit der Opferzwang sich 
verlor. Das Mailänder Edikt brachte Gleichberechtigung. 
IMe Strömungen innerhalb des Christenturas, die dereinst 
von einem Eintritt in das Erdenleben abgeraten, waren 
zurücl^ietretcn, und der Opportunismus trat das Erbe an, 
ein reiches Erbe — die Weltherrschaft. 



De laort. pers. 44 (223, Gl ; Eus. bist. eccl. IX, 9, 1 (747). 

De inort. pers. 47 ill», 227, IT). 

De mort. pers. 49 (U', 233, 21); Ena. bist. eccl. IX, 9, 1 (747). 




— 76 — 

2. Kapitel, 
Die Stellang der Christen znm Staat. 

Der göttliche Meister war auf die Erde gekommen, 
der Wahrheit Zeugnis zu geben ^ und die Menschheit zu 
erlösen von Sünde und Tod. An irdischen Ordnungen 
war er vorübergegangen ; sie sollten sich durch die Wahr- 
heit, die er ins Herz der Menschen legte, von selbst er- 
neuern; den Vorwurf, den ihm seine Gegner vor dem 
Richterstuhle des Pilatus machten : „Wir haben ihn befunden 
als Aufwiegler unseres Volkes, indem er verbietet, dem 
Kaiser Zins zu geben, indem er sagt, er sei Christus der 
König,** ^ weist er zurück mit den Worten: „Ich bin ein 
König,^ aber mein Reich ist nicht von dieser Welt.**"^ 

Aber einmal hatte er doch den Seinen ihre Stellung 
zum Reiche der Erde vorgezeichnet. Die Pharisäer suchten 
eine Gelegenheit, wie sie ihn fangen könnten in der Rede, 
und sie sandten ihre Schüler mit den Herodianern zu ihm 
mit der Frage: „Ist es erlaubt, dem Kaiser Zins zu geben?" 
Er aber nahm den gebotenen Denar: „Wessen ist dies 
Bild und die Überschrift?" Und als sie antworteten: „Des 
Kaisers," sprach er: „So gebet dem Kaiser, was des Kaisers 
ist, und Gott, was Gottes ist."^ 

Über die Antwort des Kaisers verwunderten sich die 
römischen Herodianer und die jüdischen Pharisäer ; denn 
es war ein Wort, das der ganzen bisherigen Welt fremd 
war, indem es zwei Sphären unterschied, sie scharf trennte 
und doch jeder eine Berechtigung zuerkannte. 

Dem Heidentum war die ReUgion als ein selbständiger 
Faktor verloren gegangen ; der einzelne war ein Bestandteil 
des grossen Staates, und in der Erfüllung des Staatszweckes 
lag die Erfüllung seiner Religion. Von der Machtfülle des 
Staates hatte er auch seine Religion empfangen. So ging 
auch der Römer in dem Leben seines Staates auf ; und 



' Joh. 18, 37. 2 Luc. 23, 2. » Luc. 23, 2; Joh. 18, 37. 

* Joh. 18, 36. * Matth. 22, 15 fP. ; Marc. 12, 13 ff. ; Luc. 20, 20 ff. 



sin Staat war ja im Laufe der Zeit identisch geworden 
mit dem Erdkreis. Vor dem Kaiser Roma beugte sich 
die Welt. Nur wenige Völker hatten, geschützt durch 
die Weite der Entfernung, ihre Unabhängigkeit bewahrt. 
Es war eine Macht, so gross und glänzend, dasa eie un- 
zerstörbar schien. 

In der That hatte der Gedanke an die Ewigkeit Roma 
längst alle Römer erfasst. Tibult hatte der Zeiten gedacht, 
,,da Romulus noch nicht gegründet die Mauern der ewigen 
Stadt",' Vergil hatte den Römern eine Herrschaft ohne 
Ende verheissen ^ ; im penuB Vestae lag ja das Palladium 
geborgen, das dereinst Aeneas aus Troja nach Rom gebracht, 
als Zeichen des Gotteaschutzes für ewige Zeiten; ' im Tempel 
der Vesta loderte unerlöscht das heihge Feuer, als Symliol 
der immerwährenden Dauer der heiÜgen Stadt. * Auch 
Münzen prägen diesen Gedanken aus. Auf eini'r derselben 
bietet die Victoria dem Veapasian das Palladium und 
darauf steht geschrieben : aeternitas p(opuh) r(oniani).° 

Der Homer ging noch weiter, indem er seinen Staat 
zur Gottheit selbst sich schuf. In der Göttin Roma^ ver- 
körperte sich die Göttlichkeit der römischen Staatsidee, und 
ihr Kult, teils verbunden mit dem des Augustus, teils von 
demselben getrennt, blieb unberührt, als die alten Staats- 
götter langsam sanken. Darum ward auch die lex maiestatis 
geachafien, die vor allem die Hoheit des römischen Staates 
schätzen sollte. 



* Tib. Eleg. II, 5, 23 : Romulas neteruae i 



B(iUTQ 



firmaverat 



' Yerg. Aen. I, 27Ö; cfr, VI, 7«0; 791 ff. 

• Ctr. Muninarat, 1. c. lU, 2.i0, n. 7; Uic. Phil. Sl, 10, 24: 
rigunra, qao salvü galn sumus fatari 

• Liv. XSVI, 97, 14 ; Vestae aedem petit^m et aeteniiis ignes 
et conditam in jienetrale fatale pignns imperii Romani. 

• Cohen, med. II, 299, n, 2nl ; vgl Hber den Ewigkeiuge danken 
ron Eom ; Canmnt, l'ttemitf des empereur» rumains, in der Revue 
d'histuire et de litt, relig. 1896, S 435 ff, ; Gniuert, „Rom nnd Günther 
der Eremit", im Hi«t. Jahrb. der ÜOrres-GeB 1898, S, 249 ff. 

' Über ihren enten Tempel cfr. Tac. annal, IV, 56. 




— 78 — 

Die Verfassung des Judentums barg das andere Extrem. 
Sie ist charakterisiert durch den Begriff der Theokratie, die nach 
Gottes Anordnung den Begriff des Staates im Sinne eines 
selbständigen Institutes unterdrückte. Gott selbst ist König 
in Israel und seine Gebote sind zugleich bürgerliches Gresetz 
und die bürgerlichen Gesetze zugleich Gottesgebote; sein 
Volk ist ein heiHg Volk, ein priesterliches Königreich,^ und 
darum nach seinem Willen geschieden von den übrigen 
Völkern.^ Die ganze Geschichte des jüdischen Volkes 
erscheint unter diesem Gesichtspunkt. Darum hat auch 
kein Volk mit mehr Unmut und Hass die Fremdherrschaft 
ertragen als das jüdische : ihm schien es unfassbar, als die 
ausgewählte Gottesgemeinde sich dem Heiden zu beugen; 
und darum knüpften sich auch ihre reichsten Hoffnungen 
an das Erscheinen eines Messias, der die Fremdherrschaft 
brechen und einen neuen irdischen, jüdischen Gottesstaat 
gründen werde mit grosser Macht und Herrlichkeit. Auch 
die Jünger Christi teilten in der ersten Zeit diese Auf- 
fassung. Und des Heilands scharfe Unterscheidung in 
seinem Worte: „Gebet dem Kaiser, was des Eüaisers ist, 
und Gott, was Gottes ist," blieb noch in späterer Zeit 
manchen Christen unverstanden. 

# 

Die Apostel vergassen darum nie, den Weg des Aus- 
gleichs zwischen dem Christentum als dem Reiche des 
Jenseits und dem Staate als dem Reiche des Diesseits an- 
zubahnen. Namentlich betonte Paulus, den sein Beruf als 
Weltapostel mehr als die andern mit den Staatsgewalten 
in Berührung brachte, die Versöhnung. In dem Briefe an 
die Römer, die solcher Mahnung in jener Zeit wohl am 
stärksten bedurften, legt er die Grundgedanken dar, welche 
die Christen im Verhältnisse zum Staate leiten müssten. 
Es gibt keine Gewalt, ausser die von Gott, und alle Gtewalt 
ist von Gott geordnet ; wer sich der obrigkeitlichen Gewalt 
widersetzt, widersetzt sich deshalb Gottes Ordnung. Und 
Gehorsam dem Staat gegenüber beruht nicht auf dem un- 
erbittlichen Muss des Zwanges, sondern ist Gewißsens- 



» Exod. 19, 5. 6. » Exod. 23, 24. 



— 70 — 

Iiflicht. ' Auch PetniB erinnert in seinen Briefen, die 
bereite unter dem Eindruck der beginnenden Verfolgung 
geschrieben sind,* mit Wärme an diese Pflicht.^ 

Aber diese Weite der Anschauung war nicht allen 
eigen. Die glänzende römische Macht barg eben doch den 
Keim des Zerfalles in sich. Mit dem stolzen BewuEsteein 
der Weltherrschaft war auch eine grenzenlose S"ittenlosigkeit 
eingezogen in die Weltliauptstadt und wurde von dieser 
wie von einem Brennpunkte aus wieder hinausgeführt in 
alle Teile der Welt. Der Gedanke, diese Welt als solche 
umzugestalten, lag vorlaufig noch au fem. Darum seimten 
sich 80 viele Christen der Urzeit hinweg von dieser Erde, 
hinauf zum himmlischen Jerusalem. Der Staat auf Erden 
bestand zwar noch und verlangte Gehorsam, der ihm nicht 
versag wurde, seibat in den Zeiten des schärfsten Kampfes 
nicht;* aber eich für ihn erwärmen und begeistern zu 
können, lag doch zu fern. Darum war auch das erste 
Vergehen der Christen, dessen sie bezichtigt wurden, der 
HaAB des MenBchengeschlechtes,^ d. i. der Uass gegen den 
römischen Staat und gegen die Gesellschaft und ihre Ideen. 
Das Wort des Hebnierbriefes: Wir haben hienieden keine 
bleibende Stadt, sondern die da kommen soll, suchen wir,* 
fand mit der Zeit eine eigentümliche Verschärfung. Auch 
Polycarp sendet seine Grüsse an die Kirche Gottes, die in 
der Fremde weilt, zu Philippi.'' Und doch durchzieht sein 
ganzes Wesen und seinen Brief weise Mässigung. Aber 
wie ganz anders urteilt der temperameDt\'olie Ignatius, der 
groBse Charakfei^gensatz des friedlichen und ruhigen 
Smymenser Bischofs. Dim ist der Fürst dieser Welt der 
Satan selbst ; * und wie es zweierlei Münzen gibt, die einen 
Gottes und die andern der Welt, und jede derselben eigenes 
(iepräge trä|;t, so tragen die Ungläubigen das Gepräge der 

> EBm. 13, 1- a. 5. ' 1. Petr. 2, 19: i, 16, ' 1. Petr. 2. 13 fi. 

• Polyc. ad Phil. 12,3: nfroaiüyiaSe xni inte ßnaikiiuy xiii 

xai iriip rtüf irS-prÖv tov aiai'ffov. 

' Tac, winal. XV, 44. • Hebr. 13, 14. ' Polyc. ad Phil. init. 

• Ign. ftd Eph. 17, 1; ofr. 19,1. 



— so- 
weit, die Gläubigen hingegen in Liebe das Grepräge Gottes 
des Vaters durch Jesus Christus. Und wenn wir nicht 
freiwilHg durch ihn das Sterben wählen auf sein Leiden 
hin, so ist sein Leben nicht in uns.^ 

Der Druck der Verfolgungen konnte solchen An- 
schauungen nur neue Nahrung zuführen, namentlich in den 
ersten Zeiten, da den verachteten Anhängern der fremden 
Lehre noch jenes stolze Selbstbewusstsein der werdenden 
Macht fehlte, das in späteren Zeiten gar oftmals durchbricht, 
da sie in sich selbst noch gar kein irdisches Gegenmittel 
fanden gegenüber der Übermacht eines noch dazu in seinem 
irdischen Rechte befindlichen Staates. Das letztere fühlt 
der Hirt des Hermas heraus: Der Herr dieser Stadt wird 
dir einst bedeuten: Ich sehe es nicht gern, dass du in 
meiner Stadt lebst, räume diese Stadt, wenn du nicht nach 
meinen Gesetzen lebst .... Der Herr des Landes erklärt 
dir mit vollem Rechte: „Entweder füge dich meinen 
Gesetzen oder geh' aus dem Lande.*' Du Thor, siehst du 
denn nicht, dass alles dies fremdes Eigentum ist und unter 
der Gewalt eines andern steht ?^ In dieser Zeitlichkeit, 
meint der Brief des Barnabas, hat Satan das Reich in den 
Händen.^ 

Auf diese Abwendung vom Zeitlichen gründete sich 
auch der Vorwurf der Staatsfeindschaft. Mit grossen Augen 
müssen wohl die Römer auf das neue fremde Greschlecht 
geschaut haben, das ob einer unbekannten glücklichen 
Zukunft die glückliche Gegenwart vergass, auch das vergass, 
was ihnen das Höchste zu sein schien, das Vaterland.. 
Denn das Wort Vaterlandslosigkeit war dem antiken. 
Menschen noch ein fremdartigerer Begriff als dem modernen. 

Aus den Worten des Heilands selbst: „Niemand kann 
zwei Herren dienen,**^ die er wohl gar manchmal in 
falscher Auffassung aus christlichem Munde vernommen, 
büdet sich Celsus den Vorwurf der Staatsfeindschaft der 



* Ign. ad Magn. 5, 2. ^ Herrn, past. sim. I, 2 fP. 
» Barn. ep. 18, 2. * Matth. 6, 24; Luc. 16, 13. 



— 81 — 

<.:hrieteo. Das ist nach ihm die Sprache des Aufrühre von 
Menschen, die sich abschliesBen und absondern von den 
übrigen.' Es spricht fast eine gewisse Wehmut aus den 
Worten dieses Römers, der ganz aufgeht im Kampfe für 
die alten Götter, die alte Philosophie, das alte Rom, und 
doch all das immer mehr überflutet sieht von dem fremden 
Glauben, so daes er schon den Gedanken an einen ehrist- 
Uchen Kaiser streift.* Aber gerade darum hofft er noch 
Bchhesslich in einem Punkte Verständigimg zu finden mit 
den Christen, in der [Jebe zu einem gemeinsamen Vaterland, 
und warm, ja herahch wird sein Ton, wenn er am Schlüsse 
seiner Schrift dieselben bittet, mit ihm sich zu einen im 
Schaffen für das lieben des Staates.^ 

Besser aber als seine Worte hat wohl die Zeit selbst 
Wandel geschofien in der Stimmung der Cliristen. Es 
war nie die Stimmung der Allgemeinheit gewesen imd in 
ruhigeren Zeiten neigten auch die Schrofferen zur Müde. 
Zwar konnte sich Minucius FeWx nicht enthalten, die 
historische Frage nach der Entstehung des Römerreiches 
aufzuwerfen, und seine r>öBung — ein Asyl sei es am An- 
fang gewesen, in das verworfene Verbrecher, Wüstlinge, 
Mörder. Verbrecher geströmt seien : Romulus sei seinem 
Volke als Verbrecher durch Bnidermord vorangegangen, und 
der ganze Besitz der Römer sei nichts anderes als Raub* 
— klang gar wenig patriotisch; aber für die praktische 
Gegenwart war ihm doch die Frage bedeutungslos, imd es 
mag ihm gegangen sein wie ?päter dem Lactantius, der 
die8ell>e Frage Ijehandelte, dieselbe Lösung gab,* und des- 
ungeachtet in Rom den Staat schaute, der noch alles auf- 
recht erhielt, und Gott um dessen Fortbestehen anflehte.* 



» Orig. c. Uels Vm, 2 (H, S22. 1). 

» Orig. c Cels Vni, 71 (li, 287, 24). 

■ <hTg. c. Cels. vm, 72: 73; 74; 75 ffl, 288, U ff.J. 

• Hin. Fei. Uct. 2ä (35, 16 S.). 

• Lwt. diT inst. 11, 6 (I, 123, 18); VI, 9 (I, 150, 10). 

• Lact. dJT. ioFt, VII, 25: illft ^ma) est civitttt. qua« adhuc 
«usteotat umnia, precandnsiiue Dubia et adorandas ml <\eii» ivieli, si 
latatsu ElatntA eins et placit« differri iMssunt, ne citio« qgatu pnlaiuo* 

malr, EetelUpiiig d. OiHeI. «d OSCbU, LbIwu, j} 



— 82 — 

Die Annäherung der Christen an den Staat liegt schon 
in der Überreichung der verschiedenen Apologien an die 
Kaiser ausgesprochen, und fast in allen kommt dabei die 
Idee des Christentums als einer staatserhaltenden Partei 
zum Ausdrucke. MeUto von Sardes hatte darauf hin- 
gewiesen, dass die Macht des römischen Volkes sich mit 
dem Christentum gemehrt habe. ^ Auch Tatian, sonst schrofE 
und ablehnend, gesteht dem Staate manches zu: „Warum 
hasst mich die Welt, wenn ich nur einige Einrichtungen 
derselben mir nicht zu Nutzen machen will. Nur wenn 
ich gezwungen werde, Gott zu verleugnen, versage ich den 
Gehorsam."* Theophilus leitet die Macht der Römer von 
Gott ab,^ und Justinus hält dem Heiden, der ihn auffordert, 
zu seinem Gott zu gehen, entgegen, dass die Welt nicht 
umsonst von Gott gegründet ist,^ und betont, dass die 
politische Haltung der Christen so wenig wie ihre ander- 
weitige anstössig ist,^ ja er betet, dass die Christen gute 
Bürger werden.^ Athenagoras weiss die Wohlthat eines 
geordneten Staatswesens gar wohl zu schätzen : er betet für 
den Kaiser und seine Dynastie, damit sie das Reich er- 
erben und Zuwachs erhalten durch die Unterwerfung der 
Welt, mit dem Beifügen: das kommt auch uns zu gute.^ 

Günstigere Zeiten schufen noch friedlichere Stimmung. 
So war es namentUch die längere Friedenszeit unter 
Commodus und Septimius Severus, in denen mit der 
wachsenden Zahl der Christen auch das Bedürfnis nach 
einem rechtUchen Halt im Reiche, und mit den glücklicheren 
Verhältnissen auch der Versöhnungsgedanke sich mehr und 
mehr geltend machte. Irenaeus' Theorien vom Staate sind 



tyrannus ille abominabilis veniat, qui tan tum facinus moliatiir ac 
lumen illud efPodiat (I, 664, 23). 

^ Mel. ex apol. 3 (Otto 1. c. IX, 412). * Tat. or. ad Graec. 4 (19). 

^ Theophil, ad Aut. III, 27 : ot ^Pay^aloL i^eyaXvvopto tov &€vv 
xoarovvTog (262). 

* Just. apol. II, 4 (IJ, 208). ^ Just. apol. 1, 11; 17 (I*, 34; 54). 

® Just. apol. I, 65 : ontog xccTa^icod-couey r« «A?^^^ fjia&oytsg xnl 
6t BQytoif aycc&oi noXitevtal x(ä q)vXax€g Tioif iyzeTaXueycoi^ €V()€&^tf(U 
(1, 178). 

' Athenag. snppl. 37 (184). 



durchweg gemässigte. Er stellt dem lügnerischen Worte 
des t^atans: „Diese (Reiche des Erdkreises) alle sind mir 
gegeben und ich gehe sie, wem ich will",' die Worte Gottes 
entgegen: ,,DaB Herz des Könige ist in Gottes Hand",* 
lind „durch mich regieren die Könige und haben die Macht- 
haber das Recht." ' Und im Ansehluss an die Worte des 
Römerbrieles, die er nicht, wie einige, auf die englischen 
Mächt« und die unsichtbaren Fürsten iDezieht, sondern auf 
die menachhchen Obrigkeiten, enhvickelt er deren Einsetzung 
durch Gott und ihre Bestimmimg für die Menschen; und 
(iott gibt den Menschen solche Könige und Fürsten, wie 
sie sich eignen für ihre Zeit, und wie die Unt«rthanen sie 
verdienen.* Noch weitherziger sind die Anschauungen 
Clemens' von Alexandrien, Auch für ihn ist das Wort 
des Logos massgebend : Gebet dem Kaiser, was des Kaisers 
ist, und Gott, was Gottes ist; und aus diesem Wort« er- 
geben sich für ihn die staatebürgerlichen Pflichten.* 

Sein Gegensatz ist Tertuüiim. Dae, was wir Patriotismus 
nennen, ist dem Wesen des Afrikaners wohl immer fremd 
geblieben ; seine wilde Stormnatur, die nicht nur den 
Kampf kämpfte, wo er sich bot, sondern ihn geradezu 
heraufbeschwor, vennochte den Gedanken an eine Ver- 
söhnung mit dem Staate, der überall mit seinen Ideen im 
Widerspruch stand, nicht zu fassen. Er hatte sich zwar 
einmal energisch gegen den Vorwurf verwahrt, daas die 
Christen keine Riiraer seien ; ^ er hatte darauf hingewiesen, 
daes die Christen als solche nicht geboren werden, sondern 
aus den Reihen ihrer Mitbürger hervorgehen ; ' er hatte 
nicht nur die Anklage auf Staatsfeindfichaft zurückzuweisen 
versucht,* der Christen ruhiges, loyales Verhallen in den 
Wechsel vollen Parteikampf en betont,* sondern sogar das 

' Lnc 4, 6; cfr. Matth- 4, 9. • Ptöt, 21, 1. ' Pro», 8, IS. 

• Iren. »dv. haer. V, 26. 1, 2. 3 (U, 388, 13). 
» Clem. Alei. pseil- HI, 12 (VUI. col. 669. 3 v n.), 

• Tert. apol. 36t cur uoe Romani negamnrV (I, '24^^ 

' Tert.apo1.18-deTe§triRmniii8. finiit,n'in nascnntarfhriatiaiii. 
" Diesem Getlanken bt der grBSBere Teil de» Apologetininii 
gewidmet; Tgl. nsin. csp. 35; 36: 3T. 

• Tert. »pol. 35 (I, 246) 




— 84 — 

Interesse des römischen Staates mit dem des Christentums 
verknüpft ^ und nicht nur in seinen ersten,* sondern auch 
noch in einer seiner letzten' Schriften auf die Verehrung 
und das Gebet seiner Glaubensgenossen für Kaiser und 
Reich sich berufen; allein mit diesen Worten, die schutz- 
bittend an die Praesides und Proconsules sich richten, ver- 
birgt er doch seine Grundanschauung nicht, in der ihm 
nichts fremder ist als der Staat, in der er nur einen Staat 
anerkennt, die Welt."^ Es ist schon in seiner Apologie jener 
Kosmopolitismus ausgesprochen, mit dem er später das 
römische Staatskleid, die Toga, die er vielleicht in früht^ren 
Jahren als Jurist des Forums selbst getragen, abwirft und 
sie höhnisch mit Füssen tritt, um sich mit dem leichten 
griechischen Pallium zu bekleiden.^ Mit Verachtung blickt 
er zurück auf eine Zeit, die ihm gar ferne liegt, an jenes 
Ernst, wo er auch für Vaterland und Reich gelebt, und ist 
beglückt in der Sorge für sich selbst.^ Die Hoffnung, dass 
der Staat, der doch schon so viele Veränderungen durch- 
gemacht,^ sich auch jemals nach seinem Sinne gestalten 
werde, hat er wohl längst aufgegeben. In den ersten 
Zeiten hatte er — es war wohl eine leise Drohung dem 
Staat gegenüber gewesen — auf die gewaltige Zahl der 
Christen hingewiesen und den Fall erwogen, dass diese 
Macht sich dem römischen Staate entfremden würde.® Dieser 



^ Tert. apol. 31 : cum enim concutitur imperium, concussis etiam 
ceteris membris eius utique et nos, licet extranei a turbis aestimemur 
in aliquo loco casus invenimur (I, 286). 

» Tert. apol. c. 31 ; 32 ; 39 (I, 235 ; 236 ; 255). 

3 Tert. ad Scap. 2 (I, 541). 

* Tert. apol. 38 : nee ulla magis res aliena quam publica, unam 
omnino rempublicam agnoscimus, mundum (I, 253). 

^ Vgl. die Schrift de pallio (I, 913). 

^ Tert.de pallio 5: in me unicum negotium mihi est; nisi 
aliud non curo quam ne eurem . . . sed ignaviam (Unthätigkeit) 
infamabis. scilicet patriae et imperio reique vivendum est. erat olim 
ista sententia (I, 950). 

' Tert. ad nat. I, 10 (1,324). 

® Tert. apol. 37 : hestemi sumus et vestra omnia implevimus . . . 
potuimus et inerraes nee rebelles, sed tantummodo discordes solius 
divortii invidia adversus vos dimicasse. si enim tanta vis hominum 



— 85 — 

Gedanke taucht ihm nicht mehr auf. Er sieht mit Staunen, 
daef! die Groaskirche, die Paychiker, wie er sie hohnisch 
bezeichnet, dem Staate mehr und mehr sich nähert.' Und 
das stimmt ihn immer bitterer; und immer weiter zieht 
er sich zurück, wohin ihm niemand mehr folgen kann. 
Ein vereinsamter Mann, kämpft er weiter für sein Ideal, 
die Urzeit des Christentums, aber seine wachsende Bitter- 
keit, und die Einwürfe gegen seine Anschauungen, wie sie 
fast auf jeder Seite wiederkehren, und die sicherlich nicht 
allein fingiert, sondern wohl in Wirklichkeit erhoben worden 
sind, zeigen lebhaft, dai<B er nicht nur mit der kalten 
Praxis in Widerspruch gekommen, sondern dass aucli die 
idealen Ziele andere geworden. 

Freilich erklärt die Verfolgung manche Bitterkeit. Aber 
in Rom werden wohl solche montanistische t^hrulTlieiten 
nicht sehr Anklang gefunden haben. Die Ruhezeit schuf 
ohnehin liald wieiier andere Stinamuug. Es kamen die 
Zeiten, da ein Christ an der Spitze einer städtischen Ge- 
sandtschaft mit dem Kaiser verkehrt* und Origene« mit 
den Herrschern im Briefwechsel steht. Origenes' Krinne- 
ruiigen an die Jugendzeit mochten zwar auch nicht die 
besten sein ; er hatte seinen Vater in der severischen Ver- 
folgung als Martj'rer sterben ^hen, und hatte neben glück- 
licheren Stunden auch genug andere erlebt, die eine eigent- 
liche Begeisterung für den Staat nicht in ihm aufkuiiiineri 
Uettsen; allein auch in den Tagen der MisHbaudluiig und 
der Folter, ja selbst des Todes Ist doch nicht die Malinung 
des Römerbriefee zu vergesaen, dass jeder den obrigkeitlichen 
Gewalten Gehorsam schuldet und da^i^ jede Macht, abw 
auch die feindliehe, von (iott stammt." Er kann zwar den 



in Hliigaem orbis remoti Nnum abrapiucmuii « viAm, vattaAiMMt 
ndijae dominatiüoem Tcctnin lot qtulinmniiMiie ejvinn uilailo, 
immo etiam et ipM deatitatione piuiaHt ete. (I, 8W). 

' Dieser Gedanke dnrchziebt die •pitetcii Scbriftes fut alU, 
vgl E. fi. de cinjos. 

. • .loliits iiricuu: cfr. Em. ad u. Abr. 22»9 tSehaaut II, 17«; 
* Orig. c Cell. VItl. fö . tV#« ftirioi aiMr irnmiar nftitio/ttir, 



— 86 — 

absolutistischen Satz (des Celsus, dass die ganze Erde dem 
Kaiser gehört und die Unterthanen von dessen Machtfülle 
alles empfangen, nicht gelten lassen ; er weist hin auf das 
tägUche Brot, des Menschenherzens Kraft und Stütze, auf 
den Wein, des Menschenherzens Freude, die auch nicht 
vom Kaiser stammen,^ allein der Gedanke, dass das römische 
Reich den ungebildeten Barbaren anheimfallen solle, berührt 
ihn doch sichtiich unangenehm; er hofft, dass mit dem 
dereinstigen Siege des Christentums, der immer näher 
winkt, auch diese Barbaren ihre Wüdheit verlieren und 
sich beugen werden.^ 

Origenes streift, vielleicht unabsichthch, mit den letzten 
Worten einen Gedanken, der sonst der alten Welt und 
dem alten Christentum ferne lag: den Gedanken, dass das 
Römerreich jemals zu gründe gehen und ein fremdes sich 
auf seinen Ruinen erheben könnte. Die Idee von der 
Ewigkeit Roms, wie sie jene Zeiten beherrschte, konnten 
die Christen zwar nicht teilen ; allein der Bestand der Welt 
ist ihnen doch mit dem Römerreich verknüpft und der 
Untergang Roms gleichbedeutend mit dem Untergang der 
Welt. Dieser Gedanke hatte seinen Ursprung in der Idee 
von der baldigen Wiederkunft Christi; man suchte und 
fand einen Schriftbeleg in der Weissagung Daniels von 
der Ablösung der verschiedenen Weltreiche.^ Schon der 
Brief des Bamabas hatte in den Versen vom vierten 
mächtigsten Tiere* das römische Reich und in den zehn 
Hörnern desselben Reiches die zehn bis zu seiner Zeit 
regierenden römischen Kaiser vermutet.^ Auch Irenaeus 
sieht im Anschluss an die Auslegung der Apokalypse in 



xal x^ayccTovg rj^uoig (f)iQ0i/ta. di/dyyto^ei/ yuQ xcd zo näaa ^v^h 
iiovaiaig vneQsyovaccig vnozazzead'ia. ov yccQ iazty iiovaia si firi 
vno d-6ov^ cd de ovaai vno d'Sov tezccyfxeyai elaly (aaze ol ayd-earrj- 
xozeg zrj i^ovaice zfj zov &€ov dicezayrj di/d-iazni/zat (II, 281, 3). 

^ ^Orig. c. Gels. Vm, 67 (II, 28^ 2). 

« Orig. c. Gels. VIIl, 68 (n, 285, 15). » Dan. 7. * Dan. 7, 7. 8. 

* Barn. ep. 4, 4. Wer unter dem elften Könige, der drei von 
den übrigen zehn zugleich (iV fV) demütigt, zu verstehen ist, ist 
schwer zu sagen. Ein König, der drei andere zugleich demütigte, 
war Vespasian, der Sieger über Galba, Otho und Vitellius ; aber er 



— 87 



dem vierten Reiche Daniela, in dem zehn Könige iiut- 
stehen werden, das Reich, das gegenwärtig die Welt be- 
herrscht. Die zehn Könige sind aber nach seiuer Ansicht 
noch nicht erschienen.' Ebenso bringt Hippi)Iytus von 
Rom mehrfach das römische Reich in Zusammenhang mit 
dem Reiche, weiches dem Erscheinen des Antichrist vor- 
angehen soll. Das in der Bildsäule des Königs Nabucho- 
donosor gesehene Eisen ist das Römerreich, welches der 
Antichrist zerstören wird, um sich ein eigenes zu gründen, 
bi« Christus kommen wird zur ewigen Herrschaft. Und 
jetzt fürwahr herrscht das Eisen, jetzt bändigt und drückt ee 
alles, jetzt unterjocht es alle, die sich nicht beugen wollen." 
Und von diesem Staudpunkt aus vermögen auch die 
schrofferen Naturen dem römischen Reiche eine freundliche 
8eite alntugewinnen ; es ist eben doch dan Reich, dan den 
Bestand der Welt garantiert und das Erscheinen des Unter- 
ganges verzögert: früher hatte man freilich den Weltunter- 
gang herbeigesehnt ; aber je weniger die Welt die OhriHteu 
zurückstösst, desto weniger können die CliristAD die Welt 
von sich stossen. Es wird zwar einmal koimii^ die Zeit, 
da die Roma, die sich ewig gedünkt, trauern wird in 
Ewigkeit.^ Aber selbst ein Tertullian, der dütli Kceagt, 



ist,<*«ltMtCaegarnoch mitgezählt, erst der z«bnteKai«eT; Duiuitiaa kami 
nicht in Frage kommen. weiJ er nicht drei Kßnige btstiegt hat. Hau 
hOnnte Nerva nnterdem elften Könige venUben, dt^ij BrlwQ der drd FW 
vier Veapasian. Titas und DomitüD r aber »af ihn iiacet nicht die Po«- 
aeuaaic der Veree Daniels -. ,3r "ird B«deD ge^en den AtJ«rii6ch«teu 
amutomen nnd die Heilifcn de« AUerhOchaiea aufreibeii'' (Uul 7, 2B), 
die der Vertaner eben£alU im Auge gebäht b»b«a miu«, d& .Ver«» 
den ChriEten g«gentLber mh freondUcb itellte ßeacer fügt «kb 
die Deotong aof Tnjui, di^n man iiam«rhin ab Erben itv Flaner 
beeeichneu kann, da Xerra nur ««hr karx r*g{'«te und Tniijaa «ein 
Aduptjvsohn war. Ntnailiagfi tMotinut LmÜhmui diu JtUir UHJIHl 
als die AbCuMiBgneit de« Bnefo fl'^itre d« Hunui» in d«r Keva» 

' Iren- adv. haer. V, X. 1 'II. !M. H. 

' Hi)ip. de ehrift- et aaticbr. 2&; äl, M iMUm>! <> <i. X, «wl. 
748.1; 7ii2.*0; 772.3); etr tit ./«*</;ä II, 12, 13, IV, 6 Vi m. 
ea 196. 216). 

* f'ommod. otnn. a^ * !KS1 UfM 
UiBS (175) 



— 88 - 

das8 die Christen dem Säculum sobald als möglich zu 
entrinnen suchen,^ betet um die Hinausschiebung des 
Endes. ^ Immer Heber gewinnen die Christen die Erde. 
Lactanz entwirft in grellen Farben das Bild des zukünftigen 
Weltunterganges; dann aber bittet er den Herrn des 
Himmels, es möchten doch die Zeiten noch ferne bleiben, 
in denen jener verruchte Tyrann, der Antichrist erscheinen 
wird, in denen das Sibyllenwort in Erfüllung gehen soll, 
dass "^Pcofirj zur QVfirj wird und mit Romas Fall die Welt 
versinkt.^ 

Vollständig fem lag den ersten Christen der Gedanke 
an die Gründung eines kommunistischen Staates. Kom- 
munismus war allerdings in der apostolischen Zeit vor- 
handen. In den ersten Zeiten brachten auch viele Christen, 
die Besitzer von Äckern oder Häusern waren, den Verkaufs- 
preis dieser Güter den Aposteln, und jegHcher erhielt 
davon, soviel er bedurfte. Und keiner war dürftig.* Allein 
dieser Kommunismus war kein zwangsweiser Kommunismus,^ 
sondern ein Ausfluss jener innigen Bruderliebe, in der die 
Gläubigen ein Herz und eine Seele waren, * und war in 
dieser Form doch nur in den ganz kleinen Anfängen 
möglich, war auch nicht allgemein durchgeführt. Das 
Grundgesetz dieses Kommunismus, die Liebe, ist freilich 
immer geblieben und zeigt sich in den Sammlungen, 
welche verschiedene Christengemeinden für andere, ärmere 



* Tert. apol. 41: atquin nos nullo modo laedimnr; inprimis quia 
nihil nostra refert in hoc aevo nisi de eo quam celeriter excedere 
(I, 272). 

^ Tert. apol. 32 : est et alia maior nobis necessitas orandi pro 
imperatoribus, etiam pro omni statu imperii rebusque Bomanis, qni 
yim maximam universo orbi imminentem ipsamque clausulam saecnli 
acerbitates horrendas comminantem Komani imperii commeatn scimns 
retardari. itaque nolumus experiri et dum precamur differri, Romanae 
diutumitati favemus (I, 236); cfr. apol. 39 (1, 256, 2); cfr. ad Scap. 2: 
Christianus nullius est hostis, nedum imperatoris, quem sciens a 
deo suo constitui necesse est, ut . . . salvum velit cum tote Romano 
imperio, quo usque saeculum stabit; tamdiu enim stabit (I, 541). 

» Lact. div. instr. VH, 25 (I, 664, 20). 

* Apg. 4, 34 ff. » Apg. 5, 4. « Apg. 4, 32. 



«9 



veranstalteten/ und zieht sich als Befehl gegenseitiger Unter- 
Btützung in den Nöten des Lehens durch die Schriften jener 
ganzen Zeit hindurch. Der Versuch eines Komnauniamua 
im Sinne Piatos oder der modernen Zeit ist nie aufgetaucht. 
Lactanz kann dem Plato, der doch sonst in mancher Be- 
ziehung der Wahrheit nahe gekommen, daa herbe Urteil 
nicht ersparen, dass gerade seine Ideal staatstheorien voll- 
ständig verfehlt seien. Schon der Kommunismus des Be- 
sit7£s widerspreche der Gerechtigkeit; aber alle Bande 
würden gesprengt durch den gemeinschaftlichen Besitz der 
Frauen und Kinder; den Frauen vollends aktives und 
passives Wahlrecht zu gewähren, ihnen den Staatsdienst zu 
erschlieesen, wäre des Staates grösstes Unglück.* 

Allein trotz der Annäherung der Christen an den Staat 
hieiben doch manche Gegensätze unter den bestehenden 
Verhältnissen unuherhrückhar. Das zeigte sich namentlich 
manchmal in der Auffassung von Gesetz und Hecht. Das 
Recht, wie es als die eine Gemein schaftlichkeit beherrschende 
Xurm in Geltung tritt, ist stets das Spiegelliild der 
(ierechtigkeitsidee, welche dieser Gemein schafthchkeit als 
Jdeal vorschwebt. Und die Urquelle aUer Gerech tigkeitsidee 
irt eben doch die Gerechtigkeit, die im Glauben an die 
göttliche CJerechtigkeit in des einzelnen Menschen Brust 
wohnt. Das christliche CJe wissen musste in vielen Be- 
siehungen andern Anschauungen huldigen als das heidnische, 
und der Satz: Man mnss Gott mehr gehorchen als den 
Meuscheu, gar oftmals praktische Bedeutung erlangen. 

Es ist ein anerkennendes Moment von heidnischer Seite, 
wenn der heidnische Statthalter Phnius von den Christen 
hervorhebt, dass sie schwören, kein \'erhrechen zu begehen.' 
Desthalb werden die Christen nicht müdezu betonen, dass sie 
die Staatsgesetze achten. Ja sie halten dieselben nicht bloss, 
eic überbieten dieselben durch ihr lieben.* Speratus, der 
ScUlitaner, erklärt vor Gericht: Eine Handlung, die nach 
ücbem und staatlichem Gesetz verwerflich wäre, habe 

* 2. Cor. 8, 2. 8; 9, 2, Phil. 4, 14 fl. 
■ Uct inst epit. 33 (38) (I. 70», 14). 

• Plin. ep. X, 96. * Ep, ad Diogn, B, 10. 



— 90 — 

ich nicht begangen.^ Aus den Strafen einen Einwand gegen 
das Gesetz zu machen, ist nicht angängig, erklärt der 
Alexandriner.^ 

Allein gar bald fühlten die Vertreter der neuen 
Religion, dass das menschhche Gesetz zuweilen im Wider- 
spruch steht mit dem göttlichen. Denn das götthche Gesetz 
kann ja nur eines sein, das menschliche Gesetz aber ist 
nach den Staaten verschieden, und was die einen für 
schändHch halten, gilt bei den andern für gut und vor- 
trefflich. Man brauche ja nur auf die Ehe mit der eigenen 
Mutter zu schauen, die den Griechen als verabscheuenswert, 
den Persem aber als etwas Vorzügliches gelte ; oder auf die 
Knabenliebe, die bei den Barbaren gesetzlich verboten, bei 
den Römern gestattet sei. Deshalb erklärt Tatian, die 
Gesetzgebung der Römer zu verwerfen.' Der Ton musste 
noch schärfer werden, wenn den Christen ihre eigene 
Existenzberechtigung gerade mit der Autorität der Gesetze 
abgestritten wurde.* Das Gesetz kann etwas Gutes ver- 
bieten ; es kann sich irren ; ist es ja nicht vom Himmel 
gefallen, sondern von Menschen verfasst. Zeuge dessen sei 
die Geschichte. Selbst Lykurgs Gesetze seien von den 
Lacedämoniern verbessert worden. Und die Römer selbst 
fällen den alten Wald fortwährend durch das neue Beil 
von Edikten und Reskripten. Wie viele Gesetze harrten 
noch der Verbesserung, die nicht die hohe Zahl der Jahre 
ihres Bestehens, nicht die hohe Stellung ihrer Schöpfer je 
empfehlen kann, sondern nur die Billigkeit, ja es gibt auch 
ungerechte Gesetze, die mit Recht gerichtet werden, mögen 
sie auch selbst richten. Ungerecht sind Gesetze, die den 
Namen verurteilen . . .^ Haben ja die Römer so vielen guten 



^ Act. Scill. 1 (Ruinart 134); cfr. Tert. apol. 44 (I, 277). 

2 Clem. Alex, ström. I, 27 (1. c. col. 917, 10 v. u.). 

« Tat. or. ad Graec. 28 (112, 11); cfr. Lact. div. mst. VI, 9: 
aliut est igitur civile ius, quod pro moribus ubique variatur, alia 
Vera iustitia quam uniformem ac simplicem proposuit omnibus deus 
(I, 511, 2). 

* Tert. apol. 4 : sed quoniam cum ad omnia occurrit veritas 
nostra, postrerao legum obstruitur auctoritas (1, 127). 

^ Tert. apol. 4 ([, 128). 



91 — 



Gesetzen Lebewohl gesagt, wie den Gesetzen gegen Aufwand, 
Amtserechleichung uaw.^ 

Es ist nicbt der Montanist von Carthago allein, der auf 
den Widerspruch der Menachenaatzungen mit Gottes Gesetz 
hinweist. Auch der Hellene Cleiaens vermag in einer späteren 
Zeit — wohl im Hinblick auf selbst geschaute und selbst 
erlebte Ungerechtigkeit — das Wort des Heilands : Wer Vater 
und Mutter und Brüder verläsat um meines Namons willen, 
ist selig, nicht anders zu deuten, als auf das Scheiden von 
Heimaterde und Steatsgesetz.* 

Origenes liest in der Schrift des Celsus die Woi-te, dass 
das Chi-isteutuni dem Staatsgeaetz widerspricht. Aber dem 
geschriebenen Gesetz der Stadt« steht ein anderes Gesetz 
gegenüber, das int das Naturgesetz, das von Gott Htammt. 
Und diesem Gesetze muss der Christ folgen, auch wenn 
Gefahren und Mühen, ja der Tod ihm drohen.' 

Celsus hatte die Anklage auf gesetawidrige Versamm- 
lungen der Christen erhoben. Origenes lehnt die Anklage 
nicht einmal ab ; ja er Jjezeichnet es als ein Recht der 
ChriBten, Versammlungen zu halten im Interesse der Wahr- 
heit. Wie er es für erlaubt, ja gut hielte, gegen einen 
Tyrannen Versammlungen zu halten gegen seine Krlauhnis, 
so sei es auch den Christen gestattet, gegen den Tymnnt-n 
Satan imd den Irrtum sich zu einen in VersammlungCTi 
— selbst im Widerspruch mit den Gesetzen ; Gesetee. die 
solches verbieten, seien scythische Gesetze.' 

Oi^enes' Ideen sind wohl die herrschenden geblieben. 
8eine und vieler anderer Christen ofiene Sprache mocht«in 
alle die Kluft schauen lassen, die zwischen der alti?n und 
der neuen Religion bestand. 

' Tert. apul. 6 i.I, laa). 

' Ciem. Alex, ström. IV, 4 1 avtixa o xvoios if t<f EiJuyyiUi^ 
tpnmf' „ÖS äf xataXtiibi; Tiicriifa q/ij]te(iu if aft'tpo^e" Kid tu IS^<. 
,^yixtr zoB BLayYthoc xai nie örüaaiot fitHi", fj-iixiißlai oi'lnal' . . . 
.^ijiijfi" yoir q atrrois xid rfiufiic uXkriyofiClut „nutiiftf'' A ol 

titKiif tai (ptiny ytiiia»M rw *fw <(. « 
» Orig. c. CeU. V, 37 ÖL 40. 17). 
* Oriff. f. CeU. 1. 1 (I, 56, 1). 



I. IftW, 4. 



— 92 — 

Nicht nur im Gresetze der Götterbilder und des 
Polytheismus waren Gegensätze zu christlicher Anschauung 
vorhanden. Darum hielten auch die Christen das Auf- 
suchen heidnischer Gerichtshöfe nicht für angebracht. 
Übrigens verbot ihnen das schon eine gewisse zarte 
Rücksichtnahme auf den christUchen Namen, wie schon 
Paulus den Brüdern geraten hatte, gegenseitige Streitig- 
keiten nicht vor die Ungläubigen, sondern vor die Ge- 
heiligten zu bringen, und aus eigener Mitte einen Ver- 
ständigen als Richter aufzustellen.^ Dieser Gedanke kehrt 
immer wieder. Die Didascalia gibt sogar genaue Vor- 
schriften über das Verfahren der Gerichte. Sie sollen ge- 
halten werden am Montag, damit bis zum Sonntag der 
Friede wieder hergestellt sein könne. Man solle verfahren 
ohne Ansehen der Person, gleichsam als ob Christus selbst 
zugegen sei. Beide Teile sollen erscheinen und die Sache 
beider einer genauen und allseitigen Prüfung unterzogen 
werden. Zuerst soll der Ankläger vernommen werden ; werde 
er als Verleumder befunden, so soll er auf einige Zeit aus- 
geschlossen werden, damit er sich bessere und die andern sich 
ein Beispiel nehmen ; ebenso soll man mit dem Angeklagten 
verfahren. Heidnische Zeugen sollen ausgeschlossen sein.^ 

Es war deshalb die Erfüllung eines langgehegten 
Wunsches, als Constantin den Bischöfen eigene Gerichts- 
barkeit übertrug, beziehungsweise ihrem Spruche die Rechts- 
verbindlichkeit verüeh. 

Die Warnungen vor dem Aufsuchen von Gerichtshöfen 
waren auch in anderer Beziehung nicht unberechtigt. Auch 
in nichtchristlichen Kreisen herrschte bittere Klage über 
das Prozessleben ^ und über die Ungerechtigkeit der Gre- 



1 1. Cor. 6, 1 ff. ; cfr. 1. Tim. 5, 19. 

^ Bei Funk, Die apostolischen Constitutionen, Rottenburg 1891, 
S. 32 ; die Entstehungszeit fällt nach Funk, 1. c. S. 54, in die erste 
Hälfte des dritten Jahrhunderts. Neuerdings setzt er sie in die 
zweite Hälfte dieses Jahrhunderts (la date de la Didascalie des 
Apotres in der Revue d'histoire ecclesiastique, 1901, II, 798 ff-. 

*'„Ihr zieht vor Gericht wie in den Krieg, eure Zungen als 
Waffen brauchend, nachdem ihr alle möglichen Schandthaten be- 
gangen habt." 7. heracl. Brief bei Wendland, 1. c. S. 40. 



93 



richtshöfe.' Iii chriBtlichen Kreisen ist diese Anklage immer 
wieder erhoben worden. Es ist aus dem Leben gegriffen, 
wenn der Brief dea ßarnabas von Richtern spricht, die 
dem Reichen Anwalt sind, dem Armen gegenüber aber 
ungerecht.' Commodian hält den Richtern das Wort Wiilii- 
mons entgegen: „Wie sehr verlilenden Gesclienke und 
Gaben das Auge der Richter"/ und er kann sich nicht 
enthalten, mit der heihgen Schrift über sie das Urteil zu 
sprechen: ,,Ihr liebet immer den Geber,* und Belohnung 
ist euch Recht."-'' Cyprian zeichnet das (ierichteleben in 
düetersten Farben: In Ei-z gegraben stehen die (.k-»ctKC 
auf zwölf Tafeln ; und doch werden mitt«n unter den Ge- 
setzen Verbrechen begangen, mitten unter dem Rechte 
dasselbe verletzt ; die Unschuld findet keinen Hchutz, auch 
da nicht, wo sie verteidigt wird. Die feindlichen Parteien 
rafien in wilder Wut, und das Forum wiederhallt von dem 
Toben der streitenden Parteien . . . Wer soll da hellen? 
Der Anwalt? Der vergiest seine PHicht und geht die Woge 
des Trugs. Der Richter? Sein Urteilsspruch ist schon ver- 
kauft. Er, der flas Verbrechen strafen sollte, begeht selbst 
eines und belastet seine Seele mit Schuld, damit der 
-Schuldige unschuldig erscheine . . . Einer unterschiebt ein 
'J'estament, ein anderer schreibt ein vollständig falsche». 
Kinder werden ihres Erbes Ijeraubt, andere mit ihren (iUteni 
liedacht usw.'' 

Cyprian, der frühere Rhetor <IeH F'irums in Knrthngr«, 
hat diese Erfahrungen wobl selljBt durehlelrt. Das Schrift- 
chen ad Donatum bildet ja gleichsam eine Kechtferti|fung 
für den Schritt, den der Verfasser gethan, aJs er dl« 
jriänzende I^aufbahn des Anwalt/< mit dem et iUa(,'unt(K vollen 
Itenife des christlichen Presbyters vertausclit; iliaui Il«ctit- 
fertiguiig liegt für ihn in der iunetfn Hohlheit «Iw h«b)- 



S'i;,: 



' Philo de wnin. I, 36: •« ir Jixaatr.oion xni loriii 

t Maitapiv npu« •iiUor; üiixt'jÄiiin. bd Wi-ndlstiil, I. •. I 

• BNin. ep, 30, 2 • »Ivivinr aiiaüxktiioi. lucrfwf' ürouai m'tai. 
■Sir.20,31. 'Pro». Ht.6;22, ». MVinmod iiwU. I,3f (41). 

• Cypr. *p «il Don. 10 'I. II, l«> 



— 94 — 

nischen Götter- und Sittenlehre und in der Geist und Herz 
befriedigenden Wahrheit des Christentums. 

Allein die Aufstellung eigener Gerichte für Rechts- 
streitigkeiten war doch nur bei Dissidien innerhalb der 
Gemeinden selbst mögüch und wurde auch da nicht immer 
durchgeführt. Charakteristisch ist ja die Streitfrage über 
das ßesitzrecht des Bischofsstuhles von Antiochien geworden, 
welche die Christen dem Kaiser Aurelian unterbreiteten. 
Bekanntüch entschied der Kaiser zu Gunsten dessen, der 
mit den Bischöfen von ItaHen und Rom in Beziehungen 
stehe ; so erhielt Domnus die Bischofswürde, und der Ein- 
dringling Paul von Samosata war gerichtet.^ 

Bei Streitfragen zwischen Christen und Andersgläubigen 
musste der Rechtsschutz der heidnischen Gerichte angerufen 
werden, der den Christen nicht versagt wurde. Paulus 
selbst hatte in Philippi gegen die ihm und seinen Genossen 
widerfahrene Behandlung, gegen die Verhandlung ohne 
Verhör, gegen die Geisselung und Gefängnistrafe unter 
Berufung auf sein römisches Bürgerrecht protestiert.^ Der 
Fall wiederholte sich ein paar Jahre später in Jerusalem.' 
Und zu Caesarea sprach der Apostel: Ich stehe unter dem 
Gerichte des Kaisers; da muss wider mich die Klage ge- 
führt werden; . . . ich appelliere an den Kaiser.* Das 
Aufsuchen heidnischer Gerichte ist auch nie beanstandet 
worden. In Rom bittet eine Frau, die als Christin von 
ihrem Manne angeklagt worden, den Kaiser um Vertagung, 
bis sie ihre häuslichen Angelegenheiten geordnet habe, und 
erhält dieselbe gewährt.^ Und ebendort wird vor dem 
kaiserUchen Gericht eine Klage der Garkoche gegen die 
christliche Gemeinde anhängig, weil dieselbe sich einen 
offen tüchen Platz für eine Kirche angekauft. Die Klage 
ward aber von Alexander Severus abgewiesen mit der 
Motivierung, es sei besser, dass dort die Gottheit, auf 
welche Weise auch immer, verehrt würde, als dass Garköche 

^ Eus. hist. eccl. VIT, 30, 19 (588). ^ Apg. 16, 37. 
» Apg. 22, 25. 28. * Apg. 25, 10. 11. 
^ Just. apol. II, 2 (I \ 198). 



— 95 — 



eich dort niederlieFeen, deren Lokale nicht in bestem Rufe 
standen.^ 

Dieeen Rechtsschutz den Christen zu entziehen war 
die Tendenz des Diocletian,* und es wäre dieeer Schlag, der 
die Christen vogelfrei machte, der vernichtendste gewesen, 
wenn er nicht, wie das ganze diocletianische VerfolgungH- 
System, an der gewaltigen oppositionellen Christenmiicht 
abgeprallt wäre. 

Ein besonderes Interesse kann die Frage der Stellung 
der Christen zirni Eherecht beanspruchen. 

Die Form' der römischen Eheschliessung hat eine 
reiche Geachichte. Der reügiöse Geist der alten Zeit hatte 
diese bedeutungsvolle Handlung mit einem Kranze sinniger 
Ceremonien umkleidet. NamenÜich war es die confarreatio 
gewesen, deren man sich bediente. Mit dieser Form war 
ein Opfer (farreum), verschiedene Ceremonien beim Auszug 
der Braut aus dem Vaterhause, Ijei der Deductio selbst und 
bei dem Eintritt ins neue Heim verknüpft. Diese Form 
ruht« auf religiös -sakramentaler Grandlage. Sie war für den 
Homer das, was unsere Zeit als kirchliche Ehe bezeichnet 
üi einem Staate, dessen Gesetz die Civilehe noch fremd ist. 

Etwas jünger, aber mit der confarreatio noch gleich- 
seitig war die coemptlo. Sie ruht civilrechtlich auf dem 
Boden des Vertrags, ohne religiöse FeierÜchkeiten, wie 
Auspicien, Zusammenfügung der Hände, Opfer etc. not- 
wendig zu machen oder auszuschliessen. Obligatorische 
Civilehe würde sie unser Recht bezeichnen. 

Eine dritte Form war die Eheschliessung per usum, 
die durcli ein einjähriges Zusammenleben zustande kam. 

Der Zeitgeist drängte, wie in vielen andern Be- 
ziehoDgen, so auch in der Ehcschliessuug den religiösen 
iken immer mehr in den Hintergrund, und schon zu 



^H^ 'Vgl. 



' Lamprid. AJex. Mev, 49. 

* Vgl. das bereits angeführte erste &dilit Diucletiana; über 

II Angfntimng de mort. pers. lö (IP, 188, 22); nnd martyr. 
S. Jaiittae 2 (Kainart. 538). 

' Vgl. Aber die Ehecereiiioiiien : Becker, Gallua, 4. Aufl., Berlin 
1880— »2, S, U. 19 ff. 




— 96 — 

Anfang der Kaiserzeit war an Stelle der alten Formen das 
sogenannte matrimonium iuris gentium getreten, das zur 
Eheschliessung lediglich den consensus nupüalis, sowie die 
tabulae nuptiales, die schriftliche Abfassung des Ehe- 
vertrages, erforderlich machte. Diese Form der Ehe- 
schliessung war es wohl auch, welche die Christen bei 
Ehen unter sich und bei Ehen mit Heiden beobachteten.^ 

Bei Ehen unter Chiisten selbst trat meist die Schliessung 
der Ehe vor dem Bischof als die Bekräftigung des Sakra- 
mentes hinzu. Dazu hatte schon Ignatius von Antiochien 
geraten. Es ziemt sich, dass Bräutigam und Braut ihre 
Ehe mit Gutheissung des Bischofs schliessen, damit die 
Ehe nach dem Willen des Herrn sei und nicht nach fleisch- 
licher Begierde.^ 

Bei Ehen mit Heiden war dies wohl in den meisten 
Fällen nicht möglich; und vielleicht lag auch darin ein 
Grund, warum gemischte Ehen vielfach so sehr Miss- 



^ Bezeichnend dafür ist die Stelle TertuUians, der seine Gattin 
vor einer Ehe mit einem Ungläubigen warnt und dabei sagt, dass 
es dereinst vor dem Richterstuhle Gottes nichts nützen werde, eine 
Ehe mit einem Heiden nach den weltlich gesetzmässigen Formen 
eingegangen zu haben. Tert. ad uxor. 11, 3: aut numquid tabu las 
nuptiales de illo ante tribunal domini proferemus et matrimonium 
rite contractum allegabimus, quod vetuit ipse (I, 687). Auch die 
Athenagorasstelle : Athenag. suppl. 33 : yut/ccixcc fxey exaarog rifioii/ 
ijy iqyceysTo xatu rovg v g)' Yi^(ht^z6\)^eL^ei^ovgv6fjLovg yofxi^cay 
xcä Tccurriy (Lie^Qi rov natdonoir^Gccad-at (170) dürfte hier in Betracht 
kommen, da wohl die von Maranus festgehaltene Lesart vq)' v/Ltioy 
T6d-€iueyovg yofxocg der ersteren vorzuziehen ist. 

* Ign. ep. ad Polyc. 5, 2 : cfr. Tert. de pud. 4 : penes nos occultae 
quoque coniunctiones, id est non prius apud ecclesiam professae 
iuxta moechiam et f omicationem iudicari periclitantur (R. I, 225, 28) ; 
cfr. 4. Conc. v. Carthago (398) can. 13 : qualiter sponsi et sponsae 
benedicantur. sponsus et sponsa cum benedicendi sunt a sacerdote, 
a parentibus suis vel paranymphis otferantur. qui cum benedictionem 
acceperint, eadera nocte pro reverentia ipsius benedictionis in virgini- 
tate permaneant. cfr. test. dorn, nostri Jesu Christi U, 1 : ineat vero 
matrimonium cum mulieri fideli . . . praecipiente et curam gerente 
episcopo (ed. Rahmani, Moguntiae 1899, S. 113); vgl. Pseudoisidor 
epist. Evaristi 2: similiter custoditum et traditum habemus et 
uxores legitime viro iungantur etc. (Hinschius, decret. Pseudoisid. 
Leipzig 1863, S. 87). 



— 97 — 

biUigung fanden. An dieser Stelle berührt uns mir die 
rechtliche Seite. 

Auch die Ehescheidung, die nach den Worten des 
Apostels in schon bestehenden Ehen mit Heiden gestattet 
war, vollzogen die Christen nach den Normen der staat- 
lichen Gesetzgebung. Ein solcher Fall ist aus der zweiten 
Apologie Justina bekannt. Eine verheiratete Frau, die 
lange Zeit mit ihrem Gatten die Wege des Lasters ge- 
gangen war, war Christin geworden ; anfänglich wollte sie 
ihren Mann verlassen ; auf Zureden ihrer Verwandten aber 
blieb sie bei ihm, in der Hoffnung, denselben von der 
falschen Bahn abzuziehen. Als aber diese Hoffnung sich 
als Täuschung erwies und sie über ihren Mann gelegentlich 
eines Aufenthaltes desselben in der fjenussstadt Alexandrien 
peinliche Dinge erfuhr, schickte sie ihm den Scheidebrief. 
Der Mann klagte darauf die Frau als Christin an, und 
dieselbe wurde verurteilt.' Die Sendung des Scheidehriefes 
von Seiten der Frau war eine Hpezifisch römische Ein- 
ricbtimg, die sogenannte einseitige Aufkündigung der Khe,' 
an welche sich die Christen in analogen Fällen wohl immer 
gehatten haben. 

Vielfach waren die Christen zu der Ehe mit Heiden 
durch Standesriicksichten gezwungen. Schon von Anfang 
an hatten vornehme Frauen dem Christentum sich in 
grosserer Anzahl angeschlossen als die Männer der höheren 
8tände. Der Grund war wohl nicht allein dao tiefere 
Gemüt des Weibes und dessen innigere Rehgiottität; da» 
Weib hatte auch mit weniger Standes Vorurteilen zu kämpfen, 
die sich dem Manne im öffentUchen Leben aU&berall 
entgegenstellten, und war auch weniger der Gefahr der 
Entdeckung oder der Gefahr, ihre ReÜgion verleugnen zu 
mäflsen, ausgesetzt. Das brachte ein namerischeo Über- 

■ Jnst spol. 11,2 (I', 11*): cfr- &u. hirt, eccl. IV, 25 (293). 
* FestgeleiErt durch Cusan In Jnlim de »dnlteriü; dsltri wireii 

Sewiwe Formalisten TUgcMbriebm: wt niuMe der Sclieidebtief 
nrch ebirti Boten in Gegtawart von nebe« Zeafpea dem •adem 0*tUa 
Sbergehen weHfu. <>ii9tmBtiB ordnete dieM einaeitige Aaftfladignag, 
iBdem er Grande zur KUw^sung fixierte.- vgL dwflbcr änUhit, L e. 

a- 16 B- 



— 98 — 

wiegen des weibliehen Elementes aus vornehmen Ständen 
innerhalb der Christengemeinden mit sieh. Darin lag aber 
für die vornehmen Christinnen eine Schwierigkeit. Das 
römische Recht hielt streng die Standesunterschiede fest, 
und die Ehe einer Freien mit einem Sklaven war null und 
nichtig. Ein Senatusconsultum unter Marc Aurel und 
Commodus hatte weiter erklärt, jede Frau von sena- 
torischem Rang, die einen Mann heirate, der nicht eben- 
falls ihrem Stande angehöre, solle den Rang verüeren und 
ihn nicht ihren Kindern übertragen können.^ Freie oder 
vornehme christliche Frauen, die unter der geringen Zahl 
christHcher Standesgenossen keine Bewerber fanden, mussten 
also unvermählt bleiben oder ihrei^ Rang opfern, oder zu 
einer gemischten Ehe schreiten. Um letzteres zu ver- 
hindern, durchbrach der Papst Callistus die Schranken der 
römischen Ehegesetzgebung. Er erlaubte den freien und 
vornehmen Frauen die Ehe mit einem Sklaven oder Frei- 
gelassenen, d. h. er bezeichnete solche Ehen im Gegensatze 
zum Staate als gültige Ehen. Hippolyt machte seinem 
Gregner Callistus ob dieser Massregel bittere Vorwürfe, 
vielleicht zum Teü berechtigte. Denn der Staat erkannte 
diese in den Augen der Kirche als gültig anerkannten Ehen 
doch nicht als gültig an, und die bürgerlichen Nachteile der 
Illegitimität der Kinder und des Rang- und Vermögens- 
verlustes traten doch ein. Deshalb suchten viele solcher 
christlichen Frauen — und darauf gründet Hippolyt seine 
Anklage gegen den herrlichen ,, Sitten Wächter** Callistus — 
medizinische Mittel für Sterilität und Abtreibung des Kindes ; 
denn sie wollten von einem Sklaven oder einem Manne niederen 
Standes kein Kind haben ob ihres Standes und Vermögens. 

Aber Callistus war doch wohl von einem weiteren 
Gesichtspunkt ausgegangen. Sein Ehegesetz gestaltete nicht 



^ Ulp. Dig. 1, 9, 8. 

* Hippol. phii IX, 12 : xal yuQ xccl yvyai^iy in£TQ£\f^By, et 
ävap^{)ot eleu xal rikixiu ye ixxaloiyro di/n^ia^ yj eavToiy aiiay fxri 
ßovkoiyro xccd-cci(}€ii^ dice zu i/o^LfjLtog ytefn^d-^yai, l/fif*' eVa oy dtr 
atQri<f(outcu Qvyxotzov eiie oLxerrjy^ elre ik€v&€Qoy xal tovtoi/ XQiyeiy 
di/ü dt/d()os ^ui] vofjLM yeyafirj/xsi/rjv (460, 27). 



— 99 — 



nur luauehe bestehenden Konkubinate zu ((üitigen Ehe», 

eru suchte auch den Nachteilen vorzubeugen, welche 
gemischte Ehen vielfach dem ChriBtentum brachten, indem 
sie namentUch den Nachwuchs wieder dem Heidentum ku- 
führten. Zudem musste ja das Christentimi die Religion 
»ein, die keinen Unterschied kenne zwischen dem Freien 
und dem Sklaven. Die von Hippolyt angeführte Wirkung 
mag wohl in manchen Fällen eingetreten sein, lag aber 
dem Ureprung des Gesetzes ganz fem und liesB sich w) 
wenig wie andere Verbrechen verhindern. t)brigenH war 
dies kirchhche Ehegesetz eine kühne Hinwegaetzung über 
das staathche Ehegesetz. Ob es praktisch sich Bahn gebruc^hen 
haben omg? Kamn. DieStandesunterschiedeinderEhegeMtU' 
gebung blielren auch unter den christHchen Kaisern noch 
lange bestehen, und erst Juetiniau hat diettelben iKseitlgt.' 

Die Stellungnahme der Christen zu den heüinijwhcn 
(ierichten erscheint noch in milderem Lichte bei dem Ge- 
danken, dass die Christen sellnt sich unter den JuriKten 
des Forums finden. Der Beruf, die Wahrheit zu ver- 
teidigen, musste für viele etwas Verlockend«) haben. Die 
frappantesten Beispiele dieser Art sind Mitiuciufl Felix, der 
glänzende Anwalt des Christentums, der sciiieii juriKliM'Ji«ii 
Beruf zeitweilig durchblicken lässt. wie wohl auch mrifun 
Freund Octavius dieser Beruf nach Bom gi-führt liniMrti 
mag,* Gregorius Thaumatui^oH nimmt »war wehmütig Ab' 
schied von Origenes und von den Tagen der Freiheit, um 
seinem Berufe, den er auf Anraten Heinee l>etirer>i g^wälilt, 
entgegenzugehen, wo Knechtadiaft. fii^ricliUverlian'iluitgeii, 
Prozesse, dringende Ketiitwrtratiigkiijtnt ihn iTwajIx» ; hXmh 
er hofft auch in dieseai Bemfe, vim dan Ktäitt»;, «Imj 
(Jrigenes in ihn gdegt, Früchtcr bmiizubriiif^eo , w«iut 
auch nicht in voller Reif«, no ii<jch ko gute, aj» (Umu^ 
Beruf €8 ihm ge^tattiet.' Auch 'l'ertultian Ixwiätigt. dJMw 

■ Cbw die GeeetM JiMisiu* v|fl fj<iiuUcr, I, e J|, sa fl. 

< Hin- FeL (.let 2 (4, C t7>. Urt 4Jr ijut V, I UiMwAiu 
Friix nim ignobiJU inter oHndiuu* Uk^j fnit (I, Wt, «; , W/ fjlw. ic 
vir. inJnsU 56 . Hisiuiiu CS*diut»iki HÜ). 

' Gn«. Thuuu iww«. It; 17 Uli««« H.O X, ttA UIK, SHi 
1101,» 



— 100 — 

das Christentum Vertreter auf dem Forum habe.^ Er selbst 
war früher Advokat gewesen, und seine Schriften lassen 
allezeit ein scharfes juristisches Gepräge erkennen. Bei 
seinem Übertritt zum Christentum sagte er freilich der 
juristischen Laufbahn Vale. Und in späteren Jahren spricht 
er mit einer gewissen Genugthuung davon, dass er keine 
Rednerbühne mehr besteige, keine Gerichtsschranken mehr 
anflehe, keinen Rechtssatz mehr verdrehe, keine Prozess- 
reden mehr hinausschreie, kein Urteil mehr falle . . .^ Ver- 
mutüch sind seine Vermögensverhältnisse derart geworden, 
dass er auf seine ehemalige Thätigkeit verzichten kann; 
mit seiner Stellung als Presb3rter vereinigt sie sich ja wohl 
auch nicht, und noch weniger mit seinen veränderten An- 
schauungen, die in diesem Leben überhaupt nur mehr die 
Schattenseiten sehen. Wie sollte auch er, der überall nur 
Götzendienst sieht, und auch über den Eid ein vernichtendes 
Urteil fäUt, nochmals das Forum aufsuchen. 

Die Frage über die Erlaubtheit des Eides fand bei 
den ersten Christen lebhafte Erörterung. Der göttliche 
Meister hatte in der Bergpredigt mit den Worten: „Ihr 
sollt nicht schwören . . . eure Rede soll sein : Ja, ja, nein, 
nein," ^ die Abschaffung jeden Schwures als ein Ideal der 
Menschheit vorgehalten, ein Ideal, das freilich erst erreichbar 
werden wird, wenn auch die übrigen Ideale des in Aus- 
sicht stehenden Gottesreiches, namentlich jene Selbstlosigkeit, 
von welcher der Heiland im Anschluss an den Eid ge- 
sprochen, zur Durchführung gelangt sein werden. Der 
Meister selbst nahm den Schwur des Hohepriesters an,* 
und sein Apostel Paulus gebrauchte ihn zur Versicherung 
der lebendigen Liebe zu den Seinen.^ Jacobus erinnerte 
zwar daran, nicht zu schwören ; allein sein Motiv für die 



^ Tert. apol. 37 : implevimus forum (I, 251). 

* Tert. de pallio 5 : ego nihil foro . . . debeo, nulla rostra 
praeoccupo . . . ,caiicellos non adoro* . . iura non conturbo, causas non 
elatro, non iudico (I, 950). 

» Matth. 5, 33 ff. * Matth. 26, 63 f. 

^ Rom. 1, 9; Phil. 1, 8; cfr. Offb. 10, 6. 



— 101 — 

wahrscheinlich wohlbegründete Verwaraung vor dem Eid 
trgibt sich aus seinem Zusatz: „auf dass ihr nicht ins (.Je- 
richt fallet". Wer viel schwört, sdiwört eben auch leicht 
falsch und zieht sich damit das Gericht Gottes zu.' Darum 
ist es besser gar nicht zu schwören. Dieser Gedanke kehrt 
des öfteren wieder. So erinnern nicht nur Tertullian," 
sondern auch Origenes* und Lactantius* an das Wort 
Christi in der Bergpredigt, Am weitesten in der Ab- 
lehnung des Eides gingen jedenfalls die Gnostiter;^ aber 
es ist fraglich, ob ihr Eidverbot praktische Bedeutung ge- 
wann oder überhaupt allgemein war. Das tägliche Leben 
machte ihn zur Notwendigkeit. Der Fahneneid des Soldaten, 
der Amtseid der Magistrate, der Eid vor dem Gerichtshofe 
bei Kriminal- und Civilprozessen, vor dem Steuerbeamten 
bei Angabe der Vermögens Verhältnisse war längst staats- 
rechtlich geworden und auch bei Gelegenheiten privater 
Natm- vielfach eingebürgert. 

^VaB den Eidschwur den Christen bedenklich erscheinen 
Hess, war der Umstand, dass er bei einer vom Staate an- 
erkannten Gottheit öder hei der Gottheit, die sjÄter alle 
andern verdrängte und höher stand als alle übrigen, beim 
Genius des Kaisers* geleistet werden musste. Tertullian 
wendet sich auch gegen diejenigen, die aus Gewohnheit 
zu sprechen pflegen : Mehercule, Medius Fidius, ohne dabei 
zu denken, dass man doch beim Hercules nicht schwören 
darf.' Dim wird ja sogar die Gabe eines Christen, für die 
der Beschenkte mit der Anrufung des Segens der Götter 

C^ ' Jac 5, 13. ' Tert. de idol. 11 (E. I, 41, 13). 
^V * Orig. exhort. ad raart. T (I, 12). 
^ß * Lact inat. epit. 69 (64) (I, 743, 10), 

° Vgl. die sog. imoXtti : „vor allen Dingen befeUet denjenigen, 
welchen ihr diese Hysterien übergeben werdet, nicht falsch zu 
schwören, noch Überhaupt sn schweren". Bei Schmidt, Untere. Über 
die gnostischen Werke, Test u, Unters. Vm, 1892, S- 522. 

' Tcrt. apol, 28; citiiis denique apud von per omnea deos quiim 
per unum genium CaeBnris peieratnr(I. 229); e£r. Min. Fei, Od, 29; 
eot eis tntins per Jovis genium pcierare quam regis (43, 3). 
' Tert. de idol. 20 (R. I, 54. 20), 




— 102 — 

dankt, zum Götzendienst.^ Übrigens läset Tertiillian hie 
und da ein bedenkliches Lieht auf die Moral mancher 
seiner christlichen Mitbürger fallen. Muss er es doch an 
Christen erleben, Christen, die allerdings wenig natürlichen 
Verstand und noch weniger Gewissen ihr eigen nennen, 
dass sie von ihren heidnischen Mitbürgern Geld entlehnen, 
dabei einen schriftlichen Schuldschein mit Eidesformel aus- 
stellen, und dann am Schlüsse erklären, sie hätten nicht 
geschworen, wobei sie dem Wort Christi: „Man dürfe nicht 
schwören" die Auslegung geben: Man dürfe nur den Eid 
nicht aussprechen : sie hätten keinen Eid gesprochen, sondern 
nur — geschrieben. 

Der Schwur beim Genius des Kaisers war seit Augustus 
in Brauch gekommen. Augustus hatte zu den beiden 
Lares compitales, den alten Gottheiten der Stadtviertel als 
dritte seinen eigenen Genius angefügt,^ und noch zu seiner 
Zeit wurde ein gewisser Rubrius, der bei der Grottheit des 
Kaisers einen Meineid geschworen hatte, in Anklagestand 
versetzt.^ Allgemeine Verbreitung scheint diese Schwurform 
seit Hadrians Zeiten erhalten zu haben. Auch Celsus erhebt 
seine Stimme, die Christen mögen doch den Eid bei dem 
Grenius des Kaisers leisten, dem doch alles gegeben ist 
und von dem man alles in diesem Leben empfängt.* 

Dieser Eid hatte bei den Juden Anstoss erregt und 
musste auch bei den Christen lebhaftem Widerspruche be- 
gegnen. Der Prokonsul Statins Quadratus hält dem angeklagten 
Polycarp gegenüber schhesslich noch als einzige Forderung 
den Eid bei der Tyche des Kaisers fest: aber der christ- 
liche Bischof verweigert ihn mit den Worten : Ich bin ein 
Christ.* Und wenige Jahre darauf erklärt Speratus dem 
Richter, der ihm gegen Leistung dieses Eides Freiheit und 



^ Tert. de idol. 22 (R. I, 55, 23). 

« Vgl. darüber Marquardt, 1. c. ni, 206; 463, A 2. 

* Tac. annal. I, 73 : Rubrio crimini dabatur violatum periurio 
numen Augusti. 

* Bei Orig. c. Geis. Vm, 65; 67 (II, 281, 19; 283, 25). 

* Mart. S. Polyc. 10, 1. 



— 103 



■eben anbietet: Den Genma der Weltherrschaft kenne ich 
Tiicht.* Origenes lehnt in seiner Erwiderung auf Celsus 
einen derartigen Eid voUstänihg ab. Ihm ist die Tyche 
des Menschen entweder ein Dämon, und dann rnuas man 
lieber den Tod wählen als den Schwur bei ihr, ctder sie 
iat ein Ding ohne Sein, und wenn schon der Eid beim 
Himmel und bei der Holle verboten, um wie viel mehr 
bei ihr, und dag zur Verleugnung ! * Ähnlich hatte Tertullian 
den Genius iür einen Dämon erklärt, den man beschwören 
tniisee, damit er den Menschen verläsat, dem man aber 
nicht durch einen Schwur die Ehre der Ciottheit zu teil 
werden lassen dürfe.' 

Im übrigen war Tertullian, der kurze Zeit später vom 
Eid vollständig abriet, in der Schutzachrilt doch ziemlich 
weit entgegengekommen. Er gestattete den Eid beim Heile 
des Kaisers, das doch höher stehe als alle Genien.* Der 
Eid als solcher galt ihm, weiügstens in seiner früheren 
Zeit, als erlaubt, Clemens von Alexandrien, der immer 
die Bedürfnisse des praktischen Lebens berücksichtigt, denkt 
auch gar nicht daran, den Eid zu verbieten, sondern macht 
nur die Prophetenworte zu seinen eigenen: „Liebet nicht 
ialechen Eid."* Und so repräsentiert die Gesamtanschauung 
der Christen über den Eid wohl am beeten das Wort des 
ApoUoniUB, der auf die Forderung, beim Glück des Kaisers 
Commodus zu schwören, ei-widerti Wir sind von unserm 
Herrn angewiesen, überhaupt nicht zu schwören, sondern 
in allen Stücken wahrhaftig zu sein. Denn gewaltiger Eid 
ist schon die auf dem ,,Ja" beruhende Wahrheit, und 
deswegen ist Christen zu schwören unziemlich. Denn von 



' Acta proooDB. SciU. 1 (Rninart 131); Die Echtheit dieser 
Akten wird allgemein anerkannt (Krllger, Geschichte der altchriBt- 
liehen LitteraWr, Freibarg i. B, 1895, S. 239 f.) 

* Orig. c, Cels. Vm, 65 (II, 2S1, 24). 
■ Tert. apol. 32 {I. 23ö). 

* Tert. aiiol. 33 : aed et iuramus, sicut nnu per genios Cacsamm, 
ita [«r BKlntem eonim, qaa,e est an^stior omnibus geaiis (I, 236). 

* Zach. 8, 17; Ciem. Alex, pauii. m, 12 (1, e. 669, 2 t. n.). 



— 104 — 

der Lüge stammt das Misstrauen, und nur ob des Miss- 
trauens ist der Eid da. Willst du aber, dass ich schwöre, 
dass wir den Kaiser ehren und für seine Majestät beten, 
so will ich wohl gerne Wahrheit bezeugend schwören beim 
wirklichen Grotte, der da ist von Ewigkeit her, den nicht 
Menschenhände gemacht, sondern der selbst den Menschen 
über Menschen zur Königsherrschaft geordnet."* 

Spuren der christHchen Ausdrucksweise bei der Ab- 
legung des Eides in heidnischer Zeit lassen sich noch 
lange verfolgen ; nachdem der Kult des Kaisergenius längst 
verschwunden, besteht noch die Sitte zu schwören beim 
Leben und beim Haupte der Kaiser. 

Es ist eines der ergreifendsten Bilder der heiHgen 
Geschichte, jenes Bild, das den Weltenheiland zeigt auf 
der Höhe von Golgatha, wie die Feinde am Fusse des 
Kreuzes toben, immer noch das Wort auf den Lippen : 
„Wir haben ein Gesetz, und nach diesem muss er sterben," 
während er selbst, der gehorsam der Macht sich gebeugt, 
die von oben stammt, leise die Worte spricht : „Vater, ver- 
zeih' ihnen, sie wissen nicht, was sie thun." Dieses Bild 
ist die Geschichte des Christentums in den ersten Jahr- 
hunderten. 

Gehorsam zu sein, auch der feindHchen Macht, hatte 
das Wort und das Beispiel des Meisters gelehrt. Paulus 
hat die Stellung zur Obrigkeit im Römerbrief für. alle Zeiten 
festgelegt. Jedermann unterwerfe sich der obrigkeitHchen 
Gewalt; denn es gibt keine Gewalt ausser von Gott, und 
diejenige, welche besteht, ist von Gott angeordnet; wer 
demnach sich der obrigkeitHchen Gewalt widersetzt, der 
widersetzt sich der Anordnung Gottes: und diejenigen, 
welche sich widersetzen, ziehen sich Verdammnis zu. Denn 
die Obrigkeiten sind nicht den guten Werken, sondern 
den bösen furchtbar; wiUst du die obrigkeithche Gewalt 
nicht fürchten, so thue Gutes, und du wirst von ihr Lob 
erhalten; sie ist Gottes Dienerin dir zum Besten. Wenn 



* Acta Apoll. § 6 bei Klette, Der Prozess und die Akten 
S. Apollonii, Text. u. Unters. XV, 2, 1897, S. 96. 



— 105 — 

du aber BöeeB thust, bü fürchte dich ; denn nicht umsonst 
tragt sie das Schwert; sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin 
zar Bestrafung für den, der Böses thut. Darum ist es 
eine Pflicht, unterthan zu sein, nicht um der Strafe willen, 
sondern auch ima des Gewissens wiUen."- 

Diese Stellungnahme zum Staate, wie sie sich auch 
noch an andern Stellen ausspricht,* musste für alle 
Zeiten roassgebend sein ; aber eine Schwierigkeit bestand 
in dem Einwände, der nahe lag und auch oft genug er- 
hoben wurde: Wenn nun aber die Obrigteit doch den 
Guten gefährlich wird, wenn ihr Urteil ein ungerechtes ist, 
wenn sie das höchste Gut des Menschen, die ReUgion, 
unterdrückt, sollte dann dae Wort des Apostels auch noch 
Geltung beanspruchen dürfen? Der Zwiespalt musste ja 
jedesmal sich zeigen, wenn Fordemngen an die Christen 
herantraten, die mit deren Glaubens- und Gewissen spflichten 
unvereinbar waren. In solchem Falle musste der Gehor- 
sam versagt werden, gemäss dem Worte des Herrn: „Gebet 
dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist," 
und dem andern Worte: ,,Man muss Gott mehr gehorchen 
als den Menschen." Aber der Gedanke an eine Rebellion 
musste auch dann noch ausgeschlossen bleiben ; denn Petrus 
hatte, Pauli Wort ergänzend, gelehrt: „Leidet jemand als 
Christ, so schäme er sich nicht, vielmehr preise er Gott in 
diesem Namen. Freuet euch, dasa ihr mit Christus leidet."' 

Diesen Grundgesetzen gemäss mussten die Christen 
handeln in ihrer Stellung zum Kaiser und den Staats- 
gewalten. Die Gedanken der Apostel : Pflicht des Gehor- 
sams und namentlich auch des Gebetes für die Obrigkeiten* 
kehren immer wieder in den Schriften der alten Zeit. Ein 
solches Gebet findet sich schon bei Clemens Romanus : 
es möge ob seiner ausdrucksvollen Schönheit hier eine 
Stelle finden: „Gib, o Herr, Wohlfahrt und Frieden uns 
und allen Menschen der Erde, wie du ihn gegeben hast 
unsem Vätern, die wir dich fromm anrufen im Glauben 
und in der Wahrheit, die wir unterthan sind deinem all- 
" "^ ; cfr. 1. Petr, 2, 13, U, 




— 106 - 

mächtigen und allgewaltigen Namen und unsem Fürsten 
und Obrigkeiten auf Erden. Du, o Herr, hast in deiner 
wunderbaren und unaussprechlichen Macht ihnen die 
Herrschergewalt gegeben, auf dass wir die durch dich ihnen 
verliehene Hoheit erkennen, uns ihnen unterordnen, und 
in keinem Stücke deinem Willen entgegenhandeln möchten, 
Verleih' ihnen, o Herr, Gesundheit und Frieden, Eintracht 
und Wohlstand, auf dass sie ohne Hindernis die ihnen 
gegebene Herrschaft führen können. Gibst ja du, o Herr, 
König des Himmels in Ewigkeit, den Menschenkindern 
Hoheit, Ehre und Macht über das, was auf Erden ist ; 
lenke auch, o Herr, ihre Ratschläge auf das, was dir gut 
und wohlgefällig ist, damit sie die ihnen gegebene Macht 
in Frieden und Milde gottesfürchtig gebrauchen und so 
deine Huld erlangen.^ 

Fast alle Apologeten kennzeichnen in irgend einer 
Weise ihre Stellungnahme zum Kaiser und zur Obrigkeit 
überhaupt, so Justin,* Polykarp,' Tatian,* Theophüus,^ 
Athenagoras,^ Apollonius,' Minucius Felix,® Tertullian, 
Hippolyt,^ Origenes. 



' 1. Clem. ad Cot. 60, 4; 61. 

' Just. apol. I, 17 : o&ey d-tov fiey fiovov n^oaxvyovfiey, vfiiy 
dt TiQog TU äXXa ^cdQovteg v7iri()6TovfX€i^^ ßaaiXslg xal aq^^vtag ay^Q(6- 
7i(t)t^ ojuoXoyovyreg xui sv^of^^yoc fxetu rrjg ßaaikcxfjg dvpdfiewg xal 
au)(p(}opa Tuy Xoyiafnoy B^oi/rag i\uag €VQ6&rjyai etc. (I*, 54). 

' Polyc. ad Phil. 12, 3: nQoaevxea&e xal vneQ ßaaiXdayy xal 
tiovaiüjt^ xal d(})^6i/T(t)i/ xal Ineg T(üi/ dcojxoytcoy xal fiiaovyztay vfiäg. 
cfr. mart. Polyc. 10, 2. 

* Tat. or. ad Graec. 4: nQüaidtTst (po^ovg teXety 6 ßaciXevg ; 
LToifAog TiaQS/ety. dovXeveiy o deanoxi^g xal vnrjqeteLy', Trjy dovXeiay 
ycyojaxtoy (18). 

^ Theophil. ad Aut. I, 11 : toiyafjovy fidXXoy Tif/.i^a(o toy ßaaiXsa 
ov TiQoaxvywy avxco^ aXXce €v/6fi6yog V7i€() avrov, 

* Athen, suppl. 37 : tlyeg yag xal dixaioTe^oi <hy dioyrai tvx^ty, 
ri oixLvtg ne^l fjLey vfjg d^X^^ ^^^ v/Liets^ag ev^ofieS-a^ tya nalg fiey 
TiatQog xata to dixaioraroy diadexrjo&e trjy ßaaiXeiay^ av^rjy de xal tni- 
doaiy xal fi dqxh ^/t*^*', ndyrcjy v7ioxBi(JL(i)y yiyofxeycoy^ Xafißdyjrj ; (184). 

^ Act. Apoll. § 6. § 9 (griech. Rec.) Klette 96. 

® Min. Fei. Oct. 29, 5 : etiam principibus et regibus, non nt 
magnis et electis yiris, sicut fas est, sed ut deis adnlatio falsa 
l.landitur. « Hipp, elg Javtr^K IH, 23 (164 ff.). Gebet für die Re- 



I 



— 107 — 

Beeonrleres Interesse verdienen die Äusaerungen Ter- 
Mächtiger als jemals tauchte damals der Versuch 
das Verbrechen der maiestae laesa auch auf die Ver- 
ägenmg der Kaiseradoration auszudehnen, ein juristiBcher 
''ersuch, der hei dem absolutistiachen Gfeiate dea ersten 
iverus nameutUch in den Provinzen, welche den Kaiser- 
[t ohnehin grossgezogen hatten, leicht gehngen konnte. 
Diesem Versuche tritt der Jurist Tertullian lebhaft ent- 
gegen und zeichnet damit zugleich seine Anschauungen 
über das Verhältnis der Christen zum Kaiser, Sein Gie- 
dankengang ist etwa folgender : ^ 

Nachdem er die erste Anklage, mit der für die Christen 
der Vorwurf der maiestas laesa begründet wui-de, die Ver- 
weigerung der Verehrung der Götter, entkräftet, geht er 
über zu dem zweiten Anklagepunkt der maiestas, nämlich 
Verweigerung des Kaiserkultus. Tertullian gesteht, dass 
Ton oben herab auf die Unterbehörden ein Druck in dieser 
Beziehung geübt wird. Die wahre Loyalität, sagt er, die 
doch durch das Majestätsgesetz gepflegt und gehütet werden 
,,«oll, besteht nicht in der Verehrung des Genius des Kaisers. 
Denn diese Dämonen können sich ja selbst nicht schützen, 
sind vielmehr vom Kaiser abhängig r von des Kaisers 
Bergwerken werden ihre Statuen bezogen, von des Kaisera 
Wink und Willen hängt das Bestehen ihrer Tempel ab. 
Die Christen beten für die Kaiser zum wahren, ewigen, 
lebendigen Gott ; dieser hat ihnen die Macht, die Mensch 
heit. die Seele gegeben ; seiner Macht unterstehen sie allein, 
und nach Gott sind die Kaiser die ersten. Und so er- 
flehen die Christen für die Kaiser mit unschuldvollen Händen , 
mit entblöBBtem Haupt, ohne Mahnung von oben ein langes 
Leben, eine ungefährdete Herrschaft, ein sicherea Haus, ein 
tapferes Heer, einen treuen Senat, ein eichenes Volk, Kr- 
föUung all seiner eigenen Wünsche; und dies Gebet der 

inerang auch test, dom. L, XXSV: pro imperio auppliceniiiB, nt 
dominus ipsi pacem concedat. pro principatibus exralaioribus auppli- 
cemos, ut domiuuij det eis intellegentiaiu et timorem ani (Ralimani 
a «7). 

' Tert, apol. 28—36 (t, 229 ff.). 




— 108 — 

Christen wird nicht verstummen, wenn auch das Folter- 
werkzeug der Krallen seine Merkmale in ihren Körper 
gräbt, das Kreuz sie in die Höhe zieht, die Feuersglut sie 
umleckt, das Schwert ihr Haupt vom Körper trennt, die 
Bestie wild auf sie springt. 

Es ist dies nicht, wie man vielleicht urteilen möchte, 
leere Schmeichelei, die jetzt gesprochen wird, um der Strafe 
zu entgehen. Nein, in den heiligen Büchern der Christen 
selbst steht's geschrieben: Betet für die Könige und die 
Fürsten und die Grewalthaber, damit ihr ein ruhiges Leben 
führen könnt. 

Ja, die Christen haben eigentUch das Recht zu sagen : 
Unser ist der Kaiser ; denn von unserm Gott ist er eingesetzt. 
Sie können ihn zwar nicht Gott nennen, aber ist nicht 
auch der Name „Kaiser" ein gewaltiger Name? Wenn er 
Gott ist, ist er ohnehin nicht Kaiser. Warum würde denn 
beim Triumphzug ihm zugerufen: Schau' rückwärts und 
denk' daran, dass du ein Mensch bist. 

Augustus, der Schöpfer des Kaiserreiches, woUte sich 
nicht einmal „Herr" nennen lassen; aber diesen Titel ge- 
stehen die Christen dem Kaiser gerne zu, freilich nicht im 
Sinne von Gott. Schöner wäre noch die Bezeichnung 
„Vater". 

Die^ Staatsgefährlichkeit der Christen soll sich auch 
darin zeigen, dass dieselben dem Kaiser diese thörichten, 
in Wirklichkeit verlogenen und geradezu frevelhaften Ehren- 
bezeugungen versagen, und an seinen FesÜichkeiten sich 
nicht beteiligen. Als ob darin die Loyalität bestünde ! An 
K^isertagen halte man Gelage, die man an einem andern 
Tage unpassend finde. Die Teilnahme an denselben habe 
aber nur den Zweck, sich zu vergnügen. Diese mit Lorbeer- 
kränzen umwundenen Thürpfosten, die im hellen Lichter- 
glanz erstrahlenden Fenster machen den Eindruck eines 
neuen Bordells. Und wie sieht es mit der wahren Loyalität 
aus? Unwillkürlich tauchen dem Verfasser Erinnerungen 
auf, die von nichts weniger als Loyalität zeugen. Diese 
beständigen Verschwörungen im Senat, im Ritterstand, im 
Heere, am Hofe — sind sie vielleicht von Christen aus- 



— 109 — 

_ ägangen ? Sind die Anhänger der Aufrühi-er Avidius 
Cassius, Niger, Albinus etwa Christen gewesen? Oder 
waren es Christen, die zwifichen den Lorbeerbämnen am 
Haie des Caesars (Commodus) ihre Ringkunst probiert? 
Oder waren es Christen, die mit dem Schwert in der 
Hand in den Palaat (des Pertinax) gestürmt, kühner noch 
als dereinst (Domitians Mörder) Sigerius und Parthenius? 
Das ist rönuBche Loyalität! Ihnen, den Christen, verbiete 
es die Oerechtis;keit, Böses zu wollen. Böses zu thun, Böses 
zu sagen, ja Böses zu denken. Und was ihnen keinem 
gegenüber gestattet ist, das ist doch am allerwenigsten dem 
Kaiser gegenüber gestattet, den Gott zu solcher Würde 
erhoben. 

Die Wärme, die manchmal durch das Apologeticum 
zieht, mag teils künatUch erzeugt sein durch die Adresse, 
an die sieh die Schrift richtet, teils auch erklärbar sein 
durch die frühe Abfassungszeit ; das Missglücken des Apolo- 
geticums mag dieselbe wohl bedenklich abgekühlt haben. 
Allein in der Aussprache dieser Grundsätze istTertuUian auch 
in fi|w,terer Zeit zuweilen noch derselbe ; wenigstens durch- 
ziehen eines seiner letzten Werke, die Schrift ad Scapulam. 
noch ähnliche Gedanken wie jenes erate. 

Im allgemeinen sind diese Grundsätze auch die herr- 
schenden geblieben; selbst in dioklettaniseher Zeit betet 
der Märtyrer Paulus noch sterbend für den Richter, der 
ihn verurteilt, und für die Fürsten der Erde.' 

Nicht als ob nicht auch schroffere Stimmen zur Gel- 
tung gekommen waren. Tatians Treueversicherung hatte 
doch etwas resigniert geklungen ;* Irenaeus hatte mit einer 
leisen Spitze auf den Widerspruch in Wort und That der 
Christen hingewiesen, die den IsraeUten Vorwüi-fe machten, 
daBS sie beim Auszug aus Ägypten ungeprägtes Gold und 
Silber, die Frucht ihrer eigenen Arbeit, mitgenommen, 
ihrerseite aber Gold und Silber, von fremder Hand geprägt, 
mit des Kaisers Bild und Überschrift versehen, in ihren 



— 110 — 

Gürteln trügen.^ Origenes, der ofEen den 'r3n:annenmord 
für erlaubt, ja gut erklärt,^ lehnt ein andermal das Ein- 
gehen auf die V^erehrung der Kaiser und der Fürsten ab 
mit dem Hinweis darauf, was die tagtägliche Erfahrung 
und die Geschichte lehrten;^ man brauche sich nur zu 
erinnern, wie viele grausam und tjnrannisch regiert hätten und 
gerade durch ihre Herrschaft zur WeichHchkeit und Schwel- 
gerei verleitet worden seien.* Der Konunentar zum Römer- 
briefe gibt ihm Anlass, auszuführen, dass es neben den 
guten Obrigkeiten auch schlechte gebe ; ihnen droht er mit 
der Strafe Gottes. Das Prinzip der Christen ihren Ge- 
setzen gegenüber müsöe bleiben: Man muss Gott mehr 
gehorchen als den Menschen. Doch rät er auch in diesem 
Fall zur Duldung, nicht zum Widerstand ; denn sonst würde 
ja der Christ nicht seines Glaubens, sondern seines Un- 
gehorsams wegen verfolgt.^ 

Zu der Stunde, da Origenes solche Erwä^ngen an- 
stellt, sind derartige Rückblicke auf ältere und jüngere 
Zeiten, wie auf die Regierungszeit des Maximinus Thrax, 
ganz ungefährüch. Philippus Arabs treffen solche Vor- 
würfe nicht. Und es ist wohl durchaus aufrichtig gemeint, 
wenn Origenes am Schlüsse seiner Schrift gegen Celsus den 
Kaiser des Gebetes der Christen versichert.^ 

Aber für gewöhnlich Hessen die Kaiser es eben nicht 
beim Gebete für sich genügen, sie verlangten die Anbetung. 

Der Kaiserkult^ verdankt seine Entstehung dem Zu- 
sammentreffen zweier Momente. Es war römische An- 



* Iren. adv. haer. IV, 46, 2 (249). 

* Orig. C. Geis. I, 1 : MOne^ y^Qt *^^ vnkq rov tvQccyyoy tiqoacc- 
ßoyrce r« x^g noXeojg ai/eXeli^ avyd-^xag tti/kg XQvßdi^y inoiovyTo^ 
xaXüig cc y inolov y ovt(o &}} xccl Xfjtatucyol^ tVQayyovytog rov 
naq^ avzotg xakov(j,eyov diaßoXov xcel rov \p€v&ovg, avy&i^xccg noiovytai 
naott ta yeyo/xtafxeya (I, 56, 17). 

» Orig. e. Cds VIII, 63 (II, 279, 25). 

* Orig. c. Geis. Vni, 65 (H, 281, 15). 

* Orig. comm. in. ep. ad Rom. IX, 26 ; 27 : 29 (Migne, S. G. XIV, 
col. 1227, 1229). 

ö Orig. c. Gels. Vm, 73 (H, 291, 13). 

^ Vgl. über d. Kaiserkult : Boissier, la religion Romaine d' Auguste 
aux Antonius, Paris 1874. 1, 121—208; Hirschfeld, Zur Geschichte des 



111 — 






echauung, daes über dem Leben eincB einzelnen Menschen 
ein Schutegott walt«t«, der ihn ins lieben einführte, ihn 
durch dasselbe schützend geleitete, und selbst nach dem 
Tode des Menschen als Lar fortlebte. Und wie jaier ein- 
zelne Mensch, ho hatte auch jedes Haus seinen Genius, 
der mit dem Lar identisch war, und nicht minder der 
Staat. Der Geburtetag war der Erinnerungstag an den 
Empfang des Genius. Nach der Schlacht bei Aktium liesB 
Augustua den beiden Lares compitales im öfEentlichen Kulte 
den geiiius Augusti, d. h. den Genius seines Hauses, das 
den Vaterlandsfeind besiegt, zur Verehrung anfügen,^ eine 
Verehrung, die bald darauf durch ein Senats consultum auch 
in den häusUcben Gottesdienst der Römer überging.* Die 
Erklärung lag nahe und fand ihren Ausdruck durch einen 
Akt, den der Augustus im Jahre 12 v. Chr. bei Gelegenheit 
der Annahme der Pontifexniaximus würde vornahm : er 
weihte in seinem Palaste auf dem Palatin ein neues 
Heiligtum der Vesta; Das Herdfeuer seines Hauses ver- 
mischte sich mit dem Herdfeuer des Staates : von nun an 
sollte — das war die Bedeutung — das Geschick seines 
Hauses verknüpft sein mit dem Geschicke des Staates, und 
ilarmn sein Schutzgeist dieselbe Verehi-ung beanspruchen 
dürfen wie die Schutzgötter des Staates. Darauf beschränkte 
sieb aber auch im wesentlichen der Kaiserkult in Rom, wenig- 
stens vorläufig. Mehr war in Rom seibat, das noch kaum ein 
paar Jahrzehnte vorher von den Rufen nach Freiheit wider- 
hallte und das Blut des Mörders der Freiheit fliessen ge- 
aeheii, nicht zu verlangen. Dass es freiüch auch in Rom 
le gab, deren Byzantinismus die Stellung, die sich der 



rkoltUB in i- S.-B. d, Berl. Akad. 1888, 8. 833— Ö82: Beurlier, I,.i 
nilte dcB empereors, 1891 ; Keim, Rom uad daa Christentum S, 288 ff. ;. 
NeatDAnD, 1. c. S. G ff . ; Cumont, 1. c. S. 4:Jfi ff, : Marqnardt, 1. e. III, 463 ff 
Kornemann.Beilrfige zur allen Geschichte. 1. Leipzig 1901,S.51— 14i.i. 

' Orid, fast. V, 14!) ; mille Lares gcniumque dncis qui tradidit 
illoa l'rbs haltet et vici namina trina colimt; Tgl. Harqaardt, 1. c. III, 
a06, A. 2. 

* Dio Cus LI, 19, 7: xai if loTc avaaniats nu/ oii rah xotnoTi, 
allu xai teU ISion nii^ag aiim «niniuy ixeXtvMi/. Ctr. Marqnardt, 
I. c. m, 127, 




Sieger von Aktium durch die Annahme dL« Titels Augustus 
gegeben, nicht genügte, und ihn selbst mit dem Prädikate 
divus umkleideten, war natürlich, aber die offizielle Ver- 
götterung des lebenden Kaisers selbst hätte noch nicht 
überall Verständnis gefunden. Anders 1^ ja die Sache 
beim toten Kaiser. Schon JuHus Caesar war durch Senats- 
beschluss als divus Julius unter die Götter versetzt worden, 
und bald war es Gewohnheit, wenigstens die guten und 
beliebten Kaiser nach ihrem Tode zu konsekrieren. Die 
Konsekration erfolgte durcii Senatsbeschlnas,^ durch sie 
wird der tote Kaiser zum Gotte, und eine reiche, mannig- 
faltige Verehrung mit eigenen Tempeln, eigenen Priestern, 
eigenen Spielen umschloss seinen Kult. Freilich war die Ver- 
ehrung des verstorbenen Kaisers vielfach von der Stimmung 
des regierenden Kaisers gegen seinen Vorgänger abhängig. 
Weiter gingen die Provinzen. Bei ihnen machte sich 
das andere Moment geltend, das orientalische, das auch 
den lebenden Regenten als Gott bezeichnete. Diese Auf- 
fassung übertrug sich naturgemäas alsbald auf die Herrscher 
der Erde, die Kaiser Roma. Für den Kai.'^er war diese 
religiöse Idee zugleich ein pohtisches Mittel, die Provinzen 
zu einigen und mit dem Reiche zu verknüpfen, und zwar 
tritt dies sowohl in den orientalischen Provinzen als auch 
in denen des Oceidentes hervor. So erwuchs der Kaiser- 
kult namentlich in Spanien ; sein Entetehen zeigt sich zuerst 
in dortigen römischen Gmndungen. Noch zu Lebzeiten 
des Augustus stand in Taraco schon ein Altar des Kaisera ;' 
nach seinem Tode gestattete Tiberius den Angehörigen 
dieser Provinz einen Tempel zu bauen,'' und seitdem trat 
alljährlich in Taraco ein concihura provinciae Taraconensis, 
ein Provinziallandtag zusammen, der den Kaiserkult pflegte, 



' Plut. Caeä. 67. ■ 

' Tert. apol, 5 : vetas erat decretum, iie qui lieiis ab imperator»-^ 
conBeeraretor, niai a senatn pTübatua (I, 130). ' 1 

' Mariinarrtt, 1. c. I, 358. 

* Tac annal. 1, 78 : temjilum ut ia colonia Taraconenai atroeretar 
August«, petentibns Hiapania pennisaum datamqne in omnea pro- 
viooias exenplani. 




J 



113 



e Opfer und Spiele ausschrieb, dem Tempel einen curatör 
und einen flamen gab, dafür aber auch als Lohn vom 
Kaiser gewisse Rechte in der Verwaltung zugestanden er- 
hielt. Fast zur selben Zeit verpflanzte sich diese Ein- 
richtuDg auch nach Hispania Narboneueis, im Jahre 19 
findet sie sich auch in der Provinz Asien und geht dann 
auf die meisten Provinzen über.'- Eine Missachtung des 
Kaiserkultus wurde in Rom sehr missMlhg bemerkt, und 
die Stadt Cycicus verlor deshalb die Selbständigkeit.^ 
Selbst an den Ufern des Rheins in der civitas Ubiorum 
stand ein Cheruskerprieater an der ara Augusti . - .' 

Mit der Zeit bürgerte sich der Kult des lebenden 
Kaisers auch in Rom ein. Schon Gajus Caligula forderte 
seinen Kult gebieterisch, und Domitian nannte sich in seinen 
Öffentlichen Erlassen : „Herr und Gott".'' Von da an tritt 
auch das Pmdikat ,.ewig" für den kaiserlichen Herrn in 
der offiziellen Sprache auf. Trajan verzichtete in seiner 
edlen Weise auf die Tempel,''' aber Plinius spricht ihm doch 
das Prädikat der Ewigkeit zu" und lässt die Christen sein 
Bild verehren wie ein Götterbild.' Hadrian stellte im 
Tempel des Juppiler in Athen sein Bild auf.* Marc Aure! 
lieRs sich bei Lebzeiten mit seiner Gattin Faustina göttlich 
verehren.* Unterdessen war der Kaiserkult langst der Kult 
geworden, der alle andern in sich scbloss. Der Glanz der 
^ pötter war vor dem Glanz des Kaisera erblasst,'" In seinem 
fxdt lag die pohtische und religiöse Einigung der Völker. 



' Über diese Landtage siehe Maiqaordt, 1, c. I, 503. 

* Tao, aaasl. IV, 36 : obieeta pnblit« Cjaiensis ineuria caeri- 
moniarum divi Angosti ... et amisere libertatem. 

* Tfiu. bhobI. I, 57: addiderat Segestes legatis fllium nomine 
Segimundnin ; aed iiivcnia (lanscientia ciiuctnbatnr, qnippe anno, qno 
Qermaniae desciverc, sacerdos apud nrani Ubionim creatns raperat 

I, piofngnB ad rebeiles. 

* Plin. paneg, H ; Suet. Dom. 13. 

* Plin. paneg. 52. 

* Plin. ep, ad Traj. 69; 83: per saintem tuaiu aetemitatemque. 
' Plin. op. X, 96, 

* Dio C«8S. LXIX, 10. 
" Dio CasH. LXE, 10^ 11 

* Min. Fei. Ocl. 29 (43, 4); Tert, apol. 28 (I, 228), 

gelmilr, BeMUlguDg d. ChniX. ua OITciiU. Lebou. g 




— 114 — 

An und für sich war derselbe auch nicht anpopulär. 
Namentlich liaB Heer hatte ihn mit Begeisterung aufge- 
nommen.' Im folgenden Jahrhundert wurde er zum Ge- 
meingut, wenn auch einzelne Kaiser, wie Alesander Sevenie, 
Philipptie Arabs und andere ihn nicht sb«nge forderten. 
Am weitesten i?t wohl Diocletian gegangen, der nicht nur 
sich selbst Jovier und seinen Mitregenten den Herculier 
nannte, nicht nur sein Bild neben denen der Götter auf- 
stellte, sondern von allen, die seinem Thron sich nahten, 
anbetendes Niederknien forderte.^ 

Gerne wurde, wie schon angedeutet, die Verweigerung 
des Kaiserkultes als Majeslätaverbrecben gefasst. Das war 
schon die Intention des Tiberius gewesen,' und dies Be- 
streben tritt namentlich in tertulliaaischer Zeit hervor. 

Zwei Religionen standen dem Kaiserknltus gleich ab- 
lehnend gegenüber, die Jüdische und die christliche. Doch 
ist den Juden gegenüber ein Zwang nur einmal ausgeübt 
worden unter Kaiser Caligula; bereits sein Nachfolger 
Claudias hob denselben wieder atif.* Die Juden schützte 
ihr alter Kecbtszustaud. Anders bei den Christen ; für sie 
war der Kaiserkult eine Klippe, an der sie scheitern mussten. 
Meist hätte das Verbrechen, dessen sie bezichtigt worden, 
gesühnt werden können durch das Kaiseropfer, das sie 
verweigern mussten. Selbst zu der Zeit, als bereits der 
politische Verdacht über ihnen schwebte, hätte das Opfer 
sie entlasten können. Aber die Ablehnung bleibt — mit 
Ausnahme vielleicht mancher gnostischen Kreise — - eine 
gleich entschiedene, von den T^en an, da Johannes dem 
Engel der Gemeinde iji Pergamum, einem Hauptaitz klein- 
asiatischer Kaiserverehrung, schreibt: ,,Ich weiss, wo dn 

' Vgl, darflbcr Doioascewski, Die Eeligion des röni. Heeres, in 
..Westdeutsche Zeitschr. f. Geschichte" 1895. S. 27 ff. 

' Enlrop. IS, 2G; Ämm. Marc, XV, 5, 18. 

* Hin. Paneg. 11 ; dicavit caelo Tiberius AiigTistimi, sed ut 
maieatati« crimen indneereL Thrasea Paetus, der nicht an die 
Gottheit, der PoppaeA glanben will, des Majestätsverhrechens an- 
geklagt: Tac. annal, XVI, 22. 



* Jos. antt. XIX, 5, 2, 3; vgl. Schürer, 1. c, m, 74. 




d 



— 115 — 

wohnst, dort wo der Sita des Satans ist, und du hältat 
an meinem Namen und hast meinen Glauben nicht ver- 
leugnet"' — bis zu den Tagen, da das diokletianische Edikt: 
„Wer nicht opfert, ist dem Tode verfallen" die Ära mar- 
tymm zeitigt. Die Spraehe iBt dabei scharf und kühn. 

Um 80 eigentümhcher scheinen drei Canones des im 
Jahre 300 in Elvira in Spanien stattgehabten Konzils^ zu 
berühren. Dieselben beschäftigen sich mit Christen, welche 
den Dienst der Flamines, der Priester des Kaiserkultes, 
versehen. 

Der zweite Canon' dieses Konzils verweigert den 
Ftamines, welche nach der Taufe wieder geopfert haben, 
oder dies Verbrechen noch verdoppelt haben durch Men- 
schenmord, oder es gar verdreifacht haben durch Unsitt- 
lichkeiten, die damit im Zusammenhang zu stehen pflegen, 
(scemsche Spiele) die Kommunion auch beim Sterben. 

Der dritte Canon* aber gestattet denjenigen Flaminep, 
welche nicht geopfert haben, wohl aber wieder Spiele ge- 

■ Offb. 2,13:cfr. 13,15. 

' Vgl, Duchesne, Le eoncUe d'Elvire et les flamines chretiens 
in llelanges Eenier 1807, S. 159 If- 

' Can. 2 : flamines, qui post fldem lavacri et regcneratioms 
sacrificavenmt, eo yuod geminBTerint scelera accedente bumicidiü 
vel tritilicftTerint facimiii coliaeFente moechia, placuit eos nee in fincm 
accipcre commaniDnem (1, 156). — Bat Lesart: . . . qui sa,crifica- 
vemiit, eo qnod gemiDavcrint scelera etc., wie sie Hefele uad 
auch Lanchert (Die Cauones der wichtigstfin altkirohlichen Konzilien 
nebst den apostol. Canones, Preib. i. B. und Leipzig 1896, 8. 13) 
gewählt, dürfte wohl die andere vorzuziehen fiein, die sich in der 
Edition in der Tüb, TheoL Qnart.-Schr. 1821, IH. S, 5 findet; qui 
aacrificaverint vel geminaverint vel triplicaverint. Die Strafe 
trifft drei Klassen; diejenigen, welche nach der Taufe von nenem ge- 
opfert, diejenigen, welche dieses Verbrechen noch verdoppelt durch 
Menwhenmord (Spiele), und diejenigen, welche ea verdreifacht durch 
Henschenmord (Spiele) und die mit den Spielen im Zusammenhang 
stehende Dnaittliehkeit. 

* Can. 3; item äamtnes, qui non immolaverint, sed munus 
tantum dederint, eo quod sc a ftinestis abatinuerint sacriflciis, 
placuit in änem eis pra«stare communiunem acta tarnen legitima 
poenitentia. item ipsi si poat poenitentiam fuerint mocchati, placuit 
alterina bis nun esse dandam communioneni, oe illosisse de dominica 
3 videantiir (1, 156). 



h 



I 



J 



— 116 — 

geben haben, deshalb, weil sie sich der Götzenopfer ent- ■ 
hielten, auf dem Todbette die Kommunion, jedoch nur, 
wenn die geeetzmässige Busse verrichtet worden. Haben 
dieselben jedoch nach der Busse wieder durch Unsittlich- 
keit sich versündigt, so solle ihnen die Kommunion ver- 
sagt bleiben, damit es nicht den Anschein gewinne, als 
treibe man mit der Gemeinschaft des Herrn Spott. 

Diejenigen Flamines aber, so bestimmt der vierte 
Canon,' welche, Katechumenen geworden, sich der Opfer 
enthalten haben, sollen nach Verlauf von drei Jahren zur 
Taufe zugelassen werden. 

Auch der fünfundfünfzigste Canon ^ ist auf die Fla- 
mines zu beziehen. Er lautet: Priester, die nur Krame 
tragen, aber nicht opfern, und auch von ihrem Vermögen 
nichts dazu beisteuern, erhalten nach zwei Jahren wiec' 
die Kommunion. 

Die Bedeutung dieser Canones wird klar durch ein 
Blick auf das Flaminat. ' 

Wie oben bemerkt, überflügelten die Provinzen die 
Hauptstadt Kom im Elfer für die Anl>etung des Kmsen. 
In griechischen Ländern hatte früher schon die Sitte be- 
standen, dasB sich stammverwandte Kommunen zu retigiösen 
und politischen Zwecken zusammenschlössen. Die lEönter 
hatten bei der Ero!>erung der lünder derartige Verbin- 
dungen unterdrückt, später aber diese Einrichtung wieder 
aufgegrifien, neu organisiert und fast in allen Provinzen 
eingeführt. Daraus erwuchsen jene Provinziallandtage, die 
ihren Mittelpunkt im Kaiserknltus fanden. Sie bildeten 
eine Festgeuieinschaft, die sich alljährlich bei dem Heiligtum 
des Kaisers in irgend einer der Städte, die solches beeassen, 
sammelte und neben oder nach politischer Arbeit (>pCer 
und Spiele zu Ehren des Kaisers feierte. Diese Fr**"- ' 



' Caa. 4: item flftmines, si foerint cattwhnnieni 
Gciia abatinnerint, post triennii tcmiHim placait ad bftplisiniitii ailniilfi 
debero (1, 1d61 

' Can. :')&: aacerdotes, igui t&ntnm Coronas portaut, nee snrri 
ficant, nee de suis sumptibiu aliquid ad idola jiraestant, puBt bifnniuBi 
Hmpere commnnioneni (1, 179). 



Iß 



l 




— 117 — 

Gemeinschaft stand unter dem Vorsitz eines Priesters, der 
in verschiedenen Provinzen verschiedene Namen führte. 
Er wurde alljährlich von der Festgemeinschaft gewählt, 
musste reich imd angesehen sein, entweder in seiner Stadt 
sämtliche Ämter bekleidet haben oder dem römischen Ritter- 
stande angehören. Sein Amt war einjährig, allein sein 
Titel verblieb ihm, und diese ehemaligen Oberpriester 
bildeten einen angesehenen Stand in den Proyinzstädten, 
besassen persönliche Immunität und wurden häufig mit 
Gresandtschaften an den ICaiser beauftragt. Solch ehemalige 
Oberpriester sind wohl auch die Asiarchen in Ephesus, 
mit denen Paulus freundschaftUche Beziehungen unterhält.^ 
Ausser diesem Oberpriester der Provinz gab es noch ver- 
schiedene andere Kaiserpriester in den einzelnen Städten. 

So waren die Verhältnisse auch in Spanien, und mit 
ihnen rechnen die Canones des Konzils. Die Priester hiessen 
dort Flamines und ihr Amt bestand zunächst im Darbringen 
der Opfer und in der Veranstaltung von Spielen, deren 
Kosten sie zu tragen hatten. Der Reiz dieser veranstalteten 
Festlichkeiten beruhte an und für sich schon weniger im 
Opfer, als vielmehr in den gleichzeitig stattfindenden Spielen, 
Wagenrennen, Gladiatorenkämpfen, Theatern. Mit der Zeit 
trat der reügiöse Gedanke noch mehr zurück, aber die 
andern Festlichkeiten blieben ; selbst die christliche Kaiser- 
zeit wagte vorerst an diesem beliebten Volksvergnügen nicht 
zu rütteln. 

Konnte aber das Opfer wegfallen oder lungangen 
werden, so fiel schon ein Hauptgrund eines christlichen 
Verbotes der Bekleidung des Flaminats weg. Freilich 
standen auch die Spiele gar wenig im Einklang mit christ- 
licher Anschauung: die Gladiatorenkämpfe waren vom 
Christentiun seit langer Zeit als „Menschenmord" betrachtet 
worden und die scenischen Spiele verdienten das Prädikat 
,, unsittlich" meist in vollem Grade. Aber abgesehen davon, 
daes sich diese Spiele auch anders gestalten üessen, konnten 
die Flamines statt der Spiele dem Volke in gemeinnützigen 

* Apg. 19, 31. Vgl. dagegen Brandis bei Pauly-Wissowa, Real- 
encyclopädie der klassischen Altertumswissenschaft II. B. S. 1567 f. 



Veranetaltungen einen Ersatz bieten, etwa durch Verteilung 
von Geld, Abhalten von Mahlzeiten, Anlegung von Strassen, 
Bauten, Brücken u. e. W. 

Damm verbietet auch die Synode von Eivira das 
Flaminat als solches nicht, was man zunächst erwarten 
sollte. Hatte aber ein christhcher Flamen nach der Taufe 
wieder geopfert und dazu noch Spiele gefeiert, so war er 
nach den Beatinimungen des zweiten Canons für immer 
von der Kirche ausgeBchlossen. Hatte er das Opfer unter- 
lassen, dagegen Spiele gegeben, so mueste er Busse thun, 
und wurde dann wieder in die Kirchen gemeinschaft auf- 
genomnaeu ; bei einem abermaligen Rückfall nach der Busse 
blieb ihm die Kommunion für immer versagt. Dieses 
— immerhin strenge — Vorgehen war bei einem Katechu- 
menus schon deshalb nicht möglich, weil er noch nicht 
in die Kirche aufgenommen war. Für ihn wurde deshalb 
keine weitere Strafe festgesetzt und damit jeder Einwand 
gegen seine Aufnahme abgeschnitten. Der fiinfundfünfzigste 
Canon will auch die Beteiligung an der heidnischen Sitte 
des Kranztragens ausschliessen. 

Ein ^nzliches Untersagen des Flaminats schien weder 
geboten noch geraten. Die Flamines waren einflussreiche 
Persönhchkeiten, deren die Kirche in jener Zeit noch sehr 
bedurfte, Dass das iUiberische Konzil der Frage mehrere 
Canonea widmete, beweist hinlänghch, daes dieselbe akut 
geworden war, \'ielleicht schon bestimmte Fälle ihrer Er- 
örterung harrten. 

Übrigens hat, wie gesagt, das Institut der Flamines 
auch noch in christlicher Zeit — mit Wegfall des ehe- 
maligen Opfers — fortbestanden. Noch ein Brief des 
Papstes Innocenz vom Jahre 400 verweigerte denen die 
AufEiahme in den Klerus, welche nach der Taufe noch 
bei den Götterfestiichkeiten sich mit Kränzen geschmückt 
oder ein sogenanntes Priesteramt bekleidet oder öffentliche 
Spiele gegeben . .' Sirä,t«r ward der Titel flamen ein Ehren- 
titel und erbte sich als solcher in der Familie fort. So sind 



' Innooeatii Papae ep. bei Earduin I, lOäO. 




d 



— 119 — 

ivohl die christlichen Inschriften aufzufassen, die noch von 
christlichen Flamines des fünften und sechsten Jahrhunderts 
berichten.^ 

Eine Verweigerung des Kaiserkultes konnte natürhch 
nur auffällig werden, wenn derselbe ausdrücklich gefordert 
war, in Zeiten der Verfolgung oder bei gewissen Amtsver- 
richtungen u. s. w. Von manchen Kaisern wurde er den 
Christen wohl ganz nachgesehen. Die glücklichsten Ver- 
hältnisse erblühten für die Christen überhaupt immer unter 
solchen Kaisem, welche auf dessen Forderung nicht rigo- 
ristisch bestanden. Im übrigen war ja die staatsbürger- 
liche Thätigkeit der Christen loyal. 

Freilich war die staatsbürgerüche Thätigkeit eines 
Römers auf ein Minimum zusammengeschwunden. Das 
alte Rom machte in seiner Entwicklung einen den modernen 
Zeitströmimgen gerade entgegengesetzten Weg. Unsere Zeit 
drängte vom Absolutismus zur Konstitution, in Rom er- 
wuchs aus dem Staat der Freiheit das absolute Caesaren- 
tum. Die Souveränität des Volkes ging auf den Kaiser 
über. Die ehemaligen Volksversammlungen bestanden zwar 
noch fort, aber deren ehemalige Rechte verlieren sich. 
Augustus erhielt noch vom Volke seine VoUmacht, und 
seine Grewalt war eine abgeleitete. Allein dieses Bewusst- 
sein tritt inmier mehr zurück. Dadurch, dass Augustus 
das Recht erhielt, selbständig Gesetze zu geben, ver- 
schwinden die leges im altrömischen Sinne immer mehr. 
Augustus bringt zwar noch Rogationen an das Volk, 
wohl auch Claudius und Nerva; aber schon im zweiten 
Jahrhundert gehört die Comitialgesetzbarkeit einer ent- 
schwundenen Periode an: die kaiserlichen Konstitutionen 
haben sie verdrängt. Ähnlich erging es den Senatsconsulten. 
Auch die Gerichtsbarkeit nahm Augustus den Comitien 
und übertrug sie den Schwurgerichten, dem Senat und 



* C. J. L. Vni, 450 : Astius Vindicianus vir clarissimus flamen 
perpetuns; 10516: Astius Mustelus flamen perpetuus christianus 
vixit annis LXXTT quievit VII. Jol. Decembr. anno IV. D. N. Regis 
nderich (a. 527) ; vgl. dazu Künstle, Die altchristlichen Inschriften 
Afrikas, 1. c. 1886, S. 88 ff. 



I 



— 120 — 

dem Kaieergericht. Das Wahlrecht übte Kwar unter AuguRtus 
das Volk noch aus, in sofern die vom Auguatue vor- 
geschlagenen Kandidaten von Comitien bestätigt wurden; 
aber schon l'iberius brach auch mit diesem Volksreehte, 
indem er die Wahlen dem ihm ergebenen Senate zuwies ; 
sie wurden zwar dem Volke bekannt gegeben, jedoch ohne 
daas dessen Akklamation oder Ablehnung auf das Faktum 
noch irgend welchen Einflues geübt hätte. 

Dadurch verloren auch diejenigen, welche bisher noch 
ihegt für das Volkswohl, dessen letzte Reste. 
Es waren ihrer sowieso wenige. Männer, wie die Grachen, 
waren längst im Kampfe um die Volksreehte gefallen. Der 
Pöbel Roms kannte nur mehr einen Ruf: Panem et circenses [ 

Nara qui datiat olim 

Imperium, faaccs, legioaes (imnia nunc bb 

Cüntinet atque duas tantam res aosius optat 

Panem et eircenaes' 
sagt Juvenal. Und auch edleren Naturen musste durch 
die Bürgerkriege u. s. w. jede Freude am politischen Leben 
ersterben. Dabei ist nicht zu unterecbätzen der Einflues 
der griechiechon Philosophie. Der weltgenieasende Epicureis- 
mus und der weltverachtende Cynismus waren gleich ge- 
neigt, von der Beteiligung am Staatsleben abzudrängen. 
Und die Mahnungen der Stoiker, namentlich Philos and 
Bpiktete,* welche die Pflicht des Staate büi^erlichen Lebens 
betonten, sind wohl meist Theorie geblieben. 

Den römischen Bürgern war faktisch nichts geblieben 
als der Gesetzesschutz und die Steuerpflicht. 

Für die Steuerpflicht musst« der göttliche Meister den 
Christen selbst Vorbild sein. Er hatte die Zinspflicht 
gegenüber dem Kaiser anerkannt mit den Worten: ,, Gebet 
dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist." ' 
Einmal schien es, als ob er die Steuerpflicht ablehne: ea 
war die Bezahlung der Doppeldrachme, welche die Israeliten 



' JnY. sat. X, 78. 
» Philo de prof. 6, I 
■ ;. S. 47ff, 



Epikt. I, 29, 44; H, 16, 42 bei Wend- 



' Matth- 22, 17 ff. ; Marc. 12, 14 tf ; Lnc. 20, 21 ff. 



4 



an den Tempel vou JeruBalem entrichteten ; als Sohn Gottes 
kannte er im Hause seines Vaters keine Steuerpflicht; „denn 
die Kinder sind frei". Doch hezahlte er die Drachme für 
eich und Petrus, tun sie nicht zu ärgern.' 

Die Erfüllung der Steuerpflicht wurde deshalb von 
den Christen stete als Beweis ihrer Unterthanentreue an- 
geführt.* Auch Tertullian verlangt für den Kaiser die 
Steuer, für Gott aher die Person des Christen.^ Nur für 
eine Steuer erhebt er Schwierigkeiten, die Tempelateuer. 
Die römische Art der Verwaltung der Tempelrevenuen durch 
den Staat hatte schon Pseudo-MeUto von Sardes Anlasa zum 
Spott gegeben. Er meinte, es sei sonderbar, dass die Götter 
dem Fiskus Zins zu entrichten hätten.^ Dinch die wachsende 
Anzahl der Christen verminderten sich die laufenden Ein- 
nahmen der Priesterkassen, namenthch fielen die Eintritts- 
gelder zu den Opferstätten weg. Darob entstanden schwere 
Kk^en.hauptsätihhch bei den Priestern, welche diese Tempel- 
einnahmen gepachtet hatten. Tertullian erwidert, es sei 
den Christen wirklich unmöghch, alle bettelnden Menschen 
und Götter zu miterstützen ; und bedürften die Götter der 
Hilfe, so müssten sie eben darum bitten. Wenn Juppiter 
einmal seine Hand ausstrecke, so werde er empfangen. 
Die christliche Barmherzigkeit lasse in den einzelnen Vierteln 
mehr Geld aufgehen als die heidnische Religion in den 
Tempeln. Sonst aber sind die Christen ein Muster in 
pünktlicher Entrichtung der Steuern, ein vorteilhaftes Gegen- 
stuck zu ihren heidnischen Mitbüi^;em, die oft genug die 
Gelegenheit zur Angabe eines niederen Census benutzen.^ 

■ Matth- 17, 23fl. 

' Eeni.l3, ö; Juat, apol. 1, 17(1", 54);Tat, o^-adQrftec.4(lö),■ 
Tbeoph. ad Aut. m, 14(292): Bct. procona. Seillit. (Ruinart 181); Clem- 
Alei. paed, in, 12. (I. c. VIII, G69, 4 t. n.) ; Eua. bist. eccl. HI, 20 (190), 

' Tert. de Idol. 15 ; reddite, ait, quae sunt Caeaaria, Oaestui, 
«t qnae sant dei, deo, id est imaginem Caesaris Caesari, qnae in 
nnmmo est, et imaginem dei den, quae ia homine est, ut Ca^aari 
i[iiideni pecaniam reddas, deo temetipsum (B. I, 47, 37), 

' Psendo-MeUto or. ad Ant. 4. (Otto I. c. IX, 425). 

" Tert. apol. 42 (I, 275) ; T. hält auch die Verwaltung der 
Tempelsteuem für verboten: Tert. de idol. 17 (E. 1,50, 26): vgl. 



DaBB die diocletianische Eiiiiülirting der Grundsteuer"' 
in Italien auch bei den Christen Missfallen fand, ist aus 
dem Buche de moi-tibus pereeeutonim bekannt.' Aber 
zu jener Zeit war die Stimmung der Christen überhaupt 
in vieler Beziehung schärfer geworden. Die Zeiten, da die 
Christen mit Paulus gebetet; Bitten sollen geschehen für 
alle Menschen, für Könige und alle Obrigkeiten, damit 
wir ein ruhiges und stilles Leben führen können, - lagen 
weit zurück. Lange war der Giedanke an ein ruliiges, 
Stillee Leben auf der Erde der herrschende gewesen und 
musste es sein." Aber je mehr die Christen sich einleben 
auf der Erde, je stärkei- ihre numerische Macht wird, desto 
mehr regt sich der Wunsch, die christliche Idee auch auf 
Erden siegen zu sehen, und imwillkürlich richtet sich ihr 
Auge auf den pohtiscben Schauplatz, auf dem auch ihre 
Geschicke zum Auatrag kommen : und das Erscheinen jeder 
neuen leitenden Persönüchkeil. ward wohl mit denselben 
gemischten Gefühlen, zuversichtsvoUen Hoffnungen oder 
getäuschten Erwartungen aufgenommen, wie sie eben auch 
heutzutage bei solchen Anlässen als Volksetimmung in 
politischer Tagespresse sich geltend machen. Gewiss schlössen 
sich die Christen bei ihrer Stellung zur Zeitliehkeit über- 
haupt, und vielleicht auch aus Vorsicht, selten einer 
politischen Partei an. Aber wenn der Befehlshaber der 
Stadt Byzanz, ein Parteifreund von Niger, dem Praetendenten 
des Severus, bei der Erstürmung der Stadt durch Severus 
ausruft: „Freuet euch, Christen l"° so war ihm wohl be- 
kannt, dass die Stimmung der christlichen Partei, die 
Byzanz' Mauern barg, in freudiger Hoffnung dem Feinde 
draussen vor der Stadt entgegensclilug, eine Hoffnung, die 
in den ersten Regierungs jähren jenes Kaisers sich berechtigt 



über Tempelatenem aBch; ti di ov ipö^ovs xai «lij viteg avtiöv 

{^ 9-ii5v) itnaiTuZaiv vuiis ot äordatat, läi jioX^ xapni^oiiiyovg 

Tmf ixd; (Schwegler, 345). 

■ De mort, pers, 23 (H', 199, 7). ' 1 Tim, 2, 1. 2, 

' Cfr. Athenag. suppl. 37 ; toüro J* iml xni jipo? Tj/im,', onon 

tj^iflov xiii tinixior ßinv diiiYai/isy (184). 

< Tert. ad. Scap. 3 (I, Mb). 



b 



d 



123 



erwies. Terlullian vergisst auch im Apologeticum nicht, 
den K^ser zu erinnern, dass unter den Chriaten aich kein 
Anhänger des Niger gefunden habe.' Die lange Friedens- 
zeit unter Alexander Severus befestigte die Liebe und die 
Anhänglichkeit der Christen an das aeverische Haus, und 
wenn der Mörder des letzten Sprossen dieses (Jeschleohtes, 
Maximinus Thrax, vermutete, dasa die Christen seine That 
bitter verurteilen würden,^ so traf er wohl das Richtige, 
Unterdessen waren die Chiiaten zu einer bedeutenden Macht 
herangewachsen, mit der jeder leiser mehr oder minder 
rechnen musste. In den folgenden Zeiten schlugen die 
poUtischen Wogen auch in das Schi filein der Kirche. 
Wenigstens konnte der Bischof Dionysiue von Alexandrien 
während der Zeit der Kämpfe GaUiens mit Macrian nicht 
mehr mit allen Brüdern persönUch verkehren, da die 
politischen Anschauungen geteilt waren.' Persönlich stand 
der Bischof wohl auf Seite des Gallienus, der durch sein 
Toleranzedikt die Wunden der valeriani sehen Verfolgung 
zum Vernarben gebracht; aber er beklagte bitter das Un- 
glück, das der uneehge Bürgerkrieg über Alexandria herauf- 
beschworen ; denn öder und wüster als die Wüste gewesen, 
welche die IsraeUten in zwei Meiischenaltern durchzogen, 
ll^en die Strassen von Alexandria. Und die einst so 
ruhigen und friedlichen Häfen sind das Bild des Meeres 
geworden, das einst den Israeliten Durchgang bot und die 
Agyptier verschlang; denn rot sind sie von Blut. Jener 
unsehge Bürgerkrieg tobte wohl deshalb ganz besonders in 
Alexandria, weil Macrian, der ägyptische Priester, wahr- 
scheirdich dieser Stadt entstammte. 

Unter Diocletian wächst die Bedeutung der Christen 
immer mehr; ihre Bedeutung ruht namentlich in ihrer 
Organisation. In den ersten Stürmen der diocletianischen 

' TerL apol, 35: nnde Cassü et Nigri et Albini (I, 245) efr, 
ad Scap. 2 : aic et circa mEucätatem imperatoris infamamur, tarnen 
niiDqnam Älbiniani neque Nigriaui vel Coitsiani InveDiri potueruat 
CbriBtiitni (1, 541). 

• Cti. Ena, bist. ecel. VI, 2», 1 (477). 

' Eos. bist, eccl. Vn, 21, 1 (554). 




— 124 — 

Verfolgung schlössen sich die Christen dem dort zum 
Gegenkaiser ausgerufenen Eugenius an.* Auch Maxentius 
kannte die Macht des Chi-istentums und suchte anfänglich 
seine Herrschaft auf sie zu stützen.*^ Er musste aber zum 
Gegner der Christen werden, als sich deren Sympathien 
für Constantin denn doch fester gegründet zeigten, als für 
den Sohn des alten Christenfeindes . . . 

Uns sind nur wenige Züge von dem Gesamtbilde des 
innerpolitischen Lebens jener entscheidungsvoUen Tage des 
ausgehenden dritten imd anbrechenden vierten Jahrhunderts 
erhalten geblieben. Aber ein Beobachter, der diese Zeit- 
gemälde selbst in seinen lebensvollen. Hebten und dunklen 
Farben schaute und den unbefangenen Bück sich zu wahren 
verstand, konnte sich's nicht verhehlen, dass das Christen- 
tum auch eine politische Macht geworden, eine Macht, 
deren Stärke sowohl in der Zahl als noch viel mehr in 
der Einheit der Idee und der Organisation beruhte, eine 
Macht, mit der zu rechnen war ; er konnte sich nicht ver- 
hehlen, dass ein neues Christengesetz nicht nur nutzlos 
sei, da es ja doch an der Zahl abpralle, die Geister aber 
nur noch inniger zusammenschliesse und zur Opposition 
dränge, sondern auch gefährüch für den Staat, dem es 
vielfach die Besten entziehe ; er konnte sicla nicht verhehlen, 
dass der Grundzug dieser Opposition ein religiöser Gredanke 
sei, die bisherige Religion aber doch nur mehr sehr lose 
mit dem Staatswesen zusammenhing, und dass der Staat 
wenig alteriert werde, wenn auch die neue Religion sich 
auf seinem Boden bewege. Das Weitere werde dann die 
Folgezeit von selbst bringen. 



» Cfr. Eus. hist. ecci. Vni, 6, 8 (621). 
* Eus. hist. eccl. VHI, 14, 1 (645). 



3, Kapito!. 
t Stellnng der Christen za deu Staatsämtom. 

Eine bestimmte, fest umschriebene Stellungnahme der 
Christen zu den Ämtern und Würden der Erdenataaten 
war im E^-angelium nicht vorgezeichnet. Das Wort des 
göttlichen Meisters n'andte sich glelchmassig an alle Stände, 
und Bein Ruf: „Folge mir nachl" schloes nur in wenigen 
Fällen ein eigentliches Aufgeben des bisherigen Berufes m 
sich. Wie Johannes in der Wüste die ZöUner nur ge- 
mahnt hatte: „Fordert nicht mehr als euch gesetzt ist,"' 
Bo verkehrte auch der göttliche Heiland selbst mit diesen 
Männern, die ihr Beruf mit dem Staatswesen verknüpfte, 
ohne sie zu veraülassen, diesen Beruf aufeugehen." Er 
sprach mit Nicodemus, dem Mitghed des Sj-nedriums, die 
ganze Nacht ;' aber sein Wort galt dem Reiche Gottes und 
das Reich der Erde blieb unberührt ; Nicodemus blieb auch 
MitgUed des Synedriums und fand bald Gelegenheit, für 
den gallilaeischen Propheten ein Wort zu sprechen.* Auch 
Joseph von Arimathäa gehörte jenem Collegium an; er 
war es, der nicht für den Tod des Herrn gestimmt.^ Und 
der Apostel schreibt; Jeder bleibe in dem Berufe, in dem 
er berufen wird.* So grüeet im EÖmerbriefe der Verwalter 
der korinthischen Stadtkasse Erastus seine römischen Äüt- 
brüder.' Auf der ersten Missionsreise wird der Proconsul 
ßergius Paulus in Paphos auf Cypem gläubig." Die freie 
unabhängige Stellung, wie sie ihrn die Provinz bot, Hess 
wohl einen Konflikt zwischen Glauben und Amtspflicht 
nicht aufkommen. Und einer der wenigen Athener, welche 



»' Lac. 3, !2 13. 
• Jöh. 3, 1 ff- * 
■ 1- Cor. 7, 20- 
' Eöm. 16, 23; apater gibt er s 
S, Tim. 4. 20. 

' Apg. 13, 4 ff. Cypem war seit dorn Jahre 33 aenatorische 
froviDz und wurde von einem Proprätor, der den Titel Proconsol 
L^tt« und in Psphos residierte, verwaltet ; cfr, Marquardt, 1. c. I, 890. 



a Amt aof, Apg. 19, ! 




I 



der fremdeil Lehre Veratändnis abzugewinnen wissen, ist 
ein Mitglied der altehrwürdigen KörperHchaft de« Areopags, 
Dionysius. ^ 

Aber die Zeit hat doch bald vieles anders gestaltet. 
Eh treten die Gegensätze zwiaeben dem heidnischen Staate- 
weeen und Christentum her\'or, und diese Gegensätze 
schaffen auch unter den Christen selbst eine grosse Ver- 
schiedenheit der Anschauungen. Welch eine Unsumme 
von Nuancen liegt zwiöchen der Stellung eines Clemens 
von Alexandrien, der den Christen sein e^eari noXizetwßltai 
zuruft," der die Lehre der Weisheit wohl vereinbar findet 
mit der Stellung im Staate, der sein Mahnwort an alle 
Stände, an Zöllner und Richter ergehen lässt* -;- und der 
eines TertuUiaii, der dem glänzenden Bilde der Fasces und 
des Purpurs ein anderes Bild entgegenstellt — das Bild 
des HeUaiides, der all dies verachtet, verworfen und aJ.s 
Teufelsprunk verdammt hat.* 

Die ehemalige rege Anteilnahme am Staatsleben war 
in den letzten Zeiten überhaupt stark zurückgetreten. Das 
römische Geschlecht war lahm geworden; der Luxus, den 
die Weltherrschaft nach Rom geführt, die Genussaucht, die 
Uneitthchkeit zog ganz ab von ernsteren Fragen. Die 
Unterdrückung mancher Selbständigkeit durch den mehr 
und mehr aufstrebenden Principat, die oben schon erwähnt 
worden, übte auch ihren Einfluss aus. So hatte in den 
Municipien, den Kleinstädten des Reiches die dort von den 
Römern eingeführte ziemlich selbständige Verwaltung lange 
Zeit den patriotischen Ehrgeiz wachgehalten. Ais aber 
Hadrian eine andere Verwaltung einführte, diese städtischen 
Kommunen in die Kontrolle kaiserhcher Beamten kamen, 
fingen diese Kommunalämter an, bedeutungslos zu werden, 

' Äpg. 17, 34; apätfir wurde er Bischof von Athen oder wahr- 
scheinlicli von Korintli ; Eua. hist. eccl, TU, 4, 11 (159). 

" Clem. Alex. paed, m, II : jmXirei'innn^ui t&V. nXh\ xai r« 
ip xöauin Koauiioi xitzri S^cüf aTiayeif ov xexäXvTai (1. c, col. 656, 



d 



PiiniüB spricht schon von Leuten, die ungern Decurionen 
"werden, ' d. h. in den Senat dieaer Municipien eintreten ; 
»1b aber deren Selbständigkeit sieh immer mehr verlor, 
das Gemeindevennogen immer mehr zurückging, die Ge- 
meindeverwaltung dennoch dem Staat« und den kaiser- 
lichen Beamten für das Vermögen und namentlich die 
Abgaben verantwortlich blieben, somit die Ehren genommen 
■waren, und die Lasten sich gemehrt hatten, da schwand 
auch der letzte Reiz dieser städtischen Würden. Schliess- 
lich war die Einführung der Decurionen würde das einzige 
Mittel gegen die immer mehr wachsende Decurionatsflucht. 
j^uch sonst hatte sich manches geändert. Der Senat 
in Rom schien durch den Principat an Machtbefugnis ge- 
wonnen zu haben, da manches ehemalige Volksrecht an 
ihn übergegangen war-, aber dafür hatte er an Selbst- 
ständigkeit eingebüsst. Nicht nur, dasa er in vielen Fällen 
machÜoe dem Kaiser und dem Militär, dieser Hauptmacht 
Ines sinkenden Staates, gegenüberstand, war er vielfach 
inem imwürdigen Byzantinismus verfallen ; die seit Domi- 
an dem Kaiser zustehende Senatser^nzung wird eben 
wohl auch nur in seltenen Fällen zur moralischen Hebung 
und Verbesserung dieser Körperschaft beigetragen haben. 
Jedoch war der Patriotismus noch nicht ganz erstorben. 
Eine FüUe neugeschaffener Staateämter suchlie den Ehrgeiz 
zu locken. Immer wieder mahnen edle Männer zur regen 
Beteiligung am nationalen Leben. Philo hält denen, welche 
aus Liebe zur Tugend dasselbe zu verachten vorgeben, 
entgegen, dass es etwas Grösseres sei, gerade im Amte die 
Tugend zu bewähren, als ihrer Betbätigung ängstUch aus 
dem Wege zu gehen. Epiktet meinte zwar, dass es falsch 
sei, nach Senatorenrang und Ämtern zu streben ; aber 
ebenso falsch sei es, diesen Pflichten sich zu entzielien. 
Auch im Amte müsse sich die wahre BUdung des Mannes 
zeigen.' Derartige Mahnworte sind sicher nicht ganz ver- 



' Plin. ad Traj. X, 114; eos qni inviti fiunt decuriones. 
' Philo de profng. S, 6; Epikt. IV, 3, 1. 19; I, 3<5, 6; I, 29, 44; 
LWendland, l. c, S. 47 f. 



hallt. Zuweilen erblühen ja auf morschem Stamm noch frisch*" 
Zweige, die verraten, dass im Stamme noch gute Säfte 
kreisen, und in der Geschichte des sinkenden Römerreichea 
begegnet uns manches Charakterbild, das an das Rom der 
früheren Zeit gemahnt. 

Auch an die Chmten ist das Mahnwort der Heiden 
ergangen. Es war keiner der sclilech testen Heiden gewesen, 
der die Christen aufgefordert, mitzuschaffen an dem Staats- 
leben, der Verfasser des , .wahren Wortes". Vor CeLsus' 
Zeiten hätte ein Bolches Mahnwort wohl wenig Verständnis 
gefunden bei den Christen. Ihr Gedankenkreis bewegte 
sich so sehr im Reiche des Himmels, dass sie im günstigsten 
Falle das Diesseits nicht gerade zu verlassen suchten; die 
Ehrenstellen der Welt lagen ihrem Sehnen ferne. Herrschen 
will ich nicht, den Reichtum verschmähe ich, die Prätur 
weise ich . zurück, hatte Tatian in seiner etwas schrofien 
Weise erklärt,' und ährdich meint auch Tertulüan, dass 
die Christen den Ehren und Würden der Erde kühl gegen- 
überstehen.^ Pythagoras hat in Thurii, Zeno in Prione 
die Herrschaft erstrebt — die Christen aber sehnen sich 
nicht einmal nach der Adiiität.' Die Frage war freilich 
in jener Zeit überhaupt noch wenig von Bedeutung. Die 
Christen der ersten Zeit sind meist unter KLeinhandwerkem, 
Sklaven, jedenfalls im äi'meren Teil der Bevölkerung zu 
suchen. Das öffentUche Leben aber war mit grossen 
finanziellen Opfern verbunden, die sich die Christen kaum 
leisten konnten. Die Bekleidung der Ämter erforderte fast 
immer die Angehörigkeit zum Senatoren- oder Ritterstaud, 
und unter diesen Ständen hatten die Christen noch wenige 
Bruder. Darum entrüstet sich auch Cäeilius so über diese 
Christen, die so verächtlich über die Ehrenstellen sprechen, 
so verächtlich über den Purpur, sie, die ja halbnadct sind, 
die der untersten Hefe des Volkes entnommen, bloss mit 
thörichten und leichtgläubigen Weibern Umgang finden, 

' Tat or. ad Graec. (48). 

' Tert. apol. 38: at enitn nobis ab omni g\oriae et diguitatis 
ardore frigentibua nnlla eet necessitas coetoa (I, 253). 
• Tert. apol- 46 (I, 284). 



k 



d 



— 129 — 

geschwätzig in Wiuketu, stunttu ^'or der Welt.' Aber 
scbcm Octavius kann diesen Vornrurf zurückweisen: Wir 
sind nicht aus der unterstell Hefe des Volkes, wenn wir 
aacb eure Ehrenstellen und euren Purpur verschmähen.* 
Sein Wort hatte wohl Überzeugungskiaft, weil er ja dem 
Freunde gegenüber auf sich selbst hinweisen kann, auf 
^inen eigenen Beruf und seine eigene Bildung, überhaupt 
hat die Commoduszeit nianche vornehme Familien dem 
ChiisteDtum zugeführt, und damit begann die Frage eigent- 
lich akut zu werdetk : es trat nutiinelir das Haupthindeniis 
hervor, die Verknüpfung der Ämter mit dem Gottesdienst, 

Der römische Staat war, wie schon einmal gesagt, im 
allgemeinen ein Staat religiöser Toleranz. Aber die Staats- 
reJigion war deshalb nicht aufgegeben, sondern treu ge- 
hütet worden im offiziellen Leben. 80 stand im Sifcnings- 
saal des römischen Senates, der curia Julia, das koetbaje 
Bentestück aus den Tagen der Eroberung Taren ta, die 
berühmte Statue der Victoria, das SjTnbol der römischen 
Weltherrschaft. Jeder Senator opferte bei Beginn der 
Sitzung Wein ixnd AVeihrauch vor derselben. Die Geschäfte- 
ordnung des Senates brachte gar oftmals BpezLtisch heid- 
nische Fragen zur Verhandlung, so vor allem jene Opfer und 
Feierlichkeiten, cÜe der Staat anordnete und die vom Aerar 
gedeckt werden musaten, jene procuratio prodigiorum hostiis 
maioribus, jene Ledisfernien und \'otivspiele, die Bewilli- 
gung de« öffentlichen Spielkostenbeitrages,' die Erhebung 
des verstorbenen Kaisers unter die Götter u. s, w. Und je 
mehr der Einfinsa des Senates in der auswärtigen Politik 
und auch in der inneren Verwaltung schwand, desto mehr 
war seine Existenz mit dem religiösen I>eben der Nation 
■verbunden. Einen ähnlichen Beruf skreis wie der Senat 
in Kom hatten in Italien und in den Prorinzen die dem 
römischen Senate nachgebildeten t'm'ien. Auch die (Je- 
jneinderäte der Municipien hatten über Feste und Götter- 

r zu l>estimmen, die Plätze bei denselben zu verteilen, 




— 130 — 

die Emennung der Augustalen, der Priester des Laren- und 
Augustuskultes vorzunehmen.^ Und ähnlich, wie in den 
Städten römischer und latinischer Verfassung lagen ver- 
mutlich die Verhältnisse in den Kommunen, die ihre eigene 
Verfassung nach der Eroberung behalten hatten. Auch 
hier mag einen Hauptgegenstand der Beratungen des Rates 
die religiöse Frage gebildet haben. Seitdem übrigens durch 
Caracalla derartige Städte das Bürgerrecht erhalten hatten, 
übertrugen sich die Einrichtungen der Städte römischer 
Verfassung auch auf diese Städte. Immerhin mag das 
Christentum in solchen Städten freieren Spielraum gehabt 
haben. 

Wie die senatorischen, so waren auch die magistratischen 
Amtshandlungen in vielen Beziehungen mit dem Staats- 
kultus verknüpft. Wie in gut republikanischen Zeiten, zog 
der Konsul am Tage seines Amtsantritts auf das Capitol, 
wo er opferte, wenn die Auspicien gut ausgefallen waren. 
Seine Toga, die toga picta, ward aus Juppiters Tempel ge- 
holt, und sein erster Vortrag im Senat oder vor dem Kaiser 
galt meist einem rehgiösen Gegenstande, wie ihn überhaupt 
die Teilnahme oder der Vorsitz im Senate oft genug mit 
den Fragen des Staatskultus beschäftigte. Das Censoramt 
ist nicht mehr von Bedeutung, weil es, obwohl im Jahre 70 
V. Chr. restituiert, doch bereits im Jahre 74 n. Chr. für 
immer als selbständiges Amt verschwindet. Auch der 
Geschäftskreis der andern Ämter brachte mannigfache Be- 
rührung mit sich. Die Magistrate der Municipien, die 
sogenannten duumviri, sind ohnehin nur, wie in Rom, die 
ausführende Gewalt des Senats. 

Neben den alten Magistraten schuf aber das Principat 
auch neue Beamten. Dazu gehörten ausser verschiedenen 
höheren Offiziersstellen namentlich die Verwaltungsposten 
im kaiserüchen Dienste, also die Obersteuerämter, die Ver- 
waltungsstellen der Stadt Rom, die Stellen der Vicekönige in 
annektierten Provinzen, die Statthalterposten, die Vorsteher- 
stellen der Wasserleitungen, Bauten, der Staatskassa u. s. w. 



' Vgl. darüber Marquardt, 1. c. 1, 194 f. 



— 131 — 

Bei der Verwaltung derartiger Stellen scheint das religiöse 
Moment, dem modernen Zeitgeist entsprechend, vollständig 
gefehlt zu haben. Ursprünglich trugen diese Stellen keinen 
offiziellen Charakter, durch Hadrian aber werden sie staatlich. 
Für diese Stellen eröffneten sich den Christen in günstigeren 
Zeiten Aussichten. 

Tertullian hört die Frage in das Ohr klingen, ob es 
möglich sei, dass ein Christ die Verwaltung irgend einer 
Ehrenstelle übernehmen könne, wenn es ihm gelinge, sich 
von jeder Berührung mit dem Götzendienst frei zu halten, 
sei es durch gütiges Nachsehen, sei es durch eigene Schlau- 
heit. Er wagt es nicht, mit einem direkten „Nein'* zu 
antworten; aber der Bedingungen, die er an die Erlaubt- 
lieit der Amtsbekleidung knüpft, sind so viele, dass das 
schliessHche Zugeständnis der Erlaubtheit illusorisch wii'd. 
Ja, geben wir zu, meint er, dass es jemand gelingen könnte, 
als Inhaber einer Ehrenstelle mit dem blossen Namen der- 
selben aufzutreten, ohne zu opfern, ohne die Opfer zu 
autorisieren, ohne die OpferUeferungen zu vergeben, ohne 
die Aufsicht über die Tempel zu übertragen, ohne die 
Tempelsteuem zu verwalten, ohne Spiele aus seinem Privat- 
vermögen oder von Staatswegen zu veranstalten, ohne den- 
selben zu präsidieren, ohne bei den Feierlichkeiten zu 
sprechen oder dieselben vorzuschreiben, ja selbst nur, ohne 
zu schwören, femer, was die Amtshandlungen selbst sind, 
gesetzt, dass er kein Todesurteil fällen — in Geldangelegen- 
heiten wäre ein Urteil gestattet — , keinen verurteilen und 
kein Strafgesetz erlassen, keinen fesseln, keinen einkerkern 
oder foltern lassen müsste — ja dann wäre es ja vielleicht 
gestattet . . . Aber gleich darauf scheint ihn selbst dieses 
Zugeständnis zu reuen. Er findet auch den Purpur und 
die Abzeichen der Würde anstössig. Zwar haben auch 
Daniel in Babylon und Joseph in Ägypten Purpur ge- 
tragen ; aber dort sei Purpur das Zeichen der freien Geburt 
gewesen, nicht des Amtes. Der Purpur und die Insignien 
des Amtes trügen durch ihre ursprüngUche Bestimmung 
zima Götzendienst den Makel der Profanation für immer 
an sich. Die Obrigkeiten dieser Welt sind die Dämonen, 

9* 



— 132 — 

sie führen als Abzeichen, da ihre Grenossenschaft eine ein- 
zige ißt, Fasces und Purpur. Was nützt es nun, zwar nicht 
Dämonen werk zu thun, wohl aber deren Zeichen zu führen? 
Die fortwährenden Hinweise auf Joseph und Daniel, die 
auch im Heidenlande Amter bekleidet, seien nichtig. Diese 
seien Sklaven gewesen, der Christ aber ist niemanden^ 
Sklave. Möge der Christ auf das Bild des Herrn schauen, 
der nichts gehabt, wohin er sein Haupt legen konnte, dessen 
Kleidung wohl unscheinbar gewesen, sonst hätte er nicht 
gesagt: Diejenigen, die feine Kleider tragen, sind an den 
Höfen der Könige. Er habe keine Macht ausgeübt, und 
damit den Seinen ein Beispiel gegeben . . . Indem der 
Christ in der Taufe der Pracht des Teufels widersagt habe, 
müsse er alles damit Zusammenhängende als Grötzendienst 
betrachten ; die Ehren und Würden sind Gott nicht nur 
fremd, sondern ihm geradezu feindlich.^ 

Dieser Stellung ist Tertullian sein ganzes Leben lang 
treu geblieben ; sie hat sich eher noch verschärft ; er wird 
nicht müde, zu versichern, dass ihm jeder Gredanke an 
Ehre und Ruhm ferne liegt ; zuweilen fällt auch ein keckes 
Hohnwort, wenn er das Pallium seine eigene Ansicht wieder- 
geben lässt: Ich schulde nichts dem Forum, nichts dem 
Marsfeld, nichts der Curie ; keine Pflicht halt mich früh 
wach, ich besteige keine Rednerbühne, ich besetze keinen 
Prätorstuhl, ich berieche keine Kanäle,^ ich rufe keine Ge- 
richtsschranken an ; ich verdrehe kein Recht, ich schreie 
keine Prozessreden herunter; ich richte nicht, ich diene 
nicht, ich herrsche nicht, ich habe mich zurückgezogen 
vom Volke. Nur eine Sorge kenne ich, die Sorge um mich 
selbst.^ Und wiederkehrt der Gedanke der Idololatrie des 
Schmuckes in der Schrift vom Kranze; Kränze tragen die 
Mjigistrat8j)ersonen zu Rom und Athen . . Aber dein Rang 
und dein Amt und der Name deiner Curie ist — Kirche 
Christi. Sein bist du, aufgeschrieben im Buch des Lebens. 



' Tert. de Idol. 17; 18 (R. I, 50, 17 ff). 

' rnter den Pflichtkrcis der Aedilen fiel auch die Aufsicht 
über die Wasserleitungen und Kloaken. 
» Tert. de pallio 5 (I, 950). 



— 133 — 

Dort ist dein Purpur — das Blut Christi; dort ist dein 
Purpursaum — an seinem Kreuz; dort ist dein Beil — 
schon ist's an die Wurzel des Baumes gelegt; dort deine 
Virga — aus der Wurzel Jesse!^ 

Nach Tertullian ist auch eine Urteilsfällung über Leben 
und Ehre verboten.^ Er steht mit dieser Ansicht in der alten 
Kirche nicht allein. Auch Lactanz stellt den Satz auf, dass 
man nicht nur nicht Krieg führen, sondern auch niemanden 
eines Verbrechens anklagen dürfe, worauf die Todesstrafe 
steht; denn ob man jemand durch das Wort oder durch 
das Schwert töte, sei gleichgültig, nachdem Tötung ein- 
mal verboten sei.^ Ähnüchen Anschauungen entstammt 
wohl jener Canon der ägjrptischen Kirchenordnung, der 
verordnet, dass einer, der Macht über das Schwert hat, 
entweder aufhören oder ausgestossen werden soll, wie denn 
auch das Gleiche noch der 13. canon der sogenannten 
canones Hippolj^i bestimmt.^ 

Tertullian vergisst auch nicht, über die Art der Be- 
werbung um solche Ämter die Lauge seines Spottes auszu- 
giessen. Jene, die Sehnsucht tragen nach einem Magistrate, 
kennen keine Scham und keinen Verdruss, um sich durch 
alle möglichen körperlichen und geistigen Unannehmlich- 
keiten, ja Verdemütigungen aller Art hindurchzuarbeiten, 
um zum Ziel ihrer Wünsche zu gelangen. Wie affektieren 
sie Einfachheit in ihrer Kleidung! Wie belagern sie in 
den Morgenstunden und nach Tisch alle Thüren ! Bei der 



» Tei-t. de Corona 13 (I, 449). 

' Tert. de Idol. 17 : iam vero quae sunt potestatis neque iudicet 
de capite alicuins vel pudore . . . neque damnet neque praedamnet, 
neminem vinciat, neminem recludat aut torqueat (R. I, 51, 2). 

' Die Stelle kann sich nicht, wie man vermuten könnte, auf 
eine falsche Anklage beziehen; das ergibt der Zusammenhang: 
Lact. div. inst. VI, 20 : ita neque militare iusto licebit, cuius militia 
ipsa est iustitia, neque vero accusare quemquam erimine capitali, 
quia nihil distat, utrumne ferro an yerbo potius occidas, quoniam 
occisio ipsa prohibetur (1,558, 13). 

^ can. 13: homo, qui accepit potestatem occidendi, nunquam 
recipiatur omnino. Bei Achelis, canones Hippolyti in Text. u. Unters. 
VT*, S. 82. 



Begegnung mit irgend einer hoch gestellten Persönlichta 
verbeugen sie eich bis zur Erde; sie neiimen an keinem 
Gastmahl teil, halten sich von allen Schmaiiserden fem, 
versagen sich jeden freien, frohen Genuss — und all (bis 
um der flüchtigen Freuden eines einzigen Jahres!* 

Tertulliaiie Idealismus und FeBsimiHmue — denn beide 
Extreme berühren sich in diesem merkwürdigen Charakter — 
finden keinen dauernden Halt auf dem rauhen Boden der 
Wirklichkeit. Er niuss gestehen, dass seine Theorien allent- 
halben Widerspruch finden, ja, er selbst hatte einst in 
einer Art freudigen Stolzes darauf hingewiesen, dass die 
Christen die Caatelle, die Municipialstädte, die Ratsver- 
sammlungen, die Decurien, den Palast, den Senat, das 
Forum füllen ! " Die Mehrzahl der Christen hielt es eben 
doch mit dem nohzevsaifat ei^tariv des Clemens, wenn 
die Verhältnisse es irgendwie gestatteten. 

Nicht als oh nicht auch andere eine gewisse Abneigung 
gegen die Ehren und Würden der Erde mit ihm geteilt 
hätten. Auch Cyprian spricht in seiner Schrift ad Donatiun 
geringschätzig von den Magistraten, Für was hältst du 
die Ehrenstellen, die Fasces, den Überfluss an Reichtum, 
den Oberbefehl im Heere, den Glanz des magistratiBcheu 
Purpure, die unumschränkte Macht und Herrschaft? Ver- 
borgenes Gift ist's schmeichelnder Übel ; das Äussere dieses 
lockenden Unheils ist reizvoll, reizlos dagegen die Tnuschang 
des darin verborgenen Unglücke ; das Bild des Giftes ist 
68, das durch die Süssigkeit, welche die Schlaulieit zur 
Geschmacks Veränderung in den Todessaft gemischt, ein 
Lel)enstnmk zu sein scheint, der dann genossen wird; 
und ist er getrunken, so zeigt sich seine verderbUche 
Wurkung. Man sieht zwar, wie solch ein Mann sich vor- 
teilhaft abhebt von den andern durch seine prächtige 
Uniform, wie er sich selbst gefällt im Glänze seine» Purpius 
— aber man vei^isst, durch welch schmntziges Benehmen 
er diesen Glanz erkauft hat. Wie oftmals mussle er zuvor 
die stolze Verachtung von seiten hochmütiger Menschen 

' Tert, Ati patn, 11 (I, 662). ' Tprt. apol- 37 (1, 260). 



— 135 — 

ertragen! Wie oft stand er in den Morgenstunden vor 
der stolzen Horte, um demutsvoll seinen Morgengruss zu 
bieten ! Wie oft ist er, in die dichten Scharen der Clienten 
eingedrängt, vor den stolzen Schritten anderer einhergegangen, 
damit auch ihm das Glück erblühe, vor sich pomphafte 
Begleitung einherziehen zu sehen, die übrigens nicht ein- 
mal ihm, sondern seinem Amte gilt. Und das Ende? Ist 
seine Amtszeit um, sieht er sich verlassen von seinen 
Parteifreunden; dann regen sich die Gewissensbisse beim 
AnbUck seines verai'mten Hauses; denn jetzt zeigt sich 
ihm der Schaden an seinem Vermögen, mit dem er die 
Gnade des Plebs erkauft, die Volksgunst erfleht hat.^ 

Es mag ein Stück Wahrheit in der Zeichnung dieses 
glänzenden Elendes Hegen, das der municipiale Ehrgeiz in 
Karthago sich immer noch bereitet. Dabei ist freilich nicht 
zu vergessen, dass C3^rian seinem Freunde Donatus die 
Welt in ihrem Gegensatz zum Christentimi zeichnet und 
er selbst in dieser Schrift der Öffentlichkeit die Erklärung 
gibt, warum er, der vornehme und reiche Patricier, der 
gewandte Jurist mit seinen glänzenden Aussichten in der 
Beamtenkarriere, seinen Hoffnungen entsagt hat. So mögen 
die Farben auf seiner Zeichnung wohl etwas zu düster 
aufgetragen sein. Zudem mag Cyprian selbst, noch 
unter dem ersten Eindruck seiner erst vor kurzem erfolgten 
Bekehrung stehend, nach allgemein psychologischem Grund- 
satze zum Extrem geneigt haben, ein Extrem, das durch 
die Lektüre Tertullians, die auch an dieser Stelle klar er- 
sichtlich ist, sicher nicht gemüdert wurde. 

Ahnlich steht Origenes den Ämtern ablehnend gegen- 
über. Zwar war auch sein Freund Ambrosius Decurio 
gewesen;* und seine Antwort auf die Aufforderung des 

' Cypr. ad Don. 11 (1, 12, 17). 

* Cfr. Orig. exhort. ad mart. 36 : xcci fidXiaza €l do^aa&elg xal 
anode^&els vno 7iXeiat(ay oatoy noXetoi/ yvy (aaneQsl no^nsveig aXotov 
Toy mavqhy xov 'Ii^aov, l€Q6 'Afj,ß(j6<TC€ (I, 33, 14). Ambrosius sollte 
zum Tode yemrteilt werden; die Todesstrafe konnte aber von dem 
in diesem Falle zuständigen Bichter, dem Statthalter von Palästina 
und Syrien, nicht ausgesprochen werden, sondern es war ein Beskript 



— 136 — 

Celsus, zum Schutze der Gesetze und der Grottesfurcht, 
wenigstens in Zeiten der Not, Ämter zu bekleiden, ist 
nicht direkt verneinend; aber der gelehrte Presbyter weist 
doch darauf hin, dass die Pflichten des Christen andere 
seien, nämhch das Rdch Gottes in den Seelen zu gestalten, 
und dass ihre Amter andere seien, nämlich Kirchenämter, 
und auch zu diesen dürfe der Christ sich nicht drängen ; 
denn diejenigen, die darnach verlangten, würden zurück- 
gewiesen, andere dagegen, deren Bescheidenheit trotz ihrer 
Tüchtigkeit ein solches Verlangen nicht rege werden lässt, 
würden dazu gezwungen.^ 

Nicht ganz unauffällig ist, dass weder C3^rian noch 
Origenes das Haupthindernis der Amtsbekleidung, den 
Götterdienst, hervorheben. Seit Tertullians Zeiten hat sich 
eben vieles geändert ; die Möglichkeit der Gunst beziehungs- 
weise einer nachsichtigen Entbindung von den mit dem 
Amt verbundenen heidnischen Ceremonien, von der man 
dereinst in Karthago gesprochen,^ scheint während der 
Ruhezeit unter Severus und Philippus Arabs vielfach prak- 
tische Wirklichkeit geworden zu sein. Es gab zwar ver- 
muthch auch Leute, die im Herzen dem Christentum zu- 
gethan, doch aus irdischen Rücksichten den Übertritt ver- 
schoben;^ es gab wohl auch Christen, die, wie Origenes 
sagt, in der Meinung, der Glaube im Herzen genüge,* auch 
das Götteropfer, falls es ihre Stellung erforderte, als etwas 



des Kaisers Maximinus Thrax notwendig, weil eben Decurionen nur 
vom Kaiser gerichtet werden konnten ; vgl. Neumann, 1. c. S. 221 ff. 

» Orig. c. Geis. Vin, 75 (H, 292, 1). 

^ Tert. de idol. 17 : hinc proxime disputatio oborta est, an 
servus dei alicuius dignitatis aut potestatis administrationem capiat, 
si ab omni specie idololatriae intactum se aut gratia aliqua 
aut astutia etiam praestare possit (R. 1, 50, 17). 

' Orig. c. Gels. VIII, 75: XQianccyol . . . netpQovtixoxeg zwv 
fzeu eydouj Xv oari^iqai ßdkzioy ßicoac, tm^ de doxovytcou e^(o, IVa 
yeycoyzai iv roTg ae^volg Tr]g x^eoaeßeLag Xoyoig xal eoyoig etc. 
(n, 292, 15). 

* Orig. exhort. ad mart. 5: eavrohg yag dnaKoacy ol vofiiJ^ovteg 
aQxelv TiQog to wx^ly Iv Xqkjtm zeXovg zo ' xagdlcf yccQ niazevezac 
€lg dixaioavyrjy xav ^ir^ noonfj z6' azouazi de ouokoyelzai eig acDTnolay 
(I, 7. 7). 



— 137 — 

Indifferentes betrachteten,^ weil man ja Gott auch unter 
einem andern Namen als dem wirklichen anrufen könne ;^ 
der tertullianischen Auffassung des Götterdienstes, die alle 
möglichen Amtshandlungen in den Kreis desselben zog, 
liuldigten wohl die wenigsten Christen — aber in vielen 
Pällen wurde wohl über die Vernachlässigung einer Cere- 
monie, die vielleicht seit langem zur Formsache geworden, 
stillschweigend hinweggesehen, namenthch wenn das son- 
stige Verhalten untadelhaft war und von oben herab für 
die Christen günstiger Wind wehte. Dazu bedurfte es 
keiner ausgesprochenen Dispense. Vergleiche mit modernen 
Verhältnissen Hegen nahe, wenn sie auch vielleicht nie 
ganz zutreffen, weil unsere Begriffe von Denk- und Glaubens- 
freiheit viel weitere geworden sind. Man wird in keinem 
Staate, der ausgesprochen katholisches Gepräge trägt, von 
den protestantischen Beamten verlangen, sich an einem 
kathoHschen Gottesdienst für den Landesherm zu beteiligen, 
wie man es in England vor einigen Jahren nicht eben 
sehr befremdlich gefunden hat, als der neugewählte katho- 
lische Lordmajor von London den beim Amtsantritt üblichen 
Besuch der enghschen Hofkirche unterliess und in die 
katholische Kirche fuhr. Darum war aber auch der 
Schrecken wirklich gross, als das decianische Edikt das 
Opfer forderte. Dionysius von Alexandrien berichtet, dass 
beim Erscheinen des Ediktes in Alexandria alle erschraken ; 
einige von den Vornehmeren kamen sogleich herbei; die- 
jenigen, die in öffentüchen Ämtern standen, wurden von 
ihren Amtshandlungen hinweggeholt, andere wurden von 
Bekannten angezeigt, und namenthch aufgerufen schritten 
sie alle zu den unheihgen Opfern, einige mit Zittern und 



* Orig. exhort. ad mart. 45 : inet de tiveg ur] S-eayQovyteg rhu 
neol ttov datfi6y(oy Xoyov . . . i^evreklCovaty (og adidq)OQoy ro x^veiy, 
ctnocfASv av etc. (I, 41, 17j. 

' Orig. exhort. ad mart. 46 : nahy re av vnoXa^ßccvoytig riyeg 
«^€<F€« clyai tcc oi/ofjLOLta xal ov^Sfilay avtce %£^/' fpvaiy nqog tcc vno- 
^eifxcya, tbv iaxiv oyojuata^ rofil^ovai fjiridey diag)€Q6iyj ei Xeyoi rig' 
^4iß(o tov nqChoy S-eov i] thv Jia iq Z^ya (I, 42, 4). 



f 



— 138 

Beben, gleich als ob sie nicht opfern, soudern seihet eollteii 
geopfert werden.' 

Als die Stürme der deciachen und vttlerianiecheu Ver- 
folgung verhraust, brachte das gaUienische Edikt wieder 
Ruhe. Gab dasselbe auch dem Christentum nicht die 
Rechte der religio licita, so dass bei Amtshandlungen nichts 
mehr von ihnen hätte gefordert werden können, was ihrem 
religiösen Denken widersprach, so wie es bei den Juden 
der Fall war, so erstreckte sich die Diddung faktisch doch 
auch oftmals auf dieses Gebiet. Rechtlich fielen die letzten 
Schranken, als Diocletian die Christen von dem Opferzwang 
dispensierte.* Die Wirkungen waren groseartig. Die Christen 
erstehen auf einmal in allen Äniteni, 

Wie haben sich die Zeiten und Menschen geändert! 
Der Canon der ägyptischen Kirchenordnung , der über 
jedes Stadtoberhaupt, das den Purpur trägt, über jeden, 
der Macht über das Schwert hat, den Ausschluss verhängt. 
wenn er nicht aufhört, tritt zurück, und im Jahre 300 
verordnet der 56. Canon des Konzils von Elvira nur, dass 
jeder Magistrat in dem Jahre, in dem er Duum\Tr ist, sich 
fern halte von der Kirche." Schon die Form des Canons 
verrät, dass es sieh nicht melu um ein eigentliches Verbot 
jenes magistratischen Amtes, das durch die Berechtigung 
zur Wahl der andern Beamten immer noch als einflussreich 
gelten konnte, handelte, sondern um eine zarte Rücksicht- 
nahme auf das Ansehen der Kirche. Im Jahre 313 erfolgt, 
das Mailänder Edikt, und sein Einflusa macht sich bereits 
in den Bestimmungen des ein Jahr später stattgehabten 
KonzUs von Arles geltend, von denen eine lautet : Betreffs 
der Gläubigen, die Beamte werden odei- sich dem Staats- 
dienste widmen, wurde beschlossen, ihnen ein kirchhches 
Empfehlungsschreiben zu übergel)en, so dass sie allüberall, 
wo sie es vorzeigen, die Fürsorge des Bischofs beanspruchen 
können und sie erst dann von der Gemeinschaft aus- 

' Dionjs. Alex. ep. ad Fabiiim bei Eua. hist. eccl. VI, 41, 10 (495), 
' Eus. liist eccl, VU, 1, 2 (608), 

' f an. 56 : magistratua veio unu fmno, quo agit duiimviratiim, 
prohibendum placet, ut se ab ecclegia cohibeat (T, 181\ 




13!t — 



.^^■eechlüsaeu werden, wenn sie etwas gegen die (Mrchiicho) 
I-^hie beginnen.' 

Mit diesem Beschluss ist der Kampf beeodigt. Der 
C^hrist TiR "" Beamter sein, solange sein Handeln nicht der 
Isirchlichen Lehre widerspricht. Handlungen, die mit seinem 
-Amte zusammenhängen, schliessen nicht mehr von der 
üirche aus. 

Übrigens ist manch heidnischer Überrest noch ge- 
Tilieben, als der Staat schon christlich war. Daium ver- 
ordnet noch das Konzil von Toledo im Jahre 400, dass 
"\'on den Beamten keiner einen priesterlichen Rang be- 
Ideiden könne, wenn er nach der Taufe sich bekränzte, 
«ider ein sogenanntes sacerdotiiim übernahm oder öffentliche 
Spiele gab.* 

Aus dem manchmal für das Auge verschwimmenden 
Hintergründe der Theorien treten einige historische Ge- 
stalten lel Jens voll hervor. So gewinnt Tertullians etwas 
tedenklich scheinende Nachricht : „Wir erfüllen den Senat"* 
Licht durch die Erscheinung des Märtyrers, Schriftstellers 
und Senators AiwUonius von Rom,* Nachrichten über ihn 

' Can. VII ; de praesidilius, qui Alleles ad pntesidiatain prusiliunt, 
phcQit, nt cum promoti fuerint, litt«ras aceipiaoit eccleHiasticas 
cotorounicatoriM, ita tarnen, ut in quibuacumqne locis gesserint, 
kb episcdiio eiusdeu loci cura illis agator et cum cueperint contra 
diMipÜDam agere, tnm demnra a commonione excladantnr, similiter 
et de hia, qui rempablicam agere Tolunt (1, 208). Über die Bezeichnnug 
praeses gibt vielleicht die Bemerkung Marquardta, 1. c I, 567 Auf- 
»cliluaii: ,Jm dritten Jahrhundert tritt in der Verwaltoug der kaiser- 
lichen Provinzen die wichtige Änderung ein, welche seitdem tart- 
brstand, dass die Civilad minie tratioii von dem miliätriechen Kommando 
getrennt und die eratere einem praeses, die letztere einem das über- 
geben wurde. Seit dieser Anordnung sind die praesides Civil beainte." 

* Neque decurialibus aliquos ad eccleaiaaticnm ordiuem venire 
posse, qui poat baiitisninni tcI coronati fuerint vel sacerdotiuni 
qnod dicitnr, siiBtinaerint . . et editionea pnblicas celebniverinl . . . 
(Hardnin 1, 1024). 

• Tert apol. 37 (I, 251). 

' Die Litteratur fiber Apollonius ist sehr umfangreich. Es 
sei erwähnt -. Hamack, Sitzungsbb, d. kgl. preuss. Akad. d. W., Berlin 
ltt)3, S. 721 ff. ; Seeberg, Martyrinm des hl. Apollonius, in Neue 
}(trph). Zeitscbr 1893, 4, 8. 836 ff. ; Hilgenfeld, Apollonioe von Rom 




— 140 — 

liegen vor bei Eusebius, dessen Übersetzer Rufinus, sowie 
an einigen Stellen des Hieronymus. 

Im Anschluss an die Notiz, dass unter der friedlichen 
Regierung des Commodus mehrere, die durch Reichtum 
und Abstammung hervorragten, zum Christentum über- 
traten, fährt Eusebius weiter : Der allem Guten abgeneigte 
und von Natur aus neidische, böse Geist konnte das nicht 
ertragen, und deshalb ersann er gegen uns verschiedene 
Hinterlist. So führte er denn auch in Rom den ApoUo- 
nius, einen Mann, der damals unter den Gläubigen ob 
seiner philosophischen Bildung hohes Ansehen genoss, zum 
Richterstuhl, nachdem er einen von dessen Dienern zur 
Klage gegen seinen Herrn veranlasst hatte. Aber der 
Elende hatte die Klage zur Unzeit gestellt; nach einem 
Gesetze des Kaisers sollten nun solche Denunzianten mit 
der Todesstrafe belegt werden, und so wurden ihm die 
Beine zerbrochen, nachdem der Richter Perennios diesen 
Urteilsspruch über ihn gefällt. Der gottgeliebte Mann aber 
hielt auf die Bitten des Richters, vor dem Senate Rechen- 
schaft zu geben, eine herrüche Verteidigungsrede; freihch 
wurde er dennoch zum Tode verurteilt durch Senatsbeschluss, 
da bei ihnen ein altes Gesetz in Kji'aft war, nach dem 
diejenigen, die einmal vor ihr Gericht gekommen, nicht 
mehr freigesprochen werden konnten, wenn sie ihre Meinung 
nicht änderten. Die Antworten aber, die er dem Richter 
auf seine Fragen gab, sowie die ganze Verteidigungsrede, 
die er vor dem Senat gehalten, kann jeder, der dafür Inter- 
esse hat, in (Jer Sammlung der Martyrerakten finden.^ 

Rufinus fügt in seiner Übersetzung den Angaben des 
Eusebius nichts wesentlich Neues bei. 

Hieronymus kommt in seiner Litteraturgeschichte, 
die meist nur auf Eusebius beruht, auf ApoUonius 
zu sprechen; Apollonius, ein römischer Senator, wurde 



in Eist. Zeitschr. f. wiss. Theol. 1894, H. 1 ; Mommsen, Der Prozess 
des Christen Apollonius, in Sitzungsbb. d. kgL preuss. Akad. d. W., 
Berlin 1894, S. 497 ff. ; Klette, Der Prozess und die acta S. ApoUonii, 
in Text. u. Unters. XV*, 1897. 
* Eus. bist. eccl. V, 24 (399). 



— 141 — 

unter der Regierung des Kaisers Commodus von einem 
Sklaven als Christ denunziert, und auf die Bitte, von seinem 
Glaubensbekenntnis Rechenschaft zu geben, verfasste er 
ein ausgezeichnetes Werk, das er im Senate verlas, wurde 
aber nichtsdestoweniger durclj Senatsbeschluss enthauptet, 
da beim Senat ein altes Gesetz Geltung hatte, nach dem 
kein Christ, der einmal angeklagt war, freigesprochen 
werden durfte.^ Ausserdem kommt Hieronymus noch an 
zwei Stellen flüchtig auf Apollonius zu sprechen.^ 

Die DifEerenzen zwischen den einzelnen Angaben be- 
stehen hauptsächlich darin, dass Hieronymus den Apollonius 
direkt als Senator bezeichnet; ferner darin, dass Eusebius 
die Apologie vor dem Senate ihn halten, Rufinus zuerst 
vor dem Senate und allem Volk halten und dann (schrift- 
Uch) edieren, Hieronymus dieselbe schon abgefasst in den 
Senat mitbringen lässt. 

Nachdem Eusebius an der erwähnten Stelle nicht von 
einer schriftHchen Niederlegung der Apologie gesprochen, 
Rufin und Hieronymus dieselbe aber so sehr betonen, muss 
ihnen noch eine andere Quelle vor Augen geschwebt haben. 
Und diese waren vermutlich die Prozessakten des Apollonius, 
von denen Eusebius sagt, dass er sie seiner — uns ver- 
loren gegangenen — Sammlung der Martyrerakten ein- 
verleibt habe. 

Diese Prozessakten waren entweder von heidnischer 
Seite — als Protokolle — niedergeschrieben und von Christen 
abgeschrieben worden, oder sie stammen direkt aus der Hand 
eines Christen, der dem Verhöre beigewohnt. Eusebius selbst 
konnte aus den amtÜchen Archiven schöpfen, die ihm zur 
Verfügung standen ; übrigens waren diese Akten im vierten 
Jahrhundert, wie ja derartige Akten überhaupt, vielfach im 
Umlauf und decken sich mit der schriftHchen Apologie, 
von der Rufinus und Hieronymus sprechen. Im Jahre 1873 



* Hier, de vir. inl. 42 (Apollonius : 133). 

^ Hier, de vir. inl. 53: TertuUianus presby ter * nunc demum 
primns post Victorem et Apollonium Latinorum ponitur (140); ep. 70 
ad Magn. 4: Hippolytus quoque et Apollonius, Romanae urbis Senator, 
propria opuscüla condiderunt (Migne, S. L. XXTT, col. 667, 35). 



— 142 — 

wurde eine armenische Version derselben entdeckt und in 
englischer Übersetzung veröffentücht/ und im Jahre 1895 
auch die griechische Fassung derselben, die wohl die 
Urschrift bilden dürfte, durch die analecta Bollandiana 
weiteren Kreisen zugänglich gemacht.^ 

Ernste Zweifel an der geschichtüchen Wahrheit des 
Martyriums können nicht mehr erhoben werden. Gewisse 
Schwierigkeiten lösen sich von selbst. Wenn heidnische 
Schriftsteller nicht von diesem Martyrium sprechen, so ist 
zu bemerken, dass dieselben die Christenfrage überhaupt 
nur sehr flüchtig streifen; auch christliche Schriftsteller 
nennen wenig bestimmte Namen, einige vermeiden es gerade- 
zu, solche Erinnerungen zu wecken. So will Tertullian ja 
alle Kaiser im christenfreundUchen Sinne Zeichner. Auch 
die Friedenszeit des Commodus, in die das Martyrium 
fällt, bietet keinen Gegengrund; denn die Verhandlung 
spielt am Anfang der Regierungszeit jenes Kaisers, wo sich 
der Einfluss der Christin Marcia, die im übrigen auch nicht 
allmächtig war, am Hofe noch nicht so sehr fühlbar machte. 
Die Bedenken endlich gegen die gleichzeitige Verurteilung 
des Klägers und des Angeklagten hat wohl der neueste 
Bearbeiter des Apolloniusf alles am besten zerstreut; er wies 
hin auf die rechtliche Bestimmung des Pertinax, dass die- 
jenigen, die durch eine verleumderische Anklage eines 
Sklaven betroffen wurden, freigesprochen würden. Aller- 
dings datiert das Gesetz erst ein Jahrzehnt später, aber 
vielleicht existierte schon eine ähnüche Bestimmung. Übrigens 
musste ja jede Klage eines Sklaven gegen seinen Herrn 
erfoltert sein, und es ist nicht ausgeschlossen, dass schon 
bei der Folter der Sklave den Beinbruch erlitt.^ Von dem 
Angeklagten jedoch wurde dann die Aboütio der Klage 
erwartet. Einen Antrag darauf konnte, wie Klette meinte 



* Conybeare in „The Guardian", 21. Juni 1873; übersetzt: Cony- 
beare, The Apology and Acts of Apollonius' and other monuments 
of early christianity, 1894. 

* Apollonii Romani acta graeca, in Anal. BoU. XIV, 1895a 
S. 286 ff. 

* So Neumann, 1. c. S. 81. 



— 143 — 

ein iiberzeuguii getreuer Christ nicht steile n, AUein es 
Bch^int, (iase der Angeklagte doch eine Rechtiertigung 
bie"t^;n nmsat« ; ob aber dem Senat diese chriBtliche Recht- 
fertigung genügt hat, dürfte doch fraghch sein. 

Die Frage nach der Zuständigkeit des Gerichtshofes 
hat durch die Pi'ozesBakteii eine neue Beleuchtung erfahren. 
Die Berichte der Kirchenschrifteteller erweckten den Ein- 
<inic;k, üis ob Apolionius vom Gerichtshof des Perennia an 
Jfs Senatsgericht' verwiesen worden wäre, obwohl sie dies 
licVit gerade direkt aussprechen. Nach den aufgefundenen 
At-ten aber blieb Pereiinifü, beziehungsweise das Kaiser- 
g«r-i.«2]it, der zuständige Gerichtshof, und „erst im Laufe des 
Pro^eesea ist der Senat und zwar nicht als Gerichtshof, 
"'Äi'äem in seiner Eigenschaft als gesetzgebende Körper- 
ächi^jft bemüht worden".' 

Ein Schluas auf den Stand des Angeklagten — und 
"^^ ist es, was an dieaer Stelle zunächst interessiert — 
ist aue dej Zuständigkeit des Gerichtshofes nicht immer 
S^^tattet. Vor dem Senat konnten auch andere Angeklagte 
"^ Senatoren verbandelt werden, obwohl gegen Schluss des 
•^Afcten Jahrhunderts die Gerichtsbarkeit des Senates meist 
"■^^ Mitglieder seines Standes sich beschränkte. Umgekehrt 
°***n auch jedermann vor das Kaisergericht gestellt werden, 
"'-^ Senatoren suchten zwar stete Befreiung von dem Kaiser- 
S^*^cht zu erlangen; allein schliesslich war dies doch nur 
***^« Machtfrage, nicht eine Rechtsfrage.* Apolionius scheint 
*_'*^» doch Senator gewesen zu sein. Dafür bürgt der Be- 
"^^l*t des EhisebiuB, der ihn zwai' niclit direkt als Senator 
''^Ä^chnet, aber seinen Fall im Anechluss an den Über- 
"*t-t von Familien behandelt, „die durch Reichtum und 
■^s^ichlecht hervorragten". Bestimmter lauten die Aussagen 
''^^ HieronyrauH, der Apolionius zweimal als Senator ein- 
'" *^it, obwohl er die Angabe nicht in dem ihm vorUegen- 
'*^*» Bericht des Eusebius gefunden. Zu seiner Zeit scheint 

' Klette, 1- c. 3, 74. 
g^ ' Dio CasB. LXVII, 2, 4 ; LXXIV, 2, 1 ; vgl. Schiller, Die rflmischfn 
••*«t«- und Bechta-AttertUmer, in MUUers Handbuch der klassischen 
«»«nnmiwisaeiiachafi, IV. B., 2. H., Sördlingen 1887, 8. 584, 




— 144 — 

Apollonius allgemein als Senator gegolten zu haben. Be- 
deutungsvoll ist auch das dringende Bitten des Richters 
Perennis und die rege Anteilnahme des Senates an der 
Verhandlung, und schliesslich muss das Wort desTertuUian: 
,,Wir erfüllen den Senat** doch auch einen realen Hinter- 
grund haben. Freilich waren die Amtspflichten eines Senators 
schwer vereinbar mit den Christenpflichten. Vielleicht hegt 
eine Lösung darin, dass Apollonius als Senator bereits in 
vorgerückten Jahren stand. In der Kaiserzeit aber führte 
das sechzigste oder fünfundsechzigste Lebensja.hr Befreiung 
von den senatorischen Verpflichtungen herbei.^ 

Wenn TertuUian von Septimius Severus einmal be- 
richtet, dass er viele clarissimos viros und clarissimas 
feminas, trotzdem er ihr christliches Bekenntnis kannte, 
unangefochten Uess, ja dieselben sogar gegen die Wut des 
Volkes schützte,^ und wenn in den Katakomben zuweilen 
ein Name dies Prädikat clarissimus trägt, so ist nicht zu 
vergessen, dass durch dieses Prädikat zunächst nur die 
Zugehörigkeit zum Senatoren et an de ausgedrückt ist, der 
sich seit Augustus durch die Abgrenzung des Census — 
durch den Besitz von 800000, später von einer Million 
Sestertien — und durch gewisse Ehrenrechte aus dem 
Volke herausbildete. Aber nicht jeder Angehörige des 
Senaterenstandes war Senator, da der Senat als CoUegium 
auf eine gewisse Anzahl von MitgUedern beschränkt bUeb, 
die durch die lectio in denselben eintrat. Somit wurde 
die Frage über die Vereinigung von Amt und Gewissen 
für viele Christen dieses Standes überhaupt nicht akut. 
Auch das valerianische Edikt, das die Verordnung traf, 
dass alle christlichen Männer aus dem Senatoren- und 
Ritterstand ihre Würde verüeren, ihrer Güter beraubt, im 
Beharrungsfalle auch mit dem Tode bestraft werden sollten, 
ist in diesem Sinne aufzufassen.^ Freüich mochte die vor- 
hergehende lange Friedenszeit manchen Christen in den 
Senat geführt haben ; erscheint ja wenige Jahre nach dem 



• Sen. de brev. vit. 20, 4; Schiller, 1. c. S. 603. 

2 Tert. ad Scap. 4 (I, 548). » Cypr. ep. 80 (H, 839, 17). 



— 145 — 

Auöbi-Uüh der valer i an i sehen Verfolgung ein römischer 
Senator Asterius, der sich durch seine religiöse Freimütig- 
keit auBzeicboete. Er wai- nach dem Bericht des Eusebius 
ein Mann, der bei den Kaisern ungemein in Gunst stand, 
reich und angesehen. Er wagte es, den Leib des eben 
wegen seines chrifiÜichen Bekenntnisses zum Tode ver- 
urteilten Centurio Marinas zu bergen und ihm ein ehren- 
volles Begräbnis zu sichern. Über ihn wurde in vertrauten 
Freundeskreisen viel Rühmliches erzählt.' Sein Kult reicht 
weit hinauf : denn er ist es wohl, von dem eine alte In- 
schrift im Coemeterium der Commodilla spricht.' Spätere 
Berichte erzählen, dass er Märtyrer geworden.* Aber 
dieses Martyrium kann keinen Anspruch auf Glaubwürdig- 
keit machen. Eusebius, der eigens beifügt, dass er selbst 
noch Aster ins' Freunde gekannt und durch sie vieles 
über ihn erfahren habe, hätte dasselbe erwähnen müssen, 
oder wen^tens einen Hinweis auf die Aufnahme desselben 
in sein MartjTologium g^eben. 

Nach dem gallienischen Edikt mag wohl auch im 
.Senat eine mildere Stimmung und Rücksichtnahme gegen 
die (Jhristen sich geltend gemacht haben, und noch mehr 
mag dies der Fall gewesen sein, als Diocletian den Opfer- 
zwang aufgehoben hatte. Aber immerhin bheb der Senat 
in Rom der Hort der alten Reli^on. Sie war der- 
einst mit dem Entetehen des Senates verknüpft ge- 
wesen ;* ihm war sie anvertraut worden und er hatte sie 



' Eua, bist. eccl. VII, 16 |G50). 

I* PascbasiOB vixit 
Plus mintta annus XX 
Fecit fRtn IUI idus 
Üctcbris Vin ant« 
natale domni aa 
teri depoaitus in 
paee 
A. * .0. 
e£r. Hamcchi, Miscelknea arcbeologica 
1897, S. 209, 

• AcU SS- Boll- 3, Murt, 1, 224. 

• Cfr. Lact. div. inst, n, 6, U (I, 124, 1). 

n»lr. BaleillgiirB cl. Chrl»i. luii uffciU U■^ 



RQiu. Qunrtaldchr. XI, 




liS 



gehütet. Noch nach beinahe einem Jahrhundert, da bereits 
das Kreuz auf den Tem|)elii der zur Hauptstadt des Christen- 
turoB gewordenen Koma leuchtet, bitten die heidnischen 
Senatoren uni die Zurüekfiihrung der S-tatue der Victoria 
in ihren Sitzungssaal. 

Freundücher hatten sich die Verhältnisse von jeher in 
den Municipien gestaltet. Auch hier gab es einen Senat, 
die Decurionen, und auch seine Institution barg viel Sakrales. 
Aber trugen vielleicht einerseits die kleinstädtischen Ver- 
hältnisse viel engherzige Beschränkung in religiöser Bezieh- 
img an eich, ao konnte andrerseits nach Umständen der 
Spielraum und die Unabhängigkeit eine viel grössere sein. 
Der Bekenn tnisstaiid der Gemeinde war viel mehr zu be- 
rücksichtigen. Die diocletianlsche Verfolgung traf ja bereits 
ganze Städte christlich. In Phry^en wurde eine ganze 
Stadt mit all ihren Insassen vollständig niedergebrannt, 
nachdem sämtUche Einwohner mit dem Stadtrate und allen 
Beamten erklärt hatten, dass sie als Christen das Opfer 
verweigern müBslen.' So mögen sich wohl in vielen 
städtischen (Jurien Christen bewegt und die Interessen ilirer 
Glaubenagenoasen wahi^;enommen haben. Auch der Bischof 
Dionysius von Alexandrien scheint einem Deeurionen- 
geschlechte angehört zu haben, er, der uns einen Bück in 
seine eigenen Leben sschicksale thim läset, wenn er die 
Stürme seiner Tage zeichnet. ,,Wie viel kann der Bischof 
Germanus erzählen von Urteilesprüchen über uns, von Äch- 
tung, Konfiskation und Vermögensraub, von Verschmähung 
aller Ehren und Ehrenstellen, von Ablehnung von Auszeich- 
nungen als Beamte und Ratsherrn, von Feindesdrohung und 
Schmähung, von Gefahren und Verfolgungen, von Flucht 
und Mühaal und mannigfachem Leide, wie es die Zeiten des 
Decius und Sahinus über mich gebracht bis zum heutigen 
Tage."* 

Gegen Ende des dritten Jahrhunderts scheinen in 
Alexandrien die Christen sogar eine führende Rolle 
gespielt zu haben. Ein Vorfall, den Eusebius erzählt 




d 



in 



und der in einem der vielen Kämpfe während der Re- 
gierungazeit des tiallieiius gespielt haben muas, wirft 
interessante Streifhchter auf die Bedeutung den Christen- 
tums in dieser Zeit. Der Stadtteil Brachium in Alexandria 
war von den Römern eingeschlossen, und unter den Be- 
lagerten drohte eine Hungersnot auszubrechen, da die 
Nahrungemittel ausgegangen waren. Da ersann ein Christ, 
Anatoliu» mit Namen, der bereits durch manch andere That 
unter den Würdenträgern der Stadt sich einen ehrenvollen 
Namen gesichert, folgenden Ausweg. Er setzte sich durch 
einen heimlich gesandten Boten mit einem Christen Euse- 
biuH eines andern Stadtteils, der wegen seiner Parteinahme 
lür die Römer nicht belagert war, in Verbindung, und UesB 
ihm mitteilen, welch grosse Zahl in Bruchium am Hunger 
zu Grunde gingen. Eusebius' hei-voiragender Name und 
glänzender Ruhm waren auch dem römischen Feldherrn 
bekannt, und so glückte es Eusebius, für diejenigen, die 
aus ßnichium dem Feinde sich anschlössen, Amnestie zu 
erwirken. Diese Zusicherung teUte er dem AnatoUuB mit, 
Anatolius berief den Senat von Bruchium und riet zur 
Übergabe. Als aber dieser Vorschlag Widei-stand begegnete, 
fiteilte er den Antrag, wenigstens alle NichtwaSenEMgen, 
also Frauen, Kinder, Greise aus der Stadt zu entlassen, 
um 80 die Proviantbedürfnisse zu verringern. Dieser Antrag 
fand Anklang. Aber Anatolius ging in der Ausführung 
über den Boschluss hinaus. Er Hess nicht nur Frauen und 
Kinder, sondern auch — vermutUch im Einverständnis mit 
der Stimmung der Bürgerschaft, die der Belagerung über- 
drüssig war, — Männer in Frauenldeidung beim Dunkel 
der Nacht aus der Stadt passieren. Vor ^lem galt seine 
Fürsorge seinen Glaubensgenossen, den Christen, dann aber 
auch den andern. Und auf diese Weise wurden fast alle 
geri-'ttet. Im römischen Lager wurden sie von Eusebius freund- 
lich aufgenommen und liebevoll nach den schweren Zeiten des 
Hungere wieder gekräftigt. Eusebius wurde später Bischof von 
Loodicea, und nach seinem Tode bekleidete diese Würde sein 
ehemaliger Verbündeter, Anatolius von Alexandrien . . .^ 



EiM. hiüt- eccl. VII, 32, 7 (593), 




10* 



148 



Eine genaue Prüfung der oft iiiizuverlässigeii Martn 
akten, namentlich der diocletianisehcn Zeit, sowie ein 
eingehendee Studium der Katakomben vermöchte das gp- 
zeichnete Bild wohl noch nach manchen Richtungen eu 
ver vollfltändi gen , 

Übrigens hat die Zeit manche Spuren vollständig ver- 
wischt. Ist es ja nur der zufälligen Erwähnung zweier 
heidnischer Schriftsteller au danken, dass uns die Kunde 
von einem christlichen Konsul nicht verloren gegangen zu 
einer Zeit, da das Christentum noch kaum Boden gelangt 
hatte in der Welthauptetadt. In demselben Jahre, berichtet 
Dio Cassius, liess Doraitian neben vielen andern auch den 
Konsul Flavius Clemens, obwolil derselbe sein Vetter war 
und seine Cousine Flavia Domitilla zur Frau hatt«, zum 
Tode verurteilen, indem er beide des Atheismus b^chul- 
digte. . . . Auch viele andere, die nach jüdischen Sitten 
lebten, wurden verurteilt, tue einen zum Tode, die andern 
zur Güterkonfiskation. Domitilla wurde auf die Insel Pau- 
dateria in die Verbannung geschickt. Auch Glabrio, der 
zugleich mit Trajan das Konsulat bekleidet hatte, liess er 
ob des genannten Verbrechens hinricliten.' 

Mit dem Berichte Dios stimmt im wesentlichen Sucton 
überein: Endlich liess Domitian seinen Vetter Flavius 
Clemens wegen verachtenswerter Gleichgültigkeit mit gaiut 
geringfügigen Verdachtsgründen zum Tode verurteile», 
jedoch nicht im Jahre seines Konsulats. Das war «Vt 
Anfang zu seinem Verderben.* 

Diebeiden Verbrechen „Atheismus" und ,. Gleichgültig- 
keit g^en das rönusche Staatelei)en" waren Vorwürfe, die 
den Juden stets gemacht wurden, sie bildeten so recht „die 
jüdischen Sitten".' Domitian witterte ixihtischen Um 



' Dio C«M. LXVn, 14, 1. 



""1 



* Sunt, Dom. 15. 

' Tac, hist V, 5: contemnere dena, e^ue^■ iintrinin, parc-nte« 
libeniH frtttres vilia habere; Plin. bist nat. XIII, 4, 40 : gens ei»a- 
tuiu«Ka deorum insigniB; Amm. Harc XXtl, ß, 5: ille enim (Mu 



— 149 — 



ind das Majeatätsgesetz bot ihm einen passenden Rechte- 
RTUtid zur Verurt€älung der Beargwöhnten. In Wirldiehteit 
schein nn die Angeklagten dem Christentum angehört zu 
haben. Für den römischen Geschichtschreiber war eben 
Judentum und Christflntum noch nicht echarf genug unter- 
schieden. Dass Domitilla eine Christin war, ergibt sich 
aus dem Berichte des Kirchenhistorikera Eusebius, der im 
Anschluss an nielit genannte heidnische Schriftsteller be- 
richtet, dase Im 15. Jahre der Regierung Domitians die 
Nichte des Konsuls Flavius Clemens zugleich mit vielen 
andern auf die Insel Pontia verbannt worden sei.' Für 
das Christentum DomitUlaB bürgt weiter Hieronymus, der 
in seinem Epitaph auf Paula von derselben sagt, daas eie 
auf der Insel Pontia auch die Stätten besucht habe, in 
denen Flavia Domitilla in ihrer Verbannung um des Be- 
henntniijses Christi willen ein langes Martyriiun verlebt.* 
Und nicht der geringste Beweis für das christliche Be- 
kenntnis der Konsulsgattin ist das noch existierende Coe- 
meterium der Domitilla. Nach dem Berichte des Dio Cassius 
ist aber Domitilla desselben Vergehens schuldig wie ihr 
Gatte; daraus lässt sich ein Schluss auf das Christ«ntum 
des Konsuls ziehen.' Ebenso lässt die Gruft der Acilier 
in den Katakomben die Vermutung zur Gewissheit werden, 
das» Acilius Glabrio, der molitor rerum novarum, dem 
christlichen Bekenntnisse zugethan gewesen.* 



Anrclins) cnm Pala^^stinntii traoüret Äegyptnm petm^^, Jiidaeoram 
faelentiam et tamultunntiiim saepe tJiedio percitns dolenter dicitar 
iTcIamaiae ; Mareoraanni, o Qnadi, o Sarmfttae, tandem alioa vobis 
inertiores invenü Über die Richtigkeit der Lesart SchUrer, I. c, in, 
S. 107, Ä. 22, 

Eos. liist, eccl, lU, 18, 4 (1H9). 

Hier. ep. 108, 7 (Migne, S. L. XXII, col. 8Ö2, 4). 

Die Littenttur Über Flavias Clemens ist sehr umfangri^Jch ; 

lengestellt und dtircbgearbeitet bei Fnnk, „Titus Flavius 

i Christ, nicht Bischof" in Eirchengeschiditliche Abband langen 
and PntPrsuchnngi'D, Paderborn 1897, 1, S. 308 ff. 

* Snet. Dom.lO: complnres eenatores, in iU aliquot consulares, 
interemit: ex quibus Civicam Cere&lem in ipso Asiae proconsnlata 



L'lcmcng 




— 150 — 

Die Frage kann nur mehr wein, warum Eusebius bei 
Erwähnung des Christentums der Domitilla nicht auch 
den Konsul Clemens ale christlichen Märtyrer der domiti- 
anischen Verfolgung einführt. Diese Frage löst sich mit 
der naheliegenden Vermutung, dai« der KirchenBchrifteteller 
von dem Christentum des Flavius Clemens überhaupt nicht« 
erfahren hat, nachdem er den Dio Cassius nicht benützt 
EU haben scheint,' was sich schon aus der Verschiedenheit 
der beiden Angaben über Domitmas Verbannungsort er^bt. 
Zudem bemerkt Eusebius deutlich, dass (Ke CJewährsmäuner, 
von denen er schöpft, anführen, dass Domitilla wegen des 
Bekenntnisses Christi verbannt worden sei, wovon Dio 
Cassius nichts berichtet. Seine Quelle niuss eine andere 
gewesen sein, lasst sich freilich schwer ermitteln. 

Aus dem Schweigen des christlichen Altertums über 
den Konsul Clemens einen Schluss auf das Nichtehristentum 
desselben zu riehen, ist kaum gestattet. Auch andere Namen 
jener ersten Zeiten sind dem christlichen Altertum un 
bekannt gebheben. Nie begegnet uns in den christlichen 
Schriften jener Tage der Name des Patriciers Liberalis, und 
doch spricht eine metrische Inschrift in dunkler Katakomben- 
gruft von einer Fülle von Glanz, der eich um das Leben 
des darin Schlummernden gewoben. 

QufttDqnajn patricio claras de genuine consul 

Inlnstres trabeas uobilitate tnas 

Plus tarnen ad meritum creadt qnud mürte beata 

Mnrtyris elfu^o tiangulue nomcn httbes.'' 
Die Frage, ob der Konsul Titus Flavius Clemens 
identisch ist mit dem römischen Bischöfe und Schrift- 
steller Clemens, wird entschieden zu verneinen sein. Ab- 
gesehen davon, dass die Schriften des Bischofs Clemens 
Juden ehr istlichej^ Gepräge tragen, würde sich wohl ein 
römischer Bischof kaum zur Übernahme des Konsulat« 
verstanden haben, dessen Führung ihm ja nur Schwierig- 

Salvidiennm Orfitam, Acilinm Glabrionem in exilio qnaei molitores 



' So Fnnk, 1. c. S. 323. 

' De BoBsi, inscriptones christianae nrbis Roma« II, 1, Rom 
1U8», 3. 104, n. 3S and s. 23. 




151 



keiten bieten konnte. Eusebiue berichtet nichts von einer 
Abstammung aus dem kaiserlichen Hause, auch nicht den 
MartjTertod des Papstes Clemene, ein beredtes Zeugnis, 
dann das cbriatliclie Altertum davon nichts gewusst hat. 
Dagegen führt der kirchliche Geschichtschreiber ausdrück- 
lich an, dass der Bischof Clemens zu Zeiten Nervas, ja 
'l'rajans noch gelebt hat;^ so kann er wohl nicht identisch 
sein mit dorn unter Domitian hingerichteten Konsul gleichen 
Namens. 

Der von Hueton angeführte Vorwurf der contcmptissuna 
iiiertia löst auch die Frage, wie der Konaul Titus fHavius 
('lernen B sein christliches Bekenntnis mit seinen Amts- 
pflichten vereinigte. Vermutlich vemachlä.isigte Clemens 
die Götteropfer und namentlich den Kaiserkult und rief 
PO den Argwohn des Kaisers wach. 

Die Akten des hl. Calocerus und Parthenius, die unter 
Decius für den Glauben geblutet, wiesen auch von einem 
christlichen Konsul AemiUanus zu erzählen.' Der Be- 
richt des Hagiographen scheint Wahrscheinlichkeit zu ge- 
winnen durch die Thatsache, daes im coemeterlum S. CalUsti, 
dem Begrübniapiatz des Calocerus und des Parthenius, sich 
die Epitaphien eines Aemilius Parthenius, einer Aemilia 
finden. Und die Vermutung Allarda,' dass die ganze Area 
möglicherweise das Geschenk der christlichen Tochter Ana- 
tnlia Callista eines christlichen Konsuls Aemilianua sei, hat 
viel für sich, nachdem der Hagiograph erzählt, dass Aemüi- 
anuB seine einzige Tochter den beiden Sklaven Calocerus 
und Parthenius anvertraut, diese aber nach des Vaters 
Tode ihr Vermögen unter die Armen verteilt habe. Dem 
stehen jedoch grosse Schwierigkeiten entgegen. Der geringe 
Wert der Akten ist allgemein anerkannt.* Das Jahr 248 
hatte allerdings einen Konsul Aerailianus. Aber gerade 
in diesem Jahre brausten die Jubelklänge des tausend- 
jährigen Jubiläums Romas durch das Weltreich und weckten 
"" i alten Erinnerungen an die Vergangenheit wieder auf. 




— 152 — 

und ea wird wohl kaum die Fmcht derselben gewesen 
Bein, dasB man einen Christen zum Konsul wählte. Für 
den Christen selbst waren die Aussichten doch ku wenig 
lockend. Die Vergangenheit des Konsuls Aemilianus, wie 
sie sich aus den von M, Leon Renier gefundenen Inschriften 
ergibt,^ ist auch nicht dazu angetban, ihn als Christen 
erscheinen zu lassen. War er doch Pontüex gewesen und 
Mitglied des Collegiums der arvalischen Brüder, das die 
bedrängte Finanzlage des Staates zu FaU gebracht. Wenn 
der Naaie Aemilianus in der Katakombe des Callistus sich 
findet, so ist zu bedenken, dass dieser Name infolge der 
Verbreitung des aemilischen Geschlechtes häufig wiederkehrt 
und dass auch Sklaven vielfach den Namen ihrer Herrn 
angenommen. Es ist viel wahrscheinlicher, dass der Hagio- 
graph vom Coemeterium der beiden Heiligen, das sich in 
der Katakombe des Callistus findet, ausgehend, eben des- 
halb der Tochter den Namen Callieta gab und in Ver- 
wendung eines in der christlichen Ijegende häufig wieder- 
kehrenden Zuges, der Vermögensverteilung imter die Armen, 
sie zur Tochter einer angesehenen Familie machte, deren 
Namen er an den umliegenden Coemeterien fand. 

Das gallienische Edikt mit seinen immerhin dehnbaren 
Bestimmungen hat für die Magistrateführung von Christen 
sicher eine nachsichtige Auffassung geschafien, umsomehr, 
als ja die Christen sich um diese Zeit auch in sjjezifiscb 
kdserlichen Staateämtem finden. Paulus von Samosata 
bekleidete sogar als Bischof von Antiochien weltliche Ämter, 
und der Titel des Ducennarius* galt ihm mehr als der des 
Bischofs ; er führte seine welÜiehen Bräuche auch in die 
Kirchenverwaltung ein. Freilich fand dieses eines Bischofs 
unwürdiges Gebahren herben Tadel von seite der andern 
Bisehöfe.' Von Diocletian endUch sagt Eusebius, dass er 
den Christen leitende Stellen in den Provinzen anvertraut 



' Allarii, Lc. in', 2«. 

' Duoennarius hiess der in kaiserlichen Provinzen dem Statt- 
halter für die Geldverwaltnng beigegfebene Unterbeanile. Sein Gebalt 
betrag 2000UO Sestertien; daher der Name; vgl. Marqnardt I, 5ü3. 

' Ens. bist. eccl. VII. 30, 8 (584). 




d 



— 153 — 

I Jjabe.' So begegnet uns in Ägypten Philoromus, der nach 
HS „lue nicht unbedeutende Würde der kaiserlichen 
[ Verwaltung de« Landes um Alexandria bekam und, mit 
Liömificher Würde und Macht ausgestattet, von Soldaten 
ft-nmgeben, täglich Recht sprach",* Derselbe scheint Gau- 
■nrerwalter gewesen zu sein über den I-andbezirk Alejtandria, 
l'^ie Stadt war von der Gauverwaltung eximiert.) Dieses 
das die Verwaltung des Gaues, die Erhebung der 
fiteuem und auch eine gewisse untergeordnete Gerichts- 
f-barkeit in sich schloss, und desseu Träger zur Kömerzeit 
iden Titel mgaTrjyüg führte,* scheint aui besten der euae- 
l/bianiBchen Charakterisierung der SteUung des Philoromus 
entsprechen. Philoromus fiel als eines der ersten Opfer 
r diocIetLanischen Verfolgung. 

In Phrygien bekleidete der Christ Adauctus die hervor- 
jende Stellung eiiies Verwalters des kaiserhchen Kron- 
ind Privatvermögen B. Auch sein Haupt schmückte jene 
llVerfolgung mit der Krone des Martyriums.* 

Und so wären noch manche zu nennen. Der kühne 

iriet, der in Nicomedien das angeschlagene diocletianische 

Idikt herabrias und zerfetzt auf den Boden warf, war ein 

Der Bischof Philea.s von Thrauis, der uns in 

[nnem Briefe eiu lebendiges BOd entwirft von der Hürte, 

Biit der die kaiserhchen Edikte ausgeführt worden, hatte 

ielbst dereinst seinem Vaterlande im Amte treu gedient.^ 



' Ena. hbt, ecci. Vm, 1, 9: «zuiipin <^«^■ytVo^ro_rwxe^<roJl'- 
l' tä nifi ruvi rjfmtgovt ifiitmieis, ois xni rai riuf i^vmi' ii-i^ei- 
^y mefioyinf, Tiji jtcpi to 9vtiy aymi'ia; xrtrii TioXXijy. ijy ai-BBio^ov 
£cpt tä doy/ia. g}iUai' aviov; änaikiirioytes (608). Dnchesne, Le 
- Ricile d'Elvire, 1. c. 8. 162, n. l scheint die Stelle dahin zu deuten, 
9 die Christen aaeerdotes provinciales geworden wären. Aber 
le Ämter wurde wohl Diocletian nicht von der Opter|jflicht 
aitbunden haben; anjxerdeni geschah ihre Übertragung nicht durch 
"aiser, sondern durch die Repräsentation der ProTiuE, 
' Ena. bist. uoci. Vm, 9, 7 1627). 

• Vgl. darDher Marquardt, 1. o, I, 447 f. 

• Ena. hiat. eccl. Virt, 11, 2 (634). 

• Ens. hJBt. cccl. VIII, 5 (638). 

• Eua. bist. eccl. Vin. 9. 7 (G28). 



Von weittragender Bedeutung für das ChriBteiitum'^ 
war Beine Stellung am kaiBerlichen Hofe. In dem ersten 
Jahrhundert des Kaisertums trug der kaiserliche Hof noch 
durch w^ das Gepräge eines vornehmen Privathauses. 
Augustus selbst hatte ja dem Principafe noch den Charakter 
einer Magistratur, eines Amtes belaeaen; seine Gewalt war 
ihm vom Volke selbst auf eine gewisse Zeit erteilt worden. 
Allein diese urHprünghche Auffassung verlor sich bald, und 
die drei ersten Jahrhunderte sind ein Entwicklungsgang 
des römischen Reiches von der RepubUk mit ausserordent- 
licher Magistratur bis zur absoluten Monarchie, wie sie 
Diocletian erstrebt und ausgebaut hat. Der Hof nahm in 
seiner Art an dieser Entwicklung teil. Aus den Sklaven 
imd Freigelassenen, die im ersten Jahrhundert das Personal 
des Palatin bilden, werden schon unter Hadrian meist 
Staatebeamte, die in ihren höheren Stufen aus den Mit- 
gliedern des Ritterstandes sich rekrutieren. In späterer 
Zeit pind die glänzendsten Posten des Landes die Domäne 
für die Männer des Hofes. Der Einfluss des Hofes anf 
das Land war ein bedeutender; seine Sitten werden zu 
I>andesBitten und seine Stimmung beeinflusst und bestimmt 
oft genug Gesetzgebung und öffentliche Melniing. Es tritt 
dies namentlich in dem Verfahren gegen das Christentum 
hervor. Bis zum Jahre 250 hat es kein Reichsgesetz gegen 
das Christentum gegeben. Die bestehenden Gesetze bieten 
oftmals eine Handhabe gegen die neue ReUgion, aber sie 
werden nicht angewendet, wenn die Stimmung des Kaisers 
imd des Hofes eine christenfrcundliche ist. So ist es unter 
CommoduB, Septimiue Severua, Alexander Severus, Phihppus 
Arabs und auch später noch gewesen. 

Frühzeitig tritt das Christentum in Berührung mit 
dem Hofleben. Schon Paulus sendet den Philippem die 
Grösse von denen, die aus des Kaisers Haus sind.^ Und 
zur Zeit Domitians hat das Christentum bereits Anhänger 
in der kaiserlichen Famihe selbst. Standen ja der Konsul , 




— 155 — 

FlaviuH ClemeiiH und aeine (iattin DoiiiitUIa in den niicliBten 
verwandtschaftlichen Beziehungen zum Kaiser. 

DasB das Chrietentum sobald Fuss gefasst am Hofe, 
hat wohl seinen Grund in dem Zusammenstrcimen der 
verschiedenartigsten Elemente aus aller Herren Länder. 
Philosophen, Gelehrte, Dichter, Künstler, Soldaten, Sklaven 
fanden sich zusammen ; auch Juden hatten dort eine Heim- 
stätte gefunden. Unter Nero hatte nicht nur ein jüdincher 
Schauspieler Alityrus am Hofe gelebt, — Poppaea selbst 
hatte sich den Proselyten angeschlossen und die Antiqiütat<:s 
des am kaiserlichen Hofe eingeführten Josephus hatten 
wohl auch — namentlich nach dem Falle der jüdischen 
Hauptstadt — das Interesse dem untei^gangenen Volke 
zugewandt,* und damit war auch Boden geschaffen für 
da» Christentum. 

Unter gewöhnlichen Verhältnissen stellten sich der 
Ausübung des Christentums am Hofe auch nicht jene 
grossen Schwierigkeiten entgegen, wie sie sonst sich boten. 
Der Kaiser forderte von seineu Hausbeamten Devotion. 
jedoch nicht die Adoration, und unter weniger absolu- 
tistischen Kaisern mag dieselbe immerhin eine Form ge- 
habt haben, dass auch die Christen sich damit abfinden 
konnten. Bis zur Zeit des Kaisers Commodus sind übrigens 
bestimmte Nachrichten sehr dürftig. Jedoch unter den 
Genossen des Märtyrers Justinus tritt auch ein Sklave 
des Caesar, Euelpistus, auf, der von eich bekennt, durch 
Christus selbst mit der Freiheit beschenkt zu sein. Et 
hatte schon christliehe Eltern gehabt, aber Justins Reden 
hatten ihn noch inniger mit dieser Religion vertraut ge- 
macht.' Er erlitt mit seinen Genossen nach voraus- 
gegangener Geisselung den Martyrertod. Zahlreicher weiden 
die Christen am kaiserHchen Hofe uamenUich in der Ruhe- 
zeit des Commodus. Ireiiaeus sagt, dass die Christen am 
Hofe vom Kaiser den Unterhalt beziehen und denen, die 



' Nttherea darüber bei Schürer, I. c. IH, 34, A. 93. 
' Act. 8. Just, et sw.. 4 (Otto II, 272). Über die Echtheit der 
Akten (Otto II, 266 ff.) KrUger, 1. o. 237 ff. 




— 156 — 

nicht haben, nach ihren beatoi Kräften mitteilen.' Hip._ 
polytuB von Rom nennt auch bestimmte Namen. Üeän 
Bericht, der freilich einer kritischen Würdigung bedarf, 
lautet '^ in kurzen Zügen : Ein treuer IVIann aus dem Hause 
des Kaisers war Carpophorus ; er übergab seinem Sklaven 
CalUatuB eine Summe Geldes mit dem Auftrag, ein Bauk- 
geachäft au errichten, und versprach ihm Gewinnanteil. 
Viele Leute deponierten ihr Geld in dem Bankgeschäfte. 
CoUistUB aber unterschlug das Geld und verschwendete es. 
Als seine Untreue bekannt wurde, suchte er zu entflieiien, 
und als ihm dies nicht gelang, machte er einen Selbstmord- 
versuch in den Fluten des Meeres, Bchiifer aber entrissen 
ihn dem nassen Elemente; zu seinem Hemi zurück- 
gebracht, ward er von diesem in die Stamplmühle ge- 
schickt. Die um ihre Depositen betrogenen Leute, unter 
denen namentlich Christen gewesen zu sein scheinen, 
teilten dem Carpophorus eine Äusserung des CaUistuB mit, 
wonach derselbe noch Geld bei einigen verborgen habe, 
und baten ihn deshalb, Callistus zu entlassen. Carpo- 
phorus war ein edler Mann ; er gedachte nicht der eigenen 
Verluste, die er selbst durch den treulosen Sklaven gehabt, 
sondern nur der andern, die jenem auf seinen Namen 
ihr Hab und Gut anvertrauten. Er enthess deshalb Cal- 
listus aus der Stampfmiihle, Dieser aber scheint in Wirk- 
lichkeit kein Geld besessen zu haben ; denn er saun sofort 
wieder auf einen Mordversuch und störte deshalb an einem 
Sabbat den Grottesdienst der Juden ; diese schleppten ihn 
vor den Stadtpräfekten Fuscianus und verklagten ihn 
wegen Rehgionsstörung. CaSlistua gab an, er sei ein Christ. 
Carpophorus aber, der auf die Nachricht von all dem herbei- 
geeilt war, leugnete das Christentum seines Sklaven. Schliess- 
lieh wurde derselbe in die Bergwerke geschickt. Nach 
einiger Zeit aber erwirkte Marcia, die christliche Konkubine 

' Iren. adv. haer, IV, 4G : quifi autem et hi, qni in regali aula 
sunt, fidi?les, nonne ex eis, qnae Caesaris sunt, tiabent ntensilia, et 
bis, qiii Don haheot, onusquisquc eorum secnndum Biiam TÜtntem 



d 



des Kaipcrs, eine Arrmestic liir die in die Berf,'werke vcrnrteiiteii 
Chrifiten und liess eich zu diesem Zweeke vom Papste Victor 
eine Liste der cliristlichen Märtyrer in den BaJdinischen 
Bergwerken anfertigen. Mit dieser Liste, auf die der Papst 
den- Callistus nicht gesetzt hatte, sandte sie einen Priester 
ilyaciiithus nach Sardinien, der denn auch seinen Auf- 
trag, die Befreiung der Gefangenen, zur Ausführung brachte. 
CalUstus sollte, da sein Name fehlte, zurückbleiben. Aber 
er bestürmte den Priester solange, ihn ebenfalls mitzunehmen, 
bis dieser nachgab und durch die Erklärung, dass er Marcias 
Erzieher sei und die Folgen der Freilassung des CallistuR 
iiul sich nehme, von dem Aulaich tebeamten die Dimiseion 
des Verurteilten sich verschaffte. In Rom scheint jedoch 
die Ankunft des Callistus in chrietHchen Kreisen nicht an- 
^nehm berührt zu haben, Papst Victor verschaffte ihm 
das nötige Geld, um sich in Antium niederzulassen. Ze- 
pbyrin rief ihn von Antium zurück und übertrug ihm die 
Aufsicht über ein C'ömeteriiim, Callistus wurde bekannt- 
lich später Papst — und der berühmte Bekfimpfer Hip- 
polyts. Das letztere erkiärt manches in dem Bericht des 
römischen Gegenbiechofs über seinen Gegner, Die Vor- 
würfe, die Hippolyt dem Callistus namentlich in betreff 
der Dopfwistellung zu Sabellius und Theodotus in Frage 
der trinitarischen Streitigkeiten macht, sind unbegründet 
und lösen sich durch Hippolyts eigene falsche subordina- 
tüaiBche Auffassung. So Uegt es wohl nahe, dass Hippolj-t 
auch in der Vergangenheit seines Gegners, die ja schon 
viendg bis fünfzig Jahre zurückUegt, mancher Thatsache eine 
achwörzere Färbimg gibt als sie in Wirklichkeit gehabt, wie 
ja überhaupt die ganze Enthüllimg des Vorlebens des Calli- 
stus, der einer der besten und thatkräftigsten Männer seiner 
Zöt geworden, von Tendenz getragen ist. Al>er wie immer 
es sidi mit der Genauigkeit der Personalangaben verhalten 
mag, für daa Lebensbild der Christen damaliger Zeit ist 
die Schilderung von Interesse. Männer von Einfluss, wie 
CarpophoruB, sind Christen, ja am Hofe selbst leben christ- 
liche Priester, wie Hyacinthua ; Marcia, die Konkubine des 
Kaisers, muss nach dem Berichte Hippolyts eine An- 



I 



— 158 — 

höngerin des (^hristentoms gewesen ^in ; t^ die 
des Schriftstellers Ausdruck tfiiJMäto^ nahe, so kann es 
doch wohl nur eine Christin sein, die vielleicht in einer 
Anwandlung von Reue über ihr bedenklichee Leben die 
Befreiung von christlichen Mart\Tem wünscht und sich 
deshalb mit dem Papste Victor ins Benehmen setzt. 

Wie die Dienerschaft im kaiserlichen Hause überhaupt 
sich sozusagen von einem Fürsten auf den andern vererbte, 
so scheinen auch die Christen von dem Hofe des Com- 
moduB auf den Hof des Septiniius Severus übergegangen 
zu sein. Ein interessantes Zeugnis hiefür bietet uns die 
Inschrift eines Sarkophages, der an der via Labicana ge- 
funden wurde: Sie lautet mit den von de Rossi vorge- 
nommenen Ef^nzungen: M. Aurelio Augg, lib. Proeeneti 
a cubiculo Aug. proc. thesaurorum proc. pattimoni proc. 
munerum proc. vinorum ordinato a divo Commodo in 
kastrense patrono piissimo liberti bene merenti sarco- 
phagum de euo adomaverunt. Auf der Rückseite steht ge- 
schrieben : Prosenes receptus ad deum V. non. Julias (Maias) 
Sa<me in Cepballe)nia Pmesente et Extricato H. (d. i. 2 17 n. Chr.) 
regrediens in urbefm) ab expeditionibuH. Scrip. Ampelius. lib.' 

Der auf der Rückseite von anderer Hand beigefügte 
Zusatz: Receptus ad deum lässt einen wenn auch nicht 
zwingenden Scblnss auf das christliche Bekenntnis des 
Prosenes zu. Zwingend deshalb nicht, weü der Christ 
Ampelius, der den Zusatz gemacht, vermutlich ein Sklave 
oder Freigelassener des Verstorbenen, in seiner liebe und 
Verebnmg für seinen Herrn, auch wenn derselbe Heide 
war, dennoch die Aufnahme desselben in den christlichen 
Himmel für sicher gehalten haben kann. Immerhin für 
das Christentum des Prosenes eine gewisse Wahrschein- 
lichkeit.* 

Prosenes ist der Typus des Hofbeamten. Er hatte 
seine Latifbahn unter Marc Aurel mit der Procuratur für 
Getreide und Wein begonnen, jenem Amte, das die Kaisw 



I. n. 5. I 



' De Basal, inscriptianes chrij^tianae urbia Bomae, Born 11 

7. 8. 9, 

' Auch Nenmana, 1. c. S. 84 erklärt 




159 



1 sie die Hauptstadt mit Nahrungsmitteln 
versorgten, hatte dann die Procuratur für die Gladiatoren- 
spiele, später das Amt der Verwaltung den kaiserlichen Privat- 
vennögenB, der kaiserlichen Schatzkammer übernommen und 
war wohl als kaiserlicher Kämmerer im Jahre 217 gestorben. 

,,Wir erfüllen den Palaat," schreibt Tertullian zu Sep- 
timius Beverus' Zeiten , , .^ Ein Christ Procuiua hatte den 
Kmser in schwerer Krankheit dm'ch Öl geheilt, und von 
da an liesa ihn Severus nicht mehr von seiner Seite bis 
zu dessen Tod.' Severus' Sohn Antoiünus erhielt eine christ- 
liche Ararae,' und vielleicht war auch sein Spielgefährte, 
den Spartian als einen Juden bezeichnet,* ein Christ. Freihch 
der B[ätere Tertullian weist darauf hin, dass der Hofdienst 
den Christen in Schwierigkeiten bringen könne. Die Kaiser- 
feierlichkeiten fordern vom Christen am Hofe gleichsam als 
ein Amtsgeschäft die Bekränzung, und in diesem Fall steht 
der Christ in einer Pflichten koHision, in der er sich für 
seinen höheren HeiTen entecheiden müsse.* Cyprian berührt 
in seiner Schrift ad Donatuni auch die nichtige Eitelkeit 
des Hofleljens, namentlich die Unsicherheit, in der ein 
Kaiser sieh fortwährend befinde. Oder hältst du diejenigen 
für eicher, die in der Unantastbarkeit ihrer ehrenvollen 
Stellung, in der Fülle ihrer Macht sich geschützt dünken, 
die im Glänze des kaiserlichen Hofes die Wache als Ver- 
teidigung umschliesst? ... Sie haben mehr Furcht als 
andere Menschen. Der Kaiser muss sich ebenso fürchten 
als er gefürchtet wird.* 

Auch unter Alexander Severus fanden sich die Christen 
zahlreich ara Hofe des Kaisers.' Von ihnen mag wohl 

* Tert, apo). 37: implevimiu palatium (I, 351). 

' Tert. ad Soap. i -. nam et Pruculum'Christiannm, qni Torpacion 
mgnominabatiir, Bnbndi (Oehler: Euhodiau) procuratorem, qui oum 
)><.-r uleum aliquando curaverat, regnisivit et in palatio snn habnit 
iiMqiie ad iDurtem eins (I, 547). 

' Tert. ad Scap. 4: Antoninus lacte christiano edacatas (I, 548). 

* Spart. Anton. Caracalla I. " Tert. Ae coron. 12 (I, 449). 
' Cypr. ad Don. 13 (1, 14, 12). 

' Ena. hiat eod. VI, 28, 1 : Tioif thy 'AXeiilrtfuov olxoy, ix 
ÖT. (477). 




— 160 — 

auch Miimniaea. die kiiif-erliche Mutter, vou dem Namrapl; 
des Origenes gehört haben, und sie versäumt« es nicht, bei 
einem gelegentlichen Aufenthalt in Antiochia den berühmten 
Gelehrten zu sich bitten zu laseen, um seine Ansichten zu 
hören,' Gerade ob dieser freundschaftUchen Beziehungen 
der Christen zu Alexander Severua Hess Maaiminus Tlirax 
dieselben verfolgen. Unter Philippus Arabs kamen wieder 
Tage der Ruhe und des Friedens, und der Kaiser und die" 
Kaiserin, die im Briefwechsel mit Origenes standen,^ werden 
wohl auch Christen an ihrem Hofe geduldet haben. 

Im Jahre 1856 wurde im Paedagogium am Palatin ein 
Graifito gefunden. Auf demselben befindet sich, ans Kreuz 
geheftet, ein Sklave, mit einem Eselskopfe ; davor steht ein 
anderer, unbärtiger Mann, der anbetend zu dem Gekreuzigten 
aufblickt, dabei die Inschrift : 'JAe|a/(f vo? a^ßeie ^b6v 
Alexamenos verehrt seinen Gott. Diese Zeichnung 
bis jetzt stets als Spott aiifgefasst, mit dem ein hei(' 
Page seinen christlichen Mitpagen Alexamenos überschüttert' 
wollte.' In neuester Zeit ist eine andere Erklärung auf- 
getaucht. Wünsch* halt diese Zeichnung für ein Symbol 
aus dem Gedankenkreise der sethianischen Gnosis. Diese^ 
Sekte, die das ägyptische Element des heiligen Tierea, 
Eseis des Typhon Seth zur Geltung brachte, verehrte 
Eeelskopf als Typhon Seth, Adam war Mensch, und 
Sohn, der berufen war, ein neues Menschengeschlecht zu' 
gründen, ist Seth. Christus, der Menschensohn, und Seth, 
der Menscheusohn, fallen zusammen, und falls letzterer noch 
eine Erinnenmg an sein ägyptisches Wesen gewahrt hatte, 
muBste ein Gott entstehen, dem die Symbole des Esels- 
kopfes und des Kreuzesholzes gleichmässig zukamen. Wünsch 
glaubt demnach, das» diese Zeichnung ein wirkliches Kolt- 
zdchen eines dieser gnostischen Sekte ergebenen Pi 



■ Ena. hiat eocl. VI, 21. 3 (467!. 
' Eug, ht»t. ecci. VI. 36, 3 (485). 
' Su Kraus, Da» Spottkrucilix vom Pnlittin, Frcibni^ 
* WItnsch, Sethianische Terliuchiings tafeln aus Rom, 
1898. S. 112 ff. 



'lege 





— 161 — 

gewesen sei, und nicht den Chai-akter des Spottes trage. 
weist dabei namentlicii anf das rechts der Zeichnung si 
bisher meist unbeachtet oder unerklärt gebliebene V hin. 
dasselbe K, das sich auch auf den von ihm untersuchten 
sethianiachen Verwünschungetafeln rechts vom Eselskopf 
des Typhon Seth findet und auf die Macht des Gottes über 
die Wege der Unterwelt sich bezieht, das aber ein unein- 
geweihter Spötter sicherlich weggelassen hätte, femer auf 
ein anderes Graffito, das derselben Hand entstammt zu 
sein scheint und die Inschrift trägt 'A^e'^aftevöi iidelis, die 
nie als Spott aufgefasst worden sei. Das überzeugendste 
Moment dieser Darlegung ist jedenfalls der Hinweis auf 
das der Zeichnung eingefügt« ¥. Im übrigen aljer stehen 
der neuen Auffassung manche Bedenken entgegen. Es ist 
schon etwas unwahrscheinlich, daas ein wiildicher Anhänger 
des Typhün Seth den Ausdruck seiner Verehrung in die 
Sulzform gekleidet hätte : Alexamenos verehrt seinen Gott. 
Aber ausserdem ist bekannt, dass der Glaube an eine Esels- 
verehrung der Christen allgemein verbreitet war. Ursprüng- 
lich wurde derselbe den Juden zum Vorwurfe gemacht. 
Tacitus erzählte von ihnen, dass sie einst in der Wüste, 
schon dem Versciunachten nahe, durch den AnbÜck von 
Eseln, die zur Tränke gingen, auf eine Quelle geführt 
worden seien und dass sie deshalb einen Eseiskopl ver- 
ehren.^ Übertrug sich nun bei der religiösen Verwandtr 
Schaft zwischen Judentum und Christentum von selbst 
dieses Urteil auch auf die Christen," so wusste ein ab- 
ge&Uener Jude den Glauben an eine Eselsanbetung der 
Chiisten zu verstärken,* indem er eine Zeichnung mit der 



' Tae. bist. V, 3. 

• Tert. ad nat, 1, 11 (R. I, 80, 22 ); cfr. Tert, apol, 16 (1, 17&): 
Hin. Fei, Octav. 9, 3 : andio eoa turpisEimcie pecudia capnt (aaini) 
«inspcratum inepta nescio qua pcräuasione venerari (13, 8); cfr, 28, 7 
141, 23). 

* Terl. ad nat I, 14 : nova iam de deu nostro fama suggessit, 
nee adeo naper quidara perditissimu» in iata civitate, etiam siiae 
religionis desertur, solo detrimento cutis Judaeus, utique magis post 
he atjarain morsus, ut ad ijnas se locandd cjiuitidie toto iam corpore 

aiisimdr, Beteiligung d. Lluitt, >in aacni). Leb«». H 



— 162 — 

Überschrift ,,Onocoete8" anfertigte, die nach der Besehrei- 
bung Tertullians jenem gefundenen Graffito wenigstens in 
etwas ähnlich gesehen haben muss, so dass eben in letz- 
terem eine übermütigem Spotte entstammte Kopie vorliegt. 
Die Auffassung von Wünsch bedarf ausserdem auch noch 
des Nachweises, dass die gnostische Sekte der Sethianer 
die Erlösung der Menschen durch Typhon Seth, dessen 
heiliges Tier der Esel war, am Kreuze vollziehen Hess. 
Eine Verbindung des Eselskopfes mit dem Kreuzesholz 
wäre lediglich durch die in Frage stehende Zeichnung lie- 
zeugt. Vermutlich ist auch das andere Graffito mit der 
Inschrift: ^AfJff^fvoV fidelis, weil derselben Hand entsümimt, 
als Spott aufzufiissen. Beide Zeichnungen scheinen am« 
der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts zu stammen, 
aus der Zeit, da das Christentum am Hofe des Alexander 
Severus festen Fuss gcfasst hatte und wohl auch im Pädago- 
gium der eine oder andere christliche Page sich befand, 
der dann allerdings mit der Spottsucht seiner Kameraden 
zu kämpfen hatte. 

Die Dezi US Verfolgung venlrängtc die Christen zwar vom 
Hofe, al^r schon von Valerians Zeiten kann Eusebius 
witnlerum })erichten, dass die Christen am Hofe dieses 
Kaisers sozusagen eine Gemeinde Gottes bildeten.* Als 
VT zur Verfolgung schritt, war die Strafe für die Hofbeamten 
im Vergleich zu den übrigen milde. Zwar wurden ihre 
Güter konlisciert, sie selbst gefesselt auf die Güter d«»s 
Caesar deportiert, um dort wahrscheinlich Sklaven zu wenlen; 
aber die T<m lesstrafe, die? der Prit.'ster und im Falle der 
()[)ferweig<Tung juich der Senatoren und Kitter wartete. 
liat sie nieht getrnITen.- 

Naeh dem pillienisehen Ivlikt gewannen die Chri.»«t<*ii 
am kaiserliehen lh»fe neuen lioden, und noch günstiger 
gestalteten si<-li ihre Verhältnisse unter Diocietian. Kr 

(In'iititnr et rin-ainciditur, pirturaiii in uns propusiiit, sub ista 
Iiriiscriptione, niiorurtcs is cnit aurilius (-aiitiriorum et in t<i^, cum 
iibrii, silti'ro |>(m|c uiiiriilato. «-t rreiii<lit viilirus iiifaiiii «luilaei» . 
itaque in ti'tu civitat»' nnorMii-trs pratMliratiir (U. I, S4, 10^. 

» Kus. hi>t. inl. VII, in, :i (faj). > Cviir. t'p. M) (I, i<3ö, If» . 



I 



und seine Mitregenten gestatteten ja ihren HauBgenoaaen, 
ihren Frauen und Kindern und Bedienten , c 
Ausübung ihrer Religion. Zu ihnen gehörte Dorotheus, 
äessen Treue und Anliänglichkeit die Kaiser mit der Ver- 
leihung von reichen Ehrenstellen lohnten ; ebene« Gorgonius 
und noch viele andere,' wie der Page Petrus.* Freihch 
trafen dann auch die ersten Schläge die Christen am Hofe. 
Dase, wie der Verfasser der mortes erzählt, die Abwesenheit 
der Christen von den Opferfeierlichkeiten der Mutter des 
GaleriuH oder die angebhehc Störung des Opfers des 
Diocletian durch das Kreuzzeichen der anwesenden christ- 
lichen Hofbeamten der Grund der Verfolgung gewesen,* 
iat wenig wahrscheinlich. Immerhin mögen solche Vor- 
kommnisse einen äusseren Anlass geboten haben. Jeden- 
talls war ursprüngHch zunächst eine Verdrängung des 
Christentums vom Hofe geplant. 

Es scheint, dass auch Diodetians Gattin Prisca und 
«eine Tochter Valeria dem Christentum zugethan gewesen. 
Denn die Stelle des Eusebius: ,,Sie gestatteten den Haus- 
genossen, ihre Religion offen auszuüben, den Gattinnen, 
den Kindern und den Dienern",* legt diese Auslegung 
nahe und der Verfasser der mortes berichtet ausdrückhch, 
dass Diocletian nach dem Brande, der den kaiserUchen 
Palast zerstört, seine Frau und seine Tochter zwang, sich 
durch Götteropter zu beflecken,^ Die beiden scheinen dem 
Verlangen Folge geleistet zu haben. Das mag auch der 
(^rund sein, warum der Verfasser der mortes mit so ge> 
ringer Teilnahme die weiteren Geschicke der beiden unglück- 
licbeD Frauen verfolgt. 

Aus den kaiserhchen Palästen gingen die ersten gott- 
geliebten MartjTCr der diocletiani sehen Verfolgung hervor. 



i)i cCr. de mort. pers. 15: 
quo» palatiam et ipee Bote 



I 



' EuB. bist eccl. VIII, 1, 3. 4 (( 
potentiHsimi quondam eunuchi lutti, p 
roiutabat (D', 188, 13). 

• Eus. hiat. Mcl. Vm, 6, 4 (619). 

• De murt. pera. 10 sqq. (nV184, 6). 
■* Bue. bist. eccl. VIII, 1, 3 (608). 

• De raort. pers, IS (n', 188, 12). 



— 164 — 

Es war der Page Petrus, der die Forderung des Götter- 
opfers standhaft zurückwies und dafür langsam verbrannt 
wurde; femer die erwähnten Kämmerer Dorotheus und 
Gorgonius,* und noch manch andere, deren Namen von 
keinem ( ieschichtschreiber angeführt, und nur von der 
Legende treu gehütet und mit einem reichen duftigen 
Kmnze. uniwol)en worden. So berichten Akten von zwei 
Heiligen Scrgius und Bachus, die den Glanz des Hofes, 
der sie umgab, geopfert für ihre ülx?rzeuginigstreue. Si 
emendationsbedürftig dieselben sein mögen, ihr gesclii<*ht- 
liclier Kern ist iKiZcugt durch eine sich mannigfach aus- 
prägende Verehrung, die zeitlich weit über die Entstehung 
der Akten liinausgeht und bis ans vierte Jahrhunt lert 
hinanreicht.* 

Mit Coustantin zieht christliches Lel)en in den Huf 
ein. Und kaum vergelufii hundert- Jahre, da bestinnnt 
eine Kabiiietsordre des Kaisers Honorius, dass alle Feinile 
der kathoHsehen lltdigion ausgeschlossen sein sollen wnn 
Palastdienste, damit kein lituid mehr denjenigen mit dem 
Hof verknüi)fe, den Glaube und R(»ligion davon trennt.' 
Damit wird der Gcntilismus zum Paganismus. 



4. Kapitel. 
Die Stellung der Christen zum Militärdienst. 

Die Stellung der Cliristen zum Militärdienst war im 
Altertum eine viel umstritt^'ue Frag«'. Die heilige Sehrift 
bot keinr bestimmte Lr»suiig. Das auserwählte Volk .si*n»si 
liattf si'it alten Zeiten mit den NachbarNMilkern in lieftiireii 



' Kiis iii>t. rrci. viii, r, «;is. 

* A«tji SS. 7 (>»'!. III, s»;:UY.; iUt irriiM'liische 'IVxt, weU-luT «l»r 
ältiTi- z!i >«in Hlniiit, vcrötIViitlirht in Anal. J^oll. XIV, 1S:»;\ 

s. :;7:) n 

•"* r..il. rin'u 1 XVI, .'i, 1*2 ftiH. ijui «atlujüpue sec'tai' sunt 
ininiici int im |i.ilutiuni niilit.m' prohibfiiius. nullu": nnhis sit aliipu 
rntinn«- rouiun« tu-, ipii a nol'i^ i'nli' i-t r»-liiri«inf discitnlat. Pat. XVIIl. 
<':il |iir II. iv. Ilji-M» it l'liilipiMi ni<«j. 4n.s . 



— 165 — 



rgestanden und das hatte das Volk kriegerisch 
erhalten. Nach dem üesetee Mosis war jeder Israelit mit 
Auanahnie der Leviten wehrpÜichtig ' und seit den Zeiten 
der Könige hatte Israel auch ein stehendes Heer.^ Die 
Makkabii^rzeiten mit ihren begeisterten ■Freiheitskämpfen 
haben den Kampfesmul wach erhalten," und es ist nicht 
das Bchlechteste Zeugnis hiefür, wenn Demetrius Nicator 
von Syrien dreissigtausend Mann jüdischer Soldaten in 
sein Heer ehizustellen sich erbietet.* Schwierigkeiten bot 
den Israeliten nur der Dienst in nicht jüdischen Heeren, 
cta in solchen ihre gesetzliche Vorschrift, am Sabbath keine 
Waffen zu tragen und nicht mehr als zweitausend Ellen 
BU miirschieren,^ kerne Berücksichtigung finden konnte. 
Solche Bedenken waren es auch, welche ihnen im römischen 
Heeje Freiheit vom Kriegsdienst verschafften.^ Von einem 
Verbot des Kriegsdienstes als solchem aber konnte keine 
Rede sein, und der Täufer in der Wüste mahnt die Soldaten 
nur, niemanden Unrecht zu thun und zufrieden zu sein 
mit dem Solde.' 

Die AbHchaffung des Krieges und damit der Not- 
wendigkeit der Heereabüdung war nun freilich wohl auch 
eines jener Ideale, wie sie der göttliche Meister in der 
Bei^predigt voi^ezeichnet * und wie sie dereinst in der 
Fülle der Zeiten werden erreicht werden. Aber wie solch 
eiu Ideal unserer Gegenwart noch weit entrückt zu sein 
, scheint, so war dessen Erfüllung in den ältesten Zeiten 
unreahsierbar. Der Einzelne ist im Kampfe dafür ohnehin 
meist machtlos. Und darum galt das Wort des Apostels : 
Ein jeder bleibe in dem Stande, in dem er berufen ist,* 
auch für den Vertreter des Krieges, für den Soldaten. So 
finden sich schon in der ersten Zeit christliche Soldaten. 
Von einem Hauptmann der Truppen des Herodes Antipas 

' Nnm, 1,3; 26,2; 1,49-50; 2, 3H; Job. 1, 14. 

» 1. Sön. 13, 2 ; 14, 52 ; 24, 3. ' L Macc. 13, 5 ff. ; 16, 3. 

* 1. Msoc. 10, 36- 

> MiBcbnaScbabbath TI, 2, 4 ; cfr. 1 . Marc 2, 33 B. ; 3. Uaoc 15, 1 9. 
■ Job. «litt. XIV, 10, 6. 10 H. ; vel. Schflrer, I- e. 111, 73. 

* Lnc. 3, 14. » Matlli 5, 24- 39; 2G, 52. " 1. Cur. 7, 20. 



— 166 — 

hatte der göttliche Heiland selbf?t bezeugt, das? er solchen 
Glauben nicht in Israel gefunden,^ und der C^rnturio zu 
Füe.sen des Kreuzes Vjekannte laut: ,, Dieser war Gottes 
.Sohn.** - Der erste der aus den Heiden Berufenen war der 
Hauptmann Cornelius,' und Paulus zählt unter seinen 
Freunden in Rom auch Prätorianer.* Keiner von allen 
erhält die Mahnung, f*ehie Stellung zu verlassen, ihr Beruf 
findet überhaupt keine weitere Erörterung, wie denn über- 
haupt die heilige Schrift sich mit irdischen Berufsfragen 
wenig l>escliäftigt. Erwähnenswert dürfte es vielleicht sein, 
da^s so oftmals dsa Bild des Christen als das Bild eines 
Kriegers,* das Bild des Heilands als das Bild des Kriegs- 
herrn und Führers,^ das Bild der Tugenden als ein Bild 
der Waffen,^ das Bild des Lebens als das Bild eines 
Kampfes wiederkehrt. 

Allein mit der Zeit sehen sich die Christen doch ver- 
anlasst, sich zu erklären. Es ist Tatian, der zum ersten- 
mal diese Frage aufrollt und dabei offen den Krieg als 
einen Menschenmord erklärt, zu dem Apollo hilft,* und 
deshalb als Christ die Ehrenkränze, um die gekämpft wird, 
zurückweist.^ Möglich, dass auch dem Athenagoras der 
Gedanke an den Krieg in etwas vorgeschwebt, wenn er 
rlavon spricht, dass die Christen nicht nur nicht morden, 
sondern es sogar vermeiden, den Mord mit anzusehen.^® 
Sein Ideal ist ja ein ruhiges und friedliches Leben. ^^ 

Wie kein anderer hat TertuUian seine Stellung zum 
Kriegsdienst präzisiert. Die Stellen des höheren Dienstes, 
die Offiziersstfjllen sind nach seinen Grundsätzen den Christen 
für immer verschlossen ; denn sie hängen mit dem Götzen- 

* Matth. 8, 5 ff. ; Luc. 7, 1 i¥. ; die Truppen des Herodes hatten 
Wühl römische Organisation. 

* Matth. 15, 39; Luc. 23, 47. » Apg. 10, 1 ff. * Phil. 1, la 

* 2. Tim. 2, 3; Clem. Rom. ad Cor. 37, 1. 2. 3. 

* Clem. Rom. ad Cor. 37, 1 ; Ign. ad Polyc. 6, 2. 

' Ephes. 6, 14 ff. ; 1. Thess. 5, 8 ; Ign. ad Polyc. 6, 2. 

* Tat. or. ad (Traec. 19 : noXtutlu d-kXeig^ xai toy AnöXXu) avfjL- 
ßovXoy Toiy tfjtviov Xuupdvtiq (86). 

* Tat. or. ad Graec. 11 (50). " Athenag. suppl. 35 (180). 
*» Athenag. suppl. 37 (184). 



167 



dienste zusammen. Allem auch dem gemeinen Soldaten 
gibt er zu bedenken, dass der göttliche Fahneneid sich 
nimmer verträgt mit dem menschlichen, nimmer das Feld- 
zeichen ChriBÜ mit dem des Satans, nimmer das Lager des 
IJcbtes mit dem Ijager der Finsternia. Eine ßeele kann 
nicht zwei Herren dienen, Gott und dem Kaiser. Freilich 
habe auch Moses eine Virga getragen, auch Aaron einen 
Stab, auch Johannes habe sieh mit einem Riemen gegürtet, 
auch Jesus Nave eine Schar geführt, und das Volt Israel 
habe sogar Kriege geführt. Aber wie will man jetzt noch 
Kriege führen , ja selbst nur im Frieden Militärdienste 
leisten, nachdem der Herr die Führung des Sehwei-tes ver- 
boten hat. Zu Johannes dem Täufer konnten noch Soldaten 
kommen und sich taufen lassen, selbst ein Centurio sei 
noch gläubig geworden — aber von dem Augenblick an, 
da Cbrifitufl den Petrus das Schwert in die Scheide stecken 
hiees, gilt das Gleiche von jedem Soldaten , . , .' 

Im Jahre 211 bestiegen Antoninus Severus und sein 
Bruder Geta den Thron und verteilten dabei an die Soldaten 
das Donativ, wie es schon seit Caesars Zeiten üblich ge- 
worden, in Form einer grösseren Geldspende." Die Soldaten 
empfingen dasselbe einzeln mit dem Lorbeerkranz auf dem 
Haupt. Ein Chtiat jedoch trug denselben nicht auf dem 
Haupte, sondern hielt ihn an der Hand. Ein unwilliges 
Gemurmel ging deshalb durch die Reihen und drang bis 
zu dem Tribun. Er befragt den Soldaten ob seines auf- 
feilenden Benehmens. Dieser erklärt, er sei ein Christ. 
Vor den Priifekten geführt, legt er das Kleid des Soldaten, 
die Paenula, ab, streift die Schuhe von den Füssen, gibt 
sein Schwert ab und wirft den Kranz auf den Boden. Er 
wurde in Arrest abgeführt.' Was er dort zu gewärtigen 
hatte, sagt der Berichterstatler idcht mehr , aber vermutlich 
war es die Todesstrafe, die im Heere auf derartige Fälle 
von Widersetzlichkeit stand.* 

' Tert de idol. 19 (E. I, 53, 10). 

• Vgl. darüber Marqaardt, 1. c. II, Uli: 574. 
' Tert. de coron. 1 (I, 415). 

* Hirqaardt, 1. c. n, 573. 



— 168 — 

Dieser Vorfall gab Tertullian Veranlassung zu seiner 
Kranzschrift. Ausgehend von der Verwerflichkeit des Kranzes 
als eines götzendienerischen Zeichens und speziell des Sol- 
datenkranzes tritt er der Frage näher, ob der Kriegsdienst 
dem Christen überhaupt erlaubt sei. Tertullian weiss zu 
unterscheiden zwischen denen, welche erst Christen werden, 
nachdem sie schon Soldaten sind, und solchen, welche, 
bereits Christen, sich diesem Berufe widmen. Letzteren 
vor allem gibt er zu bedenken, dass der Fahneneid 
dem Kaiser gilt und nicht Jesus Christus; und dass der 
Fahneneid vom Soldaten verlange, den Kaiser mehr zu 
lieben als Vater und Mutter und den Nächsten, und doch 
folge das Gebot der Ehre von Vater und Mutter unmittel- 
bar nach dem Gebote der Gottesehre, und das Evangelium 
verlange für sie diese höchste Ehre gleich nach Christus.^ 
Sollte es überhaupt noch gestattet sein, das Schwert zu 
ziehen, nachdem Christus gedroht, dass jeder, der das 
Schwert ziehe, auch durch dai^ Schwert umkomme? Ja, 
darf der Sohn des Friedens in den Kampf ziehen, er, der 
nicht einmal Prozess führen darf? Darf er Fesseln und 
Kerker und Foltern und Todesstrafe über andere verhängen, 
er, der nicht einmal das selbst erlittene Unrecht rächen 
soll? Und darf er für andere Stationen halten mehr als 
seinem Herrn Christus, oder etwa gar am Sonntag, da er 
es nicht einmal für Christus darf? Und darf er vor den 
Tempeln Wache stehen, denen er doch entsagt hat? Darf 
er dort sein Mahl einnehmen, wo es der Apostel verboten 
hat? Wird er also nachts dieselben Götter schützen, die 
er am Tage in heiliger Beschwönmg von sich gestossen, 
gestützt auf den Speer, mit dem Christi Seite durchbohrt 
worden? Darf er eine Fahne tragen, gleich als ob er 
Christus übertreffen woUte? Wird er vom Feldherm ein 
Feldzeichen verlangen, nachdem er von Gott schon eines 
erhalten? Und soll ihn ])eim Sterben ein Klang von 

^ Zu der Form des Fahneneides cfr. : Just. apol. I, 39 ; ycXoioy 
r^y dri 7i{)ay^a^ vjutt^ fxet^ zovg (Tvyrid-tfxtyovg xal xntfcXeyoueyov^ 
axQdTtMTug xai tiqo rf.g Lavtioy ^(oris xal yoytwy xai natgioog xai 
ndyTioy T(oy oixsuoy rri^ v/bteve^ay nanci^sad-ai ofioXoyiay {1\ 112). 



— 160 — 



Kriegspoaaunen umüinen, ihn, der erhoiTt, von Engels- 
poEaunen erweckt zu werden? Und aoU er sich verbrennen 
lassen nach der Lagersitte, er, der nie Weihrauch ver- 
brennen durfte, dem Gott daa verdiente Brennen im Feuer 
geschenkt'? Und wie viel andere \'erbrecheii erscbliessen 

flieh noch, wenn man den Lagerdienet durchgeht 

Anders liegt freilich die Sache bei denjenigen, welche die 
Gnade des Glaubens erst nach ihrem Eintritt in den Sol- 
datenstand eriasst, wie es der Fall gewesen bei denen , 
welche Johannen zur Taufe zugelassen, oder bei jenen 
glaubenefreudigen Centurionen, von denen einen Christus 
selbst belobt, den andern Petrus getauft; allein auch für 
sie iat es wohl am ratsamett'n, nach Annahme des Glaubens 
den Dienst zu quittieren, wie es scSon viele getlian — und 
wenn nicht, so mögen sie sich gar wohl hüten, etwas zu 
begehen, was auch dem Nichtmilitär nicht gestattet ist, 
oder sicli schUessIich mit demselben Lose vertraut machen, 
wie es den andern zu teil wird. Denn der Kri^sdienst 
gibt weder ein Anrecht auf Straflosigkeit bei Fehlern noch 
auf Befreiung vom Martyrium. Der Christ ist überall der 
gleiche. Nur ein EvangeUum gibt es und nur einen Jesus, 
der jeden Verleugner verleugnen und jeden Bekenner be- 
kennen wird, der retten wird jedes Leben, das um seinet- 
willen geopfert worden, vernichten wird aber auch jenes, 
das gegen seinen Namen gewonnen schien. Bei ihm ist 
der treue Nichteoldat ebenso Soldat, wie umgekehrt der 
Nichtsoldat ein treuer Soldat. 

Aber gesetzt auch, die Erlaubtheit des Kriegsdienstes 
könne zugegeben werden — der Kranz wird dem Soldaten 
nimmer gestattet werden können. Denn der Lorbeerkranz 
ist ja ein Heiligtum des Apollo und des Liber; der Myrten- 
sweig, mit dem die Soldaten sich auch zuweilen schmücken, 
ist der Göttin Venus heilig, der Aeneadenmutter, der Ge- 
liebteo des Kriegsgottes ; die ßekränzung mit dem Ölzweig 
aber wird zur Anbetung der Minerva, der Waffen göttiii. 
Und der Grund dieser Bekrünzung? Da werden zweimal 
<jebet6 wünsche dargebracht, das erstemal auf der Koraman- 
pMJbDtur, das zweitemal auf dem Capitol. Atier abgesehen 



— 170 — 

vom Orte, was wird gesprochen? jt^Vir geloben dir, 
o Juppiter, einen Stier mit vergoldeten Hörnern." Ist das 
nicht ein offenkundiger Ausdruck der Verleugnung des 
Christentums? Zwar können die Lippen des Soldaten 
schweigen — aber der Kranz auf dem Haupte spricht 
laut mit. Und wiederum wird der Kranz gebraucht bei 
Verteilung der Donative. Auch das ist Grötzendienst, be- 
zahlter freihch; um Goldstücke wird Christus verkauft, 
wie dereinst von Judas um Silberlinge. Und der Triiunph- 
kranz, woraus ist er gewunden ? Sind* s Lorbeerblätter oder 
sind 's nicht vielmehr Leichen ? Womit ist' er geschmückt? 
Sind's Siegesbänder oder nicht vielmehr Grabeshügel? 
Womit ist er benetzt? Sind's Salben oder nicht vielmehr 
Thränen, geweint von Grattinnen und Müttern, vielleicht 
auch von christlichen? Denn auch zu den Barbaren ist 
das Christentum schon gekommen .... Für den Christen 
gibt es nur einen Kranz, nur eine Krone, und diese wird 
der Herr ihm geben, wenn er gesiegt hat. Darum spricht 
er : Sei getreu bis zum Tod und kämpfe den guten Kampf 
um die Siegeskrone, wie sie auch der Apostel für sich 
erhofft. 

Der Ton, den Tertullian angeschlagen, fand gar 
manchen Widerhall. Origenes erörtert die Frage des Kriegs- 
dienstes des öfteremalen. Er begegnet dem Vorwurf des 
Celsus, dass die Christen vom Judentume abgefallen seien, 
indem sie einen Aufstand gegen das Volk erregt und sich 
Jesus angeschlossen hätten, damit, dass die Christen aller- 
dings ihren Ursprung von den Juden genommen hätten« 
aber nicht durch Aufstand. Die Juden hätten das Recht 
gehabt, für Haus und Herd zu den Waffen zu greifen 
und den Feind zu töten, nimmer aber die Christen. Ihnen 
sei nach dem Worte des Meisters jeder Menschenmord 
verboten.^ Und der Frage des Celsus, wen sie denn als 
Vorkämpfer hätten für ihre vaterländischen Gesetze, er- 
widert er, dass die Christen nie gegen ein Volk zum 
Schwerte greifen würden, nie lernen würden, Krieg zu 



• Orig. c. Geis. III, 7 (I, 208, 4). 



p 



üihrea ; denn sie sind Söhne des Friedens geworden durch 
Jesus, der ihr Führer ist, und statt vaterländischer Gesetze, 
denen sie hienieden ja doch nur als Fremdlinge gegen- 
Üherständen, kennen sie ein anderes Gesetz, (^ Gesetz 
der Erlösung . , . .' So verweigert er den Kriegsdienst,^ 
Selbst den warmen Worten eines Celsus gegenüber, der 
in stürmiHchen Tagen seinen Appell auch an die Vater- 
landsÜehe der Christen richtet, lehnt er eine Beteihgung 
am Kriegsdienste ab, lehnt sie auch ab, wenn der Kaiser 
sie befehlen sollte. ' Die eisige Kälte solcher Worte ver- 
mochte wohl das warme loyale Gewand nicht ganz zu 
verbergen : Es gibt keinen, der für den Kaiser besser 
Btreitet als wir. Wir kämpfen und streiten für den Kaiser 
durch Frömmigkeit. In dem Staate, der Origeues vor 
Augen schwebt, wird Kriegsdienst überhaupt nicht mehr 
lötig sein.* Denn wenn einmal alle Menschen Christen 
geworden sind, dann werden auch die Barbaren zum Frieden 
geneigt sein, denn es wird nur mehr einer hem-chen, — 
Christus.* 

Aue tertullianischen Anschau ungskreisen scheinen die 
AlUitärparagraphen der verschiedenen ICircheuordnungeu 
hervorgegangen zu sein. Den schärfsten Standpunkt nimmt 
in dieser Beziehung das testamentum domini nostri Jesu 
Christi in der früheren (syrischen) Fassung ein. Es bestimmt : 
Wenn einer Soldat ist, so möge er aufmerksam gemacht 
werden, nicht zu überfallen, nicht zu töt«n, nicht zu plündern, 
seinem Zorn nicht freien I^uf zu lassen, nicht aufzubrausen, 
niemandem etwas zu leide zu thun und mit seinem Sold 
zufrieden zu sein. Will er aber dann im Herrn getauft 
werden, so muss er dem Kriegsdienst völlig entsagen; 
sonst kann ihm die Aufnahme durchaus nidit gewährt 



' Orig. c. Cela, V, 33 (n, 36, ^6). 
» Orig. c. Cels. Ol, 15 (1, 214, 9). 

* Orig. 0. Cela. VIII, 73; av ariitttsviifitSa ftif avti^, xän tTtttyi;. 
argartvöueSa Je ineg iiütoii Wof orontontiTo»' evaeßiiiii avyxga- 
Toinii fiä rwf Tigis ri »tloy iotfvSto.y (II, 291, 12); ctr. Vm, 74 
(11, 291, 17). 

* Orig. c Cela. VH, 26 (H, 177, G). 

» OriB. r- Cela. Vm, 68 (II, 285, 18). 



— 172 — 

werden. Will ein Katechumene oder ein Gläubiger Soldat 
werden, so soll er von einem solchen Vorhaben abstehen, 
sonst soll er ausgestossen werden als ein Mann, der ab- 
sichtlich Gott verachtet und aus materiellen Rücksichten 
sich über das Geistige hinwegsetzt und den Glauben ver- 
achtet.^ Nach dieser Bestimmung darf also das Gewerbe 
des Kriegsdienstes nur mehr während des Katechumenats 
ausgeübt werden von einem, der schon Soldat ist; 
mit der Taufe muss der bisherige Soldat seinem Berufe 
entsagen; als Katechumene oder Christ sich erst diesem 
Stande zu widmen, ist ohnehin verboten. In der späteren 
koptisch - arabischen Version ist der wichtige Zusatz, dass 
der Katechumene, welcher bereits Soldat ist, bei der Taufe 
seinem Stande entsagen muss, weggelassen. Zeit und Um- 
stände haben ihr Recht gefordert. 

Mit der späteren Version des testamentum gleichartig 
wird die Bestimmung der ägyptischen Kirchenordnung, 
dass ein Befehlshaber nicht aufgenommen werden soll, der 
Soldat aber soll den Menschenmord vermeiden; erhält er 
den Befehl, so darf er sich nicht dazu herbeilassen, noch 
darf er schwören; geht er auf diese Bedingungen nicht 
ein, so soll er ausgestossen werden. Ein Katechumene 
aber, oder ein Gläubiger, der Soldat werden will, soU aus- 
gestossen werden; denn er hat Gott verachtet.* 

Ähnlich verordnet der dreizehnte Canon des Hippolytus : 
Ein Mann, der die Macht hat, die Todesstrafe zu verhängen, 
oder ein Soldat soll niemals aufgenommen werden. Diejenigen 
aber, die als Soldaten zwar gekämpft, aber sich jeder bösen 
Rede (ab omni mala loquela) enthalten und keine Kränze auf 
dem Haupte getragen haben, mögen ausgenommen werden. 
Und etwas milder bestimmt der vierzehnte Canon, dass kein 
(yhrist Soldat werden dürfe, ausser er wird ausgehoben. In 
diesem letzteren Falle aber darf er zwar ein Schwert tragen, 
soll sich aber hüten, Blut zu vergiessen. Erfährt man 
von ihm, daes er Blut vergossen, so soll er den heiligen 



^ Test. dorn, nostri Jesu Christi II, 2 (ed. Rahmani 115). 
* Ägypt. Kirchen-Ordn. bei Achelis. 1. c. S. 81 f. 



173 — 



*'43eheixmiissen ferne bleiben, ausser wenn Thränen der Reue 
aal eine ausserordentliche Wandlung schliessen lassen.^ 

Derartigen Kirclienordnungen kam keine allgemein 
verpflichtende Kraft zu ; abtir sie prägen klar und deutlich 
die Stimmungen aus, die weite Kreise beherrschten. Auch 
Cj-prian sprach sich in der schon öfters erwähnten Schrift 
ad Donatum äusserst scharf über den Krieg und den 
Kriegsdienst aus. Er mahnt den Freund auf die Welt 
zu blicken, damit sein Herz es um so dankbarer empfinde, 
ihr entronnen zu sein. Die Strassen sind von Käubern 
umlagert, da« Meer von Piraten besetzt, allüberall Krieg 
mit seinen blutigen Schrecken des Lagers. Der Erdboden 
feuchtet sich von dem gegenseitig vergossenen Blute. Wenn 
der Einzelne einen Menschen morde, dann ist es — Ver- 
brechen ; aber wenn'a im Auftrag des Staates geschieht, so 

' Bei Acheiia, 1. c. S. 82. Die Frage nach der Abfassungazeit 
des testamentam domini nostri Jesn Christi, der canones Hippolyti, 
der Bpo8t«lischeD ronstitutioaen und der verwajidt«n Schriften 
darfte durch Fanka Soliriftfin, besonders durch seine neueste: Das 
Testament nasere« Herru imd die verwandten Schriften, Maiaz 1901, 
endgiltig entschieden sein. Das Teatameut unsere» Herrn und die 
ouianes Hippulyti fftllen in ihrer Abfassungszeit in das Ende des 
ftlnden JahrhundertB. Allein weaentÜch davon verschieden ist die 
FtBKc, ob nicht einzelne Beatandteile dieser Schriften auf eine trübere 
Zeit hinaufgehen ; und diese wird zu bejahen sein. So reichen 
einzelne canones Hippcilyti nnd des testamentum sicher in das 
dritte Jahrhundert hinauf, und das trifft namentlich anch bei den 
faier in Frage stehenden zn. In nacheunütautiaiäeher Zeit oder gar 
im fünften Jahrhundert, wu die Heere sich bereits mit Christeo 
f Ollen, ist ein Rigorismas, wie er durch diese canunes zieht, 
nicht mehr megUch, E» kann nicht ins Gewicht fallen, wenn 
Bwilius noch erklärt ep. 186, 13 ; tohe iy ■noüftott giöyovi oi natigt; 
ij/icÜf fV tidi ifüiioii iivx iXoyiaamo. ifioi JoKcfv avyyiiiäfitiir iüfjti 
la/t inig aoHpenevi'tp xai evatßtiag äf^vfoftinots' Tii](a ii »nliÜf 
fji* vi'fißnt'i.tvcii', u)i lüi ^fipiKi- fj'ij xa^agiivt (?) rpinii' iVwc rflf 
xoirmWrti .uü^^r nVyEo*'" (Migne, S. G. XXXII, col. 681, 26), also 
den Soldaten, der Blut vergossen, von den heiligen Oe bei in Hissen 
»tifziiachlieasen rät, wenn im Jahre 416 bereits dos Geseta des 
Theodosios n. erscheint, nach dem kein Heide mehr znm 
Hilitftrdienat zugelassen wurde: cod. Theod. XVI, 10.21; 
(joi ]tr(ifano pagaiii ritus errure sen crimiiie puilunntur, hoc est gen- 
Üliis,necadmilitinmadmittantur, necadminisCraturisvelindicisbonore 
decorentur. Dat. VII. id. Dec. DN. Theod, VU. et Palladio coss. (416). 



I 



— 174 — 

nennt man 's — Tapferkeit. Also nicht mehr Erkenntnis 
der Unschuld sichert Straflosigkeit zu, sondern die Grösse 
des Verbrechens . . . .^ 

Lactanz nimmt in seiner Sittenlehre mehrmals Ver- 
anlassung, sich über den Krieg und den Kriegsdienst aus- 
zusprechen. Hercules sei bei den Griechen wegen seiner 
Körperki-aft zum Gott erhoben worden. Aber die Römer 
seien nicht anders. Sie verachten zwar die Athletenkunst, 
wo sie nichts zu schaden vermag, aber dieselbe Kunst be- 
wundern sie als königliche Kunst, wo sie grossen Schaden 
bringt; tapfere und kriegerische Männer versetzten sie in 
den Himmel. So glauben sie, dass kein anderer Weg mehr 
zu den Sternen führt als Heere führen, fremdes Land ver- 
wüsten, Städte zerstören, Orte vom Erdboden zu vertilgen, 
freie Völker hinzumorden oder sie zu Sklaven zu machen, 
und je mehr sie Menschen unglücküch machen, berauben, 
töten, um so herrlicher und berühmter dünken sie sich 
zu sein, und in einer wahnwitzigen Auffassung von Ruhm 
stempeln sie ihren Frevel zur Tapferkeit . . . .* Cicero hatte 
den Fall erörtert, was der Gerechte thun würde, wenn er 
nach verlorener Schlacht, den Verfolger auf den Fersen, 
einen Verwundeten auf dem Pferde sitzen sieht;, ob er 
denselben schonen wird, um sich vom Verfolger selbst 
töten zu lassen, oder ob er den Verwundeten vom Pferde 
stossen wird, um sich darauf zu retten.^ Ein solcher 
Fall kommt für Lactanz nicht in Frage ; ihm gilt das Wort 
des Dichters : 

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Non eget Mauris iaculis nee arcu 

Nee venenatis gravida sagittis 
Fiisce, pharetra.* 
Der Gerechte kommt nicht in diese Lage ; angenommen 
aber, es wäre möglich, so würde er Heber sterben als den 



* Cypr. ep. ad Don. 6: homicidium cum admittant singali, 
crimen est: virtus vocatur, cum publice geritur; in punitatem 
sceleribus adquirit non innocentiae ratio, sed saevitiae magnitudo 
(I, 8, 16). 

* Lact. div. inst. 1, 18, 8 (1, 68, 9). » Cic. de republ. IH, 19, 29. 

* Hör. carm. I, 22, 1. 



175 — 



Verwundeten töten. Warum soll denn der Gerechte Krieg 
führen, sich in fremde Streitigkeiten mischen, er, in dessen 
Herz der Friede wohnt mit allen Menschen immerdar.' Der 
Christ hat freilich noch etwas ganz anderes zu berück- 
eichtigeii. Indem Gott gesprochen: Du sollst nicht töten, 
hat er nicht nur das verboten, was auch die Staatsgesetze 
verbieten, wie den Strassenraub, sondern auch manches, 
was bei den Menschen für erlaubt gilt. Darum ist es dem 
Christen nicht gestattet, Krieg zu führen, denn sein Kriegs- 
dienst ist Gerechtigkeit.^ 

Man könnte füglich vermuten, dass derartige An- 
schauungen, offen ausgesprochen und als Ideale der Christen 
gezeichnet, mächtige Konflikte mit der Staatsgewalt herauf- 
beschworen hätten. Versöhnend haben derartige Äusseningen 
wohl nie gewirkt. Wenn bald nach Abfassung der Kranz- 
Bchrift Tertullians die Verfolgung in Afrika sich erneute, 
Bo mag die Schroffheit des Montanisten mit beigetragen 
haben. Und wenn die Abfassungszeit des Anticelsus ins 
Jahr 248 fiel, das Jahr der tauHendjährigen Jubelfeier des 
römischen Reiches," so musste allerseits der scharfe Kontrast 
herausgefühlt werden zwischen dem Feuer der Begeisterung, 
die das Land durchwogte, und der frostigen Kälte, die zuweilen 
aus der Schrift des christlichen Presbyters von Caesarea entgegen- 
wehte. Allein praktisch sind wohl Konflikte wegen der Ver- 
weigerung des Militärdienstes sehr selten vorgekommen. Es lag 
dies hauptsächlich an der Conscriptionsordnung des römischen 
Heeres.* Roms CoascriptionBordnung war in alter Zeit eine 
timokratische gewesen. Das Recht zum Kriegsdienst war 
an ehien bestimmten Census geknüpft, der ursprünglich 
1 1 000 Asse betrug. Es war derselbe Gedaoke, der sich 
ja auch beim aktiven und passiven Wahlrecht geltend 
machte. Altein zeitigte mit der Vermehrung der Bevölkerung 

' Laet div- inal. V, 17, IL 18 sqq. (l. 4&3, 19 ff,)- 
■ Lact. div. inat. VI, 20, IS (1, ftS8, 11). 

* Vgl. dazu Nenmann, 1. c. 3. 37S t 

* Über die CouBoriptionsordnung : Matquardt, 1. c. TT, 319 ff. ; 
^imtf.; HO ff,; vgl. Seek, Geachichte des Untei^rangs der antiken 
Welt. Berlin im&. I, 222 O. 



— 176 — 

und mit der Mehrung der I^^aßten die Timokratie &8t auf 
allen Gebieten ßchlimme Auswüchse, po musste sie beim 
Militärdienst mit der Zeit unmögUch werden. Die Kluft 
zwischen den Armen und Reichen steigerte sich, die Opfer, 
welche die Kriege von den ^Idaten verlangten, mehrten 
sich bei der Ausdehnung des Reiches, die Zahl der Soldaten 
musste erhöht werden. »So sah man sich zuerst veranlasst, 
den MiUtärcensus niedriger anzusetzen, bis endÜch Marius 
mit dem bisherigen System völlig brach. Er liess das 
Prinzip des (.'ensus fallen und schuf eine allgemeine Wehr- 
pflicht, so dass nur mehr die Sklaven von der Verpflichtung 
zum Waffendienste frei blieben. Wohl war auch früher 
eine allgemeine Bewaffnung nicht ganz ausgeschlossen ge- 
wesen, aber sie war doch nur in Fällen äusserster Not zur 
Anwendung gekommen. Die Aushebung für die Legionen 
fand nunmehr nicht bloss in Rom, sonderq in ganz Itali^i 
statt und wurde durch Werbeoffiziere betrieben, welche die 
Listen der Wehrpflichtigen mit sich führten. Zugleich 
durften dieselben auch Freiwillige annehmen; und da der 
nunmehr eingeführte Sold, die in Aussicht stehende Kriegs- 
lx;ute, das ganze J^gerleben gar viele lockte, so binden 
sich immer Freiwillige, so dass andrerseits vermögliebe 
Wehrpflichtige, die Befreiung wünschten, um Geld zurück- 
gestellt werden kormten. Mit der Zeit bildete sich das 
Werbesystem immer mehr aus, wenn auch die Wehrpflicht 
als allgemeine erhalten blieb. Aber auch m Fällen all- 
gemeiner Bewaffnung konnte der Conscribierte noch einen 
Ersatzmann stellen. Mit dem Werbesvstem trat natur- 
gemäss auch die Verpflichtung zu einer bestimmten Anzahl 
von Dienstjahren auf, welche für die Soldaten der Garde, 
die doppelten Sold bez^)gen, auf 16 Jahre, für die Legionen 
auf 20 Jahre, für die Bürger der Provinzen und die Frei- 
gelassenen, die sog. auxilia auf 25 Jahre festgesetzt war. 
Wenn nicht neue Legionen geschaffen wurden, so war es 
nur notwendig, die nach Ablauf ihrer Dienstzeit abgehenden 
Mannschaften zu ergänzen. So ist es auch im Wesentlichen 
bis in di(; nacbkonstantinische Zeit geblieben. Die christ- 
lichen Sklaven waren also eo ipso vom Militärdienst 



— 177 — 

T)efreit* und für die übrigen Christen, welche Abneigung 
gegen den Militärdienst hatten, und sich deslialb nicht an- 
werben Hessen, \Mirde die Frage nur praktiscli im F'alle 
<^iner allgemeinen Aushebung, wo aber immer noch die 
Stellung eines Ersatzmannes erübrigte. 

Zudem waren die Christen nicht die einzigen, die den 
Krieg und den Militärdienst verwarfen. Immer mehr setzte 
pich das Heer aus Barbaren zusammen. Der Grund lag 
zunächst in der grossen Sittenlosigkeit, welche entnervend 
auf die Abkömmlinge der alten Römer wirkte, in dem 
Luxus und der Genusssucht, welche der Aristokratie die 
Strapazen des Dienstes im Heere immer weniger begehrens- 
wert erscheinen Hessen. Auch die stoisch-cxTiische Philosophie 
hat zu dieser Abneigung gegen den Kriegsdienst nicht wenig 
beigetragen. Nicht nur Epiktet und Seneca hatten den 
Kriegsdienst verAvorfen, Marc Aurel selbst,*^ der Soldat und 
Philosoph, stellte den RüuIkt und den Soldaten in ihrer 
Gesinnung auf eine Stufe. 

Aber andrerseits konnte doch das so vollständig ab- 
sprechende Urteil mancher Christen über den Militiu'dienst 
nicht allgemeine Bedeutung erlangen. Der ideale CJedank(\ 
dass der Krieg eben auch einen Widerspi*uch mit dem fünften 
CfOttesgebote bedeute und im christlichen Gottesreiche ver- 
schwinden solle, mag ja wohl den meisten Christum vor- 
geschAvebt haben, — a])er an eine Ausführung desselben 
für die Gegenwart und nächste Zukunft war nicht zu denken. 
Auch die Hoffnung des Origenes, dass die allgemeine Aus- 
breitung des Christentums auch den Kriegsdienst entbehrlieh 
machen werde, wird nicht unbedingten (Uaiiben gefunden 
haben. Praktisch musste ja der (Jedanke schon deshalb 
scheitern, weil der Soldat, der vielhrieht ])ereits zehn Jahre 
und noch mehr im Dienste stiuid, nach seinem ü]>ertritt 
zum Christentum nicht inuiier in der Lage war, denselben 



* Digest. 49, 16, 11 : ab omni militia servi prohil)eiitur : alituniin 
capite puniuntnr. 

» Epikt. II, 22, 22; Sen. ep. 95, 30. ;U; Marc Aiirol \, 10; Wi 
Wendland 1. c. S. 40, A. 2. 

Bigelmair, BeteiliginiK d. (Iirint. am öfTcntl. Leboii. ]2 



— 17M — 

zu verla-ssfii ; f*r war vielleicht ohne Mittel, Avie ja den 
Kriegsflienst freiwillig ülx'rhaiipt nur Ärmere wähUen : einen 
neuen iV-ruf in vorgerückteren Jahren zu ergreifen, bot gar 
oftmals grosse, wenn nicht unüljerwindliche Schwierigkeiten, 
und sollte er den PIofFnungen entsagen, die sich an die 
Volh.'nrlung w.'iner Dienstzeit knüpften? Die Auszahlung 
von 12 000 Sesteitien (]>ei den I Vaetor ianern 20000 Sester- 
tieni, an deren Stelle in späterer Zeit nach Abfluss der 
Dienstjahre eine hübsche Landanweisung trat, war ein guter 
Beitrag zur Altersversorgung, dessen die meisten gar sehr 
bedurften. Alx*r noch mehr S^-hwierigkeiten hätte ein un- 
motivierter Austritt seil »st g<jboten. Das Recht kannte nur 
drei Arten von Entlassung: die (»hren volle, die nach Vol- 
lendung <ler festgesetzten Dienstzeit erfolgte, die l)egründete, 
wenn eine Krankheit sich zeigte, und die schimpfliche, die 
infolge eines Deliktes stattfand.^ Eine Entlassung aus 
andern (rründen war vermutlich stets schwer zu erhalten 
und freiwilliges Ausscheiden trug den Charalfter der Deser- 
tion. Deshall) hab(;n auch nur die rigorosesten Christen für 
den Holdaten, der al< solclier (.Uirist wird, das Ausscheiden 
aus dem Dienste zur Bedingung gcniiacht. 

A])er die zeitlichen Vorteile, welche der Soldatenstand 
seinen Angehörigen bot, mochten doch auch wohl manchen 
Christen zum Eintritt in das Heer drängen, umsomehr als 
der Militärdienst verhältnismässig weniger mit dem Götter- 
dienst vfirknüpft war als manch anderer Beruf. Die Gründe, 
die Tertullian dagcjgen ins Feld geführt, konnten eben 
manchem Christen ebenso unstichhaltig dünken als sie es 
uns zu sein scheinen. Mit dem Fahneneid, dessen Formel 
lautete, allen Befehlen des Kaisers Gehorsam zu leisten, 
ihn nimmer zu verlassen und für den römischen Staat in 
den Tod zu gehen, konnte jeder Christ sich in seinem 
Gewissen abfinden.^ Es Hess sich freilich nicht leugnen: 



» Digest. 49, 16, 13, § 3. 

^ Veget. 2, f): iiirant autem milites omnia se strenue facturos 
qiiae praeceperit imperator, nunquam deserturos nee mortem recu- 
satiiroa pro Romana republica. 



179 



^^ von 



das gauae Lagerleben durchwehte der Hauch des Polytheis- 
tau», der StaatereUgion, die sich im Lager sogar in ganz 
eigentümliche Formen kleidete.^ An der via principalis 
standen die Altäre der Götter, standen namentlich die Signa, 
welclie Gegenstand besonderer Verehrung geworden waren. 
Die L^erteligion verehrt die Feldzeichen, schwört bei den 
Feldzeichen, sie gelten mehr als die eämthchen Götter.* 
Vor ihnen wurde heim Auszug ins Feld und bei der Heim- 
kehr vom Siege geopfert. Neben dem Signacult brach sich 
namentlich ßahn der Kaisercult in seinen verschiedenen 
Abstufungen, namentlich bei den Auxilia. Seit GallienUB 
erhält der Genius des Kaisers einen eigenen Altar. Und 
in der letzten Zeit wird auch noch zum genius populi 
Romani geÜeht um Schutz und Schirm für das Reich . . . 
Grössere FeaÜichkeiten, wie es namenthch die Gleburtsfefite 
der Kaiser waren, sammelten das Heer um die Heihgtümer 
dee Lagere, Aber es waren nur die Offiziere, die aktiven 
Anteil an den grossen Culthandiungen nahmen. Ihre Aul- 
gabe war es, Altäre zw setzen, Kaiserstatuen zu errichten, 
und das Opfer darzubringen. Die Soldaten aber standen ledig- 
lich als Zuschauer an der via principalis des I^agers. Darin 
li^t wohl ein Hauptgrund, warum TertuUian es für ganz 
ausgeschlofiBen hält, daas ein Chrint Offizier ist oder wird™ 
nnd warum auch bis zur diokletianischen Zeit wenig Namen 
von christlichen Offizieren bekannt geworden. Aussei-dem 
' len manchen auch noch die Gerichtsbarkeit über Lelien 
Tod ein Hindernis für Wahl eines derartigen Stande» 
Bein. Den gemeinen Soldaten berührte aber alles das 
gar wenig und darum hat es in der römischen Armee 
itnmef viele christUche Soldaten gegeben. Die Praxis ge- 

' "Vgl. ilazn Domaacewski, 1. c, S. I ö. 

' Tert. apol. lö: reliifii» Romanurum tota castrensiB signa 
Teneratnr, aigna iorat, signa umnibns deis praeponit (1, 178), 

' Tert. de idul. Id: at nnnc de isto i|Uaerltur an lidelia ad 
militiam cooTerti et aa militia ad fidem ailuiitti, etitnn catigata Tel 
inferior qnaeque, cni non sit neceasitas inunulatiunum vel capitalium 
indicioniiu (B. I, 53, 11). Über die Bezeichnung miiitia caligati der 
Grwie vom Gemeinen Vit xun Centurio einschlieasliuh, siehe Mar^uardt 
L e. U, M3. 

12» 



— 180 - 

«taltHe sich t.-U'ii vidfacli amlei-s als iKt ripin.x<e Idealismus 
des karthajrisch^^'ii M«»ntanistt'ii und seiner (iesinnungs- 
<£en«>-sen es wünscht^' und erst-linU'. 

'IVrtullian hatte ühriirtMis in früheren Tasen selbst 
darauf hinirt-witsen, da>s die Christen das l^ger erfüllen;^ 
er hatte het<»nt. dass die rlirist^-n aueh Kriegsdienste thnn-, 
und hatte kein Wnrt tles Tadels dafür jrefunden; wenn er 
zu anderer Stunde und namentlich in späterer Zeit zur 
\'erweigerung des Kriegsdienste? auffordert, so mag er wohl 
vielfach gar einsam in st-iner Tnigebung gestanden haben, 
etwa wie der ^Vjldat, <ler den Kranz ablegt und die mili- 
tärischen Abzeichen wi*gwirft, der einzige von seinen vielen 
Kameraden ist — , die seine Weigerung für ganz unnötig 
finden :^ die flinwände, di(» Tertullian in neinen Aufstellungen 
abweist, der Hinweis auf die Beispiele der lieiligen Schrift 
sind kaum bloss Fiction.* Er selbst steht in Beziehungen 
zu Soldaten ; von ihnen hat er wohl von der Fata morgana 
gehört, die während des jjarthi sehen Feldzuges dem Heere 
sich zeigte, einer Stadt, die in den Morgenstunden vom 
Himmel herabhing und mit dem werdenden Tage allmählich 
verschwand, die der Sektenmann in seiner ekstatischen 
Sehnsucht mit der von Ezechiel^ und Johannes*^ geschauten 
Gottesstadt identifiziert/ AuchOrigenes hat zuweilen milder 
geurteilt. Wenigstens weist er einmal den philosophischen 
Einwand des Celsus, dass nicht die ganze Welt der Menschen 
wegen geschaffen sei, sondern damit sie als Gottes werk 
vollk(jmmen sei in allen ihren Stücken, wie es z. B. mit 
den Kämpfen der Bienen sei, zurück mit der zu seiner 

* Tert. apol. iJ7 : implevimus . . . castra ipsa (I, 251). 

* Tert. apol. 42: naviopamus et nos vobiscum et militamps 
(I, 273). 

' Tert. de coron. 1 : qnidam illic magis dei miles ceteris con- 
stantior fratribns, . . . solus libero capite, coronamento in manu otioso, 
vulgato iam et ista disciplina Christiane, relucebat (1, 415) ; cfr. 11 : 
de prima specie quaestionis, etiam militiae ipsins inlicitae, plura 
non faciam, ut secunda reddatur (I, 446). 

* Tert de idol. 19 (R. I, 58, 10). 

'' Ezoch. 4H, 30 ff. ö Job. 21, 2 ff. 
" Tert. adv. Marc. IIT, 24 (TI, If)« . 



DODstigeti Stellung eigentümlich kontrastierenden Bemerkung, 
dasE die Kriege der Bienen ein ^'orbild seien für die gerechten 
und geordneten Kriege der Menschen.* 

Andere stehen einer exchisiven Stellung gegen den 
Kriegsdienst überhaupt völlig fern. Clemens von Alexandrien 
bezeichnet den Pädagogen selbst als einen Feldheim, der auf 
das Heil seiner Soldaten bedacht iat.* Er beklagt sich 
über die Überhandnähme des Lnxue, da .jetzt sogar die 
Soldaten Goldschmuck tragen wollen und dabei vergessen 
das Dichterwort: „Goldschmuck tragend zog er hin zum 
Kampfe wie ein thörichtes Mädchen".' Er gestattet dem 
Soldaten im Felde das Tragen der Schuhe, während er 
sonst das Barfussgehen füi- den Mann geziemend erachtet.* 
Den christlichen Soldaten speziell mahnt er, auf den Heer- 
iöhrer zu hören, der Gerechtigkeit zur Losung gibt,* mahnt 
" n an das Johannes wort i „Begnügt euch mit eurem Solde I" * 

Ein andrer Schriftsteller jener Zeit, Jidius Africanus 
I sich sogar soweit in das Studium militärischer 
roblenie, dass er unter Anwendung euklidischer liehraatze 
1 Breite eines Flusses berechnet, dessen anderes Ufer 
I Feinde besetzt ist, um eine Brücke darüber schlagen 
xa können, oder die Höhe einer Mauer, um vor derselben 
Kriegsmaschinen aufstellen zu können. Er löst die Aufgabe 
mit Hilfe des Sataes: Erriclitet man auf dem Halbierungs- 
punkte einer Kathete eines rechtwinkUgen Dreiecks eine 
Senkrechte, zieht vom Schnittpunkte derselben mit der 
Hypot*nu8e eine Parallelle zur halbierten Kathete bis zu 
der anderen Kathete, so sind sämthche Seiten des Drei- 
ecks halbiert,' 

' (Irig. C. Cels, IV, 82; iii'cn iti xai ol olavfi nuÜf^of rni»' 
llthaamy iiitnaxiiXia eyxeiii'i npir ri dixniac; xol leiayfiiyovi 
noWiiuf*-. ((' noic äiw, yifcn»«! iv <lf»iMO!ioi; (I, 352, 10) ; cfr. IV, 83 
(I, 3B3, 2). 

» tUem. Alex. paed. I, 7 (1, c. cd. 313, 92). 

' Hom. 11. n, 872: Clem. Alex. paed. U, 12 (1. c. 544, 3. v, a.). 

' (llem. Ales. paed. H, II (l o. 537, 6 v. u,). 

' Clem, Alex, protr. 10 (1. c. 216, l(i). 

• Hie. 3, 14; flem. Aiex, paed, Ol, 12 (}. c. 609. 13 v. n.) 

' Jnl. Äfric. xtarai bei Vincent, eitraits des maniiscripts relalifs 
ä la g*<mietrie pratiqne des Qrecs, Paria 1858, S. 262 ff.). 



— 182 — 

Im Jalin* 314 erliess das Concil von Arles die Be- 
stiiiiiuuiig: dt* his, qiii arma i>rt>iiciuiit in pace, placuit 
abptiiieri eos a cominunione.^ Der mannigfach gedeuMe 
Canon will l)e8agen, dass diejenigen, welche im Frieden 
die Waffen führen, von der Konmiunion fernzubleiben haben, 
und bezieht sich offenbar auf die Gladiatoren. Das römische 
Spectaculum teilte sich in drei Hauptteile: den Circus, in 
dem die Wagenrennen stattfanden, das Theater mit den 
scenischen Spielen, und das Amphitheater mit den Gladia- 
torenkämpfen. Der Canon 4 des Concils von Arles be- 
schäftigt sich mit den Wagenlenkern des Circus, der Canon 5 
mit den Darstellern in den scenischen Produktionen des 
Theaters und so liegt es an und für sich schon nahe, dass 
auch die Gladiatorenfrage ihre Erledigung finden inusste 
und das geschah in dem angeführten 3. Canon. Die Reihen- 
folge und sacldiche Gründe machen also nur diese Deutung 
möglich. A})er interressant für unsere Frage ist die fonnelle 
Fassung des Canons : Diejenigen, welche im Frieden die 
Waffen führen, haben fernzubleiben von der Communion. 
Damit ist von selbst gesagt, dass Waffengebrauch im Kriege 
erlaubt ist. 

Doch mehr als alle Theorie, die von jeher grau ge- 
wesen, spricht die lebendige Praxis für die Beteiligung des 
Christen am Kriegsdienst. Manche mögen ja wohl beim 
Übertritt zum Christentum dem Militärberuf entsagt haben. 
Man hat als Beweisgi-und für die grundsätzliche Abneigung 
der ersten Christen gegen das Militär darauf hingewiesen, 
dass gerade der Soldatenberuf in einer unverhältnissmässig 
kleinen Anzahl in christlichen Inschriften vertreten ist. 
Es ist auch nicht zu läugnen, dass gerade im Heere noch 
lange Zeit Überreste des Paganismus sich fanden. Aber 
andrerseits ist doch auvh nicht zu vergessen, dass die christ- 
lichen Inschriften in den ersten drei Jahrhunderten viel- 
fach die Angaben eines Standes überhaupt vermissen lassen. 
Der Grundgedanke der Wertlosigkeit des irdischen Einst 
und der Gleichheit aller Menschen vor Gott hat sich auf 



' Hefele 1. c. I, 206. 



■ — 1R3 — 

I dein GrabL'shiigel noch Bchiirfcr aiiageaprochen «Ib im Leben. 
[ und wird ein Stand genannt, so soll er ein glänzender 
I flrän, Kum Beweiw, duss auch darunter das Chriatentum 
I Cffliie Freunde zählt ... Ku erwägen ist auch, dass gerade 
der christliche Soldat am allerwenigsten eine Ruhestätte 
im chrietlichen Coemeterium der Heimat finden konnte; 
viele starben eben auf fremder Erde und wohl in den 
eelteneten Fällen war gei'ade ein christlicher Kamei'ad in 
der I^e, das Grab des Toten noch mit einem christlichen 
Zeichen üu Bchmücken. l'nd wenn dae Heer noch Jange 
zum grossen Teil ans Heiden Gesteht und manches Über- 
bleibsel einer vergangenen Zeit im I^ager treu gehütet wird, 
Bo liegt der Grund wohl auch in der verschiedenartigen 
Zusammensetzung des Heeres aus verschiedenen ^''ölkem, 
sowie in dei Rücksicht, die man den Sitten und nament- 
lich den religiösen Anschauungen tind Gebräuchen allezeit 
entgegenbringen musste, seitdem sie das bestimmende Moment 
des Reiches geworden. Umgekehrt ist diese Rücksicht aber 
wohl auch den Christen zuweilen in heidnischer Zeit zu 
teil geworden. 

Der Beteiligung der Christen am Militärdienst verdankt 
das Christentum sehr viel für seine Verbreitung. Die ver- 
schiedenartige Zuzammensetzung des Heeres machte manchen 
luit dem C'hristentum bekaTint, der davon noch nicht ge- 
liört hatte. Das MiHtär war ja überhaupt stets „der Träger 
fremden Samens". Auch die orientalischen Kulte, der 
Mithraekult und andere sind durcli die aus den Feldzügen 
heimkehrenden Soldaten in Italien verbreitet worden. So 
verdankt es das Christentum wohl auch den Soldaten, dase 
es an manchen Punkten so früh Fuas gefasst. Wemi das 
Christentum zur Zeit Tertullians schon in Britannien An- 
hänger Mihlte,' so haben wold Soldaten dieser Militär- 
provinz die Kunde von der neuen Lehre gebracht. Ein 
Beweis dafür ist, dass die Hauptstätten des Christentums 
vielfach in Verbindung stehen mit den Quartieren römischer 
I Legionen. 

' Tert. adv. Jud. 7 (11, 71:)}. 



— 184 — 

Aus der Fülle von Beispielen christlicher Soldaten 
während der ei*sten drei Jahrhunderte seien einige heraus- 
gehol>en. 

V\)n zwei christlichen Soldaten berichtet ein Elogium 
des Damasus. ^ Nereus und Achill eus hatten sich dem 
mihtärischen Berufe gewidmet, verliessen aber denselben 
nach ihrer Bekehrung und wurden dann als Christen hin- 
gerichtet. Im 5. oder 6. Jahrhundert entstanden über die 
beiden glaubenstreuen Kämpfer Christi auch Akten. *^ Aber 
in denselben erscheint das T^ebensgeschick der beiden Märtyrer 
wesentUch umgestaltet: sie werden zu Kaemmerern der be- 
rühmten römischen Christin Domitilla gemacht.^ Es war 
vermutlich der Umstand, dass die Grabstätten der Beiden 
in der Domitülakatakombe sich befinden, der den Hagio- 
graphen bewog, seine Helden in dienstliche Beziehungen 
zu jener berühmten Christin aus dem flavischen Kaiser- 

' Die Inschrift an der vi.a Appia lautet (de Rossi, inscriptioues 
christianae II, 1 n. 74, S. 31): 

Nerens et Achilleus martyres. 
Militiae noin dederant saevumq. gerebant. Officiü 
pariter spectantes iussa tjTanni. Praeceptis pul 
sante metu servire parati. Mira fides rerü subito 
posuere furore. Coiiversi fugiunt ducis impia 
castra. Relinquunt_clypeos faleras telaq. cruenta 
('Onfessi gaudent xpi portare triuniphos^_ 
Credite p. damasum possit quid gloria xpi. 

Die Annahme de Rossis, dass Nereus und Achilleus Prae- 
torianer gewesen, hat, worauf mich Weyman aufmerksam gemacht 
hat, in dem Elogium keine Stütze. 

^ Achelis, acta S. Nerei et Achillei in Text u. Unters. XI*, 
1893; vgl. Schäfer, die Akten des heiligen Nereus und Achilleus 
in Rom. Quart. Sehr. 1894, S. 89 ff. 

^ Achelis 1. c. S. 62 sieht darin byzantinischen Einfluss. Schäfer 
hat schlagend nachgewiesen, dass der lateinischen Abfassung der 
Akten die Priorität zuerkannt werden muss. Damit ist aber auch 
von selbst der byzantinische Einfluss in Frage gestellt. Die Um- 
gestaltung der Soldaten zu jungfräulichen Kämmerern Domitillas 
scheint eine Tendenz in sich zu bergen ; sie richtet sich wohl gegen 
den Mönch Jovinian und den Laien Helvidius, die damals in Rom 
die Virginität Marias und damit den Wert der Jungfräulichkeit 
überhaupt bestritten. Darauf deutet auch die Einflechtung der 
Lobrede auf die Jungfräulichkeit. 



185 



se zii bringen. Es war eine bei deni Hagiogmptieii von 
[ NereuB und Achllleus nicht allein auftretentie dichterische 
I ticem. die Geschicke von Personen, die in der gleichen 
' Area ruhten, mit einander zu verHecht*!ii. In Wirklichkeit 
dies nicht immer der Fall. Sichei'lich stellte gar 
oftmals eine christliche Familie ihren Grundbesitz zur 
Beerdigung eines Gestorbenen zur Verfügung , mit 
dem sie nichts anderes verband, als die gleiche Re- 
ligion. Manche von diesen waren ohnehin Gemeinde- 
besitz!, HO dass jeder Christ in denselben eine Ruhestatt« 
finden konnte. 

Von einer umfassenden Teilnahme der Christen am 
I Kriegsdienste spricht der Umstand, dasa die Rettung eines 
►■lömischen Heeres im Markomannenkriege aue der (iefahr 
de» Untei^nges in Wasaemot von christhchen Kreisen dem 
Gebet« ihrer Brüder, welche der I-egion angehörten, zu- 
geeehriel.ien werden konnte, ja, dass sogar ein Christ auf 
Grund dieses Ereignisses dem Kaiser Marc Aurel einen 
Schutübrief für die Christen' andichtete. Denn, wie schon 
einmal angedeutet, kann dieser Schutzbrief nicht auf die 
geringst« Glaubwürdigkeit Anspruch machen. Er steht mit 
dem ganzen Denken und Fühlen Marc Aurela in vollstän- 
digem Widerspruche. Mommsen * hat auf die verschiedenen 
W'idersprüche und historischen Unrichtigkeiten des Briefes 
aufaierksam gemacht; Den in dem Briefe dem Kaiser bei- 
gel^ten Titel Parthicus führte der Kaiser damals uicht 
mehr und den Titel Sarmaticus hatte er noch nicht an- 
genommen. Das Prädicat ,, heilig", wie es der Senat in 
dem Briefe trägt, war im Kanzleistil nicht übÜch. Der 
F So d«m Briefe auftretende Pompeianus erhält den Titel 
li^Polemarch" — wie er überhaupt in diesem Sinn erst 
[fliäter auftaucht. Am Sebluss dtaselben wird angedeutet, 
i der Präfectus practwrio Pollio den Brief in die Proviii« 
r versendet, ein -\mt, wie es Pollio als Senattir nicht bekleiden 



' Append. xa Just. apol. II (bei ütto I ', 246). 
* UoQiinaen. dn» Regi^nwunder nn lier Marcnssäiile im Hprme» 
Wi» B. 1895. S. 91. Ä. 1. 



— 186 — 

konnte und auch nicht bekleidet hat. Allein das Ereignis 
JUS solches^ bleibt dennoch bestehen und ebenso ein Brief 
des Kaisers an den Senat, der freilich kein Schutzbrief 
für die Christen gewesen, sondern ledigüch das Ereignis 
mit mehr oder weniger Einzelnhciten berichtet hat. Für 
die Thatsächlichkeit des Ereignisses bürgen fünf Quellen. 
Vor allem ist es der christliche Schriftsteller Tertullian, 
der den Satz aufstellt, dass kein guter Fürst die Christen 
verfolgt habe, und als Beweis auch Marc Aurel anführt, 
der sich als Beschützer der Christen gezeigt habe, wie ja zu 
ersehen sei aus einem Briefe dieses Kaisers ; derselbe l)e- 
zeuge, dass jener ,, Durst" in den Ländern Germaniens 
durch das Gebet von vielleicht christlichen Soldaten durch 
das Eintreten eines Regens gelöscht worden sei.* — Aus- 
führlicher ist der Bericht des Eusebius: Es wird erzählt, 
dass der Bruder Antonius, der Kaiser Marc Aurel, in seinen 
Kämpfen gegen die Germanen und Sannaten schon das 
Heer in Schlachtordnung aufgestellt hatte, aber in harter 
Bedrängnis war, da die Soldaten an Durst zu leiden hatten. 
Da sollen die Soldaten der sogenannten meÜtenischen Jjegion, 
die bis heute in derselben Glaubensfreudigkeit existiert, bei 
der Aufstellung der Schlachtreihen sich nach christlicher 
Gebetssitte auf die Knie geworfen und zu Gott ihr Flehen 

* Aus der neueren Litteratur ist hervorzuheben : Domascewski 
im Rhein. Mus. 49. Bd. 1894. S. 612 ff. ; Petersen in den Mitteilungen 
des röm. Inst. 9. Bd. 1894. S. 78 ff. ; und im Rhein. Mus. I. 1895. 
S. 453 ff. ; Harnack in S. B. d. Berl. Akad. 1894. S. 835 ff. : Mommsen, 
1. c. S. 90 ff. ; Nikolai, 1. c. S. 18 ff. Die Resultate zusammengefasst 
von Geffken, das Regen wunder im Quadenlande, in den Neuen Jahrbb. 
für das klass. Altert. III. Bd. 1899. S. 253 ff. G. weist auch mit 
grosser Wahrscheinlichkeit nach, dass der angeführte Schutzhrief 
anfangs des vierten Jahrhunderts in Kleinasien entstand, als Licinins 
die Verfolgung gegen die (Christen zu erneuern drohte. 

' Tert. apol. 5: at nos e contrario edimus protectorem, si 
litterae M. Aurelii gravissimi imperatoris requirantur, quibus illam 
Germanicam sitim Christianonira forte militum precationibus im- 
petrato imbri discussani contestatur. sicut non palam ab eiusmodi 
hominibus poenam dismovit, ita alio modo palam dispersit adiecta 
etiam accusatoribus damnatione et quidem tetriore (1, 131). Nach 
den letzten Worten zu schliessen, war zu TertuUians Zeiten der 
angebliche Schutzbrief schon verbreitet; cfr. Tert. ad Scap. 4 (I, 548). 



187 



geßandt haben : ein befremdendea Bild für diu Feinde. Aber 
bald sollten dicselbeu ein noch gi'össeres Wunder echaiie». 
Blit«! flammten vom Himmel und schlugen die Feinde in 
Flucht imd Tod, auf day Heer aber, äas sich an die Gottheit 
gewandt und das schon dem Tode des Verdüratens nahe 
war, ergosB eich ein starker Regen. Diese Thatsache, fährt 
Eusebius fort, wurde sowohl von heidnischen als auch von 
christUchen Sehriftsteliem bezeugt. Die Heiden hätten aller- 
dings nur von dem wunderbaren Vorfalle gesprochen, ihn 
al>er niclit dem Gebet der Christen zugeschrieben. Die 
Christen aber haben in ihrer Wahrheitsliebe das Geschehnis 
schlicht und schön erzählt. Zu ihnen gehöre Apollinaris, 
der noch beigefügt, dass die raeliteniBche Ijegion, auf deren 
(lebet liiu das Wunder eingetreten sei, seither mit dem zu- 
trefEenden Namen Bhtzlegion vom Kaiser bezeichnet worden 
sei. Aber auch TertuUian berichtet davon. Und nun führt 
Eusebins den Bericht Tei-tullians an, der damit schhesst, 
dass Marc Aurel den Anklägern der Christen die Todes- 
atrafe angedroht habe.' Die Schutaschrift des Bischofs 
Apollinaris von Hierapolis, auf die sich Eusebius als eine 
Beiner Hauptquellen beniit, ist uns bekanntlich fast ganz 
verloren gegangen. Wie Eusebius angibt, berichten auch 
heidnische Schriftsteller in ihrer Weise von dem Ereignin. 
Kb sind dies Dio Cassius' luid CapitoUnuH," Dio Cassiua 
schmückt da.« Ereignis in mannigfacher Weise aus und 
schreibt es der Beschwörung des Luftgottes Hermes durch 
deri Magier Amuphis zu. Ein monumentales Zeugnis des 
Ereignisses ist die Mai'cussäule in Rom. Ein Relief zeigt 
daa römische Heer auf dem Marsche: ein Tier bricht vor 
Ermüdung nnd Durst zusamnien. Über dem Felde erscheint 
der Regengott, mit wallenden, Wasserströme ergiessenden 
'^•üttareu. Ein Teil der römischen Soldaten hält den Schild 
sich, ein anderer Soldat trinkt aus eigenem Gefäss. 

' Eus, bist. ecel. V, 7 (3591 

• Dio Cftss- LXXI, 8, 9, 10. 

• Der Bericht des Capitolimis ist sehr kurz: M.Anton. Philo- 
M]ihns 24 : fultnen de caelo precibua Huia cDiitra, huatium mnchi- 
' - 1 Bxtorait suis (iluvia impetrkCa, cum aiti lnbiimrent. 



— 188 — 

Nebenan Schlucliten, in denen noch mit den Fluten rin- 
gende Pferde das Ertrinken der Barbaren andeuten.^ Marc 
Aurel hat den Vorfall wohl auch dem Senate berichtet. 
Das Vorhandensein eines solchen Briefes hat Mommsen 
überzeugend dargelegt.'^ Schon die bestimmten Berichte 
TertuUians und des Dio Cassius machen die Existenz eines 
derartigen Briefes notwendig. Ausserdem erklärt sich ja 
die Fälschung eines Christen viel leichter bei dem Vor- 
handensein eines wirklichen, wenn auch anders lautenden 
Briefes. Marc Aurel hat vermutlich in seinem Briefe 
keine ])estinunte (lottheit genannt, welche die Rettung 
her})eigeführt. Er schrieb einfach: deus. Ein Heide, 
wie es der Schöpfer des Reliefs gewesen, musste da- 
bei seinem Anschauungskreis entsprechend, sich Jupiter 
pluvius denken. Einem Christen aber musste der einfache 
Ausdruck deus aus dem Munde eines heidnischen Kaisers 
befre>mdlicli dünken und ihn zur Anschauung verleiten, 
Marc Aurel habe die Rettung dem einen, wahren Gotte, 
dem Christengotte zugeschrieben, von dem ja auch allein 
eine wirkliche Rettung erfolgen konnte. Wenn aber Apollinaris 
beifügt, dass die beteiligte Legion deshalb den Namen legio 
falminata oder falminatrix vom Kaiser erhalten habe, so 
beruht das lediglich auf einer falschen Ideenassociation 
dieses Schriftstellers. Die 12. Logion, welche seit Vespasian 
in Melitene am Euphrat liegt, führte nachweisbar den Bei- 
namen fulminata schon seit Augustus*'' und war bei dem 
fraglichen Feldzug überhaupt nicht beteihgt. 

Als sicher aber darf es jedenfalls bezeichnet werden, 
dass sowohl in der melitenischen Legion als auch in den 
Legionen des Marcomainienkrieges sich starke Prozentsätze 

* Petersen, dem ich hier gefolgt bin, unterscheidet in seinem 
zweiten Aufsatz (Rhein. Mus. I, 1895. S. 453 ff.) eine doppelte Dar- 
stellung: eine von dem Regenwunder, und eine andere, die Er- 
stürmung eines feindlichen Belagerungturmes durch die Römer. — 
Wie aus der oben citierten Stelle des Capitolinus ersichtlich, ver- 
bindet auch dieser Schriftsteller beide Momente zu einer Thatsacbc 

* Mommsen 1. c. S. 92. 

« Vgl. Marquardt, 1. c. H, 447. A. 10. 



189 



1 Chvi?te)i gcfiiiulftn liivljwi,^ und dass dieser Umstand 
von keiner Seite verurteilt wurde. 

In der paeaio Perpetuae et Felicitatia tritt uns als eine 
sympathische Nebengeetalt der Soldat Pudens entgegen, der 
die beiden Frauen freundlich behandelt und schUeFslicli 
uum Ohrifitentutn geführt wird.* Er war vennutlich ein 
Angehöriger der legio III. Augustiv, die in Afrika stand. 

Im Jahre 215 bat ein Befehlshaber der legio HI 
Cyrenaica, welche in Bostra ihr Hauptt^uartier hatte," den 
Öligen^ zu sieh, um von ihm Unterricht in der christ- 
Hch^i Religion zu empfangen. Originea folgte bereitwillig 
dem Rufe und vollendete seine Aufgabe glücklich.* 

In der decianischen Verfolgung, die besonders in Ale- 
xandria fw^htbare Stünne entfachte, war es ein Soldat, 
Besas, der die Märtyrer vor den entfesselten Leidenschaften 
des Pöbels schützte. Sein Opfermut kostete ihm das Leben.'' 
Ja, von derselben Legion, der er angehörte, der legio IL 
Traiana fortis * waren bereits ganze Manipel christlich. Als 
einer von den angeklagten Christen beim Verhöre bereite 
üu schwanken begann, da ermutigten ihn mehrere Soldaten, 
und als die Zuschauer verwundert auf die Kühnen bhckten, 
traten sie gemeinsam vor den Richter und erklärten sich 
aämttiche als Christen. Daas es dem Richter umheimlich 
geworden sein mag, ist begreifUch, wenn er die Scharen 

' Cfr. EuB. hist. e«!. V, 7, 1 : 
lltyläii'ot az^iiiiiaii« if i 
tfiiiT (ST)»». 

* Pubs. S. PerpBtuae et Pelicitatis 9 ■ Pndens miles Optio prae- 

pusitas i^Etrwrls, qni no idh^d ^'^ P n d legen s mH^tim 

Tirtntein ewe in nobia, mnllis ad n adra l^^ba (Bobinsun 74, 13). 

Der Optio gebflrte ea d n n a s we h ni Runge zwischen 

' 1 Gemeinen nnd den entn nen s h l DleroFAzier ; cfr. 30 

■ Nach llio Cassius LV 23 s s nn e A xniider Seveni» iu 

i. higt. ecci. VI, 19, 15 (4ej). 

ihiateocl. VI, 41, 16 (497),„ 
' Tnijftn Wste die ehemala in Ägypten stellende legio XXn. 
Deiotariana anf nnd erricht«!« die le^io II Trajana; diese Legion 
Ucgt seit Trajan allein in Ägypten ; vgl. Maninardt, t. c. 1, 442 q. A. 5. 



: IK MiXlitur^g nSrai xnkotfidrtK 
US IS ixtifav xai EtV dtSga acrcarui- 



I 
I 



— 190 — 

jubelnd von dauneii ziehen sah . . . .^ Cyprian erwähnt 
unter denen, für welche er das Opfer darbringt, namentlich 
Laurentinus und Egnatius, die hienieden im Lager Kriegs- 
dienste gethan, aber auch als Soldaten Christi durch ihr 
offenes Bekenntnis sich die Siegespalme errungen.* 

Wie die valerianische Verfolgung überhaupt viele 
Soldaten zu Martvrern schuf, ^ so fiel ihr in Caesarea in 
Palästina noch ein Offizier zum Opfer, als der Sturm 
schon vorübergegangen schien. Marinus stand an der Reihe, 
Centurio zu werden. Schon trug er das Abzeichen dieser 
militärischen Würde, den Rebstock, als ein Nebenbuhler 
ihn als Christen denunzierte, der sich weigern werde, das 
Kaiseropfer zu bringen. Die Stellung des Marinus gebühre 
ihm. Maiinus wurde über seine Stellungnahme befragt 
und gestand offen die Wahrheit der Angaben seines Gregners 
ein. Der Richter Achaeus gab ihm Bedenkzeit. Als Marinus 
vom Gerichtshof weggegangen, nahte sich ihm der Bischof 
der Stadt. Die Entscheidung mag dem neuen Centurio 
nicht leicht gefallen sein. Endlich nahm ihn der Bischof 
bei der Hand, führte ihn zur Kirche der Stadt und vor 
dem Altare schlug er den Mantel des Offiiziers zurück, 
sodass das Schwert sichtbar ward und so hicss er ihn 
wählen zwischen dem Schwerte und dem Evangelienbuch, 
das er ihm zeigte. Marinus entschied sich; er wählte das 
Evangelienbuch . . . Wenige Stunden darauf hatte er aus- 
gekämpft . . ."* 

Der Fall hat sich noch zugetragen unter dem Eindruck 
des valerianischen Opfergebotes. In der Folgezeit wurden 



» Eus. bist. eccl. VI, 41, 22 (499). 

* Cypr. ep. 39, 3. Die auch in dogmatischer und liturgischer 
Hinsicht interessante Stelle lautet: item patruus eins (sc. Celerini) 
et avunculus Laurentinus et Egnatius in castris et ipsi qnondam 
saecularibus militantes, sed veri et spiritales Dei milites, cum diabolum 
Christi confessione prostemunt, palmas Domini et Coronas inlastri 
passione meruerunt. sacrificia pro eis semper, ut meministis ofifer- 
rimus, quotiens martyrum passiones et dies anniversaria comme- 
moratione celebramus (II, 583, 6). 

» Eus. bist. eccl. VII, 11, 20 (543). 

* Eus. bist. eccl. VII, 15 (548). 



— 191 — 

flie Verhält nissR wieder günstiger. In den Anfängen der Re- 
glern ngszeit Diokletians luid Maximinimis mag die Beteiligung 
am Kri^dienst wieder eine sehr starke gewesen sein, Gterade 
die Soldaten waren ea ja auch, die von den Machthabern ge- 
fürchtet wurden. Schon uradas Jahr 298 wirkte GaJerius einen 
Anneebefehl aus, um die Soldaten z.uni Opfer anzuhalten ; 
er glaubte nämlich, sagt Eueebius, wenn er die Soldaten 
zur Nachgiebigkeit gezwungen, auch mit den andern leichtes 
Spiel za haben. Allein sofort legten verschiedene höhere 
Militärs ihre Chargen nieder imd zogen sich ins Privat- 
leben zurück.' Bis dahin hatten viele Offiäere und Soldaten, 
wie auch Beamte ihr Gewissen damit beruhigt, tlass sie 
bei der notwendigen offiziellen, wenn auch passiven Anteil- 
nahme an Opfern das Kreuzzeichen auf die Stimc drückten. 
Übrigens wurde der Befehl des Diocletian und des Galerius 
ouch jetzt noch nicht mit der ganzen Strenge durchgeführt,* 
Es war wohl das Opferedikt vom Jahre 298, das an 
den Centurio Marceilus herantrat. Er ist in gewissem 
Sinne ein Typus seiner Zeit. Schon einmal hatte ihn sein 
Beruf mit seiner religiösen Überzeugung in Konflikt ge- 
braclit: es war am Geburtstest des Kaisers gewesen und 
er hatte kühl erklärt, nicht opfern zu können ; damals 
hatte sein Benehmen keine weitere Beanstandung gefunden; 
jetat aber sind andere Zeiten gekommen : das Opfergebot 
ist erlassen. Aber Marcellus wirft che Abzeichen seiner 
Würde auf den Buden; „Weim der Soldat opfern muas, 
dann w^ mit diesen Zeichen."^ Es ist nicht mehr der 
(ieist der stillen Duldung und Ergebung, das ist der Cieist 
de« Machtbewusstseins, der kä,mpfend und fallend den 
Feind schon auf den nahen Sieg der Seinen hinzuweisen 

VOTDiag, 

In der darauffolgenden trüben Zeit enthüllt sich uns 
manches interessante Bild aus dem Leben eines christliehen 
Soldaten in jenen Tagen. Wir sehen in Caesarea einen christ- 



I.Rct. div. inst. IV, 27, 4 



■ Act. 8, Karcelli (Rainart 343). 



— 192 — 

liehen Fähnrieh Fabius verbluten, weil er sich geweigert, die 
GötterbUcler zu tragen.^ \\''ir schauen einen Soldaten Julius, 
der siebenmal hinausgezogen ist ins Feld, siebenundzwanzig 
Jahre gedient hat, bis ihn das unheilvolle Gebot zum Opfern 
erreicht, dem er nicht geliorcheu kann. Vor seinem Tode 
küsst ihn noch sein Kamerad Isychus. Der Fall hat sich 
in Dorostrum in Moesien zugetragen.^ Der maximianischen 
Verfolgung fällt in Mittelägypten ein Soldat Apadius zum 
Opfer.3 

Besonders reich an Einzelheiten und interessanten 
Streülichtem sind die Akten des Soldaten Dasios.* Es 
waren wiederum die Tage der Saturnalien gekommen ; diese 
Festestage waren von den Soldaten stets als Ruhetage be- 
trachtet worden, an denen ihnen Straflosigkeit gewährt 
wurde und sie sich allen Freuden überliessen. Namentlich 
pflegten sie für die Leitung des Festes durch das Los einen 
König aus ihrer Mitte zu wählen, ihn mit den königlichen 
Abzeichen zu schmücken und ihm für die Dauer der Festes - 
zeit alles zu gestatten, an deren Ende er sich dann selbst 
dem Kronos opfern musste.^ In dem schon erwähnten 
Dorostrum in Moesien traf das Los für die Leitung des 



' Anal. Boll. IX, 1890. S. 123 fe. 

2 Anal. Boll. X, 1891. S. 50 ff. 

^ Text dieser Akten bei Amelineau les actes des martyrs de 
rfiglise copte, Paris 1890, S. 75—77; cfr. de Rossi, atti della R. 
Acaderaia dei Lincei, serie V. Memorie della Classe di scienze morali 
storiche e filologiche I, 1894. S. 1 ff. 

* Les actes de S. Dasius v. Camont in Anal. Boll. XVI, 1897, 
S. 5 ff . u. dazu : Farmen tier, le roi des Saturnales in Revue de 
Philologie, nouvelle serie XXI, 1897, p. 143 — 49 ; und dazu Cumont 
p. 149—53. 

* Cumont, der Herausgeber der Akten, glaubte ursprünglich, 
diese Bemerkung der Akten als ein Missverständnis des Akten- 
redaktors fassen zu müssen. Der Satumalienkönig habe sich nicht 
opfern, sondern dem Saturn ein Opfer bringen müssen. Aber Far- 
men tier 1. c. 147 wies darauf hin, dass in Babylon, Fersien, Klein- 
asien und in den meisten asiatischem Einfluss unterworfenen Gegenden 
ein jährliches Fest mit Ausschweifungen aller Art gefeiert wurde, 
dessen charakteristisches Ende ein Menschenopfer war; dieser asiatische 
Gebrauch vermischte sich mit den römischen Saturnalien. Camont 
selbst schloss sich den Ausführungen Farmentiers an (L c. 149). 



Satarnalienfestea den christliche« Soldaten Dasioa. Dasina 
aber entschloas sich nach einigem Überl^en zur Weigerung 
mit der Begründung seinen Kameraden gegenüber, daaa er 
Christ Bei; diese aber schleppten ihn zum Kicliter Bassua 
und als dort Daaios das geforderte Opfer vor dem Bilde 
des Kaisers ebenfalls ablehnte, wurde er am 20. November 
des Jahres 303 enthauptet. 

Die von Cumont aus einem Pariser Codex edierten 
griechischen Akten können, obwohl sie auf einen lateinischen 
Urtext zurückgehen und manche Unrichtigkeiten und spätere 
Zusätze aufweisen, doch wegen ihrer genauen Datierung, 
ihrer natürlichen und lebensvollen historischen Schilderung 
und wegen der naclaweisbar frühen Entstehung des Dasios- 
cultus in dem Dorostrum benachbarten AxiopoÜs' auf 
unbedingte Glaubwürdigkeit Anspruch machen. 

Aus alten Akten und Passionen treten uns noch eine 
Fülle von Gestalten entgegen, welche treu ihrem Kaiser 
den Fahneneid gehalten, bis die Treue gegen einen höheren 
Herrn sie in Widerspruch gebracht mit dem Gebot des 
Herrn der Erde. Da ist zu erinnern an Sebastian.* Er 
trat als Christ in das römische Heer ; von Diocletian ward 
er zu einer Befehlshaberstelle der Praetorianer berufen. Als 
die Verfolgung ausbrach, trat auch der christliche Praetorianer- 
offizier offen hervor mit dem Bekenntnis seines Glaubens 
und erÜtt den Martyrertod am 20, Januar, vermuÜich in 
den letzten Jahren des dritten Jahrhunderts, Das ist vielleicht 
d<'r Kern der histerischen Tradition,* um die ein Hagiograph 
des fünften Jahrhundert« einen Kranz von Sagen gewoben.* 

' Mart, Hieronym. edd. de Bossi et Dacliesne 101 ; Nou. Aag. 
In axiupoU nat. a(aa)c(t)or[im Herenni Daesi (var. Dasi) Reracli; 
lid: IIU nun. oct. ; In axiupoli nat. sancti Dasii. 

' Acta S. Sebastian! in A. Boll. Jan. 20, Tl. 265 ff. 

* Schon bezeugt in der liberianischen Chronik t. Jhr. 354 : 
Sni- c*l. Febr. Sebaat (Rninart 631); ctr. Ambros. comm. in Pa, 118 
aeriD. XX, 44 (Migiie, S. L. XV, col. 1497 1. 

* Zu ungünstig dOrfte über die Akten geurteUt halien : Hiinxilter, 
mr Regierung und Christenverfolgung de» Knisera Diucletianua und 
seiner Nachfolger, Leipzig 1868, der aie ». 364 vollständig in das 
Gebiet d« L^ende verweiat; zu günatig noch Belaer, Beiti4ge znr 
diucletianischen Christen Verfolgung, TUbiogen 1861, S. 11 : vgl. die 

igalmlit, BeulllguDg d. Ouiül, Km OOetill, Ltboii. 13 



— 194 — 

Mit der Freiheit des Romanschriftstellers verwebt er eine 
Fülle von Gestalten und Ereignissen zu einem Bilde, das 
freilich infolgedessen an Einheitlichkeit etwas vermissen 
lässt. Da ist zu erinnern an Sergias und Bachus, die als 
Offiziere der Falastwache Maximin Dajas in Syrien den 
Martyrertod erlitten. Die in neuerer Zeit edierte griechische 
Passio derselben^ enthält zwar Zusätze und Einzelheiten 
genug, die nicht glaubwürdig erscheinen; noch mehr gilt 
das von den Akten dieser Heiligen, die auf jener Passio 
fundieren ; * aber ein historischer Grundton blickt immerdar 
hindurch durch die später aui^tragenen Farben. 

Zum Schlüsse noch ein Wort über die sogenannte 
thebaische L^on.' Die historische Quelle des Martyriums 
dieser Legion bildet der Brief des Bischofs Eucherius von 
Lyon an den Bischof Salvius, geschrieben um das Jahr 
450, der den Bericht über das Martyrium enthält. „Während 
andere, schreibt Eucherius in diesem Briefe, aus verschiedenen 
Provinzen zu Ehren der heiligen Mart)rrer zur Ehre und 
zum Kulte dieser Heiligen Geschenke von Gold und Süber 
und kostbaren Dingen darbringen, biete ich dir deinem 
Wunsche gemäss diese Geschichte und erbitte mir dafür 
von diesen meinen Schutzheiligen Fürbitte für meine Sünden 
und beständigen Schutz. Ich fürchtete, es möchte durch 
Sorglosigkeit die Geschichte dieses glorreichen Martyriunas 

Besprechung des Aufsatzes Delehayes, ramphitheatre Flavien et 
»es cnvirons in Anal. Boll. XVI, 1897, S. 209 ff. durch Weyman, 
Bist Jahrb. XIX, 1898, S. 244, A. 1. 

» In Anal. Boll. XIV, 1895, S. 373 ff. 

« Bei Migne, S. L. CXV, col. 1065 ff. 

• Die Litteratur darüber ist sehr umfassend; die ältere zu- 
sammengestellt bei: Friedrich, Kirchengeschichte Deutschlands, L 
Bamberg 1867, S. 101—41: die neuere bei Hirschmann : die neueste 
Litteratur Über das Martyrium der theb. Leg., Eist Jhrb. XUI, 
1892, 8. 78.-} — 98. Seitdem sind zu erwähnen Schmid, der heilige 
Mauritius und seine Genossen, Luzern 1893!; Wotke, corp. Script. 
eccl. lat. XXXI, Vindob. 1894, p. 165—73; la legione Tebea in der 
Rassegna nazionale 81. 1895, S. 675— 83; Berg, der hl. Mauritius 
und die theb. Leg. Halle 1895; Krusch, Mou. Germ. Eist. Script, 
rer. meroviug. III : passiones vitaeque sanct. aevi merov. et antiquorum 
aliquot. Hannover 1896, p. 20—41. B. Sepp, die Passio d. theb. Leg. 
Beil. V. 4. u. 11. Dez. 1897 z. Augsb. Postz. 



195 



aus dem Gedächtniese der Menschen entschwinden. Die 
Wahrheit der Sache selbst habe ich von maesgebeuden 
Gewährsmännern erfahren; GewährBmännern, die ea ilirer- 
seitß von dem Bischöfe von Genf Isaak zu wiseen erklärten ; 
und dieeer hat es wohi von dem seligen Bischof Theodor 
erfahren." Nach dem Berichte spielt der Vorgang in 
Agaunum in der Schweiz zu Zeiten des Kaisera Maximian. 
Maximian, der Mitkaieer Diocletiana, hatt« sich die Aus- 
rottung des christlichen Namens zum Ziele gesteckt. Alle; 
die den Glauben an den wahren Gott zu bekennen wagten, 
liesB er zu Folter und Tod führen. Nun befand sich in 
Beinern Heere eine Le^on, welche die thebaische genannt 
wurde. Der Kaiser hatte sie zu seiner Hufe aus dem 
Orient zu sich entboten; es waren Männer, berühmt durch 
ihre Tapferkeit, berühmter aber noch durch ihre Glaubens- 
treue. Denn auch unter den Waffen vergassen sie das 
Wort Christi niclit, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers 
ist, Gott aber, was Gottes ist. Nun traf auch sie die Be- 
stimmung, die Christen herbeizuschleppen; aber sie ver- 
weigerten diesen grausamen Dienst und erklärten, nimmer 
solchem Befehle gehorchen zu wollen. Maximian war nicht 
weit von dem Standlager der Legion entfernt ; er weilte in 
Octodurura. Die Legion seibat stand in den agaunensischen 
Engpässen. Agaunum ist etwa 60 Meilen von Genf entfernt, 
14 Meilen von der Spitae des Genfer-Sees. Der Kaiser 
gab nun den Befehl, die Legion mit dem Schwert« zu 
dezimieren ; die übrigen sollten abermals zur Verfolgung 
der Christen gezwungen werden; aber laut klang der Ruf 
durch das Lager, nimmer würden sie sich zu solch gott- 
losem Dienste hergeben ; sie verehrten einen Gott und 
würden Heber sterben, als etwas thun gegen ihren christ- 
lichen Gkuben; Maximian, grausamer als ein Tier, Hess 
die Dezimation wiederholen, aber die übriggebÜebenun 
feuerten nur noch mehr sich gegenseitig an, auszuharren 
bei dem herrlichen Werke. NamentÜch waren oa der 
Primicerius der Legion Mauritius, der Campiductor Exsn- 
perius und der Senator der Soldaten Candidua, welche die 
SolcUtfln entflammten durch ihr Mahnen : sie sollten ihren 

13* 



— 196 — 

Zelt2eno«f?en folgen, die schon in den Himmel voraus- 
gegangen. Sie liessen dem Kaiser sagen : Wir sindL Kaiser, 
deine .Soldaten ; aber wir sind auch, wie wir oöen erklären. 
Diener Gottes. Dir schulden wir Kriegsdienst, jenem aber 
die Sündelosigkeit. Von dir halnen wir den Sold für unsere 
Arbeit empfangen, ihm schulden wir den Anfang unseres 
lji\jens. Wenn wir nicht zu solch gottloser That gezwungen 
werden, die Gott beleidigt, gehorchen wir dir, wie wir 
bbüher gethan; wenn aber, so werden wir Gott mehr ge- 
horchen ab? dirl . . . . Sieh, wir haben die Waffen in 
der Hand und leisten keinen Widerstand; lieber wollen 
wir selbst getötet werden, als töten, lieber unschuldig 
sterben, als echuldbefleckt leben . . . Wir bekennen uns 
aL« Christen, \*ir können die Christen nicht verfolgen. 
Daraufhin gab Maximian die Hoffnung auf, ihren Wider- 
stand zu brechen und Uess alle töten ; Soldaten sollten sie 
umzingeln und das Werk vollziehen. Die Christen weigerten 
sich al>er nicht zu sterben; sie legten die Waffen ab und 
lx>ten selbst den HaLs imd den unbewehrten Leib ihren 
Henkern. Ho i^-urden sie alle mit dem Schwerte nieder- 
gemacht, ihre grosse Anzahl, ihre Bewaffnung veranlasste 
sie nicht, die Gerechtigkeit ihrer Sache mit dem Schwerte 
zu verteidigen ; sie erinnerten sich, dass ihr Bekenntnis 
dem gelte, der wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt 
worden. Die Erde deckte sich mit den Leibern der Edlen, 
die in den Tod dahinsanken; das kostbare Blut floss in 
Strömen über sie. So verblutete jene englische Legion, 
die jetzt sicherlich schon mit den I^gionen der Engel im 
Himmel lobt Gott den Herrn Sabaoth. Als die Soldaten, 
welche den Befehl des Kaisers vollzogen hatten, sich eben 
an der Beute der Märtyrer gütlich thaten, kam Victor, ein 
ehemaliger Soldat hinzu und wurde zur Teilnahme an 
dem Mahle eingeladen ; kaum hatte er aber dessen Ursache 
erfahren, als er voll Abscheu zurücktrat; auf Befragen, ob 
er vielleicht auch ein ('hrist sei, erklärte er, dass er Christ 
sei und immer Christ bleiben werde ; sogleich stürzten die 
Soldaten auf ihn und töteten ihn ; derselbe Ort ward seine 
Ruhestätte; so ward er mit den Märtyrern wie im Tode, 



197 



80 auch in der gleichen Verehrung vereinigt. Beltannt 
sind von den Märtyrern folgende Namen : Mauritius, Ex- 
superiua, Candidus, Victor ; die übrigen sind zwar unbekannt ; 
aber im Buche des Lebens sind sie eingeschrieben. Der- 
selben Legion sollen auch Ursus und Victor angehört haben, 
welche zu Solothum das Martyrium erduldet haben soUeo. 
Nach vielen Jahren wurden die Reliquien der seligen 
Märtyrer von Agaunum dem heiligen Theodor, dem Bischof 
jenei" Ortes bekannt gegeben und ilrni übergeben; er Hess 
zu ihrer Verehrung eine Kirche erbauen, dicht an einen 
wilden Felsen, doch nicht mit der Seit« an demselben an- 
gelehnt. Dabei ereignete sich etwas Merkwürdiges. Unter 
den Bauleuten befand sich auch ein Heide. Als an einem 
Sonntag er allein in der Bauhütte stand, zeigten sich ihm 
plötzlich am hellen Tage dieHeiUgen; er fühlte sich fort- 
gerissen und hart getadelt, dass er allein am Sonntag von 
der Kirche femgebUeben sei oder es wage, als Heide mit- 
zuarbeiten an solch heihgem Werke. Bestürzt und er- 
schreckt verlangte der Heide Christ zu werden und wurde 
e« auch alabald, Eucherius erzählt dann noch ein weiteres 
Wunder von einer Frau eines vornehmen Mannes Quincius, 
die den Gebrauch der Füsse verloren hatte und in der 
Basilica zu Agaunum Heilung fand, so dass sie, die hin- 
getragen worden, mit gesunden Füssen die Gnadenstätte 
verlafisen konnte. Es sind das nur zwei Wunder, heraus- 
gehoben aus einer Fülle von andern, welche Gottes All- 
macht durch seine HeiUgen dort wirbt .... 

Soweit der Bericht des Eucherius. Die von ihm er- 
zählte Passio fand später eine Rezension, welche über die 
Vergrosserung dieser Basihca, sowie über die Erhebung 
der Rehquien des heiligen Innocentius berichtet, der eben- 
lalh der thebaischen Legion angehört haben soll. Diese 
Rezension fällt, wie aus gewissen historischen Notizen zu 
echliessen, in die Mitte des 6. Jahrhunderte. 

Gleichzeitige historische Zeugnisse für die Passio finden 
sich nicht. Es kämen als solche auch nur Eusebius und 
der Verfasser der niortes persecutorum in Betracht. Aber 
Eusebius stand in Caesarea den abendländischen Ereignissen 



— 198 — 

überhaupt ziemlich fem, wie es gerade in der Greschichte 
Diodetians zu verschiedenenmalen zu Tage tritt; und der 
Verfasser der mortes vermeidet Einzehiheiten überhaupt 
und in der Geschichte des Maximian Herculius beschäftigt 
er sich, der Tendenz seines Buches entsprechend, haupt- 
sächUch mit dessen letzten Geschicken. Spätere, wie 
Orosius und Sulpicius Severus betonen nur die Grausam- 
keit der Christen Verfolgungen überhaupt, ohne auf einzelne 
Passionen einzugehen, die ja, wie Sulpicius Severus ein- 
mal sagt, schon schrifthch niedergelegt sind und über den 
Zweck seines Buches hinausgehen würden. Immerhin ist 
das auffallend erschienen, und der Umstand, dass der Be- 
richt des Eucherius erst 150 Jahre nach dem Ereignis selbst 
niedergeschrieben worden, schien manchem Zweifel eine 
Berechtigung zu geben, nachdem auch die Quelle, aus der 
Eucherius geschöpft, nicht ganz ungetrübt zu sein scheint. 
Die Ansichten ül)er die Glaubwürdigkeit der Tliat- 
sache sind darum auch in alter und neuer Zeit weit aus- 
einander gegangen. Haben einige die Thatsächlichkeit des 
ganzen Berichtes in allen seinen Teilen aufrecht erhalten, 
so haben andere den ganzen Bericht als eine aus der 
Lektüre des Eusebius hervorgegangene freie Komposition * 
oder als eine christliche Umgestaltung des bei Caesar de 
hello gallico III, 1 erzählten historischen Faktums * erklärt. 
Indes wird an der Glaubwürdigkeit des Berichtes im grossen 
und ganzen festzuhalten sein. Der Bericht des Eucherius 
geht, wie er selbst sagt, auf Gewährsmänner zurück, welche 
mit dem Bischof Lsaak von Genf noch in Berührung gf- 
stiindon. lsaak selbst habe die Thatsache vermutlich von 
dein beatissimus episcopus Theodorus erfahren. Theodor 
ist eine historisch festzustellende Persönlichkeit ; es ist der 
AjK)stol von Wallis, der als Bischof von Octodurum die 
Akten der Synode von Aquileja 381 mitunterzeichnete und 
nacli (fams im Jahre 391 gestorben sein muss.^ Eine 

^ IIniizik(>r, 1. c. S. *2f)5. * Egli, Kirchengesohichte der Schwell 
bis auf Karl d. (ir. in d. Theol. Zeitschr. an« cl. Schweiz 1892, S. 69—81. 

* \'k\. (lainH in d. Anzeige der Kircheni^eschichte Deutschlands 
V. Friedrich in TUb. Theul. QuartaUchr. 1867. S. 306 ff. 



stütze findet der EucheriuBbericht in einer Bemerkung 
Gregors von Tours, der in einer Höhlung eines Steines in 
Heiner Kirche eine Kapsel fand, in welcher Reliquien beatae 
l^onia tfistium eingeschloesen waren ; damit die Reliquien 
als solche von Angehörigen der thebaiechen Legion erkannt 
wurden, muBS eine Inschrift mit den obigen Worten bei- 
geschloBsen gewesen sein, die in ihrer Form : beatae legionia 
testium auf die Zeit vor der Abfassung des Eucheriua- 
berichtes hinweist. Es liegt sehr nahe, dass bei der Er- 
hebung der Reliquien der Märtyrer durch den Bischof 
Theodor von Wallis (f 391, vgl. ob.) Teile der ReUquien 
versandt, beziehungs weise an andere Kirchen zum Geschenk 
gemacht wui-den, und dass auch der heihge Martiuus, der 
um diese Zeit (372 — 397) Bischof von Tours wai-, solche 
empfangen hat und aus seiner Zeit, wenn nicht von seiner 
Hand jene Inschrift stammt, die sein Nachfolger Gregor 
von Tours bei den Reliquien gefunden haben muss.' Ein 
noch gewichtigeres Zeugnis aber bildet die Existenz der 
Kirche, die laut für die Existenz der Märtyrer spricht; sie 
wurde, wie schon oben gesagt-, noch unter Bischof Theodor 
erbaut und später erweitei-t. Man baut aber nicht Kirchen 
über Phantasiegestalten, — nach kaum 80 Jahreu, — oder 
über dem Grabe heidnischer Soldaten. Auch die Namen, 
die sich erhalten haben, sind vermutlich als historisch zu 
betrachten. Die Tradition hebt in diesen Dingen eine 
gewissenhafte Treue. Manches wird allerdings aus dem 
Berichte als unwalirscheinUch auszuscheiden sein. So hatt« 
wohl Maximian andere Gründe, sein Heer durch jene Eng- 
thäler zu führen, a!s den angeführten, die Christen aus- 
zurotten, von denen jene Gegenden noch nicht sehr bevölkert 
waren. Das Wahrscheinliche ißt, dass Maximian ein Heeres- 
opfer ver.mstaltet hat. das zu vollziehen sich Mauricius 
weigerte und deshalb mit seinen Landsleuten, welche die 
GeoiDDung ihres Offiziers teilten, in den Tod gesandt wurde. 
• Greg. Tur. hiat. Franc. X, 30 (ed. Arndt, in Mon. Oerin. Hist. 
SeripLrer. meroving, I, 448, 9); cfr. Greg. Tnr, lib. in glor, mart o,61; 
est apod Agripinensim nrbem basilica, in qua dicnntur qainqnagintB (I) 
Tiri ex illii legione «acrs Thebaeorani pro Chriati nomine m&rtjriam 
consnnimaase et^. (K.iisch, 1. c. 530, 7). 



— 200 — 

Auch die glänzende Rede, welche Mauritius dem Kaiser 
halten läset, dürfte in ihrer Form kaimi fortgelebt haben 
und eine Schöpfung des Schriftstellers sein. Das Gleiche 
gilt von der Bezeichnung der Offiziere als Primicerius, 
Campiductor u. s. w. Die Grade waren nicht mit über- 
liefert und so sieht sich Eucherius, der in der Geschichte 
des Militärwesens wohl kaimi bewandert gewesen, ge- 
zwungen, aus seiner Zeit Uebertragungen in die Zeit des 
Faktums zu machen. Die Bezeichnungen dieser Grade sind 
aus nachkonstantinischer Zeit ; vorher existierte die Charge : 
„Primicerius^* etc. nicht. Übertrieben dürfte auch die 
Nachricht sein, dass es eine ganze Legion gewesen. Der 
Beisatz des Eucherius, dass eine Legion aus 6600 Mann 
bestanden habe, zeigt, dass Eucherius sich nicht klar ge- 
wesen, und Erkundigungen nach der damaligen Stärke 
einer römischen Legion eingezogen hat, und diese seinen 
ebenfalls unkundigen Lesern übermitteln wiU. Dagegen, 
dass es eine ganze Legion gewesen, spricht schon das Eine, 
dass es eine legio Thebaica nie gegeben hat; diese Be- 
zeichnung findet sich nicht. Auch die Dezimierung einer 
Legion war zwar nicht gerade ausgeschlossen ; die Geschichte 
Roms kennt einige Beispiele.^ Aber sie war doch seit 
langer Zeit nicht mehr vorgekommen und auch früher 
nicht bis zur Vernichtung der ganzen Legion fortgeführt 
worden. Es wäre doch mehr als unklug gewesen, sich 
einer solch kolossalen Streitkraft auf diese Weise zu ent- 
äussem. Das Wahrscheinliche wird sein, dass es eine 
Cohorte der Auxiliartruppen gewesen. Dadurch erklärt sich 
auch der Beiname: Thebaica. Die Cohorten der Auxiliar- 
truppen erhielten oftmals die Bezeichnung des Landes, 
aus dem sie ausgehoben waren, wo sie sich ausgezeichnet 



^ Suet. Aug. 24 : cohortes, si quae cessissent loco, decimatas 
hordeo pavit. centuriones statione deserta, itidem ut manipulares, 
capitali animadversione puniit ; cfr. Suet. Calig. 48 : priusqaam pro- 
vincia decederet, consilium iniit nefandae atrocitatis, legiones, quae 
post excessum Augusti seditionem olim moverant, contrucidandi, 
quod et patrem suum Germanicum ducem et se infantem tone ob- 
sedissent. vixque a tarn praecipiti cogitatione revocatus, inhiberi 
nullo modo potuit, quin decimare velle perseveraret etc. 



— 201 — 

hatten, oder wo sie standen." Vermutlich war es eine 
Cohorte, die ans der Thebais auHgehoben war und dadurch 
.gewinnt der Vorfall noch mehr historischen Hintergrund, 
weil gerade die Thebais ausserordentlich viel Christen zählte. 
EuBebiuB erzählt, daes dort mehrere Jahre hindurch zehn, 
zwanzig, dreissig, Ja sechzig und hundert Männer und 
Frauen an einem Tage der Verfolgung zum Opfer fielen. 
Dort war es, wo die Schweizer stumpf wurden und 
brachen . . .'' Und Söhne dies^ Landes waren es auch, 
die im fernen Agaunum für den Glauben der Heimat ver- 
blutet. Die Cohorte mag eine eohors quingenaria gewesen 
sein, also fünfhundert Mann gezählt haben. Die Zeit lässt 
sich nicht genau bestimmen, möglich, dass es auf dem 
Zug des Maximian von Köln nach Afrika im Jahre 302 
gewesen,* Dadurch erklärt sich auch am leichtesten, dass 
auch in Köln die Tradition von dem Martyrertode von 
Angehörigen der thebaischen I^gion festen Boden gefasst. 

Die konstaiitinische Zeit hat nicht nur den Rigorismus 
beseitigt und einer andern Stimmung Raum gegeben, in 
der Augustin auamft: Nicht die militia verhindert das 
gut sein, sondern die malitia,* in der er fragt r ,,Wa8 ist 
der Krieg für ein Verbrechen ? Etwa, weil diejenigen sterben, 
die ja doch einmal sterben müssen? Ihn tadeln I'^eiglinge, 
aber nicht Christen;"* sie hat auch das Heer bald nait 
christlichen Einflüssen vermischt, die auch Julian nicht 
mehr zu verdrängen vermochte. 

Im Jahre 416 erlässt Theodosius U. eine Ordre, der 
zufolge alle heidnischen Personen vom MiÜtardienst aus- 
geedüoBsen beziehungsweise zu demselben nicht mehr zu- 
gelassen werden.^ Damit ist der Kampf beendigt. 

' cfr. Marqnardt, 1- c II, 472. 

» Eus. bist, eocl. Vm, 9 (625); ctr. Eus. de mort. Pal. 8 (6Ö9). 

» Vgl. Friedrich I. c. S. 124. 

• Auft. aermo 302, IS. 16 (Higne, S. L, SXXVm. col. IUBl, 10). 

» Ang. contr. FaoBl. Manich 22, 74. (Sligne, S, L. XLH, col. 447, 24. 

' Cod. Theod. XVI, 10, 21 : qui profano pa^ni ritns eiTore sen 
erimine pullnuntnr, hoc est gentiles, nee ad luilitiBin admjttantur. 
Über spjllere Zeit Tgl. KQnstle, zwei Documente zur altchristlichen 
HilitäneelBorge. Maine 1900. 



IL Teil. 

Die Stellung der Christen zum römischen 

Gesellschaftsleben. 



I. Kapitel. 

Die Stellung der Christen in der heidnischen 

Gesellschaft. 

Zu den Worten des Apostels, dass das Wort Grottes 
den Heiden eine Thorlieit sei,^ bilden die beste Illustration 
die Urteile über die neue Lehre aus römischem Munde. 
Ein solches enthält vor allem der Brief des bithynischen 
Statthalters Plinius an Trajan:^ ,,In Betreff derjenigen, 
welche bei mir als Christen angeklagt werden, schlug ich 
folgenden Modus ein : Ich fragte sie, ob sie Christen seien ? 
Und wenn sie sich als solche bekannten, so fragte ich 
sie zum zweiten und dritten Male und drohte ihnen mit 
Bestrafung, blieben sie dabei, so Hess ich sie zur Bestrafung 
abführen; denn ich glaubte, dass solche Unnachgiebigkeit 
und unbeugsame Hartnäckigkeit zu bestrafen sei, möge 
dann auch ein Geständnis zu Tage fördern, was immer. 
Andere Anhänger ähnlicher Thorheit, die römische Bürger 
waren, vermerkte ich und liess sie nach Rom senden. 
Aber wie es zu gehen pflegt, durch die Behandlung der 
Frage zog die Anklage bald weitere Kreise und es gelangten 
mehrere FäUe zur Anzeige. Eine anonym eingesandte 
Liste nannte verschiedene Namen, die aber leugneten, 
Christen zu sein, oder es gewesen zu sein. Da sie nach 
meinem Vorgange die Götter anriefen und vor deinem 

» 1 Cor. 1, 22. 23. 
» Plin. ep. X, 96. 



— 203 — 

Bilde, das ich zu diesem Zwecli mit den Götterbildern 
herbeibringen liese, Weihraucii und Wein opferten, auaser- 
dem ChristTiß schmähten, — lauter Dinge, zu denen echte 
Chrißten sich gar nie verstehen aollen, — entlieas ich sie 
wieder. Andere, die von dem Angeber bezeichnet worden 
waren, gestanden zwar, daas sie Christen seien, bald aber 
leugneten sie es ; sie seien es zwar gewesen, hätten aber 
längBt aufgehört, es zu sein ; einige vor drei Jahren, andere 
vor mehreren Jahren, etliche auch vor zwanzig; sie alle 
bezeugten deinem und der Götter Bilde ihre Verehrung und 
schmähten Christus. Sie versicherten aber, die Haupteache 
ihrer Schuld oder ihres Irrtums habe darin bestanden, 
dasB sie an einem bestimmten Tage vor Tagesanbruch 
lusam mengekommen seien, und dort in ihrem Kreise 
ChrLrtus als einem Gotte ein IJed gesungen hätten. Sie 
hätten sich auch durch einen Eid verpflichtet, aber nicht 
etwa zu einer Frevelthat, sondern dazu, keinen Diebstahl, 
keinen Raub, keinen Ehebruch zu begehen, dagegen das 
gegebene Wort zu hallen, anvertrautes Gut nicht abzu- 
leugnen. Dann seien sie jeweils auseinandergegangen, um 
bei einem gemeinschaftlichen und unschädlichen Mahle 
eich wieder einzulitiden ; doch hätten sie daa unterlassen, 
nach dem Bekanntwerden meines Ediktes, dass ich deinem 
Befehle gemäss gegen die geheimen Genossenschaften ge- 
ricbtst. Ich hielt es deshalb noch für notwendig, zwei 
Mägden, die sich Diakonissinnen nannten, durch Anwendung 
von Foltern die Wahr^ieit zu entlocken ; ich fand aber 
nichte Anderes, als massloaen und verkehrten Aberglauben ; 
ich verschob deshalb das Urteil und wandte mich an dich 
um Rat. Die Sache schien mir der Erwägung wert, baupt- 
eäcblich wegen der grossen Anzahl derer, die in Betracht 
kommen, denn viele von jedem Alter und jedem Geschlecht 
und jedem Stand kommen dabei in Frage. Nicht in die 
Städte allein, auch in die Dörfer und auf das Land hinaus 
ist dieser ansteckende Aberglaube schon gedrungen, aber 
□och scheint Eüihalt und Besseiomg mögUch zu sein. 
Wenigstens wird bekannt, dass die schon beinahe ver- 
ödeten Tempel wieder aufgesucht, die lang unterlassenen 




— 204 — 

Opfer wieder dargebracht und Opfertiere allmählich wieder 
verkauft werden, für die sich nur mehr selten Käufer 
gefunden. So lässt sich leicht vermuten, welch eine grosse 
Menschenmenge noch gebessert werden kann, wenn man 
den Reuigen Verzeihung werden lässt." 

Dieses Urteil ist in mehr als einer Beziehung von 
Interesse. Gibt es uns einerseits Aufschluss über Stand 
und Verbreitung des jungen Christentums, so zeigt es 
doch andererseits, dass die höheren Gesellschaftskreise Roms 
depaselben noch meist vollständig fern gestanden. Plinius, 
der noch einige Jahre zuvor das Konsulat bekleidet hatte, 
kommt offenbar zum ersten Mal hier in der Provinz in nähere 
Berührung mit der christlichen Lehre und obwohl er ihrer 
Moral die Anerkennung nicht versagt und in der Be- 
handlung der Reuigen zur Milde rät, so bleibt doch dem 
sonst so vorurteilslosen Staatsmann ihr Wesen unverstanden 
und er kann nichts finden, als verkehrten und masslosen 
Aberglauben. 

Einige Jahre später schreibt Tacitus seine Annalen; 
bei der Erwähnung der grossen Feuersbrunst in Rom 
unter Nero kommt er auch auf die Christen zu sprechen.^ 
Um dem Gerüchte, - dass er (Nero) selbst der Anstifter der 
furchtbaren Feuersbrunst sei, die am 19. Juli des Jahres 64 
einen grossen Teil Roms in Asche gelegt, — ein Ende zu 
machen, schob Nero jene Leute vor, die beim Volke 
Christen genannt wurden und ob ihrer Frevelthaten verhasst 
waren, und verhängte über sie die ausgesuchtesten Strafen. 
Christus, von dem ihr Name stammte, war unter der 
Regierung des Tiberius von dem Landpfleger Pontius 
Pilatus zum Tode verurteilt und hingerichtet worden ; aber 
der momentan unterdrückte Aberglaube tauchte abermals 
auf und verbreitete sich nicht nur durch Judäa, sondern 
auch in der Stadt Rom, allwo eben von allen Seiten das 
Schreckliche und Schändliche zusammentrifft und seine 
Anhänger findet. Zuerst wurden Verschiedene ergriffen, 
welche Geständnisse machten ; und dann wurde auf deren 



* Tac. anual. XV, 44. 



— 205 — 

hin eine ungeheure Menge niclit so last des 
Verbrechens der Brandstiftung als des allgemeinen Menschen- 
hasees überführt. Bitterer Hohn begleitete ihren Tod, Mit 
Tierfellen bedeckt wurden aie durch gehetzte Hunde zerfleischt 
oder sie wurden ans Kreuz geschlagen, oder sie mussten 
in Flammen stehend, wenn der Tag sich geneigt, die Nacht 
erhellen ... Zu diesem Schauspiel hatte Nero seine Gärten 
geöffnet tmd er gab Cirkusspiele, jjidem er sich selbst als 
Wagenlenker unter das Volk mischte oder auf dem Wagen 
stehend dahinfuhr. Deshalb regte sich auch das Mitleid 
für sie, obgleich sie Verbrecher waren, die ihr eben erlittenes 
Geschick wohl verdient hatten, Ihr Tod s.'hien eben nicht 
aus Rücksicht für das öffentliche Wohl zu erfolgen, sondern 
daa Werk der Grausamkeit eines Einzigen zu sein .... 
Sueton berührt in seinen Biographien die neue religiöse 
Bewegung zweimal. Von Claudius sagt er, daas er die 
Juden, die auf Betreiben eines Chrestus beständig Unruhen 
erregten, aus Rom verti-eiben lies,' und bei der neronischen 
Zeit gedenkt er auch der schweren Strafen, welche die 
Christen getroffen, eine Kla-ose von Menschen, die neuem 
und schädlichem Aberglauben anhängen.* 

Wenn Tacitus für seinen Bericht Quellen vorgelegen, 
so lassen sich dieselben jedenfalls nicht mehr ermitteln; 
aber vermutlich sind es eigene Erinnerungen, aus denen 
er schöpft. Das gewaltige Ereignis des Rombraudes muss 
sich mit all seinen Einzelheiten dem Knaben fest ein- 
geprägt haben. Mit den wenigen Notizen, die er wohl 
noch aus jener I^it vom Hörensagen in Erinnerung hat, 
scheint aber auch seine Kenntnis des Christentums erschöpft 
zu sein ; er erachtet die Bewegung keiner weiteren Beobachtung 
wert, fast scheint sie für ihn zu der Zeit, da er schreibt, 
wieder erloschen zu sein ; darauf deutet wenigstens das 
Imperfekt: Nero . . . poenis affecit, quos \iilgus Christianos 
appellabat. Es ist souveräne Verachtung, mit der der 
konservative römische Aristokrat über die fremde religiöse 



— 206 — 

Bewegung, die meist in der ungebildeten Plebs Anhang 
gefunden, spricht. 

Diese Unkenntnis und Verachtung sind allerdings 
zum Teil erklärlich. Das alte Rom lässt sich in religiöser 
Beziehung etwa mit dem heutigen London vergleichen. In 
London finden sich die verschiedensten Rehgionsbekenntnisse 
und ihre Zahl vermehrt sich von Tag zu Tag; und inomer 
wieder finden die Prediger, die von irgend einer neuen 
Idee erfasst, dieselbe oft auf offener Strasse vortragen, 
Zuhörer und Anhänger; für den Beobachter aber, der in 
engUöchem Konservatismus an seiner anglikanischen Hoeb- 
kirche hängt, ist es oft sehr schwer, inmitten des Gewirres 
von Meinungen und des Fanatismus, der sich dabei oft 
geltend macht, ein richtiges Urteil sich zu bilden oder 
vielmehr nicht über alle ein absprechendes zu fällen. So 
war es auch im alten Rom. Mit den verschiedenen Nationen 
strömten auch die verschiedenen Religionen zusammen und 
eine ReHgion, die noch fast gar keine Vergangenheit hatte 
und zudem dem Wesen des römischen Lebens und der 
römischen Religion so ungemein fremdartig war, wie die 
christliche, die femer schon bei ihrem ersten Auftreten als 
Verbrecherreligion sich zu charakterisieren schien, mochte 
einem solch konservativen Anhänger der römischen Staats- 
kirche, wie es Tacitus war, einer S}Tnpathie nicht würdig 
erscheinen. 

Diese Geringschätzung und Verachtung, welche die 
gebildeten Stände dem Christentum entgegenbringen, hat 
lange angehalten. Die Lehre ist leeres Gerede;* solche 
Thorheit kann nur bei Kindern und Frauen, Mädchen 
und alten Weibern ein gläubig Ohr finden ;^ bei Grebildeten 
ist ihr Geschick Hohn und Spott. Ihre Anhänger finden 
sich nur unter der Hefe des Volkes, unter unwissenden 



^ Theophil, ad Aut. III, 1 (188); cfr. Tat. or. ad Graec 6 : xay y«^ 
7r«Vf (pXriydg^ovg xccl aneQfioXoyovg ri/Liag vofxLarixB (28); cfr. Min. 
Fei. Oct. 13,5: anilis superstitio (18,10). 

* Tat. or. ad Graec. 33 : ol yuf) tV yvvcu^l xal fjLeiqaxLoig 
TTUQd^tyoig T€ xccl TiQtaßvKttg q.XvaQUv fi^ccg Xeyoyreg xal dia to ^r^ 
avv vfxii/ elyat ^^^eväl^oyTeg (128). 



207 



Leuten und leichtgläubigen Weibern, die schon die Schwäche 
ihree Geschlechtes zu Falle brmgt.^ 

Die Christen waren Anhänger emer barbarischen 
Religion ; * darin lag ein Grund der Verachtung, Der echte 
alte Bömer konnte mit keinem anderen Gefühle auf eine 
andere Religion blicken, die dem Schosse des Judentums 
entwachsen war. Jene Zeit barg ein ziemliches Stück 
heimlichen und offenen Antisemitismus in sich. Die Juden 
genossen einen ausgedehnten Rechtsschutz und übten nicht 
geringen Einfluss ; ihre Propaganda war eine ausgedehnte 
und zu in Teil auch erfolgreiche, aber die öffenüiche 
Meinung hasete diese misera gentiÜtaa' und urteilte, dass 
der Schaden just nicht gross wäre, wenn alle zu Grunde 
gingen.* 

Doch der Hauptgrund der Geringschätzung lag darin, 
dass die Christen am Anfang gar wenig Leute von Bildung 
und Besitz in ihren Reihen sahen. Das Geschick des 
Meisters war lange Zeit auch das Geschick seiner Schüler, 
über Christus war dereinst das Verwerfungsiuteil von den 
Pharisäern gesprochen worden : „Glaubt denn auch nur 
einer vou den vornehmen Pharisäern an ihn? Nur dieser 
gesetzesunkundige verfluchte Pöbel"!" Und so musste auch 
das Urteil der vornehmen gebildeten Welt der damaligen 
Zeit über die Christusanhänger lauten: ,,Da8 ist ja die 
staunenswerte Thorheit und unglaubliche VenneBsenheit, 
dass die Christen Ehrenstellen und Amtekleider verachten, 
sie, die selbst halb nackt sind" ff' Sie sollten aufhören, an 



' Min. Fei. Octav. 8, i: qni de nltiiti« fsece collectis imperiti* 
oribna et mulieribtis credulis sesas sai facilitate labeotibus plebem 
protaniie coniurationia instituimt (13, 10), 

' Tat. or. ad Graec. 1 (2); 30 (HS): 3B: r^r«.™',- . . . 
xufyoTOfisr li ßnifßngm^ döyfiaiu (138); cfr. Clem. Ales. »trom. II, 
2: ifty avif ^äafiatioi gitXoeogila ijv fie^ino/icv ri/ith: (Migne, S. ü, 
Vm, col, 938, 3 V. u. 

• Min. Fei. Octav. 10, 4 (U, 18). 

• Tftc. »nnftl. n, 8ä- 
' Joh 7, 48. 49. 

• Min- Fei. Octav. 8, 4 (12, 17). 



— 208 — 

einen Grott zu glauben, der ihnen nach dem Tode helfen 
wird; denn sie finden ja keine Hilfe bei ihm im Leben. 
„Em Teil von ihnen und zwar der grössere und wie die Christen 
selbst behaupten, bessere, darbt, fi'iert, plagt sich, hungert 
und ihr Gott duldet und ignoriert es, er will oder er kann 
den Seinigen nicht helfen . . ." ^ „Sie sollten überhaupt 
aufhören, die Gebiete des Himmels und die Geschicke und 
die Geheimnisse der Welt zu erforschen; es genügt, auf 
das zu sehen, was vor den Füssen liegt, für solche unge* 
lehrte, ungebildete Leute, Ijcute ohne Erziehung, ohne 
Lebensart, Leute, die nicht einmal bürgerliche Verhältnisse 
verstehen können, viel weniger imstande sind, reÜgiöse 
Fragen zu erörtern/*^ 

Das Urteil trifft bis zu einem gewissen Grade für 
das erste und für die erste Hälfte des zweiten Jahrhundert"« 
zu. Gar manche Christen konnten von sich sagen, wa«» 
dereinst Paulus an die Corinther geschrieben: „Bis zu 
dieser Stunde hungern und dürsten wir, sind entblöp.st 
und werden mit Fäusten geschlagen. Wir arbeiten und 
mühen uns ab mit unseren Händen; man verflucht uns 
und wir segnen ; man verfolgt uns und wir dulden ; man 
lästert uns und wir beten; wie ein Auswurf dieser Welt 
sind wir geworden, ein Abschaum von allen bis zu dieser 
Stunde.** ' Nach dem Diognetbriefe sind die Christen 
Bettler, die freilich viele bereichern ; sie müssen Alles ent- 
behren und doch haben sie an Allem Überfluss . . .* l'nd 
Minucius Felix gibt zu, dass die Christen in ihrer grösseren 
Mehrzahl arm genannt werden müssen, aber das ist keine 
Schande für sie, sondern eine Ehre, denn der Luxus er- 

schlatTt dun Geist ; durch (ienügsamkeit wird er gekräftigt 

\\'ie der, welcher einen We<i; zurückzulegen hat, desto K*- 
ijueuier dahinschreitet, je leichter die Last ist, die auf ihm 
Yuhi, so ist aucii auf der lycbensreise glücklich derjenige. 



' Min. Fi-1. (U'i. 12, 2 (KJ, 12). 

=* Min. F.'l. <Kt. 12, 7 (17, 10). 

' 1 <'or. 4, 11 lY. 

* ep. iul l>ioy:n. n, l.'J. 



— 209 -^ 

der durch Armut sich leicht gemacht und nicht seufzt 
unter des Reichtums Bürde. ^ 

Bei der ReHgion des Trostes suchten eben vor allem Er- 
quickung diejenigen, welche sich arm und mühselig fühlten. 
Christus selbst hatte meist Arme unter seinen Schülern; 
und Paulus konnte an die Korinther schreiben: ,, Sehet 
nur auf eure Berufung, Brüder ; nicht viele Weise nach dem 
Fleische, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme hat 
der Hen- erwählt, sondern das Geringe und das Verachtete 
und das, was Nichts ist."^ Und in ähnlicher Weise er- 
innert Jakobus seine Brüder, dass Gott die Armen dieser 
Welt auserwählt zu Reichen am Glauben und zu Erben des 
Himmelreiches . . . .^ So finden sich denn auch unter 
den ersten Christen namentUch viele Sklaven und Klein- 
handwerker.* Die Juden Christen, welche einer Mahnung 
des Herrn folgend, Jerusalem vor dessen Zerstörung ver- 
liessen, nannten sich geradezu Ebionim -= die Armen. 

Der Reichtum bot eben für die Lehre der Entsagung 
und des Kreuzes viele Hippen. Der göttliche Meister selbst 
hatte auf diese Klippen aufmerksam gemacht,^ und wie er, 
so verwirft auch Paulus zwar Besitz und Eigentum nicht, ^ 
aber er rät doch bei der Kürze des Menschenlebens denen, 
welche kaufen, zu sein als besässen sie nicht, und denen 
welche die Welt gebrauchen, als gebrauchten sie dieselbe 



' Min. Fei. Octav. 36, 6 (51, 14), 

« 1. Cor. 1, 26. 28. ; Jak. 2, f). 

* Rom. 16, 10: Tocg ix T(oy ^AfjiaToßovjioi' ; tocs ix T<iit' X(C()xla- 
aov Tovg oytctg iy xv(}uo ; 1. Gor. 1, 10: tmi/ X'A6ti<; ; Phil. 4, 22; Athenag. 
suppl. 11: 71«^« de ^^ly 6Ü()otT€ iStuyiag xal ^SfQOTixycig (52); cfr. 
Min. Fei. Oct 8, 4 (12, 10); Orig. c. Cels. III, 44: utidug rifjoamo 
ntnai&hvfjLBuog^ ^rfitlg aoa-og^ ur^ug (/(joi'iuog . . . Toirorg y(((j 
(c^iovg Tou ag)€TiQov &£ov avTo&et' ouoXoyovifihg öTjkol daty ort uot'oug 
tovg rjXid-iovg xccl ccyeyyetg xal ayaia&riTovg xal ayd\)d7io(^a xal ycyaia 
xal naidaQca id-e'Äovai re xal dvyayxaL (I, 239, 29); cfr. III, 55: 
o(}(it}^tv dfi xal xara rag Idcag olxiag i() lo v q yo vg xal axvToio- 
(Liovg xal xva(pelg xal Tovg aTTafdevTOTaTovg n xal dy^o/xoTaroug 
iyayrioy fXBy tuiy TiQeaßviiiHoy xal ^QoyiuioTbi)ioy deanoTo)/' ovO^iy 
g:&iyyead'at roX^toytag (1, 250, 16). 

^ Matth. 6, 24 ; 13, 22 ; 19, 23 ff. ; 3Iare. 10, 23 ff. 

« I.Tim. 4,4; 6,17. 18. 

Bigelmair, Beteiligung d. Christ, am öffeutl. Loben. 14 



— 210 — 

nicht. ^ So war Gottseligkeit und Gronügsanikeit ein grosser 
Gewinn^ und demnach mochte es vielen besser erscheinen 
arm zu sein als reich. ^ Darum sagt Tatian, dass er gar 
nicht reich sein will. Denn eine Sonne strahlt für alle 
und ein Tod erwaitet alle, diejenigen, welche im ('"Ix.a'liusrje 
leben und diejenigen, welche die Armut drückt. Es säet 
der Reiche, und der Anne hat Anteil an der Saat, — es 
sterben die Reichsten und das gleiche Los trifft den I Jettler.* 
Der übermässige Aufwand an Reichtum ist eine der gnissten 
Sünden.^ Clemens von Alexandrien schrieb sogar ein 
eigenes Buch: „Welcher Reiche wird selig?'* Er sah sieh 
veranlasst, geradezu die Reichen zu trösten, dass sie «>1» 
ihres Reichtums noch nicht verdannnt seien und sie zu 
mahnen, das Vermögen, das ja auch dem Nächstt^n nützt, 
nicht wegzuwerfen. Denn Vermögen sei das, was nutzl»ar 
und zur i3enützung für den Menschen von Gott gcschalTt'n 
sei. Es handhi sich darum, vom Reichtum den rieht ipMi 
(7e])rauch zu machen, es nütze nichts l)ettelarm zu sei» 
an Reichtümern, denn auch der Arme kann noch n»ifli 
sein an Leidenschaft.^ Das Schriftchen scheint namentlit-h 
gegen die Marcioniten gericht(^t gewesen zu sein, die v*»ll- 
ständige KntiiussiTung von allem irdischen Ik^sitz verlangt^-n. 
In den Stromatii macht er ja einmal die Bemerkung, ila.«* 
er einige Fnigen ausführlicher gegen die Marcioniten he- 
liandehi werde.* Ausserlicli drückt sicli die X'erafhtun;: 
<les Reichtums bei den (»rsten Cliristen in der »Sehlielith»*it 
und Kinfaeiilicit der Grabinschriften aus, die nichts «t- 
zäiilen von irdiseliem (Jlanze und in ihrer Gleichheit an 
tlas \Vt>rt des ( lalatcrbriefes gemalmen: da ist wtMler .luilr 
nocii (Irieeiie, weder Sklave nocii Freier, weder >huiii n<H-ii 
Weil» -- iln- seid alle eins in Christo Jesu . . / 

> 1 < or. 7, ;;o. :n - l . Tim «;, <J. « 3Iin. PVl. Ort. li>, i> . !♦;, \:\ . 

■* Tut. <.r. j\il (JiMfc. 11 ir>0:. 

' V\\>X. Uriiii niainl. VIII, \\\ inmul XII, 1. -J. 

•"' i'h-m Al»'\. i|ins «livrs sjihvtur. r. 1: ir>. 

' (N'in. Al.-x. >tri.iii. III, W (l.c <■<.!. lll.'J, V,\ v. \\X Virl. Funk. 
t IriiHiis \^^\\ .\l»'\;iipln«n üIht Kaniili«* und Füirciitum in (les. Abh. «'(■•. 
II, S. i:. tv 



— 211 — 

Doch könneil diese Ausführungen keine allgemeine 
Giltigkeit beanspruchen. Die Verhältnisse waren zu ver- 
schieden gelagert. In der einen Stadt fand die I^redigt 
von der neuen Lehre so fruchtbaren Boden, dass Massen- 
übei-tritte stattfanden, die auch die Reichen und Vornehmen 
dem Christentum zuführten, oder es wirkte das Beispiel 
einer einzigen angesehenen Familie auf die übrigen. In 
anderen Städten und namentlich auf dem Lande bildete 
die Abschliessung gegen jede religiöse Neuerung und das 
Festhalten am Ererbten die unumgängliche Familien- 
tradition des adligen Hauses. Der mehr oder minder 
konservative Volkscharakter spielte bei solchen Bewegungen 
ebenfalls mit. 

Demnach war auch die gesellschaftliche Lage und 
Stellung der Christen verschieden. Unter den Vornehmen 
Jerusalems hatte Christus wenig Anhänger gefunden. In 
Jerusalem scheint dies Verhältnis auch fortgedauert zu 
haben. Wenigstens sammelt Paulus in Macedonien und 
Achaja für die armen Brüder in Jerusalem.^ In Thessalonike 
und Beröa glaubten, wie die Apostelgeschichte berichtet, 
viele und namentlich auch sehr angesehene Frauen.- Aber 
die Mehrzahl der macedonischen Gemeinden bestand aus 
Armen. ^ 

Auch die Christen Roms gehörten anfänglich den 
ärmeren Bevölkerungsschichten an. Wenigstens liefindeir 
sich unter den von Paulus gegi-üssten Brüdern keine Namen 
von Klang. Doch später sendet er den Philippern Grüsse 
von denen, die am Hofe sind.^ Es ist nicht unmöglich, 
dass die ungemein günstige Stellung, wie sie Paulus nach 
dem Zeugnis der Apostelgeschichte während seiner ersten 
römischen Gefangenschaft, der Zeit der Abfassung des 
Philipperbriefes genoss,*"" auf Einflüsse am Hofe zurück- 
zuführen ist. Die jüdische Propaganda hatte hier vor- 
gewirkt, die Gattin des Kaisers Nero, Poppäa, war der 



» Apg. 15, 25 ff. ; 2. Cor. 8. 14. ^ Apg. 17, 4, 12. 
3 2. Cor. 8, 2. * Phil. 4, 22. « Apg. 28, 30. 31. 

14 = 



— 212 — 

jüdischen Religion zugethan gewesen ^ und so feindlich der 
echte Jude dem Christentum gegenüberstand, so rasch 
musste der Prosel}'te, den der Drang nacli Wahrheit der 
jüdischen Religion zugeführt, der neuen Religion entgegen- 
jubeln, die ihm diese in ihrer ganzen Reinheit und Fülle 
bot, ohne die für den Römer lästige ßeschneidung un«l 
die sonstigen oft peinUchen Gesetzesveipflichtungi»n zu 
fordern. Ho war ja auch die reiche Purpurhändlerin aus 
der Stadt Thvatira Proselvtin,^ als Paulus' Worte ihr Ihn 
dem Christentume erschlossen. Der Hauptmann ConieHu^, 
dessen Berufung allen ein Zeichen geworden, dass aurh 
den Heiden Gott die Busse verliehen zum I^ben,^ war 
zuerst dem Judentum zugethan gewesen, "^ mid für die* ll*-- 
kehrung des Prokonsuls Sergius Paulus auf Cyix^rn war 
der vorherige Aufenthalt des Juden Bar Jesu lx?i ihm siflier- 
lich zu einer Art Vorbereitung geworden ....''* 

Die griechischen und kleinasiatischen (Gemeinden 
scheinen viele Reiche gezählt zu haben. An die KorinthtT 
schreibt Paulus, dass sie klug, stark und angesehen seini/ 
Darum wendet er sich auch an ihren Ül)erflus8, um davon 
der armen Muttergemeinde Jerusalem zu sj »enden." In 
K[)hesus hatte der Ai)()stel mehrere vornehme Asiaten zu 
Freunden.'^ In dem Briefe an die Ki)hesier mahnt er au« li 
die Herren, ihre Sklaven lie))ev()ll zu lx*han<leln, denn Ui 
(Jott gik kein Ansehen der Person.'' Ol) bei ihnen «li»* 
Mahnunir vielleicht schon nötig gewesen? Der Jak^Lu*- 
briet" liissl bereits durchblicken, dass sie zuweilen wohl am 
Platze war. Die Armen sind verunehrt.^^ Sie mü.<si'n si«li 
in der ^^ottesdienstlichen X'ersannnlung mit dem sehleeliti-n 
Sit/c iM'LTnü.ircn, während dem Manne mit dem goldt-iK-u 
]{ihp' und drr j)rächtigen Kleidung <ler gute anir«*lN»t«-n 
wird.^' Tnd «loeh sind die Reichen es, die Gewalt üIkh 

' .!»•> i«litf. XX, >< : \f'ifnti' t)i AmxuitHis tuTttw y:iuin*i-i 

'- 'A).- \i\\ 1 1. ••\-\j,tr. 11, IS. * ApiT. 10;l>. '2'}. ' * Ai.i:. i:'.. TU 
' I Cm. 1, in. • -j. iMi". s, 11. " Aiiir. IS», M. '•' Kplu'- «J. '• 



— 213 — 

und den Armen vor Gericht ziehen.^ Sie prassen auf Erden 
und weiden in Wollust ihre Herzen ; sie verurteilen den 
Gerechten und morden ihn ; der Lohn der Arbeiter, welche 
die Felder eingeerntet, ist denselben von ihnen vorenthalten 
worden, und schreiet . . . .^ Und Laodicea muss von dem 
Apokalyptiker bereits das strafende Donnerwort hören, dass 
es ausgespien wird aus Gottes Mund, denn es spricht: Ich 
bin reich, habe Überfluss und bedarf nichts .... und 
doch ist es in Wirklichkeit arm und blind und nackt und 
elend mid erbärmlich.^ 

So fanden sich von Anfang an unter den Christen 
neben Armen, wenn auch in geringerer Anzahl Reiche und 
Gebildete. Das zweite Jahrhundert sah die Zahl der letzteren 
grösser werden. Stärker als je erwachte in der Friedens- 
zeit der Antonine die Liebe zur Philosophie, — und zu den 
alten Systemen trat ein neues, — die Philosophie des Christen- 
tums. Eine ganze Reihe bedeutender Männer, ein Justin, 
Tatian, Melito, Aristides, Athenagoras, Apollonius, Clemens, 
die Philosophen der Gnostiker gar nicht gerechnet, weihten 
ihre Kraft der neuen Philosophie und ihr Wort und ihre 
Schriften mussten umsomehr Bedeutung beanspruchen, als gar 
mancher von ihnen sich erst nach langem Suchen zur Wahr- 
heit durchgerungen hatte. Und wie* manche von ihnen die 
Tracht des Philosophen ihr ganzes Leben beibehalten, wie 
es z. B. von dem grossen Alexandriner Pantänus überliefert 
ist,* so vertraten sie ihre ptilosophischen Ideen auch in 
öffentlichen Disputationen. So kämpfen Justin und Tatian 
mit dem Philosophen Crescenz und jederzeit sind sie bereit, 
ihm wieder Red' und Antwort zu stehen gegen die falschen 
Anklagen, die er gegen das Christentum erhebt.^ All das 
konnte auf die gesellschaftliche Stellung der Christen nicht 
ohne Einfluss bleiben. Das Christentum gewann an Acht- 
ung und Ansehen und auch höhere Kreise gingen nicht 
mehr ganz teilnamslos an demselben vorüber. Deshalb gibt 



* Jac. 2, 6. 2 Jac. 5, 1 ff. » Offb. 3, 16, 17. 

* Eus. bist. eccl. VI, 19, 14 (463). 

* Just. apol. n, 3 (I^ 206); cfr. Tat. or. ad Graec. 19 (84). 



- 238 — 

sie nicht, und die, welche die Welt gebrauchen, als ge- 
brauchten sie dieselbe nicht. ^ Bei alldem aber blieb das 
andere Wort des Apostels bestehen: Alles was Gott ge- 
schaffen hat, ist gut und nichts verwerflich, was mit Dank- 
sagung genossen wird.* So mahnten deshalb schon die 
Apostel die Frauen : Sie soUen sich schmücken in anstän- 
diger Kleidung mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit, nicht 
mit geflochtenen Hajiren oder Gold oder Perlen oder kost- 
barem Gewände; ihr Schmuck sei die Gottesfurcht, die 
ünvergänglichkeit eines stillen und sanften Geistes.^ 

Das Kleid des Mannes soll nach Clemens* kein 
Symptom der Verweichlichung tragen ; es decke den ganzen 
Körper und sei weiss, angemessen dem Alter, der Person, 
der Figur, der Natur, dem eigenen Geschmack. Er soll 
den Ring nicht an den Handgelenken ti'agen, sondern an 
dem kleinen Finger, wo man ihn auch brauchen kann. 
Als Siegel ist zu gebrauchen eine Taube, ein Fisch, ein 
Schiff, das in schneller Fahrt vom Wind getrieben wird, 
eine Leier, wie sie Polykrates führte, ein Schiffsanker, wie 
ihn Seleucus meisselte, doch darf er nicht das Bild eines 
Gottes darstellen, dem man nicht anhängen darf; nicht 
schickt sich darauf das Bild eines Bogens oder eines Schwertes 
für den Mann des Friedens ; nicht das Bild des Bechers 
dem Mann der Massigkeit. Das Haar des Mannes sei kurz 
geschoren, doch trage er Bart; er soll nicht nach Frauen - 
art wallende Locken tragen ; der Bart genügt.^ Schuhe 
soll er nicht anhaben, ausser wenn er im Felde steht: 
es ist die beste Übung barfuss zu gehen, der Gesundheit 
und Bewegungsfreiheit sehr zuträglich, wo nicht eine Not- 
wendigkeit hindert.^ 

Die Kleidung der Frau sei gleich der des Mannes, 
nur bedürfen sie noch des Schleiers zur Verhüllung des 



1 1. Cor. 7, 30. 31. * 1. Tim. 4, 4. 
« 1. Tim. 2, 9. 10; 1. Petr. 3, 3. 4. 

* Cfr. zum Folgenden Clem. Alex. paed. UI, 11 (Migne S. G. 
VIII, col. 628 n ) 

^ L. c. m, 11, col. 636. « L. c. II, 11 (col. 537). 



Üt^ ■ 



— 215 — 

vornehmer und reicher Familien über. Der heidnischen 
Aristokratie steht allmähÜch ein christücher Adel gegen- 
über, der mit echt altrömischer Zähigkeit nunmehr ebenso 
treu für die neuen Ideen kämpft und blutet, wie er vor- 
dem konservativ an dem alten Glauben gehangen .... 
Die Abzeichen ihrer Stellung blieben ihnen gewahrt. Ter- 
tuUian, der all den Pomp der Ämter, und auch die Kleidung 
als mit dem Götterdienst zusammenhängend für unerlaubt 
erklärt, vergisst nicht beizufügen, dass auch die christlichen 
Knaben und Mädchen, w^enn notwendig, die stola praetexta 
ti-agen dürfen, freilich nicht als Abzeichen ihrer Stellung, 
sondern ihrer Gebmi;, nicht ihres Ehrenamtes, sondern ihrer 
Familie, nicht ihrer falschen Religion, sondern ihres gesell- 
schaftlichen Ranges.^ Für den Mann jedoch bot wegen 
des öffentlichen Auftretens der Übertritt immer grosse 
Schwierigkeiten. Deshalb fand das Christentum seine An- 
hänger in den vornehmen Kreisen zum grösseren Teile in 
der Frauenwelt, deren Gemüt ja ohnehin religiösen Regungen 
leichter zugänglich ist. 

Einige Namen sind uns erhalten geblieben ; Tacitus 
berichtet, dass eine vornehme Frau, Pomponia Gräcina, die 
Gattin des Britannensiegers A. Plautius, fremden Aber- 
glaubens beschuldigt und dem Urteilsspruch ihres Gemahls 
unterstellt wurde. Dieser führte nach alter Sitte in Gegen- 
wart der Verwandten die Untersuchung über Ehre und 
Leben seiner Gattin und erklärte sie für unschuldig. Dieser 
Pomponia war ein langes trauervolles Leben beschieden; 
denn nach dem durch Messaünas Intriguen erfolgten Tode 
der Julia, der Tochter des Drusus, lebte sie noch vierzig 
Jahre, ohne dass sie die Trauerkleider abgelegt hätte, oder 
überhaupt noch jemals heiteren Sinn gezeigt hätte .... 
Der Umstand aber, dass sie unter der Regierung des Claudius 



* Tert. de Idol. 18 : qnemadmodum enim et Joseph, qui servus 
fuerat et Daniel, qui per captivitateni statum verterat, civitatem 
Babyloniam et Aegyptiam sunt consecuti per habitum barbaricae 
ingenuitatis, sie penes nos quoque fideles, si necesse fuerit, poterit 
et pueris praetexta concedi et puellis stola, nativitatis insignia, nou 
potestatis, generis, non honoris, ordinis, non superstitionis (R. 1, 51, 23). 



— 216 — 

uuirostrai't blieb, ward ihr sogar noch ein«» Quell«/ «ip« 

Huhinos ^ Der Fall ist in seiner rechtlichen Seit»: 

von irn^ssoni Interesse; er bietet jedenfalls eine der letzten 
Anwendungen der Kriminaljurisdiktion des Kheniannes ült-r 
ilie (iattin, die in der ersten Zeit in ausgedehntem Ma**- 
siabe bestand, dami aber Stück für Stück der alles niv»!- 
lierenden Zeit zum Opfer gefallen war; die moderne Zt-it 
kannte eine derartige Kriminaljurisdiktion des Gatten üUr 
diiMJattin kaum mehr. Der Geschichtsschreil>er seihst miu*h: 
sie ihr vei-ständlieh durch den Hinweis auf das priseiiu; 
insiitutuni. Per (irund liegt wohl einerseits darin, «Li« 
in allaili^ligen Familien das Hausrecht strengiT g»*wahri 
wurde, auilrerseits auch darin, dass diese AnklaL't- 'SM.i 
eiireniiimlieher Natur war. 

W'v Vi>rwurl' iler superstitio externa traf versehiflfiir 
Kultr; aluM* der Tharakter des Ernstes und der Tnui»r, 
wit« rr 1mm der roujponia Graecina erscheint, führt w.'l.! 
;un i^bt'sttMi aul das C'hristentum. Jedenfalls ist das H- 
sclilci'lit diT Toniponier eines der ersten, das Christen \int»r 
srmrn Mitirüedern zählt-i\ De Rossi entdeckte* in «i'-n 
iinilirn der luMÜLTen Lueina l)ei d(T Katiikomhe des C'alli"l'> 
rmr In^iln-itl. welebe den Namen Pomi)onios (inukii:- 
liMi'l, wührcnd r\\\r andere das christliche Bekenntnis «in" 
roini»nnin< Üassus hr/.tuigt. Ks ist nicht ausge.schl«'>^^i-. 
iliiss i\r h*ossis WM'niutung richtig ist, nach welchi-r ■!>■ 
lu'ihi'r I.in'in:», i\\i{ «Irren Kitrentum nach kirchlicher (''"•' 
h« riruii".! die l\at:iki»nil»e anircleirt wonlen, die auch 'i* 
< ir.ihdiiiUiniilrr drr nhrnrrwiihnten PomjM)nier hirirt. ""• 
unrn- rnnipnni.'i (irnccinn ein und <liesellH' I'ersun *'■!■*• 
I>«iiu li.T N.inn' I.ucina war wühl elier ein christlHl-'- 
rniii;mii' als «in wirkhi'h«'!' Kaniihcnname, gewählt mit 1'- 
/uj'iiahin«' aul «h«- Mrliuclitunir «hirch das rliristciituii.' 
.Nh»"hrh. «la-«- -oLiar «l«'r s««nst «twas unverständliche Slili:*" 
-alz «h- ta«'itriv,-hrn llcrij-jites : i«l«jU«* illi im|M'ritantc Clav. •• 

' la.. iiniia] \lll, IL» 
1»«' lln^-i . li'iiiMM siittriraiit'a I, .'US; rfr. Kraus, K^* 
.•.ulltiraiit ;i S. II, ]'Sk 



fr-teine, die schon dadurch, dass sie in der Ei-de gefunden 
"^Verden, verraten, dass sie für die Erde bestimmt sind.^ 
Der Purpur ist eine ehebrecheriache Farbe, die offenbar gegen 
«den \\'illen Gottes ist, denn sonst hätte Gott den Schafen 
echon purpurfarbene Wolle gegeben.* Besondere aber haast 
<der Afrikaner das Schminken der Wangen, das Färben der 
üaare nnd das Ti-agen von Perücken.' 

, . . Überhaupt sind all diese Annehmlichkeiten zu 
■x-ernichten, durch deren Weiclüichkeit und Überfluss die 
^xlauljenskraft geechwacht werden kann . . . Ich glaube 
»licht, dasa die Hand, die mit Ringen sich zu schmücken 
1>flegt, sich fügen mag in die bai-te Kette ; — ich glaube 
siicht, dass der Fusa, der Schenkelspangen trägt, es dulden 
xnag, von den Fesseln eingeengt zn werden. Ich fürchte, 
«dass der Haie, den Perlen und Smaragd umseblingen, sich 
"»iiigern dem Beile bietet . . .* 

Über den Schleier der Jungfrauen schrieb TertuUian 
«Bljenfalis eine eigene Schrift, die für alle Mädchen und 
JFrauen den Schleier verlangt zur Bewahrung eigener und 
iremdtr Keuschheit^. Als Kleidungsstück empfiehlt er 
sillein das Pallium,^ 

Wie TertuUian, so wendet sich auch Cyprian gegen 
«den I-uxuB und die Kleiderpracht. Sein ^lahllwo^t gilt 
Äunäehst den Jungfi'uuen.' Es gibt einige wohlhabende 
"«ind Yumehme Jungfrauen, welche sich auf ihren Reich 
tum stützen und sagen, sie müssen von ihrem Vermögen 
such (lebraucli machen. Aber Cyprian erkennt nur eüien 
Keichtum an, den Reichtum in Üntt und er besteht in 
-der Verachtung der Welt (cap. 7). Die Jungfrauen können 
Bich nicht einmal auf ihren Mann lierufen ; für die Frauen 
könnte er noch als Entschuldigung gelten : aber auch 
ihnen befiehlt der Apostel, sich einzuschränken ; um wie 
viel mehr gilt dies von den Jungfrauen (cap. 8). Es ist 
zwar alles erlaubt, aber nicht alles frommt. Ein Mädclien, 



' lie ™lt. fem. 1. 5. 6 (I, 706). ' L. c. I, 8 (I, 710). 

• L. c. n, 5 ; 6 : 7. (I, T21). ' L. c. 11, 13 (I, 733). 

* Tert. lie vir? vel. (l, 883). ° Ten de pa!I. [I, 913). 
' Cjpr. de hab. Tirg. (I, 1Ö7). 




— 242 — 

das sich mit so grossem Aufwand schmückt und dadurch 
auf der Strasse auffällt, das die Augen der Jugend auf 
sich lenkt, und die jungen Männer seufzen macht, die 
sündige Lust weckt und Hoffnungen nährt, so dass sie, 
wenn sie auch nicht selbst verloren geht, doch andere zum 
Fall bringt, ein solches Mädchen kann nimmer sich ent- 
schuldigen, sie sei keusch und rein. Die freche Kleidung 
und der unzüchtige Putz straft sie Lügen (cap. 9). Die 
Jungfrauen sollen reich zu werden suchen an der Gnade 
Christi (cap. 10), ihren Reichtum mögen sie zu anderen 
besseren Zwecken verwenden (cap. 11). Derartiger Schmuck 
passt überhaupt nur für Dirnen. Gewöhnlich ist der Putz 
bei denen am reichsten, bei denen die Scham am wohl- 
feilsten ist (cap. 12). Er weist sie hin auf die Klage 
Isaias' um die Tochter Sions, die sich so üppig geschmückt 
und Schmach und Schande sich zugezogen. Wer Seide 
und Purpur angezogen, kann nicht Christus anziehen ; wer 
sich mit Gold und Perlen und Geschmeide geschmückt, 
hat den Schmuck des Herzens und des Geistes verloren 
(cap. 13). Dieser Schmuck stammt nicht von Gott, — Gott 
schuf nicht purpur- oder scharlachfarbige Schafe, lehrte 
nicht die Wolle mit Kräutersäften und Purpurfarben tränken 
und färben, sondern all das stammt von den sündigen 
Engeln, die vom Himmel zur Berührung mit der Erde 
herabgesunken (cap. 14). Alle Weiber aber, nicht die Jung- 
frauen allein, sind zu warnen vor der weissen Farbe, vor 
dem schwarzen Staub, dem Rot oder sonstigen Hilfsmitteln, 
welche die ursprüngliche Bildung des Gesichts zerstören 
im Widerspi-uche mit dem Worte : Lasset uns den Menschen, 
machen nach unserm Bild und Gleichnisse (cap. 15)! Für- 
wahr einen solch entstellten Leib wird Gott am jüngsten 
Tag nicht als sein Werk anerkennen; er muss sprechen: 
das ist nicht mein Werk, das ist nicht unser Bild. Mögen 
die Verheirateten sehen, was sie ihrer Gefallsucht halber 
von der Ausrede auf den Gatten hin zu gewinnen sich 
schmeicheln dürfen, — die Jungfrauen, die sich so 
künstlich putzen, können nicht als Jungfrauen gelten 
(cap. 17). 



— 219 — 

sich Christen in den vornehmsten Familien ; das christliche 
Hof leben ist ja bereits gezeichnet worden. 

Die Verfolgungsgeschichte der diocletianischen und un- 
mittelbar nachdiocletianischen Zeit macht uns mit manchem 
Märtyrer aus besseren Ständen bekannt. Es sei nur er- 
innei"t an jenes Helden weib in Antiochien, durch Reichtum 
und Ansehen und Cllanz ihres Namens in der ganzen 
Stadt gefeiert, die mit iln-en l)eiden liebreizenden Töchtern 
einen freiwilligen Tod in StromesÜuten der Glaubens- 
verläugnung und der EntehiTing vorzog.' Und wie sie, 
so widerstand die reichste und vornehmste Frau in 
Alexandrien dem frevelnden Verlangen des Maxentius ; 
Ver])annung ward ihr Los.^ In Rom sel])st wagte sich 
derselbe Tyrann an die vornehme Gattin des damaligen 
Studtpräfekten ; und als ihr Gatte seinem I^egehren nicht 
mehr Widerstand zu leisten wagte, imd sie den Soldaten 
üIktüoss, die Maxentius zu ihrer Abholung ausgesandt, 
(hl ])at die Christin noch eine kurze Zeit sich aus, um sich zu 
schmücken ; als sie aber in ihrem Schlafgemach sich allein 
sah, stiess sie sich das Schwell; in den Busen, der Gegen- 
wart und der Zukimft, wie der Geschichtsschreiber hinzu- 
fügt, zum Zeugnisse, dass der Christen einziges und un- 
ra ubbares Gut die Tugend sei.^ 

Je melir das Christentum Verbreitung in allen Kreisen 
suchte und fand, desto mehr schwanden auch die Vor- 
urteile und der Hass des Volkes. ,,Ks befremdet sie, dass 
ilir nicht mitlauft zu wüsten Ausschweifungen, und sie 
reden iJisterungen'*,*^ so hatte Petrus dereinst zu d(^n 
Christen gesprochen, — und hi der That, das gänzlicjh 

Bitt«* Auö:astinu3 sein Buch de haeresibus verfasste, trügt diest»ii 
Namen). Schwer aber ist es. das Alter der Inschrift zu ermitteln. 
Morcelli, Africa christiana, Brixiae 1817, II, iU glaubt in dem 
Marcellus proconsul den rr()C<msnl Afrikas v. J. 227 zu finden; de 
Rosrti, Si)i<-ilegium Solesmense I, v)01 beurtt»ilt dieselbe ebenfalls als 
valde antiqua; vgl. dazu Künstle, altchristliche hischriften Afrikas 

» Eus. hist. eccl. VIII. 12, i\ {()35\ 

' Eus. hist. eccl. Vill, 14, 15 [iim. 

» Eus. hist. eccl. VIII, 14, Ki (Gf)!). * 1. Petr. 4, 4. 



— 24i — 

deine Augenlinien durch schwarzen Staub bemalt, wasch' 
sie jetzt ab mit deinen Reuethränen.^ 

Der Verkehr mit den Heiden brachte eben neben 
den Lichtseiten auch dunkle Schatten ; die Grenze zwischen 
erlaubt und unerlaubt war oft sehr schwer zu ziehen und 
dieser Zustand zeitigte einerseits Rigorismus, und anderer- 
seits Laxismus. Wrt der erstere vorherrschend bei Natm*en, 
die durch die Irrgänge heidnischen Lebens gewandelt, und 
nun abgeschlossen mit ihrem früheren Denken und Thun, 
so mochten andere, die solche Herzenskärapfe nie gekämpft, 
leichter den mannigfachen Gefahren unterliegen, mit denen 
eine heidnische Weltanschauung sie umgab, namentlich in 
Zeiten, da keine Glaubensgefahr drohte. Da begegnen uns 
jene Christen, die mit den Heiden in den Schenken sitzen 
und auf die vorübergehenden Weiber Jagd machen;^ oder 
sie spielen dort Würfel und feiern mit Dirnen Orgien bis 
tief in die Nacht ;^ oder sie konunen zum Frühschoppen 
zusammen, aus dem sie noch nüchtern und doch schon 
betrunken heimkehren.'* Diejenigen, die Christus anhängen, 
sollten in ihrem ganzen Leben die erhabenen Ideen, zu 
denen sie sich in der Kirche begeistern, betätigen, so 
milde, so fromm, so liebevoll sein, nicht nur erscheinen. 
Nun aber ändern sie gar oftmals mit dem Orte auch den 
Charakter, den Polypen vergleichbar, die nach Berichten 
auch dieselbe Farbe zu tragen scheinen, wie der Fels, an 
dem sie hängen. Ist die Kirche verlassen, so streift man 
auch den dort empfangenen himmlischen Sinn ab und 



^ Cypr. de laps. 30 d, 259, 8). 

* Clem. Alex. paed. III, 11 (1. c. col. 652). 

* Anonymus adv aleat. VI, 10: est et quando ipsi aieatores 
cum prostitutis mulieribus penes auctorem suum noctumas vigilias 
clausis foribus celebrant (ed. Miodonski 86); cfr. Tert. de fuga 13: 
in matricibus beneficiariorum et curiosorum inter tabernarios et 
ianeos et fures balnearum et lenones Christiani quoque vectigales 
continentur. Andere Citate bei Weyman, Wochenschr. f. kl. Phil. 1894, 
Sp. 1030, A. 

* Nov. de cib. iud. 6 (1. c. 237, 2o). Über die Abhängigkeit 
dieser Stelle von Sen. ep. 122, 6 cfr. Weyman, Philologus 1893, S. 728. 



— 221 — 

Mahlzeiten. Sind diese Vorwürfe, wie schon einmal gesagt, 
wohl selten Gegenstand gerichtlicher Anklagen geworden, 
— im Herzen des heidnischen Volkes blieben sie wurzeln, 
und schufen Hass und Abneigung, die zuweilen in lichten 
Flammen ausbrach. Mochten die Apologeten auch immer 
wieder alles aufbieten, um gerade diese Vorwürfe zu ent- 
kräften, es dauerte lange Zeit, bis die letzten Reste dieser 
Gerüchte gänzUch verschwanden. Dieses Misstrauen ist 
so recht gezeichnet, w^enn Tertullian sagt, dass die Neugier 
der Hausgenossen dm-ch alle Ritzen und Spalten der Wände 
etwas zu erhaschen sucht, ^ dass die Christen sozusagen 
täglich belagert, täglich veiTaten, in ihren Versammlungen 
übeiTascht werden.^ Nichts bringt aber das Blut des ge- 
wöhnlichen Volkes so sehr in Wallung, als die Nachrichten 
von solchen Verbrechen. Bis zur Stunde übt in weniger 
civilisierten Ländern das Volk in solchen Fällen einfach 
Lynchjustiz und selbst in Staaten mit entwickelter Rechts- 
})tiege hat die Polizei einen solcher Verbrechen Verdächtigen 
vor der Wut der Volkes zu schützen. So loderte es auch 
gar oftmals in dem heidnischen Herzen in heissem Hasse 
auf gegen die Christen, die so ferne standen dem Volks- 
empfinden und zudem solch unmenschlicher Dinge geziehen 
wurden. Namentlich war ea im ersten und zweiten Jahr- 
Imndert gerade der Pöbel, der nach Bestrafung der Christen 
schrie; und wenn ein Sttitthalter diesem Rufen gerecht 
ward, war seine Popularität gesichert;^ ja nimmer iK'iren 
sie auf zu rufen, die Ciesetzlosen : ^>^tilgt die Christen 
von der Erde, sie ha])en kein Recht zu leben ;*^ im Circus 

* Tert. ad nat. I, 7 : at domesticorum curiositas t'urata est per 
rimulas et cavemas (R. I, 68, 28). 

* Tert. apoi. 7: cotidie obsidemnr, cotidie prodimur, ipsis 
pluriinum coetibus et congrej^ationibus noatris obsidemnr (1, 137. SM. 

" Tert. apol. 4i> : sed in eiiismodi enim inrisui iudicandum est 
nnii gladiis et ignibus et cnicilms et bestiis. de (pia iniqiütate 
i*aevitiae nou modo oaecuni hoc vulgiis cxultat ot insultat, sed 
et qiiidam vestrum, iiuibus favor vulgi de iiiiquitate captatiir, 
gloriantur (I, 296). 

* Hipp, i/s' /1uvn\'K I, 2.-5 : ui yico ürouui ov riKVorruf f-itKorrfs 
xctO-' tfUtüi' x(u ?.ty(n'Tf<:' utoe tx ri^^^ y^^*,' rov^ Tuiovrovs* ov yun 



— 222 — 

erklingt di^r Ruf der ontfesselteii Leidenschaft: ,,Wie lange 
soll die Geduld noch dauern mit dem fremden dritten Ge- 
schlechty Vor die f^öwen mit ihnen !^ Sie tragen die 
Schuld an allem und rufen den Zorn der Götter auch auf 
die Unschuldigen herah. Wenn der Tiber die. Stadtmauern 
überflutet, und der Nilfluss seine Gefilde nicht über- 
schwemmt, wenn der Himmel keinen Regen sendet, wenn 
das Innere der Erde bebt, wenn Hunger und Seuchen 
durch die J^ande schreiten, so ei'tönt der Ruf: Die Christen 
vor die Löwen T"^ Gesteinigt sollen sie werden und ihre 
Habe den Flammen geweiht!"^ Diese Apologetenw'orte 
enthalten nicht sehr viel Übertreibung. Schon Paulus klagt 
über X'olksaufstände und das Einschreiten der Behörden 
erfolgte gar manchmal erst auf Drängen des Pöbels. Solche 
Beispiele bietet die Geschichte jener Tage des öfteren, 
namentlich in den Provinzen. Die ersten Jahre des 
(^ommodus sahen öfters solche Auftritte.^ Der grosse 
Christenprozess zu Lyon verdankt sein Entstehen nament- 
lich dieser feindseligen Volksstimmung,^ die sich in 
drohenden Zurufen, in Misshandlungen, Raub und Plünde- 
rung, Stein würfen gegen die christlichen Mitbürger äusserte. 
In Karthago stürmte im Jahre 203 der Pöbel die Be- 
gräbnisstätten der Christen : Areae non sint ! ' Origenes 
sah in Alexandrien bei seinen Unterrichtsstunden sein 
Haus von dem Pöbel belagert, und er sah sich zur Ver- 
meidung von Unruhen gezwungen, die Unterrichtslokale 
zu wechseln ; und als er dereinst einen sterbenden Martvrer 
noch geküsst, wurde er von dem heidnischen Janhagel 
mit Stein würfen überschütt<^t und entrann kaum dem Tode.^ 
In Alexandrien wiederholten sich derartige Scenen des 
(")ftern ; (js bedurfte nur eines geringen Anlasses und der 
Sturm brach los. So im Jahre 248 ; h\ Rom herrschte 



' Tert. scorp. 10 (K. I, l(i8, 14). ^ Tert apol. 40 (F, 267). 
^ Tert. apol. 37 : (juotiens eniin praeteritis vobis suo iure nos 
lümiciim vulgus invadit lapi<Ubns et inceiKliis (I, 249). 

* 2. Cor. 6, 5; Apg. l\\ 23 ff. ^ Theophü. ad Aut. III, 30 (275). 
« Eus. hist. eccl. V, 2, 7 (381). ' Tert. ad Scap. 3 J, 543). 
« Eus. hist. eccl. VI, 3, 4 (430). 



— 223 — 

unter der Regierung des christenfreundlichen Philippus 
Arabs noch tiefer Friede; aber in der ägyptischen Haupt- 
stadt gährte es bereits allenthalben ; ein Dichter und Wahr- 
sager rief die Massen zu Kampf und Vernichtung auf 
und seine Worte fanden bei dem abergläubischen \"olke nur 
allzu williges Gehör. Chi'isten wurden misshandelt und 
getötet, ihre Häuser geplündert, — alles, was von WY^rt 
zu sein schien, wurde die Beute der stürmenden Menge, 
wertlose Gegenstände wurden auf die Strassen geworfen, — 
es war das Bild einer vom Feinde eroberten Stadt. Damals 
war es, wo Metras und Quinta unter Steinwürfen ihren 
Cieist aushauchten, Apollonia nach Duldung grober Miss- 
handlungen einen freiwilUgen Tod in den Flammen des 
Scheiterhaufens der Verläugnung Christi vorzog und Sera])ion 
von den Fenstern seines eigenen Gemaches in die Tiefe 
gestürzt wurde . . . .^ Zwölf Jahre vorher hatten Cappa- 
docien und der Pontus ähnliche Scenen geschaut, als ein 
Erdbeben mehrere Städte begraben hatte» und das Volk 
die Schuld dieses Götterzomes den Christen zuschob."^ 
Derartige Vorwürfe von heidnischer Seite scheinen noch 
lange fortgedauert zu haben. Nicht nur Cyprian in seiner 
Schrift ad Demetrianum, auch noch Arnobius in seinem 
Buche ad versus nationes, ja noch Augustinus in den ersten 
Büchern der civitas dei sucht dieselben zu entkräften dem 
Heiden gegenüber, der welnnütig den Verfall der herrlichen 
Koma bekhigt .... 

.... Aber trotz alldem war in der gesellschaitliclien Beur- 
teilung der (/bristen seit langem ein Wandel zum Bessern 
eingetreten. Die Zeiten, da die Christen als fernestehend 
dem Getriebe des Lebens als Fremdlinge inmitten der 
Welt gegolten, waren vorüber. Namentlich in ruhig(?n 
Zeiten wjiren die Beziehungen zwischen Götter- und Christus- 
gläubigen rege imd intim geworden. AIxt auch in den 
Tagen der Stürme und der Verfolgung äusserten sich gar 
oftmals Sympathien für die unglücklichen Mitbürger, wie 



» Dionys. ad Fab. bei Kus. bist. eccl. VI, 41, 1 (4i)2). 
• Finnilian bei Cypr. ep. 75, 10 (II, sie, 17). 



— 224 — 

überhaupt in der letzten Hälfte des dritten Jahrhunderts 
es nicht mehr das Volk ist, das den Kampf führt, sondern 
nur mehr der Staat. Zu Tertullians Zeiten schon mahnen 
manche Heiden ihre Mitbürger, den Weg ziu* Rettung 
einzuschlagen ; sie könnten ja für den Moment opfern und 
so heil von dannen gehen ; im Herzen könnten sie ja doch 
ihre religiöse Überzeugung wahren. Sie können nur die 
Köpfe schütteln über solche Thorheit und Hartnäckigkeit, 
welche jede Kettung unmöglich macht. ^ Da Cyprian vor 
dem Richterstuhle steht, strömt nicht nur die christliche 
Bevölkerung herbei, auch Heiden mischen sich darunter 
und auch sie können ein Gefühl des Mitleids nicht unter- 
dräcken um den trefflichen Mann. ^ In der diokletianischen 
Verfolgung nehmen sich oftmals Heiden der Christen 
schützend an, ja sie opfern sich selbst für sie .... ^ 

Der gegenseitige Verkehr hatte die getrennten Geister 
einander nahe gebracht, die \"orurteile sch\vinden gemacht, 
und so beigetragen zur Erfüllung des Petrus Wortes ; „Führet 
einen guten Wandel unter den Heiden, auf dass sie, in- 
dem sie euch als Übelthäter verlästern, an euch die guten 
Werke schauen und Gott verherrHchen am Tage der 
Heimsuchung." ^ 



^ Tert. apol. 27 : sed quidam dementiain existimant, quod cum 
possimus et sacrificare in praesenti et inlaesi abire manente apud 
aiiimum proposito, obstinationem saluti praeferamus, datis scilicet 
consiliiim, quo vobis abutaniur (I, 226). 

* Vita Caec. Cypr. Pontio adscr. 15 : subito per Carthagineiii 
totam sparsus rumor increbuit productum esse iam Thascium, quem 
praeter celebrem gloriosa opinione notitiam etiam de commemoratione 
praeclarissimi operis nemo non noverat. concurrebant uudique versum 
omnes ad spectaculum, nobis pro devotione fidei gloriosum, gentibus 
et dolendum (Hartel III, CVI, 21). 

» Äthan, bist. Arian. ad mon. n. 64 (Migne S. G. XXV. col. 769). 

* 1. Petr. 2. 12. 



— 225 ^ 



II. Kapitel. 

Die Stellang der Christen zur Gesellschaft. Um- 
gang und Yerkehr. Gemischte Ehen. 

Es lag in der universalen Tendenz des Christentums, 
mit der heidnischen Welt in Verkehr zu treten. Eine 
Bekehrung konnte vielfach doch nur dann als möglich 
erscheinen, wenn die Christen mit ihren heidnischen Mit- 
bürgern in gegenseitiger Berührung hlieben. Es sollte ja 
jeder für die Juden gleichsam ein Jude werden, damit er 
die Juden gewänne, für die, welche unter dem Gesetze 
stehen, gleichsam als stehe er unter dem Gesetze, damit 
er die, so unter dem Gesetze sind, gewänne ; und für die, 
welche ohne Gesetz sind, gleichsam als wäre er ohne Gesetz, 
damit er die, so ohne Gesetz sind, gewänne. ^ 

Aber selbst wenn diese Hoffnung wegfiel, die christ- 
liche Liebe, die auch auf den Heiden sich erstreckt, muss 
dennoch bleiben, wenn das Wort des Heilands in Erfüllung 
gehen soll: Liebet eure Feinde, thuet Gutes denen, die 
euch hassen, und betet für die, welche euch verfolgen und 
verlätimden ; auf dass ihr Kinder seid eures Vaters, der im 
Himmel ist.* 

Und daran zu mahnen, wurden die Jünger nicht 
müde. Vergeltet niemand Böses mit Bösem; befleissiget 
euch des Guten nicht nur vor Gott, sondern auch vor 
den Menschen. ' 

So schreibt in echter Johannesliebe din- Joliannes jünger 
Ignatius von Antiochien an die Ephesier : Betet unaufhörlich 
auch für die andern Menschen; denn es t)esteht die Hoffnung 
auf Bekehrung, damit sie Gottes teilhaftig werden ; ver- 
gönnet ihnen darum, dass sie wenigstens aus den \\'erkon 
von euch belehrt werden; gegen ihr auf))rausende.s Wesen 
seid sanft, gegen ihre Prablereien bescheiden, ihrem Fliiehe 
haltet euer Gebet entgegen, ihrem Iri-tuni gegenüber t)leibet 

> 1. CJor. 9, 20. 21. ' Matth 5, 44. 45. 

» Rom. 12, 17; 1. Thess. f), 15; Tit. 3, 2. 3, 1. Petr. :5, 9. 

Bigelmair, Beteiligung d. ChriHt. am Otl'eutl. Lebeu. 15 



— 226 — 

ihr treu im Glauben ; ist ihr Wesen trotzig, so sei das eure 
gelassen, und strebet nicht, sie nachzuahmen ; zeigen wir 
uns als ihre Brüder in der Liebe . . .^ 

So zeichnet auch der Schreiber des Briefes an Diognet 
die Christen als diejenigen, welche da segnen, obwohl sie 
geschmäht werden, welche Gutes thun, obgleich sie als 
Verbrecher Strafe trifft . . .^ Auf dieses Gebot der Liebe, 
das bei den Christen gilt, weisen deshalb auch die Apologeten 
hin, wenn sie den Vorwurf der Kaiserfeindschaft oder 
Staatsfeindschaft zu entkräften suchen.^ 

Übrigens wies schon das tägliche Leben die Getrennten 
auf einander an. Paulus hatte nicht umsonst gesagt : Aus 
der Welt müsstet ihr gehen, wenn ihr mit Unkeuschen, 
mit Geizigen, mit Räubera oder Götzendienern in keine 
Gemeinschaft treten wolltet.'* Er erlaubt den Umgang mit 
den Heiden und während er befiehlt, mit einem Christen, 
der da ein Unsittlicher, ein Geiziger, ein Götzendiener, ein 
Lästerer, ein Säufer, ein Räuber ist, jede Gemeinschaft 
abzubrechen, nicht einmal mit ihm zu essen ;^ während 
er den Corinther, der sich mit seiner Stiefmutter versündigt, 
im Namen des Herrn Jesu Christi zum Verderben des 
Fleisches dem Satan übergibt und ihn trennt von der Ge- 
meinde der HeiUgen,^ überlässt er es dem Willen des 
p]inzelnen, der Einladung eines Ungläubigen zum Mahle 
zu folgen und gestattet ihm zu essen, was ihm dorten 
vorgesetzt wird.'' Ja selbst der Genuss der Götzenopfer- 
speisen wird von ihm nicht beanstandet, wenn nicht jemand 
dies als Götzendienst betrachtet und so an dem Essenden 
Anstoss nimmt.^ Denn der Götze ist ja in Wirklichkeit 
nichts und das Götzenopferfleisch unterscheidet sich nicht 
vom andern . . . .^ 

Diese Gedanken sind in Theorie und Praxis meist die 
leitenden geblieben. 



> Ign. ad Eph. 10, 1. 2. 3; cfr. Polyc. ad Phil. 10, 3; Just, de 
resurr. 8 (I «, 240). 

2 Ep. ad üiogn. 6, 15. 16. » Tert. apol. 36 (I, 249). 
* 1. Cor. ö, 10. 11. " 1. Cor. 5, 9 ff. « 1. Cor. 5, 1 ff. 
' 1. Cor. 10, 27. « 1. Cor. 10. 28. 29. « 1. Cor. 8, 4. 



^^f Es liat zwar nie ganz an gegenteiligen Stimmen ge- 
Sehlt. Freund Schäften mit Heiden sind es, die nach der 
Ansicht des VeriasserB des Pastor Hermae den Geist dea 
Manschen verdunkeln, so dass er die Geheimniese der 
Gottheit nicht verstehen kann.^ Und die HomiUen des 
üleniens zeichnen ziemUeh scharf die Lehens weise der 
Christen ; Wir lehen nicht unterschiedslos, wir nehmen 
nicht Si>eise vom Tische des Heiden und können nicht 
mit ihnen zu Tisch sitzen, denn sie führen ein unreines 
lieben ; allein wenn wir sie dahin gebracht, die Wahrheit 
zu glauben und zu thun, wenn wir sie getauft unt«r An- 
rufung eines heiligen Namens, dann essen wir mit ihnen. 
Sonst aber können und dürfen wir nicht mit ihnen Speise 
nehmen, und wäre es der Vater oder die Mutter, Gattin 
oder Kind, Bruder oder sonst durch Blutsbande uns Ver- 
bundener. Denn wir thun dies um unseres Bekenntnisses 
willen,* Durch die Hoinilien des Clemens zieht eben 
der Geist der ebionitischen Gnosis, welche die streng 
mosaische Eichtung aufgenommen, und bis ins dritte Jahr- 
hundert liewalirt hat. Den Apostel Petrus hatte dereinst 
nur ein Wunder belehrt, dass die Aufnahme in das Christen- 
tum dem Juden und dem Heiden in gleicher' Weise ofEen 
stehe;* ja die Frage über die Beobachtung des jüdischen 
Ritualgesetzes für die Heidenchristen war der Grund der 
Berufung des Aiiostelconcils* und noch spater bedurfte 
es des ganzen Ansehens des Heidenapostels, um Petrus 
zur Wiederaufnahme der abgebrochenen Tiechgemeinschaft 
mit den Heidenchristen zu bestimmen.* Dieser sti-enge 
Juilaiemus, der sieh natürhch gegen die unbekehrten 
Heiden noch viel stärker abschlieseen rausste, bat eich 
noch lange fortgepflanzt im Ebionitisnius und aus seüien 
Kreisen sind die sogen, HomiÜen des (Uemens hervor- 
gegangen. Es kann also in ihren Worten keineswegs die 
Auflassung dea Christentums jener Zeit sich spiegeln, so- 



' Past. Herrn, mand. X, 1, 4. 

* Clem. hom. Xm, 4 (Schwegler 3071. 

•Apg. 10. *Apg. 15, 4ff. 'Gal. 2, llfE, 



— 228 — 

wenig wie in der Äusserung des Pastor Hermae, der ja 
durchweg schroffere Anschauungen vertritt. Freilich höhnt 
auch Celsus über die Christen, diese einfältigen, ungebildeten 
Leute, die dem Gespräch mit vernünftigen Menschen aus- 
weichen,^ die sich von den übrigen losreissen und ab- 
sperren.^ Und Origenes gibt zu, dass die Christen sich 
absondern von jenen, die nicht zur Gemeinde Gottes ge- 
hören und von seinem zweifachen Bunde ausgeschlossen 
sind, um als Bürger des Himmels zu leben.' Origenes hat 
eben manche trübe Erfahrungen gemacht und er kennt 
auch die Gefahren, die aus dem Verkehr und" Umgang mit 
den Heiden erwuchsen . . . 

Zuweilen wird diese Abschliessung auch zm* Feind- 
seligkeit geworden sein. Das bringen die Gegensätze immer 
mit sich, und namenthch religiöse Gegensätze zu Zeiten 
von Religionskämpfen, wie sie damals an der Tagesordnung 
waren. Der Hohn der Christen über die Götter, ihr mit- 
leidiges Lächeln über Opfer und Opferpriester, ihre offene 
Verachtung alles dessen, was so vielen heidnischen Mitbürgern 
hoch und heihg schien,^ mag manchmal auch persönliche 
Verstimmung geschaffen haben. Sollen sich ja einige so 
weit vergessen haben, die Bildsäulen der Götter zu lästerr». 
und zu zertrümmern.^ Solche Scenen mögen vorgekommer»- 
sein, sie wurden nie gebilligt,^ aber sie werden begreiflich, 

' Orig. c. Gels. VI, 14 (H, 84, 9). 

^ Orig. c. Gels. VIII, 2 (II, 222, 2). 

» Orig. c. Gels. VIII, 5 (II, 225, 2). 

* Min. Fei. Octav. 8, 4: templaut busta despiciunt, deos de- 
spiiunt, rident sacra, miserentur miseri ipsi, si fas est, sacerdotnm, 
honores et purpuras despiciunt (12, 15); cfr. Tert. de idoi. 11 (R. I, 
42, 21). 

^ Orig. C. Gels. VIII, 38: Idov 7ia()aaT(tg tm dyuX^cai tov Jtog 
ri AnoXhDi'og i] otov d}j rheov ßX((a(priuco xcd ^ani^o), xcu ovdey fj.e 
ctuii'bTai (II. i^53, 3). 

^ Goncil V. Elvira, can. 60: si quis idola fregerit et ibidem 
fuerit occisus, quatenus in evangelio scriptum non est neque in- 
venietur sub apostolis unquam factum, placuit in numero eum non 
recipi iiiartyrum (I, 183); dagegen wurde es gerühmt, wenn ein 
Ghrist zur (Jpferung vor dem Götterbilde gezwungen, das Bild um- 
stiess; cfr. Eus. de mart. Pal. I, 8, 7 (691). 






man die gereizte Stimmung, wie eie zuweilen gegen 
die Christen sich Bahn brach, in Betracht zieht. Allein im 
grossen und ganzen ist der versöhnliche Ton stets der vor- 
herrschende gebliehen. Selbst Tertullian ist in dieser Hin- 
sicht merkwürdig mild. Er vergisst zwar nicht daran zu 
erinnern, dass des Apostels Worte: „Sonst miisstet ihr aus 
der Welt gehen", noch lauge nicht dem Christen die Freiheit 
gibt, mit der Welt, mit der er leben und Terkehren muas, 
auch zu sündigen .... Die Christen müssen mit den 
Heiden mitleben, aber sie dürfen nicht mitsterben. 
Ja, die Christen mögen mitleben und sich mitfreuen, denn 
gemeinschaftliche Natur verbindet sie, — aber nicht gemein- 
samer Glaube . . .' Aber es gibt doch viele Familien- und 
Öffentliche Feiern, bei denen eine Gefalir des Götzendienstes 
ferne liegt, wie das Fest der Anlegung der weissen Toga, 
Hochzeitsf eiern, Verlobungsfeiern, Namensfeste. Hier sind 
die Ursachen zu erwägen, weshalb eine solche Aufmerk- 
samkeit erwiesen wird. Tertullian Mit dieselben an sich 
für rein, weil weder das Kleid des Mannes iiocli der Ring, 
noch die eheliche Verbindung von der Verehrimg eines 
heidnischen Götzen stammt. Denn es gibt keine Bekleidung 
die von Gott verflucht wäre, es müsste denn ein Mann 
Frauen kleidung anziehen. Die Toga ist aber schon nach 
ihrem Epitheton eine toga virilis. Auch die Feier der 
lüoclizeit oder die Beilegung eines Namens verbietet Gott 



Freilich können auch Opfer damit verbunden sein. 
"Wenn die Einladung nicht direkt auf die Beteiligung am 
Opfer lautet, und der Eingeladene thun kann, was ihm 
beliebt, mag er dennoch teilnehmen. Es wäre freilich gut, 
wenn mau das, was man nicht thun darf, auch nicht mit 
ansehen müsste: allein der böse Geist hält ja die ganze 
Welt mit seinem Götterdienst umfangen und so wird es 
gestattet san, bei gewissen Dingen, wobei wir uns dem 
' , nicht dem Götzen gefällig zeigen, sich zu be- 
I*'reiÜch der Einladung zum Priesterdlenet oder 

' Tert. de idul. 14 (R. 1.46,9). 



— 280 — ' 

zum Opferdienst wird der Christ nie folgen, auch nie dazu 
durch Rat oder Geld oder sonst wie seine Hand reichen.^ 
Er gibt eine Notwendigkeit der Freundschaft und der Ge- 
schäfte, die uns zu den Heiden rufen kann . . . Die 
Christinnen sollen bei solchen Besuchen nicht vergessen, 
dass sie den Heidinnen in ihrer Kleidung ein Bild der 
Erbauung sei^n, damit so Gott auch an ihrem Leibe ver- 
herrlicht wird ; ^ er wird aber verherrlicht am Körper durch 
die Keuschheit und eine der Keuschheit entsprechende 
Kleidung.^ 

Und wie TertulÜan in dieser Beziehung milde urteilt, 
so auch Clemens von Alexandrien. Er erinnert an das 
Wort des Apostels : Wenn einer der Ungläubigen uns ein- 
ladet und wir uns entschliessen, hinzugehen, so können 
wir von allem Vorgesetzten geniessen, ohne uns des Ge- 
wissens wegen zu befragen. Allerdings meint er, wäre es 
gut, wenn man überhaupt mit sittenlosen Menschen keine 
Beziehungen anknüpfte .... Man muss das Vorgestellte 
in christlicher Art geniessen und so dem Gastgeber Ehre 
anthun ... Es gibt freiUch auch Feiern, von denen sich 
die Christen zurückhalten. So sind es namentlich die 
Totenmahle, die beanstandet werden. Clemens mahnt 
strenge sich derselben zu enthalten. Fluchwürdig und 
grauenvoll erscheinen diese Opfer, zu deren Blut herbei- 
flattern ,,aus dem Erebos die Seelen der abgeschiedenen 
Toten'*. Daran teilzunehmen hiesse die von dem Apostel 
verbotene Gemeinschaft mit den Dämonen^ aufsuchen. 
Nicht als ob man die Totenmahle fürchten müsse, — es 
liegt ja keine Kraft in ihnen, — nein, man muss sie ver- 
abscheuen wegen der Reinheit des Gewissens, und wegen 
des Absehens vor den Dämonen, welchen sie geweiht sind 
und ausserdem wegen jener Leute, deren schwaches Ge- 
wissen hinter allem Schlimmes vermutet.^ Und Tertullian 
sieht in dem Bilde der Toten Dämonen und demnach ist 



' Tert. de idol. 16 (R. I, 49, 17). « Phil. 1, 20. 

» Tert. de ciilt. fem. n, 11 (I, 731). * 1. Cor. 10, 20. 

* Clem. Alex. paed. II, 1 (Migne, S. G. Vni, col. 392. 393). 



TFöfc^ iidienat gleich Dänioiiendienst ; er rät Tempel und 
Moä::». umente eowobl der Götter als auch der Toten zu 
verE».lj6cbeuen, ihneu uicht zu opfern, aber auch von dem 
ilir»,^ii Geopferten nicht zu essen . . .' 

Aliein eine vollständige Enthaltung von der Toten- 

fei^ar wird wohl kaum je im Brauch gewesen sein. Wenn 

'1er lieiduische Vater starb, nahm wohl auch die christliche 

l'ocititer an der Feier teil, die dem lieben Toten galt. — 

Das christliche Gesell schaftsi eben scheint namentlich 

^"'^>H"a Ende des zweiten Jahrhunderts ab ein sehr ent- 

w-ickeltes gewesen zu sein. Clemens von Alexandrien gibt 

nactx Art der stoisch -cynischen Diatribe ausführliche Vor- 

"fliiriften über die zu beobachtenden Gesell schaftsregeln, 

übei- Essen und Trinken, über Gastmahle, Konversation, 

li^beü- Haushaltung, Kleidung, Schmuck u. dgl. mehr.* 

-* airtM.ent!ich enthalten die ersten Kapitel des zweiten Buches 

des Pädagogen eine Fülle derartiger kulturgeschichtlicher 

^p''*:a«rkungen. Er warnt vor dem Luxus, der Itei den 

•■•^^TS und Frühstücken sehr um sich gegriffen, — und 

J^**" «iein Missbrauch des Woi-tes Agape für derlei freudige 

.^"^^^nstaltungen ; die Mahlzeiten seien einfach, die (iänge 

"■^^^t*"* zu viele und verschiedene; die Haltung sei eine an- 

^^^'^^-«dige. Von den Speifien sind diejenigen am meisten 

^ Empfehlen, welche zum Genuss des Feuei-s nicht be- 

Vi^^'-fen; denn sie sind gleichsam schon von der Natur ge- 

V^****»i; femers die einfacheren und billigeren (cap. 1). Auch 

^•" denuss des Weines ist gestattet, er bringt fürs eigene 

^*"^ erhöhten Gleichmut, für den Gast erbfibte Liebens- 

^■"«"igkeit, für den Diener erhöhte MÜde, für den Freund 

r***tte Freundschaft; am besten ist's, ihn mit Wasser zu 

"'^'^^ilien; Knalmn und Mädchen freilich ist dieses Heil- 

"**t.t^l abzuraten, denn sein Feuer macht ihr Blut rascher 

^H«3n, und entzündet in dem jungen Herzen die Sinnlichkeit. 

i^**^ aber darf der Weingenus.'i zur Trunkenheit werden. 

^**'* Gebrauch von goldenen und sillaemen (.lescliirren 



1 



— 232 — 

ist unnütz und eitel, blosse Täuschung des Gesichts 
(cap. 2). Der überflüssige Vorrat an Gold und Silber 
erzeugt Neid, ist schwer zu erwerben, schwer zu bewahren 
und unnütz zum Gebrauch. Geschirre von Kry stall sind 
nur zweckmässig zum Zerbrechen ; man muss beim jedes- 
maligen Gebrauch in Sorge sein; silberne TeUer, Schalen, 
Dreifüsse von Cedern- und Ebenholz oder Elfenbein, Bett- 
stellen mit Silber- oder Elfenbein! üssen, mit Gold eingelegt, 
Teppiche von Purpur u. s. w. sind Zeugnis von Weichlich- 
keit und aus dem Haus des Christen am besten zu ver- 
bannen ; denn man soll auf sie doch nicht viel Wert legen ; 
,,ist ja die Zeit kurz", sagt der Apostel. Christus ass aus 
einer einfachen Schüssel und hiess seiue Apostel sich auf 
dem Rasen auszuruhen ; er wusch die Füsse seiner Jünger 
mit einem Linnen angethan, er, der demütige Gott und 
Herr von allem ; das Becken, das er benützte, war sicher 
nicht von Silber . . . Der Christ hat seinen Besitz, um 
denselben zu gebrauchen (cap. 3). Er warnt auch vor der 
bei den Gastmahlen übüchen Musik. Die berauschende 
Flöte ist ihm Müssiggang, Brückenpfeiler zur sinnlichen 
Liebe und müssigem Treiben. Wenn man gerne weilt bei 
den Klängen der Flöten und der Saiteninstrumente, bei 
Reigen und Tanz, gerne sich vergnügt an ägyptischem 
Lärmen und derlei zügellosen Ausschreitungen, dann ver- 
gisst man, berückt von Cymbal und Tympanon, umtost 
von den Instrumenten des Wahncultus, nur gar zu leicht 
Zucht und Sitte . . . Die Pfeifen lasse man den Hirten 
und die Flöten den Götzendienern. Die gebrochenenen 
Klänge und die klagenden Weisen der karischen Muse 
verderben gleich Gifttränken die Sitten, indem sie durch 
ihre üppige und unheilvolle Musik zur Leidenschaft für 
solches Treiben fortreissen. Und wenn es heisst: laudate 
eum in psalterio, so ist die Zunge das Psalterium des 
Herrn und bei den Worten laudate eum in cithara naag 
als Cither der Mund gefasst werden, der durch den Geist 
wie durch einen Stab berührt wird. Wenn einer jedoch 
zur Leier oder Cither singen und psallieren kann, so trifft 
ihn kein Vorwurf: aber was er singt, sei Gottes Lob, wie 






heisst: laudent nomen eins in choro, in tynipano et 
pealterio psallaiit ei ... . Liebesliecler müssen fem bleiben. 
Massvolle Harmonien mag man wählen, meiden jedoch die 
farbigen (chromatischen) Melodien der schamlosen Wein- 
i^feiage und blumenumkränzten Hetärenmusik .... (cap. 4).' 

Ein besonderes Kapitel widmet Uiemens der Bekränzung. 
lese Frage wurde überhaupt viellach erörtert. Die Be- 
"kränzung war eine weit verbreitete Sitte. Man flocht nicht 
allein bei festlichen Weingeiagen duftende Kränze von 
Rosen und Veücheii um das Haupt der Zecher, die Be- 
kränzung war auch in das politische und militärische Leben 
eingedrungen. Den Tapfern, der im Kampfe als erster 
die Mauer erstürmte, schmückte der Oherfeldherr mit der 
goldenen Mauerkrone; die corona civica aus Eichenlaub 
die Belohnung für die Rettung eines Bürgers in der 
wer hei Eroberung eines Iiagcrs sich ausgezeichnet, 
ielt die goldene corona castrenais und die Helden der 
fcblacbt schmückte die corona navalis (rostrata oder 
ica). Der Feldherr, dem der kleine Triumph bewilligt 
irden, zog in die Stadt ein mit dem Myrtenkranz auf 
Haupte, während er beim grossen Triumph einen 
len Lorheerkranz trug, wie er später golden das Haupt 
Kaisers krönte.* 

Namentlich bei Götterfestlichkeiten spielte der Kranz 
! wichtige Rolle. Bekränzt sehritt der Opferpriester zur 
ing des Opfertierea, um dessen Homer ein Kranz sich 



• Über das KRpitet , .Musik" vgl. anch : Commuil. insti'. I 

Onndia te nundl reiDovent a gratia Christi 
IndisciplinHte, (jnod übet Ucere iiraesomiB 
Et choros hiatoriüos et cantica mnsica iianeris 
Nee tnli subolent inBanire licentin curas (dO) ; 
bSi 17, IL 12 : Trana^rederis legem, cam te (acis ntnsicis inter (62' 
r. n, 29, 17 f. spricht der Dichter zn den chriatHühen Franen ; 
Respnitis legen, mavaltia mandu plaeere 
SaltatU in domibiis, pro psalmiK Dantatis aniores (66). 
' Vgl. dam Schiller, i-öm. Altertttmer. I. o- 8. 7*3, 



— 234 — 

wand. Das Bild der Gottheit selbst trug einen Kranz auf 
dem Haupt. ^ 

Es war wohl hauptsächlich das letztere Moment, das 
in den Christen die schroffe Abneigung gegen die Be- 
kränzung wachrief, die ja doch sonst harmloser Natur war. 
Ihr bekränzt das Haupt nicht mit Blumen, ihr gönnt dem 
Körper keinen Wohlgeruch, so tadelt schon Caecilius die 
Christen ; die Salben spaii ihr für die Leichen auf, Kränze 
versagt ihr . sogar den Gräbern, ihr blassen, zaghaften Leute, 
die ihr des Mitleids unserer Götter würdig seid.^ 

Gegen den Luxus der Bekränzung, gegen den Ehrgeiz, 
der nach den goldenen Kränzen verlangte, hatten sich 
schon die Vertreter der stoisch-cynischen Schule gewandt.^ 
Aber die Christen betonen nicht so fast diesen Gedanken, 
als vielmehr die religiöse Seite. Octavius erwidert dem 
Caecihus auf seine Anschuldigung : Wer wird zweifeln, dass 
wir die Frühlmgsblumen lieben ? pflücken wir doch die Rose 
des Frühlings und die Lilie und alle andern Blumen mit 
lieblicher Farbe und lieblichem Geruch. Wir bestreuen damit 
die Erde und schhngen sie in weichen Gewinden um den 
Hals . . . Dass wir das Haupt nicht bekränzen, müsst ihr 
uns verzeihen: Denn wir pflegen lieblichen Blumenduft 
nicht mit dem Kopf und den Haaren einzuatmen, sondern 
mit der Nase . . . Auch die Toten bekränzen wir nicht. 
Ich muss mich mehr über euch wundern, wie ihr bei den 
Toten Feuer anwenden mögt, wenn er noch Empfindung 
hat, oder Kränze, wenn er sie nicht mehr hat. Ist Br 
selig, so bedarf er ihrer nicht; ist er unselig, so freut er 
sich ihrer nicht. Wir bestatten unsere Toten in derselben 
Ruhe, mit der wir leben ; wir schmücken sie mit keinem 
welkenden Kranze, sondern erhoffen von Gott einen Kranz 
aus ewigfrischen Blumen.* 



* Cfr. Tert. de cor. 10 (I, 441). 
« Min. Fei. Octav. 12 (17, 7). 

* Epikt. I, 19, 29: Apophthegma des Diogenes bei Laert. Diog. 
M, 39 (Wendland, 1. c. S. 31) 

* Min. Fei. Oct. 38, 2 (53, 27). 



— 235 — 

Den eigentlichen Grund, warum die Christen gerade 
as Haupt nicht bekränzen wollen, verhüllt Octavius mit 
■^inem Witzwort. 

Clemens von Alexandrien spricht schon deuthcher. 
IB'ern bleibe der Kranz bei lärmenden Zechgelagen. Es ist 
JFrühüng: auf t-auigen Wiesen, zwischen zarten, bunten, 
sprossenden Blumen zu weilen, ist schön ; aber geschmückt 
anit einem Kmnze aus echten Wiesenblumen geflochten im 
IHaus herumzugehen ist nicht Sache eines Weisen; es ist 
znicht in der Ordnung mit Rosen, mit Veilchen, Lilien oder 
.andern Blumen das Haupt zu kränzen. Für den Bekränzten 
^eht die Schönheit des Blumenflors verloren ; denn wer ihn 
näher den Augen trägt, kann ihn nicht schauen ; aber auch 
<ien Duft geniesst er nicht, weil er die Blumen über der 
^ase trägt . . . Zudem wirkt ein Kranz um das Haupt 
erkältend auf dasselbe wegen seiner Feuchtigkeit und 
seiner Kälte. Die Ärzte haben aber beobachtet, dass das 
öehirn an und für sich schon kalt ist; deshalb müssen 
Brust und Stirn mit Salben gerieben werden, damit so 
langsam der Atem warm werde und auch das Gehirn er- 
wärmt werde. Der Gebrauch von kalten Kränzen ist also 
vollständig zu vermeiden . . . Doch diejenigen, die vom 
Logos gebildet werden, enthalten sich der Kränze, nicht 
deshalb, weil sie schädlich sind für das Gehirn, auch nicht 
weil sie das Bild der schwelgenden Fröhlichkeit sind, sondern 
deshalb, weil sie den Idolen geweiht sind . . . Weil der 
Mensch die Gottesgabe missbraucht hat zum Dämonen - 
dienst, muss man sich des Gewissens halber ihrer ent- 
halten. Der Kranz ist das Bild der sorglosen Ruhe; 
deshalb bekränzt man die Toten; fürwahr, so wird der 
Kranz um das Haupt des Idols gelegt zum Zeugnis, 
dass es tot ist. Die Bacchusdiener feiern ihre Orgien 
nicht ohne Kränze: mit den Dämonen gibt es für den 
Christen keine Gemeinschaft; seiner wartet ein anderer 
Kranz, den die Erde nicht sprossen kann, der bloss 
im Himmel blüht, der iCranz der Unsterblichkeit; ihn 
erinnert jedes Haupt, das Blumen trägt, an das Haupt 
des Gottessohnes, das eine Dornenkrone trug . . . Der 



— 260 *- 

öehon der gewaltige Verlust an Zeit barg unberechen- 
baren Schaden in sich. Man braucht nur die wachsende 
Zahl der Spieltage in der römischen Kaiserzeit zu betrachten : 
,,die aus religiösen Beweggründen von alters gestifteten 
Spiele, deren ursprüngliche eintägige Dauer jetzt auf 8, 
14 Tage erhöht w^ar, nahmen 68 Tage in Anspruch. Die 
Spiele, w^elche die neuantretenden Konsuln zu geben hatten, 
dauerten den ganzen Monat Januar hindurch; auch die 
Geburtstage der regierenden Kaiser wurden von den Konsuln 
mit Spielen gefeiert ; dazu kamen die ausserordentlichen Spiele, 
welche von den Kaisern oder von Privaten zu Ehren des 
Kaisers gegeben wurden. Als Trajan aus dem zweiten 
dacischen Kriege zurückkehrte, dauerten die Spiele 123 Tage 
lang. In der Zeit des Marc Aurel betrug die Zahl der 
Spieltage beiläufig 135; um die Mitte des 4. Jahrhunderts 
verzeichnete der römische Kalender 175 Spieltage und zwar 
101 Theatertage, 64 circensische, 10 Gladiatorentage, so 
dass es thatsächlich für die städtische Bevölkerung kein 
Ereignis gab, um das sie sich so zu kümmern brauchten, als 
eben um die Spiele." ^ Dazu kam vielfach der. wii-tschaft- 
liche Ruin für diejenigen, welche die Spiele zu geben 
hatten, oder die schwere Schädigung derjenigen, an welchen 
sich die Spielgeber schadlos hielten. 

Aber auch der demoralisierende Einfluss des Schau- 
spiels wurde gar manchmal von heidnischer Seite bemerkt 
und gerügt. Namentlich war es die stoisch-cynische Popular- 
philosophie jener Tage, an ihrer Spitze Phüo, Epiktet und 
Seneka, die sich gegen die Leidenschaft für die Schauspiele, 
mit ihrer entnervenden, verweichlichenden Musik, mit ihrem 
Interesse für Mimen und Tänzer, mit ihren entsittlichenden 
Darstellungen wandte. '"^ Ein Vergleich zwischen Senekas 
Anschauungen und den Darstellungen des römischen Pres- 
byters Novatian in seinem Schriftchen de spectaculis würde 
manche Parallele zu Tage fördern. Namentlich fordern die 



* Jung, Leben und Sitten der Römer in der Kaiserzeit, 
Prag 1883, I, S. 150. 

2 Phil, de agric. 8; V. Mos. III, 27. In Place. 10; Epikt. IV, 2, 9 
bei Wendland, 1. c. S. 44. 



— 261 — 

Athleten den Spott dieser Philosophen heraus. Philo betont, 
dass sonst körperliche Verletzung bestraft, bei den Kampf- 
spielen mit Kränzen und Ehren belohnt wird. Die so- 
genannten heiligen Agone verdienen diesen Namen wahr- 
haft nicht ; es gibt überhaupt nur einen Agon, den Kampf 
mit den Leidenschaften und Lastern. Und derartige Ge- 
danken waren durch die philosophische Diatribe vielfach 
im Umlauf gesetzt. 

Bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts trat die Frage 
nach der Erlaubtheit des Theaterbesuches für die Christen 
gar nicht auf. Für sie gibt es nur eine Rennbahn, auf 
der alle laufen, um den Siegespreis zu erlangen,' — es ist 
das Leben selbst, dessen treue Vollendung die Krone der 
Ewigkeit schmückt, — nur einen Wettkampf, den Kampf auf 
Erden um den Preis des Himmels.^ Man vernimmt noch 
keine Mahnungen gegen diese Leidenschaft, sie sind noch 
unnötig. Der Hirt des Hermas, der die Kirche schon 
manchmal mit ziemlich verweltlichten Zügen zeichnet, weiss 
noch nichts von Christen, die der Leidenschaft des Theaters 
fröhnen. Die Gladiatorenkämpfe, sagt Theophilus, können 
die Christen nicht mit ansehen, um an keinem Morde 
Anteil zu nehmen, um Mitwisser desselben zu werden; 
auch die übrigen Schauspiele anzusehen, ist ihnen Unsitt- 
lichkeit, damit nicht etwa das Auge und das Ohr befleckt 
wird, wenn die Mordthaten vor dasselbe treten, welche im 
Theater besungen werden ; dort werden die Kinder des 
Thyestes und Tereus aufgefressen; dort wird in der Tj-a- 
gödie der Ehebruch besungen, nicht bloss von Seite der 
Menschen, sondern auch der Götter; fern sei aber von den 
Christen der Gedanke, solches zu thun.^ Nach Athenagoras 
können die Christen nicht einmal den Anblick einer gerechten 
Hinrichtung eines Verbrechers ertragen, viel weniger die 
Gladiatoren- und Tierkämpfe. Einen Menschenmord an- 
zusehen und zu begehen, gilt ihnen fast gleich.^ Noch 



» 1 Cor. 9 24. 

« 2 Tim. 2, 5; 2 Clem. ad Cor. 7. 
» Theophil ad Aut. HI, 15 (224). 
* Athenag. suppl. 35 (178). 



— 262 — 

weniger vermag Tatian für die Spiele ein Wort zu sprechei 
seine Gründe zur Abneigung sind nicht so fast religiös 
Natur, sie machen vielmehr den Eindruck, dass der ,,Bi: 
bare" zwar die Bühne in Theorie und Praxis kennt, a 
wohl auch in seiner heidnischen Zeit sich nicht f 
sie zu erwärmen vermochte. Denn wer sollte nicht dL< 
Theatervorstellungen verlachen, die, ein Werk der schleck't: 
Dämonen, den Älenschen in Schmach und Schande stürze 
Oft habe ich zugesehen, zuerst wohl auch ein Gefühl 
Bewunderung empfunden, das aber bald der Verachti 
Platz gemacht über einen Menschen, der nach aussen ei] 
andern darstellt, als er innen ist . . . Ihr lobt ihn; i 
ist der Lügner und seine Gottlosigkeit und seine Kn 
und der ganze Mensch verhasst. Ihr schwärmt für sol 
Menschen und schmäht diejenigen, die nicht mit euch e* 
an solchem Firlefanz beteiligen. Ich will nicht gähr^. 
wenn da alle singen und mich durch ihre Augen is^- ^^^ 
Körperbewegungen aus meiner Fassung bringen lase^^^^* 
Was ist denn Schönes und Wunderbares daran? Näs^J-^^^ 
sprechen sie Schändlichkeiten, bewegen sich unanstär» <^=^^S 
und ihnen, die auf der Bühne die Kunst des Buhl fcj^^^ 
lehren, stehen eure Söhne und Töchter zu. Da sah '^ — ^" 
Menschen, die iliren gemästeten Körper herumschlepp't>^^^^' 
denen von Kampfrichtern Belohnungen und SiegeskräL 
verheissen waren, nicht ob einer herrlichen That, sond 
um sie zu Beleidigungen und Streit aufzustacheln; 
wer am meisten Schläge ausgeteilt, ward bekränzt, 
sind noch die kleineren Übel. Da sind einige dem Müb 
gang ergeben und ob ihrer Ausschweifung willen verkaui 
sie sich, um sich töten zu lassen ; der Arme verkauft 
selbst und der Reiche kauft die Mörder. Zeugen sii 
dabei und die Gladiatoren schreiten ohne jeden GrunA 
einem Zweikampfe; niemand naht sich helfend . . . 
ihr kauft Tiere, um ihr Fleisch zu essen, und kauft IbÄ 
sehen, um dem Herzen ein IVIahl von Menschenfleisclx 
bieten ... Und was soll mir derjenige, der bei Euripi 
rast und den Muttermord des Alkmäon vorstellt? N'i* 
einmal seine Gestalt behält er bei. Fort mit den Fa1> 




— 263 — 

(iea AcuailaUH und mit dem ihm ähnlichen Vei'semacher 
Menander I Was soll ich den mythischen Flötenspieler 
bewundern? Was soll ich mir wie Arigtosenue zu thun 
machen mit dem 'lliebaner Antigenides I ' 

Ähnliche Gründe bestimmten Clemens von Alexandrien 
zur Warnung \-or dem Schauspielbesueh. Er fürchtet vor 
allem für die Sittlichkeit. Rennbahn und Theater sind 
ihm ein Stuhl der Pest. Die Blicke schweifen zu frei 
lunher und die geschauten Bilder graben sich ins Herz 
und leben selbst zu Hause wieder auf." Dort sind jene 
verweichlichten Komödianten, die ihre unnennbare Wollust 
auf die Bühne verpflanzen und die weit niederfl Lessenden 
Gewänder verschmähen.' Aber er hört schon den Einwand, 
dasa die Schauspiele nui- als Scherz aufzufassen seien — 
und entgegnet, dass es schlecht um eine Stadt bestellt ist, 
wo man nach Scherzen jagt. Er weist auch in populär- 
|ihilosoi)hischer Weise darauf hin, dass jene erbärmliche 
Ruhmsucht, die so vielen den Tod schon gebracht, kein 
Scherz sei ; auch kein Schera das eitle Ti-eiben und der 
unvernünftige Ehrgeiz und die unsinnige Verschwendung 
des Vermögens — Gründe, wie sie auch von ernster, heid' 
nischer Seite schon oftmals erhoben worden. Und als seine 
lebenslustig angehauchten Mitbürgei- ihm entgegenhalten, 
dasp sie nicht nlle Philosophen seien, erwidert Clemens, 
daßp sie doch alle nach dem ewigen Leben streben müssen. 
„Warum habt ihr den Glauben angenommen und wie könnt 
ihr Gott und den Nächsten lieben, wenn ihr keine I'hilo- 
sophen seid?"* 

Auch Clemens (Jründe sind zunächst moralischer, nicht 
dogmatischer Natur ; freilich vergisst er auch nicht vor den 
griechischen Spielen des Stadiums zu warnen, und zwar 
wohl deshalb, wei! diepe zu Ehi-en der Gottlieiten entstanden 



'- Tat or. ftd Graeo. 22: 23; 24 (94 ff.l 

. Alex. pned.III, 11 (I. c. col. 6S3, 191. 
ICleia. Alex. pned. n, 10 (I. c. col. 533, I). 
fLOfen. Alex. paed, in, 11 (1. c. roI. «56. 1). 




4 



— 264 — 

sind und gefeiert werden.* Deshalb sagt Minucius Felix, 
es sei natürlich, dass die Christen von den Schauspielen 
sich fernhalten, deren religiösen Ursprung sie kennen und 
deren schädliche Reize sie verdammen. Entsetzen müsse 
sie erfassen bei dem Wahnsinn des sich gegenseitig be- 
kämpfenden Volkes im Cirkus, und bei der üebung der 
Menschenschlächterei, wie sie bei den Gladiatorenspielen 
stattfindet. Und bei den scenischen Aufführungen sei die 
Raserei nicht geringer, und die Schändlichkeit noch zügel- 
loser. Bald erzählt ein Mime vom Ehebruch oder stellt 
ihn dar, bald ruft ein entnervter Schauspieler die Leiden- 
schaft, die er fingirt, in den Zuschauem wirklich wach. 
Er entkleide auch (Üc Götter ihrer Würde, indem er ihnen 
Unzucht, Schmerzensseufzer, Hass andichte und entlockt 
den Zuhörern bei seinen erheuchelten Schmerzen durch 
leeres Mienen- und Geberdenspiel Thränen. So verlange man 
Avirkliche Mordspiele und über erdichtete weine man . . .^ 
Die Behauptung des Minucius Felix, dass die Christen 
sich von den Schauspielen fernhalten, mag zur Zeit der 
Abfassung seiner Schrift vielleicht noch in ihrem vollen 
Umfange wahr gewesen sein. Es ist ja gei-ade einer der 
Hauptvorsvürfe von heidnischer Seite, dieses Fembleiben 
von den gesellschaftlichen Vergnügungen ; ' es ist sozusagen 
das Erkennungszeichen der (Christen. "^ Freundschaftlich ge- 
sinnte Heiden selbst suchen in Anpassung an christliche 
Anschauung den Christen klarzulegen, dass der Besuch der 
Schauspiele sich ja wohl mit der Rehgion vereinigen lasse. 
(Tott sei doch der gemeinsame \^ater aller Menschen, gut, 
bedürfnislos, ohne Neid ; was hindere denn diejenigen, die 
sich am meisten seinem Dienste weihen, an den Volksfesten 
teilzunehmen.^ Nichts widerstrebe bei derartigem Augen- 

^ Clem. Alex, protr. 2 (1. c. col. 109, 20); cfr. paed. HI. 11 (1. c 
col. 654 19). 

* Min. Fei. Octav. 37, 11 (53, 12). 

« Min. Fei. Octav. 12, 5 (17, 3); cfr. Celsus bei Orig. c. Cels. 
Vni, 21 (II, 238, 15). 

* Tert. de spect. 24 : atquin hinc (ethnici) maxime intelligunt 
factum Christianum de repudio spectaculorum (R. I, 24, 19). 

* Orig. c. Cels. VIII, 21 (H, 238, 15). 



Pid Ohrenschmaus der reliftiö^eii Gesiiiuiing and Ueliti- 
^ugung. Ho könne Cott nicht verletzt wenien durch diie 
\'ergnügen des Menschen, das man zur rechten Zeit und 
am rechten Ort wohl genieasen dürfe, wenn man den Gottes- 
dienst und die Gottesfurcht nicht vergesse.' 

Derartige Vorstellungen hlieben nicht ganz ungehört. 
Namentlich von der Friedeuszeit Tinter CommoduB angefangen 
scheinen sich freiere Strömungen innerhidh des Christen- 
tuniB über den Schau spielbesuch gebildet zu haben, Nament- 
lidi waren es die alexaiidriiiischen Gnostiker, „die zu jedem 
Feetvergnügen der Heiden als die ersten eilten, und nicht 
einmal von dem Schauspiel der Tierkämpfe und des menschen- 
niörderischeü Zweikampfes sich fernhielten."* Sie haben 
ja auch, wie Irenäus meint, ihre ,, Geheimnisse" von der 
Bühne, indem sie das, was allenthalben auf der Buhne 
von den Maskenträgern mit pomphaften Worten vorgeführt 
wird, auf ihren Lehrstoff übertragen, ja sogar in den näm- 
lichen Themen lehren mit blosser Namensänderung.^ 

Die syrischen Gnostiker, die im allgemeinen eine sehr 
strenge Ascese beobachteten, scheint dieser Vorwurf nicht 
zu tre0en. Gesteht ja selbst Tertulüan von seinem Gegner 
Marcion, dass derselbe durchaus nichts zu thun haben will 
mit den Feierlichkeiten der rasenden t'irkus, des aufgeregten 
Theaters und der lüsternen Bühne.* 

Aber auch in der Kirche selbst machte -sich eine 
nachgiebige Stinimung gegen diese Leidenschaft bemerkbar. 
Das beweisen schon die Einwürfe, die Clemens von Ale.tan- 
'Irien bei seiner Erörterung über das Theater zu beantworten 
hat. Aber noch mehr regt sich der Geist des Widerspruch« 
gegen ein Theaterverbot in den Einwänden, die Tertullian 
m seiner Schrift de spectaculis beschäftigen. 

Selbst wenn Tertullian nicht bestimmte Falle von 
Bsucb von Christen anführen würde,'' zeigte schon 

de spect, 1 (R. I, 10). 

adv- baer. I, 1, 12 (I, 56). 
Iron. adv. hiier. U, 18. 1 (I, 289). 
Tert Rdv. Marc. I, -27 [H, 80). 
Tert. de apecl, 26 (B. I, 2S, 21). 




-_ 266 — 

die Abfassung der Schrift, dass diese Frage stark erörtert 
^vurde. Und welchen W'ei-t und welche Bedeutung Tertullian 
selbst der Beantwortung dieser Frage beilegte, geht schon 
dai-aus hervor, dass er die Schrift auch ins Griechische 
übersetzte.^ 

Tertullians Ansicht^ über das Theater ist zusammen- 
gefasst in dem Satze, dass die Schauspiele der christlichen 
Religion und der christlichen Sittlichkeit widersprechen : 
atquin hoc cum maxime paramus demonstrare quemad- 
modum ista non competant verae reHgioni et vero obsequio 
erga verum deum (de spect. cap. 1). Er wendet sich zuerst 
gegen die Heiden, die da in christlichem Sinne behaupten, 
da alles von Gott als einem guten Schöpfer stamme, müsse 
auch alles gut sein, und auch alles, was bei den Schau- 
spielen verwendet werde. Allein es sei auch zu berück- 
sichtigen, wozu die Dinge von Gott geschaffen seien,' zu 
berücksichtigen, dass die Menschheit und die ganze Schöpf- 
ungswelt durch die gottfeindhche Macht des neidischen 
Engels verderbt worden sei (cap. 2). Dann wendet er sich 
gegen die Christen, die in ihrem entweder zu einfaltigen 
oder zu gewissenhaften Glauben eine Schriftstelle verlangen, 
welche die Schauspiele verbiete. TertuUian gesteht zu, dass 
sich keine eigene SchrLftstelle finde, welche gegen den 
Theaterbesuch gerichtet sei. Aber ähnlich wie Clemens 
von Alexändrien wendet er den ersten Vers des ersten 
Psalmes : Selig der Mann, der nicht gegangen in die Ver- 
sammlung der Gottlosen, nicht gestanden auf dem Wege 



* Tert. de coron. 6 : sie itiique et circa volaptates spectacnlomm 
iufamata condicio est ab eis, qui natura quidem omnia dei seiitinnt, 
ex quibns spectacula iustruuntur, scientia autem deficiunt illad 
quoque intelligere omnia esse a diabolo mutata. sed et hnic materiae 
propter snaviludios nostros Graeco quoque stilo satisfe- 
cimus (I, 429). 

' Vgl. darüber: Nöldechen, „TertuUian und das Theater" in 
Zeitschrift f. Kirchengesch. XV, 1894, S. 161 ff; ebenda: „Tertullian 
und das Amphitheater" S. 190 ff ; „Tertullian und der Agon" in 
Neue Jhrbb. f. deutsche Theol. III, 1894, S. 206 ff ; Wolf, die Stellung 
des Christen zu den Schauspielen nach Tertullians Schrift de spec- 
taculis, Wien 1897. 



— '267 



dur Sünde, nicht geaeeeen auf dem Stuhle der Fest, auf das 
Theater an. Wenn Gott schon die wenigen Juden eine Ver- 
t^amiulung der GotÜosen genannt, um wieviel mehr ver- 
dienen diesen Namen die Scharen des heidnischen Volkes? 
Und auch im Theater gibt es Wege, auf denen man steht, 
die Wege zwischen den einzelnen Sitzreihen, und Sitze, auf 
denen man eitzt 1 (cap. 3). Die Schwäche dieses Beweises 
fühlt TertuUüin zwar selbst heraus. Deshalb führt er einen 
stärkeren Grund au, es ist das Taufgelühde, das der Christ 
bei dem heiligen Akte der Taufe abgelegt, zu entsagen 
dem Satan und all seiuei- Pracht und seinen Engeln. Und 
worin niht am stärksten die Macht des Satans und seiner 
Pi-acht und seiner Engel, wenn nicht im Götzendienst, 
in der Idololatrle? Und wenn sich beweisen lässt, dass 
die ganze Institution der Schauspiele mit dem Götzendienst 
zusammenhängt, so ist auch bewiesen, dass die Entsagungs- 
worte des Taufgelübdes sich auch auf die Schauspiele be- 
ziehen (cap. 4). Während für die bisherigen Apologeten 
efl hauptsiichticb der sittliche Standpunkt war, der sie vom 
Besuch der Schauspiele abraten liess, legt Tertullian das 
Hauptgewicht auf den religiiisen, auf den Zusammenhang 
mit der Idololatrie, Dieser Zusammenhang war eben, wie 
Tertullian selbst zugesteht, für viele verloren gegangen, und 
überhaupt dem Volksbewusstsein nicht mehr klar vor Augen. 
Tertullian weist diesen Zusammenhang nach an dem Ur- 
sprünge, den Kamen, den Zurüstungen, dem Orte und den 
Künsten der Spiele. In seiner historischen Darlegung, aus 
heidnischen Schriftstellern, namentlich aber aus Varro und 
Bueton geschöpft (cap. 5), war es ihm leicht, die Berührungs- 
punkte mit der heidnischen Mrthologie und dem heid- 
nischen Kultus klaratilegen. Was den Ursprung der Spiele 
anlange, so leite sich der Name ludi von den Lydiern her, 
die aus Asien nach Etrurien gekommen, dort auch die 
8chauspiele mit ihrer abergläubischen Religion eingeführt. 
Varro leite ludi von ludo ah, bringe aber dieses Spielen 
der Jünglinge doch mit Festen und Tempeln und über- 
haupt mit der Religion in Verbindung. Um den Ursprung 
de» Wortes handle es sich nicht; der Grund der Einfühi'ung 



k 



A 



— 268 — 

der Spiele sei der Götzendienst. Darum gab es Liberalia 
zu Ehren des Gottes Liber, Consualia zu Ehren des Gottes 
Neptun, der auch Consus hiess u. s. w. (cap. 5). 

Auch der Name der Spiele weise auf Götzendienst, 
Und da finde es sich, dass die Spiele entweder heilige oder 
Leichenspiele seien, entweder zu Ehren der Gottheiten oder 
der Toten veranstaltet. Für die Christen bedingt dies 
keinen Unterschied ; beiden liegt ein Götzendienst zu Grunde 
(cap. 6). Aber auch die Ausstattung der Spiele verrät den 
Götzendienst. Man brauche ja nur an den Aufzug im 
Cirkus zu erinnern, mit den Reihen der Götterl^der, mit 
dem Zuge der Ahnenbilder, den Wagen u. s. w. Unwill- 
kürlich tauchen in TertuUian Erinnerungen aus Rom auf, 
wo er wohl selbst oftmals unter den Zuschauern gesessen 
und mit derselben afiikanischen Leidenschaft den Spielern 
zugejubelt, mit der er jetzt gegen dieselben kämpft. Wie- 
viele Heiligtümer und Opfer finden sich dort bei den Spielen, 
wieviele Kollegien und Priesterschaften und Amtshand- 
lungen werden in Bewegung gesetzt ! Und wenn die Provinz- 
stadt auch die Spiele nicht so reichlich auszustatten in der 
Lage sei, so bleibe doch auch hier die Befleckung (cap. 7). 
Ebenso ist die Örtlichkeit idololatrisch. . Der Cirkus ist dem 
Sonnengott geweiht ; die einzelnen Verzierungen des Cirkus 
sind ebensoviele Tempel; die Eier — jene sieben Kugeln, 
nach denen im Cirkus die Umläufe gezählt wurden und 
von denen nach jedem der sieben Umläufe eine abgehoben 
wurde — sind dem Castor heilig ; der Obelisk, der in der 
Mitte der Spina steht, dem Sonnengott . . . (cap. 8). Und 
auch die Künste der Theater tragen das Gepräge des 
Götzendienstes. Das Pferd hatte ursprünglich nur die Be- 
stimmung zum Reiten, — im Cirkus aber werden sie dem 
Dienste Castors und PoUnx' geweiht. Das Viergespann ist 
Sol, das Zweigespann der Luna heilig . . . Auch die vier 
heiligen Farben erinnern an die Mythologie . . . (cap. 9). 
Dieser Zusammenhang mit der Idololatrie in Ursprung, 
Name, Zurüstung und Ort, war nun, wie die Beispiele 
gezeigt, hauptsächlich beim Cirkus zutreffend. Dasselbe gilt 
aber auch vom Theater. Ursprung und Name sind dieselben 



26i) — 



beim Cirkiifi ; auch der Aufüug, die Pompa, ipt der 
gleiche, — man gellt ja zur Bühne von Tempeln und Al- 
lären und von dem unseligen Weihrauch und Opferblut 
unter Trompeten- und FlÖtenklängen ' und ein Haruapex 
geht vorauB.* Den Hauptangriffepimkt beim Theater bildet 
ihm die Ortlicbkeit. Was ihm dabei im Geiste vorschwebt, 
ist das Theater des Pompejiie, das er ebenfalls in Rom 
kennen gelernt. Das Theater ist ein spezielles Heiligtum 
der Venus. Es passt auch für Venus und Liber; die zwei 
Dämonen der Trunkenheit und Lüsternheit haben sich hier 
«die Hand zum Bunde gereicht , . . Auch die Künste stehen 
"unter Venus und Libers Schutze. Die Musik, Vokal- und 
Unstrumentalmusik gehören ApoUo, den Musen, der Minerva 
und Merkur zu. Die Künste selbst gelten, wie die geschicht- 
liche Entwickelung gezeigt, den Manen der Verstorbenen. 
Xietztere sind zwar an und für sich nichts, aber hinter 
ihnen bergen sich die Dämonen. Sie haben zu der andern 
-Ketieckung durch Idololatrie auch die Schauspiele gefügt 
C«ap. 10). 

Ähnlicli steht es mit dem Stadium. Dem Ureprung 
»üach sind sie Göttern oder Toten geweiht, und dem 
^t^amen nach — die olympischen gelten dem Jupiter, die 
»lemeischen dem Herkules, die isthmischen dem Neptun, 
^3ie übrigen sind Totenspiele — verraten sie klar ihre Be- 
^siehung zur Idololatrie. Idololatrisch ist auch die Aus- 
»**tattung: Kränze, Priesterkollegien, Genossenschaften. Opfer- 
Valut. Die Öi-thchkeit ist der Sitz der Musen, Minervas 
*and Apollos, auch des Mars, ahmt im Wettkampf und 
Tromiietenschall dem Cirkus nach und gilt als Tempel. 
Und die Künste des Stadiums gehen auf Castor und Pollux, 
«uf Herkules und Merkur zurück (cap. 11). 

' i^ier Bind die Lenaffen Athens lehrreich. Da wird das 
DioD.VKisbild ans dem Teiiijiel im Lenaeuni getragen und in die 
Orcfaestn befördert, und zwar des Abends bei Fackelschein. Am 
Tve der Anffflhrung seibat ward wahrscheiolicfa das versammelte 
^wt innh^st dnrch Opfer gereinigt: da haben wir Festzng tind 
Opfer." NBldechen, Tertnllian n. das Theater, 1. c. 3. 180. 

* Btnukisches Vorbild, XCIdechen 1. c. S. 183. 



— 270 — 

Merkwürdig ist, dass der Verfasser den wichtigen, 
pythischen Agon nicht erwähnt. Nöldechen' führt di<^ 
darauf zurück, dass um die Abfassungszeit der Schrift — 
etwa 201 — Karthago denselben noch nicht besitzt. E^t 
Caracalla verlieh der Stadt denselben * und in seine Zeit föUt 
dann auch der Bau des Odeums, das durchaus mit deni 
Agon zusammenhing und dessen Errichtung über (Iräbeni 
TertuUian nicht anders als ein Sakrileg bezeichnen kann.* 

Es erübrigt ihm noch, die Berührungspunkte des 
Amphitheaters mit dem Götzendienst nachzuweisen. ^^ 
stammt von der Totenspende. Der Totendienst ist aber 
Idololatrie ; beide gelten ja Toten. In den Idolen der Toten 
aber sitzen die Dämonen. Aber auch die Namen dieser 
Festlichkeiten haben, obwohl die eigentlichen Leichenspiele 
aufgehört haben , und aus den Ehrungen der Toten Ehrungen 
der Ijcbendigen, der Quästoren, Magistrate etc. geworden 
sind teil an der Befleckung des Ursprungs. Ebenso sind 
die Zurüstungen, die purpurnen Gewänder, die Fasces und 
Vittae, wie die Duumvirn sie trugen bei festlichen An- 
lässen, die Pompa. der Paradezug der Schwertkänii>^^'^ 
durch die Arena u. s. w., nicht ohne Teufelspomp. Und der 
Ort? Das Amphitheater ist noch mehr Gottheiten geweiht, 
als das Capitol ; es ist ein Tempel sämmtlicher Dämonci^- 
Soviel Menschen darin Platz finden, soWel sitzen ^^' 
reine (leister darinnen. Und über den Künsten l)ei*^^^ 
Spiele, der Gladiatorenspiele und der Tierhetzen, wi»!-^ 
Apollos und Dianas Schutz . . . (cap. 12). 

I)i(? Nauniachicn, wie sie ebenfalls im Amphitheater "^'^ 
sich gingen, berührt TertuUian nicht. Vemmtlieh wim-"^'^ 
sie in Kartliago wenig bekannt. 

S<) hängen alle Spiele mit der Idololatrie zusami»-'^^ 
und widersprechen durchaus dem christlichen Geiste, "^ 

» Nradechen, TertuUian und der Agon, l.-c. S. 212, 218 

* Tert. Scorp. (> : adhnc C'arthaginem siugulae civitates 
lando in<inietant donatam Py thico agone post stadii senectntem ( I, 

* Tert. de resurr. oarn. 42: sed et proxime in ista civitate ^ 
odei fundanienta tot veterum sepulturarum sacrilega collocaic^'''" 
(|uini»entornin fere annonim ossa adhuc snccida et capilloj* ol^^*"^' 
popuhis exhorruit (II, 521). 



10 






^71 



'eimal den Idolen widersagt. Zwar ist dils Idiil 
iehts, wie der Apostel sagt,' aber man thut div, was 
man den Idolen, den Dämonen die in den Idwleii ihren 
Sitz haben (cap. 13). Diese Verknüpfung der Schau- 
spiele mit dem Götterdienst ist für Tertullian der Haupt- 
grund seines ablehnenden Verhaltens.^ Aber die Schau- 
*!piele bf'i^n auch sittliche Cicfahren, Ihnen gilt die Beweis- 
iiihrung des zweiten Teüs der Schau spielschrift. Diejenigen. 
«lie ein ausdriickliches Verbot der Spiele verlangen, vei^essöi, 
«lass es ein Verbot der Begehrlichkeit der Welt gibt, und 
«lieses bezieht sich auch auf die Vergnügungen, also auch 
»uf die Schauspiele (cap. 14). Der cliriatliche G«iat ist 
seiner Natur nach zart uud empöndsara ; ihm miiss Ruhe 
"Und Friede innewohnen und er darf nicht durch Zorn 
"Und Sehmerz aus der Fassung gebi-acht werden. Aber gerade 
«■las bewirken die Schauspiele (cap. 15). Besonders ißt e?^ 
«ier Cirkup, der die ganze IjeidenschaWichkeit des Menschen 
■weckt. Man braucht ja nur das Volk zu Ijeobachten, wie 
•» schon in wildej Aufregung herbeiströmt, lärmend, wet- 
tend, verblendet. Zu langsam scheint ilmen der Prätor, 
<iet das Spiel eröffnen soll. Ihre Augen iiängen an seiner 
Urne: Kr iiat das Tuch geworfen, rufen sie einander ku. 
^vas doch eigentlich jeder selbst gesehen. Sie erkennen 
■licht, dafis p.s das Bild des Teufels gewesen, der von der 
-Höhe gestürzt worden. Und jetzt wird die Erregung zur 
Käserei und Zwietracht. Fluchworte fallen, Schimpfereien, 
^Dhne dass ein Anlass zum Hasse vorliegt, Segenswünsche, 
«:>hne tlass ein Grund zur Liebe da ist (cap. 16). 

Aljer der Christ muss auch die Unkeuschheil ver- 
»Tieiden. Sie wird namentlich durch das Theater verletzt, 
jenen Mittelpunkt der Unkeuschheit, wo nichts für gut 
V>efunden wird, als das, was sonst allenthalben getadelt 
|"^wird, dort findet sich die UnsitÜichkeit der Gestikulationen 
Atellanen, der Weiberkleider des Mimus, des Hand- 
irks des Pantomimen, das derselbe von Jugend auf geübt. 



' 1. Tor. 8, 4; 10, 11t. 20. 

' C.15: principfilis titnlu^ iJululatriae, 



— 272 — 

Dort erscheinen die öffentlichen Opfer der Ijeidenschti^* 
•doppelt elend in Gegenwart der Frauen, und I^eute jeil^ 
Alters und jeden Standes h()ren von ihrer Wohnung, d 
Höhe ihres Preises, der Anpreisung ihrer Vorzüge und ^C"^^ . 
Dmgen, die im Dunkel der Nacht bleiben sollten, da^ ^ 
sie das Tageslicht nicht trüben . . . Und wie Scliamk 





zu thun und zu reden sündhaft ist, so ist es auch süik---^ * 
haft solches zu hören. Der Christ verachtet die heidniscli^^ ^^ 
Ijiteratur schon an und für sich, umsomehr die sceniscH^^ ^^ 
Aufführung (cap. 17). 

Und das Stadium? Das Wort Stadium kommt alle: 
dings in der Schrift vor, — manche Christen ha])en wob 
die pauHnische Stelle^ angezogen, mit der Bemerkung, ibis 
der Apostel selbst die Kenntnis des Stadiums bei seinei 
Zuhörern voraussetzt, was doch für einen Beweis dt 
Erlau])theit desselben gelten konnte, — aber dass di 
Faustschläge, und was sonst im Stadium gesclüeht, dies— 
Entstellung des menschlichen Antlitzes, des Ebenbildes Gottt 
eines Christon unwürdig seien, müsse wohl jeder zugeben 
Nimmer werde der Christ diesen eitlen Wettlauf, den Wui 
des Diskus und des Speeres, nimmer diesen nutzlosen cxU 
ungerechten Aufwand von Menschenkraft billigen, nimmt 
ihm gefallen diese Köri>erpflege, diese Menschenmä^tuni 
ob eines griechischen Zeitvertreibs ; das Ringen ist Teufek- 
Kunst (cap. IH). Bedarf der Besuch des Amphitheatei 
eines speziellen Verbotes"? Wenn Roheit und Wiltlhe 
erlau})t sind, dann ist der Besuch desselben gestattet. E 
werd(?n fnnlich auch Verbrecher ins Amphitheater gesantk^ t, 
— es ist gut, dass V(»r})rech(»r bestraft werden. Al^r tl^^T 
Unscliuldi^^e wird sich nicht freuen ül)er die Strafe d -^«^ 
Schuldigen, er wird trauern, dass ein Mensch, wie er selb!^=t, 
so tief gesunken i. AIht wer bietet denn Garantie, tb^k^-Ä«* 
es immer nur Schuldige sind, die zu Tierkämpfen «Kli<*r 
ülHThaupt zur Strafe verurteilt werden V Kann nicht aiEc>'A 
(»in rnschuMigtr in diese I^jige kommen durch die Wxvcrh- 
sucht ihi>> Richters, durch mangelluifte Verteidigung, durcA 

» 1. Cor. \\ 24. 





— 273 — 

die Heftigkeit des Verln'irs? Die Gladiatoren, die sich für 
■das Amphitheater anwerben lassen, sind immer unschuldig. 
Und was für ein Ikssenmgsmittel ist es für SchuUHge, 
sie wegen eines kleineren Verbrechens zum grösseren des 
Menschenmordes 7Ai zwingen? Das die Antwort für die 
Heiden. Der Christ bedarf für das Fernbleiben von den 
Schauspielen keiner weiteren Belehrung. Des Verfassers 
Erinnerungen an das Amphitheater müssen trübe sein; 
er will liel^er keine Gegengründe weiter anführen, als die 
Erinnerungen auffrischen (cap. 19). 

Wie gehaltlos und haltlos ist die Beweisführung derer, 
die ein si)ezielles Verbot der heiligen Schrift für die Schau- 
spiele fordern ! Eine ganz neue Verteidigung habe er un- 
längst von einem Theaterfreunde gehört: Die Sonne und 
auch (xott schauen vom Himmel — und werden durcih 
das Theater nicht befleckt 1 — Ja die Sonne sendet ihre 
Stmhlen auch in die ('loake und wird nicht beileckt. (Jott 
schaut ja auch auf die Diel)stähle und auf die Ehebrüche 
und auf den (Jötzendienst (cap. 20) . . . Die Heiden, welche 
die Fülle der Walirheit nicht Ix'sitzen, deuten freilich das 
Gute und Böse nach ihrem Beliel)en und nennen das 
schlecht, was sie ein andermal gut und das gut, wjis si(j 
ein andermjil schlecht ht?issen. Wer viellei(!ht auf der 
Strasse kaum das (rewnnd (HTnet, entkleidest sich im Cirkus 
in schanüoser Weise ; wer zu Hause da«« Ohr seiner jung- 
fräulichen Tochter vor jedem anstcjssigen Wort hütet, führt 
sie ins Theater zu den dortigen Keden und ( Jestikulationen ; 
wer auf der Strasse den klcinstcMi Streit zu schlichten 
sucht, bejau(!lizt im Stadium viel heftigere Kämpfe; wer an 
der Leiche eines natürlich v(»rstorben(Mi Menschen (iniuen 
emplindet, verschlingt im Amphitheater die zerfetzten inid 
in ihrem Blute schwinnnenden Leichen mit seinen Auiren 
. . . (cap. 21). 

Die Menselien sind eben wankelniütiir. Sind la Miich 
diese Schauspieler einerst'its h(Mssg(4iebt un«l an, in 'betet von 
Mäimern und noch mehr von den Frauen, und docli ander- 
seits wieder verachtet, aller bürgerlichen Kbri-nrechte beraubt 
fcai). 22). 

Bigi'lniair, ÜttciliKUiii; <l. C'hriKt. um ütVi-ntl. Li-bi-:]. ]^: 



— 274 — 

Noch schärfer freilich wird die göttiiche Grerechtigkeit 
gegen die Schaus})ielcr verfahren, gegen den Wagenlenker, 
den — im Gegensatz zu Elia«, der in den Himmel gefahren — 
der Teufel auf seinem Wagen dahinreisst . . . gegen den 
Schauspieler, der mit dem Rasiermesser sein Antlitz ent- 
stellt, sich der Schmach der Ohrfeigen aussetzt, zum Spotte 
auf das Wort des Heilands . . .,^ gegen den Tragöden, der 
auf dem Kothurn einhergeht, obgleich niemand seinem 
Körper einen ZoU anfügen kann . . . ?^ Wie wird er 
urteilen üb(?r die Masken, er, der überhaupt verbietet, ein 
Gleichnis zu machen" und umsomehr ein Gleichnis seines 
eigenen Ebenbildes, urteilen über den Pantomimen in 
Weiberkleidung, er, der verflucht, wer sich in Weiber- 
kleidung hüllt."^ Und wird der Kämpfer ungestraft blei- 
ben? Hat ihm Gott seine Augen gegeben, damit er sie 
im Faustkampf verliere? \'on jenem gar nicht zu reden, 
der im Amphitheater den Genossen vor sich gegen den 
J^wen schiebt, um ihn dann, wenn der Löwe überv\Tmden, 
zu erdrosseln . . . (cap. 23)! 

So sind die Spiele T(mfelspracht, der der Christ beim 
Taufgelübde entsagt ! Und darum erkennen auch die Heiden 
den Christen an dem Nicht])osuch der Schauspiele (cap. 24). 

Ja, wird man an einem Oi-to, wo nichts Göttüches 
ist, an (iott denken? Wird <ler im Herzen den Frieden 
haben, der in seiner Pai-teinahme mit dem Wagenlenker 
um den Preis rin*it ; und welches Aergemis erregt der auf- 
fahende Putz von Männern und Frauen? Im Theater will 
jeder sehen — und gesehen werden. Und wer wird bei 
dem Anhören des Tragöden sich an die Klagelieder des 
Pro])heten erinnern? AVei* wird bei den weichlichen Ge- 
sängen des Schauspielers an einen Psalm denken? Und 
wenn die Athleten ringen, wird der Zuschauer rufen, dass 
man nicht wieder schlagen dürfe? Wen wü'd Mitleid er- 
fassen, wenn er schaut auf die Bärenljisse und die Schwämme 

' Matth. f), :ii>. 

' Matth. (>. 27; Luc. 12, ^5. 

=* Deut, f), 8. 

* Deut. 22, f). 



— 275 — 

der Netzfechter?* Gott verhüte, dass in den Seinen der 
WuQSch nach solch verderbenvollem Vergnügen sich rege 
(cap. 25). 

Tertullian erzählt im nächsten Kapitel einige warnende 
Beispiele vom Theaterbesuch. Eine Frau besuchte das 
ITieater und kam von einem bösen Geiste besessen nach 
Hause. Als der Exorcismus angewandt wurde und der 
Dämon befragt wurde, wie er es gewagt, eine Gläubige 
anzugreifen, erklärte derselbe: Auf meinem Gebiet habe 
ich sie gefunden ! Aber noch mehr Fälle wären anzuführen 
von solchen, die bei dem Besuch von Schauspielen vom 
Christentum sich wieder losgesagt (cap. 26). 

So muss der Christ sich fernhalten von solchen Ver- 
sammlungen der Heiden, wo der Name Gottes gelästert 
wird, wo täglich der Ruf: „Christianos ad leones** ertönt, 
wo die Verfolgungen der Christen beschlossen und diese 
selbst von Versuchungen heimgesucht werden I 

Interessant ist das nun folgende Zugeständnis Ter- 
tullians, dass ja manches bei den Spielen angenehm, ja 
sittlich rein und ehrbar ist. Dieser Einwand ist wohl des 
öfteren gemacht worden. Diese lobenden Zugeständnisse 
gelten woiil vor allem dem Theater und namentlicli den 
Werken Menanders.* Aber Tertullian lässt sich in seinem 

' „Netz rechter sind Gladiatoren, die im Unterschied von allen 
andern mit nacktem Angesicht fechten, die das Netz eines See- 
tischers ftlhren, und, wie Tertullian uns zu lehren scheint, über 
der Brust einen Schwamm tragen.** Ni'ddechen, Tertullian und das 
Amphitheater, 1. c. S. 1Ü9. 

' Vgl. dazu: Nrddochen, Tertullian u. das Theater, 1. c. S. Itri; 
die Belegstellen aus heidn. Schriftstellern zu den Praedikaten Ter- 
tullians: simplicia, subtilia, fortia, dulcia, honesta ib. A. 2; ausser 
llenander kannte der Kirchenvater von den klassischen Dichtem 
wohl noch Sophokles: de anima 40 ,R. I, 37H, 24;; cfr. apol. 9 
(I, ir>0); Plautus: de pallio ;$ (I, 927 : sed circumspectu emissicii 
ocelli, nach Plaut aulul: 1, 1,2: circumspcctatis cum oculis emissiciis; 
Ennius: adv. Valent. 7 (I, .'W9); von den Atellanen dichtem Novius: 
de pall. 4 (\, 9vi7); von den Mimographeu Laberius: apol. 4« J, Ib): 
Lentnlns: de pall. 4 I, 9:37; ; apol. 1"» (1, 171,; Hostilius; apol. 15 
(1, 171); Senecas Troades: d«* resurr. carn. 1 (I, 407^; cfr. de anima 42 
(R. I, aG9, 18); 20 ;K. 1, 3;J2. 7). 

1«* 



— 276 — 

Verdainniuiigsurteil dadurch nicht beirren. Auch das Gift 
wird ja niclit in Galle und Nieswurz, sondern in wohl- 
schmeckende, sü.sse Speisen gemischt. Und der Teufel bietet 
seinen Todestrank in den besten Gaben Gottes. All das, 
was an den Schauspielern so gerühmt wird, ist Honig- 
auf guss auf vergiftetes Backwerk (cap. 27). Mit solchen 
Süssigkeiten mag Satan seine Gäste sättigen, des Christen 
Gast- und ITochzeitsmahl ist zukünftig (cap. 28). Und 
wenn der (Christ hienieden schon ein Vergnügen will, — 
sein Vergnügen ist die Versöhnung mit Gott, die Offen- 
barung fler Wahrheit, die Erkenntnis des Irrtums, die Ver- 
gebung der Sünden. Seine ('irkusspiele sind die Betrachtung 
des ,, Weltlaufs", ,,das Zählen der rollenden Zeiten**, das Er- 
warten des Wendepunktes ,,der Vollendung", „die Vertei- 
digung*' der kirchlichen Genossenschaften, das Erwachen 
beim ,,Gottessignal'*, das Aufstehen bei der Posaune des 
Engels, ihre ,, Palme'* das Martyrium! Und wenn der Christ 
Literatur für die Bühne will, so hat er genug heilige Schriften, 
genug Verse, genug Sentenzen, genug Gesänge, genug der 
Lieder, und sie sind nicht Fabeln, sondern Wahrheit, nicht 
Künsteleien, sondern schlichte Einfachheit. Und seine Ring- 
kämpfe? Nicht wenige und geringe sind's! Da wird die 
Unzucht von der Keuschheit zu Boden geworfen, der Un- 
glaulx' erliegt dem Glauben, die Grausamkeit wird vom 
Mitleid Ijesiegt, die i Leidenschaftlichkeit kalt gestellt durch 
die Selbstbeherrscliung. Das sind die Agone des Christen, 
für die ihm der Kranz winkt. Und will der Christ Blut? 
So hat er Christi Blut (cap. 29)! 

Und welch ein Schauspiel wird sich ihm eröffnen, 
wenn der Herr wiederkommt, anerkannt, erhaben, im 
Triumphesglanz! Welch ein Ju})el der Engel, welch eine 
Glorie (hv auferstehenden Heiligen! Welch ein Reich, das 
Reich der (i erechten! Welch eine Stadt das neue Jerusalem ! 
Und dann kommt noch jenes Schausi)iel, das Schauspiel 
des jüngsten Tages, den der Heide nicht erwartet, sondern 
verliölint! Was soll man mc^hr bewundern, bejubeln, be- 
jauchzen, die K()ni;ie, die auf Erd(»n in den Himmel auf- 
genommen worden und jetzo mit Jupiter selbst und allen 



— 277 — 

ihren Zeugen in der Finsternis schmachten, — oder die 
Statthalter, die jetzt in schreckhcheren Flammen glühen, 
als sie dereinst den Christen zugewiesen, — oder die weisen 
Philosophen mit ihren Schülern, die sie um den Gottes - 
glauben, um den Glauben an die UnsterbÜchkeit der Seele 
und die Wiedervereinigung mit dem früheren Leibe be- 
trogen — , die Dichter, die nicht vor Rhadamantys' und 
Minos' Richterstuhl, sondern vor Christi Richterstuhl er- 
zittern? — Dann wird die Stimme der Tragöden noch 
mächtiger erklingen, — sie schreien in ihrem Unglück; 
der Schauspieler wird noch viel weicher seine Bewegungen 
machen als jetzt — im Feuer ; da wird der Wagenlenker 
zu schauen sein, rot auf glühendem Rade ; zu sehen auch 
der Athlet, der nicht mehr im Gymnasium, sondern im 
Feuer geworfen wird! Noch unverwandter aber Avird der 
Blick sich richten auf die, welche gegen den Heiland selbst 
gewütet! Hier ist der Sohn des Zimmermanns und der 
Dirne, der Verächter des Sabbaths, der Samariter, der 
Besessene! Hier ist er, den ihr von Judas erkauft, mit 
Rohr und Schlägen misshandelt, mit Galle und P]ssig ge- 
tränkt. Hier ist er, den die Jünger heimlich gestohlen, 
den der Gärtner weggenommen, damit seine Ptlanzcn nicht 
durch die herzukommenden Besucher verletzt würden. 
Solche Schauspiele kann kein Prätor, kein Konsul, kein 
Quästor, kein Priester in seiner Freigebigkeit bieten! Und 
doch schw^eben diese Bilder bereits vor unseren Augen, 
indem der Glaube sie unserem Geiste vorstellt. Und wie 
mag erst das sein, was kein Auge g(»sehen, kein Ohr 
gehört und in keines Menschen Herz gekommen? — 

Ich glaube, herrlicher als Cirkus und Bühne und 
Rennbahn . . . (cap. 30). 

Tertullians UrteiP über das Theater ist, wenn auch 
nicht allweg berechtigt, so doch bejrreiflich. Die Schauspiele 
jener Tage verdienten wohl nur in den seltensten Fällen 



coron 



* Cfr. ausser der Spezialschrift noch : apol. 3s CI, 2r)3) ; de 
. 6 (1,429); de pud. 7 (H. I, 232, 21); de cult. fem. 11, 11 {l, 730). 



— 278 — 

ein besseres Urteil. Der Gedanke, Besseres zu bieten, oder 
gar christliche Schauspiele zu schaffen, lag seiner Zeit doch 
noch zu fern . . . Aber der Radikalismus, mit dem er 
verfährt, wird wohl lebhaften Widerspruch gefunden hal)en. 
Und es waren wohl nicht bloss Buchstabenchristen, die 
ein wörtliches Verbot der heiligen Schrift verlangten und 
sich auf die »wähnung der Rennbahn im Paulusbriefe 
})eriefen, nicht nur sehr weitherzige Christen, die in seichter 
Philoso})hie aus dem Satze, dass alles von Gott Geschaffene 
gut sei, die Erlaubnis des Schauspielbesuchs folgerten, son- 
dern auch ruhiger denkende, welche solche Ausführungen 
nicht billiirten. Am l)erechti eisten schien wahrscheinlich 
seine Abweisung des Amphitheaters. Es war auch eine 
der ersten Verordnungen Konstantins, die Verurteilung der 
Ver]>recher zu Gladiatorenkiunpfen in die Strafe der Berg- 
werksar])eit umzuwandeln und die blutigen Spiele überhaupt 
zu verbieten.^ Aber das Theater bot doch auch viel Schönes 
und Erhabenes, wie TertuUian ja selbst zugesteht und in 
dieser Allgemeinheit mag Tertullians absprechendes Wort 
als zu weitgehend befunden worden sein. Und wenn der 
Afrikaner in seiner Verwerfung des Stadiums die körper- 
lichen J^eibesübungen des Laufes, Diskuswerfens, des Rin- 
gens u. s. w. als thöricht, ja teuflisch bezeichnet,* so steht 
er in offenem Widerspruch mit dem Griechen Clemens, 
der solche Uebungen, das Erbstück seiner Nation, für Jüng- 
linge und Männer als sehr empfehlenswert rühmt. Sie 

' Cod. Just. XI, 44, 1; cfr. (od. Theod. XV, 11, 1. 

* Cfr. oben cap. 18 ; ofr. de pall. 4 : quid nunc, si est Romanitas 
omni sjilus, nee h(»nesti tarnen adniodum Graeci estis? aut, ni ita 
est, unde gentium in provinciis melius exercitis, quas natura agro 
potius eluctando commendavit, studia palaestrae male senescentia 
et cassuni laborantia et lutea unctio et pulverea volutatio et avida 
saginatio (1, 9:>2). Uebrij^ens spricht sich auch die hl. Schrift miss- 
billigend über di(i Gymnasien und die Ephebien und die Palaestra 
aus, weil an diesen Orten mit den Leibesttbunsfen vielfach Unsitt- 
lichkciten mancher Art verbunden waren : 2 Macc. 4, 9. 10. 12 If. 
vgl. das I'rteil des Lactanz, der erwähnt, dass in den Gymnasien, 
wo der nackte Körjjer sichtbar wird, noch die Statuen des Cupido 
und des Amor, der (xötter der Leidenschaften, aufgestellt sind und 
so die Jugend verdorben wird, Lact. div. inst. I, 20, 14 (I, 74, 2). 



— 279 — 

nützeu zur Gesundheit, wecken den Ehrgeiz, nicht nur 
eineo gesunden Körper, sondern auch eine heitere Seele 
zu besitzen. Freilich dürfen wichtigere Dinge daräber nicht 
vergeesen werden. Die Männer mögen mit entkleidetem 
Körper ringen, Eall spielen, und namentüeh das Phenindas- 
Hpiel — ein Spiel mit Ball fangen — treiben. Das Ringen 
eoU nicht um des eitlen Wettbampf es willen gepflegt werden, 
sondern um den Körper in Schweisa zu bringen, und 
Händen, Hals und Hüften Bewegung zu verschaffen . . ,' 
Im praktischen Leben war die Wirksamkeit der Schrift 
auch nicht sehr nachhaltig. Die Klagen über den Schauspiel- 
besueh der Christen verstummten nicht. ^Vohl tritt Ori- 
genes der Leidenschaft für das Theatflr und die Orchestra 
mit aller Kraft entgegen;* wohl aeichnet Cyprian in den 
lebendigsten Fai'ben das Getümmel der Städte, trauriger 
als alle Einsamkeit, beim Gladiatorenspiel, wo der Frevel 
des Menschenmordea nicht nur geübt, sondern sogar gelehrt 
wird, wo die Menschen eich freiwillig in den Tod stürzen 
und der Vater dabei zusteht, Bruder und Sehweater auf 
dem Kampfplatz weilen, ja sogar die eigene Mutter den 
ob der Pracht der Ansstattimg erhöhten Eintrittspreis zahlt, 
um ihren eigenen Martern beizuwohnen ; wohl warnt er 
vor der Pest des Theaters, wo der l'ragöde auf dem Kothurn 
die Schandthaten vergangener Zeiten wieder aufleben läset, 
und das \'erbrechen aufhört Verbrechen zu sein, ja zum 
empfehlenswerten Beispiele wird. Dort lehrt der Mimus 
den Ehebruch, indem er ihn darstellt; und da da.« Böse 
zu den I-astem, welche die Autorität der Öffentlichkeit für 
sich haben, reizt, kehrt eine Frau, welche keusch ins 
Theater gegangen, unkeuseh aus demselben heim! Dort 
hören (durch die Kleidung) die Männer auf, Männer zu 

' Clem. Alei. paed, III, 10 (I. c. cul. 620). Auch fftr Frauen 
nnil Müiicben weiss Clemens kOr|ierliche üebiing, freilich nii^ht Lsiif 
und Wurf; sie mögen Wolle siiinnen nnd weben, nnd wenn es niStie 
ist, der Könhin helfen: bIp mögen ilas Nötiire ans der Speisekamnier 
holen ; in die KUche zu gehen, ist für sie keine Schande. 

' Otig. c. Cels- III, 55; 57; 5S (I, 250, S2); cfr. hora. in 
Uv. XI, 1 (Migne S, G. IS, col, 374). 



I uav. A.1, 1 (aiigi 



— 280 — 

sein und der gewinnt den grössten Beifall, wer am meisten 
den Mann zum Weibe verkehrt. . . Dort wird die Scham- 
losigkeit der Venus, der Ehebruch des Mars dargestellt. . . 
Die (lötter selbst, die man verehrt, werden nachgeahmte 
Für diese Elenden wird sogar die Kehgion zum Verbrechen. ^ 
Aber die seit Jahrhunderten fortgeerbte, im National- 
charakter wurzelnde Leidenschaft brach doch zuweilen wieder 
durch und das Theater fand auch auf christHcher Seite 
immer wieder beredte Verteidiger. Solche waren es auch, 
die den römischen Presbyter Novatian ^ zur Abfassung seiner 
Schrift de spectacidis veranlassten. Diese christlichen Ver- 
teidiger schämen sich nicht, sagt der Verfasser, die Autorität 
der hl. Schrift zum Götzendienst zu missbrauchen. Wo 
ist denn ein Verbot der Schauspiele? fragen sie. Ist nicht 
auch Elias ein Wagenlenker? Hat nicht auch David vor 
der Bundeslade getanzt? Lesen wir nicht von Harfen, Flöten, 
Cithem, Chorreigen u. s. w. ? Spricht nicht der Apostel von 
einem Wettkampf? Entlehnte er nicht seine Bilder dem 
Stadium, spricht er nicht von einer Belohnung des Kranzes? 
Warum soll ein Christ nicht ansehen dürfen, was man in 
hl. Schriften schreiben durfte? Novatian meint, für solche 
wäre es just besser gewesen, wenn sie die hl. Schrift gar 
nicht gelesen hätten, als wenn sie dieselbe in solcher Auf- 
fassung lesen (ca]). 2). Er widerlegt dann diese Einwürfe 
(cap. 3) und erklärt wie Tertullian, das Verbot der Schau- 
spiele sei inbegriffen in dem Verbote der Idololatrie, ,,der 
Mutter aller Schauspiele". P]r streift kurz diesen Gedanken 
(cap. 4) und weist dann auf die Nichtigkeit der Cirkus- 
spiele hin. Ja wie thöricht sind die Kämpfe, der Streit 
mn die Far])en, der Wettlauf auf den Wagen, der Glanz 
bei diesen Ehrungen ! Wie thöricht sich zu freuen, weil 
ein Pferd schneller, betrübt zu sein, weil es langsamer ge- 



* (^ypr. ad Don. 7, 8 (I, 8, 22 fP). 

* Die Frage nach dem Verfasser der Schrift de spectaculis 
(Hartel III, 3 ff) ist seit den Untersuchungen Weymans (hist. Jhrb. 
XIII, 1893, S. 737 ff.) und Demmlers, der sich ihm angeschlossen 
(Till). Quart.-Schr. LXXVI, 1894, S. 228 ff.), zu Gunsten Novatians 
entschieden. Vgl. Wochenschr. f. klass. Philos. XI, 1894, Sp. 1027, 



— 281 — 

laufen, die Anzahl seiner Jahre zusammenzurechnen, die 
Konsuln (unter denen es auf die Welt gekommen), zu 
kennen, sein Alter auswendig zu lernen, seine Familie zu 
bezeichnen, seine Eltern und Ureltem zu envähnen ! Wenn 
man einen solchen, der den ganzen Stammbaum eines 
Pferdes ohne Anstoss hersagen kann, dann fragt, wer die 
Eltern Christi gewesen, so weiss er es nicht, — schhmmer 
noch ist's, wenn er's weiss. Und wenn man ihn fragt, 
auf welchem Weg er denn zum Schauspiel gekommen, so 
muss er antworten: Durch das Bordell! Und so kann es 
vorkommen, dass einer, der vom Tisch des Herrn ins 
Schauspiel eüt und wie gewöhnlich noch die Eucharistie 
bei sich trägt, auf diese Weise den Leil) des Herrn untc^r 
den Dirnen herumträgt und somit schon ob des Weges sich 
mehr der Verdammnis schuldig macht, als ob des Schauspiel- 
vergnügens selbst (cap. 5). 

Die Bühne ist nicht besser. Sie ist ihm die Lehr- 
kanzel der Obscönität. Die öffentlichen Dirnen, welche 
ihre Erbärmlichkeit in den öffentlichen Dienst der Lust 
stellen, verbergen sich und ihre Schande wenigstens in den 
Schlupfwinkeln. Sie würden erröten, wenn sie gesehen 
würden; aber im Theater "VNird die Gemeinheit öifentüch 
gezeigt (cap. 6). Mit Entrüstung wendet sich der Ver- 
fasser gegen die dicken Athleten mit iliren unsittlichen 
Kämpfen. Mag siegen wer will, das Schamgefühl ist 
jedenfalls besiegt (cap. S). Der Christ hat bessere 
Schauspiele; die Schönheit der Erde liegt vor ihm, der 
Aufgang der Sonne und ihr Untergang, die Sichel des 
Mondes, die in ihrer Zu- und Abnahme den Jjiiuf der 
Zeiten bezeichnet, die schimmernden Sterne, die w(»cliseln- 
den Jahreszeiten, Tag und Nacht, die bergbedeckte Erde 
und die strömenden Flüsse u. s. w. (cap. 9). Ja noch 
andere Schauspiele hat der Christ in den hl. Schriften. 
Dort sieht er wie (Jott die Welt schallt mit all ihren 
Wesen. Dort sieht er die Welt in ihren Sünden, den 
Lohn der Guten und der Bösen Strafe, sieht Meere, die 
trocken wenlen vor dem Volke, und Mec^e, die der Herr 
aus dem Felsen ruft. . . Und ein noch gnisseres Schau- 



- 282 — 

spiel sieht er darin, wie des Satans Macht, welche die 
Welt bezwungen, gebrochen vor den Füssen Christi liegt. 
Gibt es ein angenehmeres, ein dringenderes Schauspiel als 
immer seine Hoffnung zu schauen, und das Auge auf das 
Heil zu richten, ein Schauspiel, das man noch schaut, 
wenn auch das Auge schon erblindet, das kein Prätor und 
kein Konsul gibt, sondern nur der eine, der vor allem, 
ü})er allem ist, und von dem alles kommt, der Vater 
unseres Herrn Jesu Christi . . . (cap. 10). 

Es bedurfte freilich wie Novatian sagt, weniger der 
eigentlichen Belehrung, als vielmehr der beständigen 
Mahnung, nicht zu erschlaffen.^ Allerdings gab es' auch 
,, Lehrer des Volkes'*, die angewiesen auf die Gaben des 
Volkes und aus Rücksicht auf einzelne Persönlichkeiten 
nichts zu sagen wagten.* 

Das abweisende Urteil über die Schauspiele ist gleich 
geblieben.^ Die Klagen über die schwer im Zaume zu 
haltende Volksleidenschaft verstummen auch in nacli- 
konstantinischer Zeit nicht. ^ Diese Verwerfung des Theaters 
fand ihren konkreten Ausdruck in dem Ausschluss der 
Schauspieler aus der Kirche, wie sie mehrfach verhängt 

' Nov. de spect 1 : (iiiaiiivis ego certus sim vos non minus esse 
in vitae acta graves, quam in sacramento üdeles, tarnen, quoniam 
non (lesinunt vitiornni assertores blandi et indulgentes patroni, qui 
praestant vitiis anctoritatem, et quod est deterius, censuram scrip- 
turarum caelestiam in advocationera criminum convertunt, quasi 
sine culpa iunoceus spectacalorum ad remissionem animi repetatur 
vohiptas . . . ])lacuit paucis vos non nunc instruere, sed instruetos 
admonere, ne, quia'^ male sunt vincta vulnera sanitatis obductae, 
perrumpant cicaiiicem (1. c. III, 8, 11). 
* Commod. instr. IJ, 16: 
Si (piidam doctores, dum exspectant mnnera vestra 
Aut tinient porscmas, laxantes singula vobis 
Et ego non doceo, sed cogor dicere verum. 
Cum caterva MuM pergis ad spectacula vana 
rbi a Satana fragoribus pompa (pa)ratur 
Licere persuades tibi, quodcunque placebit (79). 
3 Lact. div. inst. VI, 20 (I, 560, :3); epit. div. instr. 58, 
(I 772. 14"^. 

*'(7rrSalv. de gub. dei VI, 18 (Migne, S. L. LIH, col. 128). 



— 283 — 

und bestimmt worden.^ Wiederholt mahnen auch die Con- 
eilien Kleriker und J^aien, sieh von den Schauspielen fern- 
zuhalten.*^ 

Eines der wichtigsten Vergnügen war für den Römer 
und Griechen das Bad.^ In den besseren Zeiten war sein 
alleiniger Zweck gewesen, den von der Tagesarbeit müden 
Körper zu erfrischen und zu kräftigen. Ein kleines Bade- 
gemach war in die Anlage des römischen Hauses mittiuf- 
genommen. Aber iils nach den imnischen Kriegen der 
Lebensgenuss ein immer grösserer ward, gestaltete sich 
auch tlas Badewesen um. Die häuslichen Bäder wurden 
mit dem wachsenden Komfort glänzendem und })runkvoller. 
Für die armen Stimde aber, deren Wohnräume mit dem 
Wachstum der Grossstadt immer l)escliränkter wurden, ja 
auch zum Teil für die Kelcheren err»lfneten khige l-nt(»r- 
nehmer (öffentliche Bäder. Die Kosten betrugen ein (iua- 
drans, den vierten Teil einer Ass. Die geringe II()he des 
Preises lockte die Besucher, die sich des Tages öft(»rnnialen, 
zuweilen sie]>enmal badeten. Die Zalil dieser Badestuben 
und Badeanstalten wuchs in der Kaiserzeit uniiremein rasch : 
Agrippa baute in llom als Adil unter Angustus allein 170. 
Diese warmen Bäder hiessen balnea ; aus ihnen entwickelten 
pich dann jene grossen glänzenden Bäder, di(^ Thermen, 

* Conc. V. Elvira can. Cy2 . si aiiriga aut pantomiinus crLMlere 
voluerint, placuit, ut prius artibus suis rcnuntieiit et tiinc (lt»muni 
susdpiantur, ita, iit ulterius ail ea iion revertaiitar ; qiii si facere 
contra iuterdicitum tentaveriut, proiciantur ab ecclesia. (1. 1S4). Mit 
deu 3 Klassen des spiictaculums (Amphitheater. Cirkiis und Theater) 
be-schäftiiTon sich cau. 3, can. 4, can. T) des Couc. von Arles. can. 3 : 
de his, qui anna proiciunt in i)ace, placuit abstiucri eos a comniunione. 
can. 4 : de agitatoribus. qui Hdeles sunt, ])lacuit eos, ([uauidiu agant, 
a coraraunione separari. can. ;'>: de theatricis, et ipsds (!) placuit, 
qnamdiu agunt, a communione sejiarari .1, 2i.H) f). cfr. test. doiu. 
n. Je.*<u Chr. II, 2 . . . seenicus, vel auriti^a, vel luctutor, vel pro- 
cedens ad agoneni, vel pugnator, vel luctae niajUfistor nun sunt 
adniittcndi (Kahniani 113. 

' (Jone. V. (.'arth. Ill: can. 11: ut filii ei)isc()poruni vel eleri- 
cornin spectaculii saecularia non exhibeant sed nee spectent: quando- 
qnldeni a spectaculn et onines lai<'i ])rohibeantur Jlarduin I, 1m;:>). 

' Cfr. Becker, 1. c. S. 7l^ ff. Vgl. den Artikel „r»äd«'r" \m Mau 
bei Pauly-Wis.sowa, Kealencyclopildie II, Sp. 2743. 



— 284 — 

zu deren Hestaiidt eilen notwendig ein Tepidarium, ein 
Raum mit erwärmter JAift, ein (.'aldarium, das warme 
Wasserbad, ein Frigidarium, der Schwimmteich mit 
kaltem Wasser gehörte. Dazu lamien An- und Aus- 
kleideräume, aber auch Sphäristerien für gymnastische 
Übungen und Spiele. Später trat der eigentliche Zweck 
dieser gi*ossen Bäder zurück vor dem andern, TrelT- und 
Vergnügungslükal zu sein, für die so vielfach müssigen 
Bewohner der (Jrossstädte. Dort waren Räume für gesellige 
Unterhaltungen, für angenehme Spaziergänge, für opulente 
Diners, für literarische Vorträge u. s. w. Bibliotheken, Ge- 
mäldegalerien, Kunstsammlungen, ja sogar Tempel standen 
den Besuchern offen. 

Keine anderen (ilf entlichen Gebäude zeigten solch 
riesige Verhältnisse, solch glänzende Pracht wie die grossen 
Thermen Roms. Die Säle und Hallen w^aren prachtvoll 
ausgestattet, die Beiden aus feinstem Mosaik, die Wölbungen 
von herrlichen Säulen getragen, die Wände mit kostbarem 
Marmor überkleidet. Die herrUchsten Thermen stammten 
von Nero, Titus, Trajan und namentlich von Caracalla und 
Diokletian. Die Bäder der Provinzstädte konnten natürlich 
diese Pracht nicht entfalten, wenn sie auch dieselbe nach- 
ahmten. 

Was den Christen an diesen Bädern anstössig sein 
musste, war namentlich die Unsittlichkeit, die sich zuweilen 
dort geltend machte. Männer und Frauen badeten viel- 
fach zusammen. Hadrian hatte gegen diese Unsitte ein Ver- 
bot erlassen, ebenso Marc Aurel und nachdem Elagabal 
sie wieder gestattet, von neuem Alexander Severus. Wenn 
diese Zustände auch nicht allgemein waren, so liegt doch 
in den trüben Sittenbildern, die uns Juvenal und Martial, 
Clemens von Alexandrien und Cyprian vom Badeleben 
zeichnen, jedenfalls viel A\^ahres. Clemens von Alexandrien 
klagt ü!)er den Luxus der Badegeräte, welche die Bade- 
besucher sich prunkend vorantragen lassen, über die Sitte, 
in den Baderäumen zu essen und zu trinken, so dass man 
betrunken ist, wenn maTi ins Bad steigt, und namentlich 
über die Unkeuschheit der Frauen, die gemeinschaftlich 



— 285 — 

mit fremden Männern zusammen baden, oder wenn sie 
sieh auch vor Fremden abschliesvsen, doch wenigstens vor 
ihren eigenen Dienern im Bade sich entkleiden, ganz ver- 
gessend, dass jede Frau mit dem Kleide auch die Scham 
abstreift.^ Er kennt vier Ursachen, derenthalben das }5ad 
betreten wird : die Reinlichkeit, die Wärme, die Gesundheit 
und das VergQÜgen. Der Christ soll um des letzteren 
(irundes willen nicht baden. Auch um der Erwärmung 
willen zu baden ist überflüssig, denn es gibt auch andere 
Mittel, dem erstarrten Köriier wieder Wanne einzuHössen; 
die Frau soll l)aden um der Reinlichkeit und der Gesundheit 
willen, der Mann um der Gi^sundheit willen allein. Auch 
f^oll man nicht immer baden, nicht, wenn man vollständig 
nüchtern ist oder wenn man kurz vorher gegessen hat und 
überhaupt Alter, Konstitution und Jahreszeit berücksichtigen. 
El)enso soll das Bad nicht von zu langer Dauer sein, nicht 
öfters an einem Tage genommen werden.' Dringend warnt 
er vor der Unsitte des gemeinschaftlichen Badens lieider 
( ieschlechter und rät den Männern selbst mit keuschem 
Beispiele voranzugehen. Zuhause muss man schamhaft 
sein vor den Eltern und Dienern ; auf d(?r Strasse vc^r den 
Begegnenden ; im Bade vor den Frauen ; in der Einsamkeit 
vor sich selbst, allüberall aber vor dem I^)gos, der übemll 
ist und ohne den nichts gemacht ist.^ 

Übrigens zieht Clemens, wie es in (4rieehenland ja 
ül)erhaupt der Fall war, das Gynmasium dem Bade vor, 
das er für den Jüngling genügend hält, selbst wi.'un ein 
Bad vorhanden ist.^ 

» dein. Alex. paed. IIl, T) (1. c. col. (JÜO). Der Satz: '// tU 
itTtuiS'vifuuti'ui uuu ro) -/iru^ri ycui Ti;i' <«f)Vf) geht auf «las Wort 
Horudot» zurllck, das dieser den (\vges zum König Kandaules sprwhen 
läs.st : ("etiti r)V xt'hnyt ovi'iyiMiTui ic((i ri^r i'.it\ft\ yvi'ii\ (Hemd. I, ^) ; 
ot'r. Anrel. Vict. Caes. 21. (Ich verdank«* diese heiden Paralhden 
r. Weyman . Auffallen«! ähnlich C'ypr. de hab. virir. H^ : siniul cum 
amictu vestis honor corixMis ac pudor jxmitur il, 2oi, lO) ; di«* Henidot- 
stelle gefifcn Plato verwertet lj«*i Theodoret Urat^c. atYect. curat, cp. i* 
(Migne, S. G. LXXXIII, c«d. lois, :>. Z. v. u). 

* ('lern. Alex. paed. 111, 9 1. c. col «JIT). 

' ('lern. Alex. paed. 111, fi 1. c. col. mX.A). 

* dorn. Alex. paed. III, 10 1. c. cd. (;i>u ;i. /. v. unten. 



— 286 — 

Natürlich nahmen auch die Christen die öffentlichen 
Badeanstalten in Anspruch. Denn in späterer Zeit hatten 
nur die reichsten Leute ihre Thermen im eigenen Hause 
und auch diese zogen oftmals die öffentlichen Badeanstalten 
mit ihrem Komfort dem Hausbade vor. So besuchte auch, 
wie Irenaeus erzählt, der Apostel Johannes die öffentliche 
Badestube in Ephesus. Als er freilich den Cerinth darin 
erblickte, eilte er schleunigst davon mit den Worten: 
Lasst uns fliehen, das Bad möchte einstürzen, da Cerinth, 
der Feind der Wahrheit, sich darin aufhält.* Die Regi- 
strierung dieser öage von Seite der christlichen Schrift- 
steller beweist jedenfalls, dass das Wort Tertullians wahr 
ist, wonach die Christen mit den Heiden die gemeinsamen 
Bäder teilen:^ Und zuweilen wohl auch — deren Laster. 
Wenigstens spricht Cyprian von Jungfrauen, welche ge- 
meinschaftliche Bäder aufsuchen und dort entkleidet Männer 
ansehen und von ihnen angesehen werden. Diese ent- 
schuldigen sich zwar: Es kommt ja darauf an, in welcher 
Absicht man ins Bad komme ; ihnen sei es nur darum 
zu thun, den Leib zu erfrischen und zu baden. Aber der 
Bischof erinnert sie daran, dass selbst diese Absicht voraus- 
gesetzt, sie doch noch sündigen durch das Ärgernis, das 
sie andern geben. ,, Selbst wenn du dein eigenes Auge 
nicht befleckest durch die unreine Lust, aber indem du 
anderen Anlass bietest zu solcher Lust, wirst du selbst 
befleckt.*' "^ Und so mahnt er sie, die Bäder nur in Be- 
gleitung von Frauen zu besuchen.* Er ahnte die ent- 
nervende Kraft dieser Sinnlichkeit, die dann in ernster 
Stunde auch vor der Glaubensläugnung nicht zurück- 
schreckte und auch nach dem Falle sich nicht zu echter 



» Tren.adv. haer. 111,3,4(11, 13); cfr. Eus. hist. eccl.IV,21,ü (271). 

* Tert. apol. 42 : itaque non sine balneis vestris cohabitamn» 
in hoc saeculo (T, 273); im Briefe der Christen von Lyon und Vienne 
beklagen sich die Christen, dass man sie in den Bädern nicht dulden 
will : Eus. hist. eccl. V, 2, 5 (330) ; Commodian macht den Frauen, 
den Vorwurf, dass sie sich in der Kirche wie im Bade benehmen :- 
Comm. instr. II, 35, 11 (107). 

* CVpr. de hab. virg. U) (I, 200, 23). 

* Cypr. de hab. virg. 21 (I, i02, 4). 



— 287 — 

Reue zu erheben vermochte.^ Derartige Mahnungen waren 
auch in späterer Zeit noch notwendig. Noch die aposto- 
lischen Konstitutionen beschäftigten sich angelegentlich 
mit dem Verhalten beim Bade.^ 

Besonders Erwähnung verdient auch die Stellung der 
Christen zu dem Würfelspiel. An und für sich liatte 
dieses Spiel nichts Verwerfliches. Es war ein harmloses 
Vergnügen der stillen Pläuslichkeit. Aber alsbald drang 
es hinaus in die öffentlichen Lokale und gewann damit 
den Charakter des verderblichen Hazardsideles. Es ward 
freilich oftmals verboten,^ a])er die geheimen Spielhöllen 
Roms und Alexandriens blieben der antiken Polizei ebenso 
unbekannt \ne der heutigen die in J^erlin und Paris, uni- 
somehr da Claudius, Nero, Domitian, Coniinodus selbst 
mit Leidenschaft diesem Spiele huldigten.'^ Es war haupt- 
sächlich die wilde Leidenschaft, die im Spiele meist erwacht, 
welclie die Christen sich zurückhalten hi(?ss von diesem 
Spiele. So verbietet Clemens von Alexaiidrien das Spiel 
mit dem vierseitigen und mit dem sechsseitigen Würfel, 
mit seiner Gewinnsucht, diese Erfindung der weichlichen 
Müssiggängerei.'* Tertullian nennt die Würfels] )ieler in 
einem Atemzuge mit den Badedieben und den Kupplern.^ 
Apollonius höhnt über Montanus und seine (Jenossen, die 
Propheten sein wollen und dabei ihre Hiuu-e färben inid 

* Cfr. de laps. MO: lamentari eiim imtamus ex toto corde, (lui 
ex primo crimiuis die lavacrn (iiiotidie celebrat (I, 259, 4) cfr. de 
laps. 4 (I, 254, lü). 

*) Apust. const. I, 6; I, 9; cfr. Conc. von Laodicca, caii. .MO: 
„Kein höherer und niederer Kleriker, ülxThaupt k(}in Christ, auch 
kein Laie darf sich mit Weibspersonen in ein und demselben Bade 
baden. Das ist der grösste Vorwurf bei den Heiden*'. (Hefele, I, Ttl.s . 

^) Die staatlichen Verbote bei: iSchöuliardt : Alea. L'bcir die 
Bestrafung des (xlücksspiels im altern röm. Recht. IStutt^art 1S85; 
cfr. Anonymus adv. aleat G, 7 : alea est, quam lex «»dir. (Mioclonski «sr/ 

"•) Suet. riaud. .-KJ : solitus etiam in jL^estaticme ludere; Siu«!. 
Nero .*MJ: qnadrin^^enis in punctum se.^tertiis aleam lusit ; Suet. Dom. Jl . 

* Gem. Alex. paed. III, 11 (1. c c.l. (i;):J, 15). 
« Tert. de iu^a i:3 (I, 490). 



— 288 — 

Jirett und Würfelspiel treiben, mit dem Beifügen, dass er 
dafür den Wahrheitsbeweis erbringen könne. ^ 

Dass freilich auch manche Christen — und nicht nur 
Gnostikcr^ — dieser Leidenschaft huldigten, sagt schon 
Clemens in der obigen Stelle; noch mehr aber beweist 
dies eine uns erhaltene Homihe adversus aleatores. Der 
^''erf asser,' nach dem autoritativen Eingang zu schliessen 
und nach der fast novatianischen Strenge, die zuweilen in 
Bezug auf das Busswesen in dem Traktate durchbricht, 
vielleicht mit jenem Marcellus (Papst 308 — 309) zu in- 
dentifizieren, der gegen einen weitgehenden Laxismus in 
der römischen Kirche zu kämpfen hatte, ^ zeichnet in 
lebendigen Farben das Spielwesen, wie es in jener Zeit 
des Niedergangs der Grossstadt sich breit machte imd auch 
die Christen zu erfassen drohte. Die Hand wenigstens, 
welche bereits von menschlichem Unrecht entsühnt und 
zum Opfer des Herrn zugelassen ist, die von Gottes Gnade 
alles empfangen, was zum Heil des ganzen Menschen ge- 
hört, die Hand, die zum Preise des Herrn im Gotteshause 
sich hebt und das schützende Kreuzeszeichen auf die Stime 
drückt und die hl. Handlungen vollzieht, — diese Hand 
wenigstens soll nimmer von den Satansschiingen, von denen 
sie befreit worden, umstrickt werden, von dem Würfelspiel 
(cap. 5, 5). 

Dort am Spieltisch findet man den feilen Meineid 
(cap. 6, 2 ; 9, 1); dort wird die Freundschaft zur rasenden 
Feindschaft, die vor Thätlichkeiten nicht zurückbebt (cap. 6,2; 
9, 1); dort ist der Sitz der rücksichtslosen Gewinnsucht 
(cap. 6, 2); dort wird das, was Eltern und Grosseltem im 
harten Schweissi' ihres Angesichts mühsam errungen, in träger 
G(5wissenslosigkeit vergeudet (cap. 6, 3 ; 4, 6). Und wie 
diese schuldige Hand fiebert und nicht zur Ruhe kommen 
kann, die Tag und Nacht die Würfel in den Händen hält 



' Apoll, bei Eus. liist. eccl. V, 21, 11 (394). 

^ Tert. de carn. Christ. 7 : oro te, Apelle, vel tu Marcion, si forte 
tabula luclens vel de histrionibus aut aurigis contendens tali nuntio 
avocareris, noiine dixisses : (juae mihi mater, aut qui fratres (II, 440). 

« Duohesne, L. P. I, lOü. 



(eap. 6, 5)! Und gerade diese Spieler sind es auch, die 
mit feilen Dirnen nächtliche Orgien feiern bei geschlossenen 
Thüren {cap. 6, 10). Und zu all dem kommt noch der 
Götzendienst. Der Hpieler muss, bevor er die Hand aus- 
streckt nach dem Spielbrett, dem Meister Palamedes das 
Opfer bringen (cap. 7, 5). Und wenn auch schliesslich der 
Christ nicht mit den andern das Opfer bringt — so klingt ihm 
immerhin das Wort Isaias' entgegen : Zieh aus von dannen, 
mein Volk, damit du nicht Anteil habest an ihren Sünden 
(cap. 8. 3). Der Christ, der sich den Würielspielem zu- 
gesellt, vergisst seine Würde als Tempel des heiligen Geistes 
und wird ein Feind seiner eigenen Erbschaft {cap. 10, 6). 
Für den Reichtum, der im Spiel nutzlos vergeudet wird, 
bietet sich fürwahr andere Verwertung : die Unterstützung 
der Aimen, die Unterstützung der Kirche und das Gebet 
(cap. 11). Von den tiefen Wurzeln, die diese r^eidenschaft ge- 
fasat, zeugt der Umstand, dass sich auch das Konzil von Elvira 
mit dieser Frage zu beschäftigen gezwungen sieht. Es 
verbietet nicht etwa das harmlose Spiel, aber der Professions- 
spieler, der um schnödes Geld demselben huldigt, soll der 
Kommunion fern bleiben; hat er sich jedoch gebessert, 
6oll ihm dieselbe nach einem Jahre wiederum gewährt 
werden.' Dieses Verbot brachte freilich auch kein voU- 
Btändiges Aufhören des Spieles. Ambrosius weiss sogar 
von vollständig organisierten Spielhöllen zu erzählen, die 
«ich sogar eigene Gesetze geschaffen.* Die Kirche sah sich 
noch mehrmals veranlasst, Priestern und Laien das Würfel- 
spiel zu untersagen, wie die apostolischen Kanones bezeugen,* 
und auch Justlnians Gesetzgebung berührt das Hazardspiel. 
Nicht nur, dass sie dasselbe sowohl in öffentlichen Lokalen, 



' Can. 79: si qois fideliü nleam, id etit tabulam luserit nauirais, 
lilaciiit euin abstmeit; et ai emendatas uessaverit, post annam pntcrit 
comninniuiii recondtiari (I, 191). 

' Ärabros. de Tob. 11,38. (Schenkl 11. 539.) 

' Can. ap. 42 : iniaxoitoi ^ npeojSunpo,- ^ iiäxuros xi'^oi« 
tifohi^v xai ud^oig q Tfai'aiia^o n xiiä-aipci<i9io : can. 43: ttnu- 
inoxot^; ij j)/iiiTiji ^ äyayriaariit ra Sftom noimv ^ Tiavaäe^m j] 
äqiofft^aSio, öraiivToK xac ol iatxoi. (I, 814.) 

BlgBlnii.tr, BHtflUiguug d. Cbrlat. biu Offnutl. Lnbou. 19 



^ 290 — 

als auch in Privathäusern verbietet, verlangt sie sogar, das» 
der Spielverlust dem Verlierenden wieder zurückerstattet 
werden müsse. ^ Das bedeutete, wenn auch nicht die Aus- 
rottung, so doch eine bedeutende Einschränkung dieser 
Leidenschaft . . . 

Geteilter Anschauung der Christen begegnen die Feiern 
der heidnischen Volksfeste, welche dem römischen Volksleben 
ein so eigentümÜches Gepräge gaben, der Januarkaienden, 
der Gabentage, der Matronalien an den Märzkaienden, der 
Floralien und Saturnalien. Diese Volksfeste waren ursprüng- 
lich fast durchweg ernster Götterverehrung geweiht gewesen ; 
aber mit der Zeit war diese die Maske geworden, unter 
der sich fröhlicher, überschäumender Lebensgenuss barg, 
der allerdings oftmals zur wüstesten Ausschweifung ward. 

Und diese Ausschweifungen waren es auch, die den 
ersten Christen mit ihrem sehnsuchtsvollen AusbHck auf 
das Jenseits und ihren reinen Idealen in der Brust die 
Verachtung dieser Volksfeste einflössen musste, die ihnen 
mehr als einmal zum Vorwurf gemacht wird.^ Aber nicht 
alle vermochten zu widerstehen. Man erinnert sich an 
das Wort des Apostels : sich zu freuen mit den Fröhlichen 
und zu trauern mit den Trauernden.^ Man findet, dass 
auch die Christen den Gabentag feiern müssen, denn auch 
sie erhalten ja ihr Geld an diesem Tage zurück und be- 
zahlen ihre Schuld; man glaubt den christlichen Namen 
selbst durch eine solche Zurückhaltung zu schädigen ; denn 
gerade das Fernbleiben von den Festen verletzt die Heiden 
und veranlasst sie zur Lästerung. Suchte ja auch der 
Apostel allen alles zu werden, um alle zu gewinnen.'^ 
Tertiülian tritt der Frage näher in seiner Schrift vom 
Götzendienst, die möglicherweise durch zahlreiche Beteiligung 



' Cod. Just Iir, 43, 1 : commodis subiectorum providere cupientes 
Iiac generali lege decernimus, ut nulli liceat in privatis seu pnblici» 
Jocis ludere neque in specie neque in genere; et si contra factum 
fuerit, nulla sequatur condemnatio, sed solutum reddatur. 

2 Arist. or. 46. cfr. Orig. c. Geis. VIII, 21 (II, 238, 21). 

8 Tert. de idol. 13 (R. I, 44, 15). 

* Tert. de idol. 13 ; 14 (R. 1, 44, 25). 



— 291 — 

der (JhriHten an heidnischen Vülkefesten veriinlasst ist.^ 
Er erklärte solche Teilnahme aus dem Hang zum Ver- 
gnügen und der Furchtaamkeit der Christen, Dae Wort 
des Apostels, sich zu freuen mit den Fröhlichen,* hat hier 
wahrhaft keine Beziehung. Da gilt im Gegenteil das 
andere Wort ; die Welt wird sich freuen, ihr aher werdet 
trauern.^ Wer mit der Welt eich freut, wird dereinst 
auch mit der Welt zu trauern haben. Idolatrie ist's, 
wenn man glaubt, eine Schuld gerade nur an einem be- 
stimmten Tage, dem Gahenfeste, ziu'ückzii verlangen, oder 
henahlen sm dürfen. Der Christ mag sich eine ihm be- 
liebige Verkehrsform wählen. Wenn dabei auch sein 
Christentum zu Tt^e tritt, was liegt daran? Wer eich 
meiner vor den Menschen schämt, dessen werde auch ich 
mich schämen vor meinem Vater, der im Himmel ist.* 
Die Lästerung, die dem christlichen Namen ob des Fem- 
bleibens seiner Anhänger von den Volksfesten zugefügt wird, 
ist fürwahr nicht die schlimmste; schlimmer ists', wenn 
Betrug oder Unrecht oder sonst ein gerechter Grund zur 
Klage dem Heiden solche über die Lippen bringt. Oder 
hat vielleicht daa Wort des Apostels : ich suche allen zu 
gefallen,^ hier Geltung? Sagt nicht derselbe Apostel: Ich 
wäre kein Diener Christi, wenn ich allen gefallen wollte ?* 
Hat er etwa den Menschen zu geiallen gesucht durch die 
Feier der Januarkaienden und der Saturiiaüen? Oder durch 
Ctedutd und Bescheidenheit? Für den Christen besteht 
keine Geineinschaft mit den Heiden in solcherlei Dingen ; 
freilich noch schlimmer ist's, wenn die Brüder sogar unter 
sich diese Feste feiern! Die jüdischen Sabathe und Feste 
und Cammonien hat Gott abgeschafft und sie sind deshalb 
den Christen fremd geworden, — jetzt feiern sie die Satur- 
nalien und Januarien und Bnmien imd Matronalien, kommen 
zum Gabenfeste und den Neujalirsgeschenken, spielen mit 
bei diesen Spielen, lärmen mit bei diesen Cietogen (cap. 14)! 



■ So NOIdechen, Tertullian, Gotha 1890 S. 105. 

' Röra. 12. 15. " Job, 16,20. • Matth. 10, 32; Lnt. 9, 26. 

• 1. Cor. 10, 3a. • üftl. 1, 10. 



— 292 — 

Solch tertullianische Anschauungen waren aber nicht 
m allen christUchen Kreisen herrschend. Davon spricht 
Tertullian selbst deutlich genug. Der heidnische Charakter 
dieser Feste trat eben nicht mehr so hervor und wenn die 
Christen, wie Tertullian selbst zugesteht, diese Feste auch 
innerhalb ihrer eigenen Kreise feierten, wird wohl An- 
stössiges femgehalten worden sein. Zuweilen mussten wohl 
auch die Christen, wie sie selbst ihrem Presbyter in Kar- 
thago einwenden, um Lästerungen zu vermeiden, mit den 
Verhältnissen rechnen, was freihch Tertullian, der nie mit 
der praktischen Wirklichkeit sich abzufinden weiss, nicht 
thut. Wenn der Satmualientag die Läden und Geschäfte 
schloss, konnte sich der Christ dieser Notwendigkeit kaum 
entziehen; wenn die Sklaven an diesem Feste in der 
Kleidung der Herren, der Toga und dem Pileus, im dichten 
Gedränge durch die Strassen der Stadt wogten, fanden 
wohl auch die christlichen Mitsklaven sich unter ihnen 
ein in der Feier der Erinnerung an die Zeit, wo es noch 
keinen Unterschied gegeben zwischen Herr und Sklave. 
Auch die Christen werden diese Tage der Erholung, wenn 
auch nicht in jener ausgelassenen Art und Weise, begrüsst 
und genossen haben, denn die christlichen Feste, die Ter- 
tullian^ und Origenes^ den heidnischen Festen entgegen- 
halten, mussten sich innerhalb einer heidnischen Gesellschaft 
vorläufig meist auf die kirchliche Feier beschränken. 

Auch seine Abweisung der Kaiserfeste wird nicht all- 
wegs den Beifall seiner Mitbrüder gefunden haben. Tertullian 
lehnt es ab, an solchen Tagen die Fenster zu beleuchten 
und die Thüren mit Lorbeer zu schmücken.^ Aber es ist 
wohl sehr begreiflich, wenn er sagt, dass es die Christen 
an solchen Tagen bald in Häuserillumination und -schmuck 
den Heiden zuvorthun.* Der Gedanke, auf solche Weise 



' Tert. de idol. 14 (R. I, 47, 3). 

« Orig. c. Geis. VIII, 22; 23 (II, 239, 11). 

» Tert. apol. 35 (I, 241 ; 242). 

* Tert. de idol. 15 : sed luceant, inquit, opera vestra. at nunc 
lucent tabernae et ianuae nostrae. plures iam invenias ethnicorum 
fores sine lucernis et laureis quam Christianorum (R. I, 47, 11). 



den 80 oft erhobenen Vorwurf der Vaterlandslosigkeit und 
des mangelnden Patriotismus zu entkräften, lag zu nahe. 
Hiesa es ja doch in der Schrift : Gebet dem Kaiser, was 
des Kaisers iat!^ Wenn TertuUian dem ent^genhiiJt, dass 
mit der Aufstellung eines Lorbeerbaumes vor der Thüre 
der Thürgüttheit Götterdienst erwiesen wird,' so mag dieser 
rtchlnss doch vielfach nur zweifelndes Kopfschütteln ge- 
funden haben, 

Freihch trübe Zeiten schufen auch andere Stimmung. 
Aber die Liebe zu den alten Volksfesten bÜeb doch im 
Herzen des römischen Volkes bestehen. Lactanz spricht 
sich über die Volksfeste ebenso ungünstig aus,' wie dereinst 
TertuUian. Zur Stunde, da er dies schreibt, gehen dieselben 
schon einer Umbildung entgegen, fehlen Ja bei der dritten 
Decen alienfei er Constantins des Grossen schon die feier- 
heben Auspikationen und Opfer,* die bisher das reügiöse 
Moment bei derlei Festlichkeiten immer noch behütet hatten. 
Aber nicht ihrem Untergang I Noch leben sogar die Namen 
fort. Und als auch sie verschwunden, erstehen christliche 
Feste an ihrer statt, aber in deren Gestalt und Feierart 
gemahnt noch manches an die vergangene, versunkene 
^H£eit . . . ! 

^^^V^ Gewerbe und Handel hegen in der Entwicklung der 
^^^^Etiltur der Völker. Zu der Zeit, da das Christentum in 
^^^HBe Welt trat, standen beide auf ungeahnter Höhe und 
^^^Htie Erzeugnisse umkleideten Aas ganze Leben mit einer 

^ ■ Hatth. 22, 21. 

^^V- * Tert. de iilul. 15: si anteni sint, qni in ostÜB adorentor, od 

^»8 et luc«niae et lall^ea«^ pertinebnnt; idola feceris, qaicqvid ustio 

*e«ris iE, I, -W, 18). 

" Lftct luv. inst. I, 20 (I, 72, 21). 
' Ena. de land. Const. 2. (Migne, 8. G. XX, eol. 1325, 4 v. n.) 



4. Kapitel. 

Di« Christen und die irdische Arbeit. 
Gewerbe. Handel. Knnst. 




— 294 — 

flutenden Fülle von Glanz und Pracht. Aber in schroffem 
Gegensatz zu der Wertschätzung, welche die Kulturprodukte 
genossen, stand die Verachtung der Arbeit, die sie ge- 
schaffen. Durch das Leben fast aller antiken Völker geht 
ein Zug der Geringschätzung der Arbeit, namentlich der 
Handarbeit. Der freie ungebundene Sinn des Mannes 
wälzte sie dem schwachen Geschlechte auf die Schultern, 
und wo das Verhältnis von Freien und Sklaven sich ge- 
bildet, ward die Handarbeit Sache des Sklaven und damit 
Zeichen des Sklaven. Am stärksten war diese Abneigung 
wohl beim griechischen Volke entwickelt. Der Römer be- 
wahrte sich wenigstens eines: die Liebe zum Ackerbau, 
den seine Ahnen gepflegt, von dessen Betrieb dereinst 
Cincinnatus hin weggerufen worden zmn Schutze der Vater- 
stadt.^ Aber von Anfang an konnte in Rom nur der 
Anspruch auf Achtung machen, der ein Grundstück sein 
Eigentum nannte, das er bebaute; die Handwerker und 
Krämer besassen kein Grundeigentum, zahlten auch keine 
Grundsteuer und brauchten auch keine Kriegsdienste zu 
leisten.^ Dadurch waren sie aber in der politischen Stellung, 
die Servius Tullius gegeben, selbst hinter die Proletarier 
zurückgetreten, die wenigstens noch mit einer Centurie im 
Heer und in der Volksversammlung vertreten waren. So war 
se in Rom und ähnlich in den meisten andern Städten. 
Überall waren aus der. Masse der Plebs die possessores 
ausgehoben, während die Handwerker eine eigene Klasse 
bildeten, die in der Volksversammlung zwar als Zuhörer 
erschienen, aber nicht stimmfähige Bürger waren. Dies 
Verhältnis trug nicht wenig dazu bei, die Verachtung des 
Handwerkerstandes zu vermehren. Zudem trat dieses freie 
Handwerk in späterer Zeit noch mehr zm-ück durch die 
Überhandnähme der Sklaverei. Die Reichen besassen unter 
den vielen Sklaven, die sie ihr Eigentum nannten, immer 
auch solche, die ihre Bedürfnis- und Luxusgegenstände 



^ Cfr. Cic. de off. I, 42 : omnium autem rerum, ex quibus aliquid 
acquiritur, nihil est agricultura melius, nihil uberius, nihil dolcius, 
nihil libero dignius. 

* Marquardt, 1. c. ü, 235 ff. 



295 



verstanden und so waren die Handwerker in 
" späterer Zeit in überwiegender Anzahl Sklaven, während 
die freien Handwerker immer mehr auf die Kundschaft 
der ärmeren Leute sich angewiesen sahen und damit in 
Not und Armut und Verachtung sanken,' Die Anscbauungen 
jener Zeit gibt am Ijeeten Cicero wieder, der alle Gewerbe 
der um Lohn Arbeitenden, bei denen man die Arbeit und 
nicht die Kunst l>ezahle, für unanständig und schmutzig 
erklärt; keine Handwerkastätte könnte etwas einem freien 
Manne Entsprechendes haben; jeder Kleinhandel sei zu 
den schmutzigen Erwerbsarten zu i-echnen ; nur Architektur, 
Medicin, Grosshandel und Lehramt sind für bessere Klassen 
anständige Beschäftigung.' Die Malerei und Plastik hat 
demnach schon nicht mehr das Anspruchsrecht, ein an- 
«tändigea Gewerbe zu sein. Lucian meint auch einmal, 
Phidias und Poh-klet hätten allerdings viele herrliche Werke 
geschaffen ; aber keiner von den Bewunderern dieser Kunst 
werde, wenn er bei Verstand sei, wünschen, den Schöpfern 
ähnlich zu sein; sie seien eben auch Handwerker gewesen, 
die von ihrer Hände Arbeit sieh ihr Brot verdient.' Be- 
wunderung der Kunst war eben nicht Bewunderung des 
Künstlers. Ein Seitenstück dazu bietet ja auch die Stellung 
der Schauspieler, die von allen umschwärmt und umjubelt, 
dennoch von den bürgerlichen Ehrenrechten auegeschlossen 
_und so zur Infamie verurteilt waren, und deren Verdienst 
wie Tertullian sagt, der Grund ihrer Verachtung ist.* 
eee Geringschätzung der Gewerbe bildete auch einen 




, ß>!y<. 



' Vgl. dazu Seek, l. c. S. 308 ff. 

' Cio. de oH. I, 42. 

' Luc. Ticffi Tov ivvniiiiiv 9 ; om« yi 
fitpu'i'if xiti itntixEnioßiiuToi ya/iial^^or;. 

' Tert. de spect. 29^ et enim ipsi auctorea et »dminiatratoreH 
cpectBCulomta quadrigArios, scaenicoa, lyatlcoa, orenarios ilius riiihd- 
Vissimas, qnibiu viri animas, femiiuie autem illia coriiora aae, anli- 
^Umunt. propter (|n<M ae in ea cummittnnt, qnae reprehendnnt, es 
^»ilem arte, qua WBgnifBciiint, depdnant et deminnunt, tmmo mani- 
«eale damiiant ignuininia et capitia minntiune, arcentes curia, rostris, 
^enatu, equite ceterieque honoribna omiübus eimul t 
«aiÜbMdam ete. (B. I, 2ä, 22). 




— 296 — 

Grund für die Vermehrung des brotiosen und arbeitscheuen 
Proletariats in Rom. 

Das Christentum knüpfte das Heil an keinen bestimmten 
Beruf, jeder sollte in dem Berufe bleiben, in dem er berufen 
ward. ^ Man sagt gar manchmal , dass die Lehre Christi so wenig 
Anknüpfungspunkte an die irdische Kulturarbeit besitze und 
demnach kulturellen Fortschritt, kulturelles Streben zu lähmen 
geeignet sei'; aber man vergisst, dass die Kulturarbeit allein 
selbst in ihrer höchsten Steigerung weder den Einzelnen, 
noch die Völker dauernd zu beglücken und zu beseeligen 
vermag, sondern dass dieses immer nur die ewigen Fragen 
zu thun imstande sind. Darum galt die Aufgabe des 
Heilandes der Menschen zunächst überhaupt nicht ihrer 
Thätigkeit für die Erde, sondern für das Himmelreich. 
Allein es liegt klar auf der Hand : solang das Christentum 
noch auf dem Boden der Erde steht, die Gewinnimg dieser 
Erde sein Beruf und seine Pflicht ist, wird es auch stets 
mit der Arbeit der Erde sich beschäftigen, nach Umständen 
dieselbe umgestalten und veredeln müssen. Wie rasch 
haben sich unter dem Einfluss des Christentums die An- 
schauungen über die Handarbeit geändert!^ Die Ver- 
achtung derselben musste schwinden bei einer Religion, 
deren Stifter der Pflegesohn eines Zimmermanns gewesen, 
dessen Jünger dem See im Judenlande mit harter Arbeit 
ihr Brot abgerungen, und dessen bedeutendster Apostel an 
seine Gemeinden schrieb: Wir haben nicht umsonst von 
jemand Brot gegessen, sondern mit Mühe und Beschwerde 
haben wir gearbeitet Tag und Nacht, um niemanden unter 
euch lästig zu fallen; nicht als ob wir dazu kein Recht 
gehabt hätten, sondern um uns selbst euch als ein Vorbild 
darzubieten, damit ihr uns nachahmt. Auch als wir bei 
euch waren, haben wir dies euch gesagt, dass, wer nicht 
arbeitet, auch nicht essen soll.' Und sein Gewerbe, wie 
das seiner Freunde, mit denen ihn innige Liebe verband. 



* l. Cor. 7, 20. 24. 

' Über „Handel und Gewerbe im christlichen Altertum" vgl. 
Funk, Gesammelte Abhandlungen etc. II, 60 ff. 
« 2. Thess. 3, 8 ff. 



— 297 



ivar das eines Zelt tuthm ach crs.^ Ausserdem waren die ersten 
Anhänger der neuen Religion vielfach gerade in den Kreisen 
der Arbeiter, der Sklaven und der Kleinhandwerker zu 
suchen. Es wurde der von heidnischer Seite gemachte Vor- 
wurf, dass die Christen sich nur zusammensetzen aus Woll- 
arheitern, Schustern, Walkern und ungeschliffenen Leuten, 
die in der Gegenwart ihres Herrn den Mund nicht auf- 
zumachen wagen,* kaum schmerzlich empfunden von Leuten, 
die auf die Handwerker und Ungelehrten in ihrer Schar 
stolz hinweisen,' wenn sie es auch ablehnen, dass nur 
solche Leute in ihren Reihen sich finden. Andrerseits 
haben sie eben deshalb das Recht, die Anklage, dass sie 
unfruchtbar in den Geschäften seien,* mit dem Hinweis 
auf ihre Mitarbeit in faat allen Gewerben* zu beantworten. 
Die Apologeten mahnen zur Ausübung eines Gewerbes* 
und Irenäus nennt eine stattHche Anzahl von Gewerben, 
die er als mühsam und tugendsam und von allen als gut- 
geheissen bezeichnet. Er wendet sich gegen die Gnostiker, 
die gesagt, sie müssten in allen Wirken und in jeder 
Lebensweise sich umthun und findet es sonderhar, daea 
sie nur auf Wollust und schändliche Dinge eich verl^en, 
aber keines von den tugend- und mühevollen, 
ehren- und kunstreichen, und von allen gut- 
geheissenen Geschäften betreiben. Sie_ müssten vorerst 
alle Kunst« erlernen, z. B. jede Art von Musik, Arithmetik, 
Geometrie, Astronomie und alle Arten von Rhetorik ; auch 



' Apg. 18, 3; 30, 34, ' Orig. c. Ceh. m. 55 (T, 250, 16), 

• JTi»t apol. II, 10: IwxiiaTii fifi- yiiti ui'ihif inüa^T, hni^ 
IDvleC tau äayfiaiiic (i!ioltyi\axiiV \Qiarin 'If iiv if-ÜMaaifoi aväi 
ift)iü)ioyot fiovov iTifiaft-ijOiiv. <ii/ri xiii ^Kft'iii'xi'"' xni notTiiiüf 
liiöiiai. xui (fu'si;!- x(d i'i^uv xiii Ititi'üi'iy Ä«r'i(r[)Dr»;<i(ifr(( (I', 328). 

* Min. Fei. (iictav. 5, 4 r stniJiomm rudes, lilterarum profanos, 
eipert«a artium, etiam sordidarum (7, 5); cfr. Tert. npol. 42: in- 
(ructuuai in negutiis dioimur (I, 273). 

' Tert. apol. 42 : mercatuH pruinde miscenrns, artes, openi noatra 
pnblicamus nsni vealru (I, 273). 

' Cfr. Clein. paed. H, 9 : iniiiyetioi' äi i/vniiog, fLiiluara ämif 
al fjfid^ai ififtirovof xai rw fiiv ifiXoi.oytjiioi', uf i!i lijt airoC 
ngffijf o«np«ioi', ycyiaÜ ai Ttiiamu! t^anUey (1. c. col. 496, 22), 




— 298 — 

die gesamte Medizin und Pflanzenkenntnis und die Wissen- 
schaften, wie sie zui- Pflege der Gesundheit der Menschen 
ausgebildet worden ; femer die Malerei, die Bildhauerkunst, 
die Bearbeitung des Erzes und des Marmors und ähnliche ; 
dann alle Arten von Landwirtschaft und Tierheilkunde 
und Viehzucht, und die Handwerke, die mit allen Künsten 
im Zusammenhange stehen, wie man sagt, und diejenigen, 
die es mit dem Meere zu thun haben, und den Körper 
angehen, auch die Jägerei, und die Kriegskünste, und die 
Hofdienste und wie sie alle heissen. Aber von all dem 
wollen diö Gnostiker nichts lernen . . . .^ 

Derartige Eröilerungen sind überhaupt nicht selten. 
Clemens von Alexandrien kommt mehrfach auf den Be- 
trieb der verschiedenen Handwerke zu sprechen und Lactanz 
betont den Gegensatz zwischen der Weltweisheit und der 
christHchen Weisheit. Letztere wende sich an alle Menschen, 
während erstere in ihren notwendigsten Wissenschaften, 
Grammatik, Rhetorik, Geometrie, Musik, Astrologie ver- 
schiedenen Menschen verschlossen bleiben müsse: so den 
Frauen, die in spätem Jahren sich um ihre Hausarbeit 
kümmern müssen, den Sklaven, den Armen, den Laiid- 
leuten, den Handwerkern, die durch Arbeit ihr täglich Brot 
zu verdienen sich gezwungen sehen ! ^ 

In schlimmer Lage scheint sich in jenen Tagen 
die Landwirtschaft befunden zu haben. Zwar sagt TertuUian, 
dass die Erde von Tag zu Tag kultivierter werde. Bereits 
ist alles mit Strassen durchzogen, alles bekannt, alles dem 
Handel eröffnet, die anmutigen Gründe lassen vergessen, 
dass dort einst berüchtigte Wüsten gewesen, an Stelle der 
Urwälder sind Felder getreten, die wilden Tiere räumten 



^ Iren. adv. haer. II. 49, 1 : adhuc etiam dicentes, oportere eos 
in omni opere et in omni conversatione fieri, ut, si fieri possit, in 
una vitae adventatione omnia perficientes ad perfectum trans- 
grediantur; eorum quidem quae sunt ad virtutem pertinentia 
et laboriosa et gloriosa et artif icialia, quae etiam 
ab Omnibus bona approbantur, nequaquam inveniuntur 
conati facere etc. (I, 372). 

2 Lact. div. inst. HI, 25 (I, 257, 2 ff.). 



i Platz vor den Hauetiereu, in den Siiiidbodeii wird der 
äame gesenkt, felsiger Grund wird bepflanzt, Sümpfe iiiis- 
getrocknet und bald gibt es mehr Städte, al? es früher 
Häuser gegeben. Inseln lassen nicht mehr beben, Klippen 
nicht mehr schrecken; — ■ überall Wohnungen, überall 
Menschen, üljerall Staaten, überall Leben I' Aber selbst 
wenn man diese begeisternden Äusserungen über die Er- 
folge der Bctdcnkultur uneingeschränkt gelten liesse, für 
den freien, kleinem Bauernstand, der stets auch für einen 
Industriestaat, wie es Rom damals übrigens nicht war, 
eine Notwendigkeit bilden wird, bedeuten sie nichts. Die 
kleinere Landwirtschaft wurde durch die Unternehmungen 
und Spekulationen der grossen Latifundienbesitzer, die mit 
ihren gi-ossen Mitteln und ihrer Unmenge Sklaven billiger 
arbeiten und biUiger liefern konnten, der Verarmung und 
dem Ruine entgegengefübrt Auf christliclier Seite hatte sieb 
der Ackerbau grosser Symiiatbien schon deshalb zu erfreuen, 
weil er als das Ursprüngliche, von Gott selbst Eingesetete 
erscheinen musste. Hat ja der Mensch die Erde zum Be- 
bauen überkommen.* Tertullian kommt mehrfach auf den 
Landbau zu sprechen, nicht ohne gelegentlich seine Vor- 
liebe für ihn durchblicken zu lassen.^ Die Handelsgeschäfte 
hatten Hermas in Sünde gestürzt ; still seinen Acker be- 
bauend, auf der via campaua*, findet er die ersehnte Ruhe 
des Herzens.^ 

Die Wertschätuung der Arbeit musste sich auch prak- 
tisch zeigen. Männer der Arbeit genossen Ansehen und 
Verehrung in der Kirche. Der Klerus selbst sab sich ohne- 

' Tert. de anim, 30 (E. I, 350, 1); c£r. Cypr. de hall. virg. 23: 
dnm adbur rudis muadaa et inanis est, copiam fecunditate gene- 
rantes propatfamur et crescimus nd huniani generis augmentnm ■' 
cum iam refertus est orbis et mundus inpletus, qui eapere inasimt, 
»padonum more riventea castrantur ad regnutu, (I, '203, 22). 

'Clem. Alex, protr. U (!. c- ool. 233, IB). 

' Tert. apol. 42; noa rnsticamnr vobiseum (I, 273); cfr. de pal!. 
4 (I, 939, 933). 

* Eiae Strasse in Rom, ilie parallel der ugtieQeisclien auf dem 
linken Tiberufer dahinlief. 

' Fast. Herrn, tib, IU, 1, 2; IV, I, l. 2. 



— 300 — 

hin meist genötigt, sein Brot durch Handarbeit zu ver- 
dienen. Erst in nachkonstantiniseher Zeit, als ausreichende 
Kirchenfonds sich bildeten, und die Aufgaben des Klerus 
mit der wachsenden Zahl der Gemeinden grösser wurden 
und die Seelsorge seine ganze Kraft in Anspruch nahm, 
musste die Erwerbsthätigkeit zurücktreten. Aber noch das 
4. Konzil von Karthago verlangt von den Klerikern geradezu, 
für ihren Unterhalt durch Betrieb eines Gewerbes oder des 
Ackerbaues Sorge zu tragen, unbeschadet natürlich ihrer 
Stellung und ihrer Pflichten.^ 

Aber noch in andrer Weise musste diese Wertschätzung 
praktische Folgen zeitigen, in der Fürsorge für das Hand- 
werk. Es lässt auf tiefes Verständnis sozialer Frage schfiessen, 
wenn bereits die doctrina apostolorum mahnt, Handwerkern 
bei ihrer Niederlassung auf alle Weise behilflich zu sein,^ 
oder Cyprian sich bemüht, dass dem Notstand der Mitbrüder 
nach Kräften abgeholfen werde und Handwerker eventuell 
Zuschüsse zur Ausübung ihres Handwerkes erhalten, wenn 
sie deren bedürfen.* 

Auffallend ist das rege Interesse, das man in christ- 
Üchen Kreisen der Arzneiwissenschaft entgegenbrachte.* 

Der Gottessohn war als Heiland der Seelen-, aber auch 
der Leibeskrankheiten durch die Erde geschritten und er 
hatte seinen Jüngern den Auftrag und die Macht gegeben. 
Kranke zu heilen. Und wenn auch das Charisma der 



* Can. 51 : clericus, quantumlibet verbo dei eruditus, artificio 
victum quaerat; can. 52: clericus victum et vestimentuin sibi arti- 
ficiolo vel agricultura absque officii sui detrimento, paret ; can 53 : 
omnes clerici, qui ad operandum validiores sunt, et artificiola et 
literas discant (Harduin, 1. c. I, 982) ; cfr. const. apost. 63. 

* Doctr. apost. XII, 3 : ei de S-ekei noog vfxäg xaS-ria&cti, Te^t/l- 
rrjg toy, iQya^ead-(o xal (payercj. et de ovx exei tix^r^t/^ xarce rrjy 
avueatif vfxcjy nQoyoi^aate y niog fxrj ccqyog fj,ed-' v^<av C^aercei 
XQiattavog. 

* Cypr. ep. 41,1 : ego vos pro me vicarios misi, ut expun- 
geretis necessitates fratrum nostrorum sumptibus istis, si qui vellent 
etiam suas artes exercere, ad di tarnen to, quantum satis esset, desi- 
deria eorum iuvaretis (^11, 587, 12). 

* Vgl. Hamack, Medizinisches aus der ältesten Kirchengeschichte 
in Text u. Unters. Vm*, 1892, S. 37 ff. 



301 



Heilungen' mit ihnen ausstarb, die Liebe und die Sorge 
für den Kranken rausate doch bleiben und mit ihnen das 
Bedürfnis, üun zu heKen mit allen Mitteln der Kunst. 
Hatte ja auch das alte Testament die Kunst des Allstes 
und den Arzt selbst hoch in Ehren gehalten: ,,A]le Arznei 
ist von Gott und die Kunst erhebt den Arzt zu Ehren und 
von den Grossen wird er gepriesen. Der Allerhöchste schuf 
die Arzneien aus der Erde und der weise Mann hat keinen 
Abscheu davor . . . Der Allerhöchste gab diese \\'issensehaft den 
Menschen, damit er gepriesen würde in seinen Wundern. 
Jjass den Arzt nicht von dir gehen, denn seine Dienste 
sind notwendig."^ Propheten hatten diese Kunst zuweilen 
ausgeübt; warum sollt« sich nicht auch der Christ gerade 
zu dieser Kunst hinzugezogen fühlen? Lukas, der Ver- 
fasser des dritten Evangeliums und der Apostel geschieh tj.% 
wird von Paulus als ,,Arzt" bezeichnet.' Er stammte nach 
der Überlieferung aus Antiochien.* ,,Man will auch in den 
beiden Werken Stellen gefunden haben, die durch das 
medizinische Interesse und die Kenntnis, die sie verraten, 
auf einen Arzt als Verfasser hindeuten. Ja es ist sogar be- 
hauptet worden, dass der Eingang des dritten Evangeliums 
dem Eingang der materia medica des Dioskorides nach- 
gebildet sei. Sicher ist jedenfalls, dass in keinem andern 
Evangelium die Thätigkeit Jesu als des Arztes für Ijeib 
und Seele so gefiisBentlich hervorgehoben und so Üebevoll 
nacherzählt ist, wie im dritten Evangelium."^ Und Lukas 
iflt der geliebte Arzt geblieben, und diesen Titel vermochte 
ihm auch die naturfeindlicbe Gnosis Marcions nicht zu 
rauben, sowenig wie die später entstandene Legende, der 
Aposteischüler sei Maler gewesen — vermutlich weil sein 
I^bensbild Jesu so klar mit allen Einzelheiten gezeichnet 
ist, — festen Fuss fassen konnte neben jener ColosBerßtelle. 
Viele von den christlichen Schriftsteilem verraten nicht 
nur reges Interesse für Medizin, sondern auch eingehendere 



' 1. Cor. 12, 9. 28, ' Sir. 38, 1 ff. 
* Eng. hiat. eecl. m, 4, 7 (1&8). 
" Hamack, 1. c. 3. 37. 



Col. 4, 14. 



4 



— 302 — 

« 

Kenntnisse. Die Heilkunde stand zu der Zeit, da das 
Christentum auftauchte, auf bedeutend sozialer Höhe. Wie 
schon oben bemerkt, erkennt auch Cicero, der vornehme 
Aristokrat, die Arzneiwissenschaft als ein anständiges Ge- 
werbe an ; die Ärzte selbst waren in der Gesetzgebung mit 
bedeutenden Privilegien ausgestattet.-^ All das, sowie der 
Drang, sich selbst eine gewisse Hygiene schaffen zu können, 
brachte die Arzneiwissenschaft der allgemeinen Bildung 
näher. 

Von den christlichen Schriftstellern sind es namentlich 
Clemens von Alexandrien und Tertullian, die medizinisch 
wissenschaftliche Kenntnisse bekunden. Freilich ist dabei 
nicht der Massstab der gegenwärtigen modernen Medizin 
anzulegen. Clemens berührt des öftern medizinische Punkte,^ 
Tertullian sagt selbst, dass er auch in die Medizin einen 
Blick gethan, die ihm eine Schwester der Philosophie 
ist^ und gar manchmal zeigen gelegentliche Notizen von den 
Resultaten seiner Studien.** Namentlich musste ihm ähnlich 
wie früher schon Athenagoras die Apologie der Auferstehung 
des Fleisches Anlass bieten zur Beschäftigung mit der Medizin, 
wie ja überhaupt nicht zu vergessen ist, ,,dass gegen die 
Naturverachtung der alten und mittelalterlichen Kirche, von 
der man so gerne in den stärksten Ausdrücken spricht und 
die gewiss auch in grossem Masse vorhanden war, gerade 
der Glaube an die Auferstehung des Fleisches ein heil- 
sames Korrectiv bildete".^ Auch Lactanz pflegt ähnliche 
Erörterungen über die Zweckmässigkeit des menschlichen 



* Vgl. z. B. Cod. Just. X, 53, 1 : Imp. Antoninus A. Nuraisio, 
Cum te medicum legionis secundae adiutricis esse dicas, munera 
civilia, quamdiu rei publicae causa afueris, suscipere non cogeris: 
cum autem abesse desieris, post finitam eo iure vacationem, si in 
eorum numero eris, qui ad beneficia medicis concessa pertinent, ea 
immunitate uteris etc. 

^ Clem. Alex. paed. I, 6 (1. c. col. 297, 6) üb. Muttermilch ; 
II, 1 (377, 1) Ernährung; II, 10 (497, 6) sexuelles Leben. 
» Tert. de anim. 2 (R. I, 302, 9). 

* Tert. de anim. 6; 14; 20; 23; 25. de cor. 8 (I, 436). 
^ Hamack, 1. c. S. 78. 



— 303 — 

Knochengerüstes, über Nerven, Adern, Haut, über äussere 
und innere Organe. ' 

Es hat wohl zuweilen auch nicht an Stimmen gegen 
den Betrieb dieser Kunst gefehlt. Tatiau gestattet mvai", 
dass mao sich von den Ärzten heilen lasse, wenn man die 
Ehre Gott gibt, aber die Arzneikunde selbst und alles was 
dazu gehört, ist betrügerischer Art. Denn wenn einer schon 
durch das Vertrauen auf die Materie geheilt wird, so wird 
er durch das Vertrauen auf Gottes Macht noch i'iel eher 
geheilt werden. Die Dämonen gleichen den Räubern. Wie 
sie den Menschen gefangen nehmen, und dann um Lose- 
geld ihren Angehörigen wieder zurücksenden, so nehmen 
auch die Dämonen von den Menschen Besitz in der Krank- 
heit und lassen sich dann von den Ärzten wieder vertreiben 
und geben den Menschen die Gesundheit wieder. . . .* 

Aber seine Stimme kann nicht ins Gewicht fallen ; 
er ist in mehi" als einer Beziehung schon von der Kirche 
seiner Zeit ob seiner zum Teil rigoristischen Anschauungen 
desavouiert worden. Für die rege Anteilnahme an dem 
ärztlichen Berafe auf christlicher Seite sprechen verschiedene 
Namen von christlichen vYrzten, die uns überliefert sind. 

Da ist aue der Martyrerschar von Lyon Alexander zu 
nennen, ein Amt aus Phrygien, der sieh viele Jahre in 
Gallien aufgehalten hatte und wegen seiner GotteaHehe und 
offenen Freimütigkeit in Verteidigiing des Glaubens be- 
kannt war; er war e«, der die Mitbrüder zum Ausharren 
ermujiterte. Er wird mit einem andern Christen Attalus 
zum Kampfe mit wilden Tieren venirteUt und schliesslich 
enthauptet. Kein Laut, kein Seufzer kam aua seinem 
Munde, nur in seinem Herzen sprach er mit Gott. . .^ 

Bald darauf begegnen wir in Rom der Sekte der Arte- 
moniten, die christölo^sch einen eliionitischen Monarchi- 
anismus vertreten ; sie verwarfen die hl. Schrift und ver- 
Buchten an den Stellen derselben namentlich ihre syilo- 




LmI. de opif. dei 5; 7: 8 (U,' 24 ».) 

Tat. or. ad Uroec. 18; 20 (81; 89). 

hist. eccl. V, 2, 49 (347). 



— 304 — 

gistischen Schlussformeln. Während einige derselben be- 
sonders sieh mit Geometrie oder der Philosophie des 
Aristoteles und des Theophrast befassten, betete ein anderer 
Teil von ihnen den damals so hoch gefeierten Arzt Galenus 
an. Mit dieser Charakteristik des Kirchenschriftstellers ^ 
stimmt die Galens selbst über diese seine Anhänger voll- 
ständig überein, der durch den Verkehr mit ihnen über 
christhche Anschauungen sich einigermassen orientiert zu 
haben scheint. „Die meisten Menschen", so schreibt er, 
„sind ausser Stande, eine geordnete Beweisführung zu er- 
fassen ; daher ist es notwendig, sie mit Hilfe von Parabeln, 
Erzählungen von Belohnungen und Bestrafungen im zu- 
künftigen Leben zu unterrichten. So sehen wir, wie in 
unsem Tagen Leute, welche Christen heissen, ihren Glauben 
aus Parabeln geschöpft haben. Ihr Verhalten aber entspricht 
dem Verhalten wahrer Philosophen. Denn sie verachten, 
wie wir sehen, den Tod und sie verwerfen in heiUger Scheu 
jeden Geschlechtsverkehr ; es gibt nämlich unter ihnen so- 
wohl Männer als Frauen, die während ihres ganzen Lebens 
der Ehe sich enthalten ; ja es finden sich unter ihnen auch 
solche, die es in der Selbstbeherrschung und dem geistigen 
Streben soweit gebracht haben, dass sie den wahrhaften 
Philosophen in nichts nachstehen.''^ 

Ein Christ Proculus heilte den Kaiser Septimius 
Severus durch Öl und blieb vermutüch als Leibarzt bis zu 
seinem Tode an dem Hofe dieses Kaisers.' 

Sehr viel beschäftigte sich auch mit Medizin JuHus 
Afrikanus in seinen xeacoi^ die ja überhaupt eine Menge 
irdischen Wissens der damaligen Zeit in sich bargen. 

Li der Mitte der zweiten Hälfte des dritten Jahr- 
hunderts sass auf dem bischöflichen Stuhl in Laodicea 
Theodotus, der, wie er als Seelenarzt seines Gleichen nicht 
hatte, so auch als Leibesarzt ungemeinen Ruf der Geschick- 
lichkeit genoss.* 



* Eus. bist. e3cl. V, 32, 1. 3. 14 (413 ; 417). 
^ Die Stelle ist nur arabisch erbalten in Abulfedas, Hist. 
x\rteislamica ed. Fleiscber S 109; bei Harnack, 1. c. S. 42. 

Tert. ad. Scap. 4 (I, 547). * Eus. hist. eccl. VK, 32, 23 (599). 



s 



305 



Der diokletiiiniHchen Verfolgung in Antiüchien in 

IjPhiygien üel auch ein christlicher Presbyter Zenobius zirni 

""pler, ein vorzüglicher Arzt.' Hieronymus berichtet von 

bem Schriftsteller, dem Grammatiker Fabius, der mit 

1 nach Nikomedien gerufen worden sei und ein in 

Werk ,,de medicinalibus" hinter- 



Auch Epiphaniüs hat uns die Kunde von einigen 
christlichen Ärzten aufbewahrt, so von einem christlichen 
Bischof am See Tiberias, Josephus, der als Arzt zu dem 
jüdischeu Patriarchen Ellel gekommen sei und diesen dabei 
auch getauft hahe,' von einem Mönche Hierakas, der um 
dae Jahr dreihundert gelebt und in verschiedenen Künsten, 
besonders der Jatraeophistik, sehr erfahren gewesen.* 

Diese Nachrichten Hessen sich füglich noch durch andere 
die diokletianische Zeit wird auch das 
rium der Heiligen Cosmas und Damian verlegt, unter 
MusivbUd in der Apsis ihrer BasiUka der Papst 
: IV. (t 530) die Inschrift anbrachte: 
Aula dei claris radiat speciosa metallis 
In qua pluB fidei lux pretiosa micat 
MartjTibuB medicis populo spes certa salutis 
venit et ex sacro crevit bonore locis 
optulit hoc domino felix, antistite dignum 
Munus, ut etheria vivat in arce poli." 
Auffallend ist schon von den Genannten der starke 
rozentsatz des Clerus unter der Ärztewelt, Ks war dies eben 
t nur ein Beruf, der auch in den Augen der Welt als 

ecci, Vin, 13, 3 (640). 

Hier, de vir. ill. 80 (Sjchuwaki 172). 

Epiphan, haer. XXX, 4 (Migne. S. G. XXXSI , (.■«!. 403), 

Epiphan. Iiaer. LXVII, 1 (1. c. XXXSU, col. 172). 

Vgl. die Anzeige des Auftiatzes von Hnmack in Anal, Boll. 

193, S. 297. 

' De Kossi, insBript, II' pg. 71; 134; lö3; über ihre Reliquien 
vkI. Greg. Tor. hist, Franc. X, 30: in cellula S. Martini ecclesiae i])gi 
oontigiia sanctomni Cosmae et Dnmiani mnrtyruni reliqnins posni 
(Ed. Arndl, l. v. I, 44», 26). 

Blgglmulr. Bot4^iliguiiB d, Cbrlst. am .'ItTpntl. L.eb'-u. 20 




— 306 — 

anständig galt und so der Forderung des Apostels ^ ge- 
nügte, sondern auch ein Beruf, der mit einem Teile der 
Aufgabe des Clerus, der Krankenseelsorge, zusammenhing. 
Und wenn diese Krankenseelsorge auch zunächst geistige 
und Sakramente Tröstungen zu bringen hatte und leib- 
lich sich auf Ratschläge für die Pflege des Kranken be- 
schränken musste, so legte sich doch auch der Wunsch 
nahe, dem Kranken durch die Heilkunde Hilfe und Lin- 
derung spenden zu können. Von diesem Standpunkte aus 
konnte später ein Cassioder seine Mönche auffordern, die 
Schriften eines Hippocrates, Galenus, Aurelius Coelius u. s. w. 
über die Medizin zu studieren.^ 

TertuUian hatte den Vorwurf zu beantworten, dass 
die Christen unfruchtbar seien in den Geschäften. Und 
er gesteht in seiner freilich sarkastischen Antwort zu, 
dass die Christen allerdings in manchen Gewerben un- 
fruchtbar seien. ^ Manche Gewerbe mussten eben von dem 
Christentum ausschliessen. Solang das Christentum noch 
sehr jung war, war diese Frage noch nicht akut. Aber 
mit der Stunde, da das Christentum immer mehr Boden 
gewann, mussten verschiedene Lösungsversuche auftauchen. 
Da ist es vor allem wieder TertuUian, der in der Schrift 
de idololatria an diese Frage herantritt. 

Vor allem sind nach ihm diejenigen, welche Götzen- 
bilder machen, auszuschliessen. Jede Kunst, die sich mit 
dem Anfertigen von Götzenbildern beschäftigt, macht den 
Anfang zum Götterdienst. Es ist gleichgiltig, ob das Bild 
gehauen, ciseliert, gewebt, gleichgiltig, ob aus Gyps, ih 
Farben, Stein, Erz, Silber, Stickerei ausgeführt ist (cap. 3). 
Gott hat das Verbot gegeben, ein Götzenbild zu machen, 
ein Gleichnisbild von dem, was im Himmel, auf Erden 
und im Meere ist, und damit seinen Dienern alle der- 
artigen Künste untersagt (cap. 5). Übrigens würde, selbst 
wenn kein besonderes Gottesverbot bestünde, schon das 



' 1. Tim. 3, 8. 

2 Cassiod. de inst. div. litt. 31 (Migne, S. L. LXX, col. 1146). 
Tert. apol. 43 (I, 276). 



3 




— 307 — 

TauJgelübde solche Künste mitereagen. Wie boD raaii dem 
Teufel und seinen Engeln widersagen, wenn man solche 
(iiifertigt? Wie soll man ihnen ahsagen, wenn man nicht 
nur mit ihnen, sondern gar von ihnen lehtl Wie soll 
man nur einen Giott predigen, wenn man suviele miuthtl 
(cap. 6.) Und desselhen Verhrechens machen sich auch 
alle diejenigen schuldig, die in irgend einer Weise mit- 
helfen, daes solche BUder zustande kommen (cap. 8). 

Auch andere Professionen sind verboten, dazu gehört 
vor allem die Astrologie. Man braucht sich nicht daran 
zu erinnern, dass durch die Astrologie den Idolen Ehre 
erwiesen wird, deren Name im Himmelsgewölbe ein- 
geschrieben ist und denen alle Macht zugeschrieben wird, 
so dass die I*ute glauben müssen, sie brauchen Gott nicht 
zu suchen, weil alles nach dem unwandelbaren Willen der 
Gestirne gelenkt werde -. es genügt schon darauf hinzuweisen, 
dass die Engel, die von Gott abgefallen, und die Töchter der 
Menschen geUebt, die Erfinder dieser neugierigen Kunst 
rtnd und dafür von Gott das Verdammungsurteil erhalten 
iben. Dieses göttliche Urteil hat sogar auf Erden un- 
'Ufiste Rechtlertigung gefunden. Die Nativitätssteller 

aus Rom und Italien verbannt, wie üire Engel aus 
Hinimel (Tertullian bezieht sich hier auf die Ver- 

.ung der Mathematiker' und Wahrsager aus Italien, 
des öft«im verbannt worden, so unter Tiberius, Vitellius, 

itian). 

Mit der Astrologie hängt zusammen die Magie. Zwar 
es Magier, die zuerst die Geburt des Gottessohnes 
Verkündet, zuerst ihm Gaben gereicht. Aber die Gottes- 
verehrung dieser Magier bann die Magier v-on heute nicht 
mehr entschuldigen. Der Gegenstand der christlichen 
Astrologie muss Christus sein, und ihre Wissenschaft die 
Sterne Christi, und nicht die des Satixm und Mars. Solche 
Wissenschaft war bis zum Erscheinen Christi gestattet. 
Dann brachten auch Jene Magier dem Kinde Gold und 

Mathemalici jnristisolier Ansdrack fllr Nativitätaateller, vgl. 
Religion Btre Tel, S, 410. 




— 308 — 

Weihrauch und Myrrhen, gleichsam zur Beendigung des 
Opfers und der irdischen Pracht, die Christus wegnehmen 
sollte. Und wenn ein Traum die Weisen mahnte, auf 
einem andern Wege zurückzukehren, so war dies ein Zeichen 
für sie, ihrem bisherigen Berufswege zu entsagen; denn 
für den wirklichen Weg, auf dem sie gekommen, war ein 
solches Verbot nicht nötig, da ja Herodes auch den Weg 
nicht gekannt, auf dem sie gekommen waren. . . Darum 
wm-de auch Simon Magus verflucht und ausgestossen, und 
ein anderer Magier, der dem Apostel widerstand, seines 
AugenHchtes beraubt. Dieses Geschick hätte wohl auch 
die Astrologen ereilt, wenn sie mit den Aposteln in Be- 
rührung gekommen wären. Der Mathematiker weiss nichts, 
wenn er nicht wusste, dass er dereinst Christ werde ; und 
wenn er es wusste, dann hätte er auch wissen können, 
dass er dann diesem Berufe entsagen müsse (cap. 9). 

Ein anderer Beruf, der in Frage kommt, ist der Beruf 
der Schullehrer und der Professoren. TertuUian hält ihn 
ohne Zweifel vielfach mit Idololatrie verknüpft. Da muss 
man die Namen, Genealogien, Fabeln der Gottheiten mit 
ihren Attributen lehren, ihre Festlichkeiten feiern u. s. w. 
Damit ist nicht gesagt, dass es gar nicht gestattet sein 
könnte, solche Dinge zu hören und zu erlernen. Denn 
die Lage der Schüler ist eine wesentlich andere ! Der 
Lehrer empfiehlt, bestätigt die Göttererzählungen, indem 
er sie vorträgt. Beim Schüler ist es anders. Entweder er 
ist über den Glauben schon unterrichtet; in diesem Falle 
wird es ihm ein leichtes sein, diese Erzählungen nach 
ihrem richtigen Werte zu beurteilen, namentHch wenn er 
schon gereifter ist ; ist er aber noch sehr jung, dann muss 
er zuerst voii Gott und dem Glauben hören und darin 
unterrichtet werden ; dann wird er so sicher sein, wie etwa 
ein Kenner das Gift, das er von einem Unkundigen em- 
pfangen, nicht trinkt (cap. 10). 

TertuUians Stellung zum Soldatenstand ist schon an 
anderen Stellen berührt worden, seine Stellung zum Handel 
wird noch ihre ^V'ürdigung finden. Den Stand des Schau- 



309 



lers streift er in dieser Schrift nur sehr Hüchtig,' eiiier- 
Röits weil die gänzliche Verui-teüimg der Schauspiele, wie 
sie erst kurz vorher von ihm in der Schau spielschrift aus- 
gesprochen worden, auch die Verurteilung des Aktores in 
sich echloss, andererseits weil diese Frage vermutlich noch 
nicht sehr praktisch geworden, ebenso wenig, wie die Frage 
der Aufnahme von herumziehenden Gauklern,* BordeU- 
besitzem ' u. s. w., denen das junge Christentum nicht 
minder feindlich gegenüberstehen musstfi. 

Natürlich fand der Verfechter solcher Ideen leb- 
haften Widerspruch. Man wies ihn daj-auf hin, dass der 
Apostel selbst geraten, jeder möge in dem Berufe bleiljen. 
in dem er befunden worden,* worauf Tertulliati erwidert, 
dann könne man ja füglich auch Sünder bleil>en, denn 
jeder sei als Sünder befunde» worden. Man hielt ihm 
«ntgegen, dass nach dem Worte der Schrift jeder mit 
seiner Hände Arbeit das Brot verdienen müsse,* aber der 
-Apologet fragt, ob denn auch die Badediebe, die Räuber 
\md die Fälscher u. s. w. in die Kirche Aufnahme finden 
sollen, die ja auch mit den Händen ihr Brot verdienen, 
«jder die Schauspieler, die sogar mit allen Gliedern sich 
«"Jasaelbe erwerben. Die Götzenbildner erinnern daran, dass 
auch Moses in der Wüste ein ehernes Bild aufgerichtet; 
«ber Tertullian entgegnet, dass dies nur ein Bild des ge- 
lireuzigten Heilands gewesen sei und fügt bei, es sei gut, 
«dass derselbe Gott, der die Aufstellung des Bildes befohlen, 
«uch das Gebot, kein Bild za machen, gegeben habe (cap. 5). 
Vnd wenn dieselben Leute meinen, sie beten ja doch das 
-Bild, das sie machen, nicht an, so weist sie Tertullian ab 
xiiit dem Satz, dass für die Anfertigung des Bildes das- 
Eädbe Hindernis bestehe, wie für die Anbetung, nämUch 
—^«ie Gott dadurch zugefügte Beleidigung (cap. 6). 



De idol. II : sie bomicidii inti^rdictio oatendit mihi lanistam 
[oe ab eccleaia urceri (R. I, 43, 8), 
" Tert. de praescr. haer, 43 (tl, 41). 
Tert apo]. 43 (I, 276); ctr. de idol. 11 (R. I, 42. ti). 
1. Cor. 7, 20. 
1. 'nieaä.4, 11. 




— 310 — 

Diese Einwände, deren Widerlegung nicht schwer 
fallen konnte, hatten alle eine und dieselbe begreifliche 
Grundlage, die bittere Frage : Wovon sollen wir denn leben ? 
(cap. 5). Und wenn TertuUian den meisten diese ernste 
Frage nicht anders beantworten konnte als mit den Worten : 
„Das hättest du früher überlegen sollen, wie ja auch der 
Baumeister im Gleichnis zuerst die Kosten seines Baues 
überschlägt und berechnet." ^ „Wenn du arm wirst, so 
gilt dir das Wort; selig die Armen", ^ ,, denket nicht an 
Essen und Trinken und Kleidung, denket an das Beispiel 
der Lilien", ^ so war mit solcher Antwort den meisten 
wenig gedient. Andere wiesen wohl auch auf ihre Fa- 
milie hin, für die sie sorgen müssten. Aber Tertullian 
entgegnet: Keiner, der die Hand an den Pflug legt und 
rückwärts schaut, ist tauglich für das Werk.'* Niemand 
kann zwei Herren dienen.^ Der Jünger des Heri'n muss 
sein Kreuz auf sich nehmen und dem Herrn nachfolgen 
und wenn er Eltern, Gattin und Kjnder verlassen muss. 
Jakobus und Johannes haben auf . den Ruf des Herrn 
Schiff und Vater verlassen, Matthäus stand vom Zolitisch 
auf und folgte ihm nach (cap. 12). 

Den Bildhauern und Malern vermag er noch etwas 
praktischere Ratschläge zu geben. Sie können ja auch 
etwas anderes als Götzenbilder anfertigen. Das Handwerk 
hat soviel Adern als die Menschen Bedürfnisse. Und wenn 
auch der Lohn kleiner ist, so ersetzt sich das durch das 
öftere Bedürfnis. Tempel und Götterheiligtümer werden 
wenig gebaut, aber viel Häuser und Bäder ! Schuhe werden 
täglich verfertigt, aber nicht täglich ein Mercur oder Serapis. 
Luxusgegenstände werden häufiger verlangt, als Gegenstände 
zu religiösen Zwecken ; häufiger Schüsseln und Pokale zur 
Befriedigung des Ehrgeizes, als zur Ausübung des Kultus 
. . . (cap. 8). 

So richtig und anerkennenswert die tertuUianischen 
Ansichten allerseits beurteilt werden mochten, — sie mussten 



' Luc. 14, 28. « Luc. 6, 20. » Matth. 6, 25. 28. * Luc. 9, 62. 
^ Matth. 6, 24. 





:h gar manchmal an der rauhen Wirklichkeit soheitem. 
Wenn TertuUian sagt, dass Verfertiger von Götterbildern 
in den Elerus au^etUHOiiien müden,* so nar es wohl xu 
venirt«ilea und ist aueh wohl Tenirteilt worden ; die XotJi 
beaog sieh vielleicht auch aai einen einzigen Fall ; iniroeihin 
sie uns ein Beweis, das.« eben manchmal weitgehende 
lichtnahme geübt wurde. Später scheint, wenigstens 
gewiesen Drten. die Kirche Solchen SubsistPDzmitt«*! 
haben. Der Bischof Eucratius fragte l<ei 
, ob ein Schauspieler, der lugteich l'nteniciit 
in dieser seiner Kionst, in die Kirche aufgenommen 
werden dürfe. Cvprian hielt es für die götthche Majestät 
lind die evanj^lische Zucht nicht geziemend, einem solchen 
«he Aufnahme zu gestatten; derselbe möge sein Gewerbe 
.aufgeben, fügt aber bei, weim ein solcher Mangel tmd Sot 
Torschützt, so kann neben den andern, welche Sustentatiuu 
Ton Kircbenmitteln erhalten, auch er in seiner Sot unter- 
stützt wt;rden ; nur muss er sich mit einfiuxberer und be- 
scheidenerer Kost begnügen und nicht etwa glauben, er 
müsse um ein Jahrgehalt gewonnen werden, von seinen 
äünden airzulassen, nachdem dies doch nicht uns, sondern 
ihm nützt. Und so soll er von seinem schmach- und 
fcbandvollen Leben zum Wege der Unschuld und der Hoö- 
uuiig des Lebens zurückgerufen werden, und zidrieden sein 
mit den zwar geringen, aber doch hellsamen Gaben der 
Kirclie. Reichen aber die Kirchenmittel nicht aus, allen 
Notleidenden Unterstützung zu bieten, ao möge er zu 
mir sich begeben und er wird von mir erhalten, was ihm 
zum I*bensuiiterhalt und zur Kleidung nötig ist.* 

Verbote bestimmter Gewerbe hat ee früh g^eben ; die 
doctnna aixwtoloruni warnt vor Vogelschau und Stem- 
denteiiei.' Tatian bezeichnet schon vor TertuUian die Stem- 

' Tert de idol. 7: adleguntur in ordinem ecclesiasticum «rtifioea 
idolorum. pro scclua '. semel Jadoei Christo manus intalerant, hü 
qsotidie corpn» »ins lacessnnt (B. I, 3G, 19). 
« Qntr- ep. 2, 9 (U, 4Ö8, 13). 

• De rtüCtr- ap. III, 4; Tixroi' imv, fiij yirov ourn^mcönof, fnci- 
ifffl cii rijy *(rfwiolirrp<nc, firidi inaoiäuf ur^i un»t,uirttjiii 
jitfixa9iii(iioi; fiijöi »iXt aitn ßUnelr fir^ie axm'tlf. 



fheitem. ^| 



I 



— 312 — 

deuterei als Erfindung der Dämonen.^ Die ägyptische 
Kirchenordnung verlangt von Künstlern, Schauspielern, 
Lehrern, Wagenlenkem, Jägern, Gladiatoren, Priestern und 
Wächtern der Götzenbilder, Soldaten, ihrem Gewerbe zu 
entsagen, widiigenfalls sie ausgeschlossen würden. Auch 
Magier, Astrologen, Seher oder Traumdeuter, Revolutionäre, 
Verfertiger von Amuletten, sollen nicht zur Taufprüfung 
zugelassen werden.^ Mit der Zeit vermehrten sich die ver- 
botenen Gewerbe. Die apostolischen Konstitutionen ver- 
bieten, Zauberer oder Vogeldeuter zu sein.^ Ebenso sollen 
die Verfertiger von Götzenbildern, Schauspieler, Wagenlenker, 
Gladiatoren, Fechtmeister, Ol3rmpiker, Flötenspieler, Zither- 
spieler, Leierspieler, Tänzer, Wirthe, Zauberer, Gaukler, 
nicht zur Taufe zugelassen werden.* Namenthch zeigte sich 
eine Abneigung gegen die Schauspieler,^ und gegen ihre 

» Tat. or. ad Graec. 8 (35); cfr. Lact. div. inst. IT, 16 (I, 167, 1). 
« Aegypt. K. 0. bei Achelis, 1. c. S. 78. 

* Const. apost. VII, 6. 

* Const. apost. VIII, 32. 

^ dem. Alex. paed. II, 1 : ^vlai tovzoig oixelni tolg oyuuaac 
^ovo^dxcu (1. c. col. 889, 7); cfr. Tert. de idol. 5; 11 (R. I, 34,' 28; 
84, 18); Cypr. ep. 2, 1. 2 (II, 467, 13); Lact. div. inst. VI, 20 
(I. 560, 3) ; Oonc. v. Elv. can. 62 : si auriga aut pantomimus credere 
voluerint, placuit, ut prins artibus suis renuntient, et tiinc demum 
suscipiantur, ita, ut ulterius ad ea non revertantur, qui si facere 
contra edictum tentaverint, proiciantur ab ecclesia (I, 184); conc. 
Arel. I, can. 3 : de bis, qui arma proiciunt in pace, placuit abstineri 
eos a communione ; can 4 : de agitatoribus, qui fideles sunt, placuit 
eos, quamdiu agitant, a communione separari ; can 5 : de theatricis, 
et ipsos placuit, quamdiu agunt, a communione separari (I, 206 f.). 
cfr. can. Hipp. 12; cfr. test. dom. n. J. Chr. 11, 2: adnltera et 
moechiae deditus, vel ebriosus, vel idolorum plasmator aut conf lator, 
vel scenicus, vel auriga, vel luctator, vel luctae magister, vel venator 
publicus, vel pontifex idolorum, aut eorundem custos non sint ad- 
mittendi . . . magister puerorum in seien tia profana, Optimum est, 
si a munere desistat ; quod si non habeat aliud munus, quo lucretur, 
quae ad vivendum necessaria sunt, indulgentia erga eum habeatur 
. . . reus rerum nefandarum, divinator aut magus, aut necromantiam 
exercens, uti poUuti haben tur, neque in iudicium veniunt. incan- 
tator, astrologus, somniorum interpres, hariolus, populi concitator, 
siderum speculator, idolorumve vates, aut desistant a talibus et 
proinde exorcizentur (diese Bestimmung ist neu!) atque baptizentur; 
secus abiciantur (Bahmani 112 ff.). 



— 313 — 

Aufnahme in die Kirche sprechen sich fast alle Väter und 
Concilien jener Zeit aus. 

Der Handel teilte von Anfang an das Geschick seines 
erstgeborenen Bruders, des Handwerks. Der Kleinkrämer, 
der von seinen Kunden abhängig war, wurde von dem 
Römer, dem freien Landmann und Soldaten, verachtet. Diese 
Abneigung blieb auch noch lange* als durch den Verkehr 
mit den eroberten Provinzen der Kleinhandel sich ent- 
wickelte zum Grosshandel. Es konnte ein Gesetz entstehen, 
das für die Senatoren, den ersten Stand der Republik, den 
Handel als unschicklich erklärte und ihn deshalb für sie 
verbot.-^ Selbst der Grosshandel war der römischen Aristo- 
kratie eben höchstens ein Gewerbe für Emporkömmlinge. 
. . . Aber dieses Urteil musste sich doch mit der Zeit 
ändern. — 

Cicero erklärt den Grosshandel schon für nicht mehr 
zu verachten;^ er brauchte nur auf den Ritterstand zu 
blicken, der seine Angehörigen vielfach entweder als publi- 
cani, als Pächter der Zölle, hinausschickte in die Provinzen, 
noch mehr aber als negotiatores, unter denen man jene 
Banquiers verstand, die in der Provinz ihre Kapitalien den 
verschuldeten Provinzialen gegen enorme Zinsen vorstreckten, 
und zu dem Zwecke gar manchmal auch von den Senatoren 
in Rom mit der Verpflichtung der Gewinnteüung Summen 
erhielten. 

An der furchtbaren Habsucht, wie sie vielfach mit 
dem Handel verknüpft war und die idealen Interessen 
vollständig zu verdrängen drohte, stiessen sich höchstens 
einige Philosophen, etwa ein Philo, der es für sonderbar 
erklärte, dass Kaufleute um elenden Gewinnes willen die 
Meere durchfahren und die Welt durchwandern, dass man 



* Liv. XXI, 63, 3. invisus patribus ob novam legem, . . . 
ne quis Senator cuive Senator pater fuisset, maritimam navem, 
quae plus quam trecentarum amphoranim esset, haberet. id satis 
habitum ad fructus ex agris vectandos, quaestus omnis patribus in- 
decorus visus. 

2 Cic. de off. I, 42. 



— 314 — 

aber um der Weisheit willen kein Meer durchsegle und 
nicht die Welt durchziehe.^ 

Andere das junge Christentum. Seine Anhänger konnten 
diese weltliche Schattenseite nicht übersehen ; und mancher 
vergass über dem Schatten das Licht. Mochte ihnen ja doch 
das Wort Sirachs vor Augen schweben, dass ein Kaufmann 
sich schwerlich vor Nachlässigkeit hüten und ein Krämer 
nicht rein bleiben werde von Sünden der Zunge, ^ dass 
zwischen Kauf und ^^erkauf die Sünde sich in die Mitte 
dränge wie zwischen Steinfugen der Pflock. ^ Ihnen, welche 
den christlichen Gedanken der Entsagung in seinem wei- 
testen Umfang vertraten, konnte es nicht entgehen, dass 
an der Üppigkeit und dem Luxus, den die Welt und 
namentUch ihre Hauptstadt Rom entfaltete, der Handel 
die Schuld mittrage, und so war für sie mit dem Fall 
dieses stolzen Babylon auch der Fall dieses Handels ver- 
knüpft.* Der Handel bringt immer grosse Gefahren für 
das Seelenheil. Als Hermas noch Handel getrieben, da 
hatte er oft Lügen gebraucht und mit jedermann zweideutig 
gesprochen;^ er kennt solche, die um ihrer Handels- 
geschäfte willen sogar den Glauben verleugnet;^ sie sind 
edle Zweige, die untergegangen sind unter den Dornen 
der Welt.^ 

ÄhnHch spricht TertuUian von dem Handel. Schon 
viele haben um seinetwillen Schiffbruch gelitten an ihrem 
Glauben ; der Handel ist umgeben von der Sünde der 
Habsucht, von der Sünde der Lüge, von der Sünde des 
Meineids. Und wenn die Habsucht fehlt, so fehlt der Trieb 
des Erwerbes und mit dem Trieb des Erwerbes fällt auch 
der Handel . . . .^ Ein scharfes Urteil, das sich dem Sinn 
nach deckt mit dem des Lactantius, der da sagt, ein Weiser 
werde nicht Schiffahrt treiben und aus fremden Ländern 



^ Philo de migr. 39 ; Herodot und das hippokratische Buch 
über Diät bezeichnen das Marktleben als beständigen Betrug. Bei 
Wendland, 1. c. S. 40 ; 45. 

« Sir. 26, 28. » Sir. 27, 2. * Offb. 18, 3. 11 ff. 

^ Fast. Herrn, mand. III, 3, 5. ® Fast. Herrn, sim. VIII, 8, 4. 

^ Fast. Herrn, mand. X, 1, 4. 5. « Tert. de idol. 11 (R. I, 41, 9). 



— 315 — 

Waren holen, da ihm das Seinige genüge.^ Solche An- 
schauungen hätten den Vorwurf der infructuositas in 
negotiis, der den Christen gemacht wurde, als gerecht- 
fertigt erscheinen lassen müssen, wenn sie unwidersprochen 
geblieben, oder auch nur von ihren Vertretern in ihrem 
vollen Umfange aufrecht erhalten worden wären. Allein 
die Wirklichkeit bietet ein anderes Bild. Jakobus hatte 
seine dem Judentum entsprossenen christlichen Glaubens- 
genossen, denen der unternehmende Handelsgeist noch im 
Blute lag, nicht verboten zu sprechen : Heute oder morgen 
wollen wur in diese Stadt gehen, daselbst ein Jahr zu- 
bringen, Handel treiben und gewinnen, sondern sie nur 
gemahnt, beizufügen: Wenn der Herr will, wollen wir 
dies oder jenes thun.^ Jene Lydia, die in Philippi ihr 
Haus dem Apostel so gastfreundlich und gläubig geöffnet, 
war eine reiche Purpurhändlerin aus Thyatira.^ Clemens 
von Alexandrien hat für den Handel kein Wort des Tadel», 
er warnt nur davor, doppelte Preise zu führen und nament- 
lich davor, Eide beim Handel zu schwören.* Tertullian 
hatte sich, kurz bevor er seine Schrift über den Götzen- 
dienst schrieb, energisch gegen den Vorwurf jener infruc 
tuositas verwahi-t und die rege Beteiligung seiner Glaubens- 
genossen am Handelsleben hervorgehoben;^ und selbst in 
jener Schrift, die nach ihrer Tendenz und ihrem Leser- 
kreise, für den sie berechnet war, wesentlich verschärfte 
Anschauungen vertrat, gesteht er schliesslich zu, dass es 
einen gerechten Erwerb ohne Habsucht und ohne Lüge 
geben könne. Und wenn er weiter von der Gefahr des 
Götzendienstes spricht, die auch dem Handel eigen, so 
vergisst er nicht beizufügen, dass damit nicht jedes Handels- 
geschäft in Frage komme. Es sind hauptsächlich einige 
Arten des Handels, gegen die er sich wendet: Fem der 
Kirche müssen bleiben die Lieferanten von Opfervieh ; fern 
müssen bleiben auch die Weihrauchhändler : für sie bietet 



1 Lact. div. inst. V, 17. 12 (I, 454, 2). « Jac. 4, 13 ff. 

» Apg. 16, 14, 19. * Clem. Alex. paed. HE, 11 (1. c. 656, 40). 

» Tert. apol. 42 (I, 273). 



— 316 — 

es keine Entschuldigung, dass der Weihrauch und derlei 
Waren auch zum Arzneimittel werden, ja sogar Verwendung 
finden kann am christlichen Grabe; nimmer könnte ein 
christhcher Weihrauchhändler, wenn er einen Tempel be- 
tritt, mit offener Stirne seine Verachtung bezeugen den 
dampfenden Altären, die er selbst versorgt hat. Überhaupt 
wird jede Kunst, jedes Handwerk und auch jeder Handel, 
der mit der Ausstattung oder Bildung der Idole zu thun 
hat, des Verbrechens des Götzendienstes schuldig . . .^ 

Irenäus findet es ganz begreiflich, dass die Menschen 
— auch noch im Stande des Glaubens — zu erwerben 
suchen, dass der Verkäufer vom Käufer gewinnen will und 
der Käufer verlangt, dass der Verkäufer gegen ihn billig 
sei, dass der Handelsmann handelt, um sich davon zu er- 
nähren.^ Nach Lactanz selbst dient die Erde dem mensch- 
lichen Handel.^ 

Einige Nachrichten ergänzen das Bild ; da ist der 
Gnostiker Marcion zu erwähnen; der Seefahrer,* der aus 
Sinope nach Rom gekommen und der römischen Kirche 
ein Geldgeschenk von 200000 Sestertien anbietet,'' was 
den Schluss nahe legt, dass der Seefahrer ein reicher 
Handelsherr gewesen;^ da ist zu erwähnen der christliche 
Sklave des Carphophorus, der spätere Papst Callistus, der 
von seinem christlichen Herrn mit Betriebskapital versehen, 
in Rom in der publica piscina ein Bankgeschäft eröffnet.'' 
Auch Theodotus der Jüngere, der mit Theodotus dem Äl- 
teren, einem Gerber, imge Anschauungen über die Gott- 
heit Christi verbreitet und deshalb aus der Kirche aus- 



' Tert. de idol. 11 (R. I, 41 f.); cfr. apol. 42 (I, 273). 

^ Iren. adv. haer. IV, 46, 1 ; quis autem negotians non propterea 
negotiatur, ut inde alatur (U, 248). 

" Lact, de ira dei 13, 2: homo utitur terra ad percipiendam 
fructnum varietatem, . . . utitur mari ad commercia et copias ex 
longinquis regionibus ferendas (II \ 99, 11). 

* Libellus adv. omn. haer. 6 (Oehler, II, 762, 17); cfr. Eus. hist. 
eccl. V, 16: ü yavTrjg yiaQxicoy (376). 

* Tert. de praescr. haer. 30 (II, 27). 
« Vgl. Nöldechen, Tertullian, S. 189. 
' Hipp. Phil. IX, 12 (452, 95). 



317 



geechlossen wurde, war einer jeücr kleinen Hamiuiers,' 
deren Rom po viele lieherbergte. Über CjprianK Lippen 
kommt eogai' die bittere Klage, dass BiBchÖfe ihren Sitz 
veilaeseu und in fremden Provinzen herumziehen und dort 
die Märkte besuchen, um ertmghchen Handel zu treiben ; 
während in der Gemeinde die Brüder hungern, verlanjien 
Bie nach reichlichem Geld, rauben auf hinterlistige, be- 
trügerifiche Weise Grundstücke, legen ihr Geld auf ein- 
trägliche Wucherzinsen an.^ Cyprian rügt hier, wie klar 
ereichtlich, nicht den Handel als solchen, sondern nur die 
Ausübung durch Bischöfe und auch bei ihnen nur die 
Art und Weise. Dieser schon von Cyprian beklagte Miss- 
Btand bestand auch später noch fi>rt, wie aus einem Canon 
des Condls von Elvira hervorgeht, der zugleich die kirch- 
liche Billigmig des Handels charakteiisiert : die Bischöfe, 
■rieeter und Diakonen sollen nicht Handebgeschäfte halber 
ren Ort verlassen, nicht in den Provinzen herumziehen 
md dem Gewinn der Märkte nachjagen ; zur Erwerbung 
. Unterhaltö mögen sie einen Sohn oder einen Frei- 
lelassenen oder einen Mann gegen Bezahlung oder ehien 
reund dorthin senden und wenn sie Handel treiben wollen, 
) es iimerhalb ihrer Provinz thun,' 
Die konstantinische Gesetzgebung nahm auf diese 
mdelatreibendeii Kleriker insofern e Rücksicht, als sie 
fieeelben von den Steuern, die sonst die Kaulleute zu ent- 
pjdcht^n hatten, befreiten. Später ward dieses Gesetz auf 
L Kleinhandel der (ieistlicben eingeBchtäukt. Für die 
KAnachauungen über den Handel selbst hat die nacli- 
intinische Zeit zunächst keine Änderung gel.iracht. 



> Bus. bist. KCl. V, 32, 9 (415), 
' Cypr. de laps. G (I, 240, 25). 

* Cone, V. Elv. can. 19: episcupi, presbytere» el dioconea de 
t^JgdB BOis negotiandi cansa non cliscedant nee circuineuntefl provin- 
Ins quaeatnoHns nundinas sectentnr: sane ad vii^tnm sibi cuniiui* 
Ntdnm ant flliuin aiit lilj^rtii:i) ant mürL-enamni ani aniciiui aui 
nemlibet mittant, et ü volnerint ne^i>tinri, intrn pruvinriam iieiri> 
UtDr (I, 163). 



— 318 — 

Man ward der Bedeutung des Handels gerecht, ohne die 
Gefahren für die Sittlichkeit zu verkennen.' 

Mit der Frage der Berechtigung des Handels steht in 
inniger Beziehung eine andere, im christlichen Altertum 
nicht minder oft erörterte: die Frage über Zins und 
Wucher.^ 

Das alte Testament hatte das Zinsnehmen von den 
eigenen Volksgenossen verboten. ,, Deinem Bruder sollst 
du ohne Zinsen leihen, was er bedarf, auf dass der Herr 
dein Gott dich segne in jeglichem deiner Werke".' Auch 
Fruchtzinse zu verlangen, war nicht gestattet.* Dagegen 
war es zur Sicherheit des Geliehenen erlaubt, ein Pfand 
zu nehmen.^ Das Gebot scheint freilich zuweilen über- 
treten worden zu sein.® Den Fremden gegenüber war die 
Forderung von Zinsen gestattet,^ und es ist hinlänglich 
bekannt, wie ausgiebig der jüdische Hatidelsgeist diese Er- 
laubnis verwertete; der Jude war vom Römer verachtet 
und gehasst und der Grund war nicht zuletzt in den Geld- 
geschäften und dem Wuchertum dieser fremden Rasse zu 
suchen. 

Freilich beherbergte auch Rom selbst Wucherer genug. 
Zinsennehmen war in Rom und Griechenland nicht ver- 
boten ; bedeutende Männer hatten sich zwar von jeher da- 
gegen ausgesprochen ; Livius erwähnt, dass der Volkstribun 
Lucius Genucius den Antrag eingebracht habe, dass es 
nicht gestattet sein solle, Zinsen zu fordern,^ und nach 
Cato bestand im alten Rom ein Gesetz, wonach Wucher 
um das Vierfache bestraft werden sollte.^ Aber diese 
Zeiten lagen weit zurück und diese Gesetze waren selbst 



^ Über die Auffassungen der ersten Jahrhunderte nach Con- 
stantin, Fnnk 1. c S. 384 ff. 

^ Vgl. Funk, Zins und Wucher im christlichen Altertum in 
Tüb. Theol Quartalschr. LVH, 1875. S. 214 ff. 

8 5. Mos. 23, 20; cfr. 2. Mos. 22, 25; 3. Mos. 25, 35, 36; Ps. 14, 
1. 5; Jer. 15, 10. 11 ; Ezech. 18, 8. 9. 13; 22, 12. 

* 3. Mos. 25, 37. ^ 2. Mos. 22, 26, 27 ; 5. Mos. 24, 10 ff. 

« 2. Esdr. 5, 4. 5. 7. 11 ; Ezech. 18, 13. ' 5. Mos. 23, 20. 

® Liv. VII, 42, 1. ® Cat. de re rustica praef. 



damals kaum von iiacLhaltiger W'irfeimg gewesen. Zur 
Zeit, da das Christentum iu die Welt trat, waren Zinsen 
allgemein üblich und zwar war der Zinsfuss ein üiemUch 
hoher, zwölf Prozent oder 1 Prozent — centesima — pro 
Monat. Allein dieser an und für sich schon sehr hohe Zins- 
fuss wurde iioch oft ülerschritten und biuae centesinine, 
d. i. 24 Prozent, ja noch mehr gefordert; Horaz weiss von 
einem Fufidius zu erzählen, dass er quinae centeeiniae, das 
sind sechzig Prozent, aua seinen Schuldnern herauspresst 
und je mehr er den andern in Not sieht, desto ungestümer 
wird sein Drangen.^ So gestalten sich freilich die Monats- 
kalenden zu den triste« calendae und hinter dem poetischen 
Schimmer, mit dem der leichtlebige, humorvolle Dichter 
selbst diese Zeit noch zu umwehen versteht, taucht unwill' 
kürlich das Elend und der wirtschaftliche Ruin auf, den 
für viele solclie Zinsen bedeuteten. 

Der Geist der Liebe, wie ihn das Christentimi vertrat, 
konnte solches nicht billigen. Wenn schon das alte Ge-setz 
Zinsen verbot, wie konnte das neue Gesetz, in dem sogar 
geschrieben stand: , .Liebet eure Feinde, thuet Gutes, leihet, 
ohne etwas dafür zu hoffen-',* Zinsen ges^tatten? 

So galt es denn durchweg als christÜches Ideal, auf 
die Zinsen zu verzichten. Gemens von Alesandrien beruft 
»ich im Anschluss an Philo auf das mosaische Gesetz, dos 
verbietet, vom Bruder Zinsen zu fordern und unter dem im 
Gesetz erwähnten Bruder ist nicht nur der leibliche Bruder 
zu verstehen, sondern auch derjenige, mit dem uns das 
Band desselben Volkes, derselbtäi Anschauung, desselben 
Logos verbindet; das Gesetz verlangtnicht, Zinsen zu nehmen, 
sondern mit offener Hand und offenem Herzen den Armen 
zu spenden. Gott selbst wird ihm Zinsen gelten, die ihn 
genügend entschädigen und auch bei den Menschen gesucht 
sind, Milde, Güte, Wertschätzung, guten Ruf und hohes 
Ansehen.' Tertullian verweist auf die Lukasstelle: Wenn 
üir nur denen leiht, von welchen ihr hoffet, turück zu er- 




— 320 — 

halten, was habt ihr da für Verdienst?^ und sagt, sie sei 
die Ergänzung zu dem Worte Ezeehiels, dass derjenige ge- 
recht sei, der nicht auf Wucher leihet und nicht darüber 
nimmt. ^ Im alten Bunde musste der Mensch zuerst auf 
den Zins verzichten lernen, damit er im neuen Bunde sich 
leichter gewöhne, einen etwaigen Verlust seines Darlehens 
selbst zu ertragen.^ Und Cyprian weist ebenfalls auf die 
Stellen des alten Testamentes hin, die sich gegen den 
Wucher aussprechen/ Lactanz fordert, für ausgeliehenes 
Geld nicht Zins zu verlangen, damit die Wohlthat, die man 
dem Notleidenden erweist, auch rein sei und man sich 
fremden Gutes vollständig enthalte .... Mehr anzunehmen 
als man gegeben, wäre unrecht, und wer es thut, macht 
sich geradezu des Raubes schuldig, indem er des andern 
Not hinterlistig ausnützt.^ 

Darum wurde das Zinsennehmen allezeit gerügt ; wenn 
Apollonius von Montanus und seinen Gefährten sagt, dass 
er Geld auf Zinsen ausleiht, so diente diese Charakteristik 
wohl nicht wenig dazu, jene Männer vor den Augen des 
Volkes ihres Prophetentums zu entkleiden.^ Aber Montanus 
und seine Genossen und Paulus von Samosata, dem Ähnliches 
nachgesagt wird,' waren wohl nicht die Einzigen, die Geld 
auf Zinsen geliehen. Das Ideal blieb eben auch Ideal und 
musste vor der Wirklichkeit zurücktreten. Commodian kennt 
Christen, die durch ihre Zinsen ihr Vermögen verdoppelt 
haben und davon wiederum Wohlthaten spenden wollen, aber: 
Aut si fenerasti duplicem centesima nummum 
Largiri vis inde, ut te quasi malum depurges 
Omnipotens tales operas omnino recusat. 
Sie sind allerdings rein geworden, rein durch die Thränen 
anderer; andere aber sind dafür in Trauer gehüllt — es sind 
jene, die durch* die Höhe der Zinsen ruiniert worden.® 



1 Luc. 6, 34. =» Ezech. 18, 8. 9. » Tert. adv. Marc. IV, 17 (II, 199). 

* Cypr. test. III. 48 (I, 153, 10). 

* Lact. div. inst. VI, 18 (I, 547, 24) cfr. Lact. epit. inst. 59 
(I, 744, 1). 

« Eus. bist. eccl. V, 21, 11 (394), 

' Eus. hist. eccl. VIII, 30, 7, (583). « Commod. instr. II, 24, 7 (94). 



— 321 



^^ Cyprian eraühlt sugar von Bischöfen, welche ihr Ver- 
mögen durch wucherische Zinsen zu vergröesern euclien.' 
Hier aet^t denn auch die Kirche ein; für Kleriker 
wenigstens schien ee durchaus unpassend, sich mit dem 
\'ermögen anderer zu bereichern. Der Kleriker, der sein 
Geld auf Zinsen geliehen, soll abgesetzt und aus der Gemeui- 
scbaft auBgestnssen werden. Das Konzil fordert zwar auch 
von den Laien, dass sie den Zins forderan gen entsagen, und 
für den Fall, dasB sie nicht gehorchen, verhängt es deren 
AuBBchliessung. Aber dieser letztere, wenn auch bedeutend 
mildere Teil des Kanonea ist doch immer auf die Rechnung 
eines gewissen Rigorismus zu setzen, der überhaupt durch 
manche Kanones jener Pnjvinzialsynode zieht, die eben mit 
eigentümlichen Verhältnissen zu rechnen hat.* Das ergibt 
sich schon daraas, dasa zwar faat alle nachfolgenden Kon- 
cilien sich mit der Zinsfrage beschäftigen, die meisten es 
auch den Klerikern verbieten, Zins zu nehmen, für die 
I^en aber kein diesbezügliches Verbot erlassen, wenn auch 
die Synode von Karthago bemerkt, dass es auch \'oti den 
Ijaieu zu tadeln sei, werm sie Zinsen nehmen.' 

' Cypr. de laps. 6 {I, 241, 3). 

* Cunc. y, Elv. ctm. 30: si qnU ctericumm detectuB fnerit usuriis 
Acoipere, placait eum liegradari et abstineri. si giüa etiam Inicn^^ 
accepisse iirobatur nsnms €t prumiserit cürreptns iam ae cessatnrnin 
nee iilterioa eiacturuin, placuit ei veniam tribui ; si vero in ea ini- 
gnitnte diiraverit, ab ecciesia esse proiiciendnra (I, 163). 

* Ouu, Arel. I, can. 12i de ininistris, qnt foenemnt, placuit eos 
iiixta (ormam divinitns datam b commuiiioiie abstineri. (I, 211); cenc. 
Nicaen. I. can. 17; inn<fij noiXui tV riij xai'<ii'i iiitit^üfiffin r^c 
Tllttoi'oiiai' xai ti^v iiia^fjoxii/<f6i.rfi' ittioxurifs inchi^erTO rav 9fifii' 
y^üiiifimtii li/ciToe" ro utiyi^toy ai-rov ovx tiioxeif ini röxif' 
xui iaytiZuyTfi txaiuaiiie iinnitaüair ' i^ixataiotr ij ayin xoi 
fjeyriXri aiimSui, üis, iT ti; il'^i»iiji jiiii loi- Spoc Tovtor toxevf 
kafiffärioi' ix fieiitynfiiaeuii ^ iiiXiot fttieiij[üaivos rü n^lyua ^ 
ijfiioiiuc nnitiTiiii' q okias e'iccnf ii iniraiiir ala-(ijov xigitoi's trexa, 
jn(*«ipt*iJiHfH( loC xiij^ov xiti «'(Uotpiof lov xairövos Intal. (Dem- 
nftch verlangten manche Kleriker auch den ZioBfow — 12%) 
fi, 4SI); ctr. Carth.(348?)can. 13 : Abnodantins episcupns Adrumetinus 
disit: in noatru conoilio st*tntura est, ut non liceat, clerictfi fuenerare. 
quod etiam si sanctitati tuae et hnic cencilio videtor, praesenti 
^adto dsiignetur, Gratus epiacopns dixit: novellae sugKestiones 

■•IgelDiilr, BetvIllguuB d. l%ii>l. am ntTviill Ijfbi'ii ^1 



^^niReliu.l 



_ 322 — 

Allgemeines Interesse kann auch die Stellung der 
Christen zur Kunst beanspruchen. Fast scheint es, als ob 
die Christen jener Tage ihr wenig Verständnis, wenn nicht 
fanatische Abneigung entgegengebracht hätten. Tatian 
beschäftigt sich einmal ausführüch mit der antiken, gross- 
artigen Kunst. Er hat sie gesehen, die Erzstatue der Praxilla 
von Lysippus, dem genialen Porträtbildner Alexanders des 
Grossen, die Statue der Sappho von Silanion, jene der Myrtis 
von ßoiscus, der Lesbierin Errina von Naukydes, der Myro 
von Kephisodot, der Praxigorides von Gomphus, der CUto 
von Amphistratus ; fast alle bekannteren Kunstwerke jener 
Zeit ziehen an seinen Augen vorüber, — aber sie sind ihm 
Thorheiten. Er verurteilt ebensosehr den Pythagoras, der 
die Europa auf dem Stiere sitzend darstellte, wie die Be- 
wunderer jenes Künstlers, des Anklägers des Jupiter. Nur 
ein verachtungsvolles Lächeln hat er für die Kunst eines 
Myron, der ein Kalb meisselte und darauf die Nike setzte. 
Wenn er die Bilder des Polyneikes und des Eteokles an- 
sieht, kann er sich nur wundern, warum denn diese Ver- 
herrlichung des Brudermordes nicht mitsamt dem Künstler 
schon längst vernichtet worden. Solche „Kunstwerke'* 
sollten der Zerstöi-ung geweiht werden.^ 

Noch schärfer urteilt Tertullian. Ihm gut das Gottes- 
gesetz des alten Bundes : ,,Du sollst dir kein Götzenbild 
machen und kein Bild von dem, was im Himmel und auf 
Erden und im Meere ist." ^ Und damit sind den Gottes- 
dienern für immer derlei Künste untersagt. Hennoch hatte 
es vorausgesagt, dass alle Elemente, alles zur Welt Gehörige, 
was Himmel, Erde, Meere bergen, die Dämonen und die 
Geister der bösen Engel dereinst der Idololatrie dienstbar 
machen würden. Der menschliche Irrtum betet also alles 



quae vel obscurae sunt vel sub genere latent, inspectae a nobis^ 
formam accipient. ceterum de quibus apertissime divina scriptura 
sanxit, non ferenda sententia est, sed potius exequenda. proinde^ 
quod in laicis reprehenditur, id multo magis debet in clericis prae- 
damnari (Coleti II, 751) ; cfr. can. apost. 44, cfr. Conc. v. Laodic. can. 4 
(Hefele I, 752). 

' Tat. or. ad Graec. 38; 34 (128). 

2 2. 3IüS. 20, 3. 4; 3. Mos. 26, 1; 5. Mos. 4, 15; 5, 8. 



323 — 



an, nur den Schöpfer nicht. So wird das Bild von allem 
und jeglichem zu einem Götzenbilde . . . Die Verehrer und 
die Verfertiger von solchen Bildern sind im Buche Hennoch 
voraus verdammt. Dorten heisst es : Ich schwöre euch, ihr 
Sünder, daas euer an dem Tage des Blutes trauriges Ver- 
derhen wartöt ; ihr, die ihr dienet den Steinen und goldene 
und silberne und steinerne und thöneme Bilder macht, die 
ihr dienet den Dämonen und den Gespenstern und den 
Geistern aus der Unterwelt und allen Irrtümern nicht nach 
der Weisheit, ihr werdet von ihnen kerne Hilfe finden.' Und 
Isaias sagt ; Ihr werdet meine Zeugen sein, wenn ein Gott 
ist ausser mir. Und nicht wird es solche geben, die da 
nieisBeln und bilden, Thoren, die für sich nach ihrem 
Belieben Dinge schaffen, die ihnen nichts nützen werden.* 

Man könnte füglich sagen, daas der ,, Barbare" Tatian 
und der Afrikaner TertuUian weder Schwärmer, noch auch 
nur Kenner hellenischet Kunst gewesen sein mögen und 
dass ihr fibertreibender Rigorismus kaum die Stimmung 
ihrer filaubensgenosseu wiederzugeben vermag. Aber der 
Alexandriner C'leraens mit seiner feinen klassischen Bildung 
verbietet in Berufuiig auf das Gottesgeljot II. Mos. XX. 4 
den Christen ebenso die Ausübung solch betrügerischer 
Kunst* und der Römer Lactanz mit seinem ausgesprochenen 
ästhetischen Empfinden sieht in den Bildern und Statuen 
dw Götter von der Hand eines Polyklet oder Euphranor 
oder Phidias nur grosse Puppen, die aber nicht von jungen 
Mfidchen, denen maus verzeihen könnt«, sondern von bHr- 
tägen Männern verehrt werden.* Sie werden auch nach 
dem Sieg über den Antichiist dem Feuer übergeben werden.* 

Aber man fühlt doch de» eigentlichen Grund solch 
vernichtenden L'rteile heraus, der lediglich in der Ver- 
knüpfung des durch die heidnische Kunst dargestellten 
Stoffes mit dem Götterdienst lag. Schon der aite Bund 



Eniioch 99, 6 (Dillmaiin p. 7ä). 

Ib. 44, 8 f.; Tert. de idol. cap. 3 liia wiij. 7 (R. I, 32, 14 ff.) 

Clem. Alex, protr, 4 (1. c. col. 161, lü). 

Lact. div. inst. II. 4 il, 109, 22). 

LMt div. inat. Vn, 19 a. 6«, 9). 




21- 



— 324 — 

hatte ein Bilderverbot in der weitesten Ausdehnung, so dass 
nicht nur die Verfertigung eines Gottesbildes, sondern jedes 
Bildes untersagt war.^ Inmitten der heidnischen Umgebung 
wäre es dem Volke Israel schwer gewesen, die Reinheit 
seines Gottesglaubens zu bewahren; wie oft sie dennoch 
zum Bilderdienst sich hingezogen fühlten, ist hinlänglich 
bekannt. Der Abscheu des Christen vor den heidnischen 
Götterdarstellungen musste noch vennehrt werden, wenn 
sie den rohen ßilderkultus ihrer heidnischen Mitbürger 
sahen. Denn zu der philosophischen Auffassung, dass die 
Verehrung nur einem durch das Büd verkörperten Gotte 
gelte, vermochten sich nicht sehr viele derselben zu erheben. 
Die weitaus grössere Mehrzahl huldigte dem Bilde selbst, 
das durch den Gott belebt war. Seneka sagt von den 
Römern, dass sie vor den Bildern der Götter niedersinken, 
vor ihnen auf den Knien flehen, dass man ihnen Münzen 
hinwirft, ihnen Opfei-tiere schlachtet und dabei die Menschen 
verachtet, welche sie gefertigt haben. ^ Lucian bestätigt 
diese heidnischen Vorstellungen zu verschiedenen Malen. 
Amobius gesteht, dass er noch unlängst dem Ofen ent- 
nommene, auf dem Ambos mit dem Hammer geschmiedete 
Götter, Elfenbein, Gemälde, alte mit Binden umwundene 
Bäume verehrte; „und wenn ich einmal," sagt er, ,, einen 
geglätteten, mit Olivenöl gesalbten Stein erschaute, so be- 
zeugte ich ihm, gleich als wohne ihm eine Kraft inne, 
meine Ehrfurcht; ich erflehte von dem fühllosen Blocke 
Wohlthaten und jenen Göttern selbst, an deren Existenz 
ich glaubte, that ich schwere Beschimpfung an, indem ich 
wähnte, sie seien Holz, Stein, Elfenbein oder befänden sich 
in solchen Stoffen.'* ^ Es war eine sehr nahehegende Über- 
tragung solcher Ansichten, wenn manche Christen glaubten, 
dass die Götterbilder die Verkörperung von Dämonen seien, 
welche dem Menschen zu schaden sich bemühen; und 
auch diejenigen, welchen solch tertuUianischer Dämonen- 



1 2. Mos. 20 4. 

2 Seil, bei Lact. div. inst. II, 2, 14 (I, 101, 7). 
^ Aniob. adv. iiat. I, 39. (Reifferscheid 26, 10). 



— 325 — 

glaube vollständig ferne lag, mussteti doch zur Zeit des 
Kampfes sich von der Berühmng mit derartigen Dingen 
völlig enthalten.^ Das bringt der Gegensatz stets so mit 
sich. Erst in dem Augenblick, da das Heidentum völlig 
damiederlag und ^ede Gefahr und jedes Ärgernis als aua- 
geachlossen gelten konnte, wurde es vollständig möglich, 
die Kunetfnrm von dem Kunststoffe zu trennen, und den 
Stoff selbat vom rein künstlerischen Standpunkte zu be- 
trachten. Das geschah auch sofort. Constantin Hess die 
Göttertempel nicht zerstören, sondern nur schlieaaen. Eine 
Menge von Kunstwerken Hess er nach Konstantinopel 
schaffen, wo sie treu aiill)ewahrt wurden. Auch Rom hat 
diese Erinnerungen nicht zerstört, und Ausbrüche des Fana- 
tismus, wie sie zuweilen vorgekommen, fanden durchaus 
scharfe MlssbilUgung. 

Es war noch ein anderes Moment, das die Christen 
über die damalige Kunst ein absprechendes Urteil fällen 
Hess. Die heidnische Mythologie bot eine Fülle pikanter 
Sceuen und gei'ade solche waren es, welche die damalige 
Kunst am liebsten aufnahm. Properz, gewiss nicht prüde, 
hatte schon geklagt, dass unschuldige Mädchen durch Ge- 
mälde viel zu früh mit Dingen vertraut gemacht würden, 
die ihnen noch unbekannt bleiben sollten.* Clemens von 
Alexandrien malt die Unaittlichkeit der Gemälde in krassen 
Farben : am beliebtesten seien die BUder der unbekleideten 
Venus, der Lyeda mit dem Schwane, Siegel mit dem Bilde 
irgend eines Liebesabenteuers des Jupiter ; und die Haupt- 
anriehungskraft dieser Bilder liege gerade in ihrer Unsitt- 
lichkeit. Um sie bewege sich überhaupt die ganze Kunst. 
Nicht genug, dass solche Bilder allenthalben öffentlich aus- 
gestellt seien; man hänge sie auch zu Hause auf, n. s. w. 

' Lact, div. iii»t, II, 6: faontm (aimulticrorum) pnlchritnilo et 
nitor |>rnestringit ociiloä nee uUani religionem putant, nbicnmiiQe illn 
HOB falaerint (I; 123, I). cfr. Clem. Ales, protr. 4 : i,uäi tTi iMk 
jvrjeia liaaiif ^ itjfi'ii, li xni fi'ij ini tö tf/i/r npuan/otoB, älüa 
int ro Tifi<fy xid nfiooxvi'ily i<t Jt iiyiiX/jiiia xai lät ygaii^ds [i, e. 
col. 166, 8 V, n.). 

" PNp. eleg. n, 6, 19 ff. 



^^^^ ' PNp. elag; 



— 326 — 

Der Christ aber solle nicht nur den Gebrauch, sondern 
auch schon den Anblick solcher Darstellungen meiden, um 
seine Phantasie nicht zu beflecken.^ 

Justin betont noch eine andere Seite der ünsittlich- 
keit: Die Künstler selbst sind meist der Unsittlichkeit er- 
geben ; sie verführen oftmals ihre Sklavinnen, die ihnen 
für künstlerische Zwecke Modell stehen.^ Gewiss war es 
auch das Modellstehen, das die Christen zuw^eilen in einer 
für die Künstler ungünstigen Weise beeinflusste, wenn 
auch nicht mythologische Stoffe in Frage kamen. Ein 
Porträtmaler war HeiTQOgenes, der alexandrinische Gnostiker. 
Tertullian bemerkt in beissender Unzweideutigkeit von ihm, 
dass er mehr Weiber heiratet als malt.^ Hermogenes selbst 
nahm freilich auch an mythologischen Stoffen kaum An- 
stoss ; wenn sein Gegner von ihm sagt, er sei ein Betrüger 
mit dem Stil und mit der Feder,* so bezieht sich das 
wohl am besten auf die Ausübung seiner Kunst, für heid- 
nische Zwecke. Die gnostischen Kreise haben eben früh 
mit der Furcht vor den Bildern gebrochen. Gewiss sind 
manche Bilder mit heidnisch-mythologischen Motiven, wie 
dem Raube der Proserpina, dem Gastmahl des Vincentius, 
wie sie sich in den Katakomben finden, aus ihren Händen 
hervorgegangen.^ Das Resultat war aber auch ein heidnisch- 
christHcher Synkretismus. Sie berufen sich darauf, sagt 
Irenaeus von ihnen, dass das Bildnis Christi von Pilatus 
gemalt worden sei und fertigen Bildnisse von Christus, 
aber auch von Pythagoras, Plato, Aristoteles an, bekränzen 
dieselben und treiben heidnischen Kult mit ihnen. ^ Solche 



^ Clem. Alex, protr. 4 (1. c. col. 160, 8). 

^ Just. apol. I, 9 : xal üTi OL rovrcoy Tex^tTca ciaeXyetg eiai xul 
näoat^ xaxiayy tV« fxr] xrxTC(^i&fi(jjfj.€y, exovaiy (txQißcos inltrrcca&e' xal 
tag bdVTMt^ naidlaxag av^foya^ofzet^ag q)&€t()ovaiy (I' 30). 

^ Tert. de monog. 16: Hennogenem aliquem plures solitum 
mulieres ducere quam pingere (I, 786). 

* Tert. ad Hermog. 1: praeterea pingit illicite, nubit assidue, 
legem dei in libidinem defendlt, in artem contemnit, bis falsarius, 
et cauterio et stilo (II, 339). 

* Vgl. Kraus, Roma sotterrauea. S. 194. 
« Iren. adv. haer. I, 20, 4 (I, 210). 



— 327 



; mussten die Christen schon von selbst üu einer 
vorsichtigen Abneigung gegen Daretellungen mit mytho- 
logischen Stoffen bestimmen. 

Der künstlerischen Form aber blieb die Anerkennung 
auch von christlicher Seite nicht versagt. Clemens fügt 
dem Verdamm ungBurteil über die Kunst seiner Tage eigens 
Ijei : Die Kunst soll gefeiert werden wie die Wahrheit — 
aber sie darf den Menschen nicht verführen.' Origenes 
kann den Werken des Phidias und Polyklet das Prädikat 
„wunderbar" nicht versagen^ mid Lactanz spricht von der 
Schönheit der Götterbilder.^ 

An sonstigen weltlichen, nichtmytholog^Bchen Stoffen 
nahmen die Christen keinen Anstoss. Clemens Alexandnnus 
verbietet, auf den Siegelring eines Christen ein Götterbild 
einzugraben, findet es aV-er keineswegs für unpassend, daas 
dort das Bild einer Taube, eines Fisches, eine.'« Schiffes mit 
schwellenden Segeln, einer Leier, eines Ankers angebracht 
aa.* Tertidlian erinnert die Frauen an die Gemälde, die 
sich auf ihren Bychem finden, — Bilder Christi sind es, 
des guten Hirten.^ Darum sind auch dem gallischen Gegner 
der Gnostiker Geometrie, Walerei, Bildhauerei, Erz- und 
Marmorbearheitung gutgeheissene Geschäfte.' In den Kata- 
komben gefundene Kunstgegenstände bestätigen die Ver- 
fertigung und den Gebrauch von Gegenständen kunst- 
gewerblicher Natur.'' 

Auch das Grab des Christen sollte nicht kunstlos sein. 
Die Katakomhenforschungen haben den N'orwurf der Kunst- 
feindlichkeit der Christen vollständig zerstört. Die christ- 
lichen Ruhestätten weisen vielfach die nämlichen Vor- 
stellungen auf, wie die heidnischen: Guirlanden, Blumen vasen, 

Clem. Ales, protr. 4: inaiytielho fiir ^ '^X''1' f^k """"i"» 
Srioiano^. wf nUftti« (I. 0. col. Ifi6, 4 t. n.). 
Orig. E. Geis. VlÜ, 17 (11, 235, 11). 
Lw!t. iliy. inst, II, 6. (T, 122, l), 
(lern. AlM. paed. III, 11 (1. e. col. 633, 10). 
Tert. de pud. 7 (R. I, 230, 21j. 
Iren, adv, baer. II, 49, 1 (I, 372). 
Vgl. S»us, Romti sottemnea S. 439 S. 




— 328 — 

Fruchtkörbe, Phantasieköpfe, fabelhafte Tiergestalten, ge- 
flügelte Genien, Personifikationen der Jahreszeiten schmücken 
den Stein, der die letzten Überreste der Verstorbenen birgt. 
Viele von diesen so geschmückten Sarkophagen entstammten 
wohl heidnischen Ateliers ; mythologische Darstellungen 
deuten darauf hin ; sie wurden an die Wandseite gerückt 
oder mit Kalk übertüncht oder sonst zerstört. Manche der 
mythologischen Darstellungen wurden auch belassen, wenn 
sie unverfängHch schienen oder auf christüche Weise sym- 
bolisch gedeutet werden konnten, wie es bei manchen Sagen - 
gestalten der griechisch - römischen Mythologie, wie bei 
Orpheus und Eurydice u. a., der Fall war. Viele aber von 
diesen so ausgestatteten Sarkophagen verraten auch deutlich 
christüche Künstlerhand. Inmitten all der reichen Orna- 
mentik ein christliches Zeichen, demselben Griffel ent- 
stammend, lässt den sinnenden Beschauer stille stehen und 
redet ihm von jener gewaltigen geschichtüchen Epoche, wo 
griechisch-heidnische Form und christliche Idee am Anfang 
ihrer Verschmelzung standen. Vieles ist mangelhaft und 
unvollendet ; die gewaltig vordringende Idee lässt die Form 
nicht zum Rechte kommen. Oft mag der Künstler ein 
Dilletant oder Anfänger gewesen sein, der dem lieben 
Glaubensgenossen diesen Barmherzigkeitsdienst erwies : oft 
mag Mangel an Zeit die Ausführung gestört, oder das 
flackernde GrubenUcht sie an einer künstlerischen Voll- 
endung gehindert haben. An manchem Bude aber ist die 
christliche Idee in nahezu vollendete Form gekleidet und 
lässt ahnen, dass auch in der Kunst das Christentum der- 
einst einen Sieg erhoffen darf. 

Ein interessantes Seitenstück zu dem Gesagten bildet 
die sogenannte passio quattuor coronatorum.^ Dieselbe 
erscheint zwar etwas eigentümlich ; es ist in ihr das 
Martyrium von vier christlichen cornicularii, Unteroffizieren 
der Stadtpräfectur, verwoben mit dem Martyrium von fünf 



* Vgl. darüber: Wattenbacli in Mrx Büdinger, Untersuchungen 
zur römischen Kaisergescliichte III, Ji20 it'., mit archäologischen Be- 
merkungen von Benndorf und chronologisclien von Büdinger 1870 



329 



i 



Steinmetzen nnw Panfionien, welche in den Bergwerken 
des Kaisers Diocletiaii in SirniLuni arbeiteten. Den 
Anlass hiezu bot ohne Zweifel der Umstand, dass 
die Leiber der fünf Steinmetzen, welche ein gewisser 
HikodemuB 42 Tage nach dem MartjTiura geiioben hatte, 
später nach Rom gebracht und in dera coetneteriuiii der 
vier coronati (comicularii), beibenannt in comitatii, in 
«inem arenarium, drei römieehe Meilen von Rom an dev 
via Savioana beigesetzt wurden. Bei dieser Gelegenheit 
ordnete Papst Melchiadea an, dass das Gedächtnis derselben 
an einem und demselben Tage mit dem der IV coronati 
begangen und dass die namerdosen vier Gekrönten im Gebet« 
für die fünf mit Namen bekannten Steinmetzen mit ein- 
geechlossen sein sollten. Dies hatte zur Folge, dass die 
fünf Steinmetzen von den Katakombenführem selbst als 
die vier Gekrönten bezeichnet wmden. Leo I\'. (847—855) 
UeS8 die Gebeine der fünf Steinmetzen in die Kirche der 
vier Gekrönten schaffen und ihnen die Leiber von vier 
andern Märtyrern mit Namen Secundus, Carj-iophorus, 
Victorinos, Severianus, die bis dahin in Albano bestattet 
gewesen waren, beigesellen. Da diese vier ebenfalla Soldaten 
gewesen waren, so traten sie tmtz abweichenden Todes- 
tages unvermerkt an die Stelle der Gekrönten und schon 
Ado meldet in seinem Martyrium, dass die Namen der 
letzteren nach langer Verborgenheit einem gewissen heilig- 
mäsBigen Mann geuffenbart worden seien.' Die Paasio 
beruht auf gut historischer Grundlage und ihre Glaub- 
würdigkeit wird allerseits anerkannt. Das Factum ist kurz 
folgendes: Die fünf Steinmetzen, die in Frage kommen, 
arbeiten in den Bei^werken des Diocletian in Sirmium als 
Sklaven (vermutlich für den Palast des Kaisers in 8alona, 
von dem heute nur noch Ruinen stehen). Sie scheinen 
aber, der freundlichen Behandlung nach, die ihnen wider- 

nnd IS97; de Bussi, i ^nti iiuattru coromiti, Rum ISTS; Meyer, 
Über die Passio s. qnsttuur corunat^irnni, Berlin ISSfi; Belser, I. e, 
8. 21 ff-: B. Sepp, zur Legende der quattaor curunBti, Beil. x. Aiif^sb. 
Poitz. 1898, n, 10, S- GH ff. 

' So wohl treffend Sepp 1. e. 



I 



— 330 — 

fährt, zu schliessen, sich einer gewissen Bevorzugung zu 
erfreuen und danken dieselbe ihrer Kunstfertigkeit. Sie 
arbeiten für den Kaiser zunächst eine Statue des Gottes 
Sol mit seinem Viergespann, 25 Fuss hoch mit Relief - 
Verzierungen ; auch grosse Säulen mit Kapitalen werden 
ihnen aufgetragen und manch andere Kunstwerke. Schliess- 
lich werden sie nur mehr figürlicher Arbeit überwiesen 
und da wird ihnen nun auch der Auftrag, eine Statue 
des Gottes Asklepios auszuführen. Aber sie als Christen 
weigern sich dessen. Der Kaiser, der die tüchtigen Künstler 
ungern vermisste, machte lange Zeit Versuche, sie umzu- 
stimmen und ihren Widerstand zu brechen. Als aber die 
Künstler unbeugsam blieben, wurden sie in einen Flüss 
gestürzt und erlangten so ob ihrer Glaubenstreue die Palme 
des Mai-tyriums. Da der berühmt gewordene Pallast des 
Diokletian, der für gar viele spätere Palastbauten vorbildlich 
geworden ist, erst nach der Abdankung Diokletians (305) 
zur Ausführung kam, so dürfte auch das Martyrium in 
diese Zeit (305—307) faUen. 

Von Interesse ist, dass die Künstler an der Schöpfung 
des Sonnengottes Sol keinen Anstoss genommen, dagegen 
die Fertigung einer Aesculapstatue entschieden ablehnten. 
Der Grund kann nur darin liegen, dass die Statue der 
Sonne, ähnlich wie die Genien der vier Jahreszeiten, ledig- 
lich die Personifikation einer Naturerscheinung war, die 
das christliche Gewissen nicht verletzte, während Aesculap 
eine bestimmte mythologische Gestalt war, die in keiner 
Weise eine christÜche Deutung zuliess. 

Götterbilder zu schaffen blieb noch lange verboten und 
die Aufnahme eines Künstlers an die Bedingung geknüpft, 
derartiges zu unterlassen. 



SchluBs. 

Wie hatte doch Tertullian dereinst siegtsstolz au?- 
gerul'eii, ,,Vou gestern eind wir und schon haben wir all 
das erfüllt, waa dereinst euer gewesen, die Städte, die 
Ineeln, die Castelle, die Municipien, die Rats\'erBamnilungeii, 
sogar das La^er, die Tribus, die Decurien, den Hof, den 
Senat, das Forum, — nur eins haben wir eucli gelaseen 
die Tempel 1"' Für die Zeit, da er dies gesprochen, mochte 
es etwas zu viel gesagt sein, — aber hundert Jahre sjäter 
war es klar geworden, dass die Weit und ihre Zukunft ] 
nur einem Zeichen gehöre, dem Zeichen des Christentums. 

Unter diesem Zeichen zog denn auch Constantin in J 
den Entscheidun^kampf. Bange war es ihm am Vor- 
abend zu Mute gewesen, hei der gewaltigen Üi)ermacht des I 
Feindes, und sehnsuchtsvoll Imtte er nach höherer Hilfe ] 
ausgeschaut; aber auch das hatte er erkannt, dass alle 
noch, die auf dei- Götter Hilfe vertraut, betrogen worden, 
eein Vater aber, der zu einem Gott gefleht, bei diesem J 
Schute und Segen gefunden. Und so wandte er sich in 1 
seiner Bedrängnis zu diesem Ciotte und bat ihn um ein 1 
Zeichen. Untl siehe, als der Tag sich neigte zum Abend, 
da schaute er am Himmel, über der Sonne stehend, ein 
leuchtendes Kreuz, auf dem geschrieben stand : Toiütii vixa 
— In diesem siege! Und während er noch über des 
Zeichens Bedeutung sann, brach die Nacht herein und im 
Traum erschien üim Christus, der (iottessohn, mit der 
Weisung, er möge mit einem Feldzeichen, nach dem t 
Himmel geschauten Bild verfertigt, in den Kampf ziehen. 
Und so geschah es.* — 

So berichtet Eusebius und fügt bei, dies aus d 
Munde des Kaisers selbst gehört zu haben, der diese ee 
Erzählung noch durch einen Eid bestätigte. 

Aber trotzdem ist diesellw bis zur Htnnde lebhaftem Zweifel 



M 



— 332 — 

l)egegnet.^ Es muss auch auffallen, dass Eusebius die 
Kunde von dem wunderbaren Vorgang, der sich zudem 
vor dem Angesicht des ganzen Heeres abgespielt haben 
soll, erst ,,sehr spät" erfuhr, und keinen anderen Zeugen 
dafür aufzuführen weiss, als eben den Kaiser selbst. Noch 
auffälliger berührt es, dass der Verfasser der mortes, der 
doch den für das Christentum so bedeutungsvollen Ereig- 
nissen zeitlich sehr nahe stand, von der Erscheinung am 
Himmel nichts zu berichten weiss und niu* von einem 
Traume Constantins erzählt, in dem derselbe gemahnt 
worden, das himmlische Zeichen auf die Schilde zu prägen 
und so in den Kampf zu ziehen. 

Und so wird der Vorgang wohl rein psychologisch zu 
betrachten sein. Es ist so naheliegend, dass der Kaiser, 
der bereits, wie der Schriftsteller selbst sagt, mit dem 
Götterglauben gebrochen und dem Glauben an den einen 
Gott sich zugewandt hatte, in seiner erregten Gemüts- 
verfassung in der sinkenden Sonne mit ihren Luftspiegel- 
ungen das Zeichen des einen Gottes zu schauen glaubte, 
das ihm von Jugend auf in der Umgebung seines christen- 
freundlichen Vaters nicht unbekannt geblieben war, und 
von dem er den Sieg erhoffte ; naheliegend auch, dass 
diese Gedanken ihm in den nächtlichen Traumbildern 
med erkehrten, und den Entschluss in ihm reiften, das 
Büd des neuen Helfers in seinen Symbolen, dem Kreuze 
und dem Monogramme, als Feldzeichen dem kämpfenden 
Heere vorantragen zu lassen. Monogramme und Kreuze 
als symbolischer Ausdinick des Christentums waren ja 
schon vor Constantin in christlichen, und wohl auch teil- 
weise in nichtchristlichen Kreisen bekannt. Zu der Zeit 
aber, da Constantin zurückschaut auf jene Stunden und 
die Erlebnisse dem Freunde eraählt, kommt ihm wohl 
kein Zweifel mehr über die Wirklichkeit des lediglich im 
Geist Geschauten ; hat es sich ja in der ganzen Geschichte 



* Vgl. namentlich : Funk, Constantin der Gr. u. das Christen- 
tum in Theol. Quartalschr. LXXVIH. B. 1896. S. 448 fp. 



— 333 — 

seines Lebens als wirklich ermesen, was ihm damals vor- 
geschwebt: Tovra^ vixa — In diesem Zeichen siege! 

Alles hatte der christliche Geist bereits durchdrungen, 
auf allen Gebieten seine Thätigkeit entfaltet, ausscheidend, 
umgestaltend, beibehaltend, veredelnd. Der heidnischen 
Welt war es ergangen wie dem Christophorus der Sage, 
der leichten Herzens das Kind auf die Arme genommen, 
um es durch die Wasserflut zu tragen, der aber immer 
mehr zusammenbrach unter der schwerer werdenden Last 
und schliesslich nur mehr Rettung finden konnte durch 
das Kind. Sie musste die Macht des Einen erfahren, 
der in einer Stunde, da alles für ihn verloren schien, 
tröstend zu den Seinen gesprochen: 

„Habet Mut, — ich habe die Welt überwunden."^ 



' Joh. 16. 33. 



Index. 



Achilleus, christl. Soldat 184 f. 

Adauctns, kaiserl. Verwalter 153. 

Aemilianus, Konsul 151 f. 

Ämter; die Stellung der Christen 
zu den — 125 fP. 

Agaunum 195 ff. 

Alexamenos, christl. Page 160 ff. 

Alexander Severiis, röm. Kaiser 
53; 59; 114; 159 f. 

Alexander, christl. Arzt 303. 

Alityrus, jüd. Schauspieler 155. 

Ambrosius, Decurio 135. 

Ambrosius, über Spielhöllen 289. 

Amphitheater 257 ff. 

Anatolia Callista, Tochter d. Kon- 
suls Aemilianus 151 f. 

Anatolius, Bischof v. Laodicea 147. 

Anonymus ad v. aleatores 244 ; 288 ff. 

-Intiochus Epiphanes, König von 
Syrien 26. 

Antoninus Pius, röm. Kaiser 45 ff. 

Anubis, ägypt. Gottheit 23. 

Apadius, christl. Soldat 192. 

ApoUonia, Jungfrau 223. 

Apollonius,christl.Schriftsteller287. 

ApoUonius, christl. Senator 139 ff ; 
213; über Eid 103; Obrigkeit 106. 

Apostellehre, rät zur Unterstützung 
des Handwerks 300; über ver- 
botene Gewerbe 311. 

Aquilea, Synode von — 198. 

Argeerprocession 17. 

Aristides, Apologet 213; über 
Volksfeste 290. 

Arithmetik 297. 

Arles, Konzil von — : über Beamte 



138; Militärdienst 182; Ehe mit 
Heiden 255 ; Theater 283; Schau- 
spieler 302, A. 5 ; Zins u. Wucher 
321, A. 3. 

Arnobius, christl. Schriftsteller 223. 

Artemoniten 303. 

A Sterins, christl. Senator 145. 

Astrologie 307. 

Astronomie 297. 

Athenagoras, christl. Apologet 213 ; 
über Staat 82; Obrigkeit 106; 
Militärdienst 166; sociale Stellung 
d. Chr. 214; Schauspiele 261; 
Auferstehung 302. 

Attalus, Christ v. Lyon 303. 

Augustinus. Bischof v. Hippo, de 
civitate dei 223; über Kriegs- 
i dienst 201 : Ehe m. Heiden 255. 
j Augustus, röm. Kaiser 22; 102; 119. 
I Aurelius Coelius, heidn. Arzt 306. 
I Aurelius Probus, röm. Kaiser 65. 

I 

IBachus, christl. Soldat 164; 194. 

! Bäder 283 ff. 

I Bar Jesu, jüd. Zauberer 212. 

' Barnabasbrief ; Abfassungszeit 86, 

A. 3 ; über Staat 80 ; Rom 86 ; 

Gerichtshöfe 93. 
Bekränzung 169 f. ; 233 ff. 
' Besitz der Chr. 207 ff. ; 232. 

Cäcilia, christl. Jungfrau 217. 
Caecilier 58 ; 217 f. 
Caesar, Julius 24 f. 
Caligula, röm. Kaiser 26; 113. 



^■foUo, H. 



rCftUijjtiiB,PapatS!),' 57; 98; 156 0,; 
316; sein Ehegesetz 9ä: 353. 
Calocenis, Märtyrer ISl f. 
Caiididiig,Soldatd.tbeb.Legioiil9ö. 
Oanonee, apust. tibi>r Würfelspiel 
289 ; Zins 321, A. 3. 
kC««eallit, rflm. Enüer 51 f.; 57; 
169; 167. 

uinDs, rOm. Kaiser 65 
' CKrpophoma, Christ am Hote des 
Commüdng 15Ü ö'. 
Carpophorus, Märtyrer 329. 
rarqs, rBm. Kaiaer 65; 66. 
^Cnsiodor, Abt t, Vivarium 306. 
"~. PoreiuB 318. 

Verfasaer des ,,wahren 
i WoHfiB" 56; 80; 3U2; 228; 248. 
., M. Tnllius 174; 313. 
s 957 ff. 

Clandins, rBm. Kaiser 26 ; H9; 287. 
C'laadiiis Lysias, röm, Oberst 35. 
Clemens Ton Alexandrieti 213 ; über 

P Staat 83 ; Gesetz SÜ f. ; Eid 103 : 
Stenerpflicht 121; Staatsleben 
126; Militärilieiiat 181; Besitz 
210: sociale Lage d. Clir. 214; 
Verkehr 230; Luxus 231; Be- 
kranznne 235 f. ; Kleidung 238 f. ; 
Spiele 344; Si^haiispiele 263 f.; 
Leibesübuugeu 278 f.; KLder 
284 t ; Würfelspiel 387 ; Hand- 
werk 298: Landwirtschaft 299; 
Hedicin 303: Handel 315; Zins 
319; Kunst 323; 325; 327, 

iCkmens von Rom 105 f.; Homilien 
T. Fseudociemens 327; 240, A. 1. 
Clemens, Titas Flarius, Konsul 
148; 155; 217. 
Oeorcition, magistmtiache 31 ; 42. 
CoUegien, heidn.n. chriatl. 29; 56 IT. 
OamiDOdinn, chriatl. Dichter, über 
Ewigkeit Roms 87 ; OericbtsliOfe 
98; Lnxns 243; YergnUgnngen 
245; Schanspielo 383; Bad 286, 
A. 2: Zina 3S0. 
fJommodns, rnm. Kaiser 48; 98; 
Cm 



Constanlin d. Gr., rBiu. Kaiser 7; 

72; 73; 92; 124; 164; 293; 317; 

331 ff. 
Constautius Chloms, rSm, Kaiaer 

66 ff. 
t'onstitutionen.apostol.Abfassungs- 

zeit 1T3, A. 1; über Verhallen 

b. Bade 287; verbotene Gewerbe 



I IßS; 



I Coniwriptionsordnnng, rTim. 175 ff. 



313. 

Corneliua, röm. Hauptm; 
212, 

Cumelina Papst 214; 218. 

Cösma?, chriatl. Arzt 305, 

Crescentins, heidn, Philosoph 213. 

Cnlte, orientalische 20 f. 

Cyprian, Bischof v, Karthago, über 
Weltende 15; seine Venirteilung 
63 ; über GerichtshBfe 92 ; Ämter 
134 f.; Kriegsdienst 159; 173; 
Vülksstimmang 323 ; 224 ; Be- 
ki^nzung 336; Kleidung 241; 
Luxus 244; Mischehen 352 f.; 
Schauspiele 279 f.; Bailelebeu 
284 ff. : Gewerbe 300 ; Schanspie- 
1^311; Handel 317; Zina 320 f. 

Ilamian, chrisll. Arzt 305. 
Daaius, chriatl. Soldat 192 ff. 
Decins, rSm. Kaiser 34: 60; 163. 
Decurionen 127 ff. 
Demetrina Nicator, Bjr. KGnig 165. 
Didascalia, AbCassnngszeit 92, A.2; 

Qber Qerichtshäfe 9'. 
Diokletian, rSm. Kaiser 7 : 65 S. ; 

95; 114; 145; 152; 163: 191. 
Diogenes, griech. Philos. Aber Be- 

kriUiEUng 234, Ä. 3. 
Diognetbrief 15 f. ; Ober sociale 

Lage d, Chr. 208; Verkehr 226. 
Dioujains Aretipagitn 136. | 

Dtonyaiiu, Bischof v Alexaudrien 

14S. 
Dumitian, rBm. Kaiser 38; 113; 

148; 387; 307. 
Domitilla, Gemahlin d. Eonauls 

Tl. Clemens 148 ff, ; 155; 184; 217. 
DomitinsÄnrelianns, rfim.Kaiser 64. 
Domnus, Bischof v. Anticichien 94. 



— 336 — 

Dorotheas, Christ am Hofe Dioclet. 253; körperl. Arbeit 279, A. 1 ; 
163 f. Verhalten im Bade 285 ff. 



Kbioniten 209; 227. 
Egnatins, christl. Soldat 190. 
Ehe mit Heiden 95 ff. ; 246 ff. ; 

Ehescheidung 97 f. 
Eid 100 ff.; S.Fahneneid. 
Elagabal, röm. Kaiser 52; 284. 
Elvira, Konzil v., — über Flamines 

115 ff. ; Ämter 138; Zerstörung 

von Bildsäulen 228; Ehe mit 

Heiden 254 f. ; Theater 283, A. 1. ; 

Würfelspiel289; Schauspieler312, 

A. 5; Handel 317; Zins 321. 
Ennius, röm. Dichter 20. 
Ephebien 278, A. 2. 
Epiktet, stoisch. Philosoph, über 

Ämter 127; Kriegsdienst 177; 

Bekränzunir 234; Luxus 237; 

Theater 260. 
Erastus, Stadtkassaverwalter 125. 
Eacherius von Lyon 194. 
Encratius, afrik. Bischof 311. 
Euelpistns. christl. Sklave 155. 
Euelpius, Christ in Caesarea 58. 
Eugenius, Gegenkaiser 124. 
Eusebius, Bischof v. Laodicea 147. 
Eusebius, von Caesarea an versch. 

Stellen. 
Exsuperius, Soldat d. theb. Legion 

195. 

Fabiuj», christl. Fähnrich 191. 

Fabius, Verfasser eines medic. 
Werkes 305. 

Fahneneid 168; 178. 

Familienfeiern 228 ff. 

Felix IV., Papst 305. 

Fes tu s, Landpfleger v. Judaea 35. 

Flamines 115 ff. 

Florianus, Gegenkaiser 65. 

Frauen und Jungfrauen überwiegen 
an Zahl 97 ; 215 ; Kleidung und 
Schmuck 237 ff.; sollen nur 
christl. Männer heiraten 249 ff'. ; 
auf heidn. Bewerber angewiesen 



Galenus, Arzt 304; 306. 

Galerius,röm.KaiserlO;66ff.; 191. 

Gallienus, rom. Kaiser 7 ; 63 f. 

Gallio, Prokonsul v. Achaja 34. 

Gallus, röm. Kaiser 61. 

Gebet für Obrigkeit 105 f. 

Geometrie 297. 

Gerichtshöfe 92 ff. 

Gesetz 89 ff. 

Geta, Bruder v. Caracalla 167. 

Gewerbe 293 ff. ; verbotene — 306 ff.; 
311 ff. 

Glabrio, Konsular 148 t 

Gladiatorenkampfe 257 ff. 

Gnostiker 13 f. ; verehren d. Typhon 
Seth 160; über Eid 101; Schau- 
spiele 265; AVürfelspiel 288; 
Handwerk 297; Kunst 326. 

Gordianus, Kaiser 54. 

Gorgonius, christl . Hof beamterl63 f. 

Götterbilder zu zerstören verboten 
228 ; zu machen verboten 306 ff. 

Gräber der Chr. 327 f. 

Gregor Thaumaturgus 99. 

Gregor von Tours 199^ 305. 

Gvmnasium 278; 285. 

Haartracht 237. 

Hadrian, Kaiser 43 ff.; 1 13; 126; 284. 

Handel 313 ff. 

Handwerk 294 ff. 

Heraklit. Brief über Gerichtshof e 92. 

Herminianns,ClandiusLysias,Statt- 
halter v. Kappadocien 218. 

Herrn ogenes, Gnostiker 326. 

Hermae Pastor, über Weltende 12; 
über Staat 81 ; Schauspiele 261 ; 
Ackerbau 299; Handel 314.^ 

Hierakas, Mönch und Arzt 305. 

Hieronymus 55 ; 140. 

Hippokrates, Arzt 306. 

Hippolyt, Presbyter in Rom, über 
Weltende 12 ; 15 ; severische Ver- 
folgung 51 ; Zephyrin 57 ; Römer- 
reich 87 ; Callistus 98 f. ; 156 ff.; 



— 337 — 



218; Obrigkeit 106 ; Caiiones d. 
Hippolyt über Ämter 133 ; Militär- 
dienst 172; ihre Abfassungszeit 
173, A. 1. 

Hof 154 ff. 

Honorius, löm. Kaiser 164 . 

Horatius, rnm. Dichter 174; 319. 

Hyaciiithus, Presbyter am Hofe d. 
Commodus 157 f. 

•lakobus, Apostel, über Eid 100; 
Reichtum 212; Handel 315. 

Johannes,Apostel, an versch. Stellen. 

Joseph V. Arimathaea 125. 

Josephiis Flaviiis, jüd. Geschicht- 
schreiber 155. 

Josephus, Bischof und Arzt 305. 

Judas, Christi. Schriftsteller 13. 

Judentum 11 ; religio licita 24 ff. ; 
die Juden Feinde der Ohr. 3B; 
1()1 ; Verfassung 78 ; Stellung zum 
Kaiserkult 114; ^lilitärdienst 
165; verachtet 148 ; 207 ; nehmen 
hohe Zinsen 318. 

Julius, Christi. Soldat 192. 

Julius Afrikanus, Führer einer Ge- 
sandtschaft 85; über Militärdienst 
181 ; Medicin 304. 

Justinus, Apologet 46 f. ; 213 ; über 
Korn 82 ; Obrigkeit 106 ; Steuer- 
pflicht 121 ; sociale Lage der Ohr. 
214 ; Handwerk 297 ; Kunst 326. 

Justinian, oström. Kaiser 99 ; 289. 

Juvenal, röni. Dichter 120; 284. 

Ignatius v. Antiochien, über Staat 
79 ; Eheschliessung 96 ; Verkehr 
mit Heiden 225. 

Innocenz I., Papst 118. 

Irenaeus von Lyon — über Welt- 
ende 14; Lage d. Ohr. 48; Staat 
82 f.; 86 1; Obrigkeit 109 f.; 
Hof 153 ; Handwerk 297 f. ; Han- 
del 316; Kunst 327. 

Isaak, Bischof v Genf 198. 

Isiskult 21. 

Isychus, Christi. Soldat 192. 

li 1 ß (> l in a i r , Botfiliguiig d. (Hirist. 



i Kaiser; Stellung der Chr. zum — 
: 105 ff'. ; Kaiserkult 23; 38; llOtf.; 

Kaiserfeste 292 f. 
Karthago; Konzilien von — über 
Schauspiele 283 ; Handarbeit der 
Kleriker 300; Zinsen 321. 
Kirchenordnung, ägyptische, über 
Ämter 133; 188; Militärdienst 
172; verbotene (le werbe 312. 
, Kleidung d. Ohr. 237 ff. 
. Klerus durch Decius verfolgt 60; 
! verdient m. Unterhalt d. Hand- 
i arbeit 299 ff'. ; Verl'ertiger von 
Götterbildern in den — aufge- 
nommen 311; Beschäftigung mit 
Medicin 305 f. ; muss sich von 
Schauspielen fernhalten 283; darf 
nicht Zins nehmen 321 f. 
Kommunismus der ersten Christen 

88. 
Kunst 295 ; 322 ff. 

I^actantius über Weltende 15: Ent- 
stehung des Römerreiches 81 ; 
Staat 88 ; Kommunismus 89 ; Eid 
101; Ämter 133; Militärdienst 
174; Volksfeste 293; Medicin 
302 f.; Handel 314; 316; Zins 
I 320; Kunst 323. 

Landwirtschaft 298 f. 

Laodicea, Konzil von — : über Baden 
287 ; Zins 321, A. 3. 

Lauren tinus, christl. Soldat 190. 

l^egion, thebaische, 194 ff'. 

Legio fulminatrix 185 ff'. 

Lehrer 308; 312. 

Leibesübungen 278 f. 

Leo IV., Papst 329. 
: Liberalis, christl. Patricier 150. 
I Licinius, röm. Kaiser 7; 73. 
I Licinius Silvanus Gratianus, Statt- 
halter v(m Asien 43. 

Lucas, Evangelist, Arzt 301. 

Lucian, griech. Schriftsteller 28; 
324. 

Lucina, Chi istin 216 f. 

Lucius Genucius, Volkstribun 318. 
, Luxus 231 ff*. 

am öffttitl. Leben. 00 



— 338 — 

J.ydia, Purpnrhilndlerin 212; 315. de iiiortibiis persecutonini über an 

Lyiui, OhristenDrozess von — 222. versch. Stellen. 

3[u.sik 232 ■ 297. 

Maicie 307; 312. Musonius Rufus, Plülüsoph 237. 
^laj^i'^trato, und ihre Bekleidung 

durch Chr. 130 ff. !Xame der Christen 35. 

3!ahlzeit(ai 231 ; Teilnahme an — Xereuis, christl. Soldat 184 f. 

22^); Opfennahlzeiten 14. Xero, röm. Kaiser 37; 287. 

Majestätsgesetz und Majestätsver- Nerva, röm. Kaiser 38 ; 119. 

])rechen 28 ff*.; 114. Xicaea, Konzil von — , über Zins 

Mailand, Edikt von — 7 ff.; 75. 321, A. 3. 

Mammaea, Mutter v. Alexander Xikodemu« 125. 

Severiis IßO. Novatian, über Frtihschoppen 240; 

Marc Amol, röm. Kaiser 47 f.; 98; über Luxus 243 ; Schauspiele 260 ; 

113; 177; 281. 280 ff". 

Marcia, Geliebte des Commodus 48 ; Numerianus, röm. Kaiser (Jo. 

156 f. Numa, röm. König 17. 
3Iarcellus, Centurio 191. 

Mp»-cion, Gnostiker 316. Obrigkeit 104 ff'. 
3Ir.ciopiten 210; 216. Oenomaus, c^^n. Schriftsteller 28. 
Maerian, ägj'pt. Magier i^'2 f. ( Jnokoetes 161 f. 
Macrinus, röm. Kai.ser 52. Opfer u. Opfermahle 17ff'. ; Teil- 
Marinus, Centurio 145; 190. nähme an — 14; 229. 
Martial, röm. Ejngrammatiker 284. Origenes über Zahl d. Chr. 10; Ver- 
Mathematiker 307. kehr mit 3Iammaea 53; Brief- 
Maxentius, röm.Kaiser72; 124; 219. Wechsel m. Philipp Arabs 54 f.; 
Maximian, röm. Kaiser 66 ff". über Staat 85 f.; Gesetz 91 ; Eid 
3Iaximian Daja, röm. Kaiser 71 ff". 101; 103; Obrigkeit 110; Ämter 
^Faximinus Thrax, röm. Kaiser 54; 135 f. ; Kriegsdienst 170 f.; 177; 

160. 180 f.; Verkehr 228; Familien- 

3Iauricius, Primicerius der theb. leben 248; Schauspiele 2 «9; 

Legi«)n 195 ff. Volksfeste 292. 

Medicin 295; 297; 300 ff". Osiriskult 21. 
Melchiades, Papst 329. 

:Melito von Sardes 40; 213. Pseudo- Palaestra 278 f. 

Melito über Staat 82; Tempel- Pantaenus, christl. Philosoph 213. 

steuern 121. Parthenius, christl. 3lart3Ter 151 f. 

Mi'^'tärdienst 164il". Paulus, Apostel, an verschiedenen 

Minueius Felix, Überzahl d. Christen Stellen, namentlich über Vor- 

9; Kömerreich 81; Obrigkeit 106; söhnung mit d. Welt 15; Staat 

sociale Stellung d. Christen 214; 78; Rechtsschutz 94; Eid 100; 

Bekränzung 237 I'.; Srhauspiele Obrigkeit 104 f.; 122; Steuer- 

264. Pflicht 121: Hof 154; 166; so- 
^linucius Fundanus, l^rokonsul von ziale Stellung der Chr. 208 ; Be- 
Asien 44. sitz 209; 211; Volksaufstände 
M ithraskult 2 1 . 222 ; Verkehr 226 ; Ehe m. Heiden 
IMontunismu.s 11. ; 246 f. ; Handwerk 296 f. 
Montanus 287 ; ;J20. ; Paulus, Märtyrer 109. 



— 339 — 

Paulus VOM Samosata 94; 152; 320. Scaevola, Pontifex 22. 

Perennis, Praefectus praet. 148. Schauspiele 256 ff. ; Schauspieler 

Perpetua, vornehme Witwe 218. 282; 295; 309. 

Pescennia, Gattin eines Konsuls P. Sebastian, christl. Offizier 193. 

218, A. 7. Secundus, einer der quatt. coronati 

Petrus, Apostel, an versch. Stellen; 329. 

namentlich : sein 2. Brief 33 ; Senat 1 27 ; 129 ff. ; Senatoren dilrfen 

über Verfolgungen 36; 219; nicht Handel treiben 313. 

Staat 79 : Obrigkeit 105. Seneca über Götterkult 20 ; Kriegs- 

Petnis, christl. Page 163 f. dienst 177; Theater 260; Kunst 

Phileas, Bischof v. Thmuis 153. 324. 

Philippus Arabs, röm. Kaiser 54 ff". ; Septimcmialien 17. 

114. Septimius Severus, röm. Kaiser 

Philo, jUd.-griech. Philosoph über 49 ff'.; 57; 122; 218; }MM. 

Gerichtshöfe 93; Staatsbürger- Serapiskult 21. 

liches Leben 120; Ämter 127; Sergius, christl. Soldat 164; 194. 

Luxus 237; Theater 260; Handel Sergius Paulus, Statthalter von 

313 f. Cypem 125; 212. 

Philoromus , Gauverwalter von Seth Typhon, als Gott verehrt 160 f. 

Alexan<lrien 153. Severa, Gemahlin dos Kaisers 

Plinius, Statthalter von Bithynien Philippus Arabs 54. 

9 ; 41 ; 89 ; 127 ; 202 f. Severianus, Name eines der vier 

Polykarp, über Staat 79; Kid 102; Gekrönten 329. 

Obrigkeit 106. Sevenis, röm. Kaiser 71. 

Pompcmia Graecina, vornehme SociaU- Thätigkeit der Christen 

<'hristin 215 ff. 214; 245 f. 

l*oppaea, Gattin d. Kaisers Xero Speratus, Name eines der ^lartvrer 

155; 211 f. von Scilli 89; über d. Kid 11)2 f. 

Priesterschaften d. Römer 19. Spottknizilix v. Palatin 160 f. 

Pnsca, (iattin Diocletians 163. Staat, Stellung zum -- 76 ff". 

lYocuhis, christl. Arzt 50; 159; 304. Stadium 258 ff". 

Properz, röm. Elcgikcr 325. Stcueri^Hicht 120 ff. 

Prosenes, christl. Hofbeamter 158. Stoiker über (xerichte 92; Beteili- 

Pt«demaeus Soter und gung am Staatsleben 120; Ämter 

Ptolemp/nis Philadelphos, Könige 127; Kriegsdienst 177; Luxus 231; 

von Ägypten 13. ^7; Bekrilnzung 234; Theater 

Pudens, christl. Soldat 189. 260; 313. 

^^ Suetonius, röm. Geschichtschreiber 

4{uattuor coronati 32H ff". JJ5. 205. 




Rubrius 102. 

Macra d. Röi 

Sapor, Perserkönig 6:J. Kriegsdienst 16(>; Besitz 210; 



gcbunjrVH); Obrigkeit U)6: KW; 
Macra d. Römer 17 ff. Steuerpliicht 121; Ämter 128; 



— 340 — 

• 

Schausiiiole 2<i2 f. : .Aledicin 803: Tibullui«, röm. Eloiriker 77. 

Sterndenterei.Ml 1 f. : Kunst ;t22 f. Tiburtius, Bruder i\. hl. i.'aecilia 21 7. 

Telesphonis, Phi»st 44. Titus, rOm. Kaiser 88. 

Tempelpf r-sonal u. Tempolgobäude Tnledu, Konzil von — über Ämter 

etc. 18 lY. 139. 

Tempelsteuern 121. Totenmahle 230 t*. 

Tertullian,anversohie(lenonStellen; Trajan, röm. Kaiser 40; 57; 113. 

nam. Zahl (1. Chri.sten 9: 331; 

Weltende 15 ; Staat 83 f. ; 87 ; l'lpianu.s, Jurist 52. 

Gesetz 90 f. ; Gerichte 99 f. ; Eid 

101 ; 103; Obrigkeit 107; Steuer- Valeria, Tochter Diocletians 1()3. 

Pflicht 121 ; Ämter 12«; 131 ff.; Valerian, röm. Kaiser 61 ff., 1(>2. 

Hof 159; Militärdienst 166 ff". ; Valeriu.s, Bräutigam der hl. Cjicilia 

180 ; sociale Lage d. Christen 215 ; 217. 

Verkehr 229 f. ; Bekränzung 236 ; Varro, M. Terentius, röm. Schrit't- 

Frauen k leidung 239 ff. ; Khc m. steller 17; 22. 

Heiden 247 ff. ; Theater 265 ff". ; Vereinsgesetze 29. 

Leibesübungen 278 ; Bäder 286 ; Verfluchungstafeln 160 f. 

Würfelspiel287;Volksfeste290ft" ; Vergilius, röm. Dichter 77. 

Landwirtschaft 298 f.; Medicin Verkehr mit Heiden 225; 244 ff". 

302; verbotene Gewerbe 3(}6 ff".; Vespasian, röm. Kaiser 38. 

Handel 314 f.; Zins 319 f.; Kunst Victor, Papst 157. 

322 f. ; 327. Victor, Soldat d. theb. Legion 196. 

Testanientnm domini nostri Jesu Victorinus,Xame eines der quattuor 

Christi, Abfassungszeit 173, A. 1 ; coronati 329. 

Kriegsdienst 171; Ehe mitHeideu Vitcllius, röm. Kaiser 307. 

255; verbotene Gewerbe 312, A. 5. Volksfeste 17; 23; 2^)0 ff. 

Theater 258 ff". Volksstimmung gegen d . Chr. 221 ff". 
Theodor, Bischof v.Octodurum 198. 

TheodosiusIL, Kaiser 1 73, A. 1 ; 201 . ^\'elteude und Weltgericht 1 1 ; 

Theodotus, Bischof v. Laodicea 30 i. 14 ; m f. 

Theodotus d. Jüngere 317. Wiederkunft Christi litt.; 86 f. 

Theophilus von Antiochien, über Wucher 318 ff'. 

Rom 82; Obrigkeit 106; Steuer- Würfelspiel 287 ff. 

pflicht 121 ; Gladiatorenkämijfe 

261. Zahl der Christen 9 f. 

Tiberius, röm. Kaiser 22; 112; Zenobius, christl. Arzt 305. 

119; 307. Zephyrinus, Papst 57. 



Corrigenda. 

S. 2S, A. 2: Statt: Eus. praep. evang. V. (> — V, 19 (Migne, 
S. G. XXI, 360). S. 53, A. 7 : Statt: Cod. .Tust. 1 1 ad leg. Jul. maiest. 
— Cod. Just, ad leg. Jul. maiest IX, S, 1. S. 158. 6. Z. v. u. ist 
nach „Imme r h i n" „besteht" einzufügen. 



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